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Freitag 23. Llugust 1918.
kibend-klusgabe.
Nr. 392, ♦ 66. Jahrgang.
Der neue umfassend angelegte Durch- bruchtversuch de; Zrinde; zwischen Ancre und Somme.
Eine schwere Nieverlage der Engländer.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Aug. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Boehn.
Teilaugriffe des FeindeS nordwestlich von B a k l l e u l and beiderseits der Lys wurden ab gewiesen. Im Gegenstoß machten wir Gefangene.
Der Engländer hat gestern den am 21. August nördlich der Ancre begonnenen Angriff mit voller Kraft fortgeführt und unter Aussparung der Ancrefrvnt nördlich von Albert auf den Abschnitt von Albert bis zur Somme ausgedehnt. Der umfassend angelegte Durchbruchsversuch des Feindes ist in seiner ersten Entwicklung völlig gescheitert. Der Gegner hat gestern eine schwere Niederlage erlitten.
Auf dem Kampffeld nordwestlich von B a P a u m e griffen in Erwartung feindlicher Angriffe preußische Divisionen mit sächsischen und bäuerischen Regimentern den Feind zwischen Moyenville nnd Miranmont an. Sie stießen überall ans den feindlichen, in der Entwicklung begriffenen Angriff uird starke Bereitstellung des Oiegners imd warfen de» Feind stellenweise bis zu 2 Kilometer Tiefe zurück. Damit waren die für den Morgen vorbereiteten englischen Angriffe zerschlagen. Im Lauf des Tages griff der Feind noch mehrfach, insbesondere aus Richtung Puisienx- Beaumont-Hamel an. Er wurde überall unter schweren B e r l u st e n abgewiesen. Starke Angriffe des Gegners aus Albert heraus brachen in unserem Feuer zusammen.
Zwischen Albert und der S o m m e griff der Feind nnteo stärkstem Feuerschutz an nnd drang vorübergehend über die Straße Albert-Braye hinaus in östlicher Richtung vor. Kraftvoller Gegenangriff hessischer Truppen mit Teilen preußischer und württcmbergischer Regimenter warf den Feind über die Straße hinaus in seine Ausgangsstellungen zurück. Offen auffahrende Batterien schossen zahlreiche Panzerwagen des Gegners zusammen. Nördlich von Brave fetzte der Feind K a v a l l e r iv zur Attacke an. Sir wurde fast restlos v e r n i ch t e t. Teilkämpfe dauerten auf dem Schlachtfeld bis in die Nacht hinein an.
Zwischen Somme und Oise im allgemeinen ruhiger Tag. Starker Feuerkampf südlich der Somme flaute in den Vormittagsstunden ab. Südlich der A v r e kamen französische Angriffe bei Frcsniercs iu unserem Feuer nur teilweise zur Entwicklung und wurden abgewiesen. Jnfanterio- gefechte an der Tivette.
Zwischen Oise und Aisne nahmen wir im Anschluß an die am 20. August erfolgte Verlegung unserer Linien hinter die Oise in der Nacht vom 21. zum 22. unsere Truppen vom Feind ungestört hinter die Billette zurück. Starken Angriffen des Gegners zwischen Mvniramp und Pont-Saint wichen unsere auf dem Westufer der A i l l e t t e noch verbliebenen Kompanien hinter den Abschnitt aus. Teil- augriffe des Feindes zwischen Arllctte nnd Aisne scheiterten in unserem Ferner und im Gegenstoß.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Zwischen B a z o ch e s und F i s m e s drückten wir in örtlichen Angriffen amerikanische Posten- liuienznrück nnd wiesen feindliche Gegenangriffe ab.
Leutnant U d e t errang feinen 57. und 58. Luftsieg.
Bei Fliegerangriffen auf das Heimatgebiet wurden nach bisherigen Meldungen von einem auf Karlsruhe angesetzten feindlichen Geschwader zu 1ü Flugzeugen durch unsere Jagdflieger 7 Flugzeuge vernichtet.
Der Erste Generalqnartiermeister: Lndendorff.
Deutsche Flieger über Paris.
W. T.-B. Paris, 23. Arg. (Drahtbericht. Agonce Havas.) Heute vormittag 9% Mhr überflogen einige feindliche Flugzeuge auf einem Erkundungsflug in sehr großer Höhe die Pariser Bannmeile. Heftig «beschossen von unseren Batterien und verfolgt von unseren Aibwehrflugzengen flogen sie nach Norden ab.
Die gewaltigen Slnstrengungen ver Entente an der Westfront.
W. T.-B. Berlin, 22. Aug Welch gewaltige Anstrengungen die Entente aufwendet, um eine Entscheidung Herbeizufuhren, echellt aus dem Rieseneinsatz ihrer Truppen in einem verhältnismäßig schmalem Raum. So kämpften beispielsweise allein vor der Front der Armee v. Hutier seit dem 8. August mindestens 24 französische und 5 englische Divisionen, und davon stehen augenblicklich noch etwa 18 in der Front. Die übrigen sind nach ihrem Einsatz infolge von Verlusten und Ermattung herausgezogen worden. Rechnet man hierzu den großen Aufwand an Maschinen, Tanks, Panzerautos, Kampfgeschwadern usw., und ferner den Umstand, daß unter den oben aufgeführten Divisionen sich
mehrere der besten Elitedivisionen befinden, wie z. B. die 47. und 46. französische Jägerdivision, ferner 3 aftikanische, unter ihnen die bekannte 153., und daß endlich die beteiligten englischen Divisionen aus den berühmten kanadischen Korps lestehen, so kann man sich vergegenwärtigen, was die Armee Hutier in den unausgesetzten Kämpfen der letzten oeiden Wochen, in denen Dutzende von feindlichen Angriffen blutig abgeschlagen wurden, geleistet hat, Erst jetzt werden durch die Gefangenenaussagen nach und nach die Feindverluste bekannt. Alle Gefangenen stimmen in ihren Aussagen darin überein, daß die Verluste durch die Treffsicherheit der deutschen Artillerie und durch das Maschinengcwehrfeuer sehr eibeblich seien und daß es den Deutschen gelang, durch diese Waffen im Verein mit den schneidig durchgeführten Bajonettkämpfen der Infanterie die Massenangriffe der Verbündeten jedesmal zum Scheitern zu bringen.
Oer gescheiterte feindliche Ourchbruchsversuch von vorgestern.
W. T.-B. Berlin, 22. Aug. Nachsein die Entente-Armeen sich bei ihren großen frontalen Angriffen beiderseits der Av re noch vieltägigen blutigen Kämpfen völlig fest - ge rannt hatten, suchte Fach durch sorgsam vorbereiteten Flankenstoß zwischen Oise und Aisne eine Entscheidung zu erzwingen. Durch einen gcotzängelegten Angriff südlich Arras sollte dieser Plan seine Krönung finden. Sowohl hier wie dort erhofften die Franzosen und Engländer den so oft und so lange erstrebten Durchbruch der deutschen Front. Das Ziel der Engländer für den ersten Kampftag lag, wie seststeht, weit östlich der Linie Combles-Bapaume. Trotz des gewaltigen Einsatzes' starker Fliegerdivisionen und zahlreicher Tankbataillcne erlebte die Entente eine schwere Enttäuschung. Die frühzeitige Bereitstellung der starken englischen Kavallerie zeigte die sichere Hoffnung der Briten ans einen Sieg Dieser blieb wiederum aus. Statt dessen erlitten sie eine Niederlage. Der großangelegte feindliche Plan ist sowohl an der englischen wie an der französischen Front unter schweren Verlusten des Gegners bisher gescheitert.
W. T.-B. Berlin, 22. Aug. Zwischen der Oise und Aisne blieb das feindliche, weit ins Hintergelände reichende Artillcriefeuer in der Nacht vom 20. zum 21. August dauernd äußerst lebhaft und erreichte gegen Morgen größte Stärke. Der nach vierstündigem Trommelfeuer östlich der Oise vorbrechende feindliche Ansturm verpuffte in dem von uns geräumten Gelände. Um 7 Uhr vormittags ging der Gegner mit starken Kräften und zahlreichen Panzerwagen östlich von Blerancourt zum Angriff vor. Dem geringen Geländegewinn nördlich der Straße Blerancourt-Trosl steht das völlige Scheitern seines Angriffs südlich der Sttaße gegenüber, wo er von 9 Uhr vormittags ab angriff. An der M o r - sain-Sch lucht wurde besonders heftig gekämpft. Vorübergehend eingedrungener Feind wurde durch wuchtigen Gegenstoß zurückgeworfen. Am Abend griff der Feind beiderseits der Schlucht wiederum mit starken Kräften und Tanks an und wiederholte seine Anläufe bei Boeuxh mit grcßer Wucht ncch zweimal. Trotz der erbitterten Kämpfe, Sie bis zum Abend andauerten, blieb dem Feinde jeder Erfolg versagt. Seine in unserem Feuer sowie im Gegenstoß erlittenen Einbußen entsprechen der Hartnäckigkeit, mit der der Gegner hier vergeblich entscheidende Erfolge suchte. Mit erkannter großer Wirkung griffen auch unsere Schlachtflieger mit Bomben und Maschinengewehrfeuer in den Kampf ein.
Der englische Mißerfolg inr Krmmelgcbict.
W. T.-B. Berlin, 22. Äug. Der im Heeresbericht gemeldete feindliche Angrift im Kemmelgebiet erfolgte in mehr als 3 Kilometer Breite beiderseits der Straße Dranoeter- L o k e r. Nördlich der Straße wurde der Gegner bereits vor unseren Linien durch das zusammengefatzte Feuer unserer Batterien abgewiesen. An und südlich der Straße schlug ihn unsere Infanterie im Gegenstoß.
Die Massenanwendung englischer Tanks.
W. T.-B. Berlin, 22. Aug. Bei dem großangelegten englischen Angriff südlich Arras sollten zahlreiche Tankbataillone den Erfolg sichern. Nach den Gefangenenaussagen waren allein bei Achiet-le-Petit über 190 Tanks auf schmalem Raum eingesetzt. Die von der Maffe der anrollenden Tanks erwartete Wirkung blieb aus. Viele Tanks liegen zerschossen vor unserer Front, während die meisten durch wohlgezieltes Feuer zur schnellen Umkehr gezwungen wurden.
Ueber eine halbe Million Tonnen im Monat Zull.
W. T.-B. Berlin, 23. Aug. (Amtlich. Drahtbericht.) Im Juli wurden insgesamt 55!) 000 Bruttoregistertonnen des für unsere Feinde nutzbaren Handelsschiffsraums vernichtet. Der ihnen zur Verfügung stehende Hun- delsschiffsraum wurde somit allein durch kriegerische Maßnahmen der Mittelmächte seit Kriegsbeginn um rund 18 800 006 Bruttoregistertonnen o:rringert. Hiervon sind rund 11600 000 Bruttoregistertonnen Verluste der englischen Handelsflotte. — Nach den inzwischen gemachte» Feststellungen wurden im Juni außer den seinerzeit schon bekannt gegebenen Verluste» an feindlichen oder im Dienste unserer Gegner fahrenden Handelsschiffen noch weitere Schiffe von zusammen 28 000 Bruttoregistertonnen durch kriegerische Maßnahmen schwer beschädigt in feindliche Häfen eingebracht.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
wo bleibt der Reichstag?
Der russische Gesandte in Berlin, Herr Joffe, ist von ferner Reise nach Moskau sehr bald wieder zurückgekehrt und hat an dem Ergänzungsvertcag zu dem Brest- ^itowsker Friedensschluß nur Abänderungen von untergeordneter Bedeutung beantragt, so daß die endgültige Einigung und die Unterzeichnung des Vertrages jedenfalls bald erfolgen kann. Da die Abmachungen sich auch auf Gebi-tsfragen beziehen, ist ore Z n st i m m u n g des Reichstags nötig, und man hätte erwarten können, daß der Reichstag zur Erledigung des Friedensvertrages mit Rußland möglichst bald zusammentreten werde. Nun werde aber amtlich mitgeteilt, daß der Stellvertreter des Reichskanzlers, Herr v. Payer, im Beisein des Staatssekretärs v. Hintze die Führer der Reichstagsfraktionen zu _ einer mehrstündigen Beratung empfangen und mit ihnen die deutsch-russischen Zusatzverträge und ihre geschäftliche Behandlung erörtert hat, wobei die Mehrheit der Abgeordneten die Ansicht vertreten habe, daß auch nach Abschluß der zurzeit noch schwebenden Verhandlungen mit Rußland von einer sofortigen Einberufung desReichstags abgesehen werden könne.
Wir können uns mit dieser Hinausschiebung der Vertragsbestätigung durch den Reichstag nicht einverstanden erklären. Zunächst . wird die Zustimmung des Reichstags dadurch zu einer Nebensache gemacht. Die Regierung ist fest überzeugt, daß die Mehrheit des Reichstags den Vorträgen zikftimmen wird, und das genügt ihr. Nach außen hin fehlt aber das letzte Siegel, und das ist gerade in Anbetracht dessen, daß die Verhältnisse in Rußland noch recht wenig gefestigt sind, nicht bedeutungslos. Wenn heute eine Änderung in der russischen Regierungsgewalt eintritt und das kann bis zum November immerhin geschehen, so hat Deutschland einen noch nicht oollzooen-m Vertrag in den Händen, der von einer anderen russischen Regierung als der jetzigen nicht anerkannt zu werden braucht. Natürlich kann bei einem gewaltsamen ffmsturz in Rußland die neue Negierung auch einen von der alten abgeschlossenen Vertrau als nichtig erklären, aber sie hat es doch nicht so leicht in der Hand, dies zu tun, wie wenn der Vertrag überhaupt noch keine Rechtskraft erlangt hat.
Die Annahme des Vertrags muß, wie gesagt, durch die Vollversammlung des Reichstags erfolgen und es kann sich deshalb nur um deren Einberufung handeln, nicht aber um die des Hauvtausschusses. Die- ser kann ebenso wenig bindende Beschlüsse für die Voll- Versammlung des Reichstags, fassen, io-ie das die Fraktionsführer tun können, die jetzt mit Herrn v. Payer sich unterhalten haben. Sind aber schon die Verhandlungen im H a u p t a u Z s ch u ß des Reichstags ohne bindende Kraft für dessen Vollversammlung, so gilt das erst recht für Vereinbarungen, die zwischen den Fraktionsführern und der Regierung getroffen werden. Die einzelnen Parteiführer vermögen nicht die Vollversammlung des Reichstags zu ersetzen, der in seiner Gesamtheit die Vertretung des deutschen Volkes ist. In seinen Sitzungen wird öffentlich verhandelt und nach den Reden der einzelnen Abgeordneten und ihrer Abstimmung können die Wähler die Haltung ihr-w Abgeordneten beurteilen, während über die Verhandlungen der Fraktionsführer mit Regierungsvertretern, die meistens einen vertrcmlichen Charakter haben, nur ganz nnvollständiae Berichte in die Öffentlichkeit gelangen. Aber auch über die Verhandlungen im Naupt- ausschuß des Reichstags werden nur stark frisierte Berichte ansqeaeben. in denen die Regierungsvertreter sehr ausgiebig, die Abgeordneten aber nur in sehr knapper Weise zu Wort kommen. Das politisch" Gesamtbild wird dadurch entschieden verschoben und die Bedeutung des Reichstags zuriickgedrängt. Für die Regierung allerdings mögen diese Verhandlungen politischer Fronen im kleinen Kreise ibre Annehmlichkeiten haben. Das deutsche Volk aber kann derlonaen, daß der Reichstag in seine'- Gesamtheit als z u st ä rt« diges Forum in allen Fragen, üben die er zu hören ist, so rasch als möglich sein Urteil ahcsibt.
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Vizekanzler v. Paper im Kroffen l^anptpnart»er.
Fr. Berlin, 23. Aug. (Eig. Drabtbericht. zb.) Vizekanzler v. P a y e r hat seine angckündigte Reise in das Große Hauptquartier gestern abend angetreten.
Die Gntsntestreilkräfte im Murmanqeblet.
Fr. Stockholm, 23. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Politiken" meldet aus Moskau- Das frühere Mitglied der Murmaoflotte, Parteigenosse Popow, der sich gegenwärtig in Moskau aufhält, machte folgende genauen Angaben über die Er.teuteftreitkräfte im Norden - Die Engländer sind 3000 Mann stark, die Franzosen 890, die Serben 5000. Dazu kommen 300 Überläufer. Folgende Kriegsschiffe liegen an der Murmanküste verankert: das englische Linien»
