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Verlag Langgasse 21

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Donnerstag» 22. August 1918.

Morgen-Kusgabe-

- ....' ^ - *

Nr. 389, » 66. Jahrgang.

Kolonien, weltvolk, herrengefühl.

Von Professor Dr. Daenell cm der Universität Münster.

In zahlreichen programmatischen Kundgebu.ng.en ist es seitens der deutschen Regierung immer wieder betont worden, daß die Rückforderung aller unserer Kolonien unsere wichtigste Friedensforderung ist. Erst gestern, bezeich­nte Staatssekretär Dr. Sols in seiner meisterhaften Rede an die Adresse Balkour, daß die Erhaltung unseres Kolonial­besitzes eine Ehren- und Lebensfrage für Deutschland-als Grotzigacht sei und dass wir einen Aus­gleich unter den Kolonialstaaten nach dem Grundsatz wollen, dass der koloniale Besitz den wirtschaftlichen Kräften der europäischen Nationen entsprechen soll. Aber wahrhaftig, wenn diese Ding; den Massstab für den Umfang unseres künftigen Kolonialbesitzes bilden sollen, dann mühte dieser bei weitem grösser ausfallen, als er vor dem Kriege war.

Aber schon die Rückgabe unseres alten Kolonialbesitzes, und selbst eines Teiles davon, versetzt unsere Gegner, insbe­sondere die Engländer, wenn sie an die künftige Rege­lung der kolonialen Fragen denken, in Erregung und Sorge. Nicht bloss die Politiker und die Presse Englands, auch die seiner Dominions in Südafrika, in Australien und Neusee­land erklären sich mit wachsendem Nachdruck dagegen. Die Gründe, die dabei für di; Festhaltung des ehemaligen deut­schen Kolonialbesitzes geltend gemacht werden, sind recht ver­schiedene. Mit beweglichen Phrasen wird von den Brutali­täten der Deutschen gegen die eingeborene Bevölkerung ihrer Kolonien gesprochen und England zu seinen vielen welt- beglückenden Ausgaben, die es nach göttlichem Ratschluss seiner eigenen Meinung nach zu erfüllen hat, auch die zu­gewiesen, die armen, von den Deutschen angeblich geknech­teten, auSgebeuteten, demoralisierten schwarzen Eingeborenen einem menschenwürdigen Lose zuzuführen; . wenn es sein muh, unter Hintansetzung seiner eigenen Interessen. Wie fc pie doch der südafrikanische General Smuts in der Geographischen Gesellschaft in London über die edelmütige Selbstlosigkeit der Engländer, die sie zwingt, die Bürde der Erlösung der Farbigen überall auf sich zu nehmen? ..Eng­land bat niemals die Eingeborenen militarisiert, es war stets bestrebt, ihre Interessen zu erforschen und die eigenen hint­anzusetzen." Das klingt ja sehr schön für di« Ohren der Welt,

stimmt aber schlecht zu der Taffach;, dass, wo der Fuss des Engländers als Kolonisten oder Herren hintrat, der einge­borene Farbige zum Freiwild gestempelt und davongchetzt wurde. Die Geschichte der Greuel der englischen Einwanderer gegen die Indianer Nordamerikas ist leider viel zu wenig be­kannt. Es stimmt auch schlecht zu der Kaltblütigkeit, mit der England die Bevölker-ing.Indiens in Hungerzeiten hinsterben läßt Aber gleichwohl, England erklärt, die Farbigen vor dem deutschen Militarismus bewahren zu müssen. Und Sir Harry Johnston, einer der angesehensten unter den englischen Kolonialpolitikern, warnt seine Landsleute, Ostafrika den Deutschen zn lassen, weil dann Deutschland die 20 Millionen Farbige bald so organisiert haben iverde, dass es in Afrika unbesiegbar lei. Jedoch dieser Kenner der Kolonien verrät dabei, worin die starke Stellung der Deutschen bei den Schwarzen bestand, und dies widerspricht stark dem, was die Engländer sonst gern über die Mangelhaftigkeit unserer Kolonialverivaltung die Welt glauben machen möchten:Die Leistungen der Deutschen in den Künsten des Friedens und Krieges machten Eindruck auf die Ostafcikaner. Garten- und Ackerbau waren in deutschen Kolonien besser entwickelt als in er.glischen und französischen. Sie hatten wirklich gute Schulen in Ostafrika und Kamerun."

Wozu also das gmize Geschrei de- englischen Presse und Redner über unsere Rückständigkeit in der Behandlung von Kolonien? Die Gründe der englischen Begier nach unseren Kolonien sind natürlich ganz andere als humanitäre Für- scage für die Farbigen. Es ist eben immer und überall die gleiche Beobachtung. Die Humanität ist auch hier nur der fromme Deckmantel, unter dem nackter Land-, Geld- und Machthunger sich verbirgt. Denn diese Kolonien, die uns von den anderen älteren Kolonialmächten als minderwertige und obendrein zerstückelte Landsetzen einst, freilich auch noch widerstrebend genug, gegönnt werden mussten, haben sich unter unserer schaffenden Hand zu ergiebigen lind ausiichts- vollen Gebieten entwickelt. Und infolgedessen verspüren Eng­land und seine grossen weihen Kolonien in Südafrika und Australien einen unbändigen Hunger danach. Die Übernahme unserer Besitzungen würde sie obendrein recht billig zu stehen kommen, da wir ihre Entwicklung ja schon weit gefördert haben. Die obige Äusserung Johnstons besagt darüber genug.

Überdies fürchten sie unser weiteres Erstarken in ihrer Nachbarschaft, wenn die Kolonien uns zurückgegeben werden. Der Widerstand, den wir in O st a f r: k a so heroisch geleistet haben, daß er an die Taten der alten Heldensagen erinnert, hat ihnen bange gemacht. Der Südafrikaner Smuts ist dafür ein einwandsfreier Zeuge, wenn er sagt:Die

hartnäckige Verteidigung seiner letzten Kolonie durch den Feind war nicht nur an sich eine grosse Heldentat, sondern auch ein Beweis, wie große Wichtigkeit dieser afrikanischen Kolonie von der deutschen Regierung beigemessen wird, so­wohl als wirtschaftlichem Eigentum wie als strategischem Ausgangspunkt zur Errichtung eines zentralafrikanischen ' Reiches. Die unzeitige oder unkluge Zurückgabe von Deutsch- Ostafrika an seinen früheren Besitzer könnte daher Folgen

haben, die weit über die Grenzen des afrikanischen Kontinents hinausreichen." Deshalb knüpft er an seine Ausführungen vom Standpunkt des englischen Südafrika die kategorische Forderung, die er als Kampfziel Südafrikas hinstellt: Ver­nichtung des deutschen Kolonialbesitzes.

Ähnlich lässt sich ein englisches Untrrhausmitglied ver­lauten: ,Für die südafrikanische Union bedeutet die Anwesen­heit der Deutschen in S ü d w e st a f r i k a nicht nur eine be­ständige Gefahr vor ihrenTorea, sondern auch eine schleichende unmittelbare Gefahr sogar in ihrer Hauptstadt." Wenn er danii weiter warnend bemerkt, die Rückgabe Südwestafrikas an Deutschland werde den Engländern auch die Verachtung eines jeden Schwarzen südlich des Zambcsi eintragen, so ist das natürlich wieder eine von den bekannten Phrasen, in denen der Engländer neben dem Amerikaner so besonders gross ist. Denn wann hätte sich England sonst jemals um die Meinung der Schwarzen gekümmert? Dagegen zeigt seine Bemerkung, dass die Zukunft der deutschen Kolonien über­haupt von drei Gesichtspunkten betrachtet werden müsse, dem der Rohstoffe, dem der Mensche akra ft (für Kriegszwecke', und dem der imperialistischen Strategie, in nackter Klarheit, worauf es England bei der Fcstbaltung der deutschen Kolonien ankommt: Machtzuwrchs für seine Wirtschaft, seine Kriegs­rüstung und seine Weltstellung.

Und ganz Ähnlich äußert sich die australische und neuseeländische Presse gegen die Wiedereinräumung unseres Kolonialbesitzes in der Südsee, wenn sie wieder und wieder betont, dass eine deutsche Stellung im Stillen Ozean Australien und -damit das ganze britische Reich gefährde. Don Australiern wie den Engländern und Amerikanern macht es vor allem Alpdrücken, daß bei -der von ihnen erwarteten künf­tigen Auseinandersetzung zwischen -der angelsächsischem Raffe und Japan über die MachtverhäMiiffe im Bereich dieses Welt­meers' Japan an Deutschland eine für die imperialistischen Ziele Englands und Amerikas sehr gefährliche Stütze finde:i könne.

Mso irnmer wieder in -den Stimmen unserer Gegner Macht, Macht der Erundten für -die Forderung, uns unseren Kolonialbesitz nicht wieder Mrückzugeben. Aber auch für un­sere politische Orierüierung mutz folglich -derselbe Gesichts­punkt gegenüber der Frage der Wiedergewinnung unserer Kolonien der beherrschende sein: Steigerung unserer Macht inl weitesten Sinne für das künftige Ringen mit den so viel besser ausg-cst-atteten Angelsachsen um Weltgeltung und Siche­rung unserer Lebensmotwendigkeiten. Wir dürfen nicht unter die Räder der Entwicklung kommen, der Traum des Angl-o-' Amerikaners Carnegie darf nicht Wirklichkeit werden^ daß sich der gesamte Erdkreis zu den Füssen des gebietenden Angelfachsentums lagere, um aus seiner Hand die Entschei­dung über Krieg und Frieden, über das Schicksal der WAer schweigend als dienendes Glied entyegenzunehmen.

Unseren Weg zum Welt Volk, das sich frei und unab­hängig seine Ziele fetzt und sein Leben gestaltet, müssen w,r weitergehen; wir können nicht anders, ivenn wir in Zukunft Achtung rnd Ansehen genießen wollen, wenn wir als grosse Stacht weiterleben wollen. Dazu aber ist starke koloniale Macht unerlässlich. Was diese in den Händen unserer Geg­ner bedeutet, das -hat uns ja nicht erst dieser Weltkrieg mit schmerzlichster Deutlichkeit bewiesen. Der Besitz weiter Räume, das Bewusstsein, über vieles und Grosses zu gebieten, gib: jedem Volk, ganz abgesehen von allen wirtschaftlichen und machtp-clitischen Vorteilen, die so viel erörtert sind, erst daS wahre Kraftgefühl und Herrenbewußtsein des Weltvolks. D.iS ist jenes Gefühl, -das dem Engländer durch seinen Riesenbesitz in aller Welt längst zur SeMstverständlichkert geworden ist, das der Rr:ffe im Bewusstsein seiner ungeheuren Räume und ihrer Entwickln» gsfähigkeit -bisher besaß, das ebenso das Auf­treten des Rordamerikaners in aller Welt 'bestimmt, das auch dem Franzosen sein gewaltiger Kolonialbesitz einprägt und das der Gegner zu entwickeln im Begriff ist. Sorgen wir daher dafür, jeder an seinem bescheidenen Teil und unsere ReichSleitung für uns alle, daß die grosse Stunde nicht ver­patzt wird, die uns entweder zum Weltvolk »nacht oder uns unter die Fütze der anderen wirst. ES liegt bei uns, -ob wir die Bedeutung der Stunde erkennen. Unsere Gegner, ge­wiegte alte Kolonialvölker, haben sie längst begriffen und wer- den darnach handeln.

Englisch-amerikanischer Gsheimvertrag gegen Japan?

Nr. Berlin, 21. Aug. (Eig Drahtbericht, zb.) Dem L.-A." wird aus neutralen Diplomatenkreisen milgeteilt, dass zwischen den Vereinigten Staaten und England ein Ge­heimvertrag abgeschlossen worden ist, der das zukünftige Ver­hältnis beider Länder nach dem Friedensschluss genau regelt. Es handelt sich um eine Art Schutz- und Trutzbündnisvertrag politischer und wirtschaftlicher Natur, der seine Spitze gegen Japans Expansions­politik in Ostasien richtet. Großbritannien und die Vereinigten Staaten glauben, nach einer Riederzwingung Deutschlands unter Ausschaltung Rußlands aus der Welt­politik in der Lage zu sein, jeden Versuch, ihre eigenen In­teressen iss Ostasien zu stören, niederzuhalten,

Neuer französischer Mißerfolg.

ßud) starke englische Angriff« gescheitert.

IV. T.-B. Berlin, 21. Aug., abends, sAmtlich. Drahtbericht.) In Flandern T e i l k L m p f e westlich des Semmel. Nörd­lich der Anrre brachen starke, auf breiter Front in Rich­tung B a p a n m e geführte Angrfffe der Engländer unter schweren Verlusten zusammen. Erneuter Durch­bruchs» ersuch der Franzosen zwischen Oise und Äisne ist gescheitert.

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Ein anti-amerikanisches Propagandabureau, in Frankreich?

Br. Zürich, 21. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) DieNeue Zürcher Ztg." meldet aus Paris: In Mallherbes hat die Polizei ein Zentralbureau anti-amerikanischer Propaganda, das unter dem NamenPhönix" existierte und systematisch die Rüstungsindustrie mit Flugschriften überflutete, aufgehoben. Die Zentrale bezeichmete sich al>s Bureau für die Wiederge­burt der durch den Krieg zerstörten Länder. Die beiden Leiter sind verhaftet worden.

General Pershing gegen die amerikanische Hetzpropaganda

Während die politischen und militärischen Fübrer unserer Fei» de keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um die niedrig- iten und gehässigsten Verleumdungen unserer Truppen in die Öffentlichkeit ihrer Länder zu bringen, macht der Höchstkom- mand.evende der Amerikaner in Frankreich, General Pershing, eine rühmliche Ausnabme. Am 11. Juli wendete er sich in folgendem Telegramm an die zuständige Stelle in Washing­ton: ..Eine Zeitung in St. Louis, die kürzlich hier einlief, berichtet, dass ein Sergeant, einer von den Fünfzig, die in Verbindung mit der FreibeitSanleihe (als Propagandaredner. Schrift!.) zurückgeschickt worden sind, Reden hält, in denen er sagt:Die Deutschen geben den Kindern vergiftete

Zuckerware zum Essen und Handgranaten zum Spielen. Sie zeigen ein unbändiges Vergnügen angesichts der Todeskrümmungen der Kinder und lachen laut, wenn die Granaten explodieren. Ich sah einen amerikanischen Jungen von 17 Jahren, der von den Deutschen gefangengenommen worden und dann zu uns zurückgekvmmen war. Er hatte Baumwolle in und über den Ohren. Ich ffagte jemand, wozu die Baumwolle war, und er antwortete, die Deutschen haben »hm die Ohren abgeschnitten und haben ihn zurückgeschickt, um uns sagen zu lassen, sie wollten Männer zum Kämpfen baken. Sie geben den Amerikanern Tnberkelbazillen zu essen." Da nicht die geringste tatsächliche, auf irgend einer Erschrung beruhende Unterlage für solche Aussagen bor­banden iit, empfehle ick. daß dieser Sergeant, falls seine oben wiedergegebenen Mitteilungen von ihm wirklich gemacht wor­den sind, sofort zur Dienstleistung hierher zurückgeschickt werde und daß seine Aussanen widerrufen werden." Bezeichnend für den sittlichen Trefftand der amerikanischen Hetzpresse ist übrigens die Auffassung der Pershingschen Verfügung. Die New YorkerEvening Post" muß zwar die Lügen, die jener Sergeant über deutsche Grausamkeiten verbreitet, alsAuf­schneidereien" (!). diein jeder Armee Vorkommen", bedauern, aber nur deshalb weil sieeine Grausamkeit gegenüber den Eltern amerikanischer Soldaten" seien! Für die anstän­dige Gesinnung des Generals Pershing hat man in Amerika leider kein Verständnis.

ver österreichisch-ungarische Tagesbericht-

W. T.-B. Wien, 21. Aug. (Drabtbericht.) Amtlich ver­kantet vom 21. August, mittags: Bei Nervesa verfuchten italienische ErkundurgSabteilungen auf dem Ostu-fer der Piave Fuß zu fassen. Sie wurden aufgerieben. Sanft vielfach ArtrllerielcÄnpf- In Mbanien keine besonderen Er­eignisse. Der Chef des Genera lstabs.

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Die österreichisch italienische Gefangenenkonferenz.

W. T.-B. Bern, 21. Aug. Nack einer Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentur ist hier in Anwesenheit des Bundespräs-denten und des Vizepräsidenten Müller die Konferenz über die Kriegsgerangenenfragen zwischen Ver­tretern Österreich-Ungarns und Italiens eröffnet worden.

Englische vorstötze in Palästina gescheitert.

Feindlicher Fliegerangriff «uf Konstantinopel.

IV. T.-B, Konstantinopcl, 20. Aug. (Amtlicher Heeres­bericht.) P a l ä st i n a f r o n t: In der vergangenen Nacht griff der Engländer nach heftiger Feuervorberei- t u n g unsere Stellungen im Küsienabschmitt an. Die starke Infanterie des Gegners, die unter dem Schutz des Feuers ihrer Artillerie gegen unsere Stellungen vorstürmte, wurde nach lange anhaltenden blutigen Bajonett- und Hand­granatenkämpfen restlos abgewiesen. Wir behaupteten überall unsere Stellungen. Bei den Kämpfen hat sich das Infanterie-Regiments Nr. 21 besonders hervorgetan. Die Verluste des Gegners sind sehr hoch Viele Tote liegen vor unseren Stellungen. Ein erneuter, gegen Merdsch und Kesfa gerichteter feindlicher Vorstoß wurde gleichfalls abgewiesen. Tagsüber beiderseitiges Artilleriefeuer in den üblichen Gren­zen. Auf den übrigen Front«, nichts von Bedeutung.

In der Nacht vom 19. zum 20. August ist Konstantinopel von feindlichen Fliegern angegriffen worden. 'Es wurde kein Schaden'angerichtet. Einige italienische Staatsangehörige . wurden leicht verletzt,