üifsbatoifr TsMit.
Verlag Langgasse 21 mrtAftti+ftfh v&r, 12 HUSQüfeßtt. ~ ,.T-gdl-«ch°us-- Nr.esso-ss
.»Tagblatthaus . ^ ^ Bon 8 Uhr morgen- bis 7 Uhr abend-, üuHer Evnntags.
HWalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgen- dt- 7 Uhr abends. ^ >
veLuas.Preis für beide Ausgaben: Mk. 1.20 monatlich, TU. 3.60 vierteljährlich durch den Verlag Langqaffe 21. ohne Bringerlohn. Ml 4.65 vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis» marrkrrng IS. sowie oie Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblart-Träger.
Bon 8 Uhr morgen- bis 7 Uhr abend-, außer Bonntag-.
«uzeigen-Preis sür dir Zeile: 25 Ph. sür ör,licke Anzeigen: W P,g. für au»w»eAge
1.85*Sit für öctlicDe aietlamen; 2.50 MI. Tut nuswartige Rellamen. - "'s^dolNr Auf-mhme un»rr Lndener Anzeige, i, kurze» Zwilckenraunien enlwreckender Nnchla^^ Anzeigen.Annnhm^. Für d» Adend-Ausgabe bi» 18 Udr minan«: iur die Morgen-Auigabe bi» » Uhr nackmttlag». Für »« «uinabme von Anzeigen an norgesckriebenen Tagen und Plagen wird keine SewLhr übernemmen.^
Samstag» 17. slugust 1918.
Berlmer Abteilung des Wiesbadeurr Tagblatts: Berli» W. 57, A» der Apo str Mrche 7»I. Ser»fprrch«: Amt Lützow 6202 und 6203 .__
Nr. 382. . 66. Iaffrgang.
kibend-klusgabe.
Das tjchecho-slowakische „Uönigreich".
Den Tschecho-Slowaken in Rußland muß es sehr schlecht gehen. Eine Welle vonPeffimismus überflutet die englische Zeitungswelt. _ der diensteifrige Reuter-Telegraph verbreitet über die ganze Erde eine fylut von traurigen Anzeichen, die ihre Spitze insgesamt gegen jenes phantastische Unternehmen kehren, das die große Ententeaktion zur Verschlingung des riesigen Bissens einleiten sollte. Es scheint, wie fchon oft, daß auch hier der Appetit größer war als die Verdauungsfähigkert. Der ungeheure Komplex russischen Gebietes, der sich über zwei Erdteile erstreckt und eine Längenausdehnung von vielen Tausenden von Kilometern hat, ist schon durch die Gewalt seiner Maße und seiner Entkernungen cm nicht zu unterschätzender Feind. Die deutschen Heerführer konnten dieses Feindes schon darum Herr werden, weil sie von einer breiten und wohl organisierten Basis aus an die stückweise Überwindung der Distanz gehen konnten. Auf der anderen Seite aber arbeitet die Entente in ihrem Feldzuqsplan gegen Rußland von der äußeren Linie her, wo ihr die wohl ausgerüsteten Basen fehlen. Die einzige Ententemacht, di^ über solche verfügt, Japan, scheint nach den letzten Nach- richten, oder noch mehr, nach dem, was verschwiegen wird, immer noch nicht bereit zu sein, sich mit größeren Kräften an dem russischen Abenteuer zu beteiligen, von dem sie schon im letzten russisch-japanischen Kriege manches Nachdenkliche verkostet hat. Zudem naht mit Riesenschritten der furchtbare mandschurische und sibirr- sche Winter, der die Erde metertief testfrieren läßt und alles unter seinen Schneemassen begräbt. Da die Bolschewik! alle Brücken längst zerstört und jene Strecken der sibirischen Bahn, die nicht mehr in ihrem Besitz sind, gesprengt haben, ist ein Vorgehen größerer Truppen- Massen aus dem Osten nach zwei Wochen von heute ab ganz undenkbar, lind das um so mehr, als das ganze Transbaikalland bis zuni Baikalsee ein wüstes, men- scheu- und wegeloses Gebirgsland ist. Trotz der — verhältnismäßig geringen — Truppenlandungen in Wladiwostok werden die tschecho-slowakischen Abenteurer und ihre Mitläufer nach wie vor so ziem- lich a u f s i ch s e l b st angewiesen sein. Tie Entente hat zu früh gejubelt, Professor Masaryk, der famose Vok- sitzende des in Paris versammelten tschecho-slowakischen „Nationalrates", hat seine Proklaniationen zu früh der verblüfften Kulturwelt mitgeteilt. Mit dem Königreich von englischen und tschecho-slowakischen Gnaden, das auf den Trümmern Rußlands entstehen sollte, ist es nichts. Im Gegenteil: der Massenanfruf Trotzkps und der Volkskommissare zum Krieg gegen die gegenrevolnfto- nären Aufrührer und ftir die kaum errungene Freiheit und den Frieden bat die ersten Erfolge gezeitigt. Wenn die Petersburger Telegraphen-Agentur nicht allzu rosig sieht, ist die drohendste der der Räterregierung drohen- den Gefahren b°reits so aut wie beseitigt; die westliche und stärkste Heeresgruppe der Tschecho-Slowaken, di? sich bereits der großen Wolgastädte bemächtigt hatte, verliert eine ihrer Positionen nach der anderen. Das bedenklichste Zeichen aber für ihre Lage ist ihre feierliche Anerken- irung als verbündete Macht von seiten des englischen Kabinetts (vergl. nachstebende Meldungen). Diese Anerkennung ist im Krieg bisher nur hoheitsvoll denen verliehen worden, deren Schicksal hoffnungslos geworden ist. Wo England seine Machtlosigkeit einsieht, gibt es tönende Worte. Und überläßt im übrigen den Schuldigen seiner Pein.
*
i)cr neue flüHerte.
W. T.-B. Amsterdam, 16. Aug. (Drahtbericht.) Einem hiesigen Watt zufolge erfährt die „Times" aus New Dort, daß die Anerkennung der Tschecho - Slowaten als eine der Eintente verbündete Nation in amtlichen Kreisen in Washington auf allgemeines Interesse gestoßen sei.
— Genf, 17. Nug. (zib.) „Cvrriere de'lla Sera" ertlärt die Anerkennung des Dschechenstaats durch Erucss.rnd als eine Billigung der Aufteilung Österreichs seitens der englischem Regierung. Die tschechische Regierung könne jetzt an allen Konferenzen der Alliierten teilnehmen, zu denen die Deineren Verbündeten zugelassen würden.
*
Die Rätetruppen im weiteren vorrücken.
Kasan eingeschloffen.
W. T.-B. Moskau. 16. Aug. Die hiesige Presse meldet: Kasan ist von Rätetruppen eingeschlessen und wird bombardiert. Eine Reihe englischer und französischer Untertanen wurde oerhastet. In Muco», Arsarnas und Sutjarbaskok sind Konzentrationslager ftir gegenrevclutionäre Offiziere errichtet worden. — Die Reste der r u s s i s ch e n Truppen in Frankreich werden durch einen Aufruf des Rats der
Volkskommissare aufgefordert, sich gegen die Einstellung rn die Armee der Entente auf jede Weise zu wehren. Wer sich einstellen läßt, gilr als Feind.
IV. T.-B. Moskau, 15. Aug. Nach Meldungen hiesiger Blätter wurde in Wologda die bürgerliche Bevölkerung zwischen 18 und 40 Jahren zum Aus-Heben der Schützengräben mobilisiert. Das Verlassen der Stadt wurde verboten. — Die Rätctruppen rücken gegen O n e g a vor und besetzen das Dorf Kirillowka. In der Gegend von Archangelsk wurden französische Soldaten festgestellt. Ein Teil von Kasan soll sich bereits in den Händen der Rätetruppen befinden. In der Umgegend der Stadt dauern die Kämpfe fort. Auf der Südfront in der Züchtung Tschirsk und um den Besitz der Eisenbahnbrücke über den Don wird heftig gekämpft. — Gerüchtweise verlaut::, daß die Engländer in Baku ?00 Mann gelandrt hätten.
Nene Erfolge der bolschewistischen Flotte.
IV. T.-B. Moskau, 15. Aug Von der westlichen tschechoslowakischen Front wird berichtet, daß die Jvlotte der Sowjei- truppen erfolg reiche Kämrfe bestanden hat. Die Eisenbahnlinie Ufa-Simbicsk befindet sich teilweise in den Händen der Sowjettcappea. — Auf der östlichen tschechoslowakischen Front w»rd:n ebenfalls Fortschritte gemocht. Im Abschnitt von Woronje drangen die yeger.revolutionären Truppen bis zur Station Piljana vor. Die Sowjettruppen aus Poworina beginnen den Kampf mit ihnen.
Enoftandferndliche Unruhen in Archangelsk.
Sr. Petersburg, 17. Aug. (Eig. Drahiibericht. zb.) Wie Nachrichten aus Archangelsk besagen, ist es in der L>t tbt anläßlich der Verhaftung der boi'cyewistisch gesinnten Elemente durch die Engländer zu schweren Unruhen gekommen. In der Stadt wird augenblicklich zwischen den Anhängern der Sowjetregiermng und denen -der Gegenrevölutionäre erbittert gekämpft.
W. T.-B. London, 16. A-uq. (Meuter.) Bei Archangelsk ziehen sich die bolschewistischen Nachhuten zurück, indem sie die Brücken zerstören. Wir gingen bis ObeserSkaya vor und landeten eine Abteilung an der Küste der Ohegobai. Die Bolschewiki boten energischen Widerstand. Wir sandten eine Abteilung über die Dwina nach Kotlas, 260 Me!.an ftid Mich vom Archangelsk. Es liegen keine bestimmten Nachrich ten über die Dschechv-SIowakon vor. Aber es ist nicht un wahrscheinlich daß die Generale Alexejew und Demikin nrit einem ziemlich großen Trupp Kosaken die Tschecho-Slowaken erreichen werden.
Englischer Oberbefehl im Uralgebiet.
Br. Basel, 17. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie der „Temps" berichtet, übernahm England den Oberbefebl der militärischen Maßnahmen der Alliierten in Rußland am Ural.
Zur Lage in Wladiwostok.
Br. Rotterdam, 17. A-ug. (Eig. Drahtbericht, zb) Wie Reuter aus Washington meldet, verlangen die Arveiter die Freilassung der Sowjetmitglieder, die von den Tschecho- Slowaken als Geiseln gefangen gehalten werden.
Eine englische Expedition nach Spitzbergen.
— Berlin, 17. Aug. (zb.) Ein Bericht der „Kveuzztg." aus Christicmia macht aut eine enylis-be Expedition nach Spitzbergen unter Leitung des Südvnlarforschers S h a k l e - ton, der Marineoffizier sei, aufmerksam. Sie habe zweifellos militärische Zwecke, nämlich die Sicherung von Stern- keblenfeldem stir die englischen Seestreitkräfte an der Murmanküste und im Weißen Meer sowie für die Murmanbahn. die ^rgland zuc Hälfte besetzt habe.
Schweizerischer Gesandtenwrchsel in Rußland.
IV. T.-B. Bern, 16. Aua. Das Rücktrittsgesuch des schweizerischen Gesandten in Rußland O d i e r ist genehmigt worden. Junod, Leiter der schweizerischen Verkehrs- zentrals in Zürich, ist zum Ministerresidenten in Rußland ernannt worden.
Finnland hält sich bereit.
Kopenhagen, 16. Äug. (zb.) Der finnische Kriegsministec erklärte nach einer Meldung aus Helstngfors in einem Tagesbefehl, daß infolge des Vorgehens der Verbandsmächte an der Murmcrnbrbn, das täglich gefahrdrobeuder ftir Finnland werde, die Demobilmachung des finnischen Heeres nicht in Aussicht genommen werden könne.
Zur bevorstehenden Königswahl in Finnland.
Br. Stockholm, l 7 . Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die finnische D a u e r u v g r t e i hat wegen der beoorstehenden außerordentlichen Einberufung des Landtags eine Parteikonferenz angekündigt, in der ü!>er die Frage enffchieden wer- den soll, ob die Agrarpartei ihre Mandate niederlegen oder ob sie sich an der Känigswabl beteiligen soll.
*
Der deutsche Gesandte in Kiew.
IV. T.-B. Berlin, 16. Aug. Das in der Schweiz ansässige Ukrainische Telegravhen-Bureau verbreitet die Meldung, daß der Vertreter des Deutschen Reiches in Kiew, der Botschafter Frhr. v. Mumm, seinen Posten in der Ukraine verlassen wolle. Diese Meldung entbehrt jeder Begründung; vielleicht ist sie dadurch zu erklären, daß der Botschafter beabsichtigt, demnächst einen Urlaub anzutreten.
Neuer feindlicher vurchbruchrversuch gescheitert.
Schwerste Verluste der Franzosen.
IV. T.-B. Großes Hauvtquartier, 17. Aug. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Zwischen D s e r und A n c r e nahm die Gefechtstätigkeit während der Nacht in einzelnen Abschnitten' zu. Lebhafte Er- knndungstätigkeit. Erneute B o r si ö ß e des Feindes bei Vicux-Berquin und nördlich der Ancre wurden abgewiesen.
Heeresgruppe Boehn.
Beiderseits von Rohe setzte der Feind von neuem zir starken Angriffen an. Sie dehnten sich am Nachmittag noch Norden bis südwestlich Chaulnes, nach Süden bis nordwestlich von Lassignh aus. Franzosen und Kanadier vech suchten hier in immer erneutem Ansturm, bis in die späten Abendstunden den Durchbruch durch unsere Stellungen zu erzwingen. Die Armee des Generals v. Hutier brachtej ihre Angriffe völlig zum Scheitern. Dir Frau- zosen, die die Hauptlast des Kampfes trugen, erlitten wiederum s ch w e r st e B e r l» st e.
Bei und südlich von Hall» brach unser zusammengefaßtes Artilleriefeuer Bereitstellungen des Feindes und Ansammlungen von Panzerwagen. Feindliche Angriffe, die hier in den Abendstunden zur Durchführung kamen» brachen vor unseren Linien zusammen.
Der Schwerpunkt der gestrigen Angriffe lag beiderseits der Avre. Mehrfach wiederholte stärkste Artillericvorbereitnng ging hier den tiefgegliederten Jnfan- tericangriffen des Feindes »»raus. Bei G o y e n c o u r t ge- wann der Feind vorübergehend gegen Rohe etwas Boden. Unser nördlich an der Stadt vorbei vorbrechender Gegenangriff warf den Feind wieder zurück. Teile unserer vorderen Kam»slinie an der Straße Amiens - Rohe, die nach Abschluß der Kämpfe um Abend noch im Besitz des Feindes blieben, wurden während'der Nacht wieder genommen. Südlich der Avre brachen die mehrfach wiederholten französischen Angriffe vor uitseren Kampfliaien restlos zusammen. Bor allem kam hier die Wirkung unserer Maschinengewehre voll zur Geltung. Bei und südlich von B a uv r eignes brach unser Artillcriefcner die Kraft des feindlichen Anz snir-ms. Nur an einigen Punkten kam es zum Jnfanterieß kampf. Wir schlugen den F-eind zurück.
Starke Fliegertätiqkeit über dem Kampffelde. Leutnant Adel errang seinen 56. Luftsieg.
Zwischen Oise und Ais ne scheiterte in den Morgen- stunden rin Vorstoß de? Feindes südlich von Nampcel.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Kleinere Jnfanteriegefechte. An der Besle lebte der Artillrrickampf vorübergehend auf.
Heeresgruppe Herzog Albreckjt.
Im Sundgau brachten Stnrmabteilnngen, die mit Flammenwerfern nördlich von Largitzen in die französische» Gräben eindrangcn, Gefangene zurück.
Unsere Jagdkräfte schossen aus einem Geschwader, das Tarmstadt mit Bomben angriff, vier englische Großflugzeuge ab.
Der Erste Generalquartiermeiister: Ludendorff.
Lin Tntente-Nrieysral an der Front.
Br. Bern, 17. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie dis Havas-Agcntur meldet, hat in den letzten Tagen in einem Etappenort eine Zusammenkunft zwi'chen Poincare, KönigGeorgvcn England, K ö n i g A l b e r t von Belgien sowie dem Marschall F o ch und den Generälen P e t a i n und Persh'ng stattgefunden. Über Inhalt und Ergebnis dieser Besprechung ist bisher nichts bekannt gegeben.
Oer französische Mitzerfolc, bei Lafsianq.
IV. T. B : . Berlin. 16. Aug. Während die Engländer sich auf ihrem Teil der Schlachtfront zwischen Ancre und Oise mit Artilleriefeuer beanügten und am 15. August lediglich nördlich der Somme Patrouillenvorstöße machten, die leicht abgewiesen wurden, setzten die Franzosen nach der durch die großen Verluste bedingten Erschöpfungspause der letzten Tage nochmals zu Großangriffen un. Nach dem Funkspruch von Horsea vom 16., der bereits vor einigen Tagen die Einnahme von Lassignh durch die Franzosen in Aussicht stellte, beabsichtigte Marsehall Fach, die Deutschen an dieser Stelle zu weiterem Rückzug zu zwingen. Bisher war die deutsche Frontverlegung eine freiwillige, und auch am 16. sind die Franzosen "trotz verzweifelter Anstrengungen nicht über dis von den Deutschen nach Räumung von Montdidier gewählte Zone hinausgekommen. Der französische Angriff, der aus dem linken Flügel englische Unterstützung fand, richtete sich einmal gegen das waldige Höhenmassiv von Lassignh, sodann beiderseits der Straße Montdidier-Roye gegen diese Stadt, die nach Gefangenenaussagen am ersten Operationstage erreicht werden sollte. In dem nördlichen Artzriffsabschnitt sollten die Tanks die Entscheidung bringen, die zahlreich aus der von Montdidiec nach Rohe führenden Straße beranrollten. Da diesmal jedoch kein Nebel ihren Anmarsch verschleierte, wurden sie von der deutschen Artil»
»
t
