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Samstag» 17. Sugust 1918.
Morgen'klusgabe.
Nr. 381. * 66. Jahrgang.
Var polnische wirtschastrleben der Zukunft.
Was auch immer aus Polen werden mag, wirt- /chaftspolitisch wird dies Land uniec allen Umständen in eine enge Verbindung mit Mitteleuropa treten müssen. Wir werdeir an Polen Forderungen zu stellen haben, denen es sich im eigensten Interesse niemals wird entziehen können; wir werden eine vollkommen autonome Zoll- und; Wirtschaftspolitik des Köirigreichs Polen nicht zulassen können, und die Notwendigkeit, sich mit uns über diese grundlegenden Wirt- schaftsfvagen zu verständigen, wird ja auch in Paischau bereitwillig anerkannt. Man wird dort wissen, Hatz wir beispielsweise keve selbständige Eisenbahntarifpokitik Polens zuzulossen vermöchten, datz wir der Möglichkeit, uns von der Verbindung mit Rußland abzuschneiden, ganz selbstverständlich Vorbeugen mitten. Die entsprechenden Bindungen uns gegenüber werden also zugestanden werden müssen, Polen wird wirtschattspolitisch unbedingt-in den Rahmen einzufügen sein, den unser Interesse bestimmen wird, wobei es wiederum als selbstverständlich zu gelten hat, datz wir den Jnteresien Polens selber gebührend Rechnung tragen werden; denn es kann sich nicht um die Etablierung eines Abhängig- keitsverhältniffeS handeln, sondern es soll ein organisches Zusammenwachsen in wictschaftspalitisckier Hinsicht ermöglicht werden, und zwar zum Vorteil aller Faktoren, also auch in Verbindung mit den Einrichtungen, die für den wirisch a f t s p o.li t i sch e n Ausbau der mitteleuropäischen Gemeinschaft zu treffen sein werden.
Die Aufgaben nun, die sowohl uns gegenüber dem künftigen Polen wie den Polen selbst gestellt werden, komplizieren sich beträchtlich (und das hat man anzueckennen) dadurch, datz die polnische Industrie bis dahin östlich orientiert war, datz sie in den engen Beziehungen zum russischen Absatzmärkte die Quellen ihrer Kraft fand, und datz sie jetzr demgemäß fürchtet, von der deutschen Industrie erdrückt zu werden, wenn sie nicht imstande sein sollte, , den Zusammenhang mit dem osteuropäischen Hinterlande auftecht zu erhalten, vielmehr zu erneuern. Aber inan kann da wieder einwenden, datz es eine polnische Industrie, wie sie vor dem Kriege bestand, gegen- wärtig dcch gar nicht gibt; sie ist beinahe bis auf die Grundmauern zerstört worden. Wenn aber nach Herstellung des Friedens die Anknüpfung der abgerissenen Beziehungen mit dem Osten erneut versucht werden wird, dann wird etwas sehr W'chtigcs feblen, worauf vorher die polnrsche Industrie hatte fußen können, nämlich die ruffische Regierungsgewalt, die allein es vermocht hatte, datz ein künstlicher Zusammenhang zwischen der Industrie de? Weichselgebietes und dem ruffischen Absatzgebiet erhalten werden konnte. Heute und voraussichtlich noch aus geraume Zeit besteht in Rußland doch gar keine Möglichkeit für den Wiederaufbau der polnisch- russischen Jndustriegemeinschaft.
Unter solchen Umständen sind in Konqretzpolen Besorgnisse laut geworden, die wir zu beachten haben, auch wenn wir ihre Berechtigung nicht anerkennen. Es besteht -eine große Furcht vor der deutschen Konkurrenz und ein starkes Mißtrauen gegen sie. Die Polen glauben, es wurde mit ihrer Industrie überhaupt vorbei sein, wenn diese von ihrim Absatzgebiet im Osten getrennt und in einen nahen Zusammenhang mit der übermächtigen deutschen Industrie gebrecht würde. Diese Sftmmungen werden genährt von der nun einmal vorhandenen stacken Abneigung gegen Deutschland, gegen deutsches Wesen und deutsche Einrichtungen. Da? sind Tatbestände, mit denen wir allerdings zu rechnen haben, aber sie brauchen uns nicht dazu zu bringen, datz war Liesen Standpunkt der Polen nun auch billigen. Nachdem man bei uns lange genug mit gewohnter deutscher Nachgiebigkeit gegen fremde Bestrebungen und mit der an sich ja rühmlichen, Lech aber auch manchmal nicht unbedenklichen deutschen Objektivität die Befürchtungen und die.Willenstendenzen der Polen angehört hat, hat es etwas geradezu Erfrischendes, wenn diesem Volke zur Abwechslung einmal kräftig die Wahrheit gesagt wird. Das geschieht u. a. in einem Arftkel der ..Ncrdd. Allg. Ztg.", in welchem die Frage aufgeworfen wird, cb es nickst nach dem Abbruch der künstlichen Beziehungen zwischen Polen und Rußland natürliche Entwicklunysbe- dirgungen der polnischen Industrie gibt, die zu uns hinüber- Iciten und die beim Wiederaufbau der ^rtrümmerten polnt- schcn Industrie wieder zur Geltung kommen können. Wir lcten da: ..Im Grunde haben di« Polen di« Ruflen ja nicht geliebt und ihre Geschäfte in Rußland nicht aus Freundschaft für das moskowitische Brüderchen betrieben. Deshalb sollte sckxirfer betont werden, datz die natürlichen Lebensbedingun- gen der polnischen Industrie durch die Richtung bestimmt werden, die die Natur ihrem Handel gewiesen hat und die durch die Richtung ihrer Srröme gegeben sind. Hier kommt in Frage, daß Deutschland Polen gewissermaßen' den Aus- ' nana sperrt. Aber das würde für die Wirtschaft selbst kein Hindernis sein, so lange eS das Mittel der Verträge gibt, die derartige Unannehmlichkeiten mildern oder beseitigen. Und damit ergibt sich ganz von selbst die Aufgabe der Politik, die auf Grund dieser wirtschaftlichen Unterlage zu treiben ist. Die Annehmlichkeiten solcher Verträge gewährt man nur einem Staate, der sich freundschaftlich zu uns stellt und den guten Willen zeigt, auch seinerseits unsere Interessen zu achten. Polen wird sich also vor die Wahl gestellt sehen, entweder seine Industrie, die Grundlage einer blühenden Volkswirtschaft, im Bnnde mit Deutschland ga cat
wickeln, oder sie derart beengt zu sehen, daß ein gesunder Aufbau und eine Weiterentwicklung unmöglich ist. _ Das wird euch von den kundigen und vernünftigen Polen selbst eingesehen. Es sollte nur auch von unserer Seite schärfer betont werden; das wäre niitzlicher und fruchtbringender als die beständig wiederholte Versicherung, Polen würde sich nienmls .ntschließen, unser aufrichtiger Freund zu sein, weil cs auf Rußland als natücliches Hinterland angewiesen sei."
Also lasse man sich in Warschau gesagt sein, daß wir eber.scwchl zu fordern wie zu gewähren haben, datz wir in beiden Hinsichten Rücksichten beanspruchen, und daß wir im Besitz von vi- len Mitteln sind, um unseren Ansprüchen Geltung verschaffen zu können. Es kann für das künftige Polen keine Wahl geben, der neue Staat muß wirtschostspolitisch in unsere Sphäre fallen, und das wird ihm auch gut tun, weil nur so den politischen Interessen gedient werden kann.
Di« Entscheidung über Polen gefallen.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
B. Ä. Berlin, 16. Aug. Erg. Drahtbericht, zb.) Die amtliche Meldung über die Beratungen im Großen Hauptquartier ist nicht inhaltsreicher, als man nach dem Herkommen erwarten konnte. Mit ihrer Kenntnisnahme wird sich niemand begnügen und auf anderem Wege Näheres zu erfahren suchen, was nicht allzu schwer ist. Was man hört, bestätigt in dollem Umfange unsere Mitteilungen über die Pläne, nach denen man die polnische Frage lösen will. Die österreichische Negierung wird sich zuerst sehr energisch für die austropolni- sche Lösung eingesetzt haben, hat aber schließlich erkennen müssen, daß man zu so weitgehendem Entgegenkommen hier doch nicht geneigt ist. Es scheint, daß man ausnahmsweise die deutschen Jnteresien diesmal doch einigermaßen entschieden vertreten hat. Es ist erforderlich, daß wir dem neuen östlichen Nachbar, den wir zum Freunde gewinnen müssen, bei der Wahl seiner staatlichen Institution ffeie Hand lassen müssen. Nur dann können wir darauf rechnen, daß er gern die Konventionen eing-ehen wird, die wir zu unserer S i ch e- rung in militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht fordern müssen. Da die polnischen Vertreter anwesend waren, so konnte man sich mit ihnen verständigen und eine Einigung finden. Sie bestand darin, daß Österreich auf die a u si r o p o l n i s ch e Lösung verzichtet, wir und die Polen auf die absolute Frei- heit bei der Auswahl eines neuen Königs, als welcher Erzherzog Karl Stephan wegen seiner weitreichenden Familienverbindungen im Königreich Polen am meisten geeignet erschien. Österreich und Deutschland würden für die Aufgabe ihrer wparaten Wünsche die Zusicherung erhalten, daß Polen sich an beide eng anlehnen wird, wobei wieder gefordert werden muß, daß wir, das Deutsche Reich, am ftärf ften berücksichtigt wer- den, da wir den größten Teil der Kosten für die Errichtung des Königreichs Polen getragen haben. Wenn Staatssekretär v. Hintze nach Berlin zurückaekehrt ist, inerden ja wohl die Abgeordneten zunächst Näberes er- fahren. Erst dann wird es Zeit sein, die jetzige Lösung zu beurteilen und festznstellen, ob der Hauptausschuß recht tat, vertrauensvoll die Regelung der östlicktcn An- gelegenbeiten der Regierung zu überlassen und sich von jeder Verantwortung fernznhalten. Man sagt, daß der Ausschuß Anfang Sevteniber zusammentredeu will, um wenigstens nachträglich seinen Kommentar zu geben.
Erfolgreicher Oormnr«* der Sowjet-Truppen.
SimbirSk besetzt.
W. T.-B. Moskau, 16. Aug. (Drahtbericht.) Die revolutionäre Stimmung unter den Arbeitern und Dauern der Räterepublik wurde durch das Bewußtsein der vielfachen Gefahren, die der Revolution von allen Seiten drohen, neu belebt und durch Nachrichten über die Erfolge cm der Front merklich, gehoben. Am letzten Sonntag fand eine Truppen- lesicktigung der russischen Armee statt. Dieser Truppenschau wohnte mich Kamenew bei. der ans Finnland zurückgekehrt ist. Auf dem EhodwenSkfeld bei Moskau werden jeden Abend Schießübungen von den im ganzen 30 (XXI Mann starken Arkeitertruppen abgehalten. Krieaskommiffar Trotzkp befindet sich an der Front. Er wurde von den Truppen mit Enthusiasmus begrüßt. Er spornte mit flammender Rede die Kämpfer zmn Siege gegen die gegenrevolutionären Truppen an. Nach den letzten Nachrichten wurde S i m b i r s k von den revoluftonären Truppen besetzt. Die ganze Strecke Iekaterinenburg wurde von den Sowjetreqimentern besetzt Die Truppen nähern sich mehr und mehr der Stadt und die Einnahme von Jekaterinenburg durch die Sow jcttruppen steht dicht bevor.
8000 rrosaken zu den Sowjettruppen überaetreten.
Br. Berlin, 16. Aug. (Eig. Drachtlbericht. $6.) Das Der luier JnformationÄburcan «der Petersburger Telegraphen agentur meldet: Ans OrenLuvg wird berichtet, datz 8000 Kosaken «mit ihren Waffen zu den Sowgettruppsn Meroeaom
Md.
Die sibirische Intervention.
Br. Petersburg, 16. Aug. (Eig. Dra«htbericht. Ib.) Am 8. August sind im Hafen von Wladiwostok die ersten am er i k an i sch«en Schisse eirrgetroffen. Es handelt sich um zwei Transpori«dcnn!pfer, die vorwiegend Kriegs- und Sanitätsmaterial an Bord hatten. Außerdem führten sie einige hundert am«erikanische Soldaten mit. In Wladiwostok ist ein italienisches Kontingent einye troffen, das bisher den Schutz der italienischen Botschaft im Peking versehen hat. Italien will auf diese Weise seiue Anteilnahme an der sihiri«schen- Intervention d-okumentisrem.
Tie großen kaukasischen Banmwollvorrätc.
Br. Odessa, 16. Aug. (Eig. D-rahtbericht. Ab.) ,/Djet" meldet, datz von den in Tiflis ausgcsundenen großen Vorräten an Baumwolle 300000 Pud von der Europäischen .Handels-Wtiengesellschaft nach Budapest gebracht wurden, wo re zwischen Deutschland und Österreich ausgeteilt werden sollen. Dieselbe Gesellschaft hat aus Kaukasien 36 Waggon feine Marinowolle ausgeftührt.
ver österreichisch-ungarische Tagesbericht,
W. T.-B., SBten, 16. Aug. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vorn 16. August, mittags:
Italienischer Kriegsschauplatz.
Neue italienische Angriffe gegen die Montozzo- Stellung scheiterten an der tapferen Gegenwehr von Abteilungen des ersten Kaiser-Schützenregiments.
Sonst verlief im Tonaleabschnitt der gestrige Tag ohne besondere Kampfhandlungen.
Auf dem Monte Cimone wurden seindliche Sturmtruppen abgewiesen.
Albanien.
Unverändert.
Der Chef des Genecalstabs.
Starke feindliche Angriffe gescheitert.
W. T.-R Berlin, 16. Aug., abends. (Amtlich- Drahtbericht.)
Beiderseits der Avre sind starke feindliche Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind ge. scheitert.
»
ver gescheiterte vurchbruchsversuch zwischen Kncre und (vife.
W. T.-B. Berlin, 15. Aug. In neuem stärkstem Ansturm versuchte di« Entente zwischen Ancre und Oise eine Entscheidung zu erzwingen. Vergeblich haben zunächst die Engländer unter Schonung ihrer eigenen Verbände mit australischen und kanadischen Truppen, die am Südflügel von Franzosen unterstützt wurden, in Kämpfen seit dem 8. August zwischen Ancre und Oise einen Durchbruch erstrebt. Welch« Bedeutung der gewaltigen Schlacht von seiten der Alliierten beigemessen wird, geht aus einem Befehl des Führers der australischen Truppen hervor, der ihnen bekannt gibt, datz die bevorstehenden Kämpfe die wichtigsten sein würden, an denen sie bisher teilgenommen hätten. Der Angriff, dem sehr weitgesteckt« Ziele zugrunde lägen, sei mit einem unübertroffenen Aufwand an Art'llerie, Tanks und Fliegern vorbereitet. Nach einem Anfangserfolg kam trotzdem der Angriff schnell ins Stocken. In unmittelbarem Zusammenhang nrit diesen Kämpfen versuchten nun die Franzosen ihrerseits durch einen Großangriff zwischen Avre und Oise eine Entscheidung herbeizu- führen. Geschickt hatten sie die Ansammlung zahlreicher Divisionen. darunter Teile ihrer besten Angriffstruppen, im Verein mit der Artillerie. Fliegern und Tankgeschw.rdern zu lerbergen verstauden. Trotzdem blieben ihre Absichten unserer Führung nicht verborgen. Ohne starres Festhalten am Gelände wurden nach dem Grundsatz, den Kampf unter möglichst günstigen Bedingungen aufzunehmen und den Feind die größeren Verlnstzahlen buchen zu lassen, unsere Truppen in der Nacht vom 9. zum 10. uns ihren bisherigen Stellungen. in denen nur schwächere Nachhntabteilungen verblieben, zurückgenommen. In den frühen Morgenstunden de? 10 August setzte stärkstes feindliches Artilleriefener an der Frcnt Belley-Antbeuil ein. In einzelnen Abschnitten griff die feindliche Infanterie, von Tanks und Flammenwerfern unterstützt, bald danach an. An anderen Stellen ging dem Angriff gründliche Feuervorbereitung gegen die geräumten Stellungeii voraus. Den stark und tief gegliedert anrücken- dcn Feind empfing das Infanterie- und Artilleriefeuer unserer Nachhuten, in dem er blutige Verluste erlitt. Weiteren starken Angriffen entzogen sich unsere Abteilungen befehlsgemäß. Der Gegner rückte nach, doch sah er sich bald vor neuem Widerstand, den zu brechen er stellenweise eine abermalige Feuecvorbereitung legen ließ. Wo er ohne eine solche angriff, zog ec sich tn unserem vereinigten Feuer aufs neue zurück. Das Anrennen an Widerstand, wo er ihn nach dem vermeintlichen Erfolg nicht mehr erwartete, machte den Feind stutzig, so datz er schließlich nur noch zögernd und mit Vorsicht zu folgen wacste. Am Abend des ersten Schlacht- tages war er nirgends an unsere neuen Linien herange- kemmcn. Kämpfend hatten unsere Truppen, die bereits seit Wochen an dieser Front Landen, dem Feind empfindliche Verluste zugefügt, ohne Satz er irgend eine entscheidende Stelle hätte treffen können. Ausgedaute Stellungen gibt es jp. 1 - aicht. Der st-"— e tyrnhm'tnmtol tft durch i>i*
