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„Tagblatthaus" Nr. «SS0-I» ___ ,
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Aufnahme von Anzeigen an vorge
Zreitag 1b. stugust 1918.
Au der Avaitellirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützaw 6202 und 6203.
Nr. 380. .
klbend-ktusgabe.
06. Jahrgang.
Sie kommen nicht durch!
Die letzten Berichts der Obersten Heeresleitung lassen in erfreulichstem Umfange eine für uns günstige Entwicklung der Frontlage erkennen. Wie der Mrlrtar sich ausdrückt, ist die Schlacht zum Stehen gekommen. Wir haben die Ausbeulungen unserer Stellungen etn« drücken lassen müssen, haben offen zugegeben, wo und wie weit wir zurückgegangen sind, aber rm ganzen fit unsere Frontlinie natürlich noch vorgeschobener und darum aggressiver geblieben als vor eineni Monat. ~ic Ursachen, warum wir trotzdem die Schlappe, von der der Heeresbericht sprach, in der , Heimat so stark emp- funden haben, liegen weniger rn den Erfolgen der Feinde als in uns selbst. Wir haben, wie man wem, den Krieg dank den unvergleichlichen Leistungen unsrer Trr'ppen und ihrer Führung niemals in wesentlichen Teilen unserer Heimat am eigenen Leibe gespurt; wrr sind auch sonst durch die Taten unserer Truppen verwöhnt worden, und von den ersten ostpreutzischen Ereignissen abgesehen, haben wir Deutsche niemals zu unserem Glück von einer ernsten Niederlage sprechen können. Ganz anders die Feinde, bei denen Niederlage auf Niederlage folgte und bei denen der Krieg von der ■ ersten Stunde an in ihrem eigenen Lande ausgetragen wurde Dabei vergessen wir nur allzuleicht das Wichtigste worauf es den Feinden ankommt, und freuen uns nicht, wie wir es sollten, daß den Feinden diel es ihr höchstes Ziel, nämlich ihr Durchbruch durch- unsere Linien niemals gelingen wird. Sie kommen nicht durch, die Feinde, das ist das Ergebnis aller Kampfhandlungen des Westens und daran ändert nicht das ge- ringste, wenn wir einmal auch das erleiden, was man eine Schlappe nennt. Wir in der Heimat sollten deshalb unverzagt und unbeirrt -auch die Entwicklungi tm Westen beurteilen und bespr-echen. Die Feinde müssen sich dort langsam, aber sicher verbluten denn das, Ziel ihrer ganzen Strategie: den Durchbruch und damit die Auflösung der Westfront - können sie niemals erreichen. Was wir liier in der Heimat durchmachen an Entbehrungen und Sorgen, siebt in gar kemem Verhalt- nis zu dem, was der Krieg selbst, im eigenen Lande be- deutet Unsere Nerven sind gewiß schwacher geworden, und wir alle sind empfindlicher und unruhiger gewor- den. Aber solche Kümmernisse sollten wir still m un- serem Kämmerlein austragen, nicht laut auf,dem Markt ausschreien. Wir können setzt der Entwicklung der Dinge mit größter Ruhe entgegensetzen. Der Durchbruch ist nicht nur verhindert, die Schlacht sieht nicht nur bereits wieder, sondern, wenn uns nicht alles tauscht, wen det sich das Schlachtenglück schon wieder zu „unseren Gunsten. Die nächsten Tage dürften auch äußerlich di°fer Veränderung der Sachlage Rechnung tragen. Uris alledem ergibt sich eine neue Pflicht der Heimat, der Front zu vertrauen und alles von ihr fernzuhalten, was ihre Arbeit und ihre Leistungen erschweren konnw.
Nrue vergebliche Knariffe der Feinde gegen Lassiynp.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 16. Slug. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rnvvrechf.
Borfeldkämpfe »«Semmel und bei Bi e u x - B er - auin Stärkere Vorstöße des Feindes südlich der Lps, ber Ayette und nördlich der Ancre wurden abgewresen.
Heeresgruppe Boehn.
Westlich von Rope und südwestlich von Nopons heftiger Fcuerkamvf, dem beiderseits der Avre gegen Lassigny und auf den Höhen westlich der O i s e feindliche Angriffe folgten. Südlich von Thiescourt blieb daS Gehöft Atteche m Händen des Feindes. Im übrigen schlugen wir seine Angriffe vor- unseren Kamvfstellungen, teilweise ,m Gegenstoß, zuruck. Schwere Verluste erlitt der Feind in den Impfen um Lässigny. Hier stürmte er bis zu sech.- Male» vergeblich an und wurde nach zehnstündigem erbittertem Kampf in seine Ausgangsstellnngen zurückgeworfen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An ber Besle nahm die Feuertätigkeit am Abend zu und blieb auch dir Nacht hindurch lebhaft.
Wir schoffen gestern 24 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Udet errang seinen 54. nnd 55., Oberleutnant Könnecke und Loerzer errangen ihren 30., Leutnant Meckel seinen 22. und 23., Leutnant Roeth seinen 21. Luftsieg.
Der Erste Generalquaitiermeistcr: LudendBrsf.
*
, Tine Erschöpfunaspause.
■W T-B Berlin, 15. Slug. In dem als entscheidenden Durchbruch geplanten, unter Einsatz der Masse der schweren Artillerie, der Taukgeschwadec und flieget durchgeführten Fochschen Großangriff zwischen Ancre nnd Oise ist eine Erschöpfungspause eingetreten. Nachdem die englische Angriffskraft schon früher gebrochen
war, setzten die Franzosen zum letzten Male zu einem großen Angriff,«». Seitdem gab cs an der ganzen Front von ver Slncre bis zur Oise nur mehr Teilangriffe, die zum größten Teil in deutschem Artilleriefe uer nicht einmal zur Durchführung kamen. Am 14. flaute die Kampftätigkeit n«h Ehr cb. Es kam lediglich zu Vorfeldgefechten. Allerdings batten die Engländer und Franzosen mehrere größere Teilangriffe geplanii, nnd zwar nördlich Lihons, südöstlich Rouvroy un vor dem Bois de Loges. Sie wurden jedoch, bevor die Bereitstellung vollständig durchgeführt war, von der deutschen Artillerie erkannt und durch vernichtendes F e u e . vereitelt. Um 8 Uhr abends versuchten die Franzosen nochmals, beiderseits der Straße Rohe-Montdidier Truppen be- reit zu stellen, die jedoch wiederum rechtzeitig von der deutschen Artillerie gefaßt und vernichtet wurden, ehe sie zum Sturm antreten konnten. An den übrigen Fronten war d,»e Artillerie- und Patrovillentätigkeit gesteigert, vor allem »n ^londern, wo einem vorübergehenden Abflauen des Feuers eine schwere Beschießung, vor alleni des Kemmelgebrews, m ter Nacht vom 14. zum 15. folgte. Die außerordentlich rege enalische Patrouillentätigkeit von Ypern bis an die Ancre konnte nicht verbrüdern, daß die Räumung der vorspringenden deutschen Stellungen zwischen Puisieux und Deaumont-Samel in den letzten Nächten ungehemmt nnd ungestört vom Feind? vor sich gehen konnte. Erst tm Laufe des Nachmittags des 14 rückten die Engländer vorsichtig nach. Die Aushebung der französischen Bahnbofsbesahung von Breuil , gellrng durch -eschen, kühn durchgeführten Vorstoß über die Vesle fast chne Verluste. Französische Patrouillenunternehmungen zwischen Bazoches und Fismes wurden rechtzeitig erkannt unv algewiesen.
Weitere Gffensivabsichten Zochs.
w T-B Berlin, 14. Aug. Die anfangs vorsichtige Be Wertung der Fochschen Offeüsive bei der Entente ist teilweise größerem Optimismus gewichen, der allerdings mit dem Durchsickern der Nachricht von den schweren Verlusten aus den vergeblichen Angriffen der letzten Tage bereits wieder umzuschlagen droht. Immerhin sprechen zahlreiche Ententeblatter die Hoffnung aus, daß die Fochschen Erfolge die Deutschen au einem Zurückgehen auf die Hindenburglnne veranlassen werden. Auch von Foch wird anläßlich des Empfanges der Bürgermeister von R e i m s und S o i s s o n s die Erklärung berichtet, daß der Kamps für ihn noch nicht beendet sei und auch Noyon wieder französische Besatzung haben müsse. Bescheidener ist der Funffpruch aus Norsca vom 15.. der sich larauf beschränkt, zu berichten, daß die Franzosen ihre An- strcnglinnen sortsetzen. Lassigny zu erobern. Einstweilen sind jedoch Engländer wie auch Franzosen seit Tagen nicht über die Linie hinausgekommen, auf die zurückzugehen die deutscye Führung sich nach dem gelungenen Überoaschungsstotz be» Feindes entschloß. Um der» langsam aufkommenden, Enttäuschung in den eigenen Ländern vorzubeugen, veroffent l'ichen die Entente-Funkspcüche andauernd Gefangenen- und Beutezifern, die sich.ftdoch selbst bei der kräftigen Abrundung ,,ach oben für einen großen Erfolg in zwei Offensiven sehr niedrig stellen und keinen Vergleich aushalten mit der Beute von über 905 000 Gefangenen und mehr als 2250 Geschützen, die Deutschland lediglich in den drei ersten Offensiven b,s
zum 1. Juni machte. .
— Genf, 16. Aug. (zb.) Marschall Foch war, wre der „Lvoner Progres" meldet, am Donnerstag in Paris, wo er eine Konferenz m:t Clemenceau hatte. — Die Zeitungen erwägen die Möglichkeit einer Offensive in einem anderen Abschnitt.
Die frierenden Negcrtruppcn,
Der „New York Times" wird aus Camp Dix (New Fersevi berichtet: Mehr als 2500 Negersoldatcn kamen am 23 Juni aus Florida in Camp Dip an. Als die Militärzüge hielten, waren die ersten Rufe der Ankömmlinge: „Um des Simmels willen, gebt uns Mantel!, Fast alle Reger trugen noch die leichte Arbeitskleidung, rn der sre der Gestellungsbefehl bei der Feldarbeit überrascht hatte. Als man ihnen sagte, daß mehrere Tage vergehen müßten, ehe sie Mäntel erhalten könnten, zitterten dir Reger besonders energisch vor Kälte. Nachdem sie eine recht heiße Mahlzeit erhalten hatten, kletterten die meisten von ihnen, rn die Betten und erklärten, daß sie bereit wären, den Krieg auf unbestimmte Zeit fortdauern zu lassen — aber unter ihren Wolldecken.
völlige Uebereinstimmrnig!
W t.-B. Großes Hauptquartier, 16. Aug. (Amtlich. Drahtbericht.) Die erneute Zusammenkunft der erlauchten Scuveräne hat das innige Einvernehmeni und d»e völlige Übereinstimmung in bezug auf die politischen und militärischen Aufgaben wieder zutage treten lassen und auch die gleiche und treueste Auslegung des Bündnisses festgestellt. Das Zusammensein der Monarchen war von der Herzlichkeit getragen, die ihven per- sönlick-en Beziehungen und den Interessen ihrer Volker entspricht Die leitenden Staatsmänner und dre militärischen Spitzen haben eine gründliche und fruchtbare Aussprache g<> pstoaen. Der k. und k. Minister des k. und, k. Hauses und de? Ministeriums des Äußern Graf Bur»an und der Generaloberst Fchr. v. Arz sind von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser »n besonderer Audienz empfangen worden, desgleichen hat Seine Majestät Kaiser und König Karl den Reichskanzler Grafen Hertling und Gcneralfeldmarschall v. Hindenburg empfangen.
Oer Kampf gegen die Tschechoslowakei!.
Kriegsberichte der Sowjets.
W. T.-B. Moskau, 16. Slug. (Drahtbericht.) Die hiesige Presse meldet: Auf der westlichen,, Tschrcho-Slcwaken- Frcnt in der Gegend von Kasan und Swijaschk wird heftig gekämpft. Di; Lage ist noch nicht geklart. Dre Ratetruppen eroberten die Station Ochotmtscha, 25 Ki.ometer westlich Simbirsk au der Balm Pensti-Simbirsk. Im Sasker Kreis erhoben sich die Kalmücken gegen die Tschechen. Die Kalmückentrnppen werden formiert. Einige haben schon gekämpft. Nachrichten aus Wologda zufocge richten die zuerst von der Entente gekauften Bauernnun- mehr die Waffen gegen die Ententetruppen, da man ihnen ihr Land wieder abnehmen will. Die ffchechisch-ffowakische Kommunistenparte' hat beschlossen, daß alle ihre Mitglieder im Notfall die Räterepublik verteidigen sollen. Nachrichten aus Wologda zufolge stellen die Engländer überall »m be- setzten Gebiet die Vorherrschaft der Bourgeoisie wieder her.
Die Arbeiterorganisationen und die Sowjetbehorden werden verbastet ihre Fübrer standrechtlich erschossen.
' W T -B Moskau, 7. Aug. Die Petersburger Tele- gravhen-Äaentur meldet von der östlichen Tschecho-Slo- waken-Front: Unsere Flottille wurde von feindlicher Kavallerie beschossen. Sturmwind und Dunkelheit nötigten den Fernd, sich zurückzuziehen. Wir landeten bei Weschtomors nnd drangen bis Affhnzowo vor, wo wir Getrerdworrate vor- Landen. Der Stab der Tschecho-Slowaken befindet sich ,n Komilow; durch unseren Artillerieangriff wurde er von dort verdrängt. — Von der westlichen Tschecho-Slowaken- Frcn' meldet die Slgentur- Der Versuch der Weißen Gardisten, die Stadt Swijaschk einzunehmen, ,st mißlungen. Die Stadt befindet sich in unseren Händen. Im Murman- bezirk, in der Richtung auf Archangelsk, haben wir nnS einer feindlichen Stellung bemächtigt. In der, Gegend von Oneaa wurde der Slngriff des Feindes nach eiM, Svatnpfe einaestellt. Im Bezirk Woronesch, m der Richtung aus Powoiino und Zarizvn, haben unsere Truppen die Station Poljcma, südöstlich von Poworina, eingenommen. In der- selben Richtung, südlich der Eisenbahnstrecke J<stna-Kraßn,f- Iar, haben wir das Dorf Trostjanka besetzt. In der R'chtung Icwstrasewsk, im Bezirk der Ansiedlungen von Grekowsk.r und Lofizkcsia, ist der Kampf zwischen den Kosaken und unseren Truppen zu unseren Gunsten enffchieden worden, ^n der Richtung von Zarizyno Grjasi haben wir die StaHon Leg besetzt. — Nördliche kaukasische Front: In der Richtung auf das Schwarze Meer und Kuban haben w»r die Station Kuberle beseht.
von ver Murmanküste.
W. T.-B. Moskau, 16. Aug. (Drahtbericht.) Pressemeldungen zufolge zogen sich die Rätetruvpen „aus Archangelsk infolge der Besetzung der Bahn südlich SlrchangelSk die Düna aufwärts bis Cholmogory zuruck. „Prawda" berichter, daß sich die Bevölkerung bewaffnet und gegen die Enteutetruppen erhebt.
Russische Erbitterung über Esigland und Zranbretch.
IV T -B' Petersburg, 14. Aug. (Meldung der Petersburger' Telegrapben-Agentur.) Die „Nachrichten der Zen- tralräte" der Arbeiter und Deputierten schreiben anläßlich des Vorgehens der Entente in einem Leitartikel: W,e allbe- kannt, verläßt unsere „Verbündeten" nichr der Gedanke, Rust- land durchaus in irgendeiner Weise „Hilfe zu bringen. Die Aöie unseres Vaterlandes Mollen ihnen nicht aus vem Sinn. Sie sind bereit, ihre eigene Front in Europa zu veugefsen, um nur Truppe» nach Rußland entsenden zu, können. Wenn diese Hilfeleistung Englands und Frankreichs ft-b Z»i verwirklichen beainnt. werden wohl selbst die aufrichtichten Freunde der Verbündeten zugeben, daß d,e Kabinette Lloyd Gecrge und Clemenceau die Politik zhnycher ^l-berer treiben. Frankreich erwies Rußland schon eine „Hilfe , indem es mittels der tschecho-slowakischen Banden me Zufuhr von Getreide von der Wolga und ans Sibirien abgeschnitten bat Der H u n a e r war das erste Geschenk Frankreichs an das russische Volk. Das „Journal 5; Rustre schreibt, mit zynischer Offenheit, daß die französnchen Rentner unweiger- l!ch soaar mit Hilfe von Stockbieb-n, ans dem verarmten Rußland jene Summen h-rausholen würden, die die französischen Bankiers dem russischen Zaren geliehen haben, ^eht wollen uns die Verbündeten durch Hunger zugrunde richten. Sie graben uns die Grube, um uns zur Abzahlung^ ,ener schuld" zu zwingen -und wollen ein Stuck unseres Landes an ftrfi reißen um ihre verliehenen Kapitalien sicherzustellen. Das ist auch eckste Freundschatt, das ist- ein aufrichtiger Freundschaftsdienst, den das russische Volk um verdien wird^ Frankreich läßt es nicht nur beim „Gelde bewenden, »hm genügen nicht die wucherischen Zinsen, es will nunmehr von ne^m einen Zins erbeben, den „Blutzins", eine Steuer cn, „Kanonenfutter". ES bildet, sick ein, man konnte die ruüischen Arbeiter und Bauern in den Krieg silr die -^uter- essen der habgierigen französischen Bankiers und ihre? An- banacs zwingen. Die uiis von England erwiesene „Hilfe svricht in einem nach höheren Grade für sich ft lost. Die Engländer haben Rußland nicht nur Hunger und Note aller Art be'chert, nicht nur russiiches Land räuderlschcrwe-,? an sich gerissen, um es barbarisch auszuvlündern, nein — roßchn russische Städte und ihre Einwohner förmlich aus, als w««
