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«„liner Abteilung des Wiesbadener T-ablattS- Berlin ». 57. An der Ap-ft-lkieche 7.1. Fernsprecher- «mt Lützaw «202 »ud 6203 :

Donnerstag» 15. August 1918.

klbend-Kusgabe.

Der Kampf «m Persten.

Das Eigentümliche an Persiens politischer Lage ist,

Saß sie sich nicht während des Krieges sind von heute aus morgen entwickelt hat, sondern daß die Wurzeln der Leiden des persischen Volkes viel tiefer greifen und sichre zurück datieren. Der russische Zarismus und der englische Imperialismus wetteiferten beide, in Persien die Oberhand zu gewinnen und ihr Prestige zu vergrößern. Durch diese Strömungen und Gegenströmungen wurde natürlich die Macht des persi­schen Herrschers von Grund auf untergraben, und die feindlichen Mächte,, konnten unter solchen heiklen Um­ständen die Oberhand gewinnen. In diese Zeit der politischen Treibereien gehören die ineisten von Eng­land und Rußland gewaltsam erpreßten Konzessionen. Trotzdem erreichte die Populari­tät Englands eine gewisse Höhe und erklomm den Gipfel kurz vor dem b-erüKtiqteu russisch'encsiischen Abkommen, da« im Sommer 1907 unter Sir Edward Grey zu­stande kam und bald darauf in Persien veröffentlicht wurde. Mit einem Schlage gingen den persischen Vater- landssreunden die Augen auf, daß England nichts für sie getan hatte, sondern im Gegenteil das Land höheren britischen Interessen geopfert hatte. Unter diesen Um- ständen hätte man annehmen sollen, daß Britannien die nun ausbrechende Revolution als ein drohendes Zeichen ansehen würde. Iin Gegenteil. Sie wurde von den Engländern und Russen mit Beifall und Sympathie begrüßt und unter diesen unglücklichen Umstanden wur­den die Geschicke Persiens noch viel mehr von London und Petersburg aus beherrscht als vorher. Es wurde formell in drei Zonen geteilt: die russische, die englische und zwischen diesen als Puffer ein neu- t r a l e r Streifen. Gegen diese Aufteilung des Landes legte die Regierung von Teheran, einen scharfen Protest > ein, worauf ein Brief Cecil Svringrices eintraf, der Persiens beruhigte, indem er erklärte, daß England gar nicht daran dächte, Persiens Unabhängigkeit zu zerstören.

Unter den Händen der neuen Machthaber wurde die Lage von Tag zu Tag unhalcharer, da die politischen Agenten der Ausländer zu keiner Einigung kommen konnten. Während Rußland m ganz Persien domi- nieren wollte, stellte sich England dem entgegen und von beiden Seiten wurden die elendsten Elemente auf- gehetzt, gegen die andere Partei zu agitieren. Männer vom schlechtesten Rufe — man denke nur an Larda Edschal — waren bald britische, bald russische Werkzeuge und brachten es sogar fertig, das Parlament der Haiwt stadt bombardieren zu lassen. Diese andauernden ^n trigen und Schiebungen untergruben natürlich die Re gierung im Lande selbst und als man daran dachte, die trostlose unhaltbare Lage im Parlament zur Sprache zu bringen, wurde die Parlamentssesswu von England unterdrückt. Nochmals nahm im Jahre 1911 das Land einen gewaltigen Anlauf und es gelang ihm, unter un­geheuren Schwierigkeiten durchzusetzen, daß ini Lande zwei Missionen künftig tätig sein sollten: eine amerika­nische und eine schwedische, welche eine Gendarmerre ern führte. Beide Missionen versahen ihr Amt gewissen hast, aber die amerikanische verschwand, und nur dre schwedische unter Oberst Hjalmarson war von längerer Dauer. Dieser pflichtgetreue Offizier organisierte eine gute Gendarmerie, die sämtliche Handelsstraßen ab- patrouillierte und sich gegen alle Versuche Englands, sie in die Hand zu bekommen, ablehnend verhielt. Von diesem Augenblick an agitierten die Briten offen gegen die schwedische Mission und verhinderten die Zahlung der Gehälter.

Eine der letzten Akte anqlo-russischec Vergewaltigung wurde im Sommer 1916 verübt, als die Mächte Persien aufforderten, seine Ausgaben von einer aus Belgiern, Russen und Engländern bestehenden Kommission m Teheran kontrollieren zu lassen. — Persiens Lage war trostlos. Da brach die russische Revolution h°rein und reinigte wenigstens teilweise die Situation, Die Russen mischen sich nicht mehr in Persiens innere Angelegenheiten, aber die Engländer verfochten ihre Sache mit um so größerem Eifer und Nachdruck, als in Persien nach und nach allen klar wurde, was für ein frivoles Spiel England treibt und getrieben hat und vor einiger Zeit das Kabinett des ententefeuidlichen Bachtiarenfürften Samsam es Saltaneh von einem . Kabinett Mustaufi el Mamalik abgeldst wurde, das noch schärfer die Unabhängigkeit Per siens zu verteidigen entfchlosien war.

Die Engländer find nun vor einem neuen Gewalt akt nicht zurückgeschreckt und haben, wie aus der nach folgenden Meldung hervorgeht, ihren Kandidaten Wussuk ed Dauleh, der sich selbst als der'„kom­mende Diktator Persiens" bezeichnete, auf den Schild er­hoben. Die persische Frage wird, wie auch die ägyptische, nur mit dem Schwert zu -lösen sein, da sie eine Macht- ist und Britannien nur der Macht weichen wrrd.

England weiß wohl, was ffir es auf dem <Lpiele steht. Sollte in ÄggyPten das britische Imperium zufanimen- brechen, so würde England den letzten Blutstropfen daransetzen, Persien in der Hand zu behalten, um den Landweg Syrien-Mesovotamien-Persien-^ndien offen zu halten. Würde es auch in Persien zur Aufgabe seiner Stellung gezwungen, so stürzte das Orientreich m sich zusammen und England hätte den Krieg verloren.

<£m Englischer Staatsstreich in Persien.

Sr. Berlin, 1b. Aug. (Eig. Drahtbcricht. zh.) Dieper- fische Abteilung der Berliner Nachrichtenstelle für den CrieTtt mackü folgende Mitteilung: Das Kabinett

Mustoufi cl Mamalik ist bereits wieder gestürzt. Nach ihm ülbcrnabm Sanffam es Saltaneh von neuem die Negierung, uild zwar tat er das, mn der schlimmen Wendung vorz-lben- gon, daß die Regierung in die Hände W u s s e f c d Da u le h s, des englischen Kandidaten, gerät, der schon ein­mal während des Weltkriegs Ministerpräsident war, aber rücktreten mußte, da er der ruMhen Regierung wichtige Kou- zcissionen im Norden Persiens vertraglich zugebilligt hatte, was vcn den persischen Demokraten als Landesverrat ge- lbrandmarkt wurde. Wussuk ed Dauleh bezeichnet sich nun, wie aus den letzten Teheraner Nachrichten der in dies»! Daae>n erscheinenden nennken N/umm-ei? de-r von b-et Nachricht tenstelle für den Orient Herausgegcbenen Zeitschrift „Neue: Orient" hervor'^eihk, s'eit McmoEen al§ der „f onuit ßTtü t Diktator Persien s". Anscheinend nicht mit Unrecht, .beim der Pariser „Temps" meldet soeben, daß auch das eto-J 4 Wochen regierende Kabinett Samsam es Saltaneh, dessen Programm wie das des Mustaufi el Mamalik die strengste Aufrechterhaltung der persischen Neutralität war, auch schon gestürzt ist und die Zügel der Regierung rn die Hände 'des englischen Kandidaten Wussuk cd Dauleh übergegangen sind. Die Bemerkung des „Temps , einige der Minister des alten Kabinetts hätten mit Gewalt von ibren Posten entfernt werde-: müssen, läßt erkennen, daß es sich hierbei um einen englischen Staatsstreich : n Porsten handelt. England, das nahezu ganz Persien «durch Waffenaewalt unter Druck hält, kann nur Mfügige Werkzeuge seiner Politik brauckem. Die Schildechebung Wussuk ed a-wulehs durch die Englämider ist ein Ereignis, daS — nach dem Beispiel Griechenlands — von ernstesten Folgen begleitet sein kann. ^

ßrindttche Teilangriffe abgewiesen.

Erfolgreicher Vorstotz an der vesle.

W. T.-B. Großes Hanptqugrticr, 15. Aug. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.

Lebhafte ErkundungstätigkeA zwischen User und Scarpc. Südöstlich von Anette scheiterte ein engli­scher Teil an griff vor uu seren Linien. Nördlich der A n c r c rämnten wir in den letzten Nächten den scharf ist den Feind vorspmngenden Stellungsteil bei Pnisieux und Beam- mont-Hamrel. Er wurde gestern nachmittag vom Feind besetzt.

Heeresgruppe des Generalobersten v. Bochn.

Keine größere Kampfhnndlung. Am Abend nahm dir Feu.rrtätigkolt zwischen A n c r e und Oise zu. Teil- nn griffe des Feindes zn beiden Seiten der Avre und südlich von Lnssigny wurden abgewresen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Bei einem Borstoß nnif dns südliche Vesleufer nahmen wir die Besatzung des Bahnhofs Brenil gefangen.

Unsere Jagdkräfte stellten ein auf dem Angriffsflug gegen das Heimatgebiot befindliches englisches Bomben­geschwader vor Erreichen des Ziels znm Kampf und zwang es unter Einbuße von 5 Flugzeugen zur Umkehr.

Gestern wurden 24 feindliche Flugzeuge und 1 Feffel- ballon abgeschofleu.

Der Erste Generalquartiermviffter: Lubendorff.

Nr. 378. ♦ 66. Jahrgang.

Aanzöii'che Oberkommando den Kampf einstellt, sobald der Einsatz zu hoch erscheint. - „Figaro" schreibt dem Einsatz der deutschen Reserven sowie Elitetruppen das Aufhalten des Vormarsches zu. Die neuen Divisionen hatten auf t er Straße Roye-Chaulnes mir großer Euergre^ge- fochten und seien zu verschiedenen Gegenangriffen nber- gegaugen.

Nach dem Fehlschlag des letzten vurchbruchs- versuchs.

W. T.-B. Bulin, 14. Slug. Der 18. August brachte an der Schlachtfront zwischen A n c r e und Oise lediglich Teil­angriffe des sranzösisch-englisästn Ducchbruchheeres; aber auch diese kamen in dem vernichtenden deutschen Abwehrfeuer nur teilweise zur Durchführung. Um Tailles-Walde nörd­lich der Somme bereiteten die Engländer um 8 Uhr abern-., einen größeren Angriff vor. Die Fristdansammlnngen wur- l cn jedoch rechtzeitig erkannt und der Wald unter so schweres Artilleriefeuer genommen, daß der Angriff unterblieb. Ebenso ergilig es beit Anariffen der Ententetruppen nördlich der Straße Roy c-Ami ens. Nur zu dem ersten Sturm vermochte die feindliche Infanterie überhaupt anzutreten. Alle weiteren Angriffsversuche wurden durch die deutsche Artillerie vereitelt, lvelchc die Stncmtruvpen zerstreute, ehe ihre Bereitstellung durchgeführt worden war. Gegen den Loges-Wald wurde uni Mittag und um 6 Uhr abends ein französischer Angriffsversuch vereitelt, ebenso ein sich nördlich von Ressons vorbereitender Angriff. Bon Canny bis an me Oise rannten die Franzosen vom Mittag ab mehrfach an, wurden jedoch jedesmal, teils in dem gutliegenden deutschen Feuer, teils nn Gegenstoß, abgewiesen. Um 6 Uhr abends verluchten die Franzosen südlich C a n n h nochmals nnzu- greifen. Sie kamen jedoch nicht einmal bis an die deutschen Stellungen. Ihre Verluste sind naturgemäß schwer, ebenso die der Engländer, wobei vor allem die als Sturmböcke ver­wandten kanadlscbell und australischen Divisionen gelitten haben. Bei Gegenstößen und der Säuberung von Feindnestcrn brachten die Deutschen mehrfach Gefangene ein und erbeu­teten Maschinengewehre.

Enttäuschte Hoffnungen in Frankreich.

W. T.-B. Berlin, 14. Ang. In der Stimmung der ^zwi­schen A n c r e und Oise ein-geHrachten englischen und fran­zösischen Gefangenen macht sich ein bemerkenswerter U m - schwu ng geltend. Während die Gefangenen aus den ersten Angriffstagen zuversichtlich und fast übermütig waren, zeigt sich jetzt allgemein, seWst bei den Offizieren, Ermüdung und Niedergeschlagenheit. Nach dem großen Erfolg des ersten Tages hat man nicht erwartet, daß die Offensive so rasch zum Stehen kommen würde. Die großen Soffnnn- gcn, die man auf die Tanks gesetzt hatte, sieht man wreder einmal crätänfcht. Die Franzosen zeigen sich empört darüber, daß trotz der 1 300 000 Amerikaner, die in Frankreich gelandet sein sollen, und trotz der Emgiländer und Italiener sie wiederum die Hauptlast ^der Angriffe zu tragen hatten.

Ein türkisches Urteil.

W. T.-B. Konstantinopcl, 15. Aug. (DrahtbRncht.) Sem an beschäftigt sich mit der Offensive im Misten und crMärt, daß bisher keine Entscheidung der KampfhanÄungen erfolgt fei. Es sei aber müglich, daß sie die Feinde von der Unlbesiegibarkeit Deutschlands überzeugen werde. Die Ereig- niff« müßten mit grcher Ruhe verfolgt werden. Die Türkei habe ihr Geschick mit dem der Verbümdeten^ verknüpft und werde treu bis zum Schluß an der Seite der Ber- b ü m d e t c n durchhalten.

vre Fliegerangriffe auf Talais. w T -B Bern, 15. Aug. (Drahtbericht.) „Journal" meldet aus Calais, daß Calais ,'eit Kriegsausbruch 220mal Luftangriffen ausgesetzt war und mit 1415 Geschossen verschiedenster Act belegt wurde. Unter der Zrvnbevolke- rung seinen 185 Person«! getötet und 304 verletzt worden. Die militärischen Verluste sind n^cht angegeben. Der Berichterstatter stellr fest. Calais sei neben Dunkirchen und lilancy eine der durch Luftangriffe am meisten getroffenen französischen Städte. _

„Langsames Erstarren der Kngriffs- Gperalionen".

Die Meinung der Pariser Prefle.

W. T.-B. Bern, 15. Slug. (Drahtbericht.) Die gestrige französische Presse stell: einstimmig ein langsames Erstarren der Angriffsoperationen und verstärkten feindlichen Widerstand fest. „Temps" weist in einer militärischen Betrachtung darauf hin, daß die Deutscken, die beträchtliche Verstärkungen erhalten haben müssen, ganz besonders in der Gegend von Laffigny starken Widerstand leisten. Ein Frvnt- angriff auf die Hügelzüge von Lassigny würde große Opfer »osten Die alliierten Armeen müßten versuchen, einen An­griff nördlich anzusetzen. — „Petit Parisien" bezeichnet den feindlichen Widerstand als lebhaft und geordnet, besonders m der Gegend von Chaulnes. — Oberstleutnant Ronffet mißt dem Lassigny-Mafsiv große Bedeutung bei. — „Echo de Paris" glaubt, die neuen Erfolge würden angesichts der eingesetzten deutschen Reserven nur langsam und viel schwieriger zu er­zielen fein alK hiMc.- Es fei se SMerstäMi ch, daß das

Die BefiMtrogen im Glotzen HaMMlier.

Der Besuch Kaiser Karls.

.W. T.-B. Berlin, 14. Aug. Der Kriegsbericbterstotter R o s n e r schreibt dem „B. 2.4t.": Seit Tagen si^ht das Große HMiptqirartrer, in dem sich der Kanzler, Generalfeld- marschall v. Hiud-nbuig, der Erste GeneralquartiermeistLr und der Staatssekretär des Sluswärtigen v. Hmtze um den Kaiser zusammenfande», im Zeichen wichtiger un fruchtbarer Beratungen über laufende militärisch« und politische Fragen. Seine volle Spannweite erhalt etu wesentlicher Teil tiefer Beiprechnnaen nun m.t dem gestern erfolaten Eintreffen des Kaisers Karl und seiner nächsten politischen und militärischen Berater. Der Kaffer, der die ifnifcrm des österreichischen Feldmar''challs trug, erwartete in Begleitung des deuffchen Botschafters Grafen Wedel, de« Staatssekretärs v. Hintze und des Gewlges seinen hoben Gast auf dem Bahnsteig. Kaiser Karl hatte kaum den Bahnsteig betreten, als die beiden Kaffer aufeinander zuschrlAen und sich zu einem kurzen herzlichen-Gespräch fanden, ^.aprend der Kaiser da>:u die Herren des k. und k. Gefolges, unter ihnen Len Itraiit&E deß WtzM MW WWM