Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch, 14. Kugust 1918.
Morgen-klusgabe.
Nr. 375. * 66. Jahrgang.
Wege;um zrieden.
Es ist leicht, ein System t-er Anziehung und der Abstoßung aufzubauen, das uns über die Abgründe des zerrissenen europäischen Lebens hinweghelfen könnte, aber so leicht der Bau in Gedanken konstruiert ist, so schwer ist er in die Wirklichkeit hineinaestellt. Wir hören viele gute Ratschläge von vielen Seiten, wie wir zu einem dauernden und ehrenvollen Frieden kommen könnten, wir geben zumeist auch willig zu, daß es kluge und wohldurchdachte Vorschläge sind, verständige Konseauenzen aus realpolitisch gegebenen Zuständen und keineswegs theoretische Abstraktionen von der Wirklichkeit, aber weitergebracht hat uns bis zur Stunde kein Rat, keine Empfehlung, und wir muffen immer noch den Leidensweg des Krieges gehen, ohne daß das ersebnte Ziel schon sichtbar würde. Jetzt, nachdem wir ln das fünfte Kriegsjahr eingetreten sind, ist so recht die Zeit für die Ent- werfvng von Richtungslinien, und wieder werden wir dutzendfach vor die Auswahl zwischen östlicher und westlicher Orientierung gestellt, vor die Frage, ob wir mit England einen Verständtgungsfrieden erstreben oder gestützt auf eine weitblickende Festlandspolitik, den Kamvf mit dem Angelsachsen- tum unerbittlich bis zu: Bezwingung unseres Hauptfeindes fvrtsehen sollen. Biel mehr, wenn man es recht bedenkt, ist die Zahl der Personen und der Richtungen, die uns zur Verständigung mit England ermahnen, beträchtlich zusammengeschmolzen, aber man kann leider nicht sagen, daß die entsprechenden Folgerungen gezogen werden, und daß somit auch die Einsicht in die Notwendigkeit gewachsen sei, unser Verhältnis zu Rußland und zu den Problemen deS Ostens einer gründlichen Revision zu unterziehen und jetzt noch den Versuch einer Versühnung mit den Russen und der Sicherung dauernder Freundschaft mit den Ostvölkern zu machen, die sich zuvor in einer Föüerativrcpublik zusammensinden müßten. Was wir in Wahrheit sehen, das- ist bleibende Spannung wach Osten und bleibende Spannung nach Westen, ein Zustand clso, von dem niemand wird behaupten wollen, dqß er jemals die Möglichkeit eines Auswegs aus der denkbar größten Verwirrung darbieten könnte.
Indessen wollen wir zuqeben, daß die Empfehlung einer entscheidenden politiscken Wendung, die uns di« Möglichkeit zur Einleitung einer deutsch-kontinentalen Politik gewähren köntiie, unschwer ausgesprochen, unendlich schwer aber aus- geführt ist. Je lockender ans die Befürworter einer solchen Politik den Zustand schildern, den ihre Sehnsucht vorweg- n:mmt, desto mühevoller muß uns die Ausgabe erscheinen. Man empfindet das zuweilen mit geradezu schmerzlichem Be- dauern, so beispielsweise, wenn man einen Aufsatz von Ludwig 2uessel (im jüngsten Heft der ..-Sozialistischen Monats, beste ) lrest, worin uns sogar eine Verständigung mit Frankreick als keineswegs aussichtslos dargeüellt wird Was auch immer der Verfaffer für die deutsch-französische Freundschaft anführen mag, es ist doch stets nur vom deut- scheu Gesichtspunkt aus gesehen und empfohlen, und wir muffen immer wieder fragen, was uns solche Gedanken nützen können, wenn der andere Teil eben ander? denkt. Dies aber geschieht doch reichlich. Solche Erkenntnis braucht uns indessen naht zu hindern, aus dem erneuten Plädoyer für eine onti-englische Festlandsvolitik unter deutscher Führung dieses und ienes als wertvollen Beitrag zur Beurteilung gnind- legender Verhältnisse zu entnehmen. In diesem Sinne ist das, was Oueffel über die belgische Frage von einem i euen Gesichtspunkt au? sagt, beachtenswert genug, und wir mochten seine entsprechende Darlegung deshalb besonderer Aufmerksamkeit empfehlen. .Es ist richtig", so lesen wir da, ..daß, wenn Deutschland und Osteuropa verfeindet bleiben' Belgien nur 'ein englisches Machtgebiet sein kann. Dieser kleine Staat, der auf schmaler terrktorialer und noch schmälerer agrarischer Grundlage eine gewaltige indt-striell- Produkticn aufgebout hat, ist mit seiner überaus starken Bevölkerung von 8 Millionen in so hohem Maße auf die Zufuhr von Lebensmitteln angewiesen, daß deren Abschn-idunq für den größten Te,I des Volkes den Hungertod bedeutet. " Das kleine Belgien hatte vor dem Krieg einen größeren Einfuhr- Überschuß an Brotgetreide (Roggen und Weizent al? das große Deutsche Reich. Belgien ist jetzt schon in der Lage in der England gern Deutschland sehen möchte: eS hat im
Kriegsfall England gegenüber nur die Wahl zwischen Unt-r- werfung und Hungertod. Da« weiß in Belgien. daS fett vier Fahren von den Angelsachsen versorgt wird, jede« Kind. S« wäre lächerlich, unter diesen Ilmständen von einer belgischen Neutralität überhauvt za spc-cken. Diese wäre nur dann möglich, wenn Belgien durch die Mittelmächte Brotgetreide erhalten könnt- Be» dem riesigen Bedarf dieses kleinen Landes sind diese aber nicht einmal imstande, Belgien für einen Monat mit Brot zu versorgen. Nur wenn hinter den Mittelmächten Osteuropa sieht, könnte Belgien daran denken atich England gegenüber neutral zu bleiben. Jedes Volk wird ja das Schwerste auf sich nehmen, ehe eS sich selbst züm Hungertod verurteilt. Deshalb kann, so lange Mittel- und Osteuropa nicht geeinigt sind. Belgien nur ein englisches Gläcis sein. Daran kann kein Friedensvertrag etwas ändern Deutschland allein kann Belgien wohl besehen, aber dessen Bevölkerung nicht 4 Wochen lang ernähren. Das wird die Belgier stets bestimmen, mit dem Mut der Verzweigung gegen Deutschland zu kämpfen, damit sie von den Angelsachsen Brot erhalten. Woher soll Deutschland, das im Frieden selbst 11,8 Millionen Doppelzentner ausländisches Brotgetreide b r as ch t. »c$«*ak de» Aocfc* die " astr: - ^' r>r r
zentner Roggen und Weizen nehmen, die alljährlich nach Belgien geschafft werden müssen, wenn das Land nicht bei längerer Dauer des Krieges zu einem Leichenfeld werden soll? Die Lösung des belgischen Problems in einer die Sicherheit Deutschlands verbürgenden Weise ist dennoch möglich. Nur darf man dabei nicht durch eine englische Suggestion, der bei uns die Rechte wie die Linke unterliegen, vom Gesichtspunkt der Angelsachsen ansgehen. Belgien hört sofort auf, eine englische Angelegenheit zu sein, sobald man die Verfeindung der Kontinentalstaaten, ihre Trennung in zwei sich streitende Gruppen, nicht als unentrinnbares Verhängnis für Europa ansieht. Geht Osteuropa mit dem übrigen Kontinentaleuropa Hand in Hand, so ist das Problem der "belgischen Versorgung ge'öst. Belgien erlangt erst dann die Freiheit neutral zu bleiben, weil dies; Neutralität dann nicht mehr den Hungertod für das Land bedeutete. Aber Belgien wird sich für die Neutralität nur dann entscheiden, wenn sie zugleich für Frankreich gilt. Darüber sollte sich niemand bei uns täuschen. So führt uns die belgische Frage zur deutsch-französischen Verständigung zurück."
So Oueffel. Aber wie soll diese deutsch-französische Verständigung zusammenkommen? Wir brauchen gegen sie ja nick-ts zu haben, denn wir beaniprnchen von Frankreich nichts; Frankreich jedoch beansprucht von uns sehr viel, und es hat noch nicht im geringsten zu erkennen gegeben, daß es sich besinnen und seine Forderungen auch nur einschränken, geschweige denn aufgeben möchte Also, was hilft unZ das Gebäude der schönen Tbeowe, mie eS mit manchen anderen auch Oueffel wieder aufftihrt? Bewoknbar ist das Haus leider nicht, denn eS bestebt einstweilen mir in Grundrissen, und es bat sich noch kein staatsmännitcher Architekt gefundeu, der es mit starken Fundamenten und widerstandsfähigen Mauern, mit schützendem Dach »nd mit behaglichen Räumen zur Wirklichkeit werden lassen könnte.
Angriffe des Feindes gescheitert.
W. T.-B. Berlin. 18. Aug., abends. (Amtlich. Drahtbericht.)
Bon der Ancre bis zur Avre r « hiffer Tag. Zwischen
»vre «ich Cif« such £dta>r$fe M Feindes ,» schottert.
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Der feindliche Nräfteeinsatz in der Sommeroffensive.
K. A. Berlin, 18. Aug. (Eig. Drvbtberichit. zb.) Die An- sangsersolge, die der Feind in seiner Somme roffeniftve erringen kennte, halben ihm veranlaßt, alle feine Kräfte in den Kampf zu werfen. In den letzten SckCackittagen haben unsere Erkundungstrupp«« sestgestelltz daß bereits Divisionen von entferntem Frontabschnitten an die An- griffsftont heranyezogen und dort eingesetzt worden sind. Ein Beispiel dafür, mit welchem Aufwand von Menschen und Material die Gegner in den Kampf gehen, bietet der Anigriff vom 8. August. AN diesem Tage gingen gegen unsere Front 8 Dankbataillone vor, ida§ heißt 400 bis 800 Tanks, gefolgt von Kanadiern im den ersten Sturmwellen, dann Australiern, Franzosen und schließ ich Amerikanern. Etz ist feWstverständlich, daß unter solchen Umständen dem Feind Wo-rteile zu fallen mußten, di« er zur Hebung des KriegSwillentz bei seinen Völkern benutzen wird. Indes dürsten diese aber bald von dem weiteren Gang der Ereignisse belehrt werden, daß überr aschung.se rfolge keine Dauer haben, und daß ans diesem Grund der Gelän-degewinn, >den ihre Heerführer nniter ungeheurem Einsatz von Menschen und Material errungen haben, für den weiteren Verlauf des Kriegs nicht ausschlaggebend ist.
Verstärkung der brutschen Artillerie.
Br. Berlin, 13. Aug. (Eig. Drabtbericht. zb.) Der Havas-Berichterstatter an der franrösiichen Front telegraphiert nach dem „B. T." auS Genf, daß am Sonntag eine heftige Gegenwirkung der deutschen Trupvcn erfolgt sei, die den Vormarsch der französischen Armeen aufge- halten hrbe. Die deutsckfe Artillerie sei erheblich verstärkt und aktiver geworden.
Starke deutsche Gegenangriffe.
W. T.-B. London, 12. Aug. Das Routersche Bureau erfährt: Di« Deutschen unternehmen mit einer beträchtlichen Fahl von Division«» und Artillerie stank» Gegenangriffe zwischen der Straß« von Roy« und der Somme. Rament- lich südwestlich von Rohe ist ihre Gegenaktion sehr heftig.
Französischer Dank an Amerika.
W- T.-B. Genf, 13. Aug. (Drahtbericht.) Nach einer Havas-Meldung soll an der Gicondemündung ein Denkmal zur Erinnerung an das Eingreifen Amerikas errichtet werden. Es ist beabsichtigt, daß Präsident Wilson demnächst den Grundstein dazu legen soll.
Fliegerleutnant Pippart gefallen.
Mannheim, 18. Aug. Wie die „Neue Bad. Landesztg." meldet, ist der Fliegerleutnant Hans Pippart, gebürtig aus Mannheim, Sieger in 21 Luftkämpfen, gefallen.
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Luftangriffe auf vrügae und Zeebrügge.
Br. Berlin, 13. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der ,.L.-A." meldet ans d-m Haag: Holländische Blätter berichten aus Vlisiingen- In der Nacht vom 10. zum II. August wurden
S» j t » a»ri ffe gegen Stui^ge, ZeebrüzWe undDadizealr | yri ^t
Besprechung der Ostfragen im Großen Hauptquartier.
B. A. Berlin, 13. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wre wir hören, wird nwrgen im Großen Hauptquartier Kaiser K a r l, _ Baron Bunan, der österreichische Außenminister Prinz Hohenlohe, der österreichische Botschafter in Berlin, Graf Wedel, der deutsche Botschafter in Wien und Gesandter v. Bergen, Referent für österreichisch-ungarische Angelegenheiten im Reichsamt des Äußern, einfteffen. Bekanntlich weilen von der poli- ftschen Reichßleitung bereits der Reichskanzler, Staatssekretär v. Hinke und Dr. Helfferich dort, ebenso auch der Leiter der polnischen äußeren Angelegenheiten Prinz Radziwill und der Vertreter der polnischen Vertreter in Berlin Graf Ronikier. Gleichzeitig wird bekannt, daß Erzherzog Wilhelm, Sohn des Erzherzogs Karl Stephan, in Berlin eingetroffen ist, dessen Namen in der letzten Zeit in Zusammenhang mit einer bestimmten Thronkandidatur genannt wird. Ans der Zusammensetzung der anwesenden Persönlichkeiten: gebt schon hervor, daß man im Hauptguarfter die polnische Vs r q ci e ber Lösung näher bringen will, übetz deren Form seit kurzem die verschiedensten Gerüchte umlausen. Es dürften wahrscheinlich sowohl die Grenz- ftage wie auch die Thronbesetzungsfrage zur Be- sprechung gelangen. Doch erscheint es immerhin zweifelhaft, ob bei der bisherigen Verschiedenarftgkeit dev Standpunkte des Deutschen Reiches und Österreichs eine völlige Einigung und eine Beseitigung der strittigen Punkte zustande kommen dürfte.
Neben der polnischen Angelegenheit, die den größten Raum in der Besprechung einnehmen wird, steht auch! das ganze Gebiet der Ost fragen zur Debatte. E§ wird nötig sein, zur Lage der Bolschewisten und ihrer Gegner Stellung zu nehmen und vor allem auch eine Entscheidung über die geforderte und vielbesprochene Revision deSBresterFriedens zu fällen. Schließlich muß auch das Schicksal der Ostseeprovinzen und Litauens, di? Regenten erhalten sollen, geregelt werden. Ebenso wird man über Finnland, das nach eingetroffenen Nachrichten einen deutschen Herrscher wählen will, eingehend beraten müssen. Das Arbeitsaebiet ist also ein recht umfangreiches und es ist zu hoffen, daß man über all diese schiverwiegenden Fragen nicht kurzer Hand ein« Entscheidung treffen wird, ohne vorher das deutsche Volk, das daran einigermaßen interessiert ist. zu informieren oder doch seine Vertreter, die im Hauvtmrsschuß des Reichstags «in ent- scheidendes Organ geschaffen haben.
Der Kronprinz von Bulgarien im Großen Hauptquartier.
W. T.-B. Berlin, 13. Aug. Kronprinz Boris von Bulgarien hat gestern dem Kaiser im Großen Hauptquartier einen Besuch abgestattet.
Oie deutsch-russischen verhanvlnnyen in Berlin.
B. A. Berlin, 13. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Amtlich war gemelldet worden, daß die VerhaiHlungen zwischen der deutschen Regierung und dem russischen Botschafter „eine» gewissen MsilMtz" erreicht hätten. Ern« zuständige Stelle bemevkt dazu, biß es sich hier nicht um «ine Revision oder einen Ausbau des Brest-Litowöker Friedens handelt. Dev gewiss« Abschluß ist insofern erreicht, als eine Paraphierung des Abkommens bereits erselyt ist. Der Vertrag ist damit nicht abgeschlkofleffx, « bedarf vieltnehr noch der Genehmigung der beiden beteiligten Regierungen.
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Keitt« Kriegserklärung de*- (Entente an Rutzlanv.
Br. Zürich, 13. Aug. (Eig. Drahtbericht, zch.) Wie die „Zürcher -Momgenztg." erfährt, wird in maßgebenden Gwtonte» kreisen eine Kriegserklärung der Entente an Rmßlaäd als ausgeschlossen bezeichnet, weil die Alliierten in dm Bolschewisten nur «ine Partei und nicht die Vertretung de» rufftschon VoLeö «fcti&m.
Gärung unter den tEschecho»SlowaAen.
W. T.-B. Ufa, 13. Aug. (Drahtbericht.) Unter den Aschecho-Skowaken machen sich Zersetzungen bemerkbar. In 'dsn Truppenteilen werden Erschießungen vvryenamMen. Der Kommanda-nt hat Versammlungen verboten. Infolgedessen zeigte sich starke Unzusriedonheit unter den Mannschaften.
Die sibirische Expedition.
W. T.-B. Rotterdam, 13. Aug. Nach einem hiestgon Matt wird der „Times" aus Tokio gemletdet, daß den Blättern verboten worden sei, EinzeHeiten über Truppsnverschiffun- gen zu verösfentlichen. Das Expeditionskorps werde nur aus einigen tausend Mann besielhen. Nach Berichten, die täglich aus den sibirischen Mittelpunkten einlaufen, scheine die dortige Lage aber Zehntausend« zu erfordern. Die Tscheche-Slowaken und die Kosaken können gegen die Bol- ichewiki nicht standihaltem. Der japan-ische GeweroWchb und die «öderen Titpurtinmni **^* ; *nT frtiuMk
