Verlag Langgaffe 21
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Montag, 12 , Kugust 1918.
klbenö-Kusgabe.
Nr. 372. . 66. Zahrgang.
von Moskau nach plerkau.
Wie aus den nachfolgend,:n amtlichen Berliner Mitteilungen hervorgeht, ist die deutsche Gesa n d t- schaft von Moskau nach Pskow (deutsch Pleskau) verlegt worden, einer südlich von Petersburg an der livländischen Grenze gelegenen, etwa 40 000 Einwohner zählenden Stadt, die durch die dort erfolgte Entthronung des Zaren Nikolaus bekannt geworden ist. Die Maßnahme der deutschen Regierung kann flicht eigentlich überraschen. Als iinser neu ernannter Gesandter Tr. Helfferich nur wenige Zeit nach seiner Ankunft m Moskau wieder zur Berichterstattung zurückberufen ward, wurde mitgeteilt, daß sich erst noch den Beratungen in Berlin und im Großen Hauptquartier entsmer- den wird, ob er wieder ngch Moskau ziirückkehren werde. Die Entscheidung ist schon jetzt in dem Sinne gefallen, daß die deutsche Gesandtschaft von Moskau, wo allem Anschein nach die B o lsche w i k i sich ntcht mehr der Sozialrevolutionäre erwehren können, m das von deutschen Truppen besetzte Gebiet verlegt wird.
Über die Zweckmäßigkeit dieser Maßnahme kann es keine Meinungsverschiedenheiten geben, sondern man könnte höchstens fragen, weshalb ein solcher Beschluß nicht alsbald nach der Ermordung des Grafen Mirbach gefaßt worden ist, die ja ein grelles Licht auf die Anarchie in Rußland geworfen und gezeigt hat, daß die bolschewistische Regierung bei allem guten Willen, den wir nicht anzwcifeln wollen, nicht in der Lage ist, den diplomatischen Vertretern den durch das Völkerrecht vorgeschriebenen Schutz aiigedeihen zu lassen. Hst cs doch kennzeichnend, daß die Sowjetregierung unseren Gesandten bei seiner Ankunft in Moskau bat, von dem üblichen Antrittsbesuch Abstand zu nehmen aus Rücksicht airf die damit verbundene Gefahr, und daß diese Überreichung des Beglaubigungsschreibens durch ejne Doppelvisite des Volkskommissars des^Lstßern Tschitscherin ersetzt wurde.
Im übrigen bedeutet die Maßnahme der deutschen Regierung, die lediglich praktisch-politischen Erwägungen entspringt, nicht et;oa den Abbruch oder auch nur eine Lockerung der Beziehutigen zu Rußland, und sie ist auch nickt mit der Verlegung der diplomatischen Vertretungen der Entente auf eine Stufe zu stellen. Die Gesandten der Entente, die von Petersburg nach Moskau, von Moskau nach Wologda, von da nach Archangelsk gingen und sich jetzt am Weißen Meer im Lager der dort gelandeten englischen und französischen Truppen befinden, haben di's einmal ihrer persönlichen Sicherheit wegen getan, die sie freilich durch ihre eigenen Umtriebe gefährdet batten, und zweitens, um diese Umtriebe niit mehr Aussicht auf Erfolg fort- setzen zu können. Daß sie dabei nickt unklug handelten, wird am besten dadurch bewiesen, daß die in Moskau gebliebenen Konsuln (vickenat corisules!) zwecks Ver- geltung für die Hinrichtung von Sowjetmitgliedern an der Murmanküste verhaftet worden sind und als Geiseln festgehalten werden. Die deutsche Gesandtschaft hat zwar von der derzeitigen Regierung in Ruß- land nichts zu befürchten, desto mehr aber von der sozialrevolutionären Opposition, die mit der Entente Hand in Hand gebt, mit dem Pfund Ster- ling, dem Franken und dem Dollar subventioniert wird. Und so ist, wie offiziös mitgeteilt wurde, die Verlegung unserer diplomatischen Vertretung erfolgt, „um etwaigen Zwischenfällen vorztibeugen, die unter diesen Umständen beim besten Willen fast unvermeidlich erscheinen und die geeignet sein würden, die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und der Sowjetrepublik ernsthast zu gefährden". Ist es dock das eistigste Bestreben der Entente, derartige Zwischenfälle zti schaffen, wobei ihnen, wie der Mord an dem Graten Mirbach gezeigt hat, jedes Verbrechen recht ist.
Liegt so die Derleguiig der Gesandtschaft von dem unsicheren rnfsischen Boden in das Gebiet, in welchem unsere Truppen die „heil'ge Ordnung, segensreiche Himmelstochter" verkörpern, im Interesse unseres Verhältnisses zur russischen Republik und soinit auch in deren Interesse, so wirft sie doch zugleich ein grelles, Schlaglicht auf die Ziistände im Erzarenreichc. In der Tat kann kein Zweifel mehr darüber lwstehen, daß das Sowchetregiment nicht etwa nur in Moskau selbst bedroht ist. daß sein Bestand nicht nur durch die Entente und ihre tschecho-stowakischcn Söldner, sondern auch durch die gegenrevolutionäre Strömung ernstlich geMrdet ist. Und so liegt die Verlegung der Gesandtschaft nach Pleskau durchaus im Sinne der T o k- t j k, die der Reichskanzler Graf Hertling im Hauptausschuß des Reichstags mit der Bemerkung gekennt- zeichnet-hat, daß „wir unsere Augen und Ohren osten- balten, um uns nicht durch eine plötzliche Umwandlung der dortigen Derhältniffe ins Unrecht setzen oder überraschen zu lasstin". Untere diplomatischen Beziehungen ■ fünaflt mir van aus
ebenso gut wie von Moskau pflegen, aber wir können das zugleich mit größerer Sicherheit und mit der Freiheit der Entschließung, die angesichts der Zustande in Rußland, wo alles im Fluß begriffeii ist und reder Tag einen Wechsel, einen neuen Umsturz bringen raun, eine Grundlage unserer Takstk bilden muß, die durch das Verhalten der Entente und ihrer Helfershelfer in Riißland linter Umständen gezwungen werden konnte, von der politischen Defensive zur politischen Offensive überzngehen.
W. T.-B. Berlin, 10. Aug. Mit Rücksicht auf d,e Gefährdung der Mitglieder der Gesandtschaft durch die Entwicklung der Verhältnisse in Moskau und besonder? die parteioffiziellen Proklamationen der Sozialrevolutionäre über die Anwendung des Terrors als Kampfmittel ist beschloffeii worden, die deutsche Gesandtschaft von Moskau nach Pleskau zu verlegen. Es soll dadurchZwischen- fällen vorgebeugt werden, die unter den obwaltenden Umständen beim besten Willen fast unvermeidlich erscheinen und die geeignet sein könnten, die Beziehungen zwischen dein Deutschen Reich und der Sowjet-Republik zu gefährden.
W. T.-B. Berlin, 10. Aug. (Amtlich! Staatsminister Tr Helfferich hat der Regierung der Sowjets mitgeteilt, daß die Entwicklung der Verhältnisse in Moskau und besonders die parteioffizicllc Proklamation der Sozialrevolutionäre über die Anwendung des Terrors als Kampfmittel die persönliche Sicherheit der Mitglieder der Gesandtschaft außerordentlich aefährdet erscheinen ließen. Um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen, die unter diesen Umständen beim besten Willen fast unvermeidlich erscheinen und die geeignet sein würden, die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetrcvublik ernsthaft zu gefährden, habe er die einstweilige Übersiedlung der ttzesandtschaft zusammen mit den Mitgliedern der Gesandtschaft an einen weniger gefährdeten - Ort angecndner. Legationsrat Dr. Riezler reiste seither mit den ' Mitgliedern der Gesandtschaft und einem Teil der in Moskau weilenden Kommission zunächst nach Petersburg ab. Mit Rücksicht auf die Lage in Petersburg, welche derjenigen in Moskau ähnelt, ist die .Kaiserliche Gesandtschaft sodann angewiesen worden, zunächst Pleskau als Aufenthaltsort zu wählen. Die Reise dorthin findet infolge der Störung der direkten Verbindung zwischen Pleskau und Petersburg über H e l s i u g f o r s und Reval statt.
Oie Ursachen der Gesandtschafts- Verlegung.
Br. Berlin, 12. Aug. (Giß. Drahöbericht. zb.) über die Umstände, die zur Verlegung der deutschen Gesandtschaft ton MvZkau nast P-leskau führten, wird gemeldet: Es ist zunächst änJnerkeiTnen, daß die Sowjetregierung durchaus und dnu- ernd das ehrliche Bestreben betätigt hat, mit Deutschilanld und seinen Verbündeten auf der Basis des Friedens auszukommen. den die Bolschewiki in Brest-Litowsk in Erkenntnis der bitteren Notwendigkeit für das schwergeprüfte Rußland ^geschlossen haben. Demgegenüber setzte allmäihlich mit wachsender Verstärkung die sogenannte linksrevolutionäre Bewegung ein, die den unbedingten Terror und den Terror aus Opportunitätsgrünsten auf.ihre Fahue goschrie- bem hat. Diese Bewegung sawd ihren starken Rückhalt und klug berechntet« 'Speisung "durch die Entente, einschließlich Japans, die sich als ihre Exetutivtouppen der tschecho-slowaki- lschen Freibeutevscharem bedienten. Die Unzufriedenheit mit ldon Boilschewiki steigerte sich schnell uNd ließ den ©trom der linkem revolutionärem Bewegung, in dem natürlich auch zahlreiche Desperados und lichtscheues Gesindel ^schwömmen, schnell aNschlwellen. Die erste Folge war die Ermordung des -deut- schen Gesandten Grafen Mirbach, die zweite eingestandenermaßen das Attentat aus den Generalobersten v. Eichhorn, welch letzteres noch sinNlvfer erscheinen mutzte als das erstere. Gras Mirbach war vor sestrer Ermordung gewarnt worden. Seinem Nachfolger ging es nach seinem 'Eintreffen in Moskau ähnlich. Die Lage war in wenigen Tagen noch bedrohlicher ^geworden. Die Presse der 'Sozialrevvlutio- ,n«re stierte Orgie«, des Terrorismus, seitdem das Zentral- kotiritee der linken Sozialrevolutionäre -den Antrag der Frau Bistrcka, »der die »Ermordung des Grafen Mirbach ausdrücklich guthieß, mit großer Mehrheit angenommen hatte. Die Haupt- rädelsführer der Revolutionäre, wre Frau Spirtdown a und Grambkow, 'komrten von den Bolschewik, nicht etava gefaßt und erschossen werden, sondern fie sind, wie es herßt, entkommen. Die Unsicherheit war insotgedeß'en so groß, daß die Mitglieder «der deutschen Gesanotschaft ihr 'Hotel nicht mehr verlassen konnten. In Moskau war das deutsche Gesandtschaftsgebäüde bisher von einer lettischen Garde bewacht. Diese war aber in den letzten Tagen weggezogen und durch weniger zuverläffige Rote Garde «rscht worden, weil man die lettischen Regimenter an den Außenfrontem gogen die andrängeTtden Tscheche-Slowaken sehr Nötig gebrauchte. Schon bei seiner Ankunft fand unser Botschaiter^Dr. Helfsertzch äußerst unsichere Verhältnisse vor. Die Sowjetregierung cnihob ihn aus fteien Stücken des üblichem Antrittsbesuchs und des Besuchs zur Überreichung seines BeolaubigiingsschreibenS, damit er nicht nötig habe, sich aus der Straße zu zeigen. Ms Helfferich Besuche bei dem Vvl'Moirmiissar des Auswärtigen Tschitscherin ansagkc, kam ijga dstjer <mmal zuM wich vs gab M iWMÄ
deutsche Gesandtschaftsgebäude, um Hsrrn Dr. Helfstrich den gefahrvollen Weg „ach »dem Kreml zu ersparen. Auch in Petersburg unterscheiden sicki die Verhältnisse nur wenig von denen in Moskau, so daß eine Verlegung der Botschaft nach dort nickst ntchr in Frage kam. Die neue Stafton der Gosandtschaft, Pleskau, ist lediglich als eine Art Be obach tu ngs Posten gedacht. Von der weiteren Entwicklung der Dinge in Rußland und von den bevorstehendsr,^ B e- s p r e ch u n g c n im Großen Hauptquartier wird t-j obhängen, ob und "cm welcher Tauer die Belastung unserer Gesandtschaft in Pleskau sein wird. Auch der Umstand w-rd dabei Mitentscheidend sein, wie die Sowjetregierunq praktisch ihren Geschäftsverkehr mit dem neuen Sitz der Gesandtffchöft gestalten wird. *
Auf der Reise nach Pleskau.
»r. Hrliingfors, 12. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb-) Das deutsche Gesandtfck»aftspersonal aus Moskau ist Sonntagfruh in Helfingfors m-yekcmmen. Die Weiterreise nachMeval erst igt wahrscheinlich alsbald. Bon russischer und^ finnischer Seite wurde leim Passierei! der Grenze das g rügte ^Entgegenkommen brw iesen. *
ür. Helfferich im Grotzen Hauptquartier.
— Berlin, i2. Aug. (zb.) Dr. Helfferich hat sich gestern abend, wie der „L.-A." berichtet, ins Große Hauptquartier begeben. Sein Aufenthalt dort ist ans mehrere ^.age berechnet.
vie SowjeteeqierunA in Nrc»nstak>t?
W. T.-B. HelsingforS, 0. Aug. „Hufvudstadsbladet" erfährt. dab eine Abteilung finnischer Roter Gardisten, etwa 200 Mai n, unter Führung englischer Offiziere m der Nahe bcc finnischen Grenze, 50 Kilometer von Tuhka, stehe. Kleinere Zusammenstöße mit finnischen Grenzschutztrnppen hätten kattgesunden. Nach einer anderen Quelle bestätigest Mrt» keiluugen von isrlück.tlingen, die über die Grenze nach Finn- lano gelangt sind, daß die 'ctreitkräfie der Alliierten stich seit cinia-n Tagen Petropawlowsk genähert haben, das sich nunmehr in ihren Händen, befinde.^ F^ner verlautet, daß die r >a l' i s ä e Regierung, die ihre Stellung bedroht lebe, in den näcbsten Tagen nach Kronstadt überstcdeln werde, wo Lenin und Trotzky bereits am Mittwoch angelangt seien. Dorthin wurden auch die. gefangen genommenen Offiziere und die Bürgerlichen angesebenerStellung verbracht.
Auch der Leiter der kranzösisckien Militärmiffio» verhaftet.
W.T.-B. Paris, II. Aug. Der „Temps" meldet, ixitz der fran-ösiscbr Generalkonsul Grenaud, sein Kollege Mazon und General Lawergne, das Haupt dcw französischen Milrtar- mistion, durch die Bolschewiki iü Moskau verhaftet wor- den seien.
von der Kustenwskt obaeleffuitteu.
8. Stockholm, 12. ?lng. (E:g. Drahtberi.ht. zb.) Seit einigen Tagen ist Rußland von der Außenwelt gänzlich ab ge schnitten. Di? telegraph'iche Verbindung „nit dem Süden, Ostrden und Osten ist gänzlich unter brocken Mit Deutschland wird der telegraphische Vcr- kebr fortgesetzt beschädigt. Die einzige Möglichkeit der Verständigung zwischen Moskau und Petersburg bestehr mir auf telegraphischem Weg.
Neue Unruhen in Petersburg.
8. Stockholm,-12. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nack
„Stockholm Tldniiigcn" sind in Petersburg neue Unruhen ansgebrocken. Alle bürgerlichen Zeitungen wurden „erboten. Ferner sollen insgesamt 18 000 Ofsr ziere verhaftet und in die nationale Armee e i n ft e st e l l worden sein. Ein späteres Telegramm besagt, daß die Oft, ziere im geheimen eine größere Anzahl der Raten Garde fu» ihre Sache gewonnen >md in etwaigem Kampf fick auf die Seite der Gegner stellen wollen. Biele der Verhafteter wurden erschoffen. __
Die Tntenleaktion in Sibirien.
Erklärungen Balfours im englischen Untetrhchns.
W. T-B. Bern» 11. Aiug. Auf ein« Aiifrage ÄcS Abze ordneten Kiny im englischen Unikechaus am 6. August, ob di, Erklärung der englischen Regierung ülbckr die QperÄwMM der Wiiertem in Rußland gftichizeitlg namens Frankreich« Japans unid den Vereinigten 'Staaten erfolgt sei, erwüderl'
Balfvur: ^ ... _ -
„Wir staben Seine EMärung für unz ere Verbunldeten am zuacsten. Was wir inr,eigenen Namen erklärt hade-w. rautet w»rs Ziel Seiner Majestät Regierung ist tzie .Seriberführun der politischen, und wirftchaftliche« WiedeMerstciruny Rust landS ohne innere Einmischung irgend welcher Art «nfe Vertreübuuy der feindlichen Streitkräfle vom rufstfche Beiden. Seiner Majestät Regierung erklärt kategorisch, -da sie keinerlei Älbsicht hat, im geringsten Maße die termtorick Integrität Rußlands zu verletzen. Ich hege keinen Zweift daß dieses im völligen. Einklang mit der 'Anficht aller ve,
einigten Regierungen jtcht"
Ki.n>g srayt-e -mit üiffentßun'bt$et ^ronre werter. Ware < nicht ebcntf'o gut, tovm -bidfc bewuuber-untz§würbi.ge zicklerKärnng mit der bestimmten ausdrücklichen Znsftmmur der Bunidesvenossem durckyesührt Würste? Balsour erwiderst ÜNijere Bundesgenossen mögen es für werfe halten, eine g MpiMWW ai-MMtzg-i ^ oL«:
