t?? Blätter kür nasiauische Geschichte
und Kultur-Geschichte, smmvm
Monatliche Lreibeilage des Wiesbadener Tagblatts.
f Nr. 8.
rr. Jahrgang.
(9,'achdruck sämtlicher Original-Beiträge verboten.)
£lii9 £Ut-Nassau-Saarbrücken.
Mitgeteilt von Hermann Usener-Klipstein.
Ludwig v. Nassau-Saarbrücken, geb. zu Saarbrücken 3.1.1745, gest. zu Aschafsenburg im Exil 2. 3. 1794, war in zweiter Ehe vermählt mit Katharina Kest, geb. Fechingen 1. 3. 1757, gest. Mannheim 11. 12. 1829, der jüngsten Tochter des Gemeindsmannes Joh. Georg Kest, geb. Fechingen 1702, gest. ebenda 1762, und der Anna Barbara Wohlfart, geb. Dirmingen 1717, gest. Saarbrücken 1798. Infolge eines unglücklichen Prozesses mit ihren Stiefsöhnen zog die Witwe Anna Barbara Kest um 1771 mit ihrem 14jährigen Töchterchen Katharina nach Saarbrücken, wo letzteres bald die Aufmerksamkeit des Landesherrn erregte. In Nancy und Metz und wohl auch noch in einer anderen Stadt Frankreichs ließ er der kleinen Kest eine nach jeder Richtung hin glänzende Erziehung zu teil werden. Mit 17 Jahren kehrte sie als vollendete Dame nach Saarbrücken zurück und erhielt den Namen v. Ludwigsberg. Am 1. 8. 1774 schloß sie mit dem Fürsten eine Art Scheinehe, 1781 wurde sie Freifrau v. Ottweiler, 1783 durch Kaiser Joses I I. von Österreich Reichsgräfin v. Ottweiler und am 28. 2. 1787 zur rechten Hand angetraute Gemahlin des Fürsten.
Die feierliche Ausrufung als regierende Fürstin von Nassau erfolgte am 8.3.1787. Sie einpfing die Glückivünsche der Regierung und Behörden sowie das übliche Geschenk der Bürgerschaft und sah sich somit im Lande anerkannt. An die Einsprache der Agnate des Gesamthauses Nassau und des Reichshofrates des Deutschen Reiches kehrte man sich in Saarbrücken nicht. Um aber für alle Fälle seiner zweiten Gemahlin und seinen Kindern einen hohen unbestreitbaren Titel zu sichern, erivarb der Fürst im französischen Lothringen die Herrschaft Dillingen, ließ dieselbe 1789 von Ludwig XIV. von Frankreich in ein ckuokä erheben (das nassauische Staatswappen wurde entsprechend verändert) und sich und die Seinen unter die ducs hdreditaires mit dem Titel Herzog von Dillingen aufnehmen. Als im Frühjahr 1793 französische Truppen in sein Land drangen, floh er mit seiner Familie und starb außer Landes. — • , —
Da in der Folge das Haus Nassau, trotz den Testamenten des Fürsten Ludwig und seines Nachfolgers, des Fürsten Heinrich, seinen Verpflichtungen Katharina gegenüber nicht im entferntesten nachkam, so behielt diese den erheirateten Namen bis an das Ende ihres Lebens, trotz aller Proteste, und auch in Baden unangefochten, bei, und wir finden sie im Adreßbuch der Stadt Mannheim vom Jahr 1821 als Fürstin von Nassau aufgeführt. Gewöhnlich Unterzeichnete sie: C. v. Nassau Ww., Gräfin v. Ottweiler.
Die Mitglieder der Familie Ottweiler kämpften Jahrzehnte — einzeln — um die ihnen zustehende standesgemäße Versorgung von seiten des rechtsrheinischen Hauses Nassau, das die reiche Hinterlassenschaft des linksrheinischen Hauses fast für sich allein in Anspruch genommen hatte. — Die Witwe des Fürsten Ludwig von Nassau-Saarbrücken sah sich, um doch endlich einmal eine feste Einnahme zu haben, 1813 gezwungen, den angebotenen Witwen- gehalt von 10 000 Gulden jährlich anzunehmen. 1812 waren die fünf vorhanden gewesenen Söhne bereits gestorben und verdorben. Die beiden damals noch lebenden Töchter Luise, gest. 1855, und Katharina, gest. 1818, resp. letzterer Kinder, erhielten bis zum Jahre 1833 je eine jährliche Unterstützung von nur 440 Gulden. 1833 wurde Luise mit einer lebenslänglichen Seifirente' von
1800 Gulden und die vier Kinder (Wilhelmi) der Katharina zusammen mit 20 000 Gulden abgefunden.
*
Die folgenden Verse und Briese sind jedenfalls für die betreffenden Persönlichkeiten charakteristisch und nicht uninteressant.
Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken jgest. 1794) an seine zweite Gemahlin (gest. 1829):
Mein liebstes Kind aus der Welt!
Ich habe eine große Leichenpredigt angehört, werde Dir alles erzählen. Ich hoffe Dich mit zwei Uhr zu sehen, um Dir mündlich zu versichern, daß ich ewig Dein bleibe.
Ein Wort durch den Dragoner Antwort. L. F.
Nur Stolz erbaute einst Ägyptens Pyramiden,
An denen nie das Herz aus Liebe Anteil nahm.
Ein ähnlich' Monunient ivurd' mir durch dich befchieden, Zu dem der erste 01 rund aus Lieb' und Treue kain. Nimm nun dafür, Geliebte meiner Seele,
Den wärmsten Dank und der Vergeltung Lohn.
O, wär' der Sitz, den ich für dich hier wähle,
Nach meinem Wunsch —■ ein Kaiserthron!
Doch Du bist gut und weißt, daß nur die Liebe Die Sterblichen zum Götterthron erhebt;
Du weißt, daß Deine treuen Freundschaftstriebe Mein Leben mir mit wahrer Freud' durchwebt, lind geht nun einst, wie dieser Rosen Leben,
Der Liebe Lenz auch spät bei uns vorbei,
So soll als Greis sie mir noch Sommer geben,
Denn Du bist gut, und wahre Lieb' ist treu!
Mein Denkmal kann auch ewig nicht verwesen,
Da meine Lieb' die Hand der Zeit nicht bricht.
Bleib' mir hinfort, was Du mir stets gewesen:
Mein ganzes Glück. Vergiß nur meiner nicht!
L., Fürst zu Nassau.
Adresse: Der Fürstin.
Es ist mir lieb, goldenes Weibchen, daß Du nicht in der chaise warst. An Lex' Haus brach sie. Mir fehlt nichts. Zum Glück ist der Kutscher nicht gerädert. Der O. F. Minister fährt mich an die dicke Eiche, und ich erwarte Dich in der Stadt, um Dir tausendmal zu versichern, wie sehr ich Dich auf ewig liebe.
Nur schade, daß Du reiten mußt. L.
Herzliebes Kind, ich kann nicht unterlassen, ein paar Zeilen an Dich zu schreiben, um Dir zu sagen, daß ich einen grimmigen Dammbock geschossen, recht wohl bin, kalte Pastete gegessen, den Paul wegen seinem Heulen geprügelt und, was am sichersten ist, Dich immer lieb haben werde. Ich bleibe bis in den Tod Dein treues Männchen. L. F.
Saarbr., Catharinentag 1791.
Worte sind nicht hinreichend, beste Frau, treueste Freundin, Dir meine heutigen Wünsche für Dein Wohl auszudrücken. Dieser teuere Tag wurde sonst so freudig hingebracht. Ich bringe ihn heute
