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Verlag Langgasse 21

„Tag»l»liha»0".

kL»Ne:-Haüe gköffnn von t> Udr morzrn» dt» » Udr »drnd«.

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12 Ausgaben.

Fernrirfr

^Tagblarrhaus" Nr. 6650-53.

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Berliner Abteilung des WteSdndenrr Tagblatts: Berlin W. 57, An der «»ostrlkirchr 7,1 Fernsprecher: Am« Liitzow 6202 und 6203.

Sonntag, N. August 1918.

Morgen-ktusgabe.

Die neuen Reich?fteuern.

Von Wirkl. Sieh. Oberfinanzrrt Dr. O. Schwarz.

Die Reichsregierung und der Reichstag haben mit der zrötzten Steuerbewllligung von fast 414 Milliarden Mari ein Steuerwerk gesclmffen, das sich — endlich — den Leistungen Ett.glen^s aus dem (Äediete dec Krietzssteuecvoliti! ebenbürtig an die Seite stellen dark Dies gilt namentlich auch in sozialer Richtung, indem diesmal die direkten, den Besitz be­lastenden Steuern einen sehr erheblichen Teil des bewilligten Steuermehrs ausmachen. Allerdings tragen bei uns d,e neuen direkten Stenern im Gegensatz zu England, dessen Enr- kommensteuer einen so unübertroffenen Kri^.alisationspunkt seines Kriegssteuersystems bildet — und bilden kann, weil drrt kein Einzelstaat und keine Gemeinde an dieser CucUc mitzehren —, nur einen vorübergehenden, einmaligen , Charakter. Das gilt ebenso von der K r i e g s g e w i n n - steuer der Aktiengesellschaften für das vierte Kriegsjahr, deren Ertrag bei Steuersätzen bon 30 bis 60 Prozent des Mehrgewinns rund 600 Millionen Mark einbringen soll, wie vcn'der der Initiative des Reichstags entsprungenen Ab­gabe des Mehreinkommens der Einzelver- sonen mit Einkommen über 10 000 M. nach dem Stande des Einkommens vom 31. Dezember 1917 gegenüber dem Friedenseinkommen, sowie endlich von der Vermöge ns- stener für Vermögen über 400 000 M. Der Mebrein- konimensteuer sind Staffelsätze von 5 bis 50 v. H. (bei Mehr- einkcmmen über 200 000 M.). Der Vermögenssteuer Staffel­sähe tcn 1 bi? 5 v. T. 'bei Vermögen über 1 Million) zugrunde gt.lt gt Ihr Ertrag wird auf 850 Millionen bezw. 350 Millio­nen Mark geschätzt

Was die beiden letzteren Steuern anbetrifft, so haben, wenn es sich auch zunäcküt nur um eine einmalige Steuer bandelt, die Mehrheitsparteien indes doch keinen Zweifel dar­über gelassen, daß sie für das nächste I ihr bei Fortdauer des Krieges erneut mit ähnlichen Vorschläge« kommen würden. Tie zur Begründung der Initiativrnträqe gegebenen Aus­führungen der Antragsteller lasten sogar erkennen, dah die Reicbstagsrnchrlieit in diesen einmaligen Steuern nur den Auftakt zur Forderung künftiger dauernder direkter Reichs- sienern erblickt. Denn wenn auch die Mehrbewilligung von 1,2 Milliarden Mark Steuern von ihr zunächst damit begrün­det wurde, das; die von der Regierung vorgelegten Steuer­entwürfe für das Jahr 1918/19 nach nicht den vollen im Etat in Ansatz gebrachten Ertrag liefern würden, so führte man doch zur weiteren Begründung aus. daß das von der Regie­rung in Ansatz gebrachte Etuts-Denzit van 2,9 Milliarden Mark das wirkliche Defizit noch nicht erreiche, weil einmal die Kosten für Invalidenrenten. Witwen- und Waisengelder, ferner aber auch die Friedenssähe der Ausgaben für Heer und Flotte, die jetzt im Kriege aus finauzwirtschaftlichcn und technischen Gründen mit auk das durch Anleihen zu^ deckende Kriegsbudget übernommen sind, dabei nicht berücksichtigt seien Es liegt auf der Hand, daß die lehtgedachten Gründe die Einführung dauernder Steuern nötig machen würden. Die ReichstagSmebrheit scheint also in Erkenntnis dessen, daß ein großer Tech t>er im Kriege bewilligten in­direkten Steuern dauernden Charakter tragen wrrd, zugleich wenigstens den Rahmen für eine bestimmte Summe Direkter laufender Steuern für die Zukunft haben schaffen wollen, der nur wegen der Schwierigkeit, im Kriege eine endgültige Ab­grenzung und Verteilung der direkten Steuern zwischen Reich. Staat und Gemeinde durchzuführen, vorläufig durch gewisse eil.malige Besitzsteuern ausgefüllt werden sollte.

Das weitere — erfolgreiche — Drängen des Reichstags auf unverzüglich»« Errichtung eines Reich sfinanzhoss und auf Ausstattung der Reichsbevollmäckstigten fiir das Zoll- und Steuerwesen mit wirksameren Anffichtsrecbten deutet ebenfalls aus zentralisierende Tendenzen der Reichstags­mehrheit ans steuerlichem Gebiete hin. Um so schwereren Herzens haben sich die Finanzm'nister der Einzelstaaten ent­schlossen, den gedachten Initiativanträgen zuzustimmen. Durch das sog. Besttzsteueckompromist wurde wenigstens erreicht, daß nichts wie die Initiativantrag wallte, das Einkommen der physischen Personen (über 20 000 M.) schlechtweg, sondern nur das Mehreinkommen der einmaligen Steuer unter­worfen wurde.

Im übrnMi haben sich die Bundesregierungen mit einer starken Mehrbelastung der Personalsteuern nach dem Kriege in Reich, Staat und Gemeinde im allgemeinen offen­bar bereit? abgefunden. Das geht namentlich ans dem von der Reichsregierung mit den neuen Steuern gleichzeitig vor- gelegten und vom Reichstag angenommenen Gesetze gegen die Steuerflucht hervor, welches bestimmt, daß während fünf Jahren nach Kriegsbeendigung auswandernde Deutsche neck der einheimischen Person.ilstenervslicht unterliegen, zur Sicherung der Erfüllung dieser Verpflichtung 20 v. H. ihres Vermögens hinterlegen muffen und. wenn sie den Vorschriften des Gesetzes zuwiderh rndeln, nicht nur mit Gefängnis be­straft, sondern sogar der bürgerlichen Ehrenrechte und ein­schließlich Frau und Kindern auch der Staatsangehörigkeit verlustig erklärt werden können. Die vorgenannten drei Be­st tzsteuern machen mit zusammen 1,8 Milliarden etwa vierzig Prozent des in diesem Jahr bewilligten Gesamt-Steuer- mebr? aus.

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Sitz de«? NeiS>5finanzhofes kn MUnch'«".

— Berlin, 10. Aug. (zb.) In seiner letzten Vollsitzung tzat der Bundes rat der Vorlage über die Änderung und

Ergänzung des Warenveczeichniffes zum Zolltarif und der Anleitung für die Zollabfertigung, dem Eiitwurf einer Be­kanntmachung zum Biersteuergesetz, der Vorlage über Bier- steuerausführungsbestimmungen und der Vorlage über Aus- sührungsbejtimmungen gu der Versteuerung von Mineral­wässern und künstlich bereitsten Getränken nebst Nachsteucr- rrdnung zugestimmt und beschlossen, daß der Reichssinanzhos seinen Sitz in München haben solle.

Die inneren Rümpfe in Rußland.

Die Nachrichten, die über die Kräfte, Strebungen und Aussichten der einzelnen einander bekämpseuden Parteien in Rußland einlaufen, sind noch immer höchst verworren. Nach Meldungen der Petersburger Telegcaphen-Agentur rücken dre Srw jettruppen erfolgreich gegen die Tschecho-Slowaken im Wolgagebiet vor. Auf der Mittelwolgafront stehen die Sowjettruppen schon 7 Werst vor der Stadt Simbirsk vr.b besetzten die Eisenbahnstation Nikulino in der Nähe der Stadt Sysran. Aus der Südwolaafront setzten die Sowjet- trrppen über die Wolga, befestigten sich auf dem östlichen

> imitotfßlitJie KampAfhiiit Anüng Augusi 1916

'Das Kampfgebiet der Soiyel-Truppen gegen die Tschecho- Slowaken _ ' *

Ufer und nahmen B a l a k o w o ein. Noch weiter östlich von Balakowo haben sich die Sowjettruppen in der Sradt N i k o- l a j e w s k festgesetzt und die Tschecho-Slowaken 25Werst nörd­lich von Nikolajewsk in der Richtung nach Samara zurückge­schlagen. Auf der Nordwolgairont befinden sich die Sowjet­truppen ans dem Ostafer der Krma und Wolga in den Städten Tschistovel, Spaszt und Menselinsk und rücken in der Rich­tung der Stadt Birsk vor. Das von den Tschecho-Slowakea geübte reaktionäre Regime rief einen Arbeiteraufstand gegen die Tschecho-Slowaken in Omsk und in Samara hervor. Beide Aufstände wurden blutig unterdrückt. General Kraßnow rückt, nachdem er große Kräfte angesammelt hat, nach dem Norden des Dongebietes gegen die Station Filonowo vor/die an der Eisenbahnlinie liegt, welche Zarizyn mit Rußland ver­bindet. Die Sowjettrnppen, darunter auch Sowjetkosakcn- abteilungen, gehen unter beständigen Kämpfen langsam zur Station Filonowo zurück.

Volstffew stische Uebertegenhett in Sibirien.

Br. Clnoffo, 10. Aug. (zb) Londoner Telegramme des Korrespondenten des „Sero" schildern die militärische und die pclitische Lage des Birlverbandes in Sibirien als unsicher. Sie bestätigen das Erscheinen einer zahlenmäßig überlegenen maximalistischen Truppenmacht in der Mandschurei und den Rückzug der Tschecho-Slowaken hinter den Usturi- Fluß. Die bis setzt gelandeten Ententetruvpen werden als ungenügend bezeichnet.

Die Tschecho-Slowaken in arger vebrängnis.

Dringende Hilferufe an die Entente.

Br. Genf, 10. Aug (Eig. Drahtbericht. zb.) „Corriere della Sera" bringt aus London die Meldung, daß die Tschecho- Slcwaken einen dringenden Hilferuf an die alliierte Heeres­leitung um Sendung von Verstärkungen rrchten. Sie seien in schwer bedrängter Lage infolge des wachsenden Druckes der maximalistischen Truppen in West- siüirien und am Baikalsre. D>e „New Dork Sun" meldet, dah bis zum 15. August in Wladiwostok 10 000 japanische Truppen gelandet lein werden.

Br. Stockholm. 10. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach erner Meldung der Petersburger Telegraphen-Ageniur teilt da? Kriegskabinett mit, daß die gegenrevolutionären Truppen, die neulich Jaroslaw in Besitz genommen hatten, von dort nieder ans das andere Ufer der Wolga vertrieben worden seien. Eine ihrer Abteilungen flüchtete nach Sibirsk, um drrt einen Aufruhr zu vropagieren. Es wurden jedoch Matz- nabmen getroffen, um ihre Agitation schleunigst zu unter­drücken. Auf der Front gegen die Tschecho-Slowaken an der

Nr. 271. » 65. Jahrgang.

Wolga errangen die Sowjettruppen einen großen Sieg, da es ihnen gelang, sich in den Besitz von Stzsran, Frgalma und Nawropol zu setzen. Die Tschecho-Slowaken flüchteten in Unordnung nach Samara und zogen sich nach dein östlichen Teile des Gouvernements zurück.

Snoiiwve hkundaebntt-z an das russische öo!S,

Br. Amsterdam, 10. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie Reuter meldet, hat die britische Regierung an die Bevölkerung von Wladiwostok, Murman und Archangelsk eine Kundgebung veröffentlicht, in der es u. a. heiße: „Wir kommen als Freunde, uni Euch zu helfen, damit Ihr Euch von der Zerstückelung und Zerstörung durch Deutschland reeeet welches Euer Volk unterjochen und die großen Hilfs­mittel Eitrer Länder für seine eigenen Zwecke benutzen will. Wir erklären feierlichst, daß wir, während unsere Truppen russischen Boden betreten, um Euch im Kampfe gegen Deutsch­land ;>i unterstützen, nicht einen Fuß breit Landes zurückbe­halten werden." Die Kundgebung schließt: „Unser einziger Wui.sch ist, Rußland stark und frei zu sehen und sich dann znrückzuziehen, um zu verfolgeil, wie das russische Volk seine Geschicke entsprechend seinen eigenen, oft ausgesprochenen Wünschen gestaltet."

vor neuen mMtärlschen Entschlüssen.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

B \ Berlin, 10. Aug (Eig. Drahtbericht, zb.) Unsere Oberste H e e r e s l e i t u n g hat bisher in äußerst groß­zügiger Weiie feindlichen Angriffen zu begegnen gewußt, ohne ans Prestigefragen uns gelegentliche Verständnislosigkeit der Hei mit rategen Rücksicht zu nehmen. Wo es nötig war, wurde die Beweglichkeit unserer!'Front auch durch Zurück- n a b m ? der Liinen bewiesen. Ein starres Festhalten an Stellungen, deren Besitz zu groß« Opfer kosten konnte, kannte man nicht Bei der großen Fochschen Gegenoffensive an der Marne kanien zuletzt diese Grundsätze zur Anwendung.

Nun hat an der flandrischen Front ein neuer feindlicher Schlag eingesetzt, der nach allen Meldungen unserer Erkundungstrmppen noch einige Zeit fortge­setzt werden dürfte. Wie sie iestgestellt haben, verstärkt der Gegner unausgesetzt seine zwischen Somme und Avre stehenden Armeen. Während der Nächte wurden aus ocn anschließenden Frontteilen die örtlichen Reserven her- onsgezogen und den Angriffsarmeen zugeteilt, um die gestecu rnd heute fortgesetzten starken Vorstöße zu unierstützen. Dieser große Einsatz von Menschen uns Material hat es dem Feind ermöglicht, eine Einbuchrung in unsere Front zu bewerk­stelligen, die bet Laurette an der Somme etwa beginnt, bei Rozieres ihre größte Tiefe erreicht und bei Rubescourt endigt. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß dadurch die Gefahr eines Driickes auf unsere F l a n k e n 't e l l u n g e n , besonders auf die linke Flanke, die beiderseits der Avre nach Norden zur Straße Villers-Bretonneux und iiach Süden aus Montdadier verläuft, wächst. Die hier stehenden deutsckien Trirppen wer­den sich zurzeit in einer etnigerm>.vßen unangenehmen Lage befinden, da ihnen die ständig? Gefahr eines feindlichen An­griffs ans die offene linke Flanke vor Augen steht. Dazu- kommt, daß sie in einem für die Verteidigung sehr wenig ge­eigneten Gelände liegen, das mit Tcichtern durchsetzt ist uno der Feind natürlich seinen Kräfteaufwand besorrders gegen ste richten wird, am sie, auch wenn er keinen Angriff beab­sichtigt, moralisch zu erschüttern. Alles zusammenaenommen ergibt sich, daß Mnrsckmll Haig bei einer Fortschuiig seiner Angriffe sich den deutschen Verteidigern gegenüber in einer weit besseren Lage befindet als diese.

Es muß, nacktdem dies sestgestellt ist, die Frage ansgestellt meodew, cib «8 nricht angebracht ist, an der deubschcn Front südlich der Somme eine jener planmäßigen lbm- gruppiernngvn dvrznne>hm>an, die uiffere Heeresleitung bis­her aks das beste MiÄel erkannt hat, gegnerische Offensiven im Sand veblaiiison z-u lassen: ein« Zur ü ck n a h m e der Stellungen, nnlbemevkt vom Feind nach Fortschasfung allen Mateviaks, das sonst Gefahr läuft, dem Gegner in die Hände zu fallen. Es würde dadurch eine Ausgleichung der deutschen Front stattfinden, deren Wert bei der jetzigen Lage gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Flankea- bedrvhung der einKslneu deukschen Armeen wäre beseitigt, die anyeiguisser.en Formationen könnten ein SbellungSsystem be­ziehen, das bester als die jetzige dünn-e J-nsanterielinie zum ersolgieichen WiderslaNd geeignet wäre, der Feind hätte « Nachhutkätnpfen die bekannten Unsicherheiten un!d die daraus «ntstcihenden großen Derkufle ..zu gewärtioeii und ein Aus­gleich der Kampftage zu unseren Gunsten wäve er­dicht, bei der der Celändeverlust gar keine Bedeutung hat, dann wir bciftnden unS — daran muß immer wieder erinnert werden — im Bewegu ngSikr ieg. ©S ist also wahr­scheinlich, daß unsere HeereÄpitung, ihrer großen militä­rischen Einsicht folgend, ähnlich« Maßnahme» ergreifen wird, und wie angMemtnen werden kann, wieder mit Erfolg, wenn auch einzelne pessimistische Gemüter sich darüber beunruhigen.

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von der 5lnere bis zur Gise!

IV.T.-B. Kerlin, 10. Arg., abends. (Amtlich. Draht- lberichh.) Ausdehnung der Schlachtfront von der Ancre bis zur Offe. Angriffe des Feindes sind vor unseren Kampfsrrllunge« gescheitert.