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Samstag, 10. Kugust 1918.
kibend-Kusgabe.
Nr. 370. . 66. Jahrgang.
Die militärische Lage.
Der englische Angriff bei Amiens ist nicht nur den militärischen Stellen an der Front, wie es scheint und wie iin .Heeresbericht offen und ehrlich zugegeben wurde, ziemlich überraschend gekommen, sondern ist naturgemäß noch weit überraschender uns in der Heimat gekommen, und da wir an sich schon nervöser und ungeduldiger sind als unsere Käiwpfer an der Front, so hat er hier, was sich nicht leugnen läßt, neben der natürlichen Überraschung doch auch ein hohes Maß natürlicher Enttäuschung hervorgerufen. Wir sind eben in der Heimat verwohnt, und das große Publikum hält die Kriegführung noch immer für eine Art gerade Linie, die ohne Krümmungen und rückwärtige Bewegungen gerade aufs Endziel, auf den Sieg auslaufen muß. So einfach liegen die Dinge nun eben nicht, wie alle Einsichtigen wissen und je länger, desto mehr begreifen. Der Vorstoß, der jetzt zwisckfen der A n c r e erfolgte, ist ein Elches plötzliches Hemmnis einer geradlinigen Bewegung, das nur deswegen io stark wirken konnte, weil es so überraschend einsetzte. Im besonderen scheinen die Tanks in dem dichten Nebel mehr als sonst Erfolg gehabt zu haben, so daß sie bis an unsere Artillerie-Stellungen herankommen konnten. Unsere Truppen mußten mehrere Kilometer zurück- gehen, und der Erfolg war, >vas nicht geleugnet werden darf, diesmal auf der Seite der Feinde.
Das ist die Lage, wi-> sie sich bis zum Donnerstagabend entwickelt hatte. Es war ein überraschender Vorstoß, der, lokal begrenzt, gelungen ist. Indem wir das offen zugeben, haben' wir zugleich die Lage erschöpfend dargestellt. Es handelt sich um nichts mehr als um einen lokalen taktischen Erfolg, aber es handelt sich nicht um eine strategische Wirkung, nicht einmal um einen Sieg von einer Bedeutung, die die anderen Frontstellen berühren könnte. Inzwischen haben unsere Gegenangriffe mit ungebrochenem Mut und mit gutem Erfolg eingesetzt. Der Feind muß alle weiteren Absichten aufgeben, und er befindet sich wieder einmal in einem Zustand seines militärischen Vorgehens wie tausendmal vorher. Es ist derselbe Zustand, den eben der frühere Minister Painlev«^ im Malvy-Prozeß offen zugegeben hat und den er dahin charakterisierte, daß die Enttäuschung auf der französischen Seite nach solchem anfänglichen Erfolg aber dann sofort einsetzendem Verbluten immer größer sei, als wenn überhaupt nichts geschehen sei. Wir können stolz darauf sein, daß unsere Oberste Heeresleitung, ganz entgegengesetzt dem Verhalten der feindlichen Heeresleitungen, auch eine ernste und kritische Stunde der Heimat nicht verbirgt, weil sie das Vertrauen zu uns hat, daß wir auch solche Stunden voll Ausdauer und Zuversicht überstehen. Dieser Stolz bringt uns zugleich die Gewißheit, daß, wie früher, so auch jetzt, alles geschehen wird, um diesen lokalen Mißerfolg auszngleichen, denn die Initiative der Kriegsführung im Westen ist glücklicherweise nach wie vor in deutschen Händen.
«
Neue schwere Nämpfe zwischen Nnere und Livre.
W. T.-B. GrrßeS Hauptquartier, 10. Aug. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rnpprccht.
Rege Tätigkeit des Feindes zwischen Dse>r und Ar re. An vielen Stellen dieser Front führte der Feind Boirstöße und Teilvingutffe, die vor unseren Lünten und im Nahkampf ab- gewiesen wnrdrn.
Engländer und Franzosen feilten gestern unter Einsatz starker Reserven ihre Angriffe aus der ganzen Schlachtfront zwischen Ancre und Avre fort. BeidersgrtS der Somme und rücklings der Straße Foucaucourt-Billers-Bre- tonneux warfen wir den Feind durch Gegenstöße zurück. Er erlitt hier schwereBerluste. In der Mdttr der Schlachtfront gewann der Feind über Rozierps und Hangest Boden. Unsere Gegenangriffe brachten ihn westlich von L ich o n s imd östlich der Lijnie Rozüeres-Arvilles zumr Stehen. Wöhrend der Nacht nahmen wir die an der! Avrv und mm Dombach kämpfenden Truppen in rückwärtige Linie« östlich von Montdidier zurück. Südöstlich von Montdidier schlugen wir einen starken TvilaugrÄff der! Franzosen I in unsere Linien ad.
über dom Schlachtfeld schossen wir 32 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Löwenbardt errmig seinen 52. und 53., Leutnant Udet seinen 46., 47. und 48., Hauptmann Berthold seinen 41. und 42., Leutnant Freiherr v. Richthofe:» seinvn 36. und 37., Leutnant Billik seinen 30. und 31., Leutnant Bolle seinen 29., Leutnant Könnccke seinen 26., 27. und 28., Leutnant Nvnmann scstnrn 20. Luftsieg.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Zeitweilig auslebende Feuerkämpfe an der Aisne und Beste.
V Der Erste GeneralMartiermeister: L u d e n d o r i s.
Der feindliche Ueberraschungrerfolg bei Kmiens.
Deutsche Ergänzungsberichte von gestern.
W. T.-B. Berlin, 9. Äug. Nachdem der Fochsche Plan, die in den Marne-Keil vorgeschobenen deutschen Truppen abzukneifen, mißlungen ist und die fcanco-aincrikanischen Angriffe gegen die Vesle-Linie verlustreich zusammenbrachen, versuchte der französische Oberbefehlshaber das gleiche Manöver cm einer anderen Stelle. Tie Eile, mit der diese beiden Operationen aufeinander folgten, kennzeichnet das ängstliche Bestreben der Entente-Führung, die Vorhand zu gewinnen und den befürchteten neuen deutschen Angriffen zu- vovzukomtwen. Der englisch-französische Angriff sollte in tiefem Stotz auf St. Quentin Vordringen, um der deutschen
Oise-Front in die Flanke zu kommen. Bei Montdidier und Albert wurde dem französisch-englischen Angriff durch die Zurückveilegung der deutschen Stellungen auf das östliche Avre-Ufer die Basis entzogen. General Foch liefe sich jedoch hierdurch von seinen Angriffsabsichten nicht abbringen, sondern begnügte sich mit dem Angriffsraum zwischen Ancre und Avre. Hierdurch gelang ihm ein Überraschungserfolg, der durch den herrschenden dichten Nebel noch in besonderem Matze unterstützt wurde. Trotzdem und trotz des vor allem für einen Masseneins atz vonTanks überaus günstigen Geländes reichte jedoch der Anfangserfolg der unter dem Befehl des Marschalls Haig fechtenden englischen und französischen Armeen nicht über das am ersten Angriffstag übliche Muß binaus. Ein gewisser Verlust an Geschützen und Gefangenen ist in solchen Fällen unvecineidbar. Im Gegensatz zu den bisherigen großen deutschen Offensiven erreichte der Angreifer keines seiner strategischen Ziele. Sein Geländegewinn spielt um so weniger eine Rolle, als es sich hier nicht (wie schon in der Meldung unserer Berliner Abteilung in der gestrigen Abend-Ausgabe berichtet) um ein ausgebautes Verteidigungssystem handelt, sondern um ein Manövrieryctlande, in dem die Kämpfe, die am 21. März begonnen haben, noch keineswegs zum Abschluß gelangt sind.
W. T.-B. Berlin» 9. Aug. Obwohl der Entente-Angriff zwischen Ancre und Avre unter dem Befehl Haigs steht und zu einem großen Teil zur Hebung des tief gesunkenen englischen militärischen Prestiges dienen soll, trugen wiederum nicht die Briten die Hauptlast ües Kampfes, sondern. so weit sich nach den bisher gemachten Gefangenen feststellen läßt, befanden sich in vorderer Linie australische und kanadische Divisionen, denen englische und französische Ti Visionen fclgten.
Vf. T.-B. Berlin, 9. Aug. Ein Zusammentreffen verschiedener günstiger Umstände bat dem französisch-englischen Angriff zwischen Ancre und Somme zu einem Anfangserfolg verholfen. Bor allem war es der überaus dichte Nebel am Morgen des 8. August, der den feindlichen Stoß begünstigre. Der Nebelschleier büllte die englisch-fran- zösischen Panzergeichwadec, die nach einem plötzlich einsetzen- ben gewaltigen Feuerschlaa vorvcachen, so dicht ein, daß sie. ungefährdet die deutschen Tank-Abwehrgeschütze passieren und
teilweise bis in die Artillerielinien vorbrechen konnten. Heldenhaft schlug sich die deutsche Infanterie gegen die plötzlich aus dem Dunst von allen Seiten auf sie eiildrüigcndcn Panzerwagen und Sturmwellcn. Im Rücken der englisch-französischen Schützenlinien knatterten noch-lange die Mascyinengewehre einzelner, sich zähe bis zur letzten Patrone laltender Widerstandsnester. Allein die Ungunst der Witterung ermöglichte den Ententetruppen dennoch an einzelnen Stellen den Einbruch, so daß sie bis in die im deutschen ,-Heeresbericht angegebene Linie Vordringen konnten. Hier ober trafen sie auf den Gegen stoß der deutsche n Reserven, der das weitere Vordringen der Angreifer bewmte. Nördlich te? Flusses haben sie ihn aus den deutschen Stellungen wieder hinausgeworfen.
Englischer Bericht.
Vf. T.-B. Lenden, 8 Aug., abends. Die Operationen, die rn der Frühe an der Front bei Amiens von den Franzosen unter General Tcbcnl, »nt dt» Engländern unter General Sir Henry Rawliiiion bercmicn wurden, schreiten erfolgreich fort. Die Zu- sammenzichung der Drnvpen winde während der Nacht unbemerkt vom Feinde vervollständigt. Französische, kanadische, australische und englische Divisionen, nnierslützt durch eine große Anzahl Tanks, griffen die Tcuischen ans einer Front von über 2V Meilen von der Avre bei Braches bis nabe Morlancvnrt im Sturm. an. Der Feind wurde überrascht, die Alliierten drangen überall stürmisch vorwärts Die ersten Ziele wurden auf der ganzen An- griffsfrant in früher Stunde erreicht. Der Bormarsch der Infanterie dauert: während des Bormittags stetig an, unterstützt durch britische Kavallerie und leichte Panzer - Motorwagen, sowie Maschinengewehre und Batterien Der Widerstand der Deutschen wurde an gewissen Punkten nach bartem Kanipfe überwunden. Zahlreich- Gefangene wurden gemacht und Geschütze erbeutet. Die Franzosen griffen mit großer Tapferkeit an, überschritten die Avre und nahmen ungeachtet des Widerstandes die feindlichen Berteidi. gungsstellen. Nördlich der Somme wurde der größere Teil der Ziele an; Vormittag genommen, aber bei Chipily und südlich M:r- lancourt leisteten feindliche Abteilungen längeren Wider- st e»d, so daß an leiden Lrtlichkeiten schwer gekämpft wurde. Aber der Widerstand wurde schließlich überwunden und die Ziele ge. nommen. Südsich der Somme wurden nachmittags auf fast der ganzen Schlachisicnt die Ziele genommen. Durch leichte Panzer- wagen unterstützt, ging die Kavallerie zwischen der Infanterie hindurch über unsere Ziele hinaus vor, wrbei sie deutsche Transport- vnd Gcschntzwagen niederlitten, Dörfer einschlossen und einnahinen und zahlreiche Gefangene machten. Die allgemeine Linie verläuft über Plcsster-Rczainvillers-Beaucourt-Caix^ramerville-Coipillh westlich Moilancrnrt Tic Beute war bis jetzt noch nicht festzustellen, aber es sind verschiedene tausend Gefangene gemacht und zahlreiche Geschütze genommen worden.
Ein neuer Oberbefehlshaber.
— Berlin, 10. Aug. (zd.) Ter „B. L.-A." meldet: Der „Sächsischen Staatsgtg." zufolge ist der sächsische General v Carlowitz, bisher Führer eines Armeekorps, zum Oiber- bssebMhv'ber einer Armee ermannt worden. Earlowitz war 1914 sächsischer Kriegsminister.
Die Fernbeschietzunq von Paris.
Er. Genf, 10. Aug. (Eig. Drcchtbsricht. zib.) „Petit Parision" meldet, die Deutschen hätten ein deutlich erkenn- bares System in der lBejchießung der Pariser Bezirke und Umgebung. Auch andere Blätter wollen dioseDe Wahrnehmung gemacht haben und sprechen die Erwartung aus, daß das Pariser Militärgouvernoment neue Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung der am stärksten heimgefuch- ten Stadtteile ergreifen werde. Das Ergebnis des vierten Tages -der Beschießung beider Pariser Seinenfer ve.ranlaßte neue Mahnungon an die BevWerung, Gespräche über die Trümmerstätton und die Opferzahl zu unterlassen.
Die englischen Verluste im Monat Juni.
IV. T.-B. Rotterdam, 10. Aug. (Drahtbericht.) Dem „Neuen Rotterd. Courant" zufolge betrugen die Verluste der britischen Armee an allen Freuten im Juni d. I., so weit sie amtlich bekannt gemacht wurden. 19-7 6 Offiziere und 62861 Mann. Tie britische Flotte verlor in der gleichen Zeit 41 Offizier« und 229 Mann.
Im Sperrgebiet des Mitteimeeres.
W. T.-B. Berlin, 9. Aug. (Amtlich.) Im Sperrgebiet des Mittelmcevs versenkten unsere ch-B oote aus st a r k gesicherten E e l e i t z ü g e n sechs Dampfer von
zusammen rund 22 000 Bruttoregistortonnen, Darunter den französischen Truppentransporter „L'Jemnah" mit 3716 Brt., auf dem sich nach Aussagen von Gesanysncn 21 Passagiere und 800 Soldaten befanden. Ter Tainpfer sank innerhalb 6 Minuten.
Der Ches des AdimralstabS der Marine.
— Haag, 9. Aug. (z!b.) Am Mittwoch wurde die holländische Fischerbarte „Dmu'dcu: 274" 4 Meilen nordöstlich des Leuchffchisses Mesche von einem deutschen Unterseeboot b«- ichossen. Das Schiff kam Donnerstag in Amuiden an.
Italienische Flieger über Laibach.
Vf. T.-B. Laibach, 10. Aug. (Drohübericht.) Heute kurz nach 9 Ulhr vormittags erschien über Laibach ein Geschwader lvon 7 italienischen. Flugzeugen und flog, von den Wwehr- datterien beschossM, alsbald nach Südwestery
