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Verlag Langgaffe S1

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Berliner Abteilung drS Wiesbadener TagblattS: Berlin W. 57, An der Apoftrlkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Liitzow 6202 und 6203.

Zreitag, 9. August 1918.

klbend-kiusgabe.

Nr. 368. . 66. Jahrgang.

Englischer Großangriff bei Amiens.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

B.A. Berlin, 9. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Im Verfolg seiner Versuche die Initiative an der Westfront wieder an sich zu reiben, hat Oeneral F o ch nach dem Mißlingen seiner Marne-Offensive die eng­lische Armee zu weiterem Vorstoß vorgeschickt. Der Angriff ist unternommen worden von drei kana­dischen, fünf australischen und zwei englischen und fran­zösischen Divisionen. Der Kraftaufwand ist also nicht so bedeutend wie bei Kochs großer Offensive. Große Tankgeschwader haben auch hier wieder den An­griff eröffnet. Die deutschen Infanterielinien durch­stoßend, sind sie bis in die Artillerielinien hinsingefahren. Daß dadurch eine gewisse Überraschung unter den deutschen Truppen entstanden ist, wird leicht verständlich sein. Dieses ~ überraschende Moment er­möglichte es dem Gegner, einen gewissen Gelände- gewinn wieder an sich zu bringen und die ihm ent­gegengesetzten deutschen Truppen zürückzuwerfen. Erst nach einem Vordringen von etwa zehn Kilo­meter konnte er auf der Krönt von der Somme bis zur Avre aufgehalten werden. Die nördlich der Somme stehenden deutschen Truppen vermochten dem gegnerischen Ansturm besser standzuhalten, so daß dort unsere alteLinie weiter besteht. Kreilich mußte man auch zwischen Somme und Avre erst durch Gegen­angriff dem Keind die im ersten Anlauf gemachten Er- oberungen wieder entreißen, so daß auch dort die Über­raschungen der deutschen Truppen dem Gegner An­fangserfolge ermöglichten. Daß er sie sich so schnell wieder abnehmen ließ, ist ein ermutigendes Zeichen für die südlich der Somme stehenden deutschen Kormationen. Sie werden sich um io kräftiger den weiteren feindlichen Anstürmen entgegenstellen können, als der Gelündevcr- lust im Bewegungskrieg völlig bedeutungslos ist und seit dem Beginn der Kochschen Pläne an diesem Kront- stück keine ausgebauten festen Siellun- aen mehr bestanden, die Gegner sich vielmehr in losen Jnfanterielinien gegenüberlagen. Man wird also den feindlichen Geländegewinn nicht allzu tragisch nehmen dürfen, da er eine Schädigung der deutschen Wider­standskraft nicht zur Kolge haben kann und sich bei allen bisherigen Großangriffen von gegnerischer Seite stets ergeben, hat, daß unsere Oberste Heeresleitung mit größter Schnelligkeit M a ß n a h me n zu treffen wußte, die ihr die Initiative znrückqaben, um die Kriegsereignisse im Westen nach ihren Plänen zu lenken. Sie wird, so bedauerlich es auch ist, daß der Keind in unsere Stellungen eindrinqen konnte, auch in diesem Falle das Richtige zu treffen Nüssen.

»

Möen Sonne onO Am Cet Seine mfgeiiifn, MM oer Sonne in «egenftsS jinMemotfeii.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Aug. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Zwischen Ufer und A n c r e lobhafte nächtliche Artislerie- tätigkoit. Südwestlich von Dpern und südlich der LyS folgten stärkstem Feuer feindliche Teilangriffe, dir abgewiefcn wurden.

Zwischen A n c r e und Avre griff der Feind gestern mit starken Kräften an. Durch dichten Nebel begünstigt, drang er mit seinen Panzerwagen in unsere Infan­terie - und Artillerielinien ein. NöMich der Somme warfen wir den Feind im Gegenstoß ans unseren Stellungen zurück. Zwischen Somme und Avise brachten un­sere Gegenangriffe den feindlichen Ansturm dicht östlich der Linie Morcourt-Harbonniäre s-C a i r-F r e s n o n - Contoire zum Stehen. Wir haben Einbuße atn Ge­fangenen und Geschützen erlitten. Durch Gefangene, dije wir machten, wurden Engländer mit australischen und kastaidischcn Hilfskorps sowie Franzosen festgestellt.

über dem Schlachtfeld schossen wir 30 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Löwenhardt errang seinen 49., 50. und 51., Leutnant vdet seinen 45., 46 und 47., Leutnant Fretl- herr v. Nichthofen seinen 33., 34. und 35., Leutnant Kroll seinen 31. und 32., Oberleutnant Billik seinen 29., Leutnant Könnecke seinen 23., 24. und 25. und Leutnant Auffaxth seinen 29. Luftsieg.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

In einzelnen Abschnitten der Beste lebte dir Artilleris- tätigkeit auf. Erfolgreiche T e i l k S m p f e beiderseits von Braisne und in der Champagne nordwestlich von Souain.

Der Erste Generalquartiermrister: Ludendorff.

Ä

W. T.-B. Berlin, 8. Aug., abends. (Amtlich.) Ein An­griffs der Engländer zwischen Ancre und Avre. Der Kein- ist in unsere Stellungen eingedrungen,

vie veschietzung von Paris.

IV. T.-B. Paris, 9. Aug. (Drahtbericht. Havas-Meldung.) Die Beschießung der Gegend von Paris dauert an.

— Genf, 9. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Präsident P o > n c a r e durchfuhr akfermalS jene Pariser Straßen, in deren das Bombardement die stärksten Wirkungen gehabt hat. Nach dem „Petit Parisien" soll die Zahl der Opfer am Mdntag besonders erheblich gewiesen sein.

Neutrale Erwartungen einer neuen deutschen Offensive.

W. T.-B. Kopenhagen, 8. Aug. „Ekstrabladet" schreibt zur Kriegslage u. a.: Der Krieg ivird noch immer auf belgisch- französischem Boden ausgekämpst. Es muß noch auf langen, langen Wegen gewandert und gekämpft werden, bis dm deutsche Grenze überschritten und der Marsch nach Berlin an­getreten werden kann. Niemand kann sagen, daß die Ereig­nisse des letzten Monats den Mut oder die Kampf­kraft des deutschen Heeres herabgesetzt hätten. Wenn dieser Kriegsabschnitt abgeschlossen ist, werden die Deutschen vermutlich eine neue Offensive beginnen. Es ist daher mit Grund ein gedämpfter Klang in den französischen Sikgesrufen zu spüren.

Weiteres feindliches Lob über den deutschen Rückzug.

IV. T.-B. Berlin, 8. Aug. Der „Morning Post" vom 80. Juli wird von der amerikanischen Front berichtet: Der Rückzug der deutschen Truppen wurde geschickt geleitet. Die deutsche Heeresleitung vermochte viele tausend amerikanischer und französischer Soldaten mit einer nur geringen Anzahl deutscher Truppen aufzuhalten. Kleine Truppenteile von 20 bis 30 Mani' mit Maschinengewehren hielten halbe Tage lang den Vormarsch der französischen und amerikanischen Bataillone auf. ,Das Unglück ist, daß für den Zeitverlust, der nicht durch unverhältnismäßige Verluste ausgeglichen wird, kein Heilmittel besteht. Die Verluste der Deutschen lind durch die errungenen Vorteile aufgehoben, denn die Zeit iit für die Deutschen von größerem Wert als die Verluste an Menschenleben. Außerdem sind die deutschen Verluste über­raschend gering. Die deutsche Heeresleitung verringerte sie auf alle Weise dadurch daß sie nicht einen übereilten Wider­stand versuchte. Die Deutschen konnten fast alle ihre Geschütze fortschafsen.

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Malvys Verbannung.

W. T.-B. Genf, 9. Aug. (Drahtbeeicht. Havas-Notc.) Nach einer Meldung des „Temps" wird sich Malvy mit Ge- nekmigung der französischen Regierung über die spanische Grenze nach St. Sebastian begeben.

W. T.-B. Bern, 8. Aug. Die Stcafverbannung Malvys, eine Strafart, welche seit den Verhandlungen gegen die Kom- munardisten nicht mehr verhängt wurde, zieht den Verlust der Deputiertenwürde sür Malvy nach sich und die Kammer hat kein Einspruchsrecht.

Lloyd Georges Lügenfabrik.

Ein Blick hinter dir Kulissen des englischen Propaganda- Ministeriums.

W. T.-B. Rotterdam, 8. Aug. Wie der ..Nieuwe Rottcrd. Courant" aus London ersähet, brachte die „Westminster Gazette" vor ungefähr einer Woche einen Leitartikel, der einiges Aufsehen erregte. ES war eine große Zahl von Männem namhaft gemacht worden, wie Direktoven von Reedereien, Eisenbahnen, Gummi- und Tabak-Gesellschaften, großen Banken und anderen finanziellen Körperschaften, die von Lord Beaverbrook an hohen Stellen seines Provagandaministerrums verwandt würden. Seitdem erschien der Bericht der Kommission des Unterhauses, der über die nationalen Ausgaben handelt. Er gibt kein verlockendes Bild über die Art, wie das Devartenrent Beaverorook mit dem Gelte um sich warf. Infolgedessen wurde auf Antrag einiger Radikaler am Montag im Unterhaus die Stellung des Miiusteriums für den Nachrichtendienst besprochen. Eine nähere Besprechung wird nach Ablauf der Vertagung erwartet, aber bereits jetzt tritt eine allgemeine Unzufriedenheit zutage. Selbst die „Times" gibt zu, daß die Zusammen­stellung des Stabes dieses Ministeriums zu einseitig finanziell ist. Können wir, so fragen jetzt alle radikalen Blätter, die Verteidigung unserer Sache diesem leiden­schaftlichen Schutzzöllner und seinem Stabe von Geschäftsleuten anvertrauen 2 Unglückseligerweise sind gerade jetzt einige seiner Milarbeiter in mehr oder weniger aus­giebigen Geschäften begriffen. Der Bericht der Kommission lenkt u. a. die Aufmerksamkeit auf den Direktor des Reuterschen Bureau?, dessen Stellung zweideutig genannt wird, da das Ministerium für den Nachrichtendienst seinem Bureau große Beträge an Telegrammen zahlte Ein anderer Mitarbeiter steht im Zusammenhang mit dem Skandal der schweizerischen Zellulose-Gesellschaft und ihrem monopolitischen Kontrakt mit dem englischen Munitions­ministerium. Die eigentliche Kritik von liberaler Seite richtet sich jedoch dagegen, daß die Sache Englands nicht so aus­schließlich einem kommerziellen Kollegium anvertraut wer­den darf.

IV. T.-B. Rotterdam, 8. Aug. Wie der „Nieuwe Rotterd. Courant" aus London erfährt, faßt der „Daily Chronicle" heute die liberale Kritik in einen Leitartikel zusammen. Der Ehefredakceur des „Daily Cdronicle" war eine Zeitlang unter Beaverbrook Leiter der Propaganda in den neutralen Län­dern. Beaverbrook, sagt das Blatt, hat außer seiner Energie

I und seinem Organisationstalent keine für ven Leiter der Propaganda erforderlichen Eigenschaften. Er versteht nichts von der auswärtigen Politik oder von fremden Ländern. Die Verbreitung von Nachrichten in den alliierten und in den neu­tralen Ländern erfordert große Sachverständnis. Ein be­sonderes Nacheichtenministerinm hätte niemals errichtet wer­den dürfen. Wir laufen Gefahr, daß mehr als ein Ministe­rium einen Einfluß, auf unsere auswärtige Politik ausübt. , Balsours Ministerium muß das einzige sein, das für unsere auswärtige Politik verantwortlich ist. Lloyd George rief das Ministerium für den Narbrichtendienst ins Leben, um eine Stellung für einen seine: einflußreichsten Anhänger zu schaffen.

Oer Völkerbund im enyNschen Unterbaus.

W. T.-B. Bcr». 8 Auo. I» der Unterhcmsdebatte vom 1. August über den Tölkertundsgebanken, wovon Reuter nur die Rede Balfours meldete, bemerkte u. a. der Arbcrterparteiler Thomas, er halte es für kein Verbrechen, vom Frieden zu sprechen Freilich wäre es ein Verbreche», von einem Frieden, der lein Ende machte, oder einem deutschen Frieden, oder einem selchen, der die Kenne eines künftigen Krieges enthalte, zu reden, aber die Schnsncht nach einem ehrenvollen Frieden bestehe heute in allen Gescllschastüschichtcn, und es sei ein schwerer Fehler zu be­haupten, daß diezenigen, die vom Frieden sprächen, Feinde des Landes seien Der Krieg sei heute keine Terrrtocialftage mehr. Kein britischer Soldat Verdi den Kampf um eine einzige Stunde fortsetzcn. un; Boden und reichen Landbesitz zu erkämpfen. Daher sei es Pflichi der Regierung alle Wege ausfindig zu machen, von denen zu bofsen fei. baß sic zum Frieden und zuni Völkerbund führen würden. Er sei gegen den Wirtschaftskrieg. Er halte den Bovkott für eine der wirksamsten Waffen, die der Völkerbund anwenden könnte, er fei aber davon überzeugt, daß de: Wirtschafts­krieg nach Friedensschluß einen weiteren Krieg in naher Zukunst beteuten würde. Ter Nnionist Major Nord führte aus, ein Völkerbund, der nicht schließlich Deutschland einschlösse, wäre ein traurige: Er sag für das Ideal. Andererseits scheine eine der­zeitige Einbcziehting Tcutkchlands den meisten Leuten undenkbar. Der einzige Weg. die deutsche Mentalität zu. ändern, sei eine mili- tärische Niederlage: und da« einzige Ziel, nach dem man derzeit streb!» könne, sei der Krieg. Der Liberale Robertson führte aus, die Hauvtschwicrigkelt für die Verwirklichung des Bölkerbund- g Wankens liege darin, dem Völkerbünde notwendig die Macht zu geben, seine Entscheidungen zu erzwingen. Seines Erachtens müßten zunächst alle Nationen Übereinkommen, die Rüstungen in weit­gehendem M c. ß e zu vermindern. Der Bund müßte eine juristische Maschinelle besitzen, um Streitigkeiten zwischen den Nationen zu schlichten, und die Nationen müßten sich verpflichten, Kontingente zu stellen, um eine Nation, die sich der Entscheidung des Bundes nicht füge, zu zwingen. Der Eintritt in den Völker- bund werde somit sür die beitretende Rektion eine Versicherung gegen Kriegsgefahr Ter Uniontst Thron betonte, daß der Völkerbund- gedanke.i hoffnungslos sei, so lange Deutschland nicht geschlagen sei. Unterstaeckksekretär C e c i l schloß die Debatte mit dem Hinweis, daß die borgebrachtcn abstrakten Erörterungen zu keinen praktischen Ergebnissen fülirten. Cr deutete aber an, daß die Regierung einen eingehenden Plan ausarbeite, indem er die Hoffnmrg aussproch, daß sich in naher Zukunft eine Gelegenheit für eingehende konkrete Erörterungen bieten werde. Eecil schloß, dir Schwierig­keiten zur Verwirklichung des Völkerbundgedankens seien so groß und ernst, daß dieses Problem, von dem die Zukunft de: Menschheit abhänge, nur durch gemeinsame Vcniühungen aller Männer, di* aufrichtigen Willens seien, durchgeführt werden könne.

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Ein englischer Befehlshaber in Ostafrika ertrunken.

— Lissabon, 9. Aug. (zb.) „O'Sekula" meldet, daß der Befehlsherber einer englischen Abteilung in Oftafrika wäh­rend eines Flußüberganges ertrunken sei.

Oie Berliner klnffassung zur Lage in Ruhland.

B. A. Berlin, 9. Aug. (Gig. Drahtbericht. zb.) Die Ereig­nisse in Rußland spitzen sich im L«uf der hetzten Wochen mehr und mehr zu. Das Vordringen der T s che cho - Slowaken gegen Moskau, das Abfallen Sibiriens, des DcmyebietS und der Murmanküste, die Unterstützung, die die Entente den antt-revolutionären Heerhoufom gewährt und der Barmarsch der Enüentetruppen selbst von Norden her dienen nvch dazu, das Ansehen und die Sicherheit der Sowzetregierung, die an sich schon mit schweren VerwaltungSschwierigkeiten zu kämpfen hat, bei der Bevölkerung zu Heden. Vielfach eichtet man sich, den Sieg der Gcgenrevolntionüre fürchtend, darauf ein, von diesen später nicht als Bolschewisten behandelt zu werden, und rückt dementsivecheub von der Moskauer Regie­rung ab. Auch tritt der Eindruck, daß ein Systemwechsel be- vorsteht, immer bestimmter hervor, wenn auch nicht verkannt werden soll, >daß sich Lenins Regierung selbst alle Mühe gibt, die Verhältnisse zu ihren Clunsten zu wenden trnd sobald als möglich ldie Parteien zu sich heranzuziehem. Da indessen nie­mand auf sie hören will, muß man sich mit der Tatsache abzu- siniden wissen, um nicht der kommenden Entwicklung unvarbe- rettet gegenülberzusiehen. Das sind die Gründe, die für die stieisen Tr. Helsferichs nach Berlin maßgebend waren. Es ist verständlich, daß Herr Helfserich und die hiesigen Re­gierungsstellen das Bedürfnis haben, sich gegenseitig auszu- fprechen und alle Maßnahmen zu treffen, um alle Eventuali­täten ternMhaltem.

SkoropadSki bei Generaloberst v. Kirchbach.

IV. T.-B. Kiew. Aug. (Drahtbericht. > Der Hetman besrichtd gestern den neuernannten Oberbefehlshaber der deut, scheu Truppen in der Ukrrine, Äeneraloberjt v, AirchbaA