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Verlag Langgasse 21

„Tagdtallhaus".

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Sreitag, y. klugust 1418. IflOrgeN-RUSgtlÜE» Ur. 567. . 66. Jahrgang.

Vit Beruhigung Oesterreichs.

Es gibt nicht nur bei der Entente, sondern auch bei uns eine ganze Anzahl Leute, die von Österreich die Dauer dieses Krieges ablesen wie von einer Uhr. Sie rechnen damit, daß ein Widerstand des DeutschenReiches allein ausgeschlossen sei, und glauben an Zerfallswirk- lichkeiten der Donaumonarchie. Diese Propheten dürften sich irren. Sicherlich waren die Ernährungs­schwierigkeiten in Österreich allmählich so groß geworden, daß man mit allen Ausschreitungen rechnen konnte, die der Hunger eben mit sich bringt. Aber auch diese schlimmste Periode des Krieges ist vorüber­gegangen, ohne den Bestand des alten Reiches zu ge­fährden, und heute ist der Punkt wieder erreicht, von dem aus man die weitere Kriegsdauer ohne Sorgen beurteilen kann: in Österreich ist die volle Brotration wieder in ihr Recht getreten.

Wir würden dem deutschen Vaterland einen schlechten Dienst erweisen, wollten wir die großen Schwierig­keiten verkennen, die nun einmal in der Donau­monarchie bestehen. Der politische Jammer des Nationalitäten st rcits hat unter dem Regime Seidler keine Abschwächung, chndern vielmehr eine Ver­stärkung erfahren, hauptsächlich durch die Umtriebe der Entente, die dem Natioalitätenhader neue Nahrung zusühren, indem sie den slawischen Volksstämmen der Monarchie schwindelhafte Hoffnungen auf eine unbe­schränkte Selbständigkeit und Zukunft machen. Die Tschechen behandeln ihre Stellungnahme inner­halb Österreichs schon beinahe wie auswärtige Politik, und auch die Jungslawen geben immer unverblümter als ihr Kriegsziel eine staatsrechtliche Stellung außer­halb des Reichsverbandes zu. Dre Polen haben zwar von ihrer unversöhnlichen Haltung Abstand genommen, nachdem Seidler abgegangen war, ihre künftige Stellungnahme kann aber ebensogut freundlich wie feindlich zu Gabsburg sein, se nachdem die Frage der Zweiteilung Galiziens und der Errichtung Polens be- antwortet werden wird. Die.Deutschen schließlich, deren traditionelle Haltung ja immer die der Treue zu Staat und Dynastie war. haben 'ich von ihr auch nicht abbringen lassen, Wohl aber herrscht eine Zersplitte­rung ihrer Kräfte, die deren völlige Auswirkung kaum erlaubt.

Dies ist mit kurzen Worten die Tendenz der öster­reichischen Schwierigkeiten. Sehen wir nun, wie die einzelnen Posten zu bewerten sein werden. Daß an der Piave Verrat und Unglück die Hauptrolle gespielt haben, und nicht etwa die militärische Entkräftung, ist festgestellt. Die Debatte über die Nahrungssorgen kann für das nächste Jahr als erledigt gelten. Es bleibt also die Lösung der Nationalitätenfrage. Es muß vor allem eine Gestaltung Polens gesucht und erreicht werden, die den Deutschen und den Polen in Österreich die Freude am Staat läßt und sie zu einer- festen Einheit zusammen'chweißt. Daß eine solche nur im engsten Zusammenhang mit deni Deutschen Reich ge­funden werden kann, versteht sich von selbst. Wenn nicht alles täuscht, werden gewisse Veränderungen in der Ukraine eine solch günstige Lösung der Polenfrage erleichtern, weil dadurch sowohl die Zweiteilung Galiziens als auch die Anqliederung des Cholmer Kreises hinfällig werden dürfte. Da von einer Er­ledigung des polnischen Streits nicht nur die feste Mehrheitsbildung in Österreich, sondern vor allem auch die Gestaltung Mitteleuropas abhängt, zeigt sich auch in diesem Zusammenhang die große Wichtigkeit der inneren Verhältnisse Österreichs, von deren Bereinigung die Kriegsdauer ebenso abhängt wie der zu erringende Siegespreis. #

Die Suversicht des ungarischen Ernährungs- mknisters.

„Der letzte Bissen Brot wird entscheidend sein."

Br. Budapest, 8. Aug. (Gig. Dcahtbericht. zb.) Der Minister für Volksernährung Prinz Windisch- Grätz erklätte im ungarischen Abgeordnetenhaus auf eine Interpellation des Grafen Tisza, betreffend ErnährungS- fragen: Ich habe dafür gesorgt, daß künftig die Aushilfe ach Öst sterreich derart erfolgt, daß als Gegenleistung für die Getreideversorgung an uns Rohstoffe und andere i Produkte geliefert werden. Der Minister besprach dann die Frage der Verpflegungsorganisation und sagte: Als * meine erste und hauptsächlichste Aufgabe betrachte ich auch in Zukunft die Verpflegung der Front. Dieser gebührt nach meiner Ansicht das Beste von allem, was dieser Boden hervorbringt, welchen sie mit ihrem Lehen verteidigt. Wir sind verpflichtet, die Front auch dann zu versorgen, wenn wir zu Hause Hunger leiden. Davon ist aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine Rede. Dieser Boden, welchen die Aufopferung unserer heldenmütigen Soldaten uns erhält, bringt auch unter ungünstigen Verhältnissen so viel hervor, daß bei richtiger und sparsamer Einteilung für

jeden Mann das tägliche Brot gesichert ist. Wir müssen darüber im klaren sein, so schloß der Minister, daß die Entscheidung des Krieges im fünften Jahr nicht so sehr von militärischen Aktionen wie von der Leistungsfähig­keit unserer wirtschaftlichen Organisation abhängt. Ein eng­lischer Minister hat gesagt, daß der Krieg durch die letzte iilberne Kugel wird entschieden werden. Ich möchte jedoch behaupten, nicht Geld, sondern der letzte Bissen Brot, über den wir zu verfügen haben werden, wird die Entschei­dung sein, und wir muffen durch Sparsamkeit und Fähigkeit zur Aufopferung beweisen, daß wir im Hinterland würdig sind jenes unvergleichlichen Heldenmutes und der Aufopfe­rung, welche unsere Soldaten auf den Schlachtfeldern be­weisen. (Allgemeiner Beifall.)

Lloyd George über die Lage.

Br. Haag, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht. K.) Im engli­schen Unterhaus gab der englische Premierminister einen llbörblick über die Lage, in der er u. a. betonte, daß England ein Abkommen mit Frankreich habe, wonach es die­sem bei leineni feindlichen Angriff zu Hilfe kommen mußte. Der entscheidende Kampf wäre in der Hauptsache vom der britischen Kriegsflotte ausyefochden. Während des letzten Jahres hatten die Deutschen zweimal versucht, die En tsche idung hevbeizufiihrem, und zwar mit den Un­terseebooten und mit deni Lanidheer. Beide Offensiven seien mißglückt. Mer die jetzige militärische Lage sagte Lliohid George u. a.: Am 2l. März brachte der Feind insölge des Friedens von Brest-LitowSk seine besten Truppen von der Ostfront nach dem Westen, zu welcher Zeit -erst eine amerika­nische Division dort einyetvoffen war. Das Wetter war für den Feind günstig wifc verhinderte die vollkommene Wirkung unseres Sperrfeuers. Das Ziel des Feinides war, in diesem Jahr noch vor der Ankunft der Amerikaner eine Entscheidung zu erringen nnd vor allen Dingen eine Trennung der franzö­sischen und britischen Heere herbeizuführen. Dann sollten zuerst die britischen Heere überwältigt werden, Und so hätten die Deutschen mit den Franzosen leichtes Spiel gehabt. Jon Anfang erzieltem die Dentschen einen bedeutenden 'Erfolg. Unsere Verlust e an Mannschaften, namentlich an Ge­fangenen, unld an Material wären groß. Aber innerhalb 14 Tagen wurden 268 000 Mann über den Kanal geworfen und in einem Ddona: 355 000 Mann. Jedes verlorene Geschütz wurde ersetzt, die Anzahl der Maschinengewehre sogar ver­mehrt. In 6 Wochen wurden die Deutschen durch, das britische Heer geworfen und ihr Vordringen zum Stillstand gebracht. Nach dem 1. Mai wandten sich die Deutschen gegen die Franzosen unid erzielten einen vorläufigen Erfolg in großem Maß stab. Mer sie wurden durch Marschall Fach nicht nur aufgehalten, sondern auch durch einen glän­zenden Gegenangriff zurückgetrieben. Die Gefahr ist i n - dessen noch nicht geschwunden; denn offenbar ist vom deutschen Generalstab die Absicht nicht ausgegeben, nach dem Man Ludenidorffs noch in diesem Jahr eine militärische Entscheidung herbei zu führen. Lloyd George erörterte dann ausführlich die Gründe, weshalb die Verbündeten bei ihren Un­ternehmungen Erfolg hatten. In erster Liane sei es die Schnelligkeit gewesen, mit der die Veriliuste wieder ausgeglichen wurden und mit der die amerikanischen Truppen her- angeführt wurden, dann aber durch die Einheit des Oberbe­fehls, und zwar unter General Fach. Der. Feind werde seine günstige Lage vom 21. März Griemals wieder zurückerhalten. Denn setzt «besäßen die Amerikaner ein starkes un!d siegreiches Heer in Frankreich, das mit den besten Truppen zu ver­gleichen sei. Die Vermehrung dieses Heeres werde ununter­brochen vor sich gehen, bis es allein beinahe ebenso stark sei wie das deutsche Heer. Wehd George führte weiter aus: Die wirtschaftliche Lage der Mittelmächte ist ver­zweifelt. Wir hegen nicht dem geringsten Wunsch, nnS in die Angelegenheiten fceS russischen Volkes zu mischen, aber wir dürfen nicht zögern, diesem VoM jede Hilfe zu verleihen, die uns nur möglich ist, damit das russische SM? sich wieder frei machen kann. Der einzige Wunsch der Tschecho- Slowa ken nst der, Rußland zu verlassen und nach dem Westen zu kommen, und unsere Aufgabe ist es, ihnen die Er­füllung dieses Wunsches zu ermöglichen. Über die Frie- denssrage sagte Lloyd George: Ich glaube an einen Völ­kerbund. Aber ein solcher Buird hängt von den Bedingungen ab, unter idenen er geschloffen wird. Hinter dem lPMkerhuNd muß eine Macht stehen, die in der Lage ist, seine gerechten Beschlüße durchzusührM. Wenn wir dem Feind zeigen können, daß eine solche Macht besteht, so wird der Friede nicht mehr fern sein. Die Perscnen aber, die den Krieg herlbeige- sührt haben, sind noch immer vorhanden, und wir können keinen Frieden haben, so lange sie die vedenteNdsten Ratgeber in den Entschlüssen des Feindes sind. Jeder will den Frieden, aber es muß ein gerechter und dauerhafter Frieide sein, hinter dem eine Macht steht.

*

warum Lloyd Georgs am Ruder bleibt.

— Haag, 8. Aug. ($>.) Die kriogSfreuNdiliche national­sozialistische „I ustic e" schreibt: Viele von Lloyd Georges intimen Freundem geben offen zu, daß er nur am '9tui>er bleibt, weil Schlimmeres aus seinen Rücktritt folgen könnte in Gestalt eines Ministeriums Balfour- Asquitlh-Grey-LanSdvwne-Bcmar Law. Daß .das englische

Reich sich in so kläglicher Lage befindet, weil wir selbst mach vier Jahren eines surchWaren Kriegs noch keinen StaatS- mann, der wahrheitsliebend und fäh:q ist, entdecken können, kann schwerlich als ein Kompliment für Lloyd George ange­sehen werden. — Ähnlich meint auch Philip Snowden in der Wochenschau des „L a b o u -r L e a b e t ": Lloyd George hat i m Unterhaus stets über Asguith gesiegt, weil der frühere Pre­mierminister keine bestimmte Politik im Gegensatz zu der­jenigen Lloyd Georges vertritt. Lloyd George hat also nicht durch das Verdienst seiner eigenen Politik triumphiert, son­dern durch die >Schwächc und das Versagen der Opposition. Asguith muß, wenn er seine lStellung als politischer Führer behalten will, selbst den Rat «befolgen, den er in seiner Rede im ÄMwych-Klub dem Lande gab: er muß den Mut haben, den Tatsachen ins Gesich- zu sehen, den Mut, der etwas wagt, unld er muß offen sein uoid uns die ganze und reine Wahrheit wissen lassen.

poincarvs Dank an General Pershing.

Br. Genf, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Neuen Basler Nachr." melden: Havas berichtet aus Paris: Poincare begab sich am Dienstag in das amerikanische Hauptquartier und überreichte dem General Pershing im Namen der französischen Regierung das Abzeichen des Grohkreuzes der Ehrenlegion und beglückwünschte den General und die amerikanische Armee zu den errungenen Erfolgen.

Schwedische Bewunderung des deutschen Rückzuas.

W. T.-B. Stockkwlm, 8. Aug. (Drahtbericht.) Der deutsche Rückzug hinter die A i s n e wird van den schwedischen Militär­kritikern rückhaltlos bewundert. So schreibt „SvenSka Dag- blad"- Seitdem die Deutschen die Linie La Ferre-Vill«-en- Tardenois erreicht haben, ist es ganz klar, daß sie wieder Herren der Lage sind. Seitdem war es nicht mehr ein deuffcher Rückzug, sondern ein strategisches Zurückmarschieren, das freiwillig in einem von den Deutschen bestimmten Tempo bis zur Vesle-Linie fortgesetzt wurde. Das geht aus den Umständen hervor, daß den Alliierten weder Gefangene noch Kanonen in die Hände fielen. Dieser Rückzug der Deutschen dürfte in der Geschichte des., Krieges als ein w a h r o,s M e i st e r st ü ck dastehen. In den Kampffchilderungen der Alliierten wurde auch die eine oder andere Stimme laut, die zugab. daß der Rückzug in bester Ordnung geschehen ist. — Stcckholms Dagblad" sagt: Die Schnelligkeit und Ent­

schlossenheit, mit der die deuffch« Heeresleitung die alles um­fassende Rückwärtsbewegung bewerkstelligen konnte, läßt ver­muten, daß der Rückzug die Frucht eines genau durchdachten Planes ist, der den Zweck verfolgt, dem Feinde die Initiative Ivieder zu entreißen, um ihm einen Schlag an einem Punkt zuzufügen, der den deutschen Truppen besser paßt. Hinden- burg und Ludendorff haben in ihren russischen und polnischen Feldzügen gezeigt, daß sie den Rückzug beherrschen und in einen Sieg verwandeln können. ES ist nicht ausgeschlossen, daß sie sich auch diesmal ihren Gegnern in bezug "auf die strategische Beherrschung überlegen zeigen.

Oie Lage in Russisch-Ostasien.

weiterer Rückzug der Bolschewisten.

Br. Mockau, 8. Aug. tEig. Drahtbericht, zb.) Aus Wladiwostok tvird gemeldet, doD di; japanischen Vorposten­truppen bereits mit den tschecho-flowakischen Abteilungen Füblung genommen haben. Die ihnen gegenüberstehenden bolschewistischen Truppen beginnen, sich langsam in der Richtung auf den Ural zurückzu ziehen.

Die Kriegsgefangenen als bolschewistische Kampfgenossen.

Br. Berlin, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) DaS tschechische (sozialistische) Montagsblatt „Ponedelnik" erfährt, daß an der Spitze der gegen die Tscheche-Slowaken in Ost- sibirien marschierenden österreichisch - ungarischen Kriegsge­fangenen der Feldwebel Mana steht. Maua, ein Prager Schneider, bildete in der sozialdemokratischen Jugendbe­wegung in Böhmen vor dem Krieg eine bedeutende Rolle. Er bat sich als überzeugter Internationalist und Gegner der chauvinistischen tschecho-flowakischen Strömung der Bolsche­wisten angeschlossen und ans den Kriegsgefangenen drei Regimenter aufgestellt.

vie Haltung der sibirischen Regierung.

W. T.-B. Berlin, 8. Aug. Der Moskauer „Gvlos Trndo- wogo Kresijanstwa" berichtet in seiner Ausgabe vom 1. Aug.: In einer N o t c an die Vertreter der V e r lb a nId s m ä ch t e teilt >Re sibirische Regierung mit, daß sie allein für das Schicksal Sibiriens verantwortlich sei. Die Regierung erklärt sich von fremden Mächten unabhängig. Außer ihr habe keine ander; Behörde Bestimmungen in Sibirien zu treffen. Die Behörde teilt fermer mit, daß sie Sibirien nicht für immer vom übrigen Rußland als getrennt bettachtet.

Ein englischer Finanztrick in Murman.

Br. Helsingiors, 7. Ang. i§ig Drahtbericht, zb.) Laut Blättermeldungen bringen di: Engländer in Karelien und Murman für 100 Millionen Rubelscheine in Umlauf, die nur dcrt Geltung haben. Sie zwingen dadurch die Bevölkerung, ausschließlich bpi ihnen zu fpu*“-