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Verlag Langgasse 21

„Tagblalihaus".

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Berliner Abteilung des Wiesbadener TagblattS: Berlin

12 Ausgaben.

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V. 57. An der Apostelkirche 7,1. Ferusprechrr: Amt Lützow 6202 und 6203:

Donnerstag. 8. August 1918.

kibend-kiusgabe.

Nr. 366. . 66. Iahrgang.

England reformiert in Indien.

Der Weltkrieg hat eins Begleiterscheinung hervor­gebracht, die vielleicht einmal in Zukunft für das wich­tigste Ereignis unserer Epoche gehalten werden wird: nämlich das Erwachen der asiatischen Völker. Japan ist das erste gewesen, das einen glänzenden Auf­schwung genommen hat und zu einer Weltmacht er­starkte, die über den Stillen Ozean und über den asiati­schen Kontinent weit hinausragt. Die Türkei befindet sich gleichfalls seit geraumer Zeit in einem Stadiuni der Konsolidation. Persien ist von der Reformbewegung ergriffen worden, ja sogar an die eherne Pforte von Afghanistan hat sie geklopft. China wird zusehends in Len japanischen Machtkreis hineingeschoben. Als großes Rätsel bleibt Indien übrig, nicht als ob es in Indien an Reformbestrebungen fehlte. Die englische Herrschaft hat bis zum heutigen Tage wiederholt mit gefähr­lichen Unruhen zu kämpfen gehabt, während des Krieges haben sich diese Unruhen häuftger und verstärkt gezeigt. Der englische Militarismus- hat sic bis jetzt immer rücksichtslos und erfolgreich niedergeschlagen. Überhaupt, wer den englischen Militarismus in seiner" ganzen kaltherzigen Brutalität kennen lernen will, der muß sich mit der Geschichte der indischen Ausstände be­schäftigen. Der Zusammenbruch Rußlands hat die indischen Reforinbestrebungen außerordentlich gefördert. Wie in der ganzen Welt ist der demokratische Gedanke auch hier mächtig verstärkt worden durch den Anblick des Zusammenbruches des ältesten und gefähr­lichsten Despotismus. England hat Sorge um Indien. Die Inder haben in Europa für Englands Interessen gekämpft, die indischen Fürsten sind so loyal, wie sie es immer waren, aber die Stimmung im Lande ist doch recht verbesserungsbedürftig. Die hinduistischenLitcraten, die revolutionären „Bakus", die oft in Oxford, häufiger aber in Amerika und in Japan studiert haben, lassen die demokratischen und revolutionären Gedanken in Indien nicht ruhen. Sogar zu einer Verständigung zwischen den Mohammedanern und den Hindus in Indien ist es ja gekommen, der Zwiespalt zwischen diesen beiden Lagern scheint nicht unüberbrückbar zu sein — die englische Herrschaft hat, wie die Geschichte es lehrt, wesentlich ans diesem Zwiespalt beruht. Eng- land hat Sorge um Indien: der Friede von Brest- Litowsk hat auf ganz Asien einen großen Eindruck gemacht, und in den Spalten der englischen Zeitungen, in den Kundgebungen Wilsons und Lloyd Gsorges konnte man lesen, daß England und Amerika eine ehr­liche Furcht besitzen vor einem deutschen Alexanderzug nach Indien. Die Inder müssen also, so sagen sich heute die Engländer, befriedigt werden: es muß etwas für sie geschehen, sie dürfen nicht hinter den anderen Kolonien hintenstehen. Und so hat man sich denn zu einem großen Reformprojekt entschlossen: Indien

soll sich selbst regieren! Freilich, die Ein­schränkung kommt sogleich hinterher: in der Denkschrift, die der Staatssekretär für Indien dem Parlament vor­gelegt hat, wird ausgeführt, daß Indiens Überlieferun­gen imd soziale Bedingungen der Demokratie durchaus fremd seien. Trotzdem will man jetzt einen Staatsrat und eine gesetzgebende Versammlung sowie einen Fürftenrat einführen. Nach Lage der Dinge wird diese Reform wohl nicht ein neues Zeitalter in der indischen Geschichte herbeiführen. Dazu sind die indischen Ver­hältnisse doch zu verwickelt. Es handelt sich vielmehr um eine geschickte Stimmungsmache, die nicht zürn wenigsten auf Amerika und die anderen Kolonien be­rechnet ist. Indien»muß, wenn überhaupt, eine Selbst- regierung aus sich selbst heraus finden.

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Die NeformvorschlSge Im englischen Parlament.

W. T.-B. Rotterdam, 8. Aug. Der „Nieuwe Rotterd. Courant" mekdet aus London: Gestern ist der Bericht von Mcmtagu und CHÄmsford mit Vorschläge« zur Einführung von Reformen in Indien in den beiden Häusern des 'Pvrkcmsnts gut Sprache gelangt. Lord Jslington cr- Wrte namens der Regierung, daß sie noch keine Zeit gehabt habe, die Vorschläge in Erwägung zu ziehe«. — Blätter so verschiedener Richtung wie die „Times" nnd die „Daily ^News" sind beide der Ansicht, daß die Regierung nicht be­haupten kann, in dieser Angelegenheit ganz unvorbereitet zu sein. Außerdem sei die Anfnahme der Vorschläge in beiden Häusern, besonders aber im Unterhaus, zn günstig gewesen, daß man sie nicht auf die lange Bank schieben könne. Die „Times" verlamgt die sofortige Einsetzung eines UnterhausausfchuffeS zur Untersuchung der Vor­schläge über die irdische Volksvertretung. Außerdem wird die Bildung eines Untechausausschuffes angeregt, die Reformvor- schläge im einzelnen untersuchen soll, da die technische« Vor­aussetzungen so kompliziert seien, daß die Mitglieder des Un­terhauses sich dar« nur schwer zurechtffnden kämmen.

Oie Zriedensdebatte in England.

Lord Lansdowne erneut für Besprechungen mit Deutschland.

W. T.-B, Amsterdam, 8. Äug. (Drahtbericht.) Dem „Mgemeen HandÄsblad" zufolge bat Lord Lansdowne einen Brief an die „Times" geschrieben, in dem er auf einen in demselben Blatt veröffentlichten Brief von Sir William Tilden — worüber, ist hier nicht bekannt — antwortet. Lansdowne fragt in diesem Schreiben: Bin ich der Ansicht, daß diejenigen, die in Belgien eingedrungen sind und von Verträgen eine „Fetzen-Papier"-Sluffassung haben, ein Ab­kommen -ehrlich einlhalten würden? Ebenso wie Sir William Tilden würde ich es vorziehen, keine Verträge mit Menschen zu schließen, tue ftüher Verträge gebrochen haben, ober die Annahme uns L,efriedrgender Bedingungen von Deutschland würde an und für sich schon be­weisen, daß die Vertragsbrüchigen ihr Ziel nicht erreichen konnten und eine unvergeßliche Lektion erhalten habe!!. Außerdem würden die arideren Mächte, falls Deutschland Mitglied des vo-rgeschlage-nen Völkerbundes werden würde, über Mithelfer verfügen und es dazu zwingen, sich an seine Verpflichtungen zu halten. Der Teufel Militarismus würde, um Sir William TildcnS Worte zu gebrauchen, voll­ständig ausgetrieben, auf jeden Fall aber in sicheren Fesseln gehalten sein. Sir Tilden stellt die Frage, ob Lansdowne glaube, daß die britische Regierung sich von ihren Alliierter! l o s t r e n n c n und ohne Rücksicht auf äderen Gefühle und Absichten Verhandlungen mit dem Feind be­ginnen solle. Lord Lansdowne erwiderte darauf: Ich will nichts Derartiges sagen, und ich habe nie an eine derartige Möglichkeit gedacht. Ich habe stets auf di« Notwendigkeit eines gemeinsamen Auftretens der Vetbüatdcten und mit den gro­ßen überseeischen Dominions hingewiesen. Stuf den Eimvand Sir Tildcns, daß eL nicht darnach auSsehe, als ob Deutsch­land bercff jci,' assf Vorstellungen zu Horen, antwortet Lord LanSdowne: Wie könne» wir daö ohne Besprechungen wissen? Wenn sich bei den Besprechungen lyerausstellen würde, daß Deutschland heute zu einer Regeneration bereit sei, wäre es daun nicht töricht, zu behaupten, daß wir diese« Prozeß nicht zur Entscheidung gelangen lassen würden, ehe Deutsch­land durch eine Niederlage im Feld zu Bodmi geschlagen ist?

vie Versenkung feindlicher Riesendampfer.

W. T.-B. Berlin, 7. Aug. (Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Koni Mandant Kapitänleutnant v. Schräder, beschädigte an dec Nordküste Irlands den stark gesicherten Dampfer „Justicia" von 32120 Bruttoregistertonnen durch mehrere Torpedotreffcr so stark, daß das. Schiff am folgenden Tage durch das vom Oberleutnant z. S. v. Ruckteschell befehligte Unterseeboot trotz Bedcckrrng durch 18 Zerstörer und 1 6 Fischdampfcr endgültig versenkt werden konnte. Infolge sehr ähnlicher Bauart w!lrdc das Scliiff zunächst irrtümlich für den früheren deutschen Dampfer „Vaterland" gehalten.

Das Unterseeboot schoß außerdem noch zwei große Damvfcr. davon einen vom Typ „Franconi" (18 006 Brt.> aus stark gesicherten Gcleitzügen an der Westküste Englands heraus, rund insgesamt

57 000 Bruttoregistertonnen.

Der Chef des AdmiralstabS der Marin«.

»

„F r a n c o n i a" ist ein Dampfer der Liverpooler Cunard- Linie aus dem Jahre 101!. mit allen Einrichtungen der Neu­zeit ausgerüstet, mit drahtloser Telegraphie. Unterwaffer- signal-Apparat, Kühlanlage usw. und mit Maschinen von über -.0 000 Pferdekräften. „Justicia" ist der 1915 in Belfast bei Harland und Wolfs für die Holland-Amecika-Linie gebaute Turbinendampfer „Statendam", der von der englischen Regierung übernommen wurde. Er war bestimmt der Stolz der niederländischen Flotte zu werden, war also mit allen technischen Einrichtungen und Feinheiten ausgerüstet, die überhaupt möglich sind.

Der Tagesbericht vom 8. August.

W. T.-B. Großes äauptguartior, 8. Aug. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprechl.

Beiderseits der LyS schlugen uckr englische Teil­vorstöße zurück. Nördlich der Somme führte der Feind heftiige Gegenangriffe gegen uns eite Linien beiderseits der Straß« Braye-Corbisc. Si^ wurden abgewiesen. Während der Nacht zeitweilig auflebeme Artillrrietätigkekt und Erknn- dungsgesechtc. Westlich von Montdidier schciserte ein Teil­angriff der Franzosen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen S o i s s o n s und ReimS lebte der Feuer- kamps nur vorübergehend ans. Kleinere JnfanterckekSulpsr an der AiSnc und BeSlc und nördlich von RäimS.

Heeresgruppe Herzog Aldrccht.

In den Sogesen erfolgreicher Bor stoß in di« feindlichen Linien am Schratzmännlc.

Leutnant Freiherr v. Boeringk errang saänen 2V.Lnft- sieg.

- Der Erste General,uartiermeister: Licheadorff.

Die erneute Beschießung von Paris.

— Genf, 8. Aug' (zjb.) Die Paris« Bevölkerung wird van der Rvgierungspresse aufgefaridörit, die durch das Staat» lbaüdomont der Hauptstadt verursachten bedauerlichem Zer­störung«! als unvermeidlich hinzunehmem. ®et 2ücm der Havasnot« läßt erkennen, daß die Zahl der Opfer sehr b cd e u te nd ist.

Die italienischen Truppen zurückgezogen.

■- W. T.-B. Bern, 7. Aug. Die italienischen Truppen in Frankreich sind nach MitteÄungon ideK Pariser Bericht­erstatters des „Secclo" wieder in E -r h o l u n'g S l a ge r hinter der Front zurückgezogen worden.

Sozialistischer Protest gegen Malvps Verurteilung.

— Genf, 8. Aug. (zh.) Die „Humanite" führt zu dem Urteil im Prozeß Mwlvh aus: Die arbeitenden Klassen wer­den angesichW der Herausforderung, die sie in dem Urteil erblicken, ihre Parteisireitigkeiton vergessen und di« Triunphruseder „Action Fran^aise" bald verstummen machen.

Die verwickelte Lage in Rußland.

Die Berufung Helsferichs nach Berlin.

— Berlin, 8. Aug. (zb.) Die vorübergehende Berufung des Dr. Helft« ich aus Moskau nach B«lin ist, wie der ,L.-A." meldet, von dem Wunsch diktiert, einen einigehemden Bericht von ihm über die verwickelte Lage in Großrutzlaud entgegenFUnehmen, zumal die telegraphische Berichterstattung zwischen -der deutschen Reichshauptstadt und Moskau unter den gegenwärtigen Umständen äußerst erschwert ist. Nachdem Dr. Helfferich sich seines Auftrags enÄedigt hat, dürfte er sich auf seinem Posten zurückbegeberi.

Englische Truppenlandung in Wladiwostok.

W. T.-B. Wladiwostok. 3. Aug. (Meldung des Reut«» schcn Bureaus.) Hier sind englische Truppen gelandet worden.

IV. T.-B. Chardin, 3. Aug. (Meldung deS Reuterschen Bureaus.) S e m e n o w geht nach Wladiwostok. Seine Truppen sollen zwischen Hailar und der Station Mandfchuria stehen, wo sie die Tschecho-Slowaken erwarten.

Rümpfe um Archangelsk.

IV. T.-B. Archangelsk, 4. Aug. (Rentermeldung.) In d« vergangenen Nacht besetzten die Bolschewiki, die Verstärkung erhalten hatten, Tsakowgora, die nächste Station von Archangelsk, wurden jedoch von d« Weißen Garde vertrieben. Baucrnpotrouillen haben aus den Dörfern in der Nachbar­schaft euE Reihe Roter Gardisten weggeholt, die sich dort ver­borgen s^üen. Rach Telegrammen aus Mecin und Pinega, nordwestd und östlich von Archangelsk, ist in verschiedenen Bezirken eine Gegenrevolution gegen die Bolschewiki ausge- brachen. Es wird gemeldet, daß drei Flußboote gestrandet seien und deren bolschewistische Mannschaft geflüchtet ist.

W. T.-B. Petersburg, 7. Aug. Dre Presse meldet: Üb« Archangelsk, Wologda, Grjasowez. Buj, Station Suchona (bei Wologda) und Kotlaß (an der Dwina) wurde d« Belage­rungszustand verhängt. In diesen Orten wurden alle Komn^lnisten unter die Waffen gerufen. Alle Aus­länder haben die Ort« innerhalb 24 Stunden zu verlasse».

Die Tschecho-Slowaken wollen nach Frankreich.

— Bern, 8. Aug. (zb.) Professor Maf arhk soll an den russischen Volkskommissar des Äußern Tfchitschert« «in Telegramm gerichtet haben, worin er gegen die Beschuldigung protefti«t. daß die Tfchecho-SIvwaksn sich der gegemrevolutio- nären Bewegung angefchflossen hätten. Er werde sich d« Ent­waffnung der tschecho-flowakischen Regimemt« nicht widersetzen, falls ihnen freier Mzug nach Fr»n>k- r e i ch gewährleistet 'werde.

Keine Republik Tnrkestan.

W. T.-B. Amsterdam, 7. Aug. Einem hiesigen Blatte zu­folge meldet die „Times" aus S i m l a, daß der Bericht, wo» nach die Republik, die Turkestan. Buchara. Chiwa und dar transkaspische Gebiet umfaßt, sich gebildet habe, nicht mit de» Tatsachen übereinitimme, denn die politische Konstellation i» Mittelasien sei noch ein Chaos^und ärckere sich fortwährend.

Die rumäuisch-ukrainisthe Verständigung.

W. T.-B. Kiew. 8. Aug. (Drahtbericht.) Die Zeitungen melden, daß die rumänische Regierung der ukrainischen Regierung eine Rote überreichen ließ, in der sie ihre Zu­stimmung zur Errichtung diplomatischer Vertretungen in Bukarest und Kiew ausspcicht. Zwecks Lösung einig«, wirt­schaftlich« Fragen werde die rumänische Regierung auß«. dem demnächst eine besondere Abordnung nach Kiew sende».

Oer österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 8. Aug. fDrahtbericht.) AnMich vep- lautet vom 8. August, mittags: An dar italienisch«« Front keine größeren KampfbanWunige«.

In Albanien griff ein aus Lamd- und Seeflieg«« zusammengesetztes Bomibeugejchwad« di« italienffche« FLrg» Plätze Mich von Balona an. Reiche Feu«- und Rauchentwick» lung -sorgte für den E«fol-g des Untermehmens.

Drr Th-f des Generaljmbe«.