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Donnerstag» 8. August 1918.
Morgen-Ausgabe.
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Uv. 365, ♦ 66. Jahrgang.
Die finliisch-rusfischell Verhandlungen.
Die in dieseü Tagen unter der Vermittlung der deutschen Regierung tagende russisch-finnische Konferenz zur Festlegung der endgültigen Grenzen des jungen finnischen Staatswesens dürfte von historischer Bedeutung werden. Während die Entente einen nach dem andern der neutralen Kleinstaaten Europas rn brutalster Weise terrorisiert, ist durch die selbstlose Hilfe des Deutschen Reiches der europäischen. Völker- familie ein neuer unabhängiger National- sto at zugeführt worden, der nunmehr dickt vor der Erledigung seiner grundlegenden Bedingungen steht. Es ist erfreulich, daß die Berliner Kontcrenz unter dem guten Stern konzilianten Entgegenkommens von jeder Seite steht. Russen wie Finnen wünschen sich zu einigen und haben durch die Ansprachen der Führer ihrer Abordnungen der deutschen Regierung ihren Dank für deren Vermittlungsangebot abgestattet. So ist anzunehmen, daß die Verhandlungen bald zu einem guten Ende gedeihen werden und daß daniit Finnland seine endgültige Grenze gefunden haben wird. Als wesentlichster Punkt der Konferenz steht die Frage des finnischen Anspruchs auf die von Finnen . bewohnte Mnrmanküste voran. Dieser. Küstenstrich würde dem neuen Staatswesen den bis jetzt entbehrten Zugang zum Nordmeer gewähren, der ihm naturgemäß i an größter Wichtigkeit sein muß. Noch größere Bedeutung, und zwar solche internationaler Art, gewinnt die Frage der Murmanküste und ihres Besitzes dadurch, daß sie gegenwärtig zum größten Teil von den Seeräubertrupps der Ententestaaten besetzt ist. Auf der anderen Seite fordern die russischen Unterhändler von Finnland die Abtretung jenes bisher zum Großfürsten- tum Finnland gehörigen Südostzipsels, der Petersburg am nächsten liegt, und zwar des Gebietes um Tericki und Raivola sowie der Inseln des Finnischen Meerbusens. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sich auf Grund dieser beiderseitigen Forderungen in kurzer Zeit ^tn Kompromiß erzielen lassen. Als letzte der großen staatlichen Fragen stebt für Finnland dann nur noch die Entscheidung aus, ob das Land sich als Republik oder als Monarchie erklären soll. Wie bekannt, ist der ^nnische Staatsrat geschloffen für die Einführung der ''onarchie unter einem deutschen Prinzen. Die im Landtag dazu nötige Zweidrittelmehrheit konnte bisher nicht erzielt werden. Doch schwenkt die Stimmung im Lande in immer umfaffenderer Weise nach der monarchischen Seite um, und es ist zu erwarten, daß die in wenigen Wochen zusammentretende Volksvertretung sich demgemäß entscheiden wird. Der einzige Grund dafür, daß das nicht schon jetzt geschehen ist, liegt darin, daß der kurze finnische Sommer von jedem, der es sich irgendwie gestatten kann, zur Flucht aus der Stadt und zum Aufenthalt auf dem offenen Lande benützt wird, und daß deshalb an eine frühere Einberufung des Landtags nicht gedacht werden kann. Ein seltenes Bild, inmitten des Wütens des Weltkrieges schließt sich so. von alter Abhängigkeit befreit, ein selbstbewußtes, lebensbeiahendes Volk zu staatlichem Eigenleben zusammen. Die Wünsche der Mittelmächte, seiner Paten, begleiten es auf seinem Wege.
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Die deutsche vermitlkerläti'ke't.
p A. Berlin, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die russisch- finnischen Frieder. Zve -Handlungen haben begonnen. Die deutsche Rogierung hat dabei durch den Unterstaatssekretär v. Stumm ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, für den Fall von Schauerigleiten, die sich im Laufe der Verhandlungen erneben -ollien, vermittelnd und ausgleichend einzugreifen. Dcwohl der Vorsitzende der finnischen Delegation Enkell wie auch der Vorsitzende der ruffischen Delegation WorowSlh haben ihrer Befriedigung über den BewerS des Interesses, das Deutschland in dem. Zustandekommen eines friedlichen Ausgleichs zwischen Rußland und Finnland hat. Ausdruck verliehen, und es steht zu erwarten. daß die Friedens verbandlungen einen weiteren günstigen Verlauf nehmen werden. Die deutsche Regierung wird über den Fortgang der Verhandlungen durch besondere Vertreter, die den Sitzungen beiwohnen, ständig.auf dem laufenden gehalten und es wird so möglich sein, beim Auftreten irgendwelcher Schwierigkeiten während der Friedensverhandlungen unter Wahrung der Rechte und Jntereffen der beiden vertragschließenden Parteien jederzeit vermittelnd einzugreifrn.
, Zur Lage in Moskau und Murman.
Eine deutsche Note an die Sowjctrcgierung. —
Abtretung deS Murmangebiets an Finnland?
• B. A. Berlin, 7. Aug. (Eig. Dvcchtbericht. zb.) Es war vorauszu seihen, daß dir Ermordung des Gesandten Mirbach nNd doS Generals^dmarschalliö v. Eichhorn die deutsche Regierung dazu zpviisgem würde, von seiten der Sowjetvegierung alle die Maßnahmen gu fordern, die eine Wiederholung ähnlicher bedauerLcher Fülle ausschließ«,. Rach einem Tele-
grcmmn aus dem Haag hat denn nun auch der neue deutsche Gesandte in Moskau, Herr Dr. Helfferich, der Sowjet- regierung eine Note überreicht, in der Moskau alis dec M i t te lpn nkt der A tte n t a te gegen hohe deutsche Würdenträger bezeichnet und scharfe Maßnahmen gegen die Gefahr deutschseinidlicher Intrigen gefordert werden. Es ist zu erwcrten, daß sich die russische Regierung dieser Forderung Deutschlands nicht verschließen wird, uüd "das um so weniger, als ja der Kamps, dem hier der Terror gegen die Würdenträger aller Staaten führt, iu seinen letzten Zielen auch gegen die deuzeitige Regierung in Rußland geführt lwird, und die durch das Kvminiffariat zur Bekämpfung der Gegenrevolution entdeckte Berschwörunggegen Lenin und Trotzky auch iu Rußland Zu denken geben und alle Kräfte auf den Plan rufen wird, die geeignet erscheinen, den Terror zu unterdrücken, Die Stellung der russischen Regierung >8leibt nach wie vor schwierig. Die Sowjettruppon haben sich vor den Tschechv-Slowaken weiter zurückziÄhen müffen und eS besteht die Gefahr, daß die Sonijettruppen nicht in lder Lage find, den regulären Truppen der Entente auf die Dauer starkem Widerstand entgegenzusetzen. Nun bringt der Mailänder ,/Seocüv" aus London die Nachricht, daß die bolschewistische Regierung das gesamte Gebiet der Murmanküste und Kola an Finnland abgetreten haben soll, um Finnland einen !Vorwand zu gebe» feine Truppen gegen Engländer und Franzosen marschieren zu lasten. Diese Nachricht bedarf in dieser Fassung noch sehr der «Bestätigung. Es ist natürlich, daß man in Finnland dem weiteren Vordringen der Entente mit großer Besorgnis entgegensieht, und daß es der finnischen Regierung nicht gleichgültig sein kann, ob neuerdings der Kampf im Osten wieder auflebt oder nicht. Die Schaffung einer neue« Ostfront ist nicht nur für Deutschland, Indern auch für Finnland eine Frage von hervorragender Bedeutung, und es ist klar, daß die beiden Staaten, die gerade in letzter Zeit durch gleichgerichtete LebenSintereffein einander nähengebracht worden sind, nätigensalls auch tsm ihren militärischen Mitteln Gebrauch machen werden, um >der Bildung einer neuen Ostfront entgegenzutreten. Eine Änderung der bisherigen Stellungnahme Deutschland? gegenüber der russischen Regierung, vor allem aber gegenüber dem Drester FriedenSvertrag, könnte darin jedenfalls nicht gesehvn werden.
helfferich nach Berlin berufen.
W. T.-B. Berlin, 7. Aug. (Drahtbericht.) Der diplomatische Vertreter der kaiserlichen Regierung in Moskau, Staats- minister Helfferich, wurde zur mündlichen Berichterstattung über die Lage in Rußland nach Berlin gerufen und ist gestern von Moskau nach hier abgereist.
Weiter« Verhaftungen.
W. T.-B. Nishnij Nowgorod, 7. Aug. (Drehtbericht.) Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur wur- den 400 Gardisten und weitere 400 Mann, die sich bei der französischen Mission eingeschrieben hatten, um nach Frankreich an die Westfront expediert zu werden, verhaftet, weil man sie im Verdacht hat, unter dun Vorwand dieser Einschreibung gegenrevolutionäre weiße gar» d i st i s ch e B a n d e n zu organisieren.
Strengere Sicherheitsmaßnahmen.
YV.T.-Bi Kopenhagen, 7. Aug. (Drahtbericht.) „Politiken" meldet aus Helsrngfors' Anläßlich der Mordattentate in Rußland und in der Ukraine wurde in Rußland die oer- schärfte Grenzüberwachung und eine strengere Pclizeiaufficht im Innern des Lande? eingesührt.
W. T-B. Petersburg 7. Aug. (Drahtbericht.) Die Preffe meldet: Auf Befehl Eroylvs werden die Straßenpatrouillen und Wachen von Petirkburg verstärkt. An die t f ch e ch o - f Iowa k i f Ä e Front gingen Verstärkungen ab. — Di« Zeitung „Bewaffnetes Volk" bringt einen Aufruf zur Verteidigung des sozialen Vaterlandes infolge der Beschießung von Archangelsk. Die Rote Armee veröffentlicht einen Aufruf an die ehemaligen gedienten Nnteroffi-iere der Jahrgänge 1883 bis 1893 in den Gouvernements Petersburg, Moskau und Wladimir.
Cin bolschewistischer Appell an die Arbeiter in den Ententeländer«.
W. T-B. Moskau, 7. Aug. Der Sowjet der Regierung wandte sich mit einen, btsonderen Aufrrif an die Bevölkerung der Entente- staaten, in terlchkm er die miperialisnsche, gegenrcvolutionäre Bedeutung de- Borrückens der Entente im nördlichen europäischen Rußland klarlcgt und die Arbeiterklassen auffordert, Ähren Regie- rungen in dieser Beziehung Widerstand entgegen zu setzen.
Japan und die Entente.
— Berlin, 7. Aug. (zb.) In einem „Des Mikados Anwartschaft auf den Nobel-Friedekispceis" betitelten Leitartikel der „Naticnalzeitung" heißt eS: Was jetzt in Ostasien vergebt und was der aufhorchenden Welt als Japans endgültiger Entschluß zu einem tatkräftigen Eingreifen in den Krieg bezeichnet wird, ist, >venn nicht alles trügt, ganz gewiß keine japanisch-amerikanffcG Aufopferung. Japans Bundesgenossen fühlen, daß dieses erst von ihnen abhängige Land ihren Händen zu entgleiten beginnt, und versuchen daher mit allen Mitteln, >hm durch eine tiefere Verstrickung in den Weltkrieg zu einem kräftigen Aderlaß zu verhelfen. Denn heute ist im fernen Osten Japan unbestritten Herr des Gebietes Japan wird daher kaum seine ungebrochene Kraft in die Wagschale für E n g l*a n d legen wollen und dürfte die günstige Gelegenheit" benutzen. seine kontinentale Stellung zu einer . dauernden zu mache» und entsprechend zu sejti-vr.
Oie Stimmung in Nisrv nach dem Attentat.
Kiew. 7. Aug Die Ermordung des Generalfeldmarschalls v. Eichhorn und seines Adjutanten Hauptmanns d. D r e ß l e r hat auf fcte Siete« Bevölkerung einen tiefen Eindruck gemacht. Die Angehörigen aller Parteien find in der Verurteilung d« Untat einig. Die Presse, die doch sonst keineswegs einmütig deutfchfteund- ich ist, «klarte sich durchweg gegen das Verbrechen. Die Ukraine und Rußland verlangen noch Ruhe und Frieden, urw dt« Deutschen haben sie ihnen gebracht. In einem sind, mit Ausnahme einzelner Leute, die nichts zu verlieren haben, alle gleich« Ansicht: „Gehen die Deutschen 'fett so beginnt die Schreckensherrschaft des Pöbels wieder; den Deutschen verdanken wir ßtc Erhaltung von Hab und .Gut. Und nun die schwere Herausforderung dec Deutschen! Man ftagt nach Sinn und Zweck des Verbrechens und ist achselzuckend rrur ein« Meinung: Die Entente will den Frieden im Osten
Europas nicht rind bedient sich zu seiner Störung d« Sozial- Revolutionäre. Wie ein roter Faden zieht sich diese Ansicht durch alle Äußerungen der intelligenten Kreise Kiews. Daneben die Befürchtung. die Untat könnte d« Auftakt neu« terroristischer Wandlungen sein und die vernünftige Erwägung: An die Stelle eines jeden der Ermordeten tritt ein Ersatzmann und die deutsche Politik läßt sich nicht durch Mordduben beeinflussen. Mag der eine oder dec aud«e anders denken, Geltung hat nur die geschilderte Stimmung.
Dr. Berlin, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) General S e r e d i n, der Vertreter des Hetmans, der an den Trauer- seierlichkeiten für Genecalfeldmarschall v. Eichhorn teilnahm äußerte' sich in einer Unterredung gegenüber dem Vertrete, des „L.-A." über die Verhältniffe in der Ukraine besonders an. erkennend über die von den Deutschen geschaffene Ordnung und Ruhe, denen es zu verdanken sei,, daß das vom Krieg zerrüttete Land wieder zu gesunden beginne und das staatlich« Leben wieder in Gang komme.
Ein Erlaß an die ukre/inischen Bauern.
V/. T.-B. Kiew, 5. Aug. Wie „Kiewskaja Mvsl" meldet, fordert ein Erlaß des deutschen Kommandanten und des ukrainischen- Gouvernementsstarosten in Poltawa di« Bauern auf, im Vertrauen auf die Regierung und den deut- scheu Bundesgenoffen die Hetzer zu vertreiben und an der . Wiederherstellung der Ordnung mitzuarbeiten. Jeder wird erhalten, woraus ihm ein Recht zusteht. Jeder wird di« Sommersaat, die 'er ausgesät hat, n rcki Abgabe der gesetzlichen Anteile an den Besitzer und nach Bezahlung der Abgaben ernten. Ebenso soll die Wintersaat dem gehören, der sie im Herbst 1917 auSgesät hat oder auf deffen Kosten da? geschehen ist. Wenn eine Einigung nicht zu erzielen sei, solle man sich an die Einigungsämter, die aus Bauern und Gutsbesitzern und einem unparteiischen Vorsitzenden bestehen, wenden. —
DaS Abflauen des ukrainischen Ersenbahneistreiks.
W. T.-B. Kiew, 7. Aug. Der Eisenbahnverkehr ist, tvrmr auch iu beschränktem Maße, auf fast allen Strecken wieder ansgenonimen. Ruf dm Poleßjcbahnen verkehren fast ebenso viel Züge als vor dem Streik. An einigen Stellen haben Sabotage, cckte gotgefnndm. Am 3. August gingen aus Kiew vte «sten Züge nach dem Streik nack,*F«knterinoslaw und Zewno ab. Ferner der- kehren seit dem 4. August weitere Porrrtszüge.
Zur Lage im Westen.
Auszeichnung der Generale Foch und Petain.
W. T.-B. Pari?, 7. Aug. (Drahtbsricht.) Der Ministerrat bat F o ch die Würde eines Marschalls von Frankreich verliehen und Petain mit der Milrtärmedaille ausgezeichnet.
Mehrere australische Bataillone fast völlig aufgerieben.
— Berlin. 7. Aua. (zb.) Nach einer Dvahtmeldung de» „B. T." aus dem Haag hat General Monash, der Oberbefehl». Haber der australischen Streitkräfte, nach Australien mitgeteilt. daß mehrere australische Bataillone aufgehört hätten, als Gefechtseinheiten zu existieren, und eine Menge Bataillone von dem gleichen Los bedroht seien, falls nicht ein Nachschub aus Australien komme. 8 Prozent der australischen Bevölkerung befinden sich bereits unter den Waffen; davon sind 49 000 Mann tot und 133 000 verwundet
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»um Heldentod des ZregattenkapktKns Strahner.
B. A. Berlin, 7. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Fregatten, kapitän Peter S t r a ß n e r, der die zahlreichen so wirksamen Unternehmungen unserer Mrcinelnftschiffe gegen England geleitet hat und der von seiner letzten großen Streife leider nicht xurückgekehrt ist, gehört zu den beliebtesten und bekanntesten Offizieren unserer Marine. Er wurde 1913 an Stell« des mit dem Marineluftschiff ,2. 1" vor Helgoland untergegangenen Korvettenkapitäns Mehing zum Kommandeur der Marrneluftschifsabteilung ernannt. Vordem war Peter Straßner, der am 16. April 1894 in die Marine eingetreten ist, im Reichsmarineamt in der Abteilung für Aufstellung und Behandlung des Artilleriematerials an Bord tätig. AIS Kopitänleutnant einer Charge, zu der er am 21. März 1005 aufgerückt war, bekleidete er das Amt eines Artillerieoffizier» auf dem Linienschiff „Westfalen", dem damaligen Flaggschiff teS ersten Geschwaders unter Vizeadmiral Pohl. Zum Korvettenkapitän war er am 14 April 1911 und zum Fregattenkapitän vor etwa einem halben J-ahre befördert worden. Ert ist Ritter deS Ordens Tour Ie merite. Eine seiner erfolgreichsten Unternehmungen richtete er mit einem Luttge- schwcder in der Rächt vom 12. zum 13. April d. I. gegen wichtige Stapel-, tzerftellungK- und verschissungLplätze der
