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verliuer «bteiluug deS WieSbadeuer TagdlattS: B erlm V. 57, Au der Apostelkrche 7.1. Ferusprrcherr Amt LStzow 6302 und «203:
Mittwoch, 7. Nugust 1918.
Der Vorteil der Lriegsührmg in Kinderland.
Die Eoeignisse. die sich im Westen abspielen, werden in ihrem Verlauf und in ihrer Bedeutung von vielen in der Heimat völlig verkannt. Es gibt Leute, die die Kämpfe nur nach neu genommenen Quadratkilometern, nach Gefangenenzahlen und Geschützziffern bewerten. Und wenn der Heeresbericht gar von der Preisgabe eines Geländestrerfens sprich, dann schütteln sie bedenklich den Kopf, sie vergessen völlig, daß es sich bei den jetzigen Schlachten der Riesenheere, dre einander gegenüberstehen, nicht als Selbstzweck darum handeln kann, Gelände zu erobern, sondern daß ein Ringen der einander bekriegenden gewaltigen Heeresmassen stattfindet. In diesem Ringen haben wir seit dem 21. März in bisher in der Kriegsgeschichte unerhört gewesenen Leistungen dem Feinde ganz bedeutende Nachteile zugefügt. Einer der größten Nachteil- für den Feind aber ist es, daß alle diese Kämpfe auf seinem eigenen Boden ausgefochten werden. Das iit etwas, was uns Deutschen noch viel zu wenig zum Bewußtsein gekommen ist, daß dieser Krieg — abgesehen von einem kleinen Stück uns teuren elsaß-lothringischen Landes — nt Feindesland geführt wird und daß insbesondere die gegenwärtigen Kämpfe .sich so weit von den Grenzen des Reiches entfernt abspielen, daß nicht nur die eigentlichen Schlachten mit ihrem alles zerstörenden Geschoßhagel in Feindesland tcken, sondern daß auch die zahlreichen Bombenflieger, die Tag für Tag und Nacht für Nacht unsere Etappen, Nachschub- stratzen, Eisenbahnlinien und Unterkunstsplätze mit Bomben belegen, Schäden im besetzten feindlichen Gebiet anrichten, Nährend unsere eigenen Bombengeschwader und weitreichenden Geschütze auch wieder in französische Städte und Dörfer jenseits,des eigentlichen Operationsgebietes Brand und Tod tragen.
Wo im einzelnen die Schlachten in Feindesland geschlagen werden, ist eine Frage, die sich aus der jeweiligen Gruppierung der sich bekämpfenden Heeresmassen ergibt. Wenn es unseren Trupben und unserer Führung dabei gelungen ist. fest dem 21. März weite feindliche Gebiete, die brsber voin Kriege noch unberührt waren, im wahrsten Sinne des Wortes zum Operationsgebiet zu verwandeln, io ist diese Tatsache allein eine ebenso schwere Wunde für den Feind wie die Schwächung, die wir ihm in diesen Kämpfen durch gewältige Verluste an Kämpfern und an Kriegsmaterial bereitet haben. Für uns bleibt die Hauptsache, - den Kampf in Feindes, land zu führen und dabei dem Gegner möglichst große Ver luste zuz-lfügen, unsere eigenen Streitkräfte aber stark zu erhalten. Selbst die Preisgabe eines kleinen Streifens feindlichen Geländes spielt dabei eine geringe Rolle, wenn dadurch eigene Verluste erspart werden und die strategische Lage zn unseren Gunsten erhalten bleibt. Die Heimat bewertet dies vielfach nicht richtig: die Truppe draußen aber weiß daß es nicht auf Geländegewinn ankommt, sondern daß cS gilt, in dem Ringen von Heer zu Heer die Oberhand und Bewegungsfreiheit zu behalten, und das felsenfeste Vertrauen, das die Truppe zu ihren Fühvern hat. wird nur noch fester geschmiedet, wenn sie sieht, daß die Führung wenn es die Gesamtoperationen erfordern, die lebendige Mauer unbeirrt durch kleinmütige Beforgniffe der Heimat zutückbieyt, um Opfer an deutschem Blut zu ver meiden.
So steht unser Heer in voller Kraft auf Frankreichs Boden, fest entschlossen, sich den Sieg nicht entringen zu lassen. Vier Jahre hat es die heimatlichen Fluren vor den Schrecknissen des Krieges rm eigenen Lande bewahrt. Als im September 1915 der französische Generalissimus Joffre zum erstenmal seine Truppen zu einem großen einheitlichen Angriff antreten ließ, der einen Durchbruch und eine Entscheidung bringen sollte, sagte er in seinem Befehl vom 14. September 1915: ,Auf dem französischen Kriegsschauvlatz zum Angriff zu schreiten, ist für uns eine Notwendigkeit, um die Deutschst aus Frankreich zu verjagen. Wir werden sowohl unsere seit zwölf Monaten unterjochten Volksgenossen testeten, als auch dem Feinde den wertvollen Besitz unserer besetzten Gebiete entreißen." Das war das Ziel jenes Angriffs und ist das Ziel der vielen Angriffe gewesen, in denen seit jenen Septembertagen Frankreichs und Englands Heere Ströme von Blut im vergeblichen Ansturm gegen die deuffche Mauer haben fließen lassen. Wie viele französische Dörfer und Städte sind in diesen vier Keiegsjahren von deutschen, französischen, englischen und amerikanischen Granaten in Trümmer gelegt w'orden und mit Hab icnd Gut von unschätzbarem Werte verbrannt! Wie viele Brücken sind zerstört, wie viele Wälder und Felder vernichtet und in Trichtergelände verwandelt worden! Alles gewerbliche und industriell« Leben, aller Handel und Verkehr liegt in weiten Provinzen Nord- fvankreichs vollständig darnieder. Alle diese unbeschreiblichen, furchtbaren Wunden hat unser Heer dem deutschen Vaterlande nun schon vier Jahre lang erspart. Demgegenüber spielen die Lasten und Entbehrungen, die der H e i m a t durch Kriegsnotwendigkeiten aufcclegt werden, so bitter sie auch empfunden werden, immerhin doch eine untergeordnete Rolle. Die Heimat sollte die gleiche Widerstandskraft zeigen, wie sie unser Heer immer w»ü>er aufs neue beweist, damit uns auch weiter- hin erspart bleibt, waS unsere Feinde wollen und weswegen sie den Krieg trotz unserer oft ausgesprochenen Friedens- lereitschaft fvrtsetzen, daß deutsche Städte und Dörfer von weißen und farbigen Franzosen und Engländern heimgesucht werden.
Morgenausgabe.
Zochs Gegenoffensive nach deutschem Muster.
Die Initiative noch in deutscher Hand.
8. A. Berlin, 6. Aug. (Eig. Drahtbericht. K.). Der hec- v-orstechestde Unterschied zwischen dom Ergebnis unserer eigenen Offensive im Weston und der fetzigen Angriffstaktik ''des Generalissimus Fvch ist die Tatsache, daß es uns gelungen ist, dem gewaltigem feindlichen -Ansturm gegenüber die Initiative nicht aus der Hand zu geben. Umgekehrt verloren dre Franzosen ihre Handlungsfreiheit jedesmäl beim Einsetzen deutscher' Schläge und mußten sich bei der Verwendung ihres Kamipftnaterials den Plänen dss deutschen Generalftabs anpassen. Verkannt werden darf freilich nicht, daß der Feind dieKmal bei unserem, wie Luidewdo-rfs zngibt, mißlungenen -Schlag bei RermS sein altes System nicht -anwandte, bielm-ethr Methoden befclgte, die er von der deutschen Heeresleitung gelernt hatte und die er jetzt wieder von neuem erfahren wird. Das Mißlingen unseres Angriffs bei Reims sowie in der Champagne war, wie allgemein -anerkannt, darauf zurückzufüihreu, daß 'der Gegner feine bei Soissons stehenden Reserven nicht nach unserer Mutmaßung an die angegriffene Stelle warf, sondern sich dort vielmehr für einen Gcländeverlust verstand und seine unverbrauchten Truppen sofort an einen anderen Frontpunkt zu einer Gegenhandlung durck,führen ließ, die uns überraschte. Dies verhinderte -eine" Auswirkung unseres ersten takttfchen Erfolgs ber Reims —, denn wir konnten die dort aufgvstellten Reserven nicht zu dem Zweck ausnützen, für den sie bestimmt waren —, und Hwang uns an einer Stelle zum Kampf, wo wir nicht darauf vorbereitet waren.
Ein italienisches Zugeständnis.
IV T.-B »er», C. Aug. Der Kriegsberichterstatter des „Giornale d'Jralia" in Frankreich sagt zur Kriegslage u a., man siche vor cincm überlegten »nd vorbedachten Rückzng des Feindes Die Initrative zum Rückzug liege bet tm Deutschen linier diesen Uw ständen sei es schwierig voraus- zusehen, wo die RnckwärtSbewegung zum Steden kommen werde. Wahrscheinlich würden die Deutschen sich auch an der Aisne nur vorübergehend stellen, uni sich aus Hinten zurückzuzieyen, die für die Berteidixnnz rcrzüglich geetgnet seien.
Unsere neue zurirckverlegte Front.
Zwischen Soissons undjteims
Auch sachliche sranzösische Kritiken.
XV. T.-B. Bern, 0. Aug Der „T emps" äußert sich zur militärischen Lage zwar sehr zuversichtlich, macht aber den Sieges- iaumel der anderen Tapesbläitcr nicht mit. Er führt u. a. aus: Unsere Erfolge waren großer gewesen, wenn wir am 18. Juli die deutsche Front südlich Soissons hätten durchbrechen können. Wir dürfen nicht vetgcssm. daß Mangin aus zwei deutsche Armeen stieß und nicht über genügende Kräfte verfügte, sie zurückznwerfen. — „Information" stellt fest, daß der deutsche Rückzug in guter Ordnung vor sich gebe. — „Journal des Debüts" schreibt noch sachlicher: Der Feind gibt jetzt nur das auf, was die Erfolge seines Programms vom 27. Mai überschritt, wo Ludendorff nur den Damenweg einnchmcn wollte. Der schnelle Fortschritt ver deutschen Kolonnen gestattete ihm dann den Stoß bis an die Marne. Man kann sagen, daß die ganze deutsGe Strategie seit zwei Monaten auf die Reluliate vom L7 Mai gestützt war. In dem Interview Ludendorffs ist nickt alles falsch. Es ist durchaus wahr, daß die Deutschen, wenn sie emsebcn, daß die Operation sich nicht bezahlt macht, sie anznhaltcn sucken. Tatsächlich zieht sich der Feind jetzt zurück, lim Menschen zu sparen und seine Derprovtantierung, die in dem Marnesacke äußerst schwierig war. zu erleichtern.
Die neuen englischen Einberufungen.
Br. Basel, 6. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der „Matin" Meldet aus London: Die neuen «mglischon Einberufungen umfassen den Zeitraum von Oktober b-is März 1819. -Das Unterhaus wird im September der Einberufung der Klassen von 1872 bis 1884 zuzustimmen haben.
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Der ttbendbericht vom 6. ttugust.
XV. T.-B. Berlin» 6. Aug., abends. (Amtlich. Drahtbsricht.) Bo»der Front nichts Neues.
Ver österreichisch-ungarische Tagesbericht,
W. T.-B, Wien, 6. Aug. Amtlich verlautet: Nichts Neues Der Chsf des Generalstabs.
Nr. 363. . 66. Jahrgang.
Rußland mobilisiert gegen die Entente.
Bt. Bern, 6. Aua. (Eig. Drahtbericht. #.) Das „Berner Jntelligenzblatt" berichtet aus P aris: Em Raidiotelegvanun gibt bekannt, daß die Sowjetre,kerwng beschlossen hat, sämtliche Jahrgänge von 1893 bis 1897 der meisten großrussischen Provinzen sofort unter die Fahnen zn berufen.
vorläufig noch keine Kriegserklärung au England.
Br. Berlin, 6. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie die hiesige russische Botschaft mitteilt, eilen die Gerüchte, wonach die Sowjetregierung eine Kriegserklärung an England erlassen habe, zum mindesten den Tatsachen voraus. Obwohl es zutreffend isr, daß gegenwärtig bo I s ch e w i st i s che Truppen direkt gegen die Engländer, welche Archangelsk angegriffen haben, kämpfen, ist eine Kriegserklärung ins jetzt noch nicht erfolgt. Welchen weiteren Verlauf die Angelegenheit nehmen weroe, hänge von dem Gang der Ereignisse ab.
Trotzsiq zur Räumung Archangelsk.
XV. T.-B. Moskau» 6. Aug. (Droh«bericht.) Wie amtlich bekanntgegebeu wird, wurde Archangelsk -von den Engländern besetzt. Der KriegSkammissar Trotzky veröffentlicht aus diesem Anlaß einen Befehl, in dem eS heißt: Die Umstände, unter denen zeitweilig Archangelsk geräumt wurde, beweisen, daß einzelne Vertreter der örtlichen Sowjet- g-ewalt bei weitem nicht immer die Eigemschaften beweisen, die fiir jede Revolution auf verantwortlichem Posten unerläßlich sind: Haltung, Energie und Tapferkeit. Es hat sich wiederrm bestätigt, daß Sowjetvertreter vorhanden sind, die bei dem ersten H e r a n n a hen der Gefahr sich beeilen, davonzulaufen, indem sie meinen, daß die Rettung ihres eigenen Lebens die wichtigste Aufgabe fei. Derartige Subjekte haben nichts- mit der Revolution gemeinsam. Jeder Vertreter der Sowjetgegner, der feinen Posten -verläßt, ohne alle?, was in feinen Kräften steht, zur Verteidigung getan zu haben, ist ein Verräter, >dor mit -dem Tcd zu bestrafen ist. Ich befehle, alle diejenigen Eowjetmitglieder der Stadt Archangelsk zu verhaften, die laut zuverlässigem Material als Deserteure, zu betrachten und als solche der Revolutionstribuna zu über- geben find.
Eine Niederlage der Tschecho-Sioroaken.
Br. Haaa» 6. Aug. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus Charbin wird gemeldet: Dks Tschecho-Slowaken wurden zwischen Nike-lsund und Chabarowsk durch die Bolschewisten angegriffen. Semenow mußte sich in der Ricktung nach Hailat zurückziehen. Die Bolschewisten be- setzten den Bahnhof an der mandschurischen Grenze, ohne daß die Chinesen, die den Bahnhof besetzt hielten, Widerstand leisteten. ES scheint aber nunmehr ein energischeres Auf- treten der verschiedenen Streitkräfte auf seiten der Allirerten bevorzustehen.
IV. T.-B. Bern» 6. Aug. Nach einer Meldung de» „Prcgres de Lyon" aus Peking hat die chinesisch« Regie- tung die tschechisch-slowakischen Kontingente ermächtigt, für die ganze Dauer der Feindseligkeiten die Eastern China- Railway zu benutzen. Die Regierung hat beschlossen, das erste Konttngent chinesischer Truppen nach Wladiwostok zu entsenden. — Van der Grenze wird gemeldet, die Armee Senrenows sei geschlagen und habe bis auf einige Werst nahe der chinesischen Gcenze zurückweichen müssen.
Zur Lass in Sibirien.
XV. T.-B. Moskau, 6. Aug. (Drahtbericht.) Eine Zeitung Idcr Eoziakrevolutionäre in Ufa bringt die Meldung, baß die Verhandlungen Arischen dem Komitee der Mitglieder der konstituier enden Versammlung und den Vertretern der sibirischen Regierung in Samara zu einer grundsätzlichen Übereinstimmung geführt -haben. Demnächst soll eine allgemeine Sitzung der Mitglieder der Konstituierenden Versammlung in Samara und anderen Städten ftattftnden.
XV. T.-B: Moskau, 6. Aug. (Drahtbericht.) Rach einer Meldung der „Jsvestia" ist Professor Masaryk auf der Reise nach Samara in Wladiwostok einyetrof-fen.
Eine spanische Stimme über das Vorgehen der Entente.
XV. T.-B. Madrid» 6. Aug. (Drahtbericht.) Di« hiestge „Tribuna" führt anläßlich der Ermordung des Zaren folgendes aus: Der Traum der Entente, dre russische Qstf ro nt wieder aufzurichten, hat die Alliiertem veranlaßt, dis tschechisch-slowakischen Banden zu unterstützen und dadurch Rußland erneut in den Krieg gegen die Zentral-mächte zu stürzen. Diesen einzigen Zweck verfolgt in erster Reihe di« Anwesenheit zahlreicher OffizierSmisfi-onen der Alliierten, di« die Gegenrevolution führen. Alle diese Bemühungen müssen bei der gegenwärtigem Lage Rußlands gänzlich auS» frchtslos fein und haben als einziges Ergebnis lediglich den Zarenmord gezeitigt, da jetzt weitere Machenschaften d« Ententeoffiziere durch die nach dem Befehl Trotzkys veranliatz, teu ,'tt «warten Überwachungen unmöglich find.
