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Montag, S. slugust 1918.

klbenö-klusgabe.

Nr. 360. . 66. Jahrgang.

Der Kampf der (Entente gegen Rußland.

Iteue bolschewtsttscke Jjilferufe.

W. T.-B. Moskau, 3. Aug. Heute erscheint die erste Nummer der neuen Zeiturbg „Mir" (Friede), des Organs der Pazifisten. Im Leitartikel führt das Blatt aus: Erschöpft

durch einem dreijährigen, zwecklosen Krieg und innere Wirren sind wir jetzt nicht in der Lage, mit heiliger Entschlossenheit auf die Fvrtfübrer des Kriegs, alle diese philosophischen W:I- sons, eisernen Hrndenbnvgs, hartköpfigen Lloyd Georges und hysterischen Clemenceans einzuwirken. Mer verteidigen dürfen wir uns gegen den Krieg, in den man uns abermals hineinziehon will. ■ Wiederum stehen wir am Abgrund eines Kriegs für ftemde überseeische Interessen. ES ist nicht schwer, vorauszusehen, was für Folgen dieser neue Krieg für das hungernde, verarmte, zerrissene Rutzland haben würde. An­gesichts dieser grausigen Perspektive Knüffen wir entscheiden­der denn je sagen: Die russischen Hamide haben schon genug Kastanien aus dem Feuer geiholt für ihre aufgeklärten Frounde; jetzt sind ihre Hände verbrannt. Unsere Seele dürstet nach /Ruhe und Frieden.

W. T.-B. Moskau, 5. Aug. Die Blatter veröffentlichen folgenden Aufruf: Arbeiter und Armee! Sucht euch schnell Brot aus den ackerbautreibenden Gouvernements. Duldet nicht, datz Gutsbesitzer und Kapitalisten mit ihren Hetfershelsern, den Sazialverräte-vn und räuberischen Impe­rialisten, die Revcllutirn des Proletariats durch Hunger er­drücken. — In Moskau finden Haussuchungen nach Lebensmitteln nnd Waren statt. Die „Jswestija" schreibt tm Leitartikel: Der tschecho-slow akische Aus­stand droht ein derartiger Ansteckungsherd im Körper des revolutionären Rußlands zu werden, datz die Krankheit den ganzen Organismus zu erfassen im Begriff steht. Man hört jetzt das beunruhigende Bekenntnis: Wir haben die Gefahr verschlafen. Wir hüben Kleinmut und Unentschlossenheit gezeigt. Unter dem Arbeitemnaffen macht sich Müdigkeit und Apathie bemerkbar. Stellenweise finden wir Fälle direkten Verrats an der Sache der Arbeiter und Bauern und noch häufiger teilnahmsloses Verhalten der schweren Lage der Republik gegenüber. Mehr als je mutz das Proletariat jetzt Wunder der Initiative und Setbstovserung zeigen, sonst wird das russische Proletariat auf den Trümmern des revolutio­nären Rußlands seiner geschwundenen Grütze gedenken und sich verglich verspäteter Reue hingeben. Der erkbarmungs^ lose Feind zückt gegen euch das Messer. Zerbrecht diese Waffem in seinen Hämioen. Zu den Waffen, Arbeiter und Bauern!

Gegen die kriegshetzerischen Verbandsmächte.

W. T.-B. Moskau, 3. Aug. „Prawda" fragt: Was ist der allgemeine nationale Krieg gegen d i e D e u t - schcktl? und antwortet: 1. Ist es ein Krieg für die Erobe­rung Kleinasiens, Persiens und Teile der deutschen Kolonien durch England, für die Eroberung Elsaß-Lothringens und die übrigen deutschen Kolonien durch Frankreich; 2. ist es kein Krieg, sondern eine Waffenstreckung vor den Blutegeln französischen Kapitals; 3. zusammen mit England und Frank­reich Krieg führen, heißt mit denjenigen gemeinsame Sache machen, d>e Irland unterdrücken, heißt gegen die französi­schen nnd englischen Arbeiter kämpfen, heißt den Ast absägen, auf dem die russische Revolution sitzt, heißt mit den Freunden des Zaren zusammmyehen, heißt die Sache der Bourgeoisie, der Gutsbesitzer und der Kapitalisten besorgen; 4. ein natio­naler Krieg gegen die Deutschen heißt: englischen und fran-- zösffchen Fleischern Millionen russischer Bauern hingeben, da­mit sie wieder aus ihnen Kanonenfutter machen; 5. ein nationaler Krieg gegen die Deutschen heißt die russische Revo­lution vernichten, den Hord des Weltbrandes auslöschen, in- temationales Kapital unterstützen. Deshalb: Nicht einen Sol­daten, nicht ein Gewehr, nicht eine Kopeke zur llnterstützung der englischen und französischen Dluffauger und Henker. „Prawda" bespricht ferner die neue Gefahr, die der Sowjet­republik tdurch das Eingreifen Japans und Amerikas in Sibirien droht, und schreibt: Infolge der großen räum­lichem Entfernung ist die direkte Gefahr wohl nicht groß, aber es besteht die Drohung, datz die Ententefront der deuffchen Front entgegenrücken wird. Nur sehr ungern werden sich die deutschen Annexionisten, die sich satt gegessen, hierzu verstehen, da die neue Front große Truppemnassen erfordert, doch; wird ihnen vielleicht kein anderer Ausweg bleiben. Die Sowjet­regierung wird jedoch deren Hilfe nicht annehmen. Die Deut­schen werden über den Leichnam der Sowjetrepublik sich selbst Helsen müssen. Für die Sowjetrepubkik gibt es nur ein Mittel' Schnell und entscheidend gegen die Tschecho- Slowaken vorzugehen, so lange sie noch schwach sind und hie japanisch-amerikanische Hilfe noch aussteht.

Eine Neve Lenins gegen die Entente.

W. T.-B. Moskau, 4. Aug. Am 2. August fanden in Moskau zahlreiche Versarümlungen zur Agitation unter den Arbeitern für den Kampf gegen die Gegenrevolution der Tschecho-Slowaken statt. Im buchrischen Rayon sprach Lenin. ©r führte u. a. aus: Die Feiüde der Sowjetrepublik umgeben uns mit einem eissinon Ring. Mittels Betrugs und Lüge haben die Engländer Murman besetzt, dann Kem einge­nommen und erschießen unsere Grossen. An den Tschecho-

Slowaken fanden sie Bundesg>enassen. Englisches Geld hat sie angewvvben. Wir wollen weder mit den Deuffchen, noch mit den Engländern und Franzosen Krieg führen. Die Arbeiter halten die Fabriken fest in ihren Hänlden. Die Bauern werden das Camb den Gutsbesitzern nicht zurückgeben. Zur Verteidigung dieser Eroberungen erklären wir auch den Krieg allen Marodeuren und Spekulanten, die uns mit einer Hungersnot bedröhen. Wir werden alle Vorräte den Speku­lanten abnehmen und die armen Arbeiter nicht ihrem Schick­sal überlassen.

Die Engländer beschießen Archangelsk.

W. T.-B. Moskau, 3. Aug. „Prawda" meldet, datz die Engländer von ihren Kreuzern aus Archangelsk beschießen. Das Blatt bringt an der Spitze folgenden Aufruf: Die

Kanonen des englischen Kapitals beschießen das Archangelsk her Sowjets. Sie werden auch die Arbeitervier­tel Moskaus zusammenschießen, toemrt wir nicht die tschecho­slowakischen Abteilungen des englischen Stabs vernichten.

W. T.-B. Moskau, 2. Aug. (Petersburger Telegraphen- Agentur.) Am 30. Juli wurde das Herannahen eines englischen Kreuzers und englischer Flugzeuge 'zu Archangelsk bemerkt. Am 1. August begann die Beschießung der vorderen Posten und der Bcsestigungen durch englische Kriegsschiffe. Zwei Kreuzer und ein Transportschiff kamen heran und schlugen den russischen Batterien vor, sich zu er­geben. Die Batterien weigerten sich, wonach ein Kreuzer wieder in See ging, während die anderen Schiffe 3 Meilen von der Stadt entfernt Anker warfen und die Batterien zu beschießen anfingen. Unsere Batterien antworteten gleichfalls mit Feuersalven. Über den Batterien, erschienen vier englische Flugzeuge, die an dem Beschießen der Batte­rien teilgenommen hatten. Daraus erschienen am Horizont noch andere englische Kriegsschfffe.

" Eine japanische Erklärung.

W. T.-B. London, 3. Aug. Das Reutersche Bureau erfährt, daß in der Tokioer Amtszeitung vom 2 , August eine Erklärung veröffentlicht wurde, in der von der be­vorstehenden Absendung alliierter Truppen nach Wladiwostok Mitteilung gemacht wird. In der Erklärung wird gesagt: Die Vereinigten Staaten haben unlängst Japan die baldige Entsendung oon Truppen zum Entsatz der Tschecho-Slowaken vorge­schlagen. Die japanische Regierung betont nochmals ausdrücklich, daß sie sich jeder Einmischung in die inneren politischen Angelegenheiten Rußlands enthalten wird. Die Erklärung fährt fort: Angesichts der Gefahr, der die tschecho-slowakischen Truppen in Sibirien seitens der Deutschen, der Österreicher nnd Ungarn ausgesetzt sind, war es den Alliierten natürlich nicht möglich, mit Gleichgültigkeit den ungünstigen Lauf der Ereignisse anzuiehen. Eine gewisse Zahl ihrer Truppen hat bereits den Befehl erhalten, nach Wladi­wostok zu gehen. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die den Ernst der Lage ebenso sehr einsah, hat sich vor kurzem an die iapaniiche Regierung gewandt mit dem Vorschlag, rasch Truppen abzuschicken, um die Tschecho-Slowaken von fiem gegen sie gerichteten Druck zu befreien. Die japanische Regierung, die dem Wunsche der amerikanischen Regierung Nachkommen wollte, hat beschlossen, unverweilt zur Bereitstellung geeigneter Streitkräfte für die vorgeichlagene Mission zu schreiten. Eine gewisse Zahl dieser Truvpen wird sofort nach Wladiwostok geschickt werden. Obwohl die japanische Regierung diesen Kurs einschluq, bleibt es doch auch jetzt ihr Wunsch, Beziehungen- dauernder Freundschaft mit Rußland zu unterhalten, und die Japaner geben nochmals die Zusicherung, daß sie an ihrer bereits kundgeq-benen Politik der Achtung vor der territorialen Integrität Rußlands sesshaften und sich jeder Einmischung in seine innere Politik ent­halten werden. Sie erklären ferner, daß sic nach Ver­wirklichung ihrer oben darqelegten Absichten sofort alle japanischen Truppen vom russischen Gebiete zurück- z i e b e n und die Souveränität Rußlands sowohl in politischer als auch militärischer Hinsicht vollständig un- beeinftächftgt lassen werden.

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Veröffentlichung eines russisch-japanischen Geheimvertrags.

W. T.-B. Moskau, 3. Aug. „Mir" veröffentlicht einen Auszug aus dem russisch-japanischen Gcheimver- trag vom 3. Juli 1915 gegen England und Amerika. Der Vertrag ist unterzeichnet von S s a s o n o w und M o t o n o. Der Vertrag stellt sich zur Aufgabe: Den Schutz Chinas vor der politischen Herrschaft irgend einer anderen Macht mit Verpflichtung zu gemeinsamem bewaffneten Eingreifen, wobei die Vertragschließenden sich anheischig machen, keinen Separatfrieden mit dem gemeinsamen Feinde zu schließen. Der Vertrag ist gültig bis 1921. Die Überschrift des Vertrages lautet: Ge­heimvertrag zwischen Rußland und Japan, betreffend bewaffnetes gemeinsames Eingreifen gegen Amerika und England im fernen Osten vordemSommer 1 921 «

Oie Admiralstabsmeldunyen.

W. T.-B. Berlin, 4. Aug. (Amtlich.) In den Gewässern um England vernichteten unsere Unterseeboote 16 000 Bruttorcgistertonnen.

Der Chef des Admirolstabs der Marine.

IV. T.-B. Be-litt, 3. Aug. (Amtlich.) Im Sperrgebiet westlich England fielen weitere

13 000 Bruttoregistertonnen der Tätigkeit unserer Unterseeboote zum Opfer.

Der Thef des Admicalstabes der Marine, a

W. T.-B. Berlin, 4 Aug. Würde man es für möglich halten können, daß heutzutage Lebensmittel nicht zur Lebenshaltung, sondern als Brennstoff benutzt werden? Und doch ist dies gescbehen, aber nicht etwa aus Überfluß, son­dern aus bitterer Notwendigkeit. Die „Times" meldet aus Buenos Aires: Nachdem über zwei Millionen Tonnen Getreide durch die argentinische Kommission nach Europa ver­schifft werden sind, fehlt es auf den Märkten an weiteren Käufern. 21/, Millionen Tonnen blieben übrig, und da es gleichzeitig in Argentinien an Brennmaterial fehlt, hat man jetzt einen großen Teil des Maisüberschusses als Kohle ver­brannt mit einem Verlust von 100 Millionen Dollar an Nationalvermögen.

Zur Zriedensansage Sonar Laws.

W. T.-B. Berlin, 4. Aug. Dis „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Noch einer von mehreren deuffchen Blättern verbreiteten Londoner Meldung des „Nreuwe Rotterd. Courant" soll B o n a r Law auf eine Anfrage Kings im Unterhause erwidert haben, die englische Regierung sei immer bereit, Vorschläge zur Herbeiführung eines befriedigenden Friedens zu gewähren. Auch uns war diese Nachricht aus Holland zugsgangen, wir haben sie aber vorerst nicht wiedergegeben, weil es uns ratsam erschien, zunächst eine unmittelbare englische Darstellung der Vorgänge im Unterhause abznwartcn. Erst aus ibr wird man sehen, ob die Äußerung Bonar Laws in Wirklichkeit von einer englischen Friedens­bereitschaft zeugt. Wir möchten das lebhaft be­zweifeln, weil Bonar Law durchaus nicht zu den Leuten gehört, bei denen wir diese Gesinnung voraussetzen, wenn man auf das zurückblickt, was er früher über die Friedensfrage gesagt hat. In dieser Hinsicht werden wir besonders auch durch den Wortlaut der Meldung aus Holland bestärkt. Wenn Bonar Law so geant­wortet hätte, wie der „Nieuwe Rotterd. Courant" aus London erfährt, so müßte man sagen, daß sich der eng­lische Staatsmann sehr vieldeutig ansgedrückt habe. Wir glauben zu der Vermutung berechtigt zu sein, daß die Friedensvorschläge, die Bonar Law befriediaend fände, diese Kennzeichnung nur im britischen Sinne verdienen würden, aber durchaus nicht im Sinne Deutschlands und seiner Bundesgenossen. Schon der bloße Gedanke an Englands Tarifpläne weist darauf bin, daß man drüben offenkundig die Einführung einer für uns nnd besonders auch für die deutsche Arbeiterschaft ganz unannehmbaren, bis Erdrosselung Deutschlands berechnenden Wirtschaftspolitik nach dem Abschluß des Krieges betreiben will. Ehe mithin von einer britischen Friedensbereitschaft die Rede sein kann, muß die Frage geklärt werden, was für Bedingungen Bonar Law als befriediaend anseben würde. Wir unsererseits haben keinen Anlaß, diese Frage an England zu richten, denn der Widerhall, den die bisberiaen Bekundungen unserer Friedensbereitschaft im feindlichen Ausland gefunden haben, läßt deutlich erkennen, daß jeder weitere Schritt ans diesem Wege nur zu einer Verdächtigung Deutsch­lands und zur Ermunterung der feindlichen Kriegs­hetzer fübrt. Nach ihrer ggnzen Natur sind diese gar nicht imstande, sich vorzustellen, daß eine ernste Fric- densbereitschaft sich sehr wohl mit einem zuversichtlichen Krastbewußtsein vereinbaren läßt und bei ims tatsäch­lich vereinbart. Man beschuldigt uns im feindlichen Lager zwar noch immer der Zweideutigkeit, aber was unsere Staatsmänner über den Frieden gesagt baben, ist für alle, die richtig zu. bören bereit sind, vollkommen genügend, um unseren Ansvruch darauf zu begründen, daß man jetzt vor allem mal jenstits eine Antwort gebe, die von uns als befriediaend anerkannt werden kann. Neu Wirtschaftskrise.

Eine bemerkenswerte holländische Betrachtung.

W. T.-B Amsterdam, 5. Aug. (Drahtbericht.) Der „Standard" schreibt; EG ist beachtenswert, daß in der letzten Zeit von seiten der Entente wieder so stark für den Wirtschaftskrieg Propaganda gemocht wird. Es ist eine logische Folge des Kriegswahnsinns, der jetzt wilder als jemals aufslammt. Lord Derby, Hughes, Borden ind Smnths haben sich für ihn ausgefprochen. Ketn geringerer als Lord George schloß die Reihe seine: letzten Reden mit den Worten; Deutschland soll es nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich zu büßen haben, daß es sich dem Willen der Entente nicht unterwirft. In Amerika singt man jetzt dasselbe Lied. Di.- Mittelmächte werden nie unabhängig von der über- , seetschen Welt leben können, sie müssen Handel treiben oder betteln