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Samstag, 3. Nugust 1918. Kbend-Kusgabe. Nr. 358, . 66. Jahrgang.

hindenburg und Ludendoffzur Lage.

w. Köln, 3. Aug. Der Kriegsberichterstatter der „Köln. Ztg.", Professor Dr. Georg Wegener, meldet aus dem Großen Hauptquartier: Bei einem Passieren des Großen Hauptquartiers hatten wir Ge> legenheit. sowohl General Ludendorff wie den General­feldmarschall v. Hindenburg selbst zu sehen und zu sprechen. General Ludendorff, der uns zuerst empfing, führte dabei etwa folgendes aus: Der Plan unseres

Angriffs am 15. Juli ist diesmal strategisch nicht geglückt; er hat nur taktische Erfolge ge­zeitigt. Dem Feinde waren Ort und Zeit unseres An­griffs vorher bekanntgeworden. Er wich unserem Schlage aus mit einem Entschluß und mit Maßnahmen, für die man dem französischen Oberbefehlshaber die An­erkennung nicht versagen kann. Sobald wir erkannten, daß die Fortführung des Angriffs uns zu große Opfer gekostet hätte, brachen wir ihn bereits am 16. Juli, abends, ab, um unsere Truppen zu schonen, ebenso, wie wir es bei unseren vorhergehenden Offensiven in dem Augenblick getan haben, wo die Verluste für uns größer wurden, als das, was wir noch weiter erreichen konn­ten, sie,gerechtfertigt hätte. Nun erfolgte der Gegen­angriff des Feindes an einer anderen Stelle und erzielte den unvermeidlichen Anfangserfolg. Diesen Angriff hatten wir als eine durchaus richtige Hand­lungsweise vorausgesetzt und erwartet. Es kam jetzt darauf an, den ihm zugrunde liegenden Plan eines ent­scheidenden Erfolgs zu vereiteln, während unsere eigenen Opfer mö glichst gering blieben. Seine Absicht, unsere in dem neuerdings von uns zwi- scheu Soissons und Reims gegen die Marne vorge­schobenen Gelandeten! befindlichen Heeresteile und Kriegsmaterialien abzufchnüren, ist verhindert worden. Wir haben einen Teil dieses Geländes planmäßig dem Feinde überlassen, Trupvcn und Material dagegen in eine gesicherte Stellung übergeführt. Auf dies G e- ländeansichkommtes Hierinkeiner Weise an. Ja. handelte es sich um deutschen Boden, so wäre der Verlust eines jeden Dorfes schmerzlich. An feind­lichem Boden aber haben wir genug. Unsere Aufgabe ist nicht, Gelände zu gewinnen oder um jeden Preis zu halten, sondern die Kampfkraft des Ferndes . zu mindern. „Geländ,'gewinn", „Marnelinie" sind Schlagworte, die nur Augenblicksstimmungen erzeugen können, für den Ausgang des Krieges aber ohne Be- deutung sind. Unsere seit dem gegnerischen Angriff durchgeführten Operationen haben neben unserer eige­nen Sicherung das Ziel erreicht, daß der Gegner ganz außerordentliche Verluste erlitten Hut und noch erleidet. Wir unterschätzten den Zuwachs an Zahl nicht, den der Gegner durch amerikanische Truppen erhielt. Um so wichtiger sind die schweren Opfer, die er jetzt erfolglos bringt. Dies ist die augenblickliche Lage. Was wir zunächst weiter tun werden, kann ich Ihnen natür­lich nicht sagen. Dessen aber dürfen Sie gewiß sein, und den Eindruck haben Sie auch wohl selbst von mir, daß wir nach wie vor von der besten Zuversicht beseelt sind.

Generalfeldmarschall Hindenburg, zu dem wir dann gingen, entwarf, uns zunächst mit wenigen Worten ein ganz gleiches Bild der Lage wie der Generalquartier­meister. Sodann erkundiqte er sich, von welchen Stel- len der Front wir kämen. Mit Freude bestätigte er unseren Eindruck, daß, je weiter man nach vorn käme, die Ruhe und Sicherheit der Auffassnna um so mehr zu­nähmen. Er erging sich dann mit sichtlicher innerer Bewegung in einer hohen Anerkennung dessen, was unsere wackeren Truppen auch gegenwärtig wieder ge- leistet hätten, wie insbesondere unser Infanterist, auf dessen Schultern doch immer der Schwerpunkt der Last im Kampfs liege, sich wieder aufs höchste bewährt und im freien Felde dem gegnerischen überlegen gezeigt hätte. Wer auch allen übrigen Waffengattungen zollte er hohes Lob. Auch die Kolonnen- und Nach- richtentrnppen vergaß er nicht besonders hervor- zuheben, die ihren entsagungsvollen Dienst unter den sckM'ierigsten Verhältnissen vortrefflich getan hätten; auch die Eisenbahner erwähnte er eigens, die oft mitten im Feuer ibre Bahnen bauten und den Betrieb anfrechterhielten. Er sagte: Wir haben die Kämpfe in , günstigeres Gelände verlegt, um den Truppen den Kampf und die Lebensbedingnnaen durch gesicherte Zu­fuhr zu erleichtern. Berichten Sie der Heimat von den Leistunaen der Truppen und zugleich von der Zuver­sicht, die uns alle erfüllt. Gewiß, vier Jahre dieses Krieges sind keine Kleinigkeit. Wenn wir uns aber alle weiter so bewähren, wie in diesen vier Jahren, dann werden wir's schaffen. Das nämlich, was wir alle wol­len, einen ehrenvollen Frieden, und wenn Sie auch von mir etwas sagen wollen, fügte er lächelnd hin­zu, dann können Sie ja, dummen Gerüchten aeaenüber. wahrheitsaemäß erzählen, daß Sie mich hier

leibhaftig und gesund vor sich gesehen haben. Nicht einmal einen Schnupfen habe ich gehabt. Sie können mich auch anfassen, wenn Sie wollen — ein Astrallcib bin ich nicht. Der warme, kräftige Händedruck, mit dem er uns entließ, bestätigte das wahrhaftig, und die feste,, kraftvolle, ja heitere Ruhe, die durchaus zuver­sichtliche Anschauung der Dinge, die wir hier bei den Häupern der Obersten Heeresleitung ganz ebenso fan­den wie bei den Truppen an der Front, und die sichere Beherrschung der Lage, die aus den Warten und der ganzen Art der Heerführer sprach, teilten sich uns allen in vollster Überzeugungskraft mit. Wir können der plei­teren Entwicklung der Dinge an der Front wirklich mit unbeschränktem Vertrauen entqeqensehen.

Dev Tagesbericht vom 3. Kugust.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Aug. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rnpprccht.

Südwestlich von U p e r n schlugen wir heute früh einen starken e n g l i s ch e n T e S l a n g r i f f ab. Im übrigen be­schränkte sich die Gesechtstätigkeit auf Erkundungen und zeit­weilig auflebendcs Artillericfeuler.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Die großen Erfolge der Armee des Generalobersten von Boehn in der Schlacht am 1. August trugen zum vollen Gelingen der gestern burchgeführten Bewegungen bei. Auf unserem alten Kampfgelände lag bis zmn frühen Morgen, an einzelnen Stellen noch bis 11 Uhr vormittags ArtillerieseiMr des Feindes. Seine Jnfnntsrie- und Kavallerie,nbteilnngen folgten nur zögernd und vorsichtig un­seren langsam ausweicheirden Vorfeldtruppen. Im Klein- kampf fügten wir dem Feind beträchtliche Ver­luste zu.

In der Champagne machten wir bei erfolgreichen Kämpfen nordwestlich von Soumn 100 Gefangene.

Leutnant U d e t errang seinen 41., 42. und 43., Leutnant Freiherr v. Richthofen fernen 31. und 32., Bizefeldwebcl T h o m seinen 26. Luftsieg.

Der Erste Genrralquartiermeister: Ludendorff.

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Neue (Erfolge unserer Luftstreitkräfte.

Vom 26. bis 31. Juli 79 feindliche Flugzeuge erlegt.

W. T.-B. Berlin, 2. Aug. Unsere Luststreitkräfte waren vom 26. bis Ende Juli weiter erfolgreich, tätig. Trotz un­günstigster Witterung griffen die Schlachtflieger wiederholt in den Kampf ein und hielten an der Front zwischen Reims und Soissons den vorfühlrnden Gegner auf. Am 28. Juli bekämdften sie in fünfstündigem Einsatz auf F e r e - e n - Tardenois an marschierende Kolonnen mit sichtbarem Erfolg. Fern- und Rahcrkundung sowie Jnfan- terieslü.-e wurden bei Regen und Sturm in oft niedrigsten Höhen durchgeführt. Unsere Jagdflieger vereitelten erneute Versuche des Feindes, mit Bomben- und Erkundungsge­schwadern in unser Hintergelände vorzudringen, in heftigen, für den Feind äußerst verlustreichen Luftschlachten. Die Bombengeschwader griffen Bahnanlagen, Unterkünfte und Flugplätze trotz schlechtestem Wetter und heftigster Gegen­wirkung mit 8l 808 Kilogramm Bomben an. In Epernay brack nach der ersten Explosion ein großes Feue, aus, das die ganze Nacht anhielt.

Wir verloren vom 26. bis 31. Juli 21 Flugzeuge und 4 Fesselballone. Die Verluste unserer Gegner betrugen 74 Flugzeuge im Luftkampf. 5 Flugzeuge durch Abwebr- koror.en und 2 Fesselballone. An diesen Erfolgen sind Leut­nant Löwenhavdt mit keinem 45. bis 48., Leutnant Bolle mit seinem 27. und Fliegerschühe Vizefeldwebel Lehmann mit seinem 12. und 13. Luftsieg beteiligt.

Fliegerangriff auf Nonen und Havre.

IV. T.-B. Rouen, 2. Aug. (Meldung der Agence Havas.) In der Nacht zum 1. August überflog ein Flugzeuggeschwader die Stadtgebiete von Rouen und Le Havre. Aus der Gegend von Le Havre werden ein Toter und vier Leichtver­wundete gemeldet, aus dem Rouen-Gebiet kein Opfer.

Sszkaiistische «rieasverdroffenheitin Frankreich

Genf, 3. Aug. (zb.) Bei einer von der sozialistischen Partei tti Paris veranstalteten Gedächtnisfeier für Jaures kam es in. Verlause erner Rede Thomas' zu Lärmszenen. Song.tct bemerkte in seiner Rede- ..Wenn Jaures noch am Leben wäre, würde der Krieg ohne Zweifel schon zu Ende sein." Dieser Sah wurde von allen Anwesenden mit be­geistertem Beifall ausgenommen. — Das Zenlral- kcmitee des Bundes für Menschenrechte protestierte gegen die Vertagung des Prozesses gegen Main, den Mörder Jaures'.

Br. Genf, 3. Aug. (Eig. Drahtbericht, zb.) Bei der Beratung über die Heranziehung der l8jährigen in Frank­reich zum Frontdienst kiel es auf, daß R e n a u d e l sich in­folge der jüngsten Abstimmung des sozialistischen Parteitages genötigt sah, seiner bisherigen gemäßigten Haltung zu ent­sagen und eine geradezu r e g i e r u n g s f e i n d l i cl, e Sprache zu führen.

Balfour über den Völkerbund.

IV. T.-B. London, 2. Aug. (Reuter.) Im Unterhaus er­klärte Balfour im Anschluß an oie Erörterung über den Völkerbund, die während der Debatte über die Kreditvorlags entstanden war- In der Besprechung ist eine große Ein-- stimmigkeit zugunsten einer Organisation zutage getreten, durch die die Schrecken der jetzigen Zeit unseren Kindern er­spart werden könnten. Es ist jedoch rein einziger, wirklich gangbarer Weg angegeben worden, auf dem das erstrebte Ziel '■ erreicht werden könnte. Es ist völlig richtig, daß die wirt­schaftlichen Waffen in einer Weise gebraucht werden können, die mehr Eindruck machen würde als ein feindlicher Einfall. Zurzeit legen die Deutschen denen, die sie besiegt baden, Verträge auf, die ebenso vernichtend für die Freiheit, wie er­füllt vom Keime künftiger Kriege sind. Ich glaube nicht, daß dieses Verfahren auf diese Völker beschränkt bleiben würde, weil es deutlich ist, daß Deutschlands Wirtsckaftspläne alle Völker Unterdrücker: würden, die unter seinenEinfluß kommen. Über den Vorschlag einer allgemeinen Entwaff- n u n g erklärte Balfour: Sie ist allein möglich und allein zu- lässig für Staaten, die sich vor einem Angriff sicher fühlen. So lange sich die neue internationale Regelung nicht bewährt bat, bandelt es sich bei diesem Plan um einen eiroulus vitiosus- Wenn er Erfolg haben soll, muß er in der Über­zeugung der Völker wurzeln. Ich glaube an die Schieds­gerichte, aber die Völker, die den Frieden nicht wollen, werden durch Scbiodsgerichtsvertcäge nicht gebunden sein. -Deutschland hat sich hartnäckig geweigert, den Schiedsgerichts­veitrag mit einer anderen Nation zu schließen. Unzweifel- baft kann sich der Geist der Welt ändern, und auch Deutsch­land kann den Schiedsgerichtsvertrag eingehen. Aber was fisten wir mit einem widerspenstigen Lande anfangen, bevor nicht eine allgemeine Änderung in der internationalen Meinung eingetreten ist? Ich glaube nicht, daß dieser Krieg bisher eine allgemeine Änderung verursacht hat. (Hört! Hört!) Er hat die Völker zwar überzeugt, daß der K r i e g s e h r v i e l Geld und Blut koitet, graust,m und roh ist, aber die Überzeugung ist noch nicht durchgedcungen, daß er über Bord geworfen werden müßte Ich bin mit den Schwrerigkerten der Angelegenheit durchaus vertraut und völlig davon überzeugt, daß irgend etwas geschehen muß, wenn nicht die Zivilisation als bankerott betrachtet werden soll. Balfour schloß: Nur durch eine siegreiche Beendigung dieses Krieges können künftige Kriege verhütet werden. Dann kann man auf Verhältnisse in Europa und der übrigen Welt hoffen, die in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Sittlichkeit und der allgemeinen Bildung unter einem Völker­bund dauernd gefestigt werden können. Eine Herab­setzung unserer Kriegsziele in diesem Augenblick wäre nicht nur ein Verbrechen gegen unseren nationalen Stolz und nationalen Ehrgeiz, wie edel die Absicht auch sein möge, sondern auch ein Verbrechen gegen diejenigen Grund­sätze des allgemeinen Friedens, deren Verwirklichung alle nacki dem erfolgreichen Abschluß des Krieges wünschen. — Lord Robert Cecil schloß die Debatte, indem er erklärte, daß nur die vereinigten Bemühungen aller Gutgesinnten diesen Plan des Völkerbundes, der so wesentlich fiir die Zu­kunft der Menschheit sei, vielleicht verwirklichen könnten. .

Eine Zriedensansaqe Salfours.

Sr. Rotterdam, 2. Aug. Am 29. Juli hielt Balfour in Londcn eine Rede vor den Gewerkschaften, die damit schloß, daß der Krieg nicht mehr lange dauern werde und daß bereits Friesensvorzeichen am Horizont sich bemerkbar machten.

Der Verband will die Entscheidung in diesem Jahre.

Br. Zürich, 2. Aug. Der ..Seeolo" meldet aus Rom: Die Besvrechung der Parlamentarier im Ministerium des Innern am Sonntag diente der allgemeinen politischen Lage. Der M i n i st e r p r ä s i d e n t war in der Lage, den Abge­ordneten mitzuteilen, daß nach dem Willen der Verbands- Heeresleitungen in diesem Jahre noch die Entscheidung des Weltkrieges gesucht werde.

Eine anderslautende französische Ansicht.

— Genf, 3. Aug. (zb.) Der Kriegssekretär Abramy erklärte in Erwiderung auf die scharfen Angriffe Renaudels gegen Ckemenceaus innere und äußere Politik: Jede Kritik ist beute verftüht. Der Frühling 1919 gilt für alle Ententestaaten als Datum der entscheidenden Wendung. Für dieses Datum müssen wir Franzosen alle Kräfte bereitihalten.

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3um letzten Brief Lansdownes.

— Berlin, 3. Aug. Zum letzten Brief Lansdownes schreibt die ,.B ö r s e n z e it u n q": Der maßvolle Ton, der wiederholte Hinwws auf die Möglichkeit von Be­sprechungen lassen darauf schließen, daß der englische Staatsmann mrt offenem Visier auf den Plan tritt. Jeden­falls hat es keinen Zweck, den englischen Politiker, der allem Anschein nach ehrlich auf eine Verständigung der Völker hin- arbeitet, als heftigsten Feind Deutschlands hinzustellen. Wir würden damit in die Bahn der Enteutepresse geraten, die die letzte Kanzlerrede benutzt, um Hertling der politischen Fallen­stellerei zu bezichtigen. — Wie die „Vossische Zeitung" aus Rotterdam meldet, bedauert die holländisch e P resse die ablehnende Haltung der englischen Blätter dem Brief Lansdownes gegenüber. „Handelsblad" sagt, Bonar Laws Worte, ein Völkerbund sei erst nach einem Si«a mit