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Donnerstag, 1 . Slugust 1918.
Kbend-klusgabe.
Nr. 354. ♦ 66. Jahrgang.
3um Beginn des 5. Urügsjahres.
Der Koifer an das deutsche Volk.
W. T.-B. Berlin, 1. Aug. (Amtlich.)
An das deutsche Volk!
Bier Jahre schweren Kampfes sind dahinpegangen, ewig denkwürdiger Taten voll. Für alle Zeiten ist ein Beispiel gegeben, was ein Volk vermag, das für die gerechteste Sache, für die Behauptung seines Daseins, im Felde steht. Dankbar die göttliche Hand verehrend, die gnädig über Deutschland waltete, dürfen wir stolz bekennen, daß wir nicht unwert der gewaltigen Aufgabe erfunden wurden, vor die uns die Vorsehung gestellt hat. Wenn unserem Volke in sein-m Kampfe Führer, zum höchsten Vollbringen befähigt, g-qeben waren, so hat es täglich in Treue bewährt, daß es verdiente solche Führer zu haben. Wie hätte die Wehrmacht draußen ihre gewaltigen Taten verrichten können, wenn nicht daheim die gesamte Arbeit auf das .Höchstmaß persönlicher Leistung eingestellt worden wäre? Dank gebührt allen, die unter schwierigsten Verhältnissen an den Aufgaben mitwirkten, die dem Staat und der Gemeinde gestellt sind, insbesondere unserer treuen unermüdlichen Beamtenschaft, Dank dem Landmann wie dem Städter, Dank auch den Frauen, 'ans denen so viel in dieser Kriegszeit lastet.
, Das fünfte Kriegssahr, das heute heraufsteigt, wird dem deutschen Volke auch weitere Entbehrungen und Prüfungen nicht ersparen. Aber was auch kommen mag, wir wissen, daß d a s H ä r t e st e hinter uns liegt. Was im Ostzm durch unsere Waffen erreicht und durch Friedensschlüsse gesichert ist, was im Westen sich vollendet, das gibt uns die feste Gewißheit, daß Deutschland ans diesem Dölkersturm, der so manchen mächtigen Stamm zu Boden warf, stark und kraftvoll hervorgehen wird.
An diesem Tage der Erinnerung gedenken wir alle mit Schmerz der schweren Opwr, die dem Vaterlande gebracht werden mußten. Tiefe Lücken sind in unsere Familien gerissen. Das Leid dieses furchtbaren Krieges hat kein deutsches Haus verschont. Die als Knaben in junger Begeisterung die "rsten Truppen hinausziehen sahen, stehen heute neben den Vätern und Brüdern selbst als Kämpfer in der Front. Heilige Pflicht gebietet, alles zu tun, daß dieses kostbare Blut nicht unnütz fließt. Nichts ist von uns verabsäumt Ivorden, um den Frieden in die zerstörte Welt zün'ickzusühren. Noch aber findet im feindlichen Lager die Stimme der Menschlichkeit kein Gehör. So oft wir Worte der Versöhnlichkeit sprachen, schlug uns Hohn und Haß entgegen. Noch wollen die Feinde den Frieden nicht. Ohne Scham besudeln sie mit immer neuen Verleumdunaen den reinen deutschen Namen. Jminer wieder verkünden ihre Wortführer, daß Deutschland vernichtet werden soll. Darum heißt es weit-r kämpfen und wirken, bis die Feinde bereit sind, unter Lebens>'echt anzuerkennen, wie wir es gegen ihren übermächtigen Ansturm siegreich verfochten und erstritten haben. Gott mit uns'
Im Felde, 31. Juli 1918.
Wilhelm I. B.
Df eBot'd'aftöes Kaifers an Heer undMarine.
An das deutsche Heer und die deutsche Marine!
Vier Jahre ernster Kriegszeit liegen hinter Euch. Einer Welt von Feinden hat das deutsche Volk mit seinen treuen Verbündeten siegreich widerstanden, durchdrungen pon seiner gerechten Sache, gestützt auf sein gutes Schwert, und im Vertrauen auf Gottes gnädige Hilfe! Euer stürmischer Angriffsgeist trug im ersten Jahre den Krieg in Feindesland und hat die Heimat vor den Schrecken und Verwüstungen des Krieges bewahrt. Im zweiten und dritten Kriegsfahre habt Ihr durch vernichtende Schläge die Kraft des Feindes im Osten gebrochen. Währenddem boten Eine Kameraden im Westen gewaltiger Übermacht tapfer und siegreich die Stirn. Als Frucht dieser Siege brachte uns das vierte Kriegssahr im Osten den Frieden. Im Westen wurde der Feind von der Wucht Eures Angriffes emp- findlich getroffen. Die gewonnenen Feldschlachten der letzten Monat? zählen zu den höchsten Ruhmestaten deutscher Geschichte. Ihr steht mitten im schwersten Kampf. Die verzweifelte K r a ft a n st r e n- gung des Feindes wird, wie bisher, an Euer Tapferkeit zunichte werden. Des bin ich sicher und mit mir das ganze Vaterland, llns schrecken nicht amerikanische Heere, nicht die zahlenmäßige Übermacht. Es ist der Gei st, der die Entscheidung bringt. Das lehrt die preußische und deutsche Geschichte, das lehrt der bisherige Verlauf des Feldzuges.
In treuer Kameradschaft mit meinem Heere steht meine Marine in unerschütterlichem Siegeswillen im üampfe mit dem vielfach überlegenen Gegner. Den
vereinten Anstrengungen der größten Seemächte der Welt zum Trotze führen meine Unterseeboote zäh und des Erfolgs gewiß den Angriff gegen die dem Feinde über die See zuströmende Kampf- und Lebenskraft^ Stets zum Schlagen bereit, bahnen in unermüdlicher Arbeit die Hochseestreitkräfte den Unterseebooten den Weg ins offene Meer und sichern ihnen im Verein mit den Verteidigern der Küste die Quellen ihrer Kraft.
Fern von der Heimat hält eine kleine heldennrütige Schar unserer Schutztruppe erdrückender Übermacht tapfer stand.
In Ehrfurcht gedenken wir aller'derer, die ihr Leben ffir das Vaterland Hingaben. Durchdrungen von der Sorge für die Brüder im Felde, stellt die Bevölkerung daheim ihre ganze Kraft in entsagungsvoller Hingabe in den Dienst unserer großen Sache. Wir müssen und werden weiterkämpfen, bis der Bernichtungswille des Feindes gebrochen ist. Wir werden dafür jedes Opfer bringen und jede Kraftanstrengung vollführen. In diesem Geiste sind Geer und Heimat unzertrennlich verknüpft. Ihr einmütiges Zusammenstehen und ihr unbeugsamer Wille wird den Sieg im Kampf für Deutschlands Recht und Deutschlands Freiheit bringen. Das walte Gott!
^(gez.) Wilhelm l. R.
Der Kr 5 e<iSfle8an*!e im 5. Kriea-gfobr.
W. T.-B. Berlin, 1. Aug. Unter dieser Überschrift schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.": Der Eroberungsgedanke ist kein nachhaltig wirksames Kriegsmotiv. Es bedurfte für die Entente eines stärkeren Anreizmittels, wie eine systematische Verleumdung des Gegners. Deutschland soll de: Friedensstörer sein, der die Weltherrschaft erstrebt. Indem man die Deuffchen als die Hunnen und Barbaren verschrie, wälzte man allen Verdacht von sich selbst ab und erregte zugleich in den Massen die Instinkte der Furcht und des Hasses, die sie die Waffen mit der gewünschten Erbitterung und Zähigkeit führen ließen. Mit Verkehrung von Ursachen und Wirkung ward uns, die wir, von mehreren Seiten bedroht, zur Kriegserklärung gezwungen waren, die Urheberschaft am Kriege zngrschoben. Die Vorstellung von dem großen deuffchen Unrecht, oas die anfänglichen Ententeführer durch die unwahrsten Beschuldigungen und unflätigsten Beschimpfungen erzeugt hatten, hat alsdann der amerikanische Präsident noch zu verstärken gewußt, indem er unserem monarchisch-militaristischen Staats shstern seine Welt von dem demokratisch-pazifistischen Zukunstsstaat entgegenhielt. Als echter Amerikaner, ein Gemisch von Idealismus und Militarismus, suchte er seinem Land einen möglichst großen Gewinn aus dem Krieg und sich selbst den Ruhm eines Menschheitserlösers zu sichern. So ist, wie in der Zeit der französischen Revolutionskriege nur die Verwirklichung der Humanitätsidee zugrunde lag, wieder eine stdre, die den wahren Kriegszweck verdecken sollte, ein dem unerhörtesten Weltbetrug entstammender Wahn, der die irregeleiteten Völker zu einem Kreuzzug gegen die vermeintlichen Feinde des Friedens, der Freiheit und der Gerechtigk sit entflammte, zum leitenden KrieaSgedanken geworden. Gewiß ein starkes Kriegsmotiv, das mit allen Vernunftsgründen nicht zu entkräften, sondern nur mit Waffengewalt aus der Welt zu schaffen ist. Wir kämpfen jetzt für den Sieg der Wabrbeit. Das verleiht unserer Kriegführung einen neuen offensiven Geist. Das soll unsere Losung im fünften Kriegsjahr sein
Der Tanesberi^l vom 1. 5lri"ust.
IV. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Aug. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rnppreckft.
Zwischen Avern und Bailleul am frühen Morgen vorübergehend lebhafter Feuerkampf. Die tagsüber mäßige Aitillerretätigkcit lebte am Abend an vielen Stellen der Front in Verbindung mit Erkundungsgcfechten auf.
Heerrsaruppe Deutscher Kronprinz.
Östlich von Före - en - Tardenois sctzte der Franzose am Nachmittag wiederbolt zu heftigen Teilangriffcn an. Wir warfen den Feind im Gegenstoß in seine Ansgangslinien zurück. An der übrigen Kampffront Artilleriefeuer wechselnder Stärke. Kleinere Borfeldgefechte.
Nordöstlich von Perthes versuchte der Feind nach starker Feuervorbereitung den ihm am 30. Juli entrissenen Stützpunkt wieder zu nehmen. Er wurde unter Verlusten abgrwieien. Erfolgreicher eigener Vorstoß südlich des Fichte!- berges und in den Argonnen.
Heeresgruppe Herzog Aldrecht.
Jnfanteriegefechte an der Mosel und im P a r r o y - Walde. Hierbei machten wir Gefangene.
Der Gegner verlor gestern an der Front im Luftkampf und durch Abschuß von der Erde aus 2 5 Flngzenge. Weiterhin wurde ein im Aagriff-Fluge gegen Saarbrücken befindliches englisches Geschwader von sechs Großkampfflug- zengen von unseren Front- und Heimatjagdkräften, bevor es seine Bomben abwerfen konnte, vernichtet. Aus einem zweiten ihm folgenden Geschwader schossen wir ein weiteres euglffchcs Grvßkompfflugzeug ab.
Der Erste Generalqnartiermeister: Ludcndorff.
Ore Ententeverluste seit ttriegsbeginn.
W. T.-B. Berlin, 3t. Juli. Bereits am 2 . August 1917 betrugen Me Verluste des Verbandes nach vorsichtiger Schätzung über 13 Millionen Mann. Die blutigen Niederlagen des inzwischen vergangenen Kriegsjahves, die dem Verwinde überall neue unerhörte Opfer kosteten, haben diese Ziffer auf 2 5 Millionen erhöht. Hiervon hat Rußland seine Hilfe für die Machtvläne der Weststanten, nach einer Äußerung des Petersburger Preflekommissars Kusmin, am 15. Juli 1918 mit 41^ Millionen Toter, 6 Millionen Verwun- ieter und Krüppel und 3 Millionen Gefangener bezahlen müjsen. Die Franzosen und Engländer haben allein 1917 im flandrischen Bluffumpf weit über eine halbe Million '-Soldaten und in den efften drei Monaten der deutschen West- offensive 1918 eine weitere Million verloren. Rechnet man die schwere Einbuße der Franzosen am Chemtn des Dames im Oktober, der Engländer bei Cambrai im November 1917 und die jetzige, alles bisher an Verlusten Dagewesene übersteigende Gegenoffensive Fcchs hinzu, so zählt heute Frankreich über 5 Millionen, England über 2 800 000 ichwarze und weiße Tote, Verwundete und Gefanaene. Nicht weniger schwer hat Italien im 4. Kriegsjahr gelitten. Hatte es am 9. August 1917 1 600 000 Mann Verluste, so hat ei heute nach der 11. und dem Zusammenbruch der 12 Jsonzo- ichlacht 1917, die allein über eine halbe Million seiner Soldaten verschlang, und den Kämpfen an der Gebirgsfront und an der Piavefront 1918 weitere 800 000 Mann geopfert. Am vernichtendsten hat der Krieg die Volkskcaft der kleinen Hiffs- stauten des Verbandes getroffen. Serbien hat seine Teilnahme trat Kriege mit fast seiner ganzen erwachsenen männlichen Bevölkerung bezahlt, Rumänien hat die Hälfte seiner Armee verloren. Rechnet man Belgier, Montenegriner und Amerikaner hinzu, so ergibt sich eine Gesamtziffer der Ve'r- bandsverluste, wie die Einwohnerzahl Spaniens und Portugals zusammengerechnet, von 25 Millionen Menschen.
Starke Esilanariffe ves Feindes "elcktze'tert.
W. T.-B. Berlin 31. Juli. In den letzten Tagen sind wiederholt fünf, und sechö-malige Angrisie des Feindes gescheitert. Am 30. Juli griff der Gegner wiederum beiderseits Färe-en- TardenoiS in dichten Wellen an und richtete auch an der süd- östlich anschliescnden Front bis zum Menniere-Walde hin noch heftiger Artillerievorbereitung wiederholt starke Teilangriffe gegen die deutsche Front. Hier waren cs Franzosen und Amerikaner, die bis zu 10 Wellen tief anliefen, unter schwersten Verlusten wur- den sie abgewieien. Hinter dem zurückflntenden Gegner nachstotzend, setzte unsere Jniarterie zeitweise im Vorgelände vor den bisherigen Stellungen sich fest An: Ostronde des Meunier-WaldeS brachen ebenfalls sechsmalige feindliche Angriffe zusammen. Hier schlug unser zulammcngefaßtes Artillerie- und Maschinengewehrfeuer verheerend in die anstürmendeu Feinde und dezimierten eine Angrfffs- welle nach der andern Die erfolgreiche Abwehr der gestrigen feindlichen Angriffe auf der Front von westlich Fere-en-Tardenois bis. südlich des Mcnmöre-Waldes erhöht aufs neue die vom Feinde vergeblich gebrachten Blntopfcr, die bei dem so oft wiederholten An- sturni ganz anftrccdintlich schwere waren.
Der Erfolg i» der Champagne.
W. T.-B. Berlin, 31 Juli Die Zahl der vorgestern südlich des F i ch t e l - B e r g c S cingebrachten Gefangenen hat sich auf 211 erböht. Am 30 Juli bemächtigte nach kurzer Artillerievorbereitung ein eigner Stoßtrupp von 82 Mann iich eines feindlichen Stutzpunktes nordöstlich von Perthes und nahm dabei 3 Offiziere und 82 Mann gefangen. Zwei feindliche Gegenangriffe wurden blutig abgewreicu.
Erneute Veschiotzunc, von Dünkirchen.
W. T.-B. Bern, 1. Aug. (Drahtbericht.) Der „Matin" meldet aus Dünkirchen' In der Nacht zum 26. .Juli übet flogen deutsche Flieger Dünkirchen und belegten die Stadt mit 66 Lufttorpedos schwersten Kalibers, die einen bedeutenden Schaden verursachten. Am 26. Juli hat die Beschießung durch ein Ferngeschütz begonnen.
Die Unterbrechung der franzgftschen Offensive.
Br. Basel, 1. Aug. (C!g Drahtbericht, zd.) Der Berichterstatter des „Sccolo" im französischen Hauptquartier bereitet ln einem lävgireu Telegramm auf eine Unterbrechung der französischen Offensiv.! vor. Die weiteren Operationen bedürsien e r st Vorbereitungen nmfalseuder Art.
Holländische Betrachtungen zu Fachs Mißerfolg.
W T.-B. Anistcidam, 31. Juli. Der militärische Mitarbeiter der „Tijd" schreibt Die Absicht von Foch, die Deutschen im M a r n c l> o g c n a b .; u s ch n e i d e n , die durch seine energischen Angriffe in bet Richtung Soissonc deutlich zutage trat, ist nicht geglückt. Seisiin? bat den Ansturm ausgehailcn. Nach den deutschen Zeitungen scheint mit dem Rückzüge nur die rückwärtig: Konzentration von Reserven beabsichtigt zu sein, also ein Zurücktreten, um für den nächsten Sprung besseren Anlauf nehmen zu können. Es ist sehr aut möglich, daß es sich jetzt um einen Bewegungskrieg, nichi mit einen Stellungskrieg mehr handelt.
Der Malvq-proretz.
W. T.-B Bern, 31. Juli. Caillaux richtete einen neuen Brief an den Senattpräsidemen Tubost, in dem er dringend bittet, im Malvy-Prczeß vernommen zu weiden. Das Urteil im Malvy- Prozeß düifte Ende der lausenden oder Anfang dar nächsten Woche gefällt werden. Die Prisse ist in dieser Frage immer noch in zwei Lager gespalten. Die Presse der Rechten ist über die Aussagen der ehemaligen Ministerpräsidenten sehr aufgebracht. „Action fran- qaise" verlangt, nian solle Bwiani, Briand und Ribat in Anklage- zustand versetzen. Die Presse der Linie« freut sich. „Die Lust je, endlich gereinigt," schreibt .HmnamIL"-
