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Mittwoch. 31. Juli 1918.

6 bend-klusgabe.

Nr. 352. . 66. Jahrgang.

Attentat gegen Zeldmarschall o. Eichhorn.

Ein neuer Meuchelmord der Entente.

W. T.-B. Kiew, 30. Juli. (Amtlich.) Gegen Feldmarschall v. Eichhorn »nd seinen persönlichen Adjutanten Haupt- mano v. Dreßler warde 2 Uhr nachmittags auf dem Wege vom Kasino nach seiner Wohnung in d>'ren unmittelbarer Nähe durch einen in einer Droschke an sie heranfahrenden Mann ein Bombenattentat verübt. Beide sind sehr fchwer verletzt. Attentäter und Kutscher sind verhaftet. Die bisherigen Feilstellnngen deuten auf die Urheberschaft der sozialrevolutionären Partei ia Moskau, hinter der erfahrungsgemäß oie Entente steht.

W. T.-B. Kiew, 30. Juli. (Drahtbericht.) Feldmarschall ».Eichhorn ist heute um 10 Uhr abends seinen Ver­letzungen erlegen, kurz vor ihm desgleichen Haupt­mann v. D r e ß l e r.

»

®ie_ verbrecherische Umtriebe der Entente in Ruß­land, die, wie wir erst in unserem Leitartikel der gestri­gen Abend-Ausgabe dargetan haben, vor keinem Mittel zurückscheut, um Deutschland im fernen Osten rn einen neuen Krieg zu verwickeln und die Bolschcwiki zu stürzen, hur sich ein neues Opfer erkoren. Wenige Wochen nach der Ermordung des Grasen Mirbach, des deutschen Gesandten in Moskau, hat sie Kiew zum Schauplatz eines verabscheuungswürdigen Verbrechens gewählt und gegen den deutschen Befehlshaber für die" Ukraine und die dortigen russischen besetzten Ge­biete, den Generalfeldmarschall v. Eichhorn und seinen Adjutanten Hauptmann v. Dreßler in hinter­hältiger Weise einen Bombenanschlag verschuldet. Die beiden Attentäter oder besser gesagt, die gedungenen Mörder sind wohl verhaftet, die wahren Schuldi­gen aber, die Partei der Sozialrevolutionäre und ihre cntentistischen Hintermänner, deren Beziehungen bis nach London und Paris reichen, wird man ebensowenig fassen können wie im Fall Mirbach. Sie kann nur das deutsche Schwert zur Besinnung bringen.

Daß Exzellenz v. Eichhorn dem Vielverband bei allen seinen jetzigen Unternehmungen im Osten und namentlich bei der Schürung des tschecho-slowakischen Aufstandes bezw. dem Vorgehen des Generals Horvat ein Dorn im Auge war, ist leichr begreiflich. General- feldmarschall v. Eichhorn versinnbildlichte in seiner Per­son jene Kraft, der wir die für die ganze Kriegslage so überaus wichtige „Wacht im Osten" zu verdanken haben. Die Winterschlacht in den Masuren, die Er­oberung von Kowno, der Durchbruch der Njemenlinie, der Vormarsch auf Wilna bezeichnen die wichtigsten Epochen seiner Führertätigkeit. Er war, als der Welt­krieg ausbrach, zunächst durch Krankheit verhindert, den ihm zugedachten Posten zu übernehmen. Aber sowie sich seine Gesundheit gebessert hatte, eilte er an die Front, wo ihm im Anfang 1915 das Kommando der in Ost­preußen neugebildeten 10. Armee übertragen wurde. „Die Armee Eichhorn war der entscheidende Flügel in der Winterschlacht, der Sturmbock, der die Russen über den Njemen gejagt hat, und iß jetzt der Prellstein, an dem der russische Angriff zerschellt ist und zerschellen wird." Mit diesen Worten hatte der Generalfeld­marschall v. H i n d e n b u r g die Tätigkeit der Armee Eichhorn bei dem goldenen Militärjubiläum des da- maligen Generalobersten am 1. April 1916 treffend be­zeichnet. Vom Februar bis August 1915 schützte er dann in befestigten Stellungen Ostpreußen gegen alle Angriffe und Durchbruchsversuche der Russen. Im August ke'-mte auch er die Offensive wieder ergreifen. Als Sturmbock rannte er wider den Feind an, eroberte Kowno, überschritt den Njemen. befestigte Wilna und drang iveit darüber hinaus nach Osten vor. Wo der Feind Widerstand zu leisten suchte, wurde er ange­griffen und geschlagen. Wieder befand sich die Armee Eichhorn auf dem entscheid?nd->n äußersten Nordflügel, dessen Bewegungen gegen die Flanke und rückwärtige? Verbindungen der Russen gerichtet waren. Wenn die Umzingelung und damit die Vernichtung dos Gegners nicht in vollem Umfangs gelang, so lag dies lediglich daran, daß sich der Russe durch eiligen Rückzug der 1 letzten großen Waffenentscheidung entzog. Im Sep­tember war die von der Obersten Heeresleitung bezeich­net? Linie erreicht, di,? Offensive wurde eingestellt und befestigte Stellungen bezogen. Generaloberst v. Eichhorn erhielt jesit den Befehl über eine Heeresgruppe, die sich von der Ostleeküste bis in die Gegend südlich von Wilna erstreckte. Über zwei Jahre war er der Prellstein, an dem alle russischen Angriffe abvrall- ten. Obwohl die Gegner mehrmals mit stark über­legenen Kräften einen Durchbruch versuchten, konnten ihre Vorstöße unter den schtverftsr Feindesverlujten ab»

gewiesen werden. Große Schlachten entwickelten sich. Hatte der Generaloberst in früheren Kämpfen seine glänzenden Führereigenschaften in der Offensive gezeigt, so bewies er jetzt dieselbe Meisterschaft in der Ab- wehr. Die im Dezember 1917 erfolgte Ernennung zum Generalfeldmarschall war die äußere Anerkennung seiner hervorragenden Dienste in der Grenzwacht im Osten, nachdem er noch kurz zuvor an der Düna bei Riga und Jakobstadt glückliche Offensiounternehmungen mit beschränktem Ziel durchqeführt hatte.

t Als einer der erfolgreichsten Heerführer des Welt­kriegs wird der Generalfeldmarschall v. Eichhorn für alle Zeit in der dankbaren Erinnerung des deutschen Volkes leben, als einer der Bezwinger der russischen Millionenheere, als der Sieger über die russische Dampf­walze.

*

Die militärische Laufbahn des Ermordeten.

Generalfeldmarschall v. Eichhorn hat ein Alter von 70 Jahren erreicht. Er ist am 13. Februar 1848 in Bres­lau geboren, wo sein Vater Regierungspräsident war. Seine Großväter waren der Staatsminister v. Eichhorn und der be- rübmte Philosoph Tchelling. Er trat 1866 als Junker ins 2. Garde-Regiment z. F. ein, wo er den Feldzug mitmachte. Wie Generaloberst v. Bülow machte er im 2. Garde-Land- wehrregiment als Sekondeleutnant den Feldzug in Frankreich mit und erwarb sich das Eiserne Kreaz 2. Klasse. Vom Jahre

1872 ab besuchte er dann die Kriegsakademie, wurde dort

1873 Premierleutnant und 1876 zum Großen Generalstab kommandiert. Diesem Kommando folgte 1878 ein solches zur 60. Infanterie-Brigade, damals in Metz, wo er auch Haupt­mann wurde. Im Jabre 18 7 0 kam er zu seinem Regiment zurück und führte dort bis 1883 oie 12. Kompanie. Unter Ver­setzung zum Generalstab der Armee war er dann 1884 noch einmal kurz bei der 30. Division w-eder in Metz, 1886 beim Großen Generalstab und von 1886 bis 1888 Generalstabs- rffizier bei der dem Grohherzoq Friedrich I. von Baden unter­stellten 5. Armceinspektion in Karlsruhe. Hier wurde er 1886 auch Major. 1889 wj rdr -er wieder als Generalstabs- cffizier zur 2. Division nach'Danzig veisetzt, war 1890 zur Dienstleistung beim Genecalstab des 1. Armeekorps in Königs­berg kommandiert und kehrt- noch im gleichen Jahr nach Danzig zurück, als Generalstabsoffizier lei dem neugebildeten 17. Armeekorps. 1891 wurde er unter Beförderung zum Oberstleutnant Ebef der 2. Abteilung im Großen Genecal- stab und 1892 Eher des Stabes beim 16. Armeekorps in Karls­ruhe. In dieser Stellung wurde er am 14. Mai 1894 Oberst und erhielt sodann das Kommando über das Grenadier- Regiment Nr. 8 in Franksiirt a. d. O. 1896 wurde er als Ehef des Stabes des 6. Armeekorps nach Breslau versetzt und erhielt den Rang eines Brigadekommandeurs. Seine Beförderung zum Generalmajor erfolgte am 20. Juli 1897, jedoch blieb er Ehef des Stabes, bis ec 1899 Kommandeur 1er 18. Brigade in Lregnitz wurde. Als Generalleutnant und Kommandeur der 9. Division kam er am 18. Mai 1901 nach Glogau. Kommandierender General des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. wurde er 1904 und am 24. Dezember 1905 General der Infanterie. Am l. Januar 1913 wurde er zum Generaloberst und Generalinspekteur der neugebildeten 7. Armeeinsvektion (16., 18. und 21. Armee­korps) in Saarbrücken ernannt. Generalfeldmarschall v. Eich­horn ist Ritter des Schwarzen Aolerordens und steht äk suite des Grenadier-Regiments Nr. 8. Seit 1880 ist er mit Jenny geb. Jordan, verheiratet. Er hat eine Tochter und zwei Söbne. von denen einer Regiernngsasseffor, der andere Ober­leutnant z. S. ist.

vor seinem Tod.

Ein Telegramm des Kaisers.

IV. T.-B : . Berlin, 30. Juli. (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser sandte an Feldmarschall v. Eichhorn folgende Depesche:

„Mein lieber Generalfeldmarschrll! Mit Entrüstung und tiefem Bedauern erhalte ich die Meldung von dem v e r a 6 * scheuungswürdigen Verbrechen, das gegen Sie und Ihren Adjutanten begangen wurde. Seien Sie meiner aufrichtigen, herzlichen Teilnahme versichert. Ich boffe und wünsche mit Gott, daß Jhiien baldige.Wiederherstellung be­schießen sein möge. Er erhalte Sie uns und dem Vaterlande.

Mit herzlichem Gruß Ihr wohlgeneigter König Wilhelm."

Die erste Vernehmung des Attentäters.

W. T.-B. Kiew, 31. Juli. CDrvMericht.) Der 23 Jahre alte Attentäter erklärte bei seiner Vernehmung auf dem Gouvernement, aus R j a s a n in Rußland zu stammen und gestern aus Moskau im Auftrag des kommu­nistischen Ausschusses in Kiew eingetrvfsen gu sein, um den Feldmarschall zu ermorden.

Tnakands Absichten in Sibirien.

W. T.-B. London, 30. Juli. (Reuter.) „Daily Mail" erfährt aus Wladiwostok vom 27. Juli: In ihrer Ant- w o r i ci: die vorläufige Regierung Sibiriens erklärte die englische Regierung, daß ibre Ziele auf die politische und wirtschaftliche Wiederherstellung Rußlands sowie die Vertreibung der feindlichen Streitkräfte ohne Einmischung in die inneren Angelege.che.iten Rußlands gerichtet seren.

Das Vorgehen der Uschecho-Sloroaken.

W. T.-B. Wladiwostok, 29. Juli. (Re iter.) Die Tschechen haben Simakowka, 200 Werst nördlich Nikolaj. besetzt und Maschinengewehre, Granaten, Handgranaten, Behälter für giftige Gase npü 200 000 Patronen erbeutet. — Laut Nachrichten aus Tscheljabinsk haben die Tschechen in Omsk die Mobilisierring der Jahrgänge 1912 bis 1920, in Kurgan die derjenigen van 1917 bis 1919 unter scharfem Protest der Arbeiter und Bauern befohlen.

Vig Gewaltherrschaft des Generals horvat.

IV. T.-B. Wladiwostok, 29. Juli. (Reuter.) Die heute von General Horvat veröffentlichte Proklamation emp­fiehlt allen amtlichen Verwaltungs-, Gerichts- und Finanz- Abteilungen in der Küstenprovinz, ihre Arbeiten wieder auf- zuneh^nen und sich, wenn erforderlich, an das Kabinett Hor- vats zu wenden. Es werden jetzt die Wahlen für den Ge- meindevat abgehalten, wobei sich drei Parteien gegenüber- stehen, die Bolschewiki, die fiir die Herstellung der Sowjets sind, die gemäßigten Sozialisten, die die vorläufige Regierung unterstützen, und die Kadetten, die Parteigänger Horvats sind.

Oie Gegrnmasi,rahmen der Sowsetregieruna.

IV. T.-B. Moskau, 29. Juli. Die Presse meldet: In den Militärbezirken des Uralgebietes wurden Kommunisien- Abteilungen gebildet und an die Front geschickt. — Die An­nahme von Postsendune>»n nach Sibirien ist angesichts der Kriegslage eingestellt. LkiiS P o st k o m m i s sa r i a t fordert zu unverzüglicher Gestellung aller 1896 bis 1897 geborenen Telegraphenbeamten und 1893 bis 1807 geborenen Ange­stellten auf, die in der Artillerie und bei Genietruppen ge­dient haben. — Der Rat der Volkskommissare bearbeitet den Entwurf eine? Dekrets über die GestellungSvflicht von Pferden und Transportmitteln. — Nach einer Meldung ans B a kft-veranstalteten Matrosen dort große Manifestatio­nen aus Anlaß ihrer Einberufung in die Rote Armee, — Der Ausstand der Weißen Gardisten in W o l s k wurde im Keim erstickt.

Englisch-französische vrutal?1ät in INurman.

W. T.-B. Moskau, 29. Juli. Wie „Jswestija" meldet, ist wegen der Erschießung von Rätemitglieoera in Kem ein? Kommission nach Mucman gereist, die bestätigt hat, daß der Rat in Kem verjagt und die Mitglieder erschossen wur-»> den. Die Kommission hat viel Material über Vorberei­tungen der Engländer an der Westküste des Weißen Meeres mitgebracht, das bald veröffentlicht werden wird. Eine „Nazarenus" gezeichnete Dcahtmeldnng aus Perro- sawoosk meldet die Flucht hungriger, halbnackter Bahnarbeiter der Murmanbahn vor den Mißhandlungen seitens der Engländer und Franzosen. Man schätzt die Zahl der Flücht­linge auf 15 000, für die Verpflegung und Unterkunft ge­fordert ist.

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Die Entente und Me Ermordung des Foren.

IV. T.-B. Wien, 30. Juli. Unter dieser Überschrift bringt die „Neue Freie Presse" eine Meldung vom 29. Juli folgen­den Inhalts: In grellem Widerspruch zu den scheinheiligen Beteuerungen, welche die Vertreter der Entente nach der Er­mordung des Zaren abgegeben haben, steht ihr Verhalten vor dem Ereignis. Die Entente, ungeachtet des Wunsches des russischen Volkes, den Krieg für beendet anzusehen und sich gleichfalls innerer Beruhigung zuznwendcn, hat alles getan, um die Leidenschaften anfzustacheln. An allen Ecken und Enden Rußlands zettelt sie Aufstände an. Ihr militärisches Eingreifen an der Murmanküite, der Kampf der tschecho­slowakischen Brigaden unter ihrer Leitung, ihre Bemühun­gen, die Japaner zum Eingreifen zu bewegen, haben eine Stimmung in Rußland geschaffen, die verantwortlich für die Ermordung des Zaren würde. Die Entente hatte es lange in der Hand, den Zaren und seine Familie aus den Gefahren zu befreien; sie hatte es aber unterlassen. Im Augenblick des Sturzes des Zaren hatte sie das Interesse an seiner Person verloren. Ihr einst hochgeschätzter Verbündeter war zu einer Verlegenheit geworden. Sein persönliches Schicksal ließ die Staatsmänner der Entente gleichgültig. Als die Macht Kerenskvs in vollem Glanze stand, hätte es nur des ernst­haften Wunsches der Entente bedurft, um den Zaren und seine Familie ins neutrale Ausland zu schaffen. Auch später ergaben sich wiederholt Gelegenheiten für die Entente, zu­gunsten des Zaren einzugreffen, obne daß ein solcher Schritt aber ernsthaft in Erwägung gezogen wurde. Durch den von thr geleiteten Vorstoß der Gegenrevolutionäre hat sie vielmehr den äußeren Anlaß zur Ermordung des Zaren gegeben.

klanmuna feindlicher Stellungen in kllltzanien.

IV. T.-B. Wien, 31. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 31. Juli, mittags:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Gebiet Sasso Rosso brachte uns ein erfolgreiches Stnrmtruppenunternehmen 27 Gefangene ein. An der ganze» venetianischen Gebirgsfront sehr lebhafte Fliegertätigkeit.

Albanien.

Unserem andauernden Druck nachgcbend, räumte der Feind heute früh an mehreren Stellen seine v o r d e r st en Linien.

Der Chef des GeneralstabS,