Verlag Langgasse 21
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Mittwoch, 31. Juli 1918.
Morgen-klusgabe.
Nr. 351. ♦ 66. Jahrgang.
Der Wirtschaftskrieg.
Deutschland soll vernichtet werden, das ist die Forderung der Entente. Da das militärisch nicht möglich ist. da wir auch trotz aller Bemühungen und aller Prophezeiungen nicht ausgehungert werden können, so sollen wir wirtschaftlich ruiniert werden. Um das zu erreichen, bereitet man bereits einen neuen Krieg im Anschluß an den Weltkrieg oor, den Wirtschaftskrieg gegen Deutschland. Der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Paris hat erklärt: Es ist dringend notwendig, daß die wirtschaftliche Abschnürung Deutschlands zur unumstößlichen Forderung der Entente- Politik wird. Die Alliierten haben nicht nur die für Deutschland unentbehrlichen Rohstoffe und Nahrungsmittel in Händen, sie besitzen mich den Weltmarkt. In ganz Deutschland mutz man wissen, daß dieser Markt ihm verschlossen sein wird.
Damit ist nun offen und klar vor aller Welt bekannt gegeben worden, daß das Endziel dieses Krieges ist- die wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands. Um dies Ziel zu erreichen, ist auch England in den Krieg eingetreten. Frankreich trieb die Revanchepolitrk, Rußland der Machthunger nach Galizien und Konstantinopel, England aber lediglich der Handelsneiö. Man hatte geglaubt, Deutschland in ganz kurzer Zeit niederwerfen zu können. Di« Entente hätte dann unser Vaterland zerstückelt und es wäre dann von selbst hilflos geworden und ausgesäialtet von jedem Wettbewerb. Die ganze Welt hat man gegen uns autmarschieren lassen und als die Entente verloren war, kani Herr Wilson, der ja seit Beginn des Krieges England in jeder Art und Weise unterstützt hatte zu Hilfe. Deutschland ist aber nicht ntederzuzwingen. Im innersten Herzen hat man bereits resigniert und tröstet sich, daß das Endziel, die wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands auch außerhalb des Schlachtfeldes erreicht werden kann. In den Blättern der Entente wird nun ganz klar bewiesen, daß das Ziel unter allen Umständen erreicht werden muß, Baumwolle, Flachs, Kupfer, Blei und Zink müßten wir von der Entente haben, ganz abgesehen von den Nahningsmitteln, und unsere Kolonien seien ja auch verloren.
Die Rechnung stimmt nicht ganz. Die Herren der- gessen vor allem, daß wir F a u st v f 3 n d e r in der Hand haben, außer Belgien noch das französisch- lothringische Erzbecken und als Tauschmittel im Handelsverkehr haben wir die Kohle, die ja schon gegenwärtig ein äußerst wichtiges Tawchmittcl im Verkehr mit den neutralen Ländern ist. Nicht zu vergessen- Eisen, namentlich aber K a l-i. Deutschland hat aber immer noch beinahe eine Monopolstellung in der Kaligewinnung. Trotz aller Bemühungen ist es den feindlichen Ländern nicht gelungen, in nennenswerter Weise Kali zu erzeugen. Werden die Verhältnisse in Rußland nach dem allgemeinen Frieden geklärter, dann werden wir auch von dort auf eine große Ausfuhr rechnen können, Baumwolle aber erhalten wir ganz abgesehen von Turkestan auch aus unseren Kolonien, denn daß Deutschland keinen Friedensvertrag unterzeichnen wird, der ihm nicht einen größeren Kolonialbesitz zusichert, darüber muß sich die Entente klar sein.
Die Politik des Hasses nach dem Kriege wird sich auf die Dauer nicht fortietzen lassen. Und alle die haßerfüllten Gesetze, die man beschlossen hat. die nur das eine Ziel haben, den wirtschaftlichen Einfluß Deutschlands zu verdrängen, werden sich nicht allzulange halten können. Die Welt ist aufeinander angewiesen und Deutschlands wirtschaftliche Tüchtigkeit, die nach dem Weltkrieg mit erneuter Energie einseben wird, wird schon dafür sorgen, daß wir uns wieder durchsetzen. Alle Absperrungsinaßregeln werden es nickt verhindern können, daß der deutsche Handel wieder die Meere befährt, daß er alte Beziehungen wieder anknüpft und daß er sich am allgemeinen Wettbewerb beteiligt. Wir haben in den vier Jahren Weltkrieg bewiesen, daß wir mit den Nahrungsmitteln durchhalten konnten. Soll es nötig sein, so werden wir auch nach dem Frieden noch eine Zeitlang weiter rationieren. Wir haben dnrchgehalten und werden auch weiterbin durchhalten. Die Aussichten des uns angedrohten Wirtschaftskrieges sind für die Entente noch geringer als die des Krieges mit den Waffen, den sie verloren bat, trotzdem sie die ganze Welt gegen uns anfmarschleren ließ. Deutschland wird sich vom Weltmarkt nicht ansschließen lasten, es wird sich feinen Platz an der Sonne wieder erringen, mag auch die „wirtschaftliche Abschnürung Deutschlands eine unumstößliche Forderung der Ententevolitik" sein. Es sind schon manche unumstößliche Forderungen um- gestoßen worden und auch diese wird, eher als es Herr WU La n umJ> iotna &umnhi> henfeu. axieiuai »ein.
Der deutsche Kbendberlcht.
W. T.-B. Berlin, 30. Juli, abends. (Amtlich. Draht- kericht.) Nach seiner Niederlage am gestrigen Tage verhielt sich der Feind heute r » h i g.
Die Leistungen des deutschen Heeres während des vierten ttrieasjahres.
B. A. Berlin, 30. Juli. ((Hg. Drahtbericht, zb.) Die Leistungen des deutschen Heeres während des vierten Kriegsjahres kommen in folgenden Wahlen zum Ausdruck: Den
Feinden wurden entrissen nnd von deutschen Truppen besetzt im Osten 198 256 Quadratkilometer, in Italien 15 243 Quadratkilometer, an der Westfront 5323 Quadratkilometer (tas geräumte Gebiet an der Mrrne nicht eingerechnet'; im ganzen 218 002 Quadratkilometer. Ferner halsen unsere Truppen vom Feind- bezw. von räuberischen Banden säubern: inFinnland 373 602 Quadratkilometer, in derUkraine 452 033 Quadratkilometer, in der Krim 25 727 Quadratkilometer. An Beute wurden eingebracbt: 7000 Geschütze,
24 600 Maschinengewehre, 751 972 G--wchre, 2 867 500 Schutz Artilleriemunision, '102 250 900 Schutz Jnfanteriemunitwn, 2000 Flugzeuge. 200 Fesselballone, 1705 Feldküchen, 300 Tanks, 3000 Lokomotiven, 28 000 Eisenbahnwagen und 65 000 Fahrzeuge. Die Zahl der im vierten Kriegsjabr gemachten Gefangenen beträgt 8 3 8 5 0 0, somit hat die Gesamtgefangenenzahl die Höhe von nahezu 314 Millionen erreicht.
Der französische Präsident an der Front.
W. T.-B. Paris, 29. Juli. Präsident Poincare ist gestern nachmittag zur Front abgereist.
Einzikhung der Jahresklaffe 1920 in Frankreich.
Sr. Paris, 30. Juli. (Eio. Drahtbericht, zb.) Ministerpräsident Clemenccau hielt am Samstagnachmittag vor der Heereskommiffion eine Rede über den Gesetzentwurf, betr. tie Einziehung der Jahresklasse 1920 Der Ministerpräsident vertrat den Standpunkt, daß soforsige Vorbereitungen dringend notwendig seien, da die militärische Lage Frankreichs dies verlange und die Heranziehung der letzten Hilfsmittel erforderlich mache. Nach den Ausführungen Clemencoans wurde der Entwurf der Regierung von der Heereskommiffion einstimmig angenommen.
Der prozetz Makvq.
W. T.-B. Paris, 30. Juli. (Drahtbericht. Agemce Havas.) Im seiner kurzem aber bestimmten Aussage vor dem rSersten Gerichtshof verteidigte Ri bot die Politik feiner Regierung. Er erklärte, daß er wälhremb der drei Jahre, in denen er mit Malivv zufamasiemgevrbeitet habe, diefiem als Kollegen und Mitarbeiter nichts vorzuwvvfen habe. Das Verhör wurde auf Die'wstag vertagt. _
Sur Versenkung der ..Justitia".
W. T.-B. Bern, 30. Juli. (Drahtbericht.) Der „Manchester Guardian" schreibt zur Versenkung der „Justitia", welche die Zeitung als ein« bemerkenswerte Episode des Tauchbootkrieges bezeichnet: Die Angabe, daß mehrere Tauchboote den Angriff ausführten, weist auf eine neue Taktik gegen das britische Geleitzugsystem hin. Bemerkenswert sei ferner, daß die zu Hilfe eilenden britischen Hilfsschifse die Versenkung nicht zu Verbindern vermocht hätten. Das Torpedonetz, das di; „Justitia" ausgelegt hatte, brachte zwar einige Torpedos zur Explosion, bildete aber keinen wirklichen Schutz. Ausfällig sei es übrigens, daß die Versenkung in Deutschland nnd Kopenhagen bekannt war, ehe die britische Admiralität sie angekündigt hatte, was auf eine gute funkentelegraphiicbe Verbindung der Tauchboote mit Deutschland schließen lasse. Die Zeitung schließt allgemeine Betrachtungen über den Tauchbootkrieg an und weist auf di; Vers-nkungsziffer des Juni bin. bte man entweder mit den ungünstigen früheren Monaten vergleichen und dem Himmel fiir eine Besserung der Lage danken oder aber für sich betrachten und über einen derartig schweren, den Alliierten zugefügten Schaden den Kopf schütteln könne. Sie kommt zu dem Schluffe, daß nur ein erböbter Schiffsbau etwas nütze und bemerkt dazu: Daß wir aber hierzu gezwungen stao, ist eine unerträgliche Kraftvergeudung und ein berechtigte; Grund zur Unzufriedenheit über tie Anstrengungen, die Tauchbootverheerungen herab- zudrücken. _
Rußland.
Der TTt5r5er ftesffirafen M rhach fretaesprochen.
S. Stockholm, 30. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Jswestija" bringt einen Bericht über die Versammlung der Unken Sozialrevolutionäre vom 12. Juli, auf der über den Bruch zwischen den beiden Parteiricht ingen entschieden wurde. Die erste Gruppe forderte die Unterstützung der bolscbewissi- schen Regierung und verurteilt; di; anarchistischen Attentate. — Der Führer der aus der Partei ausgetretenen Gruvpe Kalagajew wurde von der Anklage des Mordes an dem Grafen Mirbach freigesprochen.
vre Cholera in petersbura.
Br. Steckholm, SO. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Ms Peters- burger Zeitung „Rntzki Listok" druckt einen Ausruf des Petersburger Stadtlonimcmdcmten an alle Stadtbewohner ab, in den, er diejenigen, welche nicht unumgänglich an Ine Stadt gefesselt sind, aufforderl,
üch uwvwchchtch aus der Stadt zu entseruen, da infolge der Cholera
und Hurgcrsuot die verzweifelte Lage der Siadt sich täglich verschlechtere. Über ' die Verbreitung der Cholera in Petersburg teilt ,Ruß!i Lh-sinik" mit: Me Ausrufe, rein ungekochtes Wasser zu trinken, seien von len Wänden verschwunden. Me Einwohner trinken alle rnrpesleles Wasser, denn das Holz ist unbezahlbar teuer, außerdem habe» alle verzehrenden Durst, denn vas einzige N a h r u n g c-in i r t e l, da- cs in der Stadt gibt, ist der ge- s a I z e n e H e r i n x Zum Kampfe gegen die Seuche werden nervöse dcmagrgisckie Maßnahmen getrosten. Die zahlreich aus rLaien gebildeten brlschewistischen Komitees treffen widersprechende siinilcse Ancrdiiungen So ist u. a. besohlen worven, baß jede Bourgeois-Wobnnng einen Proletarier aus einem worcraoerseuchleir proletarischen Viertel aninebmcn müsie. Auf den Kirchhöfen verwesen Ta il sende von Lerchen unbegraber,.
Die russisch-ukrainischen Zriedens- verhandlunoen.
Br. Zürich, 30. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Laut der „Neuen Zürcher Ztg." meldet das ukrainische Telegravben- Bureau aus Kiew, daß die rusnsch-ukraintschen Friedensverbandlungen in ein kritisches Stadium ein getreten seien, da die russische Abordnung die Abtretung von Gebieten verlange, welche zweifellos ukrainisch sind.
K
Rumänisch-ukrainische verständisunq.
Br. Bukarest, 30. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie die Jassyer Zeitung „Tribu-na" meldet, sind (die zwischen der rumänischen und ukrainischen Regierung herrschenden Streitigkeiten behoben worden. Die Ukrainer verzichten auf ihre Ansprüche auf Betzarabien, erhalten dagegen von Rumänien gewisse wirtschaftliche Zugeständnisse.
England.
Gesetzliche Regelung einer englischen Piraten-Übung.
W. 1 .-B. Bern, 30. Juli. -Drahtbericht.) Das englische Unterhaus hat mit 24 gegen 7 Stimmen die dritte Lesung des neuen Prisengeldergesetzes angenommen, wodurch der uralten englischen Piraten-Übung, datz Offiziere und Mannschaften der Kriegsmarine einen Anteil an den sogenannten guten Prisen erhalten, in typisch englischer Weise das Mäntelchen der Legalität und des Wohlanstandes un,gehängt wird. Das Gesetz setzt eine bestimmte Skala der Anteile fest, die den Prisengeldbcrechtigten an dem Erlös der Schiffe mit Ladungen zustehen. Dabei erhalten der Admiral de: Grotzflotte 20 000, andere Admiral; 1250 bis 500, Kommodore 750 bis 160, Kapitäne nir See 160 bi? 100, sonstige Offiziere 100 bis 10, Midsbipmcn und Deckoffiziere 10, Unteroffiziere 6 und Matrosen 8 bis 2 Anteile. Anscheinend lerrscht bei den Angehörigen der englischen Handelsmarine ein starkes Mißvergnügen, datz sie an dem Raube nicht teil- tebmen können. Nack Angaben NamaraZ hatte der Prisen- gelterfonds am 30. Juli di; Summe von 10 Millionen Pfund Sterling erreicht, der nach Abzug der herkömmlichen Tantieme an das Admiralität-Samt an die Prisengeldberechtigren verteilt werden wird.
Die Londoner Lebensmittelkonferenz.
XV. T.-B. Amsterdam, 30. Juli. (Drahtbericht.) Nach einer Reutermeldung wird dis Konferenz der Lebensnsittel- kontrollenre von England, Amerika, Frankreich und Italien diese Breche schließen. Ein interalliierter Lebensmittelrot lei jetzt zur Tatsache geworden. Die Entschlietzung, die die Notwendigkeit sparsamer Wirtschaft betont, endet mit den Worten- „Wir können das Lebensmittelprvblem nicht ans der Grundlage eines einjährigen Krieges behandeln. Wir müssen uns auf eine lange Dauer vorbereiten, wenn wir den absoluten Sieg sichern wollen."
Nrue englisch-italienische Rbbommen.
Br. Lugano, 30. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie der „Corwere della Sera" aus London meldet, haben die wiederholten Beratungen des in London eingetroffenen italienischen Schahministers und des Versorgungsministers mit den englischen Ministern zum Abschluß mehrerer Abkommen zwischen den beiden Regierungen geführt, die eine Erweiterung der Abkommen von 1915 dacstellen und namentlich die Siche- tut.g Italiens betreffen fiir eine wirksame finanzielle Beteiligung Englands an den italienischen Kriegskosten, an der Versorgung Italiens mit Rohstoffen und an der Unterstützung der italienischen Wechselkurse auf dem Londoner Markt.
ver amtliche türkische Nericht.
W. T.-B. Konstantiaovel. 30. Juli. (Amtlich. Dvahtbe- richt.) Palästinafront- Der gestrige Tag stand unter tem Zeichen der gesteigerten Gefechtstätigkeit. Im Küstenabschnitt griff der Engländer nachts nach heftiger Artillerievorbereitung unsere Vorpostenstellung an. Er wurde überall blusig abgewiesen. Vorübergehend eingedrungene Teile des Gegners wurden im Nabkampf erledigt. Unsere Stellungen sind unverändert in unserer Hand Beiderseits der Straße Jerusalem - Nablus entwickelten sich Arsilleriekämpfe in wechselnder Stärke. Östlich der Straße bis zum Jordan stießen mehrere Patrouillen iNdiefeindlicheStellung und'holten Gefangene heraus. Auf dem östlichen Jordanufer bescheffen wir schanzende Truvven des Gegners und vertrieben feindliche Aufklätmngsabteilungen. Eine unserer OffizierSvatrouillen führte ein längeres erfolgreiches Gefecht mit starken feindlichen Erkundnngsibteilungen und brachte Beute eiu. Aus der übrigen Front ist die Lage unverändert,
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