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Dienstag, 30. 3uli 1918.
fib€!l6sföU§QCtt>€« Nr. 350. . 66. Jahrgang.
vor der Entscheidung in Rußland.
Die Lage in Rußland beginnt sich zu klären. Aus dem Wust englischer Bluffmeldungen und bolschewistr- scher Notnachrichten schält sich die Wahrheit heraus: Es steht schlecht in Moskau und es steht auch für die Entente nicht sonderlich gut in Rußland. Ain Ural vermochten die Roten Garden dem Andringen des Feindes Halt zu gebieten. In I a r o s l a w, sozusagen schon vor den Toren Moskaus wurde die g e g e n r e v o l u- tionäre Bewegung aufs Haupt geschlagen. 1500 Gefangene, darunter 98 gebildete Führer, Generale, Ingenieure, die sofort erschossen wurden, das ist ein zwar an sich trauriger, ^ür die Moskauer aber erfreulicher Erfolg der Sowjettruppen. Trotzdem scheinen die Männer der Revolutionsregierung die Gefahr, die ihnen und dem ganzen derzeitigen Friedenszustand droht, nicht zu verkennen. Trotzky erklärte (wie wir berichteten) auf der Gouvernementskonferenz der Fabrikkomitees am 24. Juli ausdrücklich, daß von der Besiegung des tschecho-slowakischen Arifstandes alles abhängt. Die Tschecho-Slowaken sind rhm — er sieht sehr klar — die „Mietlinge der französischen und englischen Börse". Das Ziel der Entente rst „eine neue Ostfront zu schaffen". Er weiß, daß Deutschland im Falle des Gelingens des Ententevlanes keinen Augenblick mit der kriegerischen Antwort zögern wird und dann ist es nicht nur mit dem Frieden im Osten, sondern auch mit der Sowjetregierung zu Ende. Trotzky bringt auch in durchaus richtiger Abschätzung der Gefahr die tschech o- slowakische Frage in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Durchhalten Rußlands. Siegen die Tschecho- Slowaken, so wird in Moskau auf absehbare Zeit hinaus überhaupt kein Brot mehr verteilt. Siegen die Roten, so fällt ihnen die reichste Ernte an der Wolga in die Hände, „und dann sind wir unbesiegbar".
In merkwürdigem Widerspruch zu dieser mutigen Haltung Trotzkys steht die Erklärung Ts ch i t s ch e r i n s, des. Kommissars für auswärtige Angelegenheiten, gegenüber der Abreise der Ententegesandten von Wologda nach Archangel. Tsckitsäierln meinte dazu (wie wir in der Sonntags-Ausgabe berichteten) in der „Jstwestija", aus die Politik der russischen Republik werde diese Tatsache keinerlei Einfluß haben. Will der Moskauer Außenminister nicht sehen, was sich da begab? Die diplomatischen Beziehungen der Entente zu Moskau sind abgebrochen! Da hilft alles Bedauern nichts. Da hilft nicht der fromme Wunsch, es könnte sich noch ein Band zwischen der Sowsetregie- rung und der Ententediplomatie aufrechterhalten lassen. Das Band ist endgültig gerissen. Die Entente setzt nun alles auf die tsck>echo-slowakische Karte. Man ist in London und Paris überzeugt, daß es glücken muß, und man hat ja nach unendlichen Schwierigkeiten hinter den Kulissen endlich so etwas wie eine japanische Hilfe heransgequetscht. Hilst es nicht zu großen militärischen Erfolgen, so bringt es doch vielleicht die zögernden Gegenrevolustanäre in Moskau zum Losschlagen. Auf den Umschlag der Stimmung ist der große „Feldzug" berechnet. Aus diesem Grunde sind ja auch die Ententekonsulate den Gesandten, die Wologda verließen, nicht gefolgt. Sie bleiben in Moskau. Aber nicht aus Liebe für die Sowjetregiernng, wie Herr Tschffscherin glaubt oder in seiner Not glauben machen will, sondern um den vielen Gegnern der Bolschewist klar zu machen: Wir sind da, jederzeit bereit, euch die Hand zu reichen, euch britisches Geld in die Hand zu drücken und mit euch die Fahne des neuen Krieges im Osten zu entfalten. Fürwabr, es steht schlecht in Moskau, in dessen Kirchen Totenmessen für den Zaren abqehalten werden, in dessen Versammlungslokalen die Geaenrevolutionärr sich mit den englischen Agenten verbrüdern. Trotzky und seine Freunde, die dem tschecho-slownstschen Ansturm recht mutig ins Auge sehen, sollten sich auch den diplomatischen Machenschaften der Entente nicht verschließen, sondern offen der Heuchelei die Larve hernnterreißen. Man will den Untergang der bolschewMsch°n Herrschaft und dagegen gibt es nur den offenen, rücksichtslosen Kampf. Vielleicht kommt Herr Helfferich, der neue Gesandte Deutschlands, noch rechtzeitig noch Moskau, um in das letzte, das gefährlichste Sviel einznareifen. Er selbst ist um diese schwere und verantwortiingsreiche Aufgabe Wahrlich nicht zu beneiden.^ Aber er kann manches, sa alles resten. wenn er den Sowsetmännern das deutsche Entweder-Oder mit bismarckischer Geste deutlich macht. Entweder seht ibr in der Entente das. was sie ist, euren Todfeind, oder Denstchland beschwört selbst die Gefahr. Die neue Ostfront wird nicht zustande kommen!
Das Vorgehen des Generals Horvat.
W. T.-B. Charbin, 25. Juli. (Reuter.) Bewaffnete Dampfer, die von ©erttcal Horvad abgeschickt waren, vec-
trielen die Bolschewik an der Min da n g de« Ssrngar» in
den Amur. Bewaffnete Dampfer, ein Motorboot und vier Dampfer mit großen Vorräten wurden erbeutet. — Die Kosaken von Kalminkof, die mit den Tscheche-Slowaken gemeinsam Vorgehen und fiir den Aufmarsch noch Tschita die erforderliche Kavallerie stellten, haben den Druck, der auf Semenow ausgeübt wurde, ecleichtert.
Starke feindliche Angriffe am Gureq und bei Reimr.
Franzosen, Engländer und klmerikaner unter schwersten Verlusten zurLckgeworfen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 30. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Herresgruppe Kronprinz Rnpprrcht.
Rege nächtliche Erkundungstätigkeit. Teilan- griffc der En g l ä n d e r in Gegend Merris (nördlich der Lns) und beiderseits von A'yett: (südlich von Arras) wurden abgewiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der Kampffront griff der Feind unsere neuen Linien nördlich des Onrcg und unsere Stellungen auf den Waldhöhen südwestlich von Reims mit starken Kräften an. Franzosen, Engländer und Amerikaner wurden unter schwersten Verlusten für den Feind auf ihrer ganzen Angriffs- front zurückgeworfen.
Der Schwerpunkt des feindlichen Angriffs war gegen die Front Hartcnnes • Fere - en - Tardenois gerichtet. Hier stürmten dichte Angriffswellen des Gegners am Bor- und Nachmittag immer wieder von neuem an. Vor und an unseren Linien, teilweise in unseren Gegenstößen, brach der Ansturm zusammen. Am Nachmittag dehnte der Feind seine Angriffe über Fere-en-Dardenois nach Osten bis znm Walde von M e n n i e r e aus. Sie batten ebensowenig Erfolg wie Teilangriffe, die er am Morgen im Walde von Mcnniere, in den Abendstunden in breiter Front westlich von Ville-en-Tardenois führte. Südwestlich von Reims wiederholte der Feind zwischen Chambrecy und Brignp an einzelnen Stellen bis zu fünf Slalcn seine Angriffe und setzte sie bis znm späten Abend in heftigen Teilangriffen fort. Er wurde überall blutig abgewiesen.
In der Champagne vertrieben wir südlich vom Fichtelberg den Feind aus den Gräben, die er seit seinem Vorstitz am 27. Juli noch besetzt hielt, und nahmen einen feindlichen Stützpunkt nordöstlich von Perthes.
Leutnant Löwenhardt errang seinen 46. Lufrsicg.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
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Die ^rvnlverkürzuna tm Westen.
W. T.-B. Berlin. 29. Juli. Die in der Nacht vom 26. zum 27. Juli nach sorgfältiger Vorbereitung durchgeführte, vom Feinde zunächst unbemerkte Verlegung unseres Kampfgeländes in der Gegend be: Fere-ea-Turdenois und Ville-en- Tacdeuois erfolgte erst nach gründlicher Zerstörung aller dem Feinde nutzbringender Anlagen. Die Meldung, daß oft- und westpreußische Regimenter, die bereits seit Wochen aus den Höhen nocdwestüch van Chateau-Thierry eingesetzt waren und am 29. Juli hervorragenden Anteil bei der siegreichen Abwehr sta-ker feindlicher Teilangriffe bei und südöstlich Fere-en-Tardenois harten, «eigt am deutlichsten die Lügenhaftigkeit der französischen Meldungen über die angeblich ungeheuren deutschen Verluste. Diese französischen Erfindungen verfolgen lediglich den Zweck, die eigene Öffentlichkeit über die infolge des rücksichtslosen Masseneinsatzes selbst erlittenen außergewöhnlich Koben Opfer, hinwegzutäuschen und die eigene, über das Ausbleiben eines entscheidenden Erfolges beunruhigte Volksstimmung zu beschwichtigen.
Feindliche Mißerfolge lm ttemmeloebiet.
W. T.-B. Berlin, 29. Juli. Dem in der Nacht vom 27. zum 28. Juli in der Gegend des Kemmelgebietes vorübergehend gesteigerten feindlicheu Artilleriefeuer folgten mehrere vergebliche Vorstöße feindlicher Abteilungen. Ebenso wurden Patrouillen des Gegners bei St. Julien, an der Straße Upern-Zonnebeke und am Dser-Kanal abgewiesen Erfolgreiche eigene Streifabteilunnen brachten mehrfach Gefangene ein. Bei Oppy scheiterte nach heftigem Artilleriefcuer gleichfalls ein stärkerer feindlicher Vorstoß. Feindliche Bombenabwürfe auf Douai richteten beträchtlichen Häuserschcrden an und forderten Opfer unter der Zivil! evölkerung.
Amerikanisch« Verlustlisten.
— Berlin, 30. Juli, lzb.) Nach einer Meldung des ,B. L.-A." berichtet di: Korrespondenz Post aus New syork, daß die amerikanischen Verlustlisten vom 18. bis 26. Jul> 82 760 Namen enthalten.
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Fliegerleutnant Menkhoff vermißt.
_ W. T.-B. Köln. 30. Juli. > Drahtbecicht.) Der Flieger- leutnant Menkhoff aus Herford ist seit Donnerstag nicht von seinem Flug zurückgekehrt. Das Flugzeug landete hinter den feindlichen Linien. Das Schicksal Menkhoffs
itz uagcpKife
Die 5ldmiralstabsms!dunkl.
W. T.-B. Berlin, 29. Juli. (Amtlich.) Im Sperrgebiet um England wurden 15 000 Brt. versenkt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
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Das New Dorker „Journal of Commerce" weist darauf bin, daß die seitens der Verbandsmächte veröffentlichten Angaben über Schiffsverluste und Schlffsnenbauten vielfach weit auseinandergehen, l. Lloyd George erklärte Ende Mai in Edinburgh, daß im April mehr Schiffsraum gebaut als verloren Warden sei. 2. Zu dergleichen Zeit erklärte der fran- xöstsche Marineminister vor dem Senatsausschuß, daß Englands und Amerikas Schiffsbau im Monat April um 40 000 Tonnen den Schisfsverlust durch Unterseeboote übectrofsen habe. 3 Am 13. Mai erklärte derselbe Minister, daß im April W8 704 Tonnen vernichtet worden seien; der Washingtoner Bericht gab als amtliche französische Meldung einen Verlust von 581 631 Tonnen. Endlich bezifferte die enalische Adniiralität den Aprilverlust auf 305 102 Brt. 4. Der englische Schiffsneubau im Monat April wird amtlich mit 111 533 Brt. angegeben. Amerika lieferte '08 537 Tonnen ab und ließ 160 090 Tonnen vom Stapel. Nach dem Sprachgebrauch der englischen Presse bezieht sich die englisch? Angabe auf „Fertiastellung", womit aber gleichzeitig wohl auch .Ablieferung" gemeint ist. Woher Lloyd George seine Zahlen genommen hat, ist unklar. Der französische Minister hat offenbar die englischen Bruttocegistertonnen und die amerikanischen Ladegewichtstonnen zusammengezogen. In den beteiligten Kreisen wächst daber der Wunsch, daß bei der Berechnung des Schiffsraums Übereinstimmung herrschen möge:
Wiedereintritt ttsquiths in das englische Kabinett.
Br. Kopenhagen, 30. Juli. (Eia. Drahtbericht. zb.) Der Eintritt Asaiuiibs in die Regierung gilt für gesichert. Er wird voraussichtlich kein Ministerium übevrickhmon, scmbecn das Amt des Lordkanzlevs. Sein Zusammengehen mit der goge-nwärtiaen Regierung erfolgt ausschließlich unter dem Gesichtspunkt, daß die für den Heribjst dieses Jahres angesetzten Neuwahlen für ^das Unterhaus unter Hintanhaltung von Parteikän.psen stattfimden scllen. Dadurch soll der einmütige Entschluß des Landes, dem Krieg siegreich zu beenden, zum Ausdruck gebrecht werden.
Ltznrch ll hofft auf Veendiguny des Streiks
W. T.-B. London, 29. Juli. (Reuter.) In Beantwortung einer Anfrage im Unterhaus über den Streik in den Munitionsfabriken sagte C b u r ch i l l, die große Mehrheit der Arbeiter in Birmingham und ein beträchtlicher Teil der Arbeiter in Coventry habe die Arbeit wieder ausgenommen. ES sei zu hoffen, daß auch in Wollwich die ruhige Überlegung die Oberhand behalten werde Ec hoffe, daß morgen die Arbeit allgemein wieder ausgenommen werden würde.
W. T.-B. Amsterdam, 29. Juli. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus haben Versammlungen in einigen Mru.itionsbezirken beschlossen, Dienstag in den A u s st a n d zutreten, während andere sich dafür entschieden, die Arbeit nickst niederznlegen. In Coventry, wo die Ausstandbewegung begonnen hat, hat man beschlossen, die Entscheidung aus morgen zu verschieben. In Birmingham empsablen alle Bezirksausschüsse de: Streikenden, Montag die Arbeit wieder auszunekmren und die Entscheidung über den Ausstand dem nationalen Arbeiterausschuß zu überlassen.
IV. T.-B. London, 29. Juli. (Reuter.) Der Streik in Coventry ist b e e n d e t. Die Arbeiter nahmen die Arbeit scscrt wieder ans.
Englands „Dank" an Portugal.
W. T.-B. Zürich, 29. Juli. (Drabtbericht.) Wie aus London gemeldet wird, hat die englische Regierung nach dem Beschluß Porti gals, im größeren Maß am Krieg teilzuneh- mew, die Lssscboner Gesandtschaft zur Botschaft erhoben.
Die irische Frage.
IV. T.-Bl London, 30. Juli. (Drahtbericht. Unterhaus.) Die En.tschlieffuntz DillonS, die die irische Politik der Verwaltung mißbilligt, wurde mit 245 gegen 106 Stimmen ao - ge lehnt. Dillon beantragte, die Angelege nb eit solle dem Piräsidemten Wilson zur Regelung voryclegt ' werden. ASgnith machte darauf aufinenÄsam, daß. 1a die Premierminister der Dominions es Mehnten, sich mit einer derartigen 'Sache zu befassen, er bezweifeln müsse, ob Wilson, der mit seinen eigenen Angelegenheiten rastlos beschäftigt sei, sich dieser Aufgabe unterzichen werde, die schon vorher so viele Leute in die Irre geführt habe. Asgullh erinnerte an die wiederholten Versuche, einen Ausgleich zu erzielen und regte an, es sollten weitere Versuche gemacht werden. Bonar Law betonte, daß, wenn die Nationalisten das Recht der SelbsKrestimmuny fiir sich forderten, so möge Ulster das gleiche Recht gewährt werden. Schwierigkeiten beständen nicht zwischen Engländern und den Iren, sondern zwischen Iren nutz Iren. Die Erörterung verlies ohne Zwischenfall.
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Italienisch-englisches Wirtschaftsabkommen.
— Lugano, 30. Juli, (zb.) Wie „Corriere della Seva" aus London meldet, haben die wiederholten Beratungen
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