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Montag, 29. 3uli 1918. fil)€ltös&U§9Ctbt« Nr. 348. . 66. Jahrgang.
Dieverkürzung der deutschenweftsront
(Von unserer Berliner Abteilung.)
8. A. Berlin, 29. Juli. (Eig. Drahtbericht, bz.) In der Nacht vom 26. zum 27. Julr haben die deutschen Truppen das in der Aisnc-Osfensive den: Feind entrissene Gelände diesem zum Teil wieder uberlassen und sich unbemerkt 10 Kilometer weit zurückgezogen. Um den Vorgang verstehen zu können, muß man überlegen, wie sehr es dem Gegner darauf ankam, hier eine Entscheidung herbeizuführen lind die deutschen Truppen zu zwingen, sich ihren Aktionen einem fremden Willen unterzuordnen. Das war der Zweck der Deil- angriffe, die General Fach nach dem Mißlingen seines Hauptstoßes immer noch unternahm und die verhindern sollten, daß man im deutschen Lager die Ruhe gewinnen konnte, die zur Durchführung neuer Entschlüsse notwendig ist. Der Gegner tastete also während der Auffüllung und Ergänzung seiner abgekämpften Truppen ununterbrochen unsere ganze Front ab, um uns zu beunruhigen und die Nerven der kämpfenden Truppe zu ermüden. Unter solchen Umständen bedeutet es natürliche eine außerordentliche Leistung, sich unbeinerkt vom Feinde loszulösen und die Hauptmacht zurückzunehmen. Daß es gelungen ist, beweist uns, wie vorzüglich die Sicherungsabteilungen, die wir in dein verlassenen Gebiet zur Täuschung des Feindes ausstellten, gearbeitet haben.
Die Gründe, die das ganze Manöver nötig gemacht haben, ergeben sich aus der allgemeinen miliäri- s ch e n Lage, wie sie sich seit dem Beginn des Marneüberganges gestaltete. Wir hatten schon berichtet, daß es dem Feind danials infolge aller möglichen Schwätze- reien gelungen war, von den nächsten Plänen unserer Heeresleitung Kenntnis zu heroinmen und daß er seine Vorbereitungen entsprechend treffen konnte: Ausweichen seiner vordersten angegriffenen Linien und Gegenangriff an einer uns überraschenden Stelle. Infolgedessen war es nötig geworden, neue Entschließungen der neuen Lage gegenüber zu fassen. Unsere Front nahin eine sonderbar gezackte Forni an, durch die eine planmäßige Leitung der Kämpfe einigermaßen erschwert wurde, vor allem auch weil die deutsche Auskläruntz feststellte, daß beim Gegner die Absicht bestehe, seine Offensivhandlung auf die Gegend zwischen S o i s s o n s und Compiägne auszudehnen und auf diese Weise die deutsche Front noch mehr zu belasten. Die Sackstellung an der Marne war außerdem infolge der gegnerischen Angriffe einstweilen überflüssig geworden, erforderte aber durch ihre große Ausdehnung erhebliche Truppenmengen zur Deckung. Gerade weil weitere feindliche Angriffe in neuer Gegend als gewiß zu erwarten sind, mußte man darauf halten, alles Truppenmaterial zur Abwehr bereitzustellen und es nicht im Festhalten überflüssig gewordenen Geländes zu verzetteln. Daß das Gebiet bis zur Marne aber keine Bedeutung mehr für die deutsche Kriegführung hat oder doch nicht in diesem Augenblick, ist selbstverständlich, da wir ja im Westen einen Bewegungskrieg führen, auf dessen Ergebnisse der Gekändebefitz keinen Einfluß hat.
Es ist erklärlich, daß in dieser Lage das Große Hauptguartier den Plan faßte, eine Sehnenstellung zu beziehen, die eine regulierte, genau festgestellte Front herzustellen ermöglichte und bei deren Lintenziehung man so Vorgehen konnte, daß sie dem Feind möglichst wenig Erfolgsaussichten bot. Die Vorteile, die sür uns aus dieser Maßnahme entspringen, sind vor allem, daß unser Etappenverkehr und damit die Erhaltung der Kampfkraft unserer Truppen sich weit besser regeln laffen, da wir dichter an unter Eisenbahnnetz herangerückt sind: eine Folge hiervon wieder ist die Herstel- lung der weitesten Bewegungsfreiheit für die Durchführung der st rategischen Pläne Hin- denburgs, denn vor den deutschen Truppen liegt nunmehr wieder freies Feld, das sie in ihren vorhergehenden Kämpfen auf das genaueste kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Schließlich nähern wir uns auf diese Weise wiederum unserem Hauptkriegsziel: der
Schwächung und Vernichtung der feindlichen Kampfmittel und des feindlichen Menschenmaterials., Es ist nach den Erfahrungen/die man rm Laufe des Krieges von der gegnerischen Strategie erworben hat, als gewiß anzunehmen, daß der Feind ununterbrochen seine teuren und blutigen Angrfffsunternehmungen forffetzen wird und so immer mehr Opfer bringen muß, je besser die Stellungen sind, aus denen unsere Truppen ihn abwehren können. Bedenkt man, daß in der kurzen jetzigen Foch-Offensive bereits 5 4 Divisionen eingesetzt worden sind und daß niedrere davon zur Auffüllung der übrigen aufgelöst oder durch farbige Truppen vervollständigt werden mußten und dies obgleich der Angriff fiir uns einigermaßen unerwartet kam, so wird man sich einen Begriff davon machen können, welche blutigen Kasten dem feindlichen Oberbefehlshaber mm
entstehen müssen, wo seine Heeresmasien auf gut vorbereitete deutsche Truppen iu vorhergewählten Stellungen stoßen.
Wir sehen also, daß es sich hier um eine wohlerwogene Maßnahme handelt, die, soweit man sie auch nach jeder Richtung durchdenken mag. unbedingt geeignet ist, die deutschen strategischen Pläne zu fördern. Mag der Gegner durch 'ein Presser nstrument nunmehr auch seinen „Geländegewinn" als einen bedeutenden Erfolg hinzustellen suchen und mag er selbst bei seinen Völkern damit einen moralischen Erfolg erringen — er wird bald bemerken, daß er auch beim Vorgehen über das abgegebene Gelände der deutschen Initiative folgt, nicht seinen eigenen Plänen, und daß diese Initiative es gerade erforderlich machte, ihn die jetzigen billigen Lorbeeren pflücken zu lassen. In der Heimat wird man den Agitationsversuchen, die bei dieser Gelegenheit zweifellos mit größerer Stärke beginnen werden, kühlste Überlegung entgegenzusetzen wissen und so die gerade jetzt nötige Ruhe hinter der Front bewahren können.
Oer Tagesbericht vom 29. Iuli.
W. T.-Bi Großes Hauptquartier, 29. Juli. (AmLich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprcclst.
Teilangriffe, dir der Engländer nördlich der Lys, nördlich der Scarpe und in breiterer Front auf dem Nordufer der Somme führte, wurden abgcwiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
In den Kampfabschnitten südlich der Aisne ruhiger Vormittag. Am Nachmittag wurden nördlich von Bille- montoire Teilangriffe des Feindes, denen heftiger Artilleriekgmvf vorausging, im Gegenstoß ab gewiesen. In der Nacht vom 26. znm 27. Juli haben wir etwa zwischen O u r c q und A r d r e unser vorderes Ktunpfgelände plangemäß gesäumt und die Verteidigung m der Gegend Fere-cn-Tard^nois-Bille-en-Tajrdenois verlegt. Dem Gegner blieb unsere Bewegung verborgen. Am 27. lag noch das Feuer seiner Artillerie auf unseren alten Linien. R a ch- hüten verhinderten seine erst am 'Nachmittag zögernd vor- sühlende/ Truppen die kampflose Besitznahme des von uns abgegebenen Geländes. Gestern versuchte di« feindliche Infanterie sich unter starkem Feuerschutz an unsere neue Linie heranznarbeiten. Schwache, im Vorgelände belassene Abteilungen empfingen den Feind ans nahe Enffernung mit Gewehr- und Maschinengewehrfcuer und fügten ihm empfindliche Verluste zu. Auch die seit dem Tage vorher eingerichtete Artillerie und Schlachtflieger fanden in anmarschierenden Kolonnen und Panzerwagen des Feindes lohnende Ziele. Vor starken Angriffen des Gegners bei und südöstlich von Fere-en-Tardois zog sich unsere Borfeld- besatzung nach Erledigung ihrer Aufgabe befehlsgemäß auf ihre Linie zurück. Die mehrfach wiederholten Angriffe des FeindcS führten zu heftigen Kämpfen, die mit Zu- rückwerfung des Gegners endeten. Hierbei haben sich unter Führung des Generals Pachelin oft- und westpren- ßifche Regimenter, die schon auf den Höhen nordwestlich von Chatean-Thierrp und seit Beginn der Schlacht fast täglich mehrfachen Ansturm französischer «nd amerikanischer Divisionen zum Scheitern brachten, auch gestern wieder besonders hervorgetan.
Der Erste Generalquartiermeister: Lndendorsf.
W. T-E. Großes Hauptquartier. 28. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz RuPPrecht.
Rege ErkundmiMätigkcit. Stärkere Vorstöße des- Feindes nördlich der Lys, beiderseits der Somme und nordwestlich von Monldid-er wurden abgewiesen. In einzelnen Abschnittea Artillerietätigkeit.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
- An der Kampffront verlief der Tag ruhig. Kleiner: Infanterie, gefechte im Vrrgeländc unserer Stellungen.
In der Champagne drang der Feind bei örtlichem Angriff in unsere vorderen Limen südlich vom Fichtelderge er». Uns« Gegenstoß warf ihn größtenteils wieder zurück.
Der Erste Generalquartiernleister: L u d e n d o r f s.
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W.T.-B. Berlin, 28. Jnlr, abends. (Amtlich. Draht- bericht.) Heftige Kämpfe am Onrcq. Im übrigen ruhiger Tag.
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Zochs Menschenverbrauch.
W.T.-B. Berlin, 28. Juli. Mit welch ungeheures Kräften der Entente-Generalissimuö Fach unter allen Umständen die Entscheidung erzwingen wollte, geht aus der Zahl von 70 feindlichen Divtsionen hervor. Sie er seit dem 15. Juli zwischen Caissons und Tahure eingesetzt hat. Unter diesen Divisionen befinden sich 6 anierikanische, 4 eng? lische, 2 italienische und eine polnische Division. Der ganze übrige Teil besteht aus französischen Verbänden, die auch hier wiederum in der Hauptsache die schweren Blutopfer tragen wußten. Mit Hinzurechnung der beteiligte» feindlichen
Artillerieformationen und Heeresgruppen hat Fach rund 1% Millionen Mann in dieser kurzen Zeit in die verlustreich« Schlacht getrieben, ohne sein erstrebtes Ziel auch nur im entferntesten zu erreichen. Durch den schweren Aderlaß so starker Verbände hat die Hauptkraft der Entente miss neue eine außerordentlich starke Schwächung erfahren.
Englisch-amerikanischer Ersatz für Italiener.
W.T.-B. Bern, 27. Juli. Der Berichterstatter des „Giornale d'Jtalia"an der französischen Front meldet, daß die abtzekämpften italienischen Divisionen von dem französischen Sektor zurückgezogen und durch englische Divisionen erseht werden müssen.
W.T.-B. Washington, 27. Juli. General Marsh teilt mit: Geübte amerikanische Kampftruppen au§ Frankreich sind jetzt in Italien eingetroffen. Infolge der Operationen an der Aisne-Marne-Front stehen die Deutschen jetzt 11 Meilen weiter von Paris.
Die Beschießung von Calais.
W.T.-B. Bern, 27. Juli. „Progrss de Lyon" meldet aus Paris: DaS Bombardement von Calais in der Nacht vom Samstag zum Sonntag war außergewöhnlich schwer- Sehr großer Sachschaden. 27 Zivilisten wurden getötet. Es! war das schwerste Bombardement, das Calais bisher erlebte.
„Im französischen Graben."
Der nach kurzer Gefangenschaft entflohene Reservist B. erzählt: „Ich hatte mich bei einem Sturmangriff allein zu weit vorgewagt und wurde von den Franzosen gefangen. Sä« banden mich außerhalb des Grabens an einer Stelle fest, di« von unserer Arrilleric beschossen wurde und sagten, rch soll« achtgeben, woher das Feuer käme und wo unsere Artillerie ausgestellt sei. Die ganze Nacht über blieb ich da bis zum anderen Mittag, dann wurde ich losgebunden und mutzte französischen Mannschaften schwere Balken zum Unterstandsbau tragen helfen. Nachts stellte man mich vor die Be, ctachtungslöcher, ich sollte aufpaffen, ob etwa ein Sturman- griff von den Unseren unternommen würde. Ich !mißte wider meinen Willen tun, als ob ach gehorchte. Auch in deik nächsten Tagen mußte ich bei Tage arbeiten und des Nachts! Posten stehen. Man ließ mir keine Zeit zum Schlafen und gab mir auch keincrlej^KMruiWszW^el. Ich habe die von den Franzosen fortgeworfenenBrotrmdön gegessen und gefrorene«! Kaffeesatz zerstampft und in den Diund gesteckt. Nach bte» Tagen fand ich endlich Gelegenheit zum Entkommen."
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Englische Bomben auf belgische Städte.
Fünf britische Flugzeuge verloren.
W.T.-B. London, 28. Juli. (Reuter-Meldung.) Bericht der Admiralität vom 18. bis 24. Juli: Kampfeinheiten dev L u f t fr r e i t k r ä f t e, die mit der Flotte Zusammenarbeiten, warfen 15 000 Tonnen Bomben mit gutem Erfolg auf militärische Objekte in Zeebrügge, Brügge und Ostende ab. Sechs feindliche Flugzeuge wurden zerstört, acht in uu- lenkbarem Zustand zum Niedergehen gezwungen. Fünf britische Flugzeuge werden vermißt.
(Notiz des W. T.-B.: Von zuständiger Stelle erfahren wir ffnerzu folgendes: Die Bombenangcifffe hielten sich in den gewöhnlichen Grenzen, ebenso wie ihnen «in nennenswerter Erfolg versagt blieb. Die Vertuste des Feindes «r Flugzeugen übertryffen bei weitem di« unsrigou.)
Der japanische Ministerpräsident über ein Bündnis mit Deutschland.
Bt. Rotterdam, 29. Juli. (Eig. DraWbericht. zk>.) Der japanische Ministerpräsident erklärte einem amerikanischen Journalisten auf die Frage, bb ein deutsch- japanischeS Bündnis nach dem Krieg eintveten könne: „Cs ist unmöglich, vorauSzuscigon, wie sich die Dinge nach dem Krieg gestalten werden. Wenn die Notwendigkeit internationaler Beziehungen es erfordern sollte und Japan nicht in der Lage romoe, sich in völliger Isolierung zu erhalten, so könnte Japan wohl veranlaßt sein, ein Bündnis mit Deutschland zu suchen. So weit ich die Sachlage beurteile, besteht diese Gefahr nicht." Dieses Interview eruegffe iu Amerika unliebsames Aufsehen. Di« „Hearst"-Presse benutzte es zu heftiger Propaganda gegeq Japan. In Japan selbst wurde es von der Opposition als Sturmbock gegen den Premierminister benutzt.
Eine amerikanische Anleihe für Japan.
Genf, 29. Juli, (zb.) Der Erlös der 4. amerikanischen Freiheitsanleihe, deren Zeichnung nach einer „Matin"» Meldung zwischen dem 28. September und 19. Oktober eröffnet werden soll, ist angeblich für Japan bestimmt.
Drakonische Strafe für einen amerikanischen Frieden,-freund.
W. T.-B. Stockholm, 27. Juli. „Nha Daglight Allehanda' erfährt von aus Amerika zucückgekehrten schwedischen Amerikanern, laß der frühere Sekretär von Fords Friedenskonferenz, Lockner, zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, weil er sich nicht davon' abhalten ließ, seine Arbeft fiir den Frieden auch in Amerika foctzusatzen.
