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Samstag, 27. Iuli 1918.
Kdsnd-Kusgabe. Nr.'3«s. . SS. Jahrgang.
Dar neue Regime in Oesterreich.
(Bon unserem ön.-Mitarbeiter.)
Wien, 27. Juli. (Gig. Drahtbericht. zb.) Im letzten Augenblick ist es Herrn v. Hussarek gelungen, die Schwierigkeiten, die seiner Kabinettsbildung ent- gegenstanden, zn überwind:, n und sich eine wenn auch recht bescheidene Majorität zu sichern. Das _ hervor- sto^endste Zeichen seiner Verhandlungen über die Kabinettsbildung ist die endgültige Ausgabe des sogenannten deutschen Kurses in Österreich. Darüber darf man sich keiner Täuschung hingeben, der letzte Minister des Äußern Graf Czernin ist schon in dieser Hinsicht auf stärkste Hindernisse gestoßen. Herr v. Seidlers Bemühungen, im Amte zu bleiben, waren ergebnislos, weil er die Rettung in der Girftchlagung eines einseitigen deutschen Kurses erblickte. Solch ein Plan zn verwirklichen, ist sehr sckstoer. Man darf nicht übersehen, daß die Deutschen die Minorität darstellen, daß ein Ausgleich zwischen Tschechen und Polen und Südslawen angebahnt werden muß. Österreich kann nur geholfen werden, wenn es gelingt, eine Verständigung unter den Nationalitäten zu erzielen und nrcht eine gegen die andere auszuspielen. Bedauerlich ist es unter den gegenwärtigen Verhältnissen um so mehr, daß die deutschen Parteien nicht einig sind und dadurch in viel höherem Maße, als es jemals früher der Fall war, von der jeweils rm Amte stehenden Regierung abhängig werden. Herr v. Hussarek, der neue Minister- Präsident, ist seiner inneren Überzeugung nach klerikalreligiös, aber keineswegs eine unduldsame Persönlichkeit- Gs hat wenig Nnterrichtsmimster in Österreich gegeben, die so wie er es verstanden haben, sich die Sympathie aller akademischen Kreise zu sichern. Während der Zeit seiner Ministerschaft hat ec es verstanden, auf dem heißen Boden der nationalen Universitäten Ruhe zu bewahren und ausgleichend zu wirken. Herr von Hussarek wird sich zweifellos bemühen, eine V e r st ä n- digung zwischen Tschechen und Deutschen anzubahnen und auch einen Ausgleich mit den Slowenen zu suchen. Biel mehr Kopfzerbrechen 'll es ihm machen, wie eine halbwegs mögliche Lösung >er polnischen Frage angebahnt werden kann. So freimütige Grklärungen, wie sie die Deutschen von Seidler erhalten haben, werden sie von Hussarek nicht zu erwarten haben. Seine Hauptaufgabe erblickt er zunächst darin, die Verwaltung im Gange zu halten und "rn nationalen Hader, der gefährliche "armen angenommen hat, abzubauen. Mit Bedauern hatte Graf Czernin in seiner letzten Rede erklärt, daß die geringe Ginheitlichkeit der äußeren wie inneren Politik zu gesteiaertem Mißtrauen in Deutschland geführt hätte. Gr bat oielleicht nicht voransgc- seben, daß seine Wünsche in der ihm unerwarteten Form eines Rückzugs verwirklicht werden könnten. Graf Burian und Freiherr v. Hussarek dürften sich über den jetzt von beiden gemeinsam einzuschlägenden Kurs leicht verständigen, nämlich bei den Verbündeten Mächten wieder das Vertrauen in Österreichs Plane zu erwerben suchen, das die Donaumonarchie für gedeihliche Fortentwickelung nötig hat.
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T3fe yroqrammrede Hussarek?.
W. T.-B'. Wien, 26. Juli. (Meldung des Wiener k. und k. Telegraphen - Korrespondenz-Bureaus.) Abgeordnetenhaus. Vor vollbesetztem Hanse und dichtgesülltcn Tribunen hielt Ministerpräsident Frhr, v. Hussarek seine Programmrede. in der er ausführte: Der gewaltige Krieg drückt allem öffentlichen Geschehen den Stempel aus und steckt dem politischen Wirken gebieterisch seine Ziele. Es gilt, in fester Gemeinschaft mit' dem altverbündeten Deutschen Reiche mit dem uns stets hochgehaltene, im Feuer des Kampfes gehärtete und nun nach inniger Verknüpfung für die künftigen Zeiten unzerreißbare Bande der Freundschaft und Treue umschlingen, sowie mit den tapferen Wassenye- fährten, die uns dieser Krieg gewonnen hat, daS «rfolg- reiche Ende des furchtbaren Ringen? zu erzwingen. ES gilt, nach Jahren harter Prüfung und unvergleichliche: Heldentaten unseres tapferen Heeres zu einem ehrenvollen Frieden zu gelangen, hinsichtlich dessen die berufenen Staatsmänner der Mittelmächte ihre niemand bedrohenden und auf die allgemeine Völkerversöhnung gerichteten Absichten (Beifall.) öfters unzweideutig festyelegt haben. Die Regierung wlvd ihre ganze Kraft dafür einsetzen, um, so weit es an ihr liegt, zur Erreichung dieses heißersehnten Zieles beizutragen (Beifall.), für das die Machtentsaltung nach außen allein nicht genügt, sondern das nicht minder innere Stärke und Geschlossenheit voraussetzt. (Zustimmung.) Um diese aber zu erzielen, ist ein stetiger verfaffungSmätziges Zusammenwirken mit den gesetzlich berufenen Vertretungskörpern unbedingte Voraussetzung, an d« die Regierung unverbrüchlich sesthakten wird. Beifall.) Die nächste und unmittelbare Aufgabe ist die Votierung deS BuKtze-tprovisoriumS. Darüber hinaus wird «» sich-De km «IfPfc Zukunft komm hundel». Burbe»
rei hingen für die Klärung und Ordnung jener großen Fragen zu treffen, welche sich der ruhigen und wohlgeregelten Kontinuität unseres Verfaffungslebcns schon seit lange entgegenstellen, während des Krieges aber die Unaufschiebbarkeit schärfsten? dargetcn haben. Ich meine die großen Gestaltungs-Probleme nationalen Lebens im Staate, die nur innerhalb der Monarchie und durch ihre berufene Gewalt zur Entscheidung gebracht werden können. Der Ministerpräsident stellte in seinen weiteren Ausftihrungen eine zeitgemäße Verwaltungs - und Finanzrefyrm ''owie eine gesunde Fortentwicklung der sozialen Fürsorge und bessere Organisation des Ernährungswesens in Aussicht, zu welchen Aufgaben er sich die Beteiligung aller Parteien erbat. Cr schloß: Wir möchten aber auch bei jenen, die eine ablehnende Haltung einnehmen, wenigsten? jenes Matz von Vertrauen erringen, wie eS loyale Gegner einander zollen können. Gerechtigkeit gegen alle, gegen jeden Volksstamm und jede soziale Schicht mutz aber der oberste Leitsatz sein und bleiben. ^Zwischenrufe de: Abgg. Fantz und Teufel: Wo ist der deutsche Kurs? — Lebhafte Gegcuruse der Tschechen.) Wir würden uns glücklich schätzen, wenn es uns vergönnt wäre, ein Stück der Riesenarbeit, die die Zeit von unserem Vaterlande verlangt, gut und gediegen zu leisten. (Vielfacher Beifall. Der Ministerpräsident wird beglückwünscht.)
Das Hms begann hierauf die zweite Lesung de»
But getprovisoriumS.
Die Annahme des Vrrdgetprovisoriums.
W. T.-B. Wien, 26. Juli. Das Abgeordnetenhaus hat nach längerer Debatte in namentlicher Abstimmung mit 215 gegen 166 Stimmen ein sechsmonatiges Budgetprovisorium sowie in einfacher Abstimmung den Sechs- milliardenkredit angenommen. Die Mehrheit, die für die Vorlage gestimmt hat, setzte sich zusammen aus den Christlich-Sozialen, den deutsch-nationalen Parteien, den Deutsch-Radikalen, den Rumänen, dem Polenklub und einem Teil der Italiener. DaS Haus hat sodann die Sommerferien angetreten.
Di« Stellungnahme öcr einzelnen Parteien.
W. T.-B. Wien, 27. Juli. (Drahtbericht.) Im Abge- erdnetenhaus erklärte bei der zweiten Lesung des Budgetprovisoriums ein Tscheche, daß die Stellung des tschechischen Verbandes durch den Regierungswechsel ganz unberührt bleibe. Der Christlich-Soziale Haußer trat entschieden für die Wahrung der Rechte des deuftchen Volkes ein. Der Obmann des Polenklubs Tertil erklärte, die Polen würden ftir das Budgetprovisorium stimmen. Die Slowenen, Nationalpolen und Ukrainer stellten sich auf einen ablehnenden Standpunkt, ebenso die deuftchen Sozialdemokraten. Die deuftchen Agrarier ließen erklären, sie würden ihre Halbing von der Erfüllung der Forderungen des deutschen Volkes, besonders der Agrar- forderimgen, abhängig machen. Die Deutsch-Nationalen erklärten, sie würden für das Budgetprovisorium stimmen, ohne dem Ministerpräsidenten persönliches Vertrauen entgegenznbringen. Die Deutsch-Radikalen und daS deutsche Z e k t r u m versagten dem Ministerpräsidenten die Gesclgschaft. Die Rumänen sprachen der Regierung ihr Vertrauen aus.
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Günstige Fortschritte der Ssterreichlsch- ungarikchen Truppen in Albanien.
Sr. Wien, 27. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Tele- graphen-Korrespondenz erfährt von der Front in Albanien: Die andauernden Kämvfe an der Semeni in Albanien entwickeln sich für die österreichisch-ungarischen Truppen in günstiger Weise. Es gelang ihnen, gegenüber dem starken feindlichen Kräfteeinsatz den Übergang über den Semeni bei Knzi zu erzwingen und zwischen Kuzi und dem Meere durch Borstöße Raum zu gewinnen. Die Italiener wurden zahlreich gefangen genommen.
Abflauen der GefechlstStiakeit zwischen Soiffons und Reims.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 27. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe.Kronprinz Rnpprcchs.
Die Kampftätigkeit lebte vielfach am Abend auf. Sie war während der Nacht, besonders beiderseits der Scarpc, in Verbindung mit erfolglosen Vorstößen englischer Infanterie gesteigert.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An der Schlachtfront zwischen Soiffons und Reims flaute die GefechtStätigkrit gestern weiterhin merklich ab. In der Champagne wurden Tcila»griffe der Franzosen beiderseits von Perthes abgewiesen.
Heeresgruppe Herzog Alvreckit.
Erfolgreiche Erkundungsvorstöße in den Vogesen und im S u n d g «Ti.
Der Erste Gencralauarticrmeister: Lndeudorff.
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Die Lag« am Gurcq.
Br. Rotterdam, 27. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der
Aeuter-Larrejpiinüeut beim ftau-osijcheu Hrqre teiegixtpfyetU
Die Deutschen haben ihre Linien verstärkt und machen entschlossene Gegenangriffe an der ganzen sackförmigen Front vom Ourcg bis Vrigny.
vre erfolglosen Teilangriffe ver Feinde.
W. T.-B. Berlin, 26. Juli. Nach den außergewöhnlich verlustreichen Angriffen zwischen Aisne und Marne hat der Feind, der den hier erstrebten Durchbruch trotz rücksichtslosesten Menscheneinsatzes nichr erringen konnte, in den beiden letzten Tagen vorläufig nur noch die Kraft zu erfolglosen Teilan- grifsen gefunden. In den gestrigen Morgenstunden griff er unter starkem Feuerschutz unsere Stellungen bei Ville- montoire an. Gleichzeitig stieß er vergeblich gegen die nördlich anschließende Front vor. Seine Bewegungen und Bereitstellungen lagen mehrfach unter wirksamstem deuftchen Feuer Bei der Abwehr im Gegenstoß brachten wir 120 Franzosen als Gefangene ein. Auch bei Oulchy-le- Chateau erneuerte der Feind seine Bemühungen. Hier scheiterten seine Angriffe nach hartnäckigen Kämpfen unter besonder? schweren Feindverlusten. Auch die Gegend von Coincy war der Schauplatz erbitterter hin- und herwogender Teilkämpfe, in denen der Geznrr vergeblich hohe Opfer lrechte. An der Marne scheiterten nach Is^stündiger Ait'llerievorbereitung am späten Vormittag in der Gegend von Tocmans feindliche Angriffe. Sie wurden bis zun» Abend unvermindert heftig fortgesetzt und enftchieden sich zu unseren Gunsten. Südwestlich Reims hatten mehrfache feindliche Angriffe dasselbe Schicksal. Bon Boulonnes auf dos Kampffeld vormarschierende feindliche Kolonnen gerieten in das Schnellfeuer unserer Batterien, das ihnen schwerste Verluste zufügte. Auch hier blieben bei den Kämpfen 100 Franzosen in unserer Hand. Weitere 82 Gefangene wurden nördlich Bouilly eingebracht.
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Zu den feindlichen Fliegerangriffen auf Luxemburg.
— Luxemburg, 27. Juli, (gib.) Hin die auf diplomatischem Weg -mehrfach vergebens angeregte Einistelluny der Fliegerangriffe der Entente auf luxemburgisches Gebiet zu «wirken» wandte sich die Großherzoyin von Luxemburg a» den Papist mit der Bitte um Bermittluny in dieser Angelegenheit.
Me Kdmiralstabsmeldung.
W. T.-B:. Berlin, 26. Juli. (Amtlich.) Reue N-Boot8. erfolge im Sperrgebiet um England :
18 006 Bruttoregistertonnen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Tin englischer Hilfskreuzer versenkt.
W. T.-B 1 . London, 27. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Hilfskreuzer „M a r m o r a" (10 509 Bruttv- registertonnen) ist am 23. Juli von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden und gesunken. Zeh« Mann der Besatzung werden vermißt.
Englischer TorpedozerstSrer verloren.
W. T.-B. London, 27. Juli. (Amtlich Drahtbericht.) Ein englischer Torpedozerstör«: ist am 24. Juli yescheitert und gesunken. 13 Mamm der Besatznng werden dermißft
weitere Ausdehnung des englischen Munitionsarbeiterstreiks.
IV. T.-B. Stockholm, 26. Juli. Laut einem Londoner Tel«, gramm au „Stockholm? Tidningen" kegann der Streik der eng. lisch«,! Mvviiiri'tarbeiter infolge von Zwangs ausstellungen von ausgebildetcn Arbeitern durch die Regierung in den Kriegsmaterial« fabrikm anl Dienstag in CoventrN, wo 12 000 Mann die Arbeit cinstellten. Am Mittwoch debnte sich der Streik auch ans Birmingham aus, so daß die Gesamtzahl der Streikenden bereits auf 71000 gestiegen ift. Das Kricgr-kabineU trägt sich mit dem Gedanken, sie an die Front zu schicken, falls sic nicht die Arbeit wieder aus- nchmcn. Auch in Manchester und anderen Städten wird mit dem Streik gedroht.
IV. T.-B. Christiania, 26. Juli Nach einem Londoner Sondertelegramm an „Aswnposten" und „Tidens Tagn" greift der Streik der Munitionsarbeiter in ganz England täglich immer «ehr um sich. Sr umfaßte gestern bereits über 150000 Man», davon allem in Birmingham 80 000, in Coventry 12000 und de Manchester 10.000.
Hendsrson für Verhandlungen mit Deutschland.
— Bern, 27. Juli, (zb.) Henderson erklärte in einer Ansprache in Oldham, es müsse eine internationale Atmosphäre geschaffen werden, in der Streitigkeiten Zwischen den Völkern geschlichtet werden könnten. Man dürfe jedoch -nicht tun einer Familie sprechen, ohne gleichzeitig aus Rache verzichten zu wollen. He-nlderson forderte schlieWch LTohd George aus, durch Vevinitü-u-ny eines nationalen Komitees Verhandlungen mit Deutschland einguleiten, Vor- brsprechuiuyen würden die englische Regievuny nicht bindm und >könnten doch zu einer Berstämdrguny führen.
Verhaftung eines deuftchen Schriftstellers in New V-ftl — New Dork, 27. Jul-i. (zjb.) Der ^Moryempost" zutzolye ist der dcut-jche Gchrifftteller Ha«s Heinz Ewer» wegen atu
»^blichp- deutscher P r opaga n d a m N-tz. ZM Unchach tz yt Goch «,
