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Verlag Langgasse 21

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Samstag, 27. Iuli 1918.

Morgen-Kusgtlbe. Nr. 243. . 66. Jahrgang.

Der ägyptische Gast.

Nun weilt Abbas II. Hilmi, der Khedive von Ägypten, als Gast auf deutschem Boden. Der einstige Schüler des Wiener Theresi rnums, der die europäische Bildung in reichem -Maße in sich ausgenommen hat, ohne seine innere Bindung mit dem Islam und der islamitischen Welt zu verleugnen, wird vollauf Gelegenheit baden, zu prüfen, was es mit den Entente-Märchen über Deutschland auf sich hat. Aber er ist nicht nur gekommen, um sich in der Reichshauptstadt, die nach den berlogenen Berichten der französischen und englischen Presse vor der Hungersnot und der Revolution stehen soll, umzuschauen, um als Beobachter im deutschen Hauptquartier zu weilen, er will auch für die Zukunft handeln.

Angeblich hat England nur aus humanftären und wirtschaftlichen Gründen einst die Besetzung Ägyptens vorge- nommen. beileibe nicht, um es zu „annektieren". So etwas tut Albion, das ganz unverdientermaßen zu dem Beinamen des .verffden" gekommen ist, durchaus nicht. Es ist nur ein tückischer Zufall, wenn es heute noch das italienische Malta, das spanische Gibraltar feltbält. Daß die Herrschaft über Ägypten zugleich» die Herrschaft über den Sues-Kanal, der 'ursprünglich gegen den Willen der Engländer als Ver­bindungsweg zweier Weltmeere geschaffen wurde, bedeutet, das hat man in dem weltherrschaftslüsternen London nur zu bald eingesehen. Darum mußte der Khedive von Ägypten Englands starke Hand spüren. Sie lastete bereits stark auf Tewsik, dem Vater Abbas II. Hilmi. Er war erst 18 Jahre, als er diesem auf dem Throne folgte. Aber trotz seiner Jugend erkannte er, daß die Engländer alles weniger als das wak.re Wohl seines fruchtbaren Landes wollten. Gewiß sorgten lie durch großartige Einrichtungen für eine regel­mäßige Bewässerung des Nillandes, förderten se'ne Baum- wollenkn'tur. Vielleicht wurde auch hier und da die Lage der armen Fellachen gebessert. Aber -m großen und ganzen wurde Ägypten als eine Kolonie angesehen, di- nur um Englands willen da war. Der jugendliche Khedive. der nicht gegen ein Volk herrschen wollte, mußte ficti einen Ministerpräsi- deuten nach Englands Wahl gefallen lassen, mußte einen englischen Beirat in seinem Ministerium des Innern oufi-ehmen. Ein eigener Gericbtshof wurde zur Aburteilung der Vergehen geschaffen, die sich Eingeborene gegen englische Offiziere und Soldaten zusckiulden kommen lasten rollten. Im ägyptischen Sudan, den General Kitcbener nach blutige: Unterwerfung der Derwische znrückerobert hatte, war er nur dem Namen nach noch Herrscher. Lord Cronver regierte und entschied hier, wie es einzig und allein Englands Interesse gebot.

In -Europa, wo man zufrieden war, daß die. ägyptischen Gläubiger einigermaßen befriedigt wurden. war man kurz­sichtig genug, von dieser Ovdnung der Verhältnisse befriedigt zu sein. Die Türkei, außen von Feinden umlauert, die nur auf den nahen Tod des „kranken Mannes" warteten, im Innern durch Gärnnyen und blutig unterdrückte Aufständ- geschwä-cht, konnte neck wollte «ingrerfon, um ihre wöblerwor- üenen Rechte aus Ägypten zu wabren. Da blieb Mbas II. Hilmi- Pascha nichts weiter übrig, als gut« Miene zum bösen Spiel zu macken. Nur so rettete er die Vergünstigungen, die ihin die Briten, um chver Okkupation ein rechtliches Mäntelchen umzi-hängen, mich gönnten. Jnzwffchen erwachte in Ägypten immer mehr das nationale Bewußtsein, fühlten gerade die intelligenten Kreise -die englische Bedrückung und Aussaugung. Mancher dieser Jnngäghpter ffiblte sich in Kairo und Mexandria vor den Schergen der britischen Regierung nicht sicher, von der Schweiz, von Frankreich au§, das ja nicht immer — vom Rsvanchegedanke-n verblendet — das Blut seiner Söhne fiir englisäW Herrschastsgelüste verspritzte, wurde eine eifrige Werbearbeit für ein freies Ägypten von cknan entfaltet. Es sollte sich ctt die Türkei entöhnen, dessen Sultan auch der Klhedtve als seinen rechtmäßigen Souverän anerkannte.

Aber England, dieser „Beschützer der kleinen Nationen", der kein freies Ägypten dulden wollte, zögerte nicht, den Klhcdiven abzu-setzen, seine ausgedehnten Güter — Abbas II. Hilmi gebärt zu den reichsten Grun.dbesitzern Ägyptens — zu bostibagnabwen und als gesügiges Werkzeug seinen Oheim, Hussein Kiamil, am 10. Dezember 1914 zu seinem Nachfolger ni'd nach dessen Tod einen anderen Strohmann aus dem .Kbediveschen Hause zu ernennen. Doch die Eingeborenen, die die britische Gewaltherrschaft nur mit Wider­willen ertragen unld den Tag herbeisehn-en, wo sie das fremde Joch abschütieln können, gilt Mbas II.noch immer als der ein­zig rlchtmäßige Herrscher, wie er sich auch als Gebieter des PbaraonenlanideS betrachtet. 'Er weiß nur zu gut, daß aus Europas ScklachtfMern auch die ägyptische Frage ontschie-don w-rd, daß von Deutschlands Siegen das Schicksal Ägyptens abhängt, jenes Ägyptens, das Bismarck einst als das Genick dcS britischen Weltreichs 'bezeichnet hat. Hoffentlicht wird mit der Befreiung Ägyptens dem -britischen Weltreich das Genick gebrochen. Dann erst wivd die wahre Freiheit der Meere und der Völker eintreten.

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Line Kundgebung des europäischen Zsntral- komitses der Indier.

W. T.-B, Berlin, 26. Juli. (Drahtbericht.) Das euro­päische Zentralkomitee der indischen Nationalisten hat an

dev KH-ediv.en vvm Ägypten folgendes Teleg-r^r-mm

gesandt: „Das erbaber-e rechtmäßige Oberhaupt des von England -vergewaltigten Ägyptens bitten wir hievdurch, auf deutschem Böden'begrüßen zu dürfen. Die Leiden des ägypti­schen -Volkes finden volles Mitgefühl bei den Indern, -die gegenwärtig für den Grundsatz der Nationa>litä-ton und Be­freiung von -dem englischen Joch kämpfen. Wir hoffen zu­versichtlich, daß der Sieg des Vi-erbundes den geknech­teten Völkern Ägyptens, Irlands und Indiens zur Erreichung ihrer nationalen Freiheit verhelfen wird."

vas Vorgehen der Entente in Murman.

W. T.-B- Amsterdam, 26. Juli. Reuter verbreitet eine Mitteilung über den Abschluß eines Abkommens zwi­schen der Entente und den Murmansowj-ets, in -der das Bestehen eines Vertrags zugegeben wird. Reuter bemüht sich dabei, das Losreiße-n des MNrmangcbiets von Rußland als einen selbstlosen M der Entente zum -Wohl Rußlands hin- znstellvn. Eine besondere Beleuchtung erfährt diese englische Selbstlosigkeit durch die von den Engländern vorgenommene Erschießung bolschewistischer Kommissare. Reuter kündigt ferner an, -daß -die -Entente die Dschecho-Slowaken in Rußland -und Sibirien unterstützt, gibt also offen zu, daß die Entenie den Bürgerkrieg in Rußland entfesselt und Rußland in ein neues Blutvergießen stürzt.

Doch nur eine Eeilasttion Japans in Sibirien.

Br. Genf, 26. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einer Tokioer Meldung des „Matin" wird sich Japans sibirische Intervention darauf beschränken, den Tschecho-Slowaken die Möglichkeit der Behauptung ihrer Stellungen zu ver­schaff-.-., und nach Umständen deren weiteres Vordringen zu erleichtern. Damit ist die Nachricht einer eigenen japanischen Intervention entkräftet.

_ Sg. Genf, 26. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Bekanntlich bieß es. Japan interveniert. Die englische und französische Presse verkündete es freudestrahlend. Nun kommt aber über Holland die Meldung, daß zunächst das japanische Parlament gehört werden soll, ehe sich vre Regierung von Tokio zu dem schweren Schritt entschließt. In Bern glaubt man auf Grund von Pariser Nachrichten, daß, wenn Japan wirklich inter­venieren sollte,'die Voraussetzungen für eine solche Akrion so beschaffen wären, daß man in England und Amerika keine ilngeviischte Freude an dem Unternehmen hätte. Es wäre mit allzu starken Bedingungen bepackt, als daß es zum Heile Englands ausschlagen könnte.

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Eine türkische Sozialistenkonferenz in Moskau.

W. T.-B. Moskau. 25. Juli. (Drahtbericht.) Im m o b a m m e d a n i s ch e n Kommissariat in Moskau fand eine Konferenz türkischer Sozialisten statt. Das Ziel der Konferenz ist die Organisation der linkssozialistischen moham­medanischen Gruppe und die Heranziehung des türkischen Proletariats zur internarionalen Arbeiterbewegung. Unter dem Proletariat der Türk-i soll eine energische Agitation ge­führt werden zum Sturz der türkischen Bourgeoisie und des Kapitals Das Hauptfeld der Tätigkeit soll Kletnasien, der, Kaukasus und Turtestan, Arabien und Ägypten sein. Die „Prawda" hofft, daß der Geist der sozialen Revolution bald rn die unteren Schichten o-r Türkei eindvingen wird.

Wiederaufnahme der Schiffahrt Stockholm-Petersburg.

W. T.-B. Kopenhagen, 26. Juli. (Drahtbericht.) „Natio­nal Tidende" meldet aus Stockholm: Die Dampffchiffahrts- gesellsckast Svea hat beschlossen, trotz der Eholeragefahr die Schiffahrt nack Petersburg wieder aufzunchmen. Ärzte und Krankenpflegerinnen werden die Dampfer be­gleiten Die Kapitäne erhielten strengen Befrhl, in Peters­burg keine Lebensmittel zu kaufen und das Wasser aus der Newa nicht zu verwenden.

Die Einführung der Monarchie in Finnland.

Wie wir der Petersburger „Nasch Wjek" vom 18. Juli entnehmen, hat der finnische Landtag mit einer Mehr­heit von 16 Stimmen beschlossen, als Staatsform die erbliche Monarchie mit einem König anzuerkennen. Der Landtag nahm die Vorlage des Senats mit einer einzigen Abänderung an; nach der neuen Fassung kann der König nicht okne Zustrnrmung des Landtags Krieg erklären und Frieden schließen. Das Petersburger Blatt erfährt, daß der Landtag die Vorlage nur unter dem Druck der Drohung des Senats annohm, der durch Swinhufvud erklären ließ, daß er im Falle der Ablehnung zurücktreten werde.

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'V. T.-B. Kiew, 26. Juli. Wie in politischen Kreisen per- lautet, sieben Veränderungen > in ukrainischen Kali nett bevor. Lysogu wird aller Voraussicht nach Ministerpräsident bleiben, übergibt aber das Ministerium des Innern in andere Hände.

Im Eisenbahner streik ist eine offenbare Wen­dung zum Besseren einqetreten. Auf den Hauptlinien ver- kehren täglich je zwei Zugpaare, aus allen Nebenlinien je ein Zugvaar für die Zwecke des deutschen Militärs. Der Vorortverkehr, der Somme rortsverkehr und der Dienstverkehr sind zum großen Teil wieder ausgenommen. Die Eisenbabner legrnnen hier und da über die Wiederaufnahme des Ver­kehrs zu verhandeln. Östlich des Tujepr hatte der Streik von vornherein nur geringe Ausdehnung.

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Der gescheiterte feindliche Plan im westen.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

8. A. Berlin, 26. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die deutschen Truppen stehen heute an der Front der feindlichen Offensive in der Linie Osly-Courtil-Vuxbun- Brezy-le See - Oulchy - Comcy . Bemvardes - Charme!- Vaudiers-Belval-Vrigny. Betrachtet man die Lage der neuen deutschen Stellungen, so kann man deutlich erkennen, daß die feindlichen Plane, durch Zu­kneifen der Zange R e i m s - S o i s s o n s die deut­schen Truppen an der Marne abzuschneiden, endgültig gescheitert sind. Das Nachlassen der feindlichen Angriffe in den letzten Tagen beweist vielleicht neben der SchwäcWng, die der Feind zweifellos erlitten hat, daß diese Erkenntnis beim französischen Ober­kommando bereits durchgedrungen ist. Seitdem im Westen der Stellungskampf vom Bewegungskrieg ab­gelöst worden ist, geht es ja nicht mehr um Gelände, das nur Bedeutung hat, wenn ausgebaute Stellungen darin vorhanden sind, sondern um die Vernichtung der feindlichen Kampfkraft, gleichgültig, welche taktischen Maßnahmen dazu führen. Die feind­liche Heeresleitung hat das zweifellos auch erkannt und sucht im jetzigen Kampf die Entscheidung. Der hohe Einsatz an Truppen weist darauf hin. Nach unseren Feststellungen haben an den großen Kampftagen 38 französische, 2 italienische, 4 englische, 6 amerikanische und 2 französische Kavallerie-Divisionen zu Fuß mitge­wirkt, die setzt natürlich stark abgekämpft sein werden. Damit stellt sich der Verlauf des Kampfes zwischen Reims rmd Soissons als ein weiterer Schritt auf un- serem Weg zur Schädigung der feindlichen Kampflinien dar. Der Feind wird dies jetzt zweifellos verhüllen wollen und durch seinen „Geländegcwinn" einen großen Sieg in aller Welt verkünden. In der Tat ist es ja dem feindlichen Oberbefehlshaber unter Einsatz von 54 Divisionen gelungen, uns ein Fürfftel bis ein Sechstel des in unserer Aisneoffensive ihm abgenommenen Ge­ländes wieder zurückzugewinnen. Darauf kommt es aber naturgemäß im B e w e g u n g s k r i e g, der durch rein strategische Ziele entschieden wird, gar nicht an. Wir werden also, wenn entsprechende Kommentare der feindlichen Militärkritiker über die Tatsache, daß der Geländegewinn dem Feind einen sehr bedeutenden Krösteverlust verursacht habe, hinwegzutäuschen suchen, diese in der richtigen Weise zu werten wissen.

Nene Kampfpause.

W. T.-B. Berlin, 26. Juli. olbendS. (Amtlich. Draht- bericht.) An der Schlachtfront ein ruhiger Tag.

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aufföfung feindlicher Divisionen.

W. T.-B. Berlin, 26. Juli! (Drahtbericht.) Die u n g e - b euren Verluste, die di- Entente seit dem 21. März d. I. im Westen erlitten hat, haben dazu gefiihrt, daß in den letzten Monaten mebrer- englische und französische Divisionen infolge Mannschastsmangel aufgelöst wurden.

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Der englische arbeiterminister zu den tkriegszkelen Wilsons.

IV. T.-B. London, 26. Juli. (Drahibericht.) Reuter er­fährt: Der Arbeitsminister im Kriegskabinett Barnes tele­graphierte kürzlich an die amerikanische Arbeiterföderation, daß die von Wilson an die Adresse der amerikanischen Truppen am 6 Juli mitgeteilten Kriegsziele die allgemeine Billig u n g der Arbeiter finden. Seit Festlegung der Kriegsziele durch Lloyd George im Januar sowie durck Wilscn und die Krtegszielerklärungen der Arbeiterpartei könne man von dem Gegenitand sagen, daß alle vernünftigen Menschen darüber einig ftien, daß. wenn die Zentral» Mächte nur ihre Bereitschaft erklären wollten, diese drei Erklärungen sich zu eigen zu machen, dann dürfe man sagen, daß das Ente des Krieges in greifbare Nähe, wenn nicht wirklich gekommen sei.

Schlechte Ernteaussichten in England.

W. T.-B. London, 25. Juli, (Reuter-Meldung.) Im Oberhaus sagte Lord Eglinson als Vertreter des Landwirt- ^chaftsministerinmL, daß die Ernteaussichten weniger ver­sprächen als früber, daß aber die Zunahme der Anbaufläche für Weizen 39 Prozent betrage und wahrscheinlich 12 Millio­nen Hektcliter mehr bringen würde. Der Überschuß an Weizen n ürde znm mindesten einen etwaigen Ausfall an Hafer und Gerste ausgleichen.

Wieder ein Deutsch-Amerikaner verurteilt.

IV. T.-B. Bern, 26. Juli. (Drahtbericht.) Der „TempS" meldet ans Washington' Der frühere Direktor der „Deutschen Staatszeitung" des Staates Mississippi, der de§ Verstoßes gegen das Spionagegesetz beschuldigt tvurde, ist zu 10 Jahren Gefängnis und 506 Twllar Geldstrafe vep» urteilt wordKu

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