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Freitag, 26. Juli 1918.
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_klbenö-Kusgabe.
Nr. 344. * 66. Jahrgang.
Neue feindliche Teilangriffe zwischen Nisne und Marne gescheitert.
Erfolgreiche ULmpfe beiderseits des Gureg.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 26. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.
Südlich von Albert schlugen wir einen englischen Teil- angris? zurück und machten im Nachstoß Gefangene. Erfolgreiche Vorstöße unserer ErknnduLgsabteilungeu an vielen Stellen der Front.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Aut dem Schlachtfelde zwischen Aisne und Marne wur. den brstigc Teilanqriffe des FeindeS teils vor» teils in unserem Kamvfgelände abgewiescn. Beiderseits des O u r c q dauerten die Kampfe bis zum Abend an. Hier warfen wir nördlich von Onlchp-le-Chateau den Feind ans seinen vorderen Linien. Östlich dis Ortes und südlich des Ourcq schlugen wir im Gegenstrs- die feindlichen Angriffe ab. Auch westlich von Bs»celles an der Marne wurde der Feind im Walde von Ms nach heftigen Kämpfen vor unseren Linien abgewiesen.
Südwestlich von Reims säuberten wir das Waldgelände, westlich von Brigny, und schlugen heftige Gegenangriffe weißer und schwarzer Franzosen zurück. In der Champagne griff der Feind zwischen dem Suippes-Tal und Souain am frühen Morgen an; er wurde im Gegenstoß abgewiesen.
In Lustkämpfen verlor der Feind gestern 28 Flugzeuge und einen Fesselballon.
Leutnant Frhr. v. Richthofe« errang seinen 3V.» das Jagdgeschwader Nichthofen damit seinen 500. Luftsieg; Leutnant Löwenhardt schoß seinen 44.» Leutnant B i l l i k seinen 27.» Leutnant Bolle seinen 26. und Bizcfcldwebrl Thom seinen 23. Gegner ab.
Der Erste Generalquartiermeistrr: Ludrndorff. e
Dos Hingen südwestlich von Heims.
W. T.-B. Berlin, 25. Juli, übermenschliche Sin* strengungen macht der Feind, um uns das Höihen- g e l ä n d e südwestlich Reims zu entreißen und über das Bois de Reims hinaus weiter vorzuswßen. Ter Aveck dieser AnistranMnyen ist eftnnal, sich von der U-mLimmerung bei Reims ffeizurnachen, amdererfeits im Zusammenwirken mit den bei Soissons eingesetzten englischen und amerikanischen Kräften zanycnartig anzugreisen. Aus einem wahren Völkergemiisch bestehen die Anori ffSt.ru ppen, die schon mehrere Tage gegen den rechten HLg«>l der Armee von Mudra anvennen. Da d>e Franzosen ihre gelichteten Reserven in >den für sie so blutigen und verlustreichen Kämpfe,: schonen wollen, haben sie an beiden Schlachtsronton ihre Hilsis- völker und Bundesgenossen eingesetzt. Neben englischen Divisionen, worunter sich die bewährte 51. AmyriffSdivision besinnt, -kämpft an der Front zwischen Marfaux und Brigny auch eine italienische Division. Tanlgeschwader stießen a-m 23 Juli in das Bois de Reims vor, wurden .dort aber teilweise zusamM-emgeschoffen. Ein italienisches Sturmbataillcm und französische. Kolönialtruppen sind ebensalls gegen unsere Linien angerannt. Acht Senegal-Bataillone wurden immer wieder im wahren Sinn des Wortes in den Kamps getrieben. Bezeichnend für dre Art der Behandlung der unwissenden und vergewaltigten Söhne Afrikas sind die Aussagen eines senegalesischen Adjutanten (Offizier- ftellversteter vom 64. Bataillon). Er berichtet, daß aus den vor Reims stehenden zwei Kolonialdivificnen, die größtenteils »licht eingesetzt sind, mir die Senegal-Bataillone in den Komps getrieben worden seien. Man habe ihnen Schreckliches über die grausame Behandlung -der Deutschen erzählt, die ihrer barre. falls sie lebend in deutsche Hand sielen. Hinter diesen Blitaillomen, die dem Ted geweiht seien, hätten die Franzosen Maschinengewehre und Ba tter ien ausgestellt, welche Befehl hätten, auf die Schwarzen zn schießen, falls sie Miene machten, zurückzugehen. Dies sei auch geschehen. Infolgedessen seien die Verluste -dieser Bataillone sehr hoch.
Ein neuer Angriff bei Montbidier?
Sr. Rosterdam, 26. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Dem ..Rieuwe Rottest». Courant" wird gedrahtet: Die „Times"
meldet: Fach ist jetzt mit der weiteren Vereitelung der deutschen Pläne durch Angstff bei Montdidier beschäftigt, der, obgleich wahrscheinlich lokaler Ast, in Zu- sammenlang mit unserem Geländeqewinn bei VillerS- Bretonneux steht. Die Pariser Militärksttik stellt im all,gemeinen fest, daß durch das Eingreifen der deutschen Berstärkungen die Front sich zu stabilisieren beginnt. Mehrfach wist» jedoch angedeutet, daß man mit der Möglich» keft eines Angriff« an einem anderen Frontabfchnftt rechnen müsse.
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Ei« französischer General verunglückt.
XV. T.-B. Bern, 26. Juli. (Drahtbericht.) Der „Petit Pastfien" meldet, daß General Bruttieaux, der Chef de« Geniewesens eftzer Armee, .durch einen AutvmrMunfall getötet tzuM, ' ' - ^ • *
(Ein Fliegerangriff auf Calais.
Br. Bern, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die. Schweizestsche Presseagentur meldet aus Paris: In der Nacht trm Sonntag auf Montag wurde Calais von feindlichen Fliegerbomben beschossen. Neben größerem Sachschaden gab es mehrere Opfer unter der Bevölkerung.
W- T--B. Bern, 26. Juli. (Drahtbericht.) Der ..Peft» Parisien" meldet aus Calais: In der Nacht vom Sonntag auf Montag überflogen deutsche Flugzeuge zweimal die Stadt. Sie warfen Bomben ab und richteten Sachschaden an; mehrere Personen wurden verwundet.
Die Beurteilung der widerftands- sähigkeit des Zeindes.
Von General der Infanterie Frhrn. v. Freytag-Lostnghoven,
Chef des Stellvertretenden Generalstabes der Armee.
Graf Joseph de Maistre will einst Suworow gefragt haben, was eigentlich erne verlorene Schlacht sei, und darauf die Antwort erhalten haben: „Eine Schlacht, die man verloren glaubt." Prinz Friedrich Karl hat dieses Wort aufgegriffen und knüpft daran die Äußerung: „Eine verlorene Schlacht ist gewiß oft nur eine Schlacht, die man verloren glaubt, an deren folgenden Tagen ein an Seelenkraft stärkerer Feldherr mit einem hierin stärkeren Heere, statt sich zurückzuzichen und geschlagen zu bekennen, Viktoria geschossen und die Geschichte gezwungen hätte, ihn für den Sieger zu halten." Der Prinz hat am 16. August 1870 bei Vionville dementsprechend gehandelt, indem er kroch einen Abendangriff befahl, um dem Tage den Stempel eines deutschen Sieges auszudrücken. Friedrichs des Großen Angriff bei Torgau war gescheitert, von dem gegen den Rücken der Österreicher angesetzten Korps Zieten wußte man nichts, dennoch verzweifelte der König nicht an dem Siege. Seiner Umgebung gegenüber sprach er sich am Abend dahin aus, daß der Feind nicht geringere Verluste erlitten habe als die preußische Armee und ihm am nächsten Tage kein anderer Ausweg als der Rückzug bleibe.
Das Wort von der verloren geglaubten Schlacht gilt heute von der Dauerschlacht im Westen wie vom ganzen Krrege überhaupt. Die eigene Lage kennen wir, die des Feindes nicht. Vor allem seine seelische Verfassung ist schwer zu beurteilen, schon weil im Kriege von Anfang an jeder den Gegner über das Maß seiner Widerstands- fäh-igkeit zu täuschen sucht. Unsere Feinde suchen das in großem Maßstabe durch eine äußerst tätige und ge- schickte Propaganda zu erreichen. Die Absperrung, in der sie uns erhalten konnten, ist ihnen dabei zugute gekommen, indem sie unsere Gegenwirkung behinderte. Wir dürfen uns durch die Ausstreuungen aus den: feindlichen Lager nicht beirren lassen. Mit dem bloßen Widerwillen gegen die Lügenhaftigkeit unserer Gegner, so natürlich er ist, darf es nich: sein Bewenden haben, vielmehr sollen wir die wirklich bedeutenden Leistlingen der Feinde ruhig anerkennen, der Wahrheit, die sich aus ihrer Lügenpropaganda herausschält, entschlossen ins Gesicht sehen. Dann ergibt sich, daß die feindliche Widerstandskraft im Westen, wo die Entscheidung um unser Dasein als lebenskräftiges Volk ausgefochten wird, noch keineswegs gebrochen ist, daß Frankreich wie Italien unrettbar dem Willen der Angelsachsen ausgeliefert sind. Die Furcht vor dem Ausgang des Krieges heißt Frankreich die größten Opfer bringen. Jeder, noch so geringe und vorübergehende, in operativer und taktischer Hinsicht an sich bedeuttmgslose Erfolg muß dazu herhalten, die schwindende Hoffnung auf einen völlig un- möglichen Endsieg immer neu zu beleben, und wird ins Ungeheuerliche aufgebauscht. Bei jedem Mißgeschick aber wird auf die Hilfe Amerikas als nahe Retttlng hin- gewiesen.
Diese Hilfeleistung ist zur Tatsache geworden. Zwar sind die amerikanischen Tn,ppen mangelhaft ausgebildet, sie können mrr eiugeffigt in englisch-französische Verbände fechten, ihre Zahl, fofceit wirkliche Streiter iw Bettacht kommen, wird um das Doppelte übertrieben, doch bilden sie immerhin einen, wenn auch weder voll- werttgen noch vollzähligen Ersatz für die bei den Frau- zosen und Engländern im Lause dieses Frühjahrs ein- aettetenen Verluste. Hierzu kommt, daß die heutige Bewaffnung auch einer minderwertigen und selbst einer aeschlagenen Truppe eine weit größere Widerstands- kraft gewährt, als es ehedem der Fall war. Mit raschen, entscheidenden Schlägen auf den ausgedehnten Fronten durchgreifend zu siegen, ist gegen frühere Zeiten sehr erschwert. Allein das Maschinengewehr, das, von wenigen Leuten bedient, die Feuerkraft zahlreick^r Gewehre nickst nur ersetzt, sondern durch seine zusammengefaßte Wirkung noch übertrifft, bereitet dem nachdringenden Sieger alsbald immer wieder neuen Aufenthalt.
Das alles scheint auf den ersten Blick zu unserem
Nachteil ru Ürrecheu, und so müs arr ma n che Zweffal
( kommen, ob die gewaltigen Schläge, die wir im Früh- !?hr und Frühsoinmer dieses Jahres austeilten, zum Ziele führen werden, ob nicht die weltpolitische und weltwirtschaftliche Lage, die von jeher ausnahmslos zugunsten unserer Feinde sprach, es ihnen doch noch er- möglichen wird, über allen deutschen Heldenmut im Felde und zur See über und unter Wasser, über alle in der Heimat erwiesene Standhaftigkeit unseres treuen deutsches Volkes den Sieg davonzutragen. Und doch ist solche Denkweise in keiner Weise angebracht. So wenig wir uns darüber täuschen dürfen, daß wir noch nicht am Ende von dem stehen, was von uns gefordert werden muß, mag der Wunsch nach Beendigung des Krieges noch so rege sein, so wenig haben wir andererseits Anlaß, an dem freudigenGlauben an einen deutschen Endsieg irre zu werden. König Friedrich konnte am Abend des blutigen Tages von Torgau so zuversichtlich sprechen, weil er der Sieger in zahlreichen Schlachten war. Der Rückblick mif vier Knegsjahrc und auf das, was durch unser gutes Schwert bereits gewonnen ist, aber berechtigt uns sicherlich zu dem gleichen Vertrauen.
Die Anstrengungen, die England und Amerika jetzt mucken, vom Eismeer aus wieder Einfluß auf die Geschicke Rußlands zu gewinnen. verdienen gewiß Beachtung. Unsere Machtstellung in den Grenzlanden des ehemaligen Zarenreiches und in der Ostsee aber ist viel zu fest, als daß uns diese Frucht deutscher Ostsiege wie- der cnttissen werden könnte. Vor alleni aber fällt die Entscheidung über alle Fragen des weiteren Umkreises in: Mittelpunkt, das ist in Nordfrankreich. Dort schwächt sich das französisch-englische Heer täglich in fruchtlos -:: Gegenstößen um ein Vielfaches mehr als das unirrge. Schon ist die Frage des Mannschaftsersatzes. wie unsere Gegner bekennen müssen, bei ihnen brennend. Hierzu kommt ihr gewaltiger Verlust an Kriegsmaterial, der Milliardenwerte darstellt, nicht so bald zu ersetzen ist und finanziell unsere Feinde hart trifft. Das Bild ihrer Finanzwirffchast ist ohnehin trübe. Amerikas- Hilfsmittel dürfen nicht unterschätzt werden, aber unbe- grenzt sind sie auch nicht. Seine Kriegslasten sind be- reits jetzt ungeheuer und stehen rn keinem Verhältnis zu dem Geleisteten. Schon mehren sich in England die Stimmen, die vor Optimismus warnen. Es sind nicht Pazifisten, die sie erheben, sondern vor allem Militärkritiker, die bisher die Lage der Entente nur im rosigsten Licht sahen. General Maurice äußerte erst jüngst Zweifel ob der Wirksamkeit der amerifam- scheu Waffenhilfe. Er. wirft -,ie Frage auf. ob denn der Schiffsrairm reichen würde, ein amerikanisches Heer von einer Million und darüber dauernd mit Erfolg und allem Röttgen zu versehen. Die Schiffsraumfrage ist in der Tat bei unseren Feinden brennend und wird es täglich mehr dank der wackeren Arbeit unserer Unter- seeboote.
Hüten wir uns daher, auch nur vorübergehend den Glauben in uns aiffkommen zu lassen, die Weltschlacht könne verloren gehen, damit nicht aus ihr eine wirklich verlorene Schlacht werde. Dazu ist vor allem nötig, daß wir nicht selbst den Feinden Anlaß geben, die Schlackt für gewonnen zu halten. Sie werden diese An- sicht fallen lassen, wenn sie unsere innere Front so unerschüttert sehen wie die im Stahlhelm drau- ßen, wenn bei uns jeder, dessen Wort in die Öffentlich- feit dringt, sich der Pflicht voll bewußt ist. dem Feinde keinerlei Handhabe zur Ermutiaung zu bieten. Dann, aber auch nur dann, werden wir. wenn nicht jetzt, so doch in nicht ferner Zeit den Feinden das Gefühl er- wecken, daß ihnen der Sieg, wie sie ihn erhofften, ent- glitten ist. „Das Gefühl, besieat zu sein", schreibt Claiffewitz. „ist keine bloße Einbildung, über die man Herr werden könnte; es ist die evident? Wahrheit, daß der Gegner uns überlegen ist, eine Wahrheit, die in den Ursachen so versteckt lein konnte, daß sie vorher nickt zu ersehen war, die aber beim Ausgang immer klar und bündig hervortritt."
Dieses Wort von Clausewitz bezieht sich zwar auf eine einzelne Schlacht, es gilt aber, nicht anders als das erwähnte Suworowiche, zualeich vom Kriege überhaupt. somit auch von dem jetzigen Völkerringen. Das deutsche Volk kann seiner Sache gewiß sein. Hat seine Siegeszuversicht auch mehr und mehr 'die Fär- bung finsteren Trotzes angenonimen, so braucht sie dock darum an der Schwelle des fünften Kriegsjabres nicht minder rege und n a ch h a'l t i g zu sein als in den ersten Tagen freudiger Kriegsbegeisterung.
Oie Admrralstabsmelduna.
W. T.-B. Berlin, 23. Juli. (Amtlich. Dvahtbericht.) Jnc Mttelmeer haben unsere- Unterseeboote 4 Dampfer von mrafc 13000 Bruttorrgistertonnen
versenkt, Der Chef des Adinirafttabes der Warme,
