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Verlag Sa-rggaffe 21

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,,T«gdlatlhaus" Nr. 68S0SS.

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Zreitag, 26. Iuli 1918.

$o$ tos unserer Handelsflotte nach einem englischen Frieden.

Wenn -es die Puivatansiäst irgendeines englischen Blattes wäre und nicht die wohlüberlegte, gut zurecht- geferlte und scharf durchdachte Meinung einer aintlichen englischen Schiffahrtssteüe, so könnte man über die Zwangsbedingungen, die unserer Handelsflotte nach dem Kriege angedroht werden, -zur Tagesordnung über­gehen. Da es aber eine von dem ISoard of Trade (dem- englischen Handelsamt) 1916 eingesetzte Kom­mission gewesen ist, die eine Reihe von Richtlinien abgefaßt hat, unter denen Frieden zu schließen wäre, so haben wir allen Grund, uns einmal eingehend mit ihnen zu beschäftigen. Es heißt in der betreffenden Entschließung u. a.: Wir und der Ansicht, daß kein

Frieden zufriedenstellend werden kann, der nicht die Kapitulation der feindlichen Schiff- fahrt erzwingt und eine drastische und exem­plarische Strafe für die Verbrechen des Feindes zur See auferlegt. Als eine Friedensbedingung muß von den feindlichen Ländern gefordert werden, daß sie > ») bei Kriegsende ihren gesamten Handels­schiffsraum, sowohl in eigenen wie in neu­tralen Häfen, den Alliierten übergeben, b) auf alle Fahrzeuge verzichten, die bei Kriegs- beginn in Häfen von Ländern, die mit in den Krieg hineingezogen worden sind oder die diplo matrschen Beziehungen zu den Mittelmächten ab gebrochen haben, aufgelegt worden und, e) den Alliierten aAen seit Kriegsbeginn in ihre --Hände gefallenen gegnerischen Schiffsraum zu­rückgeben.

Nach beendeter Demobilmachung solleil die noch rucht verkauften feindlichen Fahrzeuge in den verschie- denen Landern öffentlich verkauft werde,'.. Dieses Ver­fahren soll als ein Teil des allgemeinen Kriegs- schaoenersatzes, der von den feindlichen Ländern zu leisten ist, betrachtet iverden. Neutrale und Feinde dürfen nicht nntbreten; Verkaufsbedinqung ist, daß die Fahrzeuge weder mittel- noch unmittelbar wieder unter den Einfluß des Feindes kommen, solange seiner See­fahrt und seinem Handel allgemeine Beschränkungen auferlegt sind.

Weiter verbreitet sich die Auslassung der Kom- (Eon darüber, daß die. Verbündeten Englands ähn- lrche Maßnahmen zu ergreifen hätten und daß gleich- wlls alle alliierten Schiffswerften in den ersten Zähren nach dem Kriege keine Schiffe für die Reeder der Vierbundlander Herstellen dürfen.

auch dankbar dafür sein, daß die feindlichen Vlane m ihrer völligen Schamlosigkeit derart enthüllt werden. Die Auslieferung unserer Handelsflotte, so- Et ste m feindlichen und neutralen Ländern liegt, wurde für unsere Handelsschiffahrt einen tödlichen Schlag bedeuten. Wie sollte der Aufschwung von Industrie und Ausfuhrhandel wieder einfetzen können, wenn es uns an Schiffen fehlen würde? Alle unsere heute noch in Chile, Argentiiiien. Holländisch-Ostindien und anderen neutralen Gebieten liegenden wertvollen Handelsschiffe wären bei einem solchen Frieden für immer für uns verloren. Damit aber hätte England ferne dringende Schiffsranmnot mit eincni Schlage wieder ziemlich behoben. . Es wird jedem Urteilsfähigen einleuchten, daß diese Bedingungen n u r i m F a l l einer deutschen Niederlage von uns angenommen werdeii konnten. Ilm so mehr haben wir alle die Pflicht, zu Lande, zu Wasser und in der Heimat alles daran zu letzen, imr6t§.au einem siegreichen Frieden ourchzuhalten. Ein enalischer Frieden, dessen Teilbe- dingungen wir in° dem Vorschläge der Board of Trade- Kommission erschreckend klar vor Auge,i haben, würde auf lange hinaus ein Wied eraufb lüh en der deutschen Volkswirtschaft verhindern. Hoffen wir deshalb, daß unser gutes deutsches Schwert und unsere unvergleichlichen Unterseeboote uns vor einem solchen Frieden bewahren, der Deutschlands Zukunft derart einengen würde. Mehr denn je liegt D-eutsch- lands Zukunft heute auf dem Wasser.

oie Versenkung eines amerikanischen Niesenvampkers.

Nicht die frühereVaterland", sondern ein Holland- Amerika-Dampfer.

. Berlin, 25. Juli. (Drahwericht.) Äußerungen

o«r englischen und französischen Presse zufolge soll der am M^ui, von einem deutschen Unterseeboot nordwestlich Irland versenkte Dampfer nichtderDampferVaterland", «ondern der 1917 in England fertiggestellte, 32120 Brutto- lwotze TurbinendampferJusticia" von der -üZhrte Star Linie gewesen sein.

Anmerkung des W. T.-B.: Ehe . zu dieser Meldung von orr amtuchen deutschen Seite Stellung genommen werden

Morgen-Kusgabe.

Nr. 343. 66. Jahrgang.

kann, muß erst die mündliche Berichterstattung des beteiligten Unterfeebootskommandanten abgewartet werden. Der kürz­lich über den DampferVaterland" erfolgten Veröffent­lichung liegen funkentelegraphische Meldungen zugrunde.

B. A, Berlin, 25. Juli. (Gig. Drahtbericht, zjb.) Der Irrtum, der dom deutschen U-Boctkrmunondantsn bei der Ver­senkung derI ustici a" unterlaufen ist, wird durch die Tat- >ache erklärt, daß das Schiff die gleichen Merkmale wie die'Vaterland" batte. Es aohörte mit seinen (i2 000

rutivregist-ertonnen ebenso wie d-eBaterlamd" zu den «chifftn einer Große, van derlei: eS nur wenige gibt und die durch ihre Riesenmaße ohne weiteres aus der Erschei-nungS- form anderer Dampfer deutlich hcrausfallcn. Der Schatten­riß urch das allgemeine Aussehen dieser Dampfer ist jedem einzelnen unserer U-Bootkoanmandantem bekannt. Wenn ein solches Riesenschiff auftancht und in seiner Charakteristik der , Vaterland" entspricht, von -der genaue Bilder vorhanden sind, was von anderen Schiffen nicht immer der Fall ist, dann tarn natürlich leicht eine BevwechKung eintreten.

Weitere Einzelheiten über die Versenkung.

®> A. Berlin, 25. Juli. (Eig. Drahibericht. zjb.) Mer die Levs-orckung selbst w:rd noch geineidet: Das -Schiff hatte eine B e m a n n u n y von 6- bis 700 Manw; 11 davon find tot. Es wird behaupt-et daß zehn Torpedos abgefchoss-sn wurden, von denen vier durch .das Kanenenseuer derJusticia" selbst ver­nichtet wurden. Passagiere sind nicht umgekomm-en. Aus den AuSsage-n der Bemannung -ergibt sich, -daß -dieJusticia" am Fre-itagvormittag von verschiedenen U-Booten angegriffen wurde. Sieben Dc-rpedoß wurden schnell aufeinander auf sie abgsftuert; zwei davon trafen. Am Samstag würde der Angriff erneuert -und das Schiff abermals getroffen. Die Bemannung wurde von einem eng­lischen Patronillenschiff aufgenrMiriem. Hierzu stellt der Reue Rotterd. Courant" fest, -daß der DampferJustwia" der frühere holländische DampferStatendam" der Holland-Am er ika-Lrnie ist.Justicia" fuhr für dre Whitc Star-Linie, nachdem das Schiff für die englische Re­gierung requiriert worden war.

heftige Teilkampfe zwischen Zoissons und Reims.

IV. T.-B. Berlin, 25. Juli, abends. Mm-tlich Draht­bericht.) Heftige Teilkämpfe auf dem Schlachtfeld zwischen Soifsons und Reims

Masfenflucht der Italiener in Frankreich.

Ängstliche Furcht vor den Deutschen.

W. T.-B. Berlin, 25. Juli. (Drahtbericht.) Bei Ge­fangenen der westlich Reims eingesetzt gewesenen italienischen Divisionen wurden Befehle vorgefunden, aus denen her- vrrgeht, daß italienische Soldaten in großer Zahl sich von der Truppe Zu entfernen suchen. Cs mutzte daher auf den ftanzösischen Bahnen ein vollkommener Über­wachungsdienst eingerichtet werden. Laut Befthl wird jeder Militär- oder Zivilperson, welche einen italienischen fluchtverdächtigen Soldaten anhält oder zur Meldung bringt, eine Belohnung von zwei Lire versprochen. Wie groß mutz die Zahl der fortlaufenden Italiener sein, wenn man die Belohnung für die Entdeckung eines Flüchtigen nicht böber anseht. Dieser niedrige Kopfprers beweist schlagend, daß die Italiener sich in Hellen Scharen von der Truppe cnffernen. Aus dem Befthl geht weiter hervor, daß die in^Frankreich kämpfenden Italiener den deutschen Truppen gegenüber reichlich nervös geworden sind. In immer neuen Befehlen wird von den höheren Kommandostellen darüber ge­klagt, daß man in jeder sich nur nähernden deutschen Patrouille schon einen Masseimngriff sehe. Jedes kleinste nächtliche Geräusch ruft eine solche Panik bervor, daß oft ein stundenlanges Sperrfeuer angefordert würde. Die Trudpen schienen vergessen zu haben, daß sie Gewehre und Handgranaten besäßen. Diese ängstliche Furcht vor den Deutschen müsse beboben werden.

Ein Zwischenfall im englischen Unterhaus.

Sckarfe sozialistische Angrifft auf die Northcliffeprefle. W. T.-B Amsterdam» 25. Juli. WieMyemeen Handelt- blod" meldet, ist es gestern abend im Unterhaus zwischen dem -Sozirichten John Burues, der gewöhnlich nicht redet, und dem Sprecher wegen der No rthcli ffepresse zu einem Konflikt gekommen. Der Zwischenfall hatte ein« große Erregung im Hause zur Folge. Bunnes sagte u. a., daß die gelbe Presse, au der SpitzeTimes",Daily Mail' undEvening News", aus Blättern bestehe, die, wie er bereits vor Jahren aussührta, das Eigentum von Lumpen seien, vori Schurken herauSgeyeben und von Narren gelesen würden. Der Sprecher fragte, db Bunnes Lord Nortibclifft meine. Bunnes antwortete, er wiedechole seine Erklärungen, die er vor Jahnen abgegeben habe; sie wer­den durch die Ereignisse der letzten Zeit bestätigt. Der Sprecher verlangte, daß -Bunnes seine Worte zunücknehme. Nach einer Laugsn D:Äuf,«M fand sich Wunnes schlieftlich da. zu -bereit.

Rußlands innere wirren.

Lenin übet fcie Lage in Groh-Rutzland.

W.T.-B. Moskau, 25. Juli. (Drahtbericht.) Auf der Moskauer Gonvernemeiits-Konferenz der Fabrikkomitees hielt ~ciirtt am 23. Juli eine längere Rede über die Lage d e r R ä t e r e p u b l i 5. Die L^rge habe sich äußer st der- schärft, sowohl durch internationale Verwicklungen als auch ,durch gegenrevolutionäre Verschwörungen und die da­mit verbnndsnc BerpflegungskrrfiS. Das russische Proletariat erkenne sehr wohl, daß die unerläßliche Vorbedingung des Sieges der russischen Revolution das vereinigte Eingreiftn der Arbeiter der ganzen Welt geaenüber einiger iveit ent­wickelter kapitalistischer Länder sei. Für Rußland sei es leich- gewesen, die Revolution zu beginnen, doch außerordentlich - lchwer, sie sortzusetzen und abzuschliehen. Äußerst schwer ser dagegen der Beginn in einem so wohl organisierteii bürger­lichen Land wie Drutschl-ind, doch um so leichter dort ihre Durchführung, über den Bretter Frieden sagte Lenin, daß die Räteregieruug ebenfalls irisse. daß laut diesem Unterdrückungsvectr-ig Rußland an Derrtschland gegen sechs Milliarden Rubel zahlen müsse; doch nicht der wahnsinnige Versuch der linken Sozialrevolutionäre. Rußland durch die Ermordung des Graftu Mirbach in einen Krieg mit Deutsch­land zu verwickeln, sei das Mittel, dem Bretter Vertrag zu entgehen. Ein Ausweg müsse geärinden werden durch ge­meinsame Anitrengringen de? Proletariats rind der armen Bauern.

Simbsrsk, »on den Tfchecho-Slowaken besetzt.

W. T.-B. Moskau, 25. Juli. (Drahtbericht.) Laut offi­zieller Mitteilung ist Simbirsk trotz verzweifelter Gegenwehr der S o w j e t t r u p p e n von den Tschecho- Slowaken genommen Warden. Mit dem Fall von SimoirSk itt nicht nur das linke Wolgauftr, sondern auch ein Teil de? Territoriums diesseits-der Wolga in den Händen der vor­in arsckierenden Tschecho-Slowaken.

DiePrawda" schreibt hierzu sehr besorgt: Der Auf- ftaiid breitet iich wie ein -Llfleck auf dem Papier aus. Sim­birsk war einer der Stützchüükte der Rätegewalt vnd zugleich eine Getrcidekammer. Die Gefahr wächst, sie ist nahe. Der Feind ist zahlreich und gut organi­siert. Wenn der Fall Saniara jenseits der Wolga die Arbeiter nicht aufgerüttelt hat, ft mutz der Fall von Simbirsk das Proletariat mit Zittern und Zagen für das Schicksal der Prrletarierrevolution erfüllen.

Ein Reiseverbot nach Murman und Archungel.

W. T.-B. Moskau, 25. Juli. (Drahtbericht.) Ein Be- sehlTrotzkvs warnt vor Fahrten nach Murman, Archangel und der ffchechisch-slowakischen Front ohne schriftliche Ge­nehmigung des Kriegskommissari.rts. Zuwiderhandelnde werden mit dem Tode bestraft. Die Warnung ist auf den Bebnböftn und in den Waggons in russischer, polnischer und serbischer Sprache ausgehängt.

r^unaerunruhen^in woloqda?

W. T.-B. Moskau, 22. Juli. Die Presse meldet: D-er ,-Ncwoja Petrogradskaja Gaseta" wurde am 18. Juli der Abtransport des Archivs dec englischen Gesandtschaft aus Wologda gemeldet. Aus Petrosawcdsk wird gemeldet, daß der gesamte Schiffsverkehr aus Mangel an Verpfleguno nächster Tage eingestellt wird. Im Gouvernement Now­gorod herrscht Hunger; es sind Unruhen ausgebrochew Ein gleiches droht im Gouvernement Wologda. Aus An- duskan wird berichtet, daß das ganze mohammedanische Pro­letariat sich für den Sowjet ausgesprochen hat. ^

Güte boltcvewistttche Republik Turkeftan.

W. T.-B. Moskau, 25., Juli Der fünfte Gebietsräte- Kongreß erklärte Turkestan als Republik im Bunde mit Rußland und wählte in das Zentralexekutivkomitee elf Mohammedaner. Die Kommissariate für nationale Ange­legenheiten, Justiz Gesundheitswesen und Inneres sind 'in mohammedanischen Händen. Die Republik umfaßt die Ge­biete Semiretschinsk, Syrdarja, Fergan, Sarnarkand, TrcmS- kaspt, Chiwa und Buchara. Die Orte Bucharas mrt vor­wiegend russischer Bevölkerung werden von Räten der Arbei- terdcputiertcn verwalten Beim Emir befindet sich ein Kom­missar der Republik Turkestan, dessen Ratschlägen der Emir sein Gebär nicht versagt. Die Bahn durch Buchara gehört der Republik und wird durch deren Truppen bewacht. Die von der mohammedanischen Bourgeoisie in Kokand geleitete Be- weaung für eine autnnomö Republik wurde unterdrückt. Man ergreift Maßnahmen gegen Dutow und andere Gegenrevo- luticuäre. Die Tschechen sind wegen großer Entfernung ohne Einfluß.

Noch keine Grenzverständigung mit ber Ukraine.

W. T.-B. Kiew, 25. Juli. ,Drahtbericht.) In einer ge­meinsamen Sitzung der politischen Kommission der ukramisch. russischen Friedensdelegation wurde nach langer Debatte, da keine Einigung zu erzielen war, aus den Vorschlag der ' ukrainischen Delegierten ein U n t e r a u s s ch u ß zur ge­nauen Festsetzung der ethnographischen Grenze gewählt.

Nkrainisch-groß-russische WirffchaftSverhandlnngcn.

\V. T.-B. Kiew, 25. Juli. (Drahtbericht.) Heute findet in Kr sw eine Beratung der Vertreter der russischen Ver- Pfleguvgsorganisabonen über ine Anbahmurug des