Verlag Langgaffe 21
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Dienstag, 23 . 3uli 1918.
Kbend-Kusgabe. Nr. 33». . 6S. Jahrgang.
Zeitweilig Ruhe an den Lampsstonten,
Keindliche Teilangriffe am Gurcq gescheitert.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.
^»Slische Abteilnugcu stießen an vielen Stellen der Front gegen unsere Linien vor; sie wurden abgewiesen. Die Artillerietätigkeit lebte am Abend wieder auf.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
An den Kampffronten trat zeitweilig Ruhe ein.
Südlich dqr A i s n e hat der Feind infolge schwerer Verluste feine Angriffe gestern nicht erneuert. Auch der Artilleriekampf hat hier an Stärke nachgelaffen. Beiderseits des O u r e q und zwischen Ourcq und Marne führte der Feind fast in allen Abschnitten heftige Teilangriffe; sie wurde« abgewiesen; südlich des Ourcq brachte sie unser Gegenstoß zum Scheitern. Feindliche Abteilungen, die beiderseits von Jaulgonnc in unsere Borpostenstellnugen an der Marne eindrangen, wurden im Gegenangriffs an den Fluß zurückgeworfen. Örtliche Kampfs südwestlich und östlich von ReimS.
Gestern wurden 52 feindliche Flugzeuge und 4 Fesselballone abgeschossen.
Leutnant Löwenhardt errang seinen 42. und 43.» Leutnant Billik seinen 26., Leutnant Bolle seinen 27. und Leutnant P i p c a r d seinen 20. und 21. Luftsicg.
Der Erste Genrralqnartiermeistrr: Lndendorff.
Die siegreiche Abwehrschlacht.
Der Flanken st o tz, den der französische Generalissimus, General Foch, gegen die rechte Flanke der Armee Boehn zwischen A i s n e und Marne geführt hatte, hat sich immer mehr zu einer großen und g c- waltigen Schlacht entwickelt, die wir wohl als einen der Wendepunkte des Krieges im Westen bezeichnen können. Es zeigt sich dies in der langen Dauer der Kämpfe, die sich schon über mehrere Tage er- strecken und in der stets neuen Heranführung feindlicher Verstärkungen. Die Schlacht wird von den Franzosen imd ihren Bundesgenossen längst nicht mehr mit den ursprünglich dafür tu Aussicht genommenen Truppen und den Abschnittsreserven ausgeführt, sondern der feindliche Führer hat seine: neuaufgesüllte und nach den früheren Verlusten und Niederlagen wieder kampfkräftig ausgestaltete allgemeine Heeresreserve heranführen und einsetzen müssen. Damit hat der Kampf weit den Rahmen örtlicher Unternehmungen überschritten und ist zu einer Handlung ausgewachsen, die die Ges amt läge entscheidend beeinflußt. Es handelt sich dabei nicht rnehr um größeren und geringeren Geländegewinn, um die Zurückdrängung der deutschen Linien um einige Kilometer, sondern um eineu entscheid e n de n A u s g a n g, der durch den Einsatz aller verfügbaren Kräfte berbeigeführt werden soll und _ in der gänzlichen Iurückwerfung der Deutschen südlich der Aisne besteht. Dieser Zweck ist trotz aller Anstrengungen des Feindes bisher in keiner Weise erreicht worden, denn abgesehen von dem örtlichen Gewinn, den die Franzosen am Vormittag des ersten Schlachttages spielten, sind alle ihre späteren Angriffe unter den schwersten Verlusten gescheitert. Die deutschen Truppen konnten ihre Stellimgen im allgemeinen behaupten. Dabei ist es besonders wichtig, daß die deutsche Fübrung, wie aus den übereinstimmenden Angaben der Kriegsberichterstatter hervorgeht, nicht gezwnngen war, auf ihre große Heeresrcserve zurückzugreifen. . sondern den feindlichen Vorstoß allein schon mit dem Abschnitt von Arnieereserven oufhalten und abwehren konnte. Die deutsche Führung hat also trotz des feindlichen Vorstoßes vollkonimen ihre -Operationsfreiheit behalten und ist in der Ausführung ihrer sonstigen Pläne nicht gestört worden, der Gegner ist dagegen durch den Einsatz seiner Heeres- reserve in der Gegend des fetzigen Flankenstoßes gefesselt- Es wird sich dies erst bei der weiteren Entwicklung der Kriegslage in seiner vollen Bedeutung und Tragweite zeigen. Der Gegner har außerordentlich schwere Verluste erlitten, r,te er nur durch .Heranführung immer frischer Kräfte wieder ausgleichen konnte. Damit hat aber seine Widerstandskraft im ganzen eine erhebliche Einbuße erlitten und ist bedeutend geschwächt worden. Auch dies wird sich bei der Fortführung der -Operationen, sei es an dieser oder jener Stelle, sehr empfindlich bemerkbar machen.
Stillstand der französischen Offensiv«!
Br. Gens, 23. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die heutige Havas-Note erklärt, daß zwischen Aisne
I Truppen die Schlacht erbitterter geworden sei, woraus man vermuten könne, daß der französische Angriff zum Stillstand gekommen sei.
Oer opferreiche Mißerfolg des 4. Kampftages für Zoch.
\V. T.-B. Berlin, 22. Juli. Der große, die Entscheidung suchende Kampf Jochs hat auch am v i e r t e n Schlachttag mit einem Mißerfolg füc den Entente-Generalissimus geendet. An der ganzen Hauptangriffsfront von der Aisne bis zur Marne verbluteten sich aufs neue die irischen Divisionen des Feindes, ohne irgend welche Norteile erringen zu können. Wo der Gegner infolge rücksichtslosester Anbäufung seiner Massen auf engem Raume in unsere Linie eindringen konnte, wurde er sofort wieder geworfen. Sv mußten die über die Straße Soissons-Chateau- Tbierry vorgehenden feindlichen Kräfte nach unserem erfolgreichen Gegenangriff im deutschen Verfolgungsfeuer wieder über die Straße zurückweichen. An den Brennpunkten des Kampfes, wie bet Bille Montoire und Tigny, waren die feindlichen B-utopfer besonders schwer. Weder der Einsatz zahlreicher Tankgeschwader noch die Vernebelung des Kampffeldes, noch die Massenverwendung seiner Kräfte konnten den Feind seinem Ziele näher bringen. Während in den großen Offensiven dieses .Jahres die Deuffchen bet geringen Verlusten in wenigen Tagen 60 bis 80 Kilometer nn Angriffs durchschritten und die feindlichen Armeen oft zn überstürzter Flucht zwangen, hat General Foch kärglicher Anfangserfolge wegen viele H undcrttausende eii gesetzt, ohne auch nur im entferntesten ähnliche Erfolge, geschweige denn die erstrebte Entscheidung erringen zu können.
Die hohen blutigen Verluste Der Leinde.
IV. T.-B'. Berlin, 22. Juli. Nach übereinstimmenden Meldungen unserer Truppen sind die blutigen Verluste der Feinde außergewöhnlich hoch. Dies wird auch durch die Aussagen der von uns eingebrachten Gefangenen in vollem Umfang bestätigt.
Was aus der bcreitgestelltcn feindlichen Kavallerie wurde.
W. T.-B. Berlin, 22. Juli. In der Mulde östlich von Moish wurden wiederum auch am 21. Juli feindliche Infanterie- und Kavalleriebereitstellungen von den Deutschen beobachtet, die sofort ans diese lohnenden Ziele ihr Vernichtungsfeuer zusammenfatzten und die feindlichen Ansammlungen zersprengten. Die gegnerische Kavallerie verschwand fluchtartig in westlicher Richtung.
Clemenceau in Chateau Thierrv.
Gens, 23. Juli. Wie Havas meldet, hat Elemenceau, begleitet von Rene Renault, dem Präsidenten der Armeekom- mission. den Sonntag an der Front verbracht. Er hat Chateau- Thierry besucht, dessen Straßen nach diesem offiziellen Bericht von Trümmern und Leichnamen angefüllt sind.
Ein bemerkenswertes schweizerisches Urteil.
Di-. Zürich, 23. Juli. (E;g. Drahtbericht. zb.) Der ..Zürcher Anz." schreibt zur Schlacht zwischen Marne und Aisne: Ter Plan des Generals Foch kann leicht zu einer schädlichen Verzettelung der alliierten Streitkräfte führen, die Gefahr laufen, von den auf der inneren Front stehenden Deutschen vereinzelt geschlagen zu werden. Was sich heute zwischen Reims, der Marne und der Aisne abspielt, ist keine bloße Stellungsschi acht mehr, es ist ein Bewegung?-- und Manövrierkamps, bei welchem nicht mehr die Überlegenheit des guten Materials und der materiellen Koiegssühcung. sondern die geistige Überlegenheit der Führung den Ausschlag geben wird.
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Die französischen Kolonialtruppen.
W. T.-B. Bern, 2.3. Juli. sDrahtbericht.s Wie der .Temps" meldet, haben die französischen Kolonien bisher 680 000 Soldaten und 2,38 000 Arbeiter nach Frankreich geschickt.
Schwere Explosionen in einem französischen Arsenal.
W T.-B- Bern, 22. Juli. ..Proqeß de Lyon'' teilt mit, datz inl Arsenal in Eaftres eine Reihe Explosionen von Bomben nn Sprengstcsstopot stattaesundcn habe. Nach der ersten Explosion wurde Anordnung aus Räumung der Stadt erteilt. Dank dieser Maßnahme ist die Zahl der Opfer, obwohl genau noch nicht bekannt, gering. Der Schaden in der Stadt ist sehr groß und erstreckt sich bis ans w Kilometer rat Umkreis. Die Explosion des Pulverlagers der Hauptladestation konnte bisher verhindert werden.
Line Stimme fürZriedenserörterungen im englischen Oberhaus.
W. T.-B- Bern» 22. Juli. Ter früher.: Bizetürug von Irland Lord Wimbor-ne brachte im Oberhaus am 16.Juli dem -Vorschlag einet Resolution ent, daß bei den feinblicheu Frieidensfühlenri darauf Bedacht genommen werde, das Frie- -dsnsziel der Entente klaiHustellen und dem Militarismus in den Augen der VöWer der Zentrcäm ächte zu diskreditieren. Der „Darly Nswö" Zufolge erörterte Wimborne in einer langen Rede, die von der „Times" zum Teil erheblich anders wiedergogsben wird, zunächst, ob die letzten Redsu Kühl- manns und dev Grasen He rtling ausuichngc Friedens- lichter oder Fallen seien. Er wies daraus hin. Saß in D-sntsckr- «k iffffik fetramiiag »rcnmwjlHgLv am jiun
Frieden geneigter Meinnngsn vorhanden sei, die selbst der Genera-fftab nicht ignorieren wolle. Man habe Zwar Wochen hingehen lassen, che man ihn desavouierte. Dabei habe man, da in der Zwischenzeit keine Antwort der Alliierten erfolgte, unschwer Nachweisen kämmen, daß solche Jrie- denshoffnungen, wie sie Kühlma nm zum Ausdruck gebracht halbe, eitel und un-fruchtbar seien. Es ftagt sich, ob Englanld dabei nicht -der deutschen Militärpartei direkt in die Hände gespielt habe. Englands -Verhalten sei etwas schwerfällig gewesen. Das habe sich bereits «bei den Broster Verhandlungen gezeigt und auch als Gras Czer-ni-n im Namen der Zenträlmächte ein allgemeines Frie'de-nSo-nig-ebot machte. Er, Wimdorne, sei -der Ansicht, daß -England jenes Angebot, als in der Hauptsackte der britischen Sache genügend tuend, ohne Trug oder -Schikane -hätte annehmem können, denn ein ohne irgend welche Eroberungen oder Beute in seine vor -dem Krieg bestehende»! Grenzen zurückgetriebenes Deutschland würde eine Niederlage des Mil-itarismus -bedeutet haben. Wenn England aus jenes Angebot eingegangen wäre, wäre die Well vielleicht in den Frieden gcstölpert, viel -wahrscheinlicher aber sei, daß die Junker und die Alldeutschen Angst bekommen und die Verhandlungen abgebrochen 'haben würden. Wenn aber dergestalt tatsächlich der Sokdatenlstiesel! triumphiert hätte, wäre -die Eroberungslust, -der Zynismus und die Brutalität seiner Träger der großen -Masse des deutschen Volkes in nicht mißzuverstehender, unverg-eßlicher Form zu Gemüt geführt worden. Dann träte die Friedensoffensive gescheitert, Deutschland wäre aber in sich gespalten gewesen. Die Rede Küh-Imanns habe eine weitere derartige Gelegenheit geboten, aber drei Wochen seien verstrichen, ohne daß der verantwortliche Min-ister daraus geantwortet habe. Sei denn die Regierung, die das Volk allzu sehr wie Kinder behandle und ihm Di-nge verheimliche, die den Feinden keine Geheim-nisse seien, so besorgt, daß das bloße Wort von Berhandlu-ngen das Volk in Uneniffchlvffenhc.t sKrzen würde?
Man solle -nicht etwa darauf antworten, -datz Englands F r i edemsbedingumgem Deuffchland bekannt seien. Cs sei zweifelhaft, ob ein Deutscher unter einer Million Deutschen zu finden sei, der sie kenne. Dagegen wisse jeder kriegsmüde Deutsche, daß zum wenigsten dreimal der Kais e r riber seine -Minister Friedensangebote zu Bedingungen gemacht hätten, die jedem Alldeutschen als der Kapitulation nahekommemd erscheinem -mutzten. Da diese Angebote jedesmä! von den Staatskanzleien der Wiier- ten mit einem eisigen, scharfen Stillschweigen ausgenommen worden seien, glaube der gewöhnliche Deuffchc, daß die Alliierten auf nichts weniger als auf die Vernichtung .Deutschlands, aus seien^ und datz -ihm -nichts übrig bleibe, ak» den Kampf sortzusetzen. Der Krieg, schilotz Wim- bornc, muh gewonnen werden. Mer es sei kein gewöhnlicher Krieg. Man wolle nicht Deutschland in dem -gewöhnlichen Sinne besiegen, sondern bekehren, und dazu brauche man zwei Waffen, nämlich die Mlitävmacht und überzeugende Llrgumente. Wenn aber die Diplomatie ihr Teil tun solle, bedürfe -man einer einsachen, konkreten Formel, ohne ei-ne Reservation, ohne Implikationen und Komplikationen, eine Formel, die das Bäck, an die sie gerichtet ist, leicht twrstehe. Die Deuffchen hätten die Fovrnel „Keine Annexw- nen" gebraucht, jetzt sprächen sie vr« den .Historischen Grenze n". Gleichgültiig. ob das -ehrlich oder unehrlich sei, man müsse darauf antworten und immer wieder antworten. Eine schwerfällige Abwehr sei nicht ausreichend, sondern Gegenangriffe seien -notwendig.
Am Schlutz der Rede -Wimbovnes erklärte Erawsord. der in Abwesenheit des Lord Eurzon den Vorsitz -führte, mit Schärfe, Curzon und das Auswärtige Amt hätten -dem Lord Wimbornc angcdeutet, datz die Besprechung seiner Resolution inopportun sei, und es weide daher erwartet, daß «r sie zurückziehen »vevde. Crawford verlas dann eine Aufzeichnung Curzons, -wonach es derzeit nicht i-m öffentlichen Interesse llege. die Angelegenheit zu erörtern, zumal die Ansichten Kühl m a -n n S nach >seinem Fall für die gegenwärtig^ Lage, .nicht -mehr in Betracht känre-n und der Zeitpunkt, an dem die große Offensive statffinde, -für die allgemeine Erörterung -von FriedenAbedingungen lhüchst ungeeignet erscheine.
Da das Haus offensichtlich diesen Ausführungen be:- stimmie, zog Wimbornc seine Resolution zurück.
„Daily Ehronicle" bemerkt -indessen, daß WimbovweS. Rede im Hause einen evheUichen Eindruck gem-acht habe.
»
Ein voltchewistenblatt über ein angebliches deutsches Zriedensprogramw.
Sr. Berliu, 23. Juli. (&q. Drahtbericht. zb.) Der „Vorwärts" meldet: Das bolschewistische Organ
„Nowoje Shisn" veröffentlichte anfangs Juli, wie jetzt bekannt wird, die Nachricht, daß Deutschland der spanischen Regierung folgendes Programm für eine internationale Friedenskonferenz übermittelt habe: 1. Deutschland will weder eine Annexion noch Kontribution im Westen. 2. Die mit Rußland und Rumänien abgeschlossenen »Friedensverträge b l e i- ben in Kraft und können auf dem internationalen Friedenskongreß der Durchsicht unterliegen. 3. D-as Prinzip der -Selb st b c st i. m m u rr ct der Völker wird traemrtert getaÜLL 4U& out .aer-
