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Sonntag, 21. Juli 1918. MOVgeN-KUZgab^. _ ttr, 555, . 66. Jahrgang.

Die belgisch-deutsche Interessen­gemeinschaft.

Wenn der Verständigungsfrieden die Welt für ab­sehbare Zeit wirklich vor einer neuen Katastrophe be­wahren soll, dann wird er nicht nur für die einzelnen Staaten, sondern auch für die großen, über die Staats­grenzen hinausreichenden wirtschaftlichen Gruppierun­gen die einzelnen Interessengebiete festlegen und damit wenigstens bis zu einem gewissen Grade iene wirtschaft­liche Spannung und Überspannung aus der Welt schaf­fen müssen, die letzten Endes bis zum Weltkrieg ge­führt hat. Schon zeigen sich die ersten Unirisse dieser künftigen Großwirtschaftsverbände mit ihren möglichst innerhalb der eigenen Grenzen liegenden Rohstoff- und Absatzgebieten. Da ist zunächst der große mitteleuro­päische Block mit seinen bis nach Vorderasten reichenden Ausläufern. Da ist zum zweiten das bei Kriegsbeginn ein Fünftel der Menschheit umfassende englische Welt­reich, das über kurz oder lang zu einer gemeinsamen Zollgrenze und zur Ausgleichung seines ganzen Wirt- schastslebens im Kreise der die Rohstoffe besitzenden Tochterstaaten und des Absatzgebietes benötigenden und die Rohstoffe verarbeitenden Mutterlandes gelangen wird. Da ist des weiteren die nordamerikanische Union, deren gewaltig anwachsendc militärische Rüstungen und Kriegsindustrie nach dem Krieg den schon früher vor­handenen starken wirtschaftlichen Druck auch auf den süd­amerikanischen Konftnent zu einem überstarken und jede Konkurrenz besiegenden machen werden. Da ist schließ­lich der asiatische Osten, wo das England des Stillen Ozeans, das Mikadoreich, langsam, aber sicher zum Wirtschastsmonopol auch in dem chinesischen 400-Mil- lionen-Reich gelangt. Es liegt auf der Hand, daß auch die kleineren, heute noch außenstehenden Staaten sich einem dieser Wirtschastsderbände anschließen müssen. Ebenso klar ist aber auch, daß sie nicht mehr das Recht auf den Besitz großer Rohstoffreservoire haben, die außer­halb ihrer europäischen Landesgrenzen gelegen sind, N'eil diese naturgemäß den großen Konzernen zugute kommen müssen und kein Monopol einer kleinen poli­tischen Einheit sein dürfen. Auch für Belgien zeigt sich hier der Zukunstsweg. Nach den neuerlichen Erklärun­gen des deutschen Reichskanzlers hat es von Deutsch­land keinerlei Widerstand gegen seine politische Wieder­auferstehung zu fürchten. In seinem eigenen Interesse aber wird es dann liegen, 'einen überseeischen Besitz, den belgischen Kongo, abzustoßen, um nicht wieder durch die Sehnsucht der anderen und Größeren nach deni Wirtschastsobjekt in neue Verwicklungen gezogen zu werden. Die beste Sicherung für Belgiens zukünftiges Wohlverhallen gegenüber dem deutschen Nachbar wäre so der Verzicht auf den Kongo, der nach der Lage der Dinge nur ein politischer, nickt aber ein wirtschaftlicher sein dürfte. Denn Belgien gehört seinem eigenen wirt­schaftlichem Interesse nach in den mitteleuropäischen Wirtschaftsblock, der allein ihm den durch Zölle, Schiffs- ranmnot und übermächtig gewordene Großkonkurrenz gefährdeten Absatzmarkt für seine Industrie und gewisse seiner Produkte ersetzen kann. Der sicher kommend«? englische Schutzzoll, die amerikanische wirtschaftliche Ge­waltspolitik auf dem südamerikanischen Kontinent ent­ziehen vor allem der belgischen Schwerindustrie die Grundlagen ihrer bisherigen Existenz. So ivird sich Belgiens wirtschaftliche Zukunft nur wann zu einer ge­sunden gestalten können, wenn es auch politisch — nach einem kürzlichen Wort Ulrich Rauschers — seine Zn- gehörigkeit zum europäischen Kontinentalblock erkennt.

Neve Erfolge unserer U-Voole.

Ein englisches Kanonenboot und drei feindliche KnegShilfS- schiffe versenkt.

Sr. Haag, 20. Juli. l'Eig. Drabibericht. zb.) Am 16. Juli tnurde Von einem deutschen Tauchboot ein englisches Kanonenboot versenkt. Von der Besetzung wurden 122 Manin gerettet. — Das englische TruppentränSport- schiss „Warunga" (4784 Tonnen), das nach Australien unterwegs war und invalide australische Soldaten an Bord «batte, ist am 11. Juli torpediert und versenkt worden; nie­mand kam ums Leben.

W. T.-B. Washington, 20. Juli. (Drahtbericht. Reuter) Nach einer Mitteilung des Marinedepartements ist das V e r- proviantierungssckisf „W: stow er" (5SL0Tonnen> am 11. Juli in europäischen Gewässern torpediert und ver­senkt worden. 82 «der an 'Bord befindlichen Personen wurden gerettet. 10, darunter 2 «Schiffisoffiziere, werden vermißt. Der Dampfer „Carpatia" H3 603 Donnen) der Cunard- linie wurde am 13. Juli «im Atlantischem Ozean torpediert. Die Überlebenden sollen heute gelandet werden. Der Dampfer hatte weder Paffagiere noch Ladung an Bord. 5 .Mitglieder der Besatzung wurden _hn Maschmenrvum durch Explosion «des Torpedos getötet, die übrigeu Personen (rund 50) karmr- ten in die Rettungsboote flüchten und wurden zwei Stunden spater ausgenommen.

3ar Nikolaus nun Voch ermordet!

W. T.-B. Berlin, 20. Juli. (Drahtbericht.) Nach einer aus Moskau hier eingegangenen Nachricht wurde der frühere Zar von Rußland am 1 6. I u l i in Jekaterinenburg erschossen. Anlaß dazu war das Heranrücken tschecho­slowakischer Banden, denen die rote Uralregierung den früheren Zaren nicht lebendig überlaffen wollte.

(Schon vor etlichen Wochen wurde bekanntlich eine zieiti- lich bestimmt lautende Nachricht von der Ermordung des Er- zaren verbreitet, und auch im weiteren Verlaufe gelangten immer wieder neue Gerüchte über seinen angeblichen gewalt­samen Tod in die Presse, die sich jedoch alle nicht bestätigten. Nach der vorstehenden halbamtlichen Meldung aus Berlin aber scheint nun doch de: schon so oft totgesagte Zar N'kolaus den neuerlichen inneren Wirren in Rußland zum Opfer gefallen zu sein. Schrift!.)

Br. Zürich/ 20. Juli. (Eiz. Dnrhtbericht. zb.) Hier liegt eine Reihe Meldungen über die Ermordung des Zaren Nikolaus vor. Anscheinend handelt es sich um ein Mißver­ständnis bei einem Befehl des Moskauer Sowjets, der von dem Jekaterinenburger Sowjet falsch aufge­faßt wurde oder verstümmelt dahin gelangt ist. Die Weisung soll dahin gegangen sein, den Zaren unter keinen Umständen in die Hände der tfchechisch-ftowakischen Banden geraten zu lassen, deren Nähe gemeldet wurde. Eine weitere bisher unbestätigte Meldung besagt, daß der Zar am Morgen des genannten Tages von Roten Gardisten abgeholt wurde und daß er, ohne daß es ihm gestattet war, von seiner Familie Abschied zu nehmen, ohne weitere Förmlichkeit erschaffen worden ist.

Die Zarin und ihre Kinder in Sicherheit.

Br-. Berlin, 20. Juli. (Eig. Drahibericht. zb.) Zu den Nachrichten über die Ermordung de? Zaren wird dem „B. T." «noch mityeteilt: Die Zarin sowie ihre Kinder, auch der Zarewitsch, dessen Tcid schon mehrfach gemeldet wurde, befinden sich noch am Leben und in Sicherheit. Wo sie sich «befinden und wie die Sicherheit beschaffen ist» wird ver­schwiegen. Wiederholt «hatte der deutsche Gesandte Gras Mirbach während seiner gleichfalls 'durch einen Mord be­endeten Moskauer Tätigkeit bei der bolschewistischen Regie- rung Schritte unternc«n»nen. um über das Schicksal des Zaren und der Zarenfamilie Gewißheit zu erlangen und schroffe oder gar extreme Maßnahmen zu verhinderm. Diese Schritte hatten keinerlei Erfolg gehabt.

Japan interveniert doch!

W. T.-B. Amsterdam, 20. Juli. (Drahibericht.) Das Reutersche Bureau meldet ans Tokio: Japan hat beschlossen, in Sibirien zu intervenieren. Die notwendigen Maßnahmen sind getroffen.

vorrücken der Eschecho-Slorvaken im Ural.

W. T.-B. Moskau, 20. Juli. (Drahtbericht.) Die Presse 'meldet: Birst ist von den Tschechen eingenommen

«worden. Die Rätetruppen ziehen sich zurück.

Alexejew macht gemeinsame Sache mit Horvad.

W. T.^B. Schanghai, 20. Juli. (Dcahtbericht. Reuter.) Alexejew bot eine neue Regierung zwischen Tomsk, Nishnij und rldinsk gebildet, um mit Horvad zusammen­zuwirken.

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SKoropadsKi über die Neuordnung in der Ukraine.

W. T.-B. Kiew, 20. Juli. (Drahtbericht.) Nach Zei- nngsnochrichten wies der H e t m a n bei einem Empfang von Vertretern schweizerischer und schwedischer Zeit rügen auf dre Aufgaben bei der Aufrichtung der neuen Staats­ordnung in der Ukraine bin. Die großen Güter müssen unbedingt vermindert werden, ohne dabei aber das Besitzrecht aufzuheben. Schwierig sei die Schaffung des neuen Verwaltungsapparates, da ein großer Mangel an ge­bildeten Beamten bestehe. An das Parlamentarische System lei zunächst noch nicht zu denken. Die Regierung strebe nach der Schaffung einer Armee. Dte Tätigkeit von Agenten der Enterte sei leider immer noch zu bemerken. Der Hetmon wünschte Beziehungen mit den neutralen Staaten anzu- kuüpfen.

Kein deutscher Prinz als Thronanwärter in Finnland.

Br. Berli», 20. Juli. (Eig. Drahtbevicht. zb.) Wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, hat der finnische Sonder- gesandte Hjelt nach seiner Rückkehr aus Deutschland in Hel- singfcrs mitgeteilt, daß, wenn die finnische Regierung und Vclksvertretung sich fiir die Einführung der Monarchie in Finnland entscheiden sollte, für die Besetzung des Thrones ein deutscher Kaisersohn nicht in Frage kommen würde. _

Reue Kämpfe in Albanien.

W.T.-B. Wie». 2C. Juli. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet rom 20. Juli, mittags: An der Tiroler Westfront lebte grsten, die Kampftätigkeit erheblich auf. Im Adamello- Itteftirt wurden mehrere italienische Vorstöße abgewiesen. Auf dem Monte Pavento mußte denr Feind ein vorge­schobener Stützpunkt überlassen werden.

In Albanien kam es heute früh nördlich von Berat zu örtlichen Kämpfen, die noch sortdauern.

Der Chef des Generalstabs.

Neue Nämpfe zwischen Airne «.Marne.

W. T.-B, Berlin, 20. Juli, abends- (Amtlich. Draht­bericht.) Auf dem Schlachtfclde zwischen A i s n e und Marne sind nach erfolgreicher Abwehr französischer Angriffe neue Kämpfe im Gange. Auch südwestlich von Reims sind Angriffe des Feindes gescheitert.

fortwährend starke Beschießung von Reims»

Br. Zürich, 20. Juli. (Erg. Drahtbericht, zb.) Die .Zürcher Post" meldet: Das ganze Vorgelände zwischen

Reims und dem Rcimser Wald liegt fortwährend unter stärkster deutscher Artillerirwirkung.

Die französischen Armeeführer.

Br. Genf, 20. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Tempo" schreibt: Der französische Gegenangriff erfolgte fast ohne Artillerievorbereitung. Er wird von General M a n g i n geleitet. An der Front steht u. a. der Armee des Generals v. Below der frühere Führer der fran­zösischen Militärmission in Rumänien, General Ber- thillot, gegenüber. Nach Ansicht der Militärsachverstän- diyen nähern sich die Schlachten. Die Entente ist entschlossen, dos böchste Aufgebot ihrer Kräfte und Reserven jetzt in den Kampf zu werfen.

Eigene Beurteilung der französischen Gegenoffensive.

W.T.-B. Rotterdam, 20. Juli. (Drahtbericht.) Dem „Nieuwen Rotterdamscben Courant" zufolge schreibt General Maurice: Die französische Offensive ist eine Gegenoffen­sive, deren Hauptziel es ist, die Pläne des Fein«des zu zer­stören und keine Gegenoffensive, die einen Durchbruch der deutschen Front beabsichtigt. Es ist auch in hohem Matze un­wahrscheinlich, daß General Foch jetzt über die notwendigen Mittel für die Weitertreibung der Offensive verfügt. Wir brauchen deshalb nicht zu erwarten, daß der Vormarsch der Franzosen und Amerikaner noch viel weitergehen wird. Fest­steht, daß die Deutschen große Reserven für ihre eigene Offensive ausgestellt hatten. Soissons ist von so großem Wert für sie, daß sie bestimmt versuckien werden, die Fran­zosen aus ihren Stellungen, die die Eisenbahn beherrschen, zurückzutreiben.

Sturmszenen in der französischen Kammer.

W. T.-B. Bern, 20. Juli. (Drahibericht.) Wie die Lyoner Blätter berichten, ist 'es in der Kaiimn«ersihu«ng vom 17. Juli zu a«uherordentlich scharfen Auseinandersetzun­gen und Zwischenfällen gekommen. Der Deputierte Joubert interpellierte die Regierung Wer die Zurück­behaltung eines Teils der Frontentschädigung der Soldaten, die ihnen in Sparbüchern gutyeschr leben «werde. Dlemenceau habe die Beschlüsse des Parlaments verletzt, welche bestimm«ten daß die ganze Entschädigung den Truppen in bar ausbezahlt werden solle. Elemenceau hätte besser ge­tan, die «Verteidigung des Clhemin des DameS vorzubereiten. (Bei diesen Worten brach aus «der äußersten Linken ein Beifallssturm aus während auf den übrigen Bänken protestiert wurde.) llnterstavtsisekkretär Abrami erwiderte, «die Regierung «habe lediglich «im Interesse der Sol­daten gebandelt. Die Bestimmungen über die Zurückhaltu>ng eines Teils 2er Frontentschädigung sei aus patriotischen Er­wägungen erlassen worden. Abrami sprach sodann von den Strafmaßnahmen an der Front und führte aus, die Gefängnisse an der Front seien nicht abgeschafft worden. Es sei notwendig, gegen Schuldige scharf «vorzugehen, um die Stimmung zu erhalten Die Armee habe jetzt eine glänzende Stimmung, während General Pedain die Armee im Jahre 1917** in einem sehr schlechten Zr stand vorgesundem «habe. Der sozialistische Deputierte Jeanbon protestierte gegen die Ausführungen des Unterstaatssekretärs Abrami. Es kaut zn einem lebhaften Wortgefecht zwischen der Rechten und der Linken. (Minutenlanger Tumult unterbrach die Sitzung.) Abrami versuchte abermals, darzulegen, daß ein «merklicher Untersckned zwischen der Sti'Mmung der Armee im Jahre 1917 und im Jähre 1918 bestehe. (Der Deputierrs Mayeras schrie' Fm Mai 1318 ließ das Kabinett Cleinen- ceau den Ghemin des Dames einmebmen. — Der Tumult verschärfte sich.) R a ffin-Duge ns griff in die Debatte mit der Erklärung ein, die Verantwortlichkeit der Regierung und des Oberkommandos «sei durch die Nieder­lage am Chemim des Dames ins Spiel gezogen «wor­den. Mayeras, von zahlreichen Srzialiste» un«ier«stützt, brachte eine Tagesordnnnq ein, wonach die Regierung «das Staats­dekret gegen die Sozickldemokraten zurückmehme«n solle. Bei lebhafter Erregung sa«ud die Abstimmung statt. Bei Stimm­enthaltungen der Sozialisten wurden 366 Stimmen gegen den Antrag Mayeras abgegeben., Die Kammer ging alsdann zur Interpellation über «die fehlerhaften Leistungen des Automobilwesens ein. Sie winde vom Deputierten Poncet begründet, der sich über die «großen Verschlaudarungen und die schlechte Verwertung der Automobile beschwerte. In den letzten Monaten seien allein in diesem Bevwaltungszweig über 14 Millionen Franken unnötig al«sgegeben worden. Seit­dem das Autrmobü'wesen der Heeresverwaltung u-ntcrstLhe, Labe sicb der Automöbildienü. lehr vevschlschtert,..