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Verlag Langgasse 21

„Tagblalthaus".

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12 Ausgaben.

Bon

Fernruf r»

„Tagblatldana" Nr. 6650 s».

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Samstag, 2V. Juli 1918.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin Vf. 57, An der Apostelkirche 7,1. Fern sprecher: Amt Lützow 6202 nnd 6203.

Nr. 333. > 66. Jahrgang.

Morgen-klusgabe.

Cm kolonialer ZweSverband?

, Von Dr. Frhr v. Mackay.

Dr. Solf hat in seiner vielbesprochenen Rede über „Die Zukunft Afrikas" zwei Läsunasgesetze des Pro­blems in den Vordergrund gerückt. Erstens müsse eine Neuverteilung der Besttzrechte des Schwärzen Erdteils in der Weise stattfinden, üaß sie den wirtschaft­lichen Bedürfnissen nnd den kolonisatorischen Fähig­keiten der einzelnen Großmächte mehr gerecht werde, mit anderen Worten, daß vor allem Deutschland einen seiner Arbeits- und Kapitalkraft und den Voraus­setzungen der Volksversorgung mit genügenden Nähr­mitteln und industriellen Rohstoffen besser entsprechen­den, geräumigen Platz an der afrikanischen Sonne er­halte. Zweitens wären gewisse zwischenstaatliche Ein­richtungen in Aussicht zu nehmen zum Zweck, die ge- meinbürgschastliche Gewährleistung der völkerrechtlichen Abmachungen zu sichern. Die Auseinandersetzungen des Staatssekretärs haben ini Ausland, vorab in London einen merkwürdigen Widerhall gefunden, der zwar nicht immer itnfreunMidyer Art ist, aber doch deutlich zeigt, wie schwer es unseren Feinden wird, billigen Foidrrnngen und vernünftigen VergleickiSdorschlägen Deutschlands gerecht zu werden. England hat sich be­kanntlich, indem es den Tochterstaaten vorschutzweise das Bcuterecht auf die zu erobernden deutschen Kolonien zusicherte,. in eine eigentümliche Klemme gebracht. Die Dominien bestehen aus ihrem Schein. Die Kriegs- crtolge aber entsprechen, abgesehen vom afrikanischen und, in gewisser Weise, dem morgenländischen Kampf­gebiet, keineswegs den voreiligen Siegeshoffnungen des Mutterlandes, das sich vor das peinliche Entweder- Oder gestellt sieht: die den Kolonien gegebenen Ver­sprechungen nicht einzuhalten und damit deren schärfste Erbitterung heraufzubeschwören oder beim Friedens- schlutz zu ihren Gunsten auf so viel neuzuverteilendes Landgut zu verzichten, daß seine eigene Herrenmacht- ftellung gefährdet würde. In der Notlage greift man an der Themse zu dem naheliegenden billigen Mittel, Deutschland, seinen Weltherrschaftsehrgeiz, seinen Mili­tarismus, sein kulturwidriges Barbarentum, und was dergleichen Phrasen mehr sind, gegen die Schwester- staoten auszuspielen. Diese Waffe wird um so mehr auch von Kolonialpolitikern wie Harris und Dawson be­nutzt, um die Solfschen Vorschläge von der klaren Linie in vieldeutiges Halbdunkel zu rücken. Sie betonen, daß die koloniale Streitsache nicht lediglich zwischen Deutschland und England, sondern nur unter Heran­ziehung der übrigen Mitkämpfer zu schlichten sei, worunter neben Frankreich und Italien auch die briti­schen Kolonien einbegriffen sein sollen. Sie behaupten ferner, Deutschland habe eine Eingeborenenpolitik be­trieben, die mit ihrem Geist der Unterdrückung, der Fronarbeit und Ausbeutung der Eingeborenen moder- nen Kulturidealen schroff widerspreche und als ein .Herd der Unrnhestiftung sich erwiesen habe. Und sie meinen endlich, wenn man Deutschland Zugeständnisse mache, so werde es nichts Eiligeres zu tun haben, als Rache an den Negern zu nehmen, die gegen es gekämpft hätten, und damit die Einqeborenenfrage noch gefähr­licher zuspitzen, als sie ohnehin durch den Krieg sich ge- staltet habe. Alle derlei Antworten zeigen wieder ein­mal, wie auf der Ententsseite alles, was irgendwie den Charakter einer deutschen Anregung zu vernünftigem Vergleich hat, behandelt wird: es gibt darauf nur eine Erwiderung: Deutschland ist nicht der Bittsteller, sondern der Fordernde: seine Siege vor den Toren von Paris gewähr- leisten ihm den S i e g i n A f r i k a. Es gilt nicht ein Handels- und Lchachergeschäft, sondern die seststehende erste Friedensbedingung ist, offizieller Ankündigung ge- mäß, die Herausgabe des gesamten deutschen Kolonial- guts, ferner besten Abrundung im Schwarzen Erd- teil zu einem geschlossenen mittelafrikanischen Länder- block auf dem Fuß der früheren deutsch-britischen Ver- Handlungen und der Normen, nach denen unlängst das amtliche deutsche „Kolonialblatt" den Begriff Mittel- afrika bestimmt hat. Nicht Deutschland, sondern Eng­land und Frankreich haben die afrikanisch-völkerrecht- lichen Bestimmungen gröblich verletzt und mit Füßen getreten: dementsprechend sind nicht wir es, die demütig um Aufnahme in eine „Trnsteesllip" der Kolonial- möchte bitten, sondern es kommt darauf an, mißhandel­tes Recht wiederherzustellen, für besten bestere Siche­rung zu sorgen, von allen persönlichen Beschuldigun- gen und Beschimpfungen abzusehen, die moralische Gleichherechtignng aller Treuhänder bedingungslos an­zuerkennen. Nur unter diesen Voraussetzungen kann die Begründung eines Zweckverbandes oder einer Treu- händergemeinschaft für die Regelung der allgemeinen kolonialen Rechtsfragen einen Sinn haben. Über ein- zelne Vorschläge, wie ste von London aus laut werden, über Stellung des Einzeborsnen-Arbeitszwangs unter

Verbot für private Betriebe, unter besondere Vorschrif­ten für staatliche Unternehmungen, über eine Art sidei- kommissarische Bindung des Stämme-Bodenbcsitzes, über gemeinschaftliche Regelung der politischen Rechte der Farbigen und der Frage der -volour line überhaupt, über wechselseitige Gewährleistung der offenen Tür für Handel, Mission, wissenschaftliche und erzieherische Tätigkeit, läßt sich reden, die Ideen kommen zum großen Teil deutschen Wünschen entgegen. Kennzeich­nend ist es allerdings wiederum, daß das erste und wich­tigste Problem der „Militarisierung Afrikas", das Ver­bot der Verwendung schwarzer Truppen zur Entscheidung europäischer Kämpfe, das die unentbehrliche Grundlage alles vernünftigen Zusammen­wirkens der Großmächte auf kolonialem Gebiet ist, und die Schaffung wirklich wirksamer Rechtssicherheiten hierfür, von der Gegenseite gänzlich übergegangen wird. Ob England beim Friedensichluß seine Tochterstaaten wie selbständige Mächte behandelt wissen und damit selbst ins Licht stellen will, wie weit die „Desintegration of the Empire" unter dem Druck der Kriegsnöte vor­geschritten ist, bleibt seine Sache. Wir kämpfen jeden­falls nicht mit den größerbritannischen Reichsteilen als solchen, sondern mit Großbritannien als einstweilen anerkannt einheitlichem Staat und als unserem Haupt­feind, haben freilich an sich nichts dagegen, etwa mit den Buren über die Fragen ihrer von den Briten miß­achteten nationalen Wünsche zu verhandeln und sie im Schutz ihres Volkstums zu unterstützen. Denn „unter wahrhaft Gebildeten gibt es keine Rasftnmfterschiede", hat schon Kung Fu-tse gelehrt, wobei zu beachten ist, daß Hochmut und Dünkel britischer Art nicht nur vor dem Fall kommt, sondern auch als das Zeichen des Gegenteils wahrer Bildung erscheint.

Neuer französischer Nurchbrnchrversuch gescheitert.

XV. T.-B. Berlin, 19. Juli, abends. (Amtl'ch. Draht, bericht.) Örtliche Kämpfe nördlich der L y s. Ans dem Schlachtfelds zwischen der A i 5 » e und Marne ist rin fran­zösischer Durchbruchsversuch nntee schwersten Ber - luste« für den Feind gescheitert.

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ver Tag der Gegenangriffe.

Der Ergänzungsbericht zum gestrigen Heeresbericht.

XV. T.-B. Berlin, 19. Juli. (Drahtbericht.) Wahren­der Franzose in den ersten beiden Tagen der Kämpfe südlich unt nördlich der Marne kämpfend in die bergigen Wälder zurückwich, hatte er am dritten Tag die Kräfte aller be- reitstehenden Diviswnen und Batterien zu wütenden Gegen­angriffen zusammengefaßt. Mit tiefgestaffeltem Feuer suchte er seit Beginn des grauen und schwülen Morgen alle An­marschwege und Schluchten ab. Wütend stampften die Großkaliber das Marnetal entlang, um alle Dörfer und jedes einzelne Gehöfte ballte sich ein Ring vonElsen und Feuer. Was an Dörfern immer für französische Kanonen erreichbar war, erhielt einen Hagel von Gas-, Brisanz- und Brarid- granatcn. Zum erstenmal rannten die Franzosen bereits am 16. d. M. an, aber die Hauptkraft entfalteten sie im Stoß am Morgen des 17. d. M. Hier wollten sie um jeden Preis das Marnetal wieder erzwingen. Die deutschen Angriffsdivisionen aber hielten das Erreichte mrt Zähigkeit. Seinen Mißerfolg mußte der Franzose mit Tausenden von blutigen Opfern bezahlen. Nordwärts der Maine, rücklings des Acdrebachtales, gelang es sogar noch unseren unermüdlichen Divisionen, ihre Stellungen nach Südosten weiter vorzuschieben.

vie Verluste der einzelnen feindlichen Divisionen.

XV. T.-B. Berlin, 19. Juli. (Drvhtbericht.) Wie außer­ordentlich schwer durch den beiderseitigen Angriff van Reims die Kampfkraft unserer Gegner aufs neue ge­schwächt wurde, erweisen allein nachstehende Zahlen der Gefangenem, dieunverwundetin deutsche Gefangenschaft fielen. Die 8. französische Division verlor an unverwundeten Gefangenen 33 Offiziere und 2241 Mann, die 40. französische Division 37 Offiziere, 1586 Mann, die 51. französische Divi­sion 56 Offiziere, 1768 Mann, die 125. französische Division 36 Offiziere, 1291 Mann, die 132. französische Division 23 Offiziere, 1279 Mann, die 8. itrlis.rische Division 77 Offi­ziere, 3602 Mann. Insgesamt find bis zum 17. Juli, abends, durch die deutschen Gesang enensammel ft eilen an französischen Gefarsgemen 320 Offiziere, 13 538 Mann, an italienischen Gefangenen 81 Offiziere, 3855 Mann, an amerikanischen Gefangenen 9 Offiziere, 224 Mann; in Summra 410 Offiziere, 17 617 Mann, gekom­men. Zu diesen schweren Einbußen an Gefangenen kommen noch die ungeheuren Verluste des Feindes an Toten, Ver­wundeten und Vermißten, die sich infolge der späte­ren rücksichtslosem massiertem «Gegenangriffe außerordentlich gesteigert 'haben. Inzwischen ist die Zahl der unverwundets.". Göfangsnsn auf über 200 0 0 gestiegen.

Italienische Verleumdung unserer Kriegs» füljnmg.

In wenigen Stunden weit über 2999 Italiener gefangen.

XV. T.-B. Berlin, 19. Juli. (Drahlbericht.) In den Kämpfen um Chamizy-Bouillh und den zwischen diesen beiden befestigten Orten sich ausbceitenden Wald von Reims nahm eine e i n z r z e deutsche Angriffsdivijion, die zudem zwei vollzählige Batterien erstürmte, in wenigen Stunden weit über 3009 Italiener gefangen. Es fiel allgemein auf, daß diese Italiener auch nach ihrer Ge­fangennahme noch große Angst an den Tag legten. Erst nacki Stunden wurden sic ruhiger. Gespräche mit den Ge­fangenen brachten ball» die Erklärung ihres Verhaltens. Überci Mummend bekundeten die italienischen Mannschaften, daß ihnen immer wieder von ihren Offizieren dirnstlrch be­kanntgegeben worden sei, daß die deutschen Angreifer stets den Befehl hätten, keine Gefangenen zu machen und alle Feinde, die ihre Waffen ablegen und sich ergeben, er - st e ch e n würden. Die italienischen Offiziere, darüber be­fragt, schwiegen und ließen erkennen, daß sie mit dieser be­wußten Verleumdung der deutschen Kriegsführung nur von höherer Stelle ergangene strenge Befehle befolgten. Das Beispiel ist nicht neu, es bleibt aber bezeichnend dafür, zu welchen Mitteln die italienische Führung und die italienischen Offiziere sich erniedrigen müsien, um ihre Mannschaften kampffähig zu halten.

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Feindlicher Fliegerangriff auf deutsche Luftschiffanlagen.

XV. T-B. Berlin, 19. Juli. (Drahtbericht.) Bei einem heute fiüh tim mehreren feindlichen Flugzeugen auf unsere Lustschiffauiagen bei Ton Lern ausgesülhrten Luftangriff wurde nur einiger Sachschoten, kein Perfonalschaden ver- ursackst. _

Veränderungen im englischen Kabinett.

XV. T.-B, London, 19. Juli. (Drahtbericht. Reuter.) Der Parlamomsiekretär des MunitionsministeriumS Sir Wortbingtou Evans ist zum Blo cka dem i n ift e r, Lord Robert Eectl. der bisherige Blockademinister, zum beigeoidneten Sekretär für die auswärtigem Ange­legen h eite u, Generalmajor Seelh zum Parlaments­sekretär beim Mtmtiriisminifterium ernannt worden. Er wird als Stellvertreter des Munitionsministers fungieren. Major Walter Astor ist zum Parlamentssekretär beim Lebemsmitteliministerium und zum Stellvertreter von ElvneS ernannt worden. ES wird mitgete-ilt, daß mit Rück­sicht auf die vermehrte Arbeitslast im Krieg Balfour ge­wünscht habe, daß C e c i l einem größeren Anteil an der Führung der auswärtigen Angelegenheiten ül-ernehme. Dagegen trat Cecil als Blockcideminlster zurück.

Zur Haltung Japans in der sibirischen Frage.

XV. T.-B. Tokio, 19. Juli. (DroMericht. Reuter.) Der Rat der alten Staatsmänner >hörte heute den Be­richt der Regierung über die Entsendung von Truppen. Man glaubt, daß die formelle Entscheidung nicht er- reickt wurde. Der Rat stellt sich jedoch, wie man annimmi, vollständig auf die Seite der Regierung. Bekanntlich ist Japan für ein militärisches Vorgehen vollkommen bereit, die allgemeine Anschauung geht aber dahin, daß Japan jede Hinderung seiner BewegungSfreiheit in der Vers wendaing feiner Trujpen ablehnen follte.

Zur Lage in Wladiwostok.

Sr. London, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Ei« Tele­gramm aus Charbin berichtet, daß die Regierung in Wladiwostok Horvad als Verräter und die Regierung Horvods als gegenrevolutionär angeklagt hat. Nur die Ertremisten sind damit einverstandon, während die besse­ren Elemente die Beschuldigung als »nbe-zründet anseheu. Die ziemlich unfreundliche Haltung, die anfänglich von dein Tschechen gegenüber Horvad eingenommen wurde, ist größtou- teils der Propaganda der Regierung von Wladiwostok zuzu­schreiben. Im jetzigen Augenblick kann erwartet werden, daß zwischen Horvad und den Dschechem Einigkeit erreicht wird.

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TaS russische Hauptquartier in Jassy begibt sich nach Kiew.

XV. T.-B. Bukarest, 19. Juli. (Drahtbericht.) „Jnden- pemdance Rournaine" meldet: Der Ehef des russischem Haupt­quartiers General Pepjhilow und die ihm zuaeteilten Offi­ziere werden morgen und übermorgen Jasiy in zwei Sonder- zügsn verlassen, um sich nach Kiew zu begeben. — „Lumina* erfährt, daß das Platzkommando von Kischinew 48 russische Offiziere verhaftete, weil sie trotz des wiederholten Verbots in herausfordernder Weise russische Uniformen trugen. _

Der Anschluß kaukasischer Provinzen an die Türkei.

.XV. T.-B. Konstantinopel, 19. Juli. (Drahtbericht.) Laut „Semon" sind bei der auf Grund des Friedensvertrages von Brest-Litcwsk in den Bezirken Batum, Kars und 11:* daban vorgenommrnen Volksabstimmung 83 000 für und nur 2000 Stimmen gegen die Angliederung an die Türkei abgegeben worden.