Verlag Langgasse 21
„TagdlatlhauS".
vchaltkr-Halle geöffnet von 8 Udr morgen» bi» 7 llhr abend».
wöchentlich
Lezugs-Prei« für beide Ansgaben: Ml. 1.90 monatlich. Ml. 9.60 vierteljährlich dnrch den Herlag Langgaffe 21. ohne Bringerlohii. ffltt. 4.65 vierteljährlich durch alle deutschen Postanltalren, ausschliefflich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen autzerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis- marilring 19, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt ; in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblan-Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tagtlatthaus" Nr. 6SS0-53.
Bon « Uhr morgen» bi» 1 Uhr abends, außer Sonnrag».
Anzeigen -Preis für die Zeile: 25 Pia. für örtliche Anzeigen; 95 Psg. sür auswärtige Anzeigen: 1.95 Ml. für örtliche Reklamen: 2.50 Ml. sür auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender. Nachlaß. — Anzcigen-Bnnahme: Für die Abend-Ausgabe bi» 19 Uhr mittags: für die Morgen-Ausgabe bis 9 Uhr nachmittags. — Kür die Aufnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin V. 57, Au der Apostrlkirche 7 , L Fernsprecher: Amt' Liitzow 6202 «ud 6203.
Zveitagx 19. 2uli 1918.
Morgen-Rusgabe.
Nr. SSI. » 66. Jahrgang.
Die Fortschritte der Offensive im Westen.
zV o n unserer Berliner A b t e i l u n g.)
8. A. Berlin, 18. Juli. <Eic;. Drahtbericht, zb.) Die Spannung war nach der verhältnismäßigen Ruhe von 5 Wochen auf ein Höchstmaß gestiegen. Die Hartnäckigkeit der gegenseitigen Erkundungsvorstöße, die erhöhte Luftaufklärung, die immer zahlreicher werdenden Luftkämpfe kündeten das unmittelbare Bevorstehen des Fortgangs der Offensive an. Wir alle ersehnten den Fortgang in der Hoffnung, daß er uns der Entscheidung näherbringe. Wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen, daß der Weltkrieg mit seinen Millionenheeren nicht in einer einzigen Schlacht entschieden werden kann. Die Entscheidung kann nur gleichbedeutend mit der Vernichtung der feindlichen Kampfkraft sein. Und diese Vernichtung wiederum kann nicht durch einen großen Gewaltstoß erreicht werden, sie wird nur durch allmähliche Zermürbung.des Feindes erzielt. Diese Zermürbung aber hat mit jedem Akt unserer Offensive neue Fortschritte gemacht. Der neue Angriff zu beiden Seiten von Reinis hat unseren Feinden eine erneute empfindliche Schwächung zugefügt, welche wir an der Gefangenenzahl messen können und uns der Entscheidung ein Stück nähergebracht. Über 18000 Mann sind an Gefangenen in unsere Hand gefallen. Ein Mehrfaches dieser Zahl müssen naturgemäß die blutigen Verluste des Feindes betragen. Wenn wir den Ausfall an wirklichen Kämpfern beim Feind auf 50 000 beziffern, so dürfte diese Zahl eher zu niedrig als zu hoch gegriffen sein. Das eme Ziel, welches jeder Schlag unserer großen Offensive verfolgt, die Verrin- gerung der feindlichen Kampfkraft und Kampfmittel, ist auch durch unsere neuen Angriffe gründlichst erreicht.
Der Angriff selbst hat sich in zwei räumlich voneinander getrennten Abschnitten vollzogen. Östlich von Reims warfen wir den Feind aus seinen starken Stellungen und von den zäh verteidigten Höhen zwischen P r u n a y und T a h u r e, um deren Besitz er -in den Champagne-Schlachten der vergangenen Jahre soviel Blut vergossen hat. Nach wenigen Stunden waren diese Stellungen und Höhen ihni entrissen und heute schauen unsere Beobachter von letzteren weit in das feindliche Gebiet hinein. W e st l i ch von Reims erstreckt sich der Angriff von M c z y, östlich von Chateau-Thierry, bis rrach Gucux. Zwischen Jaulgonne und D o r m a n s schüren sich die Trup. ven des Generals v. B o e h n nach Überschreitung der Marne einen Brückenkopf von 12 Kilometer Breite und 5 Kilometer Tiefe, gegen den vom ersten Angriffstag an die Feinde in starken Gegenangriffen anrennen. Am 17. Juli wurde das Ringen um den Brückenkopf zur blutigen Schlacht, in der die Helden der Armee von Boehn obsiegten. Die Feinde zeigten durch die großen Opfer, welche sie iich ihre Anstrengungen südlich der Marne kosten lassen, wie unheimlich ihnen jedes Vorschieben unserer Linien in der gegen Paris ausladenden Front ist. Zwischen Dormans und Gueur haben wir den Feind auf das Reimser Berggelände zu- rückgeworsen. Auch dort hat er veraeblich versucht, durch Gegenstöße seine Schlappe von: 15. Juli auszumerzen.
Welche Ziele die Oberste Heeresleitung aus der Schwächung des Feindes mit dem Angriff beiderseits Reims verfolgt, steht dahin. Wie die Lage sich auch weiter gestalten mag. die Steigerung des Schwäche- Prozesses bleibt ein nicht mehr zu verwischender Erfolg. Je mehr Kräfte General F o ch in den neuen Schlachtraum werfen muß, s? mehr Kämpfer er durch sein heißes Ringen um den Brückenkopf stidlich der Marne verliert, um so mehr entgleitet ihm die Möglichkeit, in einer eigenen strategischen Offensive eine Änderung der Lage zu suchen.
Neue schwere Kämpfe.
W. T-F. Berlin, 1 S Juli. ot.CT.fc?. (Amtlich. Drahi- bericht.) Zwischen Aisne und Marne hat der Franzose mit starken straf ten und Panzerwagen angegriffen und etwas Gelände gewonnen. Unsere bereitstehenden I Reserven haben in den Kampf eingegriffen.
Schärfere Umfassung von Reims.
W. T.-B. London, 18. Juli. (Drahtbericht.) Das Reuter- sche Bureau erfährt, daß die Deutschen bis 11 Uhr vormittags an der Westecke des Reimser Berglandes in ungefähr ly^ Meilen Tiefe auf einer Front von 6 Meilen bot- gedrungen waren. So gelangten sic in die Nähe von Pourctz und Nanteurl.
W. T.-B. Rotterdam, 18. Juli. (Drahtbericht.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant ' schreibt; Aus dem beutigen deutschen Heeresbericht geht hervor, daß die Deutschen in der Tat nördlich der Marne neue Fortschritte zwischen Nan-
teuil und Pour ch gemacht haben. An dieser Stelle lammen sie seit den ersten Tagen ungefähr 8 Kilometer Var. Auch die Fortschritt: bei Ventcuil nördlich der Marne entsprachen den Fortschritten südlich des Fluffes. Im Westen wird der Bogen um Reims jetzt schärfer und dadurch wird die Lage der Stadt bedenklicher.
Unsere Sturmpanzerwagen.
W. T.-B Berlin, "8. Juli. lTrahtberlcht.) In der Nacht zum 15. Juli schoben sich auch unsere Sturmwagen in die Linien der bcreitstchcnden Jnsa-ntcrie. Mit den Jnifaute- risien zugleich und teilweise vor ihnon begannen die breit- kantigen Ungetüme ihre ze rir a linend e Fahrt. Wo der Widerstand -des Feindes sich um Nester und steile Hänge gruppierte, drangen sie ein und durchbrachen -die Stellung des Gegners. Den Hügel hinauf mach Champlay walzte sich e i n deutscher Wagen, nribekümmert um die aus Fenstern und Mauern strnhenden Maschinengewehre. Er Hals -der Infanterie tcS Dcrk durchqueren und hekte die Sturm- ki-mpigmie wieder ein. als sie vor dem stützpunktartig besestig- teu-Echloß Champlav auf Pein halben Weg mach Neuville Halt machen mußte Dort legte er sich quer vor die Mauer und n-abnt den Feind unter ein vernichtendes Feuer, bis die ganze Besatzung mit erhobenen Händen zum Tor leranskani.
Besorgte feindliche Sachverständigen-Urteile.
Ter Vorteil der inneren Linie.
W T.-B, Bern, 18. Juli. (Trahtbericht.) Der Londoner Berichterstatter des „Eecolo" drahtet vom 16. Juli, abends, man hoffe in Lo-Udcn, daß der feindliche Ansturm ohne schwerem Geländevcrlust und ohne weitere Gefährdung von Paris aufgehalten werden könne. Die englischen Miliitärkritiker finden es unverständlich, daß nicht die Front Ehateau-Thierry-C-ompiegric angegriffen wurde, da ChalomS nicht leicht genommen werden könne. Die Deutschen hätten infolge des Besitzes der inneren Linie dem Borteil, gleichzeitig Bpern, Reims und Chalons bedochen zu -können. Der Kr iegSber i chte r st a t te r des „Ccrriere Äella Sera" erklärt, die deutsche HeereÄleitung habe sich nunmehr entschlossen, die Erreichung eines unmittelbaren Militär i scheu. S i e g e ? xu versuchen. Man müsie anerkennen. daß die Deutschen zur Führung des Plans nichts unterlassen und olle Kräfte nach den Regeln der Kriegskunst am richtigen Platz eingesetzt bätien.
Neuerliche Räumungsbefehle in Paris.
Sr. Bern, 18. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Aus Paris wird gemeldet: Die französische Regierung hat in den ersten zehn Tagen des Monats Juli an 21 000 Einwohner der westlichen Vororte im Festungsbereich von Paris Räumungsbefehle ergehen lasten.
*
Line Revision der Rriegsziele der Lntente?
Sr. Bern, 18. Juli. (Eig Drcchtibericht. zb.) Dezn „Temps" zufolge hat der Marse ill er K-riegsrat auf Wunsch des Präsidenten Wilson mit der Neufassung der KrieMziele der Entenie begonnen.
«
Zur Rückkehr deutscher Gefangenen aus Frankreich.
IV. T.-B. Konstanz, 18. Juli. (Drahtbericht.) Anläßlich des Beginns des' großen Gefangenenaustausches treffen morgen der Großherzog von Baden, Prinz Oskar von Preußen, Prinz Alfons von Bahern und der preußische Gesandte in Karlsruhe, Exzellenz v. Decher, sämtlich mit Gefolge hier ein. — Vergangene Nacht gegen 11 Uhr sind mit dem Sonderzug aus der Schweiz weitere 800 internierte Mann'ch asten hier eingetroffen.
3u den Reichskanzlererklärungen.
französische Stimmen 'versöhnlicherer Tonart.
IV. T.-B. Bern, 18. Juli. (Drahtbericht.) Zu der Erklärung des Reichskanzlers über Belgien schreibt das „Journal des D e b a t s", die belgische Frage bleibe ein unzugängliches moralisches Problem. Graf Hertling habe zwar noch nicht ganz klar gesprochen, und die Faustvfand-- theorie beibehilten aber aus der Erklärung gehe hervor, daß der Kanzler von der künftigen Unabhängigkeit Belgiens gesprochen habe, was seinen Gegnern aber nicht genüge. — „Journal d u P e u p l e" beurteilt die Erklärung ganz anders. Der Kanzler habe einen Schritt von größter Bedeutung übernommen und mit großer Klarheit gesprochen. Noch niemals habe man während des Krieges eine so unzweideutig: Verpflichtung gehört. Der Boden für Verhandlungen sei gesäubert. Wenn die Alliierten in der belgischen Frage Genugtuung erhielten, sei die allgemeine Verständigung in hohem Maße erleichtert. Man brauche nur noch die deutschen Absichten bezüglich der ehemaligen russische! Provinzen zu kennen, an denen die Alliierten gleichfalls interessiert seien. Wenn die dort herrschenden Zustänke weiter andauern sollten/ wäre der Friede allerdings noch lern.
*
Zum deutsch holländische» Wirtschaftsabkommen.
IV. T.-B. Amsterdam, 1 T . Juli, iDrahtbericht.) Die hiesigen Blätter berichten, daß die ersten Eisenbahnwagen mit Steinkohlen aus Deutschland angekonunen sind.
Festhalten am Brester Frieden!
Auch Leute, die sich für große Politiker halten, erbringen zuweilen den Beweis dafür, daß sie im Grunde unpolitisch sind. Ein kleiner Kreis emsiger Männer, die sich Vertreter der sogenannten östlichen Orientierung Pinien, erklären es für die Ausgabe des neuen Staatssekretärs des Auswärtigen, daß er sich zur Revision des Brester Friedens bereit erklärt. Solange sich dergleichen „Politik" in gewissen Berliner Montagsartikeln breitmachte, konnte man mit einem Lächeln darüber hinwegseben. Nun aber meint auch der „Vorwärts" in Anknüpfung an die Kanzlerrede im Hauptausschuß, daß uns nicht die loyale Durchführung, sondern nur der Abbau der Brester Verträge dem wirklichen Frieden in Ost und West bald näherbringen könne. Da ist es- doch notwendig, diesen Jrr- tümcrn einmal einige Tatsachen entgegenzusetzen. Bei Beginn des Brester Friedens war der W e st- e n t c n t e die beste Gelegenheit geboten, auf einen allgemeinen Frieden ohne Annexionen und ohne Entschädigungen einzugehen. Sie hat diese Gelegenheit ruhig verstreichen lassen, und ihre hartnäckige Weigerung, Frieden zu schließen, würde nicht um einen Grad geringer ssin,^wenn wir den Russen den besten Frieden, den sie sich wünschen können, gewährt hätten. Der. Frieden von Brest ist kein Hinderungsgrund sür den allgemeinen Frieden: er wird nur vonWilson und derWestentente als einer der vielen Vorwände für die Verlängerung des Krieges mißbraucht. Aber es ist ohne weiteres klar, daß diese Kriegsverlängerer genug andere Gründe finden würden, nur den Gang zum Verhandlungstisch abzulehnen. Was nun aber die Stimmung in Rußland betrifft, so ist es einfach nicht wahr, daß die russischen Parteien mit Ausnahme der Bolschewiki morgen den Krieg wegen des Brester Friedens gegen uns wieder aufnehmen würden, wenn die eine oder andere von ihnen zur Herrschaft käme. Der Puffch der linken Sozialrevolutionäre brach unter der Losung '„Krieg mit Deutschland!" elendiglich zusammen, obwohl die Bolschewiki in dieser Zeit außerordentlich kritisch da- standen. Aber nicht nur die russischen Massen lehnen einen neuen Krieg mit Deutschland ab. Gerade jetzt kommt die Meldung über Kopenhagen, daß die b ü r- gerliche Presse Rußlands eine Durchsicht der Verträge mit den Alliierten wünscht, um nach ihrer Lösung eine Annäherung an Deutschland zu ermöglichen. Noch schlagender ist die Tatsache, daß M i l- j u k o w sich für eine austro-deuffche Orienfferung Ruß- lands ausgesprochen hat. Milsukow war im ersten Kabinett des revolutionären Rußland Außenminister. Als solcher betätigte er sich dermaßen imperialistisch und entenffstisch, daß die Sozialisten ans seine Beseiti- gung dränaten. Es ist ganz ausgeschlossen, daß eine neue russische Regierung, die nach den Bolschewiki käme, einfach das Kriegsbeil gegen uns wieder aus- grgben würde. Die russischen Müssen hgben genug von den Bruderkämvfen im Innern, sie ersehnen keinen neuen Krieg, der das Lnnd ja wirklich gefährden müßte. Die englische Agitation wird natürlich nichts unversucht lassen, eine neue Ostfront hcrznstellen. aber es ist doch sehr zu bedenken, daß der englischen Propaganda in Rußland direkt in die Hände gearbeitet wird, wenn deutsche Blätter taaein und tagaus erklären, daß das ebrliebende Rußland den Frieden von Brest nicht akzeptieren könne.
Kmerikanisch-japanische Verständigung über Sibirien?
Sr. Haag, 18. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Echo de . Paris" meldet au? London, daß nach Berichten aus Tokio zwischen den Vereinigten Staaten und der japanischen Regierung in der Frage der Intervention in Sibirien ein vollkommenes Einvernehmen erzielt worden sei.
Der Dampferueckehr Stockholm-Petersburg unterbrochen.
W. T.-B. Kopenhagen, 18. Juli. (Drahtbericht.) Nach einer Blättermeldung aus Stockholm wurde infolge der in Petersburg herrschenden - Choleraepidemie der Dampferverkehr zwischen Stockbolm und Petersburg eingestellt. ' __
per österreichisch-ungarische Tagesbericht,
W. T.-B. Wien, 17. Juli (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 17. Juli, mittags: In Italien keine besonderen Ereignisse. — In Albanien hat der Gegner Fühlung mit unseren Sicherungstruppen genommen.
Der Chef des Gemeralstabs.
Ereignisse zur See.
Am 17. Juli in den Morgenstunden wurde P o l a von mehreren Geschwadern feindlicher Land- und See- sireitkräfte, von Land- und Seeflugzeugen, mit ungefähr 2 0 0 Bomben belegt. An O v s e r n sind zwei Tote (Zivilarbeiter) und mehrere Verletzte zu beklagen. Der angerichtete Schaden ist unbedeutend. Flotterckommando.
