Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch, 17. Iuli 1918.
Morgen-klusgabe.
Nr. 327. » 66. Jahrgang.
Uebrrgairg über die Marne zwischen Züuigonne und Dormans.
Bisher mehr als 13 000 Gefangene.
W. T.-B. Großes Hauptquartier. 16. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprechi.
In einzelnen Abschnitten lebte die Gefechtstatigkeit aus. Östlich von Ayette wurde ein nächtlicher Vorstoß, östlich von Hrbuternc ein stärkerer Angriff des Feindes abge- wiesen. Hier haben sich während der Nacht lange örtlich: Kämpfe entwickelt.
Heeresgruppe Deutscher 5tronprinz.
Zwischen Ais ne nnd Marne und östlich von Chateau - Thirrrv lebhafter Artilleriekampf. In kleineren Unternehmungen und im Vorstoß über die Marne südwestlich von Janlgvnne brachen wir in die feindlichen Linien ein und brachten >steknngr »e zurück.
Südwestlich und östlich von ReimS find wir gestern früh in Teile der französischen Stellungen eingedrnngen An den Vorbereitungen für die artilleristische Kampfsührung batten Bermesiungstrnpvcn besonderen Anteil. Artillerie. Minenwerfer nnd Gaswcrfcr öffneten durch ihre vernichtende Wirkung im Verein mit Panzerwagen und Flammenwerfern der Jnfnntecir den Weg in den Feind.
Die Armee des Generalvbersteu o B o e h m hat zwischen Jaulgonne und östlich von Dormantz die Marne überschritten. Pionieren folgte» im Morgengrauen die Stnrmtruppen über den Flnß und schufen damit di: Grundlage» sür den Erfolg des Tages. Infanterie erstürmte die steilen Hänge auf dem Südufer der Marne. Unter ihrem Schutz vollzog sich der Brückenschlag. In steten, Kamvs durchstießen wir das zäh verteidigte Waldgelände der ersten feindlichen Stellung und warfen den Feind aus seinen rückwärtigen Linien bei Conde-la- Yhapelle-Comblizh-Mareuil znrück. Auch nördlich der Marne entrisse» Nur Franzosen und Italienern ihre erste Stellung zwischen Ardre und Marne. Wir standen vm Abend im Kampfe östlich der Linie Chatillon-Cucherh. Chaumyzy.
Die Armeen der Generale v. Mudra und v. Einem griffen den Feind in der Champagne von Prunah östlich Reims bis Tahure an und nahmen im Kamps mit dem sich unserem Angriff cntziebenven Feinde die erste fran- zösischeStellung.
Südlich von Raurop-MoronvillerS fließen wir über die Höhenkettr Corniltet - c-ochberg - Keilberg - Ölberg durch das Trichterfeld der vorjährigen Frü»,j»h>sschlacht bis an die Römer st raße nordwestlich bü Prosnes und in das Waldgelände südlich des Fichtelbeeges vor. Östlich der SuiPpeS entriffen wir dem Feinde das Kn.npffeld der Champagne- Schlacht zwischen Auberive »nd südlich von Tahure. Auk unserer Kampffront östlich von Reims hält der Feind seine zweite Stellung nördlich von ProSneS-Souain-Perthes.
Trotz tiefer Wolken und böige: Winden waren die Luftstreit k r >' f 1 1 tätig. In niedrige,: Höhen griffen Flieger mit Bomben und Maschinengewehren in den Kamps aus der Erde ein. Sie schrsien gestern über dem Schlachtselde 31 feindliche Flugzeuge und 4 Feflelballonr ab. Die Leutnants Löwenhardt und Menkhoff errangen ihren 36., Leutnant Bolle seinen 21. Lnftsieg. Die Zahl d:r bisher eingcbrachten Gefangenen beträgt mehr als 13 000.
• Heeresgruppe Herzog Albrecht.
In kleinen N»tcr»ehi,»u,q:n in Lothringen, in den Vogesen nnd Snndgau macht:» wir Gefangene.
Der Erste Generalgnartiermeister: Lndendorff.
f*
Neue Erfolge südwestlich Reims.
W. T.-B. Berlin, 16. Juli, «bemldl?. (AmÄich. Dvaht-
bcricht.) An der Marnefront heftige Gegenangriffe des Feindes. Örtliche Erfolge südwestlich von ReimS. Östlich von Reims ist die Lage unverändert.
Erfolgreicher türkisch« vorstotz am Jordan.
Lins feindliche rlavalleridivision aufgerieben.
W. T.-B. Konstantinopel, 16. Juli. (Drahtbericht.) Amtlicher Heeresbericht: P a l 8 st i n a f r o n t: Im Küstenab-
'chnitt beschoß unsere schwere Artillerie erfolgreich den Bahnhof Rentje »nd nahm ein feindliches Truppenlager zwischen Küste und Bahn unter wirksames- Feuer. W e st l i ch des Jordan entrissen wir dem Feind in der Nacht vom 13. zum 14. Juli Teile seiner Stellungen und hielten sie gegen äußerst heftige Gegenangriffe. Der Feind erlitt hierbei schwere Verluste. Ein gleichzeitiger Angriff von unseren Kräften östlich des Jordan löste beim Feind eine heftige Gegenwirkung ans. Eine ftindliche Kavalleriedivisron, unterstützt durch Panzerkraftwagen, warf sich kmsrrcn Truppen entgegen. Sir wurde beinahe völlig aufgeriebern Rur Trümmer der feindlichen Division konnten enll*mtaat.
3u den Reichskanzler-Erklärungen.
Eins offizielle französische Kntroorl?
W. T.-B. Paris, 16. Juli. (Druhtbericht. Agence Havas.) Sonntagnachmittag'hat im Rathaus sine feierliche Veranstaltung zu Ehren der alliierten Mächte stattgefundeu. Präsident Poincare, die fremden Botschafter, die Mitglieder . der Regierung und zahlreiche hervorragende Persönlichlecten waren anwesend. ES wurden verschiedene Reden gehalten. Pichon führte im Namen der Regierung folgendes aus: , So gern wir bereit sind, durch einen auf der Freiheit der 1 Völker begründeten Frieden den blutigen Streit zu beenden, zu dem wir herausgefordert wurden durch einen heimtückischen Angriff, so gern wir geneigt sind, mit den Alliierten jeden autorisierten Vorschlag zur Beendigung der Feindseligkeiten zu prüfen, der sich mit unserer Ehre verträgt und uns die gebührende Genugtuung,bieten würde, ebenso gewiß sind wir aber auch des Triumphes unseres Rechtes infolge seiner moralischen Überlegenheit. Die heutige Feier ist ein neues Unterpfand für die Macht der alliierten Nationen, deren militärische Macht durch die Stärke ihrer Armsen, deren Bestände unbegrenzt sind und deren Heldenmut urrd soldatischen Tugenden die Bewunderung der Welt hervorgerufen haben, deren Leitung den Vergleich mit den feindlichen Armeen nicht zu scheuen hat, die pol,tische Macht, die bezeugt wird durch die Kundgebungen wie die gegenwärtige, bei der die Gefühle der Einigkeit, von der alle durch die gebieterische Pflicht und den legitimen Zwang zu ihrer Verteidigung in den Krieg geichleuderten Regierungen und Länder erfüllt sind, ihren Ausdruck finden, als Gründe, die ans der Vernunft, die aus dem Herzen kommen.
weitere englische preffeüutzerungen.
W. T.-B. Rotterdam, 16. Juli. (Drahtbericht.) Dem „Neuen Riotterd. Courant" zufolge ist „Daily Mail" der WnsichtIdoß Hertlingö Erklärung weiter geht als irgend eine der bisherigem Erklärungen verantwortlicher deutscher Staatsmänner. Sie bilde eine Annäherung an 4>ie Formel, die Lloyd George in der L)u«ens-Hall brauchte, daß die Dentsthsn lerne.» müßten, sich an bas Wort „Rückgabe" zu gewöhnen. nröd daß die Alliierten dann sprechen würden. Disfe Punkte brauche man al«r nicht weiter zu berühren. ES könne keine Rede davon fein, in HertlingS Erklärungen eine neue Grundlage für einen fruchtbaren Gedankenaustausch für den Frieden zu findem, wohl aber werde man in ihr Anzeichen für den Wunsch in den amtlichen Kreisen Deutschlands finden können, die Dür zu einem guten Friedvri rnöglichst offen zu halten. Das Matt führt dann aus, daß Österreich-Ungarn als militärischer Faktor nur noch von sehr zweifelhaftem Wert sei und schließt: Augenblicklich ist wenig Aussicht aus eine förmliche diplomatische Amiähevuny, aber die halbamtliche Diplomatie kann jetzt wähl Gelegenheit erhalten.
W. T.-Bi London, 16. Juli. (Reuter.) In Besprechurig der Ausführungen deS Grafen Hertling über Belgien schreibt dre „Westminster Galette": Es muß -von vornherein gesagt werden, daß der Gedanke, Belgien bei den Nnterhand- lunyen als „Pfand" zu benutzen, sämtlichen Alliierten widerstrebt. Belgien ist das Opfer eines ungeheuren Frevels geworden, für den wir Wiederherstellung nnd Wiederyut- -machuny ohne Bezugnahme auf irgend eine andere Streitfrage verlangen. Wir wissen aus dem Verträgen von Breft- LitowSk und mit Rumäniien, was die Deutschem unter Zurückgabe vom Land verstehen, wenn sie in der LaHe sind, -darum zu feilschen oder Bedingungen aufzuerLegen. Wenn Deutschland dem Frieden wünscht, mutz es seine KriegSsormen und Krieyshetzer entfernen und sich dem zivilisierten europäischen System nvit gemeinsamer Beaufsichtigung der Rüstungen und gemeinsamer Garantie der Rechte aller Nationen, großer und kleiner, einfügcn. Es wird allmählich immer deutlicher, daß es der einzige Weg ist, um für die jetzt zur Diskussion stehenden europäischen Fragen eine dauernde Lösung zu finden. Unfere Antwort an die Deutschen muß also dahin lautem, daß unser Ziel die dauernde -Pqzifizierun-g der Welt ist.
Eine weitere Stimme aus der Schweiz.
IV. T.-B. Bern, 16. Juli. (Drahtbericht.) Im Anschluß an Me Rede de» deutschen Reichskanzlers Grafen Hertling schreibt daS „Berner I n te l l i g e n z b l a t t" zur politischen Lage n. a.: Der Verzicht auf die Reichstagsresolution vom 16. Juli 1917 ist vielen diplomatischen Kreisen des Reichstags schwer gefallen, aber der Umstano, das; die Ententevölker aus den Ruf des deutschen Volkes nicht geachtet und der Ehrlichkeit des deutschen Friedenswillens mißtraut haben, hat dem Verzicht auf eine gütliche Beilegung des Konflikts etwas an Bitterkeit und Schärfe genommen. Heute hat Deutschland darauf verzichtet, mit seinen Gegnern auf dem Fuße der Gleichberechtigung zu verhandeln. Es fordert heute' was cs vordem gewähren wollte, e? fordert Sicherungen und erblickt diese in dem Bündniszwang. Hertlings Mitteilungen über Belgien haben gezeigt, daß Deutschland gewillt ist, durch Bündnisvertrag auch die vec- lanaten Sicherungen im Westen zu verlangen. Graf Hertling hat von einer Annexion Belgiens nichts wißen wollen, er wünscht, daß Belgien dem Dcutsckren Reich durch wirtschaftliches und politisches Bündnis näher gebracht wird. Setzt mm Me «riMttfcwsäfc «*| t ta* folgt Werfe jpfkugg»
gekommenen Friedensschlüsse fort, so gelangt man schließlich auch zu jenem Völkerbund, in dem Deutschland eine führende Rolle spielen wird. Daß die Entente für einen solchen Frieden noch nicht reif ist, hat sich aus den Ereignissen der letzten Zeit mehrfach erwiesen. Fehrenbach hat demnach lediglich die Km.sequenzen aus der Lage geigen, wenn er von dem kommenden Kriegswinter sprach, dessen Entbehrungen das deutsche Volk mit Treue und Ausdauer ertragen, werde.
Neue italienische Sturmangriffe adgeschlagerr.
W.- T.-B. Wien, 16. Juli., (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 16 Juli, mittags: Im Raum des Stilfser Jochs, nördlich des Tonale-Paffks in den Judikarie» und auf der Hochfläche von Asiago steigerte sich der Artillerie- kampf zu besonderer Heftigkeit. Im Raum des Monte Pertica und des Monte Solarolo unternahm der Italiener nach heftiger übersallartiger Artillerievorbereitung vier gewaltige Sturmangriffe. Sie wurden von den braven Truppen der 55. Division teils durch Feuer, teils im Nahkampf abgewiescn. Die B l u t o p f c r des Feindes sind außerordentlich groß.
An der albanischen Front nichts von Belang.
Der Chef des Generalstabs.
vier Milliarden neue steuern.
Wenn in früherer Zeit ein paar hundert Millionen Steuern verlangt wurden, ging immer eine große Bewegung durch das Volk. Da gab es wochenlang Auseinandersetzungen und Versammlungen, Kanzler sind über Steuervorlagen zu Fall gekommen, Reichstage sind aufgelöst worden und noch lange, lange Zeit nach der Bewilligung der Vorlage gingen die Wogen hoch. Die Zeiten sind andere geworden. Seit dem Weltkrieg rechnen wir nicht mehr mit Millionen, sondern mit M i l- l i a r d e n. Und als die neue Steuervorlage kam, die wiederum Milliarden verlangte, war man durchaus nicht überrascht, — im Gegenteil, man hat sie erwartet, wußte, daß sie kommen mußte, denn allgemein war die ^Erkenntnis verbreitet, daß "zur Verzinsung der Milliarden.Anleihen neue Steuern, und zwar viele neue Steuern, nötig sein würden. Niemand zahlt gerne Steuern, und die Steuerfreudigkeit, welche der Unterstaatssekretär Schiffer sich wünschte, wird nicht immer zu merken sein. Aber etwas anderes hat sich durchgerungen: die Steuer ein sicht, die Einsicht, daß. wir alles tun müssen, um durchzuhalten und daß wir alle Lasten, die der uns aufgezwungene Krieg uns gebracht hat, auf unsere Schultern nehmen müssen, und daß lediglich dafür gesorgt werden muß, daß die Steuerlasten möglich st gleich verteilt werden. *
Im Reichstag ist man denn auch ziemlich einmütig für die Bewilligung gewesen. Nur Einzelheiten haben noch zu größeren Debatten geführt. Eine Steuerzufriedenbeit wird allerdings auch nach dem abgeschlossenen Werke nicht Platz greifen, denn gewiffe Erwerbs- freife sind außerordentlich hart betroffen worden. Nicht ganz leichten Herzens wurde die Erhöhung der P o stund Telegrapbengebühren bewilligt. Hinsichtlich der Portofreiheit der F ü r st e n hat die Negierung eine Vorlage zugesagt, die hoffentlich den Wünschen des Reichstags gerecht wird. Die Ge- tränke st euer hätte wohl in früheren Jahren zu be- - sonders lebhaften Auseinandersetzungen geführt. Aber jetzt, da der Wein Phantasiepreise erreicht hat, haben wohl nur die reinen Jnterressentenkreise diese Steuer bekämpft. Die Derhältnisie werden allerdings nicht so bleiben, wie sie sind, die Regierung hat denn auch zugesagt, daß weiters Rückgriffe auf diese Steuerpryjekte unterbleiben sollen. Das Bier ist schon so belastet wor- den, daß auch künftig kaum mehr viel daraus zu holen sein wird, — ein bißchen Mälz muß doch noch übrig blechen. Daß die alkoholfreien Getränke mitbe- stenert werden, ist von manchen Kreisen nicht ohne Bedenken aufgenommen worden. Die Zölle auf Kaffee und Tee. deren Erhöhung beschloffen wurde, werden vorläufig nicht viel einbrinaen, denn gegenwärtig wird beides nicht importiert. Für spätere Fricdenszciten werden diese Zölle aber hohe Summen einbringen. Die beantraate Zollerhöhung auf Kakao und Schoko- lade ist abaelehnt worden. Mit vollen: Recht, denn Kakao und Schokolade sind länast wichtige Volks- Nahrungsmittel geworden. Einen heftigen Kamps gab es um den B r a n n t w e i n. Doch ist auch hier im großen und ganzen die Regierungsvorlage, welche die Besteuerung in Form des Monopols verlangt, angenommen worden. Die Kriegssteuer der Gesellschaften ist zweifellos eine gerechte Steuer, denn wer im Krieg verdient bat. soll auch dem Vaterland seinen Tribut zollen. Auch die Kriegsabgaben von Vermögen und Mehreinkommen ist, zumal sie Vermögende bis zu 100 000 M. frei läßt, eine gerechte Besteuerung. Die llml»tz!terrer hat zu lrbhattrn AuSemaudecietzun-
