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WiksbcklM

Verlag Lauggaffe 21

„Tagdlatthaus".

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Dienstag, 16. Iuli 1918. n326 * * 66 ‘ Jahrgang.

Ote Lage im Westen.

Die Franzosen melden 80 km Rngriffsbreite.

Französischer Bericht von, IS. Juli. 2 Uhr nachmittags. Noch einer kurzen Artillerievorbereitung griffen die Deutschen heute morgen von Chateau-Thierry bis Morn de Massiges an. Unsere Truppen halten den Anstoß des Feindes auf einer Front von ca. 8b Kilometer tapser ans. Die Schlacht nimmt ihren Fortgang. »

Die Geheimarchive bereits van Paris entfernt.

Berlin, 16. Juli. Die Geheimarchive der französischen Republik sollen, wie verschieden« Blätter melden, bereits nach London und B ö u r g e s übergeführt sein. Ein Teil größerer Handelsirnternehmungen und Fabrikationsbetriebe in Paris haben sich entschloffen, ihre Betriebe nach Mittel­srankreich oder noch weiter südlich zu verlegen. Auch die^ Pariser Banken hätten schon Anstalten zum Abtransport ihrer Wertdepots getroffen.

Pariser Zmluchtsschützengräben.

dt. Bern, 13. Juli. Das „Pariser Journal" meldet, daß der Seine-Präfekt angeordnet hat, daß Zufluchtsschützen- gräben in der Peripherie von Paris geschaffen werden sollen. Man wird im Laufe der nächsten Woche mit den Arbeiten be­ginnen.

Eine neue Pariser Kundgebung zur Kriegssortsebung.

ln. Genf, 16. Juli. Poincare verzichtete bei der Feier les ffanzösischen Nationalfestes im Pariser Stadthause aus jede Ansprache. Pichon sprach über die im Gemeinderat be­stehenden Friedensneigungen. Er erklärte, Frankreich werde nicht kapitulieren, dagegen den die Ehre der Verbündeten und deren gerechte Ansprüche befriedigenden Vorschlägen nähertreten. Der japanische Gesandte erwiderte namens des diplomatischen Korps, alle Verbündeten seien für Kriegs- forffetzung.

Rrifelt es wieder in Frankreich?

Sg. Bern, 14. Juli. Sonst vorzüglich unterrichte!« Genfer Politiker, die uege Beziehungen mit Paris unter- balten, stellen die Lage deö Kabinetts Elemenceau erneut als 'chwierig dar. Die Krisis wäre infolge der Forderungen der Sozialisten nach einer Klarlegung der französischen KriegS- ziele und der damit verbundenen neuen Streikdrohungen der Gewerkschaftler wieder akut geworden, nachdem sie während der .mmertkanischen Unabhängigkeitsfeier" am 4. d. M. ledig­lich vertagt worden wäre. Der Kampf zwffchen den soziolist" sck^n Richtungen hätte neuerdings ungewöhnlich schroffe Formen angenommen. Thomas sei gewillt, in das Ministe­rium Elemenceau einzutceten, seine Partei aber habe ihn im Stich gelasien, so daß man heute mit der Möglichkeit eines Rücktritts Clcmenceaus zugunsten eines Kabinetts Bviand rechne, in welchem Thomas das Portefeuille des Aus­wärtigen übernehmen würde. Sr wenig glaubhaft diese Meldung im ersten Augerrvlick erscheinen mag, so ist' es doch auffallend, daß sie ihren Ursprung in franzosenfreundlichen Kreisen der Westschweiz bat. In Bern wird sie zurückgeführt auf die schwer belastete Stimmung im ffanzösischen Volk, dem man vergeblich einzureden gesucht hat, daß für die Entente das Heil aus Rußland kommen würde. Nachdem in Rußland nach der Ermordung des deutschen Gesandte« der in Frank­reich erhoffte Krieg mit Deutschland aber noch immer nicht zur Taffache geworden ist, haben die Jllusionspolitrker der Negisrung des Herrn Elemenceau zweifellos das Vertrauen in weiten Kreisen des Volkes verloren. Man hört, daß der Pessimismus wieder an die Stelle der Hoffnungsfreudigkeir getreten ist, die unter dem Eindruck der Kühlmann-Reden und der Amerika-Fesffeiecn vom 4. Juli wenige Tage lang ziemlich stark hervorgetreten >oar.

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Eine Botschaft Wilsons an Frankreich.

W. T.-B. Washington, 13. Juli. (Meldung des Reuter- schen Bureaus.) Anläßlich des französischen Nationalfesies sandte Präsident Wilson dem französischen Volke eine Bot­schaft, daß die Vereinigten Staaten stolz seien, mit Frankreich in den Waffen und im Zrel kameradschaftlich vereint zu sein.

Die Degradation Cadorna».

Die italienische Heeresverwaltung hat den Grafen Lrrigi Cadorna zusammen mit zwei anderen Generalen, Porro und Capellv, ihres Ranges entsetzt und ihrer Pension verlustig erklärt, die kindische Rache für Cadornas dreijährige Mißerfolgs. Die Rache kommt etwas spät Am 8. November vorigen Jahres, als die Italiener bei ihrer furchtbaren Niederlage 300 000 Mann verloren und sich vor dem Ansturm der Verbün- i beten erst wieder hinter der Piave setzen konnten, wurde Cadorna feierlich zu den Göttern des in Rapallo gegrün­deten Interalliierten Obersten Politischen Rates er­hoben. Also ein erträgliches Schicksal, wie es ja auch Josfve und mancher anderen gefallenen Größe beschie- den ward. Kriegsmrnister Alfieri schrieb damals dem entMten — in jeder Beziehung „entsetzten" — Cadorna: „Die Regierung des Königs hat geglaubt, von Ihnen dieses Opfer fordern zu müssen, damit Sie auf eineni umfassenderen Gebiete einen noch größeren Beitrag zum gemeirffau'en Werke Italiens und seiner X*rtävbeißn j «fett ÄWM." LM &Ö£ LüÄ jfiüs

schmeichelhaft bei aller Bitterkeit. Aber Cadorna zierte sich. Er wollte sich nicht zu Joch (Frankreich) und General Wilson (für England) setzen. Erst nach mebr- tägigem Sträuben nahm er die „Ehrung" an. Er wußte ganz genau, daß es mit seinerVolkstümlichkeit für alle Zeiten vorbei war und-daß ihn sein eitles, wetter­wendisches Volk nun ebenso haßte, wie cs ihn einst weit über Gebühr geliebt hatte. Es liebte ihn, weil sein Name eine Hoffnung war. Sein Großvater überbrachfe 1849 dem Feldmarfchall Radetzky die Kündigung des Waffenstillstandes durch König Karl Albert von Sar­dinien und spielte dadurch ini ersten Kriege Italiens gegen Österreich eine Rolle, Sein Vater war General Raffaele Cadorna, der 1866 den Marsch auf Triest an- ffeten sollte, als die Schlacht bei Custozza das Schicksal wendete, und der sich dann am 20. September 1870 durch die Einnahme Roms in unauflöslicher Weise mit der Geschichte Italiens verband. Diese Familienüber- lieferung ist ohne Zweifel mitbestimmend für die Lauf­bahn des Sohnes gewesen. Als Italien nach gründ- licher Ausrüstung sich zum Treubruch entschloß, hatte Cadorna — nach dem Tode des Generals Pollio — keinen Rivalen, er erschien seiner Nation als der vor­bestimmte italienische Heerführer, er war der erste Fach­mann auf dem Gebiet des Defestigungswesens, der beste Kenner der Kriegsgeschichte, in seinem Lande ein Stra­tege sondergleichen, und wer sich in Italien auf mili- tärffche Angelegenheiten verstand,. der schwur ohne Zögern, daß Cadorna in der Theorie des Gebirgskrieges die erste Autorität der Welt sei. Der Generalleutnant hatte einige Bücher geschrieben, die als Breviarium, als Bibel für die italienischen Offiziere galten. Als Lehrer in der Kriegsschule hatte er in Mailand Porttäge ge­halten, die wie Offenbarungen hingenoinmen wurden. Ini Kriege kam es dann anders. In elf schweren Jsonzoschlachten hat Cadorna nichts anderes erreicht als die Besetzung von Görz, die ihm den Grasentitel, seinem Lande den Verlust von Hunderttausenden ein- brachtc. Es gelang ihm nicht den Weg auf Laibach und Triest zu öffnen. Auch Trient blieb ihni verschlossen. Als er zur 12. Jsonzoschlacht rüstete, kam der kata­strophale Gegenschlag der' deutschen Below-Armee bei Karfteit. Cadornas Heldensöhne wurden bis zur Piave ' gejagt. Warum sie ihn dafür jetzt erst so grausam mit Degradation besffafen? Nun, weil ihnen infolge der letzten Ereignisse an der Piave wieder der Kamm ge­schwollen ist. „Als die Römer irech geworden", das ist die Erklärung. In der großen effftündigen Kammer- sibung vom 23. Dezember 1917 hatte der Abgeordnete Turati gerufen: „Steinigt Cadorna!" Er wurde zur Ruhe verwiesen. -Heute wäre es vielleicht das zündende Wort. General Diaz. der an Italiens „Rettung" ganz Unschuldige, erbält den höchsten Savoyenorden und Cadorna den Eselstritt. degradierte Cadorna täte gut. sich aus seinem undankbaren Vaterlande möglichst weit zu entfernen.

Dar beyeffterunqsyeschroollene Italien.

Berlin, 16. Juli. Wie dem ,.B. T." au? Ehiaffo ge­meldet wird, wurde das französische Nationalfest in ganz Italien mit EntlwsiaSmuS gefeiert. Besonders hoch ginger die Wegen der Begeisterung in Rom und Mailand. Die Straßen roarcn mit französischen Flaggen geschmückt, und aas den Plätzen wurden zu Tausenden Flugblätter verteilt, in denen die italienisch-französische Freundschaft als ein Triumph der Zivilisation gegen die Barbarei gepriesen wurde.

Vas völlig verneinende Echo der kjertling- Rede.

Die Londoner Arbeiterkundgebung für Kriegsfortsetzung Berlin, 16. Juli. Wenn vielrach angenommen werden konnte, daß die Kcmzlerecklärung über die Wiederherstellung Belgiens zum mindesten die feindlichen Sozialisten um­stimmen wecde, so sind, wie die „Deutsche Ztg." schreibt, auch diese Erwartungen bitter enttäuscht worden. Man lese nur, was der Draht über die Londoner Kundgebungen zum fvrnzösischen Nationalfeiertag berichtet.

Der „Vorwärts" sagt: Es handelt sich um eine Kund­gebung der nationalistischen rechten Gruppe der britischen Arbeiterbewegung, die im Verlaufe des Krieges organisiert wurde, um der imperialistischen Politik einen sozia­listischen Helfer zu geben. Daß die Gruppe Hand in Hand mit angeblichen ameriknnisckpui Sozialisten, in diesem Falle also Anhängern einer erbitterten Weiterführung des Krieges, paradiert, gehört ebenso zum Bilde wie der Clemenceau-Tries, der verlesen wurde.

Die „Morgenpost" sagt: Nichts von Verhand­lungen! Das ist da? Echo der Hertlmg-Rede aus dem Munde der Entente. Unsere Heere haben inzwischen das Wrrt genommen, und die Sprache, die sie südöstlich und west­lich von Reims mit unseren Feinden sprechen, wird, wie wir hoffen, lehr deutlich und sehr kräftig sein.

W.T.-B. Amsterdam, ;5 Juli. Dos Rcuterschr Bureau meldet aus London: Die englischrn Blätter vergleichen die

* IrWktiimm mk-Jaatt

etwa: Die allgemeine Richtung der Politik Hertlings ist klar. Er würde gern die Freiheit des Handels im Osten erlangen, um seine Macht im Westen auszonützen. Er vergißt dabei, daß der Präsident Wilson und die britischen Arbeiter diesen Plan schon längst durchschaut and rundweg erklärt hüben, daß dies ganz unzulässig s:>. Sie lehnen es ganz und gar rb, Belgien oder die besetzten Gebiete Frank­reichs als Pfänder anzusehen. Lloyd George und Wilson haben der Welt ganz klar mitgeteilt, was wir wollen. Die letzten Reden in Berlin zeigen nur. woran Teutschlano sich gern klammert oder was eS als Reserve sestbalten will. Der Krieg wird aber nicht früher auihöreu, al? bis der deaffch: Kanzler sagt, daß Deutschland bereit ist, für Belgien Schadens Vergütung und Sühne zu leisten.

Der „Manchester Guardian" zur Rede Hertlings.

W. T.-B. Rotterdam, 16. Juli. (Drahtbericht.) Laut „Neuen Rottend. Courant" nimmt der „Manchester Guardian" in Erwartung dos vollständigen Wortlauts der Rede Hertlings an, daß er sich endgültig und unwider­ruflich zur Rückgabe Belgiens verpflichtet habe. Aller­dings nicht bedingungslos. Alber der Reichskanzler biete wenigstens als Teil der allgemeinen Regelung die vollständige rrnd unzweideutige Beffeiung an. Bemerkenswert sei an der Erklärung ferner, daß sie keine Ansprüche auf dem Ge- lbiet der Kriegsentschädigung erhebt. Das Wichtigste ist, daß Deutschlands Ziele in Ausdrücken daogelogt werden, die mit der Re ichstagsen tschl ietzu ng vom letzten Jahr übercinstimmen. Diese Änderung dos Tons feit dem Februar d. I. liege klar zutage. Sie mache den Eindruck, daß die große Offensive im Westen die Lage nicht wesentlich verändert habe. Dies sei um so bemer­kenswerter nach einer politischen Krise, die die Alldeutschen ans Ruder gebracht zu haben schien. Die Rede deute eine ondgültige und wichtige Änderung in der Haltung der deutschen Regierung an. Die beiden letzten Reden Lloyd Georges hätten mehr negative als positive Worte über unsere Kriegsgicle gebracht. Der „Manchester Guardian" meint, daß trotz aller aus einer Änderung hinweisenden Anzeichen die Zeit für die Diplomatie noch nicht gekommen sei, wähl aber für eine internationale Arbeiterkonferenz.

Der Schluß der deutsch-englischen Rustausch- Ronferenz.

W. T.-B. Amsterdam, :5. Juli „Algemeen Handels­blad' meldet aus dem Haag, daß der Minister des Äußern gestern um 7^ Uhr abends im Traoes-Saal die deutsch-eng­lische Kriegsgefangen mkonsereuz geschlossen hat.

Amsterdam, 15. Juli. DuS Hollandsche Nieuws-Bureau meldet zu dem deutsch-englischen Abkommen über die Kriegs­gefangenen: DaS ge-tern im Haag abgeschlossene Überein­kommen wird beidm Regierungen zur Genehmigung vorgelegt werden. Von deutscher Säte ist bei der Unterzeichnung ein Vorbehalt gemacht worden, der sich auf die Deutschen in China bezieht. Das Abkommen ist bestimmt, daß die Unteroffiziere und Mannschaften, die sich länger als 1(4 Jahr in Kriegsgefangenschaft befinden, entlassen werden sollen, ähnlich, wie das in der kürzlich in Bern znstandegekommenen Abmachung bestimmt wird. Zugleich sollen fast alle bürger­lichen Personen, die den Munich tazn äußern, nach ihrer Heimat zurückkehren dürfen. Weiter ist die Entlassung der in Holland und in der Schweiz internierten Gefangenen ge­regelt. Ein Ausschuß, der im Haag zusammentreten soll, wird die Rückbeförderung der in überseeischen Ländern be­findlichen Deutschen regeln Weiter; Bestimmungen haben Bezug auf die Behandlung de: Kriegsgefangenen.

W. T.-B. London, 16. Juli. (DroHtbericht. Unterhaus.) Bonar Law teilte mir. daß zwischen den Deilegiertem im Haag über den Austausch der Gefangenen eine Eini­gung -erzielt worden sei, die aber noch der Ratifikation durch die beiden Regierungen bedürfe. Sobald die englischen Dele­gierten zurückgekehrt sein würden, werde die Fvage des Aus­tausch» der türkischen, britischen und indischen Gefangenen in Angriff gencm.men werden.

vie kldmiralstabsmeldung.

W. T.-B. Berlin, 15. Juli. (Amtlich.) Im Sperrgebiet des Mittelmeeres wurden durch die Tätigkeit unserer Unter­seeboote vier Dampfer uns ein Segler von insgesamt

17 661 Brutto.-cgistertonnen

veffenkt. Der Cher des AdmiraljtabeS der Marine.

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W.T.-B. Kopenhagen, 1.3 Juli. Da? Ministerium des Äußern teilt mit: Das Segelschiff „Gullfaxi" ist in der Nähe der Far-Ör versenkt worden. Die Besatzung fft in ThorS- havn gelandet worden.

Eine programmatische Erklärung Daran Durians.

W. T.-B. Wien, 15. Juli. Die den beiden Ministeichräsi- denten vom Minister des Äußern zngegangene Mitteilung über seine Auffassung der auswärtigen Lage besagt u. a.: In den gegnerischen Kriegszielen erkennen wir drs: Gruppen von Beffrehungen, mit denen versucht wird, das Fortschen des blutigen Ringens zu rechtfertrgen: 1. Frei-

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