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(Nachdruck sämtlicher Original-Beiträge verboten.)

Geschichte des Schlosses Schadeck an der Lahn.

Von Oskar Fuchs, Pfarrer zu Derne-Dortmund.

Der Erbauer des Schlosses Schadeck an der Lahn, welches heute noch wenigstens zur Hälfte besteht, war Heinrich 1., Herr zu Runkel und Westerburg, Sohn Siegfrieds IV., Herrn zu Runkel und Westerburg, und seiner Gemahlin, einer Geborenen von Rittberg oder einer Gräfin von Dietz. Zwischen den Jahren 1270 und 1273 war Heinrich I. von seinem Vetter Siegfried V. von Runkel mit Waffengewalt aus der Burg Runkel verjagt worden. Heinrich, der Beleidigte und Verdrängte, beschritt nun den Rechtsweg und klagte seinen Vetter Siegfried bei dem in Boppard weilenden Kaiser Rudolf I. wegen dieser Gewalttätigkeit an. Die Klage Heinrichs wurde für gerecht erkannt, und die Schiedsleute sprachen ihm den ruhigen Genuß der Burg Runkel zu, aber Siegfried blieb dennoch hartnäckig, fügte sich diesem Urteilsspruche nicht und be­hielt die Burg in Besitz (1275). Auch wiederholte spätere und für Heinrich günstige Entscheidungen beachtete Siegfried nicht und ließ seinen Vetter Heinrich nicht in Runkel ein. Da Heinrich auf keinerlei Weise zum rechtmäßigen Besitze seiner Burg gelangen konnte, sah er sich zur Behauptung und Erhaltung der Herrschaft Runkel genötigt, auf der rechten Seite der Lahn, Runkel gegenüber, auf einem hohen Felsen eine Burg zu erbauen, welcher er den Namen Schadeck gab, um da­durch zu zeigen, daß dieselbe zum Schutze seiner Rechte und zur Schädigung seines Gegners erbaut sei. Die Erbauung der Burg fällt etwa in das Jahr 1280; 1288 wird ihrer zuerst Erwähnung getan. Um die Burg breitete sich ein fruchtbarer Landstrich aus. Heinrich I. verband auch beide Ufer der Lahn durch eine steinerne, heute noch bestehende Brücke, die zwischen Schadeck und ,Runkel den Verkehr, aber auch Angriffe sehr erleichterte und obendrein oft Veranlassung zu neuen Zwistigkeiten gab. Heinrich I., der Stammvater des Hauses Westerburg sein Vetter Siegfried ist als Stammherr der Grafen von Runkel anzusehen starb in der Blüte seines Lebens im Jahre 1288.

Nach dem Tode ihres Gründers erlebte die Burg Schadeck im Laufe ihrer sechshundertjährigen Geschichte manche wechsel­volle Schicksale. Was davon Bemerkenswertes bekannt ist die Quellen fließen spärlich sei im folgenden mitgeteilt. Rein­hard I., des heüigen römischen Reiches semperfreier*) Herr zu Westerburg (gestorben 1353), der zweite Nachfolger Heinrichs I., trug Burg und Herrschaft Schadeck dem Erzbischof Balduin von Trier zu Lehen aus, besonders deshalb, weil die Erbauung der Burg Schadeck auch weiterhin Reibereien mit Runkel Hervorrufen konnte, was denn auch wirklich der Fall war. Zudem war Schadeck weit von Westerburg entfernt, so daß es geraten erschien, die Herr­schaft zur größeren Sicherheit dem mächtigen Erzstist Trier zu Lehen aufzutragen. Wirklich zerfiel Dietrich IV. von Runkel mit Rein­hard I. wegen Schadeck und der Grenzfestsetzung, doch verglichen sich beide dahin, daß Reinhard den Herren von Runkel einen Teil des Schlosses Schadeck samt Renten für 1200 Gulden verschrieb. Später geriet Reinhard auch mit dem Erzbischof Balduin von Trier in Fehde. Balduin sammelte ein Heer und eroberte im Mai 1346 die Burg Schadeck. Reinhard mußte in dem hierauf vermittelten Frieden dem Erzbischof die halbe Burg Schadeck

*) semperfrei s. v. a. souverän, unabhängig, nur dem Kaiser unterstellt.

mit allem Zubehör abtreten und sich damit zufrieden geben, die andere Hälfte als Triersches Lehen zu empfangen. Schadeck verblieb lange Zeit ein Lehen des Erzstifts. In der Folge er­scheint Schadeck des öfteren als Witwensitz. Im Jahre 1389 ver­witwete Reinhard II., semperfreier Herr zu Westerburg (ge­storben 1421), seine Gemahlin Katharina, geb. Gräfin von Nassau- Wiesbaden, auf Schadeck, lvozu der Erzbischof von Trier im Jahre 1394 seine Einwilligung gab. Das gleiche tat Reinhard III., semperfreier Herr zu Westerburg und Schauinburg (13881449) mit seiner Gemahlin Margarete, geb. Gräfin von Leiningen- Dagsburg. Reinhard IV., senrperfreier Herr zu Westerburg und Schaumburg, später als Reinhard I., Graf zu Leiningen- Westerburg bezeichnet (14531522), wies seiner Tochter Eva (14811543) auf Lebenzseit das Schloß Schadeck zum Wohnsitz an. - Auch Graf Reinhard II. zu Leiuingen-Westerburg (1530 bis 1584) bestimmte Schadeck zuur Wittum seiner Gemahlin Ottilie, geb. Gräfin von Manderscheid-Blankenheim. Albrecht Philipp (15671597), der Sohn und Nachfolger des Grafen Reinhard II., hatte mit dem Hause Wied-Ruukel wegen des Schlosses Schadeck sehr verdrießliche Händel; zu Runkel und Schadeck schossen beide Parteien anfeinander; Schadeck wurde blockiert, ein Runkler Pförtner gefangen und geköpft und dessen Kopf Runkel gegenüber auf einem Pfahl gesteckt, auch üble Malereien und Lieder machten beide Teile aufeinander, erst der Tod Albrecht Philipps beendigte den Streit. Die gräfliche Familie ivar ivegen der damals ausgebrochenen Pest von Westerburg nach Schadeck geflohen; von dort zu früh nach Westerburg zurückgekehrt, Ivurden alle von der Seuche ergriffen und hinweggerafft (August 1597). Der dreißigjährige Krieg schlug der Herrschaft tiefe Wunden. Die Herrschaften Schadeck und Schaumburg waren 1626 schon verheert, die Untertanen meistens entlaufen, die Dörfer ausgeraubt, das Vieh hinweggetrieben. In der Grafschaft Westerburg waren kaum 60 Bürger und Bauern übrig geblieben, so daß der damals regierende Graf Christoph (15751635), durch all dieses Elend niedergebeugt, mehrmals nahe daran war, alle seine Besitzungen zu verkaufen und sein Leben als Privatmann in fremden Lande» zu beschließen, eine Absicht, von der ihn nur die Liebe zu seinen Kindern zurückhielt, GeorHWilhelm (16191695), Christophs Sohn und Nachfolger, baute die Schadecker Kirche, deren Schmuck in einem prachtvollen Altar aus schwarzem Marmor mit weißen Adern besteht. Derselbe trägt auf der Vorderseite die Wappen von Leiningen-Westerburg und Lippe, darunter die Inschrift: Georg Wilhelm, Grass zu Leiningen Und Herr zu Westerburg des heil. Röm. Reichs Sempersrey und Sophia Elisabetha Ver­mählte Gräffin zu Leiningen geb. Gräfsin und Edle Frau von der Lippe. Oben Gemeldete Beide Hochgebohrene Grüfl. Personen haben diese Kirche im Jahre Christi 1682 zu Bauen Angefangen". Ganz besondere Erwähnung verdient der edle, wackere Graf Johann Anton, der eine eigene Schadecker Linie des Hauses Leiningen-Wcsterburg begründete. Nach dem ältesten Schadecker Kirchenbuch lourde er am 13. Januar 1655 im Schlosse Schadeck geboren und am 18. Januar 1655 daselbst getauft. Er war das neunte Kind und der fünfte Sohn des Grafen Georg Wilhelm und dessen Gemahlin Sophie Elisabeth Gräfin zur Lippe,