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Verlag Langgaffe 21

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12 Ausgaben.

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Sonntag, 14. Juli 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 323. * 66. Jahrgang.

Die Lage an ^er Westfront.^

Durch die bisherige siegreiche deutsche Offensive hat die deutsche Heeresleitung ihr Operationsziel, das in der Zertrümmerung der feindlichen Streit­kräfte besteht, zu einem großen Teil erreicht und da­durch die Kräfteverhältnisse vollkommen zu ihren Gunsten verschoben. In den Großkampf­tagen sind bisher von keindlicher Seite, abgesehen von den in vorderster Linie sowieso stehenden Truppen, neu­eingesetzt worden:

In den Kämpfen beiderseits der S o m m e 22 eng­lische und 31 französische Infanteriedivisionen: in

Flandern 16 englische und 5 französische Infanterie­divisionen. Im weiteren Verlause wurden in diesem Abschnitte nochmals 12 französische Divisionen zur Unterstützung der Engländer uiqesetzt. In der A r s n e- und Marneschlacht wurden verbraucht 29 franzö­sische, 2 englische, 2 amerikanische und 1 italienische Jn-^. fanteriedivision und bei den Kumpfen zwischen Mont­didier und Noyon 10 französische Infanteriedivisionen. General Foch verfügre an der Westfront im ganzen nur über 189 Divisionen, von denen er bereits 177 In­fanteriedivisionen und außerdem 13 Kavalleriedivisionen allein in den Großkampfzeiwn eingesetzt hat. Die Folge davon ist, daß die Fachs che Manövrierarmee, von der auf dem Kriegsrat zu Versailles die Ent­scheidung erwartet wurde, als solche nicht mehr b este h t. In der Stärke von rund 60 Divisionen mit 90000 K ö v s e n ist sie infolge der erlittenen Niederlagen nach und nach eingesetzt roorden und zwar lediglich zu defensiven Zwecken, »m die zusammen- gebrochene Front wieder *u sticken und zu stützen. Der General Foch verfügt über keine starke Manövrier­armee mehr und ist deshalb auch gar nicht mehr in der Lage, großzügige Gegenmaßnahmen zu unternehmen. Wenn daher die Ententepresie eine neue srrategische Gegenoffensive erwartet oder gar schon angc- kündigt, so übersieht sie dabei vollkommen die wirklich vorhandene Lage. General Foch möchte ein derartiges Unternehmen wohl gern ausssihren, er hat ein solches auch vielleicht ursprünglich geplant, aber die siegreichen deutschen Angriffe haben es nicht dazu kommen lassen, und als der französische Generalissimus zu Beginn der guten Jahreszeit die Gelegenheit vorübergehen ließ, die Vorhand an sich zu reißen, und der deutschen Führung den Angriff überließ, da ist er durch die deutschen Er­folge zum Verbrauch seiner Kräfte gezwungen worden.

In der Ententepresie wird aber trotzdem behauptet, General Foch verfüge über genügende Kräfte, weil in­zwischen die amerikanischen Hilfstruppen in bedeutender Stärke eingetroffen ivären. Auch das ist ein gewaltiger I r r t u m. Es sind wohl amerika­nische Truppen eingetroffen. aber bei weitem nicht in der Zahl, um dadurch auch nur die entstandenen Verluste annähernd ausqleichen zu können, ge­schweige denn eine neue Manövrierarmee zu bilden, mit der allein eine Offensive ausgesührt werden könnte. Eine einfache Rechnung, und die Aufführung nackter Zahlen wird dies am besten beweisen. Die Westmächte haben durch die deutschen Angriffe blutige Ver - l u st e in der Höhe von über 1 Million erlitten, und zwar ist dies eine außerordentlich vorsichtige und zuverlässige Schätzung. Außerdem haben sie über 220 000 Mann an unverwundeten Ge­fangenen verloren. Rechnet man die vermißten und verwundeten Gefangenen hinzu, so ergibt dies einen Gesamtverlust von über 1,25 Millio­nen. Noch durchaus zuverlässigen und einwands­freien Nachrichten beträgt die Zahl der bisher in Frank- reich eingetroffenen Amerikaner höchstens 5 00000 Köpfe, von denen aber nur etwa ein Drittel aus­gebildet und kür den Frontdienst sofort verwendungs­fähig sind. Ihre Zahl ist ans 150180 000 Mann zu veranschlagen, der Rest besteht lediglich aus Arbeits- truppen oder befindet sich noch in rückwärtigen Übungs- lagern in der Ausbildung. Einem Verluste von 1,25 Millionen steht also ein Zuwachs von 0,2 Millio­nen entgegen, so daß auch nach besten Anrechnung der Verlust immer noch über 1 Million beträgt. Anders Hilfsmittel, um die Verluste auszugleichen, stehen aber den Westmächten nur in sehr geringem Umfange zur Verfügung. Sie leiden beide an starkem Mann- schaftsmangel und müssen schon zu den empfind­lichsten Mitteln greifen, um neue Rekruten aufzu­bringen. Die Verhandlungen im englischen Parlament haben darüber ein sehr bezeichnendes Licht verbreitet. Es mußten in England soviel Leute eingezogen wer­den, daß die Feld erbe st ellung darunter emvfind- sich gelitten hat. Der Minister mußte aber erklären, daß auf die berechtigten Klagen der Landwirtschaft keine Rücksicht genommen werden könnte. Für die nächste Lest iedenfalls wird d« General Loch weder

durch die Amerikaner noch durch den eigenen Ersatz in die Lage gebracht werden, eine neue Manöv­rier- und Reservearmee aufzustellen. Er mutz deshalb auch auf jede strategische Offensive ver­zichten. Die jetzt ausgeführten Angriffe und Vor­stöße dienen lediglich der Verbesserung der eigenen Stellung, der Gewinnung einzelner wichtiger Punkte und Erkundunaszwecken. Die st r a t e g i s ch e Int- tiative, die Möglichkeit zu einer neuen strategischen Offensive liegt nur auf deutscher Seite, wp die Vorbereitungen zu neuen großen Schlägen mit voller Ruhe getroffen werden.

*

Ver öeut'etze Kbendbericht vom 13. Juli.

W. T.-B. Berlin, 1: Juli, abends. (Amtlich. Draht­bericht.) Bon den Kampffronten nichts Neues.

Di« Gefahr für Paris.

Br. Zürich, 13. Juli. (Eig, Drahtbericht. zb.) Die Zürcher Morgenpost" schreibt: Man verkennt im H e e r er­lag e r der Entente die Gefahr fiir Paris nicht mehr. Paris ist die Seele der französischen Kriegsindustrie und da­mit die Seele des Widerstands Die plötzlich lebhaft gewordene Kanipftätigkeit in All enteil und Maze­donien geschieht lediglich, um die Gefahr für Paris durch Abzichrng deutscher Truppen zu mildern. Dem gleichen Zweck dienen dre russisch-sibirischen Umtriebe. In die Saloniki er Front werden mehr und mehr grie­chische Truppen eingereiht, so daß dort die Möglichkeit deK Wiederauflebens größerer Mionen besteht.

Bestrafte Brutalität französischer Offizier«.

W. T.-B. Berlin. 13. Jul, (Drahtbericht.) Von der sog. Ritterlichkeit französischer Ofsiziere, über deren rohes Benehmen schon oft berichtet werden mußte, gibt fol­gender Fall eines Ersatzrekerpisten, der seine Aus­sagen beschirmen bat, ein beredtes Zeugnis, Am 3. Juni wurde er im Walde von Villers-Cotterets durch einen Granatsplitter schwer verwundet, außerdem ritz ihm ein zweiter Granatsplitter das rechte Auge aus. Er ver­band üch nctdüiftig ur>d versuchte, zur nächsten Verbandsstelle zu gelangen, mußie sich aber, Neil er zu schwach geworden war, an einem Grabenrand niedersetzen. Kurze Zeit darauf fahr ein feindlicher Sturmwagen an ihm vorbei, aus dem zwei französische Offiziere spran­gen, die. der eine mit einem Nerolver, der andere mit einem Karabiner bewaffnet, auf ihn zukamen. Obwohl der Mami khn; Waffen und schwer verletzt war, schoß ihm der erne mrt dem Revolver ins Gesicht und verletzte ihn schwer am Mund. Nur durch Totstellen entging der Mißhandelte weiterer Gewalttätigkeiten. Die Offiziere fuhren dann in dem Tankwagen weiter, den kurz darauf das Schicksal ereilte. Er wurde von der deutschen Artillerie zusam­men g e s ch c s s e n.

Einstellung des Verfahrens gegen Eatllaux?

"Br. Genf. 13. Jul, (Grift Drrblbericht. zb.) Nach Pariser Blättern rechnet man mit der Möglichkeit, daß das Gerichts­verfahren gegen Eaillaux eingestellt wird. In der Angelegen­heit Malv» wird der Senat dem Antrag des Staatsanwalts erttspcechen und das gesamte Meterial als unzureichend für eine gerichtliche Verfolgung wogen Landesverrats er­klären. Dagegen wird er versügeil, daß ein aas Parlamen­tariern und Beamten zu lildcnder Ausschuß Malvhs politi­sches Verhalten als Ministe: Lberpaüst und ein Gutachten abgibt

«ie «mexikanische Propaganda in der Schweiz.

Br Genf, 13. Juli (Erg Drcbtbericht. zb.) Die an­gekündigte amerikanische Provaganda in der Schweiz hat promvt eingesetzt. Seit einigen Togen wrrd die Schweizer Preste durch eine anscheinend offiziös bediente amerika- nische Z e i t u n g s a g e n t u r mit für Amerika besonders günstig klinge,-den Nachrichten de,sorgt, die namentlich Mel­dungen über di« fortgesetzten Richtungen in den Bereinigten Staate» verbreiten

Der Völkerbund der Entente!

Br. Gens, 13. Juli. (>?ig. Trvbtbericht. zb.) In Der. sailles soll nach demPetit Parisierr" der Grün­dungsausschuß der Gesellschaft der Nationen tagen. Die Veatr«ru»g würde unter den sesizustellenden Be­dingungen ollen Staaten, ausgenommen die Mittel­mächte. ermöglicht

Br. Genf. 13. Jul«. (Eig Drahtbericht. zb.)Popow d'Jtnlia" berichtet, es sei bcebstck ttgt, daß von den Regierun­gen drc Ententestaatcii für die Zeit nach dem Krieg, sobald als möglich, ein l a » g f c i st i ge s W a f f e n b ü nd n i s geschlossen werde

Lin frcrnzösisch-grischisches waffenbündnrs.

Br. Bern, 13. Juli (E,g Droktbericht. zb.) Die Zürcher Mocgcnzcitimgen melden aus Genf- Las französische Amts­blatt veröffentlicht einen St a a t ö v e r t r a g zwischen Frank­reich und Griechenland, wrr.ach alle in Frcrkkreich befindlichen Griechen in die französische Armee eingereiht roerden. Der französische General Gramat ist zum Gene- ralstabschefder griechischen Armee ernannt.

Deutschland und Belgien.

3ur Keichskanzlererklärung im Haupiausfchutz.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

B. A. Berlin, 13. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) In hiesigen politischen Kreisen wird die gestrige Erklärung des Kanzlers über die belgische Frage lebhaft kom­mentiert. Von Anfang des Krieges an war das künf­tige Schicksal Belgiens einer der Hauptstreit- Punkte. Durch die letzten Kundgebungen feindlicher Staatsmänner ist seine Wichtig­keit erneut in Geltung getreten. Pazifisten waren vielfach sogar der Ansicht, daß eine endgültige Er­klärung der deuffchen Regierung in dieser Hinsicht zur Beschleunigung des Kriegsendes erheblich beitragen könne. Auch andere ernste Politiker neigten der Ansicht zu, daß Klarheit günstig wirken werde. Graf H e r t l i n g hat diesen Gedankengängen durch seine gestrigen Ausführungen Rechnung zu tragen ver­sucht. Es kann kein Zweifel bestehen: Die gestrige Er­klärung des Reichskanzlers vor dem Hauptausschuß ist so unzweideuttg und so ausführlich, wie man es bisher nicht gewöhnt war, vom Regierungstisch aus sprechen zu hören. Die Legende, Deutschland wolle Belgien ver­gewaltigen, ist damit endgültig aus der Welt geschasst. Die Worte des Kanzlers ttafen auch alle diejenigen Linken, die zu wissen behaupteten, man trage sich mit dem Plan, einzelne Teile Belgiens, so die Küsten und gün- stigen Häfen, in deutscher.Hand zu behalten. Belgien spielt jetzt nur die Rolle, die ihm durch die ersten Er­klärungen unserer Regierung nur zuqeschrieben war: Es ist ein F a u st p f a n d, das uns die Erfüllung unserer übrigen Bedingungen sichern sollte. Daß die Wünsche Deuffchlands, die durch den Besitz Belgiens befriedigt werden sollten, keine unbilligen sind und denen der Alldeuffchen nicht entsprechen, wird jeden­falls durch Graf Hertlings Worte außer Zweifel ge­stellt. Er sagte ausdrücklich, daß uns jede auf die Welt- Herrschaft gerichtete Tendenz fern gelegen hat, und stellte als unser Hauptziel die Unversehrt- heit des deutschen Territoriums fest. Es kann damit die vielfach verbreitete Behauptung wider- legt werden, Deuffchland plane mit seinen Zugeständ- nissen in der belgischen Frage der Entente eine Falle zu stellen, um dann von ihr phantasttsche Bedingungen herauszupressen, so Auslieferung eines großen Kolo­nialreiches, territoriale Vergünstigungen im französi­schen Erzgebiet, in der Schiffahrtsfrage usw. Was wir wollen, läßt sich in wenigen Sätzen jetzt ganz klar aus­sprechen: Die Rückgabe unserer Kolonien, «die Gewähr, daß der VernichttmgAville unserer Gegner endgültig geschwunden ist, dementsprechend den Verzicht Frank- reichs auf Elsaß-Lothringen, den Verzicht ans Wirt- schaftliche Schikanen nach dem Krieg, die Unsicherheit, daß alle notwendigen Rohstoffs uns in demselben Maße geliefert werden wie den jetzt neuttalen Staaten und schließlich die Freiheit für unsere Handelsflotte, alle Stätten der Seeschiffahrt frei zu be- nutzen und zu passieren. Es sind das, wie man sieht, die Ziele, die die deuffche Krieqszielpolitik von Anfang an gehabt hat, nur sind sie jetzt zum erstenmal so un­zweideutig ausgesprochen worden, daß den feindlichen Staatsmännern, die noch immer mit Phrasen von Völkerfreiheit agitieren, die Verweigerung einer Ant­wort nicht gut möglich ist. Sie haben jetzt das Wort!

Schwedische Würdigung der Reichsüanzierrede.

W. T.-B. Stocklivlni, 13. Juki. (Drahtbericht.) Di« Red« des deutschen Reichsbinzlers wird in der schwedischen Presse überall an leitender Stelle gekracht, aber vorerst noch nichi besprochen. NurStockholms Dag blad et" meinr, Hertting fei es vor allem daraus angekommen, zu be­tonen, daß fcie Kontinuität in der deutschen Polittk. die durch seine eigene Person vertreten sei, durch die Ersetzung Kühl- mannS durch den von den Konservativen und Alldeutschen als ihren Mann hing« stellten Admiral v. Hintze nicht unterbrochen sei. D»e Rede des deutschen Reichskanzlers hätte zweifellos auch noch mit Kühlmann zusamineu geholten werden können. Im Prinzip brauche man also den Wechsel auf dem Postum des Ministers des Äußern nicht als- dos Zeichen einer sach­lichen Änderung zu halten.

Lohnende Parlamentsmitgliedschast.

Bern, 12. Juli. Bonar Laws Angabe, daß von den derzeitigen Unterhausmitgliedern nichr weniger als 288 Titel, Orden und Ämter erhielten, ruft ironische Kommentare in der liberalen Presse hervor.Daily News" berechnet spöttisch, daß somit den gegenwärtigen Volksvertretern, abgesehen von den irischen Nationa­listen, die lediglich Enttäuschungen ernteten, 49 Prozent von der Krone Auszeichnungen erhielten, während über 10 Prozent Minister seien.