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Verlag Langgaffe 21

„Tngblaithnus".

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Samstag, 12. Juli 1918.

Berliner Abteilung des Wirsbüdeuer TagblattS: Berlin V. 57, An der Apoftrlkirche 7, U Fernsprecher: A mt Liitzow 8202 »nd 6203. __

Nr. 321. » 66. Jahrgang.

Morgen-klusgabe.

vollkommene Ulärung der Lage.

Lins befriedigend« Erklärung d.NeichsKanzlers über die belgische Frage.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

B. A. 23erlitt, 12. Juli. (Erg. Drahtbericht. zb.) Die heutige Sitzung des Hauptausschusses des Reichs- tags (über die wir bereits ausführlich iv unserer gestrigen Abendausgabe berichteten) hat. wenn über­haupt eine Krise bestand, diese endgültig bei­gelegt. Schwierigkeiten .hatten, nachdem die Fort­schrittliche Volkspartei sich auf den Standpunkt gestellt hatte, zunächst die Taten des Herrn Hintze vor einem Urteilsspruch über ihn abzuwarten, ohnehin nur noch die Sozialdemokraten gemacht. In einer internen Beratung hatten sich vor einigen Tagen von 60 an­wesenden sozialdemokratischen Abgeordneten etwa 13 gegen die Bcwilligung der Kriegskredite ausgesprochen und waren in ihrer Opposition durch den Rückt: itr t. Kühlmanns bestärkt worden. Die gestnge Erklärung des Reichskanzlers batte nun diesen Teil der sozialdemokratischen Fraktion schon stark beruhigt. Man verlangte nur noch, was aus der Rede des Abgeordneten S ch e i d e m a n n auch her­vorging, genauere Feststellungen der deutschen Politik besonders hinsichtlich ihrer Ziele i m W e st e n. Die übrigen Fraktionsmitglieder unterstützten ihren Kolle­gen in dieser Forderung. Auch die Erklärungen, die der nationalliberale Abgeordnete S t r e s e m a n n heute abgab. zeigten dem Kanzler, daß es angebracht sei, möglichst deutlich die Grenzen zu ziehen, innerhalb deren das R°aicrungsgebiet des in Aussicht genommenen neuen Staatssekretärs liegen soll. Grat H e r t l i n g trtlg also der allgemeinen Stitninung Rech­nung, als er heute nochmals das Wort ergriff. Er bestimmte im voraus, daß seine Erklärungen als ver­traulich zu betrachten seien und äußerte sich dann vor alleni auch über seine Pläne in der 5 e l g t s ch e n Frage die er folacndermaßen formulierte.

„Wir beabsichtigen nicht, die Selbständigkeit und Unabhängigkeit Belgiens anzutasten, aber andererseits können wir auch, wie schon wiederholt er­klirr wurde, nicht zulassen, daß Belgien zum Aufmarsch­gebiet unserer Feinde wird und daß unser wirtschaft­licher Einfluß dort verdrängt wird."

Man neigte zwar in Abgeordnetenkreisen der Mei­nung zu, daß es wertvoll sei die Ausführungen über Belgien so genau wie möglich der Öffentlichkeit mitzu­teilen, war indessen über den Inhalt so befriedigt, daß man sich schließlich mit der Kenntnisnahme begnügte. Auch die Sozialdemokraten des linken Flügels waren durch die Erklärungen, die deutlicher als irgend eine Erklänrng von Regierunqsseite her den deutschen Standpunkt festlegte, so erfreut, daß man er­klärte, nunmehr selbverständlich die Kredite zu genehmigen und auch auf eine Debatte ttn Plenum, wo ja Neues nicht mehr gesagt werden könne, zu der- zichten: nur eine kurze Erklärung soll, wie es heißt, von ihnen abgegeben werden. Es wird diesmal ver­mutlich darin auf die beutiqe Kanzlerrede bingewiesen werden. Von dem Vertrauen, das der Kanzler sich beute im Parlament zu erringen wußte, wesentlich gestärkt, wird er heute ins Hauptquartier *rurückkchren und dort vermutlich erzählen, welchen Erfolg seine Erklärungen gehabt baben..

Die Kriegskredite kommen auf die Tag-'sord- nvng der morgigen Vollversammlung des Reichstags. Da für die Sitzung anderer Arbeitsstoff nicht mehr vor- liegt, durfte sie nur kurz fein und der Reichstag sich bis zum Herbst vertagen._

Nachträglicher von der Lösung der Nühlmannfrifir.

J. 8. Berlin, 12. Juli.

Es war in einem Blatt die Rede von der Eis­kellertemperatur, die Herrn v. Kühlmann bei seiner Ankunft im Großen Hauptquartier entgegen- geweht wäre. Es sollte damit von dieser Seite der Eindruck erweckt werden, daß der Staatssekretär bis zum letzten. Augenblick, jedenfalls noch auf der Fahrt ins Hauptquartier in einer gewissen Illusion gelebt und mit seiner Verabschiedung gar nicht oder kaum gerechnet hätte. Das find irrige Annahmem Herr v. Kühlmann wußte schon vor Antritt seiner Reise, was die Glocke geschlagen hatte. Im günstigsten Falle konnte er nur noch mit einer weiteren Befristung seines Rücktritts bis nach Reichstagchchluß, um einige wenige Tage rechnen. Er fuhr ohne jedwede Illusion ins Hauptquartier, zum Rücktritt auch dann fest-entschlossen, wenn er den Ein­druck gewinnen würde, daß man die Lösung der Krisis

er war vom Reichskanzler stets auf dem laufenden über die Stimmung im Hauptquartier erhalten gewesen. Andererseits ist auch die Meldung eines anderen Blattes falsch, wonach Herr v. Kühlmann es gewesen sein soll, von dem zuerst das Gestich um Enthebung vom Amt ausgegangen wäre. Richtig ist nur das eine, daß der Staatssekretär nach den: unglücklichen Auftreten vom 24. Juni int Reichstag, das et selber nachträglich als ein Daneben hauen eingesehen haben soll, nach keiner Richtung auch nur im geringsten Zweifel belassest wurde, daß er sich als Staatssekretär unmöglich gemacht habe. Sein Rücktritt war am 25. Juni beschlossene Sache. Und nur der Zeitpunkt für seinen Abgang blieb den maßgebenden Stellen noch Vorbehalten Es war nicht bloß der verhängnisvolle Akt in der Rerchs- tagssitzung vom 24. Juni, der die letzte Entscheidung in der langen Krisis herbeisübrte. sondern es lagen auch eine Reihe anderer Gründe für die Entlasing vor: ver­schiedene Vorgänge beim Frredensichlnß von Bukarest, die die Mißstimmung auf türkischer und bulgarischer Seite nährten, Äußerungen und Bemerkungen des Staatssekretärs bei Verhandlungen', über die man am besten die Akten schließt. Die Arbeit lastete bereits zu stark auf seinen Schultern, so daß ihm häufig dm Ruhe für wichtige Entschlüsse und Vorbereitungen zu Reden fehlte. Auch iei noch erwähnt, daß Herr v. Kühlmann zu den peinlichen nachträglichen Richtigstellungen zu seiner Reichstngsrede vom 24. Juni veranlaßt worden ist. Sonst wäre der Reichskanzler gezwungen gewesen, schon damals in einer weniger milden Form seinen Außenminister öffentlich zu desavouieren. Ilm die Svannnng ans beiden Seiten zu verstehen, muß man sich vergegenwärtigen, in welch st a r k e in Gegensatz die Kundgebungen der Krone und H i n d e n b u r g s und Ludendorffs über den Siegeswillen des deutschen Volkes zu der Rede des Herrn v. K ü h I- nrann vom 24. Juni gestanden haben. Der Letztere batte ja selber die Überzeugung, daß unter diesen Um­ständen sein weiteres Verbleiben eine reine Unmöglich­keit geworden war. Damit erledigt sich aber auch die von einigen Blättern aufgeworfene Frage, warum der Reichskanzler im Sauptqttartier seinen Staatssekretär nicht genüaend gedeckt, bezw. in Schutz genommen habe. Man vergißt, so wird uns gesagt, daß wir noch kerne Durchbildung des parlamentarischen Regierungssystems besitzen, und daß damit die Notwendigkeit einer „Deckung" durch den Ministervräsidenten zugunsten eines seiner Minister entfällt. Man vergißt aber auch, daß Graf HerUing von einer soweitaehenden Auf­fassung stiner Pflichten und Rechte als Leiter des Ministeriums nichts wissen will. Es-ist so bekannt, daß er kein übermäßiger Freund des varlamenro rischen Re- gierens ist- Was ein Herr v. Payer vielleicht getan, haben würde, tut ein Hertling noch lange nicht. Das sind Tatsachen, an denen wir her der Beurteilung der jüngsten Vorgänge nicht Vorbeigehen dürfen.

(Vertl'che Kampfe fm weiten.

W. T.-B. Berlin, 12. Juli- abends. (Amtlich. Draht- bericht.) Srtliche Kümpfe südwestlich B n i l l c u l und auf dem Westufer der Avre.

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Eine «olqe des U-Noolkrieae«.

W.T.-B. Sera, 11. Juli. Dem „Petit Parisien" zufolge ist der Verkehr im Hafen von Marseille von 11 367 292 Tonnen Schiffsraum im Jahre 1917 mit 7 79? 923 Tonnen »arenumstw au? 9118 000 Tonnen Schiffsraum mit 8 830 000 Tonnen Warenumsatz gesunken. Dies sei eines­teils auf den knapven Schiffsraum, anderenteils auf die Ab- leiinng des Schiffsverkehrs infolge der U-Bootgefahr zurückzufnhren. Ferner wird ausgeführt, infolge des Man­gels an Kaianlagen müßten die Schiffe in Marseille oft wochenlang auf Entladung warten.

Die Ausländ erfrage im englischen Unterhaus.

IV. T.-B. London, 11. Juli. (Reuter.) Das Unterhaus erörterte die Frage der allgemeinen Behandlung feindlicher Ausländer, die in der letzten Zeit zu vielen Meinungsver­schiedenheiten Anlaß gab. E a v e sagte namens der Regie­rung, daß diese die ganze Frage nochmals erwogen habe. Alle Fragen der Internierung oder Deportation sowie alle Natu- ralisasionsbewilligvngen sollten nochmals geprüft werden. Jede Namensänderung wird für ungültig erklärt werden, wenn kein besonderer Erlaubnisschein vom Ministerium des Innern vorliegt, und -'war wird diee auch bei früher erfolg­ter Namensänderung der Fall sein. Bezüglich der feind­lichen Banken, die übrigens schon so gut wie lahmgelegt sind, tverdeu die nötigen Schritte zur sotortigen Liguidierung getan werden. Da die feindlichen Banken dazu benutzt wurden, den englischen Handel an sich zu reißen und zu schädigen, müssen sie auch nach den: Ärwg lekonders behandelt und durch ein Gesetz für eine Reibe ron Jahren nach dem Krieg ver­boten werden. Ich glaube sagte Cave, daß diese Absichten der Regi?u:i:g vernünftigen Erwägungen Rechnung tragen ««d. VedürLuLev des Landes enti L « öb tu.

Irland und der Weltkrieg.

Auch Island, der „eisige Fels im Meer", den der Haßgesang der Waldfrau im „Ekkehard" als das „trotzige Ende der Welt" bezeichnet, kann sich den Wir­kungen des Weltkrieges nicht entziehen. Ja, es befindet sich zurzeit mitten in dessen Wirrnissen und das hat mit seiner ränkesüchtigen, beutegierigen Politik der nimmer satte John Bujll getan. Man hat den Briten nicht mit Unrecht einen geographisch geschulten Raubtier­instinkt nachgesagt. Sie haben diesen, von dem die Besitzergreifung des Sueskanals, die Festsetzung in Aden und in Gibraltar (gegen welch letztere der spani­sche Ministerpräsident unlängst freilich nur in Worten mobil machte) Zeugnis ablegen, auch während des Welt­krieges bewiesen. Hat doch das Saloniki-Abenteuer in letzter Linie den Zweck, den Briten diesen hochwichtigen Stützpunkt im Mrttelmeer in die Hände zu spielen. Und daß sie mit dem ernsthaften Gedanken umgehen, die Calaisküste nicht mehr zu räumen, wenn es rhnen sonst gelingen sollte, das scheinen aillgemach auch die begeisterten Verehrer jener Jungfrau von Orleans zu ahnen die einst den Franzosen dort das Banner gegen die Engländer vcrantrug.

Auch Island gehört in dies System. Es stellt einen der Pfeiler fetter nordischen Brücke dar, die nach den britischen Plänen von England und den Shetlands­inseln zur Murmanküste und nach Archanqel hinführen soll, wo die Engländer sich ja bereits häuslich nieder­gelassen haben. Seit Jahren arbeitet die Londoner Diplomatie plangemäß auf die Anglisierung des welt­politisch bedeutsamen Eilandes hin. Als zu Beginn dieses Jahrhunderts die isländische Beweaung einsetzte, die von dem dänischen Mutterlande zunächst die Ge­währung eines eigenen Ministeriums forderte, da be- haikptete man schon damals in Kopenhagen, daß eng­lisches Geld ans Island arbeite. Hatte doch England die weltentfernte Insel sorgsam in drei Konsularbezirke erngeteilt; und der britische Konsul, der über eine offene Hand verfügte, verstand es. immer mehr Ein­fluß auf die inneren Angelegenheiten zu gewinnen. Im Jahre 190? sah sich die dänische Regierung in der Tot genötigt, das geforderte selbständige' Mnrsterrmn zuzu­gestehen und 1906 erfolgte ein neuer Schritt zur Her­stellung der nordischen Brücke. Reyksawik, die Hauptstadt Islands, wurde mit den Shetlandsinseln und dadurch mit London durch ein Kabel verbunden.

In den nächsten Jahren spielte sich die britische Durchdringung Islands mehr in der Stille ab. oder vielleicht hat man sich auch außerhalb Dänemarks in- folge mangelnden weltvolitischen Verständnisses allzu wenia um diese Dinge bekümmert. Als dann aber der Weltkrieg anebrach, glaubte England die Zeit zur Ver- inirklichung dieser wie vieler anderen Pläne gekommen. Bald nach Krstgsbeginn erschien eine britische Flottille in Island mit der offen verkündeten Absicht, die dorti­gen Landesprodukte (es sind das vor allem Heringe, Salzfleisch und Schafwolle) für England zu sichern. Die Methode war ebenso einfach wie wirksam. Eng- land stellte die Lieferung von Kohle, Salz und Petro­leum, die für die Isländer unentbehrlich sind, ein, und als diese sich in ihrer Not an die britische Regierung wandten, bieß es: Kein Geld, keine Schweizer! Oder mit anderen Worten: Wenn ihr euch nicht verpflichtet, eure Produkte allein an uns zu liefern, werdet ibr aus­gehungert! Dänemark sab sich zu dieser Durchlöcherung seiner eigenen Souveränität gezwungen oder glaubte wenigstens dazu gezwungen zu sein, und so erging am 30. Juni 1916 ein Gesetz, das jede Ausfuhr von Island untersagte, wenn nicht die Schiffe sich schriftlich ver­pflichteten, einen britischen Hafen anznlaufen, und wenn nicht den Engländern ein Vorkaufsrecht mit vierzehn­tägiger Frist eingeränmt wrirde. Sogar der Verkehr zwischen Island und Dänemark, ja, auch der zwischen den verschiedenen isländischen Häfen wurde unter Kon­trolle gestellt. Englische Wachtschiffe beherrschen die isländischen Häfen, die Postsendungen sogar nach dem Mutterlands werden beschlagnahmt, rmd der britische Konsttl ist der wahre Gouverneur der Jnstl.

Nach diesen Vorbereitunaen soll setzt der Los- lösnngsvrozeß eirtarTcitet werden. Am Montag haben in Reyksawik die Verhandlungen mit der dort einge- trostenen dänischen Jslandkommrssion begonnen. Das isländische Parlament, hinter dem die britischen Souffleure stehen, fordert die Anerkennung Islands als selbständigen Staat und will sich (fürs erste) zur P e r s o n a l n n i o n mit Dänemark der- "eben, wo man aber erkennt, daß dies den Anfang vom Ende bedeuten würde. Man wird den Fort- und Aus- gana der vom weltpolitischen Standpunkt aus sehr be­deutsame Verhandlungen mit Interesse verfolgen müssen. Worum es sich bierbei wirklich handelt, spricht das Stockholmer „Svenska Taabladet" zutreffend aus: „Der dänisch-isländische Konflikt droht Island unter dem irreführenden Namen der Selbständigkeit zu einem