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Donnerstag. 11. Juli 1918. MokgeN-KUSgabe.

Nr. 317. 66. Jahrgang.

Der Eiltenüausmarsch im Osten.

, Mit a l l e n M i t t e I tt ist die Entente bestrebt, wieder Einfluß auf den Osten zu gewinnen und eine neueOstfront" zu bilden. Das Ziel, das sie dabei verfolgt, ist klar und deutlich. Der Krieg soll auf russi­schem Boden von neuem entfacht werden, um die deutsche Heeresleitung zu zwingen, wieder Truppen nach der Lstgrenze zu entsenden und dadurch die W e st f r o n t zu schwächen Mit Gold wird nicht gespart. In ihren Mitteln ist die Entente, mit England an der Spitze, nicht wählerisch. Sie bedient sich der am weite­sten links stehenden Part-ien, der Sozialrevolutionäre, ebenso wie aller reaktionären Elemente. Sie scheut vor Meuchelmord nicht zurück. Da es ihr nicht gelungen ist. die Sowsetregierung zum Bruch des Friedens mit den Mittelmächten und zur Wiederaufnahme der Feind­seligkeiten zu bewegen, richtete sie ihre dunklen Machen­schaften zunächst gegen die Bolschewiki, um deren Sturz herbeizuführen. Sie hofft dann eine Partei an die Spitze zu bringen, die von ihr abhängig ist und sofort den Krieg mit Deutschland beginnen würde.

Tic Entente beschränkt sich aber nicht allein auf dies Eingreifen in die inneren Verhältnisse Rußlands, sondern trifft gleichzeitig militärische Maßnahmen, mit denen sie zunächst den offenen Kampf mit der Sowjet­regierung der Bolschewiki ausgenommen hat und die zu­gleich die Grundlage für den neuen Krieg gegen die Mittelmächte, in erster Linie gegen Deutschland, bilden sollen. Man erkennt ans diesen militärischen Maß- nabmen deutlich den Grundgedanken eines neuen Aufmarsches, der sich von der Küste des E i § meeres bis zum Kaspischen und Schwarzen Meer erstreckt. Im allgemeinen lassen sich drei ver­schiedene Abschnitte und neugeplante Unternehmungen unterscheiden.

Auf dem Nordflügel befinden sich schon seit längerer Zeit an der Murmanküste und an der Murmanbahn Entontestreitkräfte, die in der letzten Zeit beträchtlich verstärkt worden sind. Neuerdings sind auch starke eng­lische Seestreitkräfte eingetroffen, die weitere Truppen- tronspofte mitpeführt haben. Angeblich dient dies alles nur zum Schutze der noch immer in Archangel liegenden Vorräte, in Wirklichkeit will sich aber Eng­land dort eine neue strategische Basis schassen, von der ans es in gleicher Weise gegen Finnland nach Westen wie gegen die Sowsetregierung nach Süden vor- gryen kann. Auf letztere Absicht deuten auch die um- fangreichen Truppen- und' Materialientransporte, di? in südlicher Richtung stattgefunden haben. Mit der Besetzung der Küste des Weißen Meeres und mit der Beherrschung der Murmanbahn ist die Sowjetregierugg von dem einzigen noch übrig gebliebenen e i tz- freien Gasen abgeschnitten ohne jeden Ausgang nach dem Meere im Norden, da Archangel und die von dort nach Petersburg führende Bahn von der Entente besetzt ist. Daß sich England dort dauernd festsehen will, gebt aus der unter englischem Schuh stattgefunde­nen Gründung der Eismeer revublik hervor; deren Verteidigung zu Wasser und zu Lande England übernommen hat. Die Sowsetregierung hat dte ihr hierdurch drohende Gemhr. wenn auch zu spät, erkannt, einen scharfen Protest gegen die Besetzung ihres Ge­bietes erhoben und mit den schärfsten Maßnahmen ge- droht. Angeblich sollen auch schon Truppen nach dem Norden entsandt sein. Ob die Regierung aber bei den schweren inneren Unruhen imstande ^ein wird, etwas Ernsthaftes zu unternehmen, bleibt abzuwarten. Finn­land verhält sich zurzeit noch abwartend.

In der Mitte hat die Entente unter Benutzung der rschechisch-slowakischen Truppen ihren Einfluß auf den größten Teil von Sibirien ausgedehnt; das sich zu einer gemeinsamen Republik zusammenzuschließen scheint. Die Bolschewikitruppen, die überall in Minder­zahl waren, haben daaegen nichts ausrichten können. In Wladiwostok sind Japaner gelandet, über deren Stärke aber noch keine genauen Angaben vorliegen. Die einzelnen Nachrichten widersprechen sich vollkommen. Jedenfalls scheint nach den neuensten Nachrichten die Entente Japan dort freie Gand gelassen zu haben. Die tschechisch-slowakischen Truppen stehen mit ihren Haupt- kräften beiderseits des Ural und wollen größere Er­folge erzielt haben. Sie haben die Verbindung mit den auf dem linken Flügel stehenden Kosakenabteilun- gen des Don-Wolga-Orenburg- und Kndangebietes aus­genommen, die ebenfalls gegen die Bolschwiki vorgegan- gen sind. Auf dem äußersten Flügel haben die Eng­ender von Indien aus den Vormarsch in das Innere von Persien angetreten, dessen Süd- und Mittelteil sie bereits vollkommen befestigt haben. So bat die En­tente aus der ganzen Ostfront neue Verwicklungen ge­schaffen und einen neuen Aufmarsch vorbereitet, der zu- nächst zwar gegen die Bolschewiki und die Sowjetregie» v«L m Wirklichkeit aber gegen Dentichlond gerichtet ist.

Nach den letzten telegraphischen Nachrichten ist es der Sowjetregierung in Moskau gelungen, den Ausstand niederzuschlagen, so daß sie wenigstens dort wieder Herr der Lage ist. Danach kann man hoffen, daß ste auch mit den übrigen Unruhen im Innern fertig werden und dann ihre Kräfte zur Niederwerfung der tschechisch- slowakischen Truppen und zur Vertreibung der Entente von der Murmanküste verwenden kann.

Feindlich« Truppenlandung in Krchangel.

W. T.-B. Moskau, 10. Juli. (Drahtbericht.) Die Presse meldet: Im Hafen von Archangel landeten etwa 10 000 Ser­ien und Franzosen. Dw: kommandierende General erklärte, er wolle Stadt und Land vor einem liberfall deutscher Kriegsgefangener schützen. Es werden Nahrungs­mittel an die Bevölkerung verteilt. Die Bahnen im Gouver­nement Samara sind im Belagerungszustand erklärt. In einer Bekanntmachung der Regierung wird der Aufstand der linken Sozialrevolutionäre alö niedergeschlagen bezeich­net. Die Stadt zeigt wieder das normale Bild. ES sollen etwa 1000 Del Haftungen vorgenommen worden sein. Der Eisenbahnverkehr -st vorläufig unterbrochen. In der Rich- tungJekaterinenbucg-Tscheljabinsk rücken die t e t r u p p e n gegen die Tschechen und Slowaken siegreich vor, ebenso in der Richtung auf Tobolsk. Im Kubangebiet sind die Stationen Deliko-Kesafheskaja und Torgewaj-r oon Kosaken besetzt.

Tschecho-slowakischer Uebertritt zu den Bolschewiki?

Sr. Lugano, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Rach demAvanti" hat die Mehrheit der Tfchecho-Slowaken 6e^ schloffen, in den Reihen der Bolschewiki zu kämpfen. Eine Proklamation fordert die tschecho slowakischen Soldaten auf, ihre falschen Propheten und seitherigen Führer zu verjagen und gegen die Gegenrevolution die Waffe» zu ergreifen.

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Lin Augenzeuge über die Bluttat in Moskau.

Br, Berlin, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über die Ermordung des Grafen Mirbach teilt demBert. L.-A." ein Augenzeuge noch mit' Die drei deutschen Herren hatten mit den beiden Mördchm an einem Marmortisch in der Mitte des Zimmers Platz ge- nommen. Auf der einen Seite des Trickes saßen die Mitglieder der Gesandtschaft, auf der anderen die Russen. Die Herren saßen alle in niedrigen tiefen Lederstühlen, was für die Überfallenen ein Nachteil, für die Mörder aber ein Vorteil bedeutete. Diese konnterr auf dinü» unrmtfnltin mrfur hßx Äpä

Marmortisches ibre Waffen bereit machen, während ihr« Opfer in ihrer zurückgelegten Lage ein bequemes Ziel boten und auch an schnellem Widerstand gehindert waren. Während der Unterredung begannen die Täter in ihren Akten zu blättern, als ob sie irgend ein Papier suchten. Durch die auf diese Wer'; im Gespräch entstehende Pause wurde die Aufmecksanikeit der deut­schen Herren abgelenkt. Während der Gesandte und seine Mitarbeiter glaubten, daß die Russen in ihr Mate­rial vertieft seien, hatten diese unter dem Tisch Ihre Waffen bervorgezoaen. Dann spielte sich die Mordtat in wenigen Sekunden ab. Die Russen sprangen mit hocherhobcnen Revolvern aui und begannen zu feuern. Der eine Mörder hafte den Gesandten aufs Korn genommen, der andere schoß abwechselnd auf den Legationssekretär Ri e z I e r und den Leutnant l I e r. Eine Gegenwehr war für die Herren, die ja zudem uu» bewaffnet waren, in den Sekunden nicht möglich. Der Gesandte war auch gleich bei den ersten Schüssen schwer am Hinterkopf getroffen worden. Aick die Schüsie eilten Leute aus dem Nebenzimmer herbei. Diese waren für die Mörder das Signal zur Flucht. Bevor sie zum Fenster hinaus sprangen, warf jeder von ihnen eine Handgranate: nur eine von diesen ervlodierte. Die Sprengstückc trafen den Grafen Mirbach und wirkten sofort tödlich. Inzwischen batten sich die Mörder zum Fenster hinausgeschwungen und waren entkommen.

Eine Teanrrfeler für Graf Mirbach.

W.T-B. Moskau, 10. Jul!. (Drahtbericht.) Am Montag, nachmittag bat im Hause der deutschen diplomatischen Vertreter ein« intime Trauerfeier am Sarg des Gesandten Graf Mirbach stattgefunden. Nach einem von Dekan Soiinskv gelesenen Requiem sprachen der kaiserlich« Geschäftsträger Wirkl. Legattonsrot Riezler, ferner der der Hauptkommission für Gefangene beige- ortncte Professor Hnnz.inger von der Michaelis-Gemeinde in Hamburg und der lürkische Gesandte Gahlib K e m a I i - B e i Worte des Abschiedes. Abends wurde dre Leiche nach dem Alexanderbahn. Hof übe,geführt, nm nach Deutschland gebracht zu werden. Mitglieder der deutschen Mission und der in Moskau tätigen Kom­missionen folgten dem blumengeschmückten Wagen. Auf dem Bahn- Hof erschienen der Kommissar für Auswärttge Angelegenheiten Tschitscherin, um nochmals di« tiefe Teilnahme der russischen föderativen Republik zum Tode des edlen Mannes ausznsprechen. der für ft« Sache des Friedens ge- fiorben sei. »

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Der rumänische Reichsschatz in Moskau.

Wien, 9. Juli. DieReichspost" meldet aus Bukarest: Die rumänische Regierung wird dem Ver­nehmen nach bei der deutschen Regierung darauf ein­wirken, daß der in Moskau befindliche Schatz der rumänischen Nationalbank unter den Schutz des deut­schen Vertreters in Moskau aestellt wird. Der Natio­nalschatz war bisher unter Aufsicht der Ententevertreter.

Bor der Ernennung ekneS österreichischen Gesandte«.

W. T.-B. Wien, 10. Juli. (Drabtbericht.i DirReue Frei« Presse" erkährt aus unterrichteten Kreisen: Die Entsendung diplo- matischer und konsularischer Vertreter nach Rußland konnte so lange nicht ft, Erwägung gezogen werden, als der Frievensvertrag nicht rattfiziert war. Mt der nunmehr tollzogenen Ratifizierung ist die Frage der Aufnahme diplomatischer und konsu­larischer Beziehungen aktuell geworden; es befassen sich hiermit bereits die amtlichen Stellen. Die Ernennung des diplo- matilchen Vertreters wird slattfinden. nachdem die Formalitäten, die Einhrlung des Agrements der russischen Regierung, die Er- nennung des Bertteters durch den Kaiser usw. erfüllt sein werden.

ver Ssterreichifch-ungarische Tagesberichte

W.T.-B. Wien, 10. Juli. (Drahtb»rieht.) Amtlich ver­lautet vom ,0. Juli, mittags: Im Brentatal schlugen un­sere Sicherungstruppen einen italienischen Vorstoß ab. Unsere albanische Südfront wurde vor dem Druck starker feindlicher Kräfte über die Linie Brrat-Fjeri zurückqenommen. Die GefechtSberührung war seit gestern ftüh nur sehr gering.

Der Chef des GeneralstabS.

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Ein italienischer General gefallen.

W T.-B. Bern. 10 Juli. (Drahtvericht.) Die Mailänder Blätter melden: General der Artillerie F a v i n i, Kommandant des 23, Armeekorps, ist zwischen Srle und Piave durch einen Granat­splitter getötet worden.

Ein italienischer Hochverratsprozetz.

W. T.-B- Rom, 9. Galt. Meldung der Agenzia Stefani. Heute vormittag begann vor dem Milttärgerichtshof die Verhandlung gegen den Kavallcricioldaten Grrrgic C a r p i und die Matrosen Achillo Moschmi, Eulielnr Amrtolrni und Mazie Azzoirr, die des Einver­ständnisses mit dem Feind und des Verrats beschuldigt sind. Sie sollen am 27. September 1915 das Panzerschiff8 «ne­belt o LriS" in die Luft gesprengt haben dadurch, daß sie eine Hölle n Maschine in dem Schiss aufstellten. .

Oer Kbenbdericht vom 10. Iuli.

W. T.-B. Berlin, 10. Juli, abends. (Amtlich.

tzrrK.) Bo« den Kampffront.:» nichts Neues,