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Die Hände am Sonntag.

Von Max Rosenfeld.

Heut ist Sonntag, heut hast du Zeit. Laß deine Augen einmal über deine Hände schweifen! Sie schassen werktags unermüdlich, nur am Feiertage und in der Nacht ruhen sie. Doch in der Nacht siehst du sie nicht, aber am Sonntag kannst du sie dir einmal in Ruhe betrachten. Anders sind sie doch als in der Woche, weißer, feierlicher schauen sie aus, ein besserer Kleidärmel, eine schimmernde Hemdenstulpe umfaßt das Handgelenk.

Der Hände erstes Tun am heiligen Feiertage ist wohl das Falten zur Andacht. O, daß sie geweiht sein mögen zu jeglichem Tun! Menschenhände, sie spielen die wichtigste Rolle hier ans Erden, Sie haben Städte gebaut, sie pflügen, säen nnd ackern, sie mähen und ernten. Sie bauen Maschinen, sprengen Berge und führen Kanäle und Flüsse durch unfruchtbare Gegenden. Sie schreiben Bücher voll Weisheit und drucken Zeitungen mit den Begeb­nissen.^ des Tages. Sie schaffen Kunstwerke, die das Auge er­freuen und zaubern aus gefertigten Instrumenten Klänge hervor, die das Ohr entzücken.

Zu allem Menschenhandwerk muß aber der gnädige, gütige Gott seinen Segen spenden, sonst gedeiht es nicht. Menschenhände! Ach, nicht nur Gutes tun sie, auch das Böse liegt im Bereich ihrer Möglichkeiten. Gott gab deinen Händen den freien Willen, du kannst tun, was du magst, und dir dein eigenes Schicksal bereiten. Wie leicht kann die Hand das mühsam Aufgebaute wieder zer­trümmern, tvie rasch kann ein Federstrich unermeßliches Weh heraufbeschwören! Was müssen die Hände im Kriege unter dem Zwange der schtveren Zeit tun? Sie müssen Menschenblut ver­gießen, mit Waffen, die Menschenhände ja selbst geschaffen haben... Der allweise Schöpfer gab uns die Hand nicht nur, unsere Burg zu bauen, er gab sie uns auch zur Verteidigung, wenn übermütige Feinde uns angreisen. So wird die friedliche Hand zur Krieger­faust, und auch mit ihr kann Gottes Segen sein, wenn er uns den Sieg gibt und unserer Burg den Frieden.

Und wenn der große Friedenssonntag leuchtet, werden sich die Kriegerfäuste wieder öffnen und glätten, sie werden sich sansk zu einem Dankgebet falten, dafür, daß sie wieder Arbeitshände sein dürfen, die alles, was der grausame Krieg zertrümmerte, aufbaue» können. Heilige an: Sonntag deine Hände, daß dir das Werk der Woche gesegnet sei! Heut falte deine Hände, bitte Gott, daß er, wenn es sein kann, recht bald den großen Welt­friedenssonntag kommen läßt!

Der Mohrrübendieb.

Von Gottwalt Weber.

An einem trüben Aprilnachmittage führte mich mein Weg bei einer dicht an der Landstraße liegenden Kiesgrube vorüber. Es hatte am Morgen stark geregnet, und der Weg, welcher sich aus der tiefen, schon lange abgebauten Grube heraufschlängelte, war, wie die Radspuren bewiesen, ziemlich zerfahren.

Zwei kräftige Braune mühten sich eben, vom lauten Zuruf des Knechtes angetrieben, einen schweren, kiesbeladenen Wagen aus der Grube herauszuziehen. Da hielt der Wagen Plötzlich an.

Die armen Tiere können offenbar nicht weiter", dachte ich,und der Knecht ist verständig genug, sie nicht zu quälen."

Ich trat nun an den Rand der Grube und rief hinunter: Sie schaffen's wohl nicht?"

O ja, Herr!" klang es frisch zurück.Wir schaffen's schon, meine beiden Braunen und ich. Wir machen nur mal ein Weilchen Halt, iveil die schlimmste Stelle im Wege erst noch kommt. Dazu brauchen wir frische Kraft."

Noch einige Augenblicke dauerte die Rast. Dann hörte ich ein lautes!", und die Braunen zogen an. Schwer genug ging es ja. Aber sie taten alle ihre Schuldigkeit, die beiden statt­lichen Pferde und der Knecht. Der hatte nicht zuviel behauptet, wenn er mir zurief:Wir schaffen's schon." Er arbeitete wirklich ebenso wie seine Braunen. Mit der linken Hand zügelte er die Tiere, mit der rechten schob er kräftig an der vorderen Stemmleiste des Wagens, oder er griff nachhelsend in die Radspeichen.

So ward die schwierige Strecke bald überwunden, und hurtig ging's den Fahrweg hinan bis zu der Stelle, wo ich stand. Da machte er nochmals Halt.

Meine Pferde sollen sich erst ein bißchen verschnaufen", sagte er, zu mir gewandt, und klopfte den beiden liebkosend die stattlichen Hälse.

Sie doch auch", meinte ich.

Nun ja!" erwiderte er.Aber unsereins hat ja nachher auf dem langen Wege Zeit genug dazu."

Das ist recht von Ihnen", lobte ich,daß Sie so gut zu den Pferden sind."

Da lachte er über das ganze Gesicht und sagte stolz:Glaub's schon, Herr! Sie können aber auch weit und breit suchen, ehe Sie solche Pferde wieder finden, wie meine sind. Nicht wahr, Hans? Nicht wahr, Liese?"

Und die beiden Braunen wandten ihre Köpfe zurück und sahen ihn mit klugen Augen an.

Und was mir besonders gefallen hat," fuhr ich fort,daß Sie gar nicht mit der Peitsche schlugen."

Nein", sagte er ganz ruhig.Zum Schlagen ist meine Peitsche nicht da. Und wenn's mal recht schwer geht, dann nehme ich sie lieber nicht in die Hand, damit ich nicht schlage. Meine Peitsche gebrauche ich nur zum Knallen. Und nun adjes, Herr!"

Abermals erklang sein lautes!" Die Braunen zogen an, und der Wagen fuhr fort. Der Knecht aber schritt mit lustigem Peitschenknallen nebenher.

Am nächsten Tage traf ich zufällig den mir bekannten Besitzer der Kiesgrube und erzählte ihm erfreut, was ich tags zuvor gesehen und gehört hatte. Den Namen des braven Knechtes konnte ich ihm aber nicht nennen.

Das ist sicher Speidel gewesen", meinte er.Speidel, der meine beiden Braunen fährt."

Hans und Liese", warf ich ein.

Ganz recht! Speidel war's, der Spitzbube."

Der Spitzbube?" fragte ich erstaunt.Dieser eifrige, gut­mütige Mensch ein Spitzbube? Das kann wohl nur ein Scherz sein."

Halb Ernst, halb Scherz. Wie man's nimmt! Haben Sie Zeit, dann erzähle ich Ihnen eine kleine Geschichte, aus der Ihnen alles klar wird."

Ich war neugierig geworden, und etwas Zeit hatte ich auch. So ging ich denn mit Speidels Herrn weiter und ließ ihn erzählen.

Im Dezember vorigen Jahres", begann er,waren die Mohrrüben, die wir im Keller als Wintervorrat hatten, aufge­braucht, und meine Frau schickte unser Dienstmädchen in den Krautgarten, um aus einer der Erdgruben Mieten nennen wir sie hierzulande andere, dort eingegrabene zu holen. Das Mädchen kam sehr bald mit der Nachricht zurück, daß die Miete zwar sorgfältig mit Stroh und Erde zugedeckt gewesen, innen aber zur Hälfte leer sei. Meine Frau war sehr erstaunt über diese unwillkommene Nachricht und ging selbst in den Krautgarten, um nachzusehen, konnte aber die Angaben des Mädchens nur bestätigen.

Da nun die Miete, wie gesagt, sorgfältig wieder zugedeckt >var, konnten Tiere den Schaden nicht angerichtet haben, sondern es mußten Menschenhände im Spiele sein. Wir waren also be­stohlen.

Aber wo den Dieb suchen? Bon unserm Gesinde traute ich niemand einen Diebstahl zu. Dem Täter nachzuforschen ° hielt