Verlag Langgasse 21
..TagblattkiauS".
SLalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bi» 7 Ubr abends.
wöchentlich
vezngs.Prcis jür bkide Ausgaben: MI. 1.20 monatlich. Mk 3 60 vierteljäbrlich durch den Verlag Lanqqaffe iäl. ohne Bringerlolm Mi «.65 vierteljädrlich durch alle deuilchen Postaiistaltkn, auslchiieülich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmenautzeroem entgegen: ,n Wiesbaden die Aweiaftelle-BiS- mariiring lg. sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbanen Landorten und im Rdeingau die betreffenden Tagdlatt-Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf»
„TagblaitdauS" Ar. 6650-»». von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.
gen-PretS für die Zeile: 25 Pfg für örtliche Anzeigen: 35 Pfg. für auswärtige Anzeigen: !k für örrlrche Reklamen. 2.50 Mk. für auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwi'chenräumen entivremender Nachlaß. — Anzeigen-Annahme: Für die Abend»Ausgabe bis 12 Uhr mittags: für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme von Anzeigen an vorgeichriedenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Sonntag» 7. Juli 1918.
Berliner Abteilung des Wiesblld eurr Tagbl-lts: Berlin W. 57, A» der Ap-st-lkirche 7.1. Fernspr echer: Amt Lütz-w 6202 und 6203. _
Nr. 311. ♦ 66. Jahrgang.
Morgen-Kurgabe.
Der deutsche Gesandte in Moskau ermordet.
Ein Attentat von Entente-Agenten.
tV.T.B. Berlin, 6. Juli. (Amtlich. Drahtbertckt.) Heute vormittag crsinhlrn zwei Herren den karser- lichcn Gesandten in Moskau um eine Unterredung, die ihnen vom Grasen Mirbach im Beisein von Legationsrat Riezler und einem im Zimmer anwesenden deutschen Ossizier bewilligt wurde. Die beiden Unbekannten zogen Revolver und schossen auf den kaiserlichen Gesandten, wobei sie ihn leicht am Kopf verletzten. Ehe sie daran verhindert werden konnten, warfen sie hieraus noch ein paar Handgranaten und retteten sich durch einen Sprung auö dem Fenster auf die Straße. Graf Mirbach, der schwer verletzt wurde, ist, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, kurz darauf verschieden Die beiden anderen Herren blieben unverletzt. Sofort nach Bckanntwerden dieser Untat trafen die Koinmissarc für auswärtige Angelegcn- heiten, T s ch i t s ch c r i n und K a r r a ch i n, in der Gesandtschaft ein und sprachen dem Lcgationsrat Riezler die Empörung und das Bedauern dcr Sowjet- regierung über den erschütternden Vorfall aus. Leider ist es bis jetzt nicht gelungen, dir Verbrecher zu entdecken und festzunchmcn. Das bisherige Ergebnis der sofort angestellten Untersuchung läßt die Vermutung zu, daß es sich um im D i e n st e der E n t e n t e stehende Agenten handelt.
*
Englische Prämien für Spionage und vaterlandsverrat bei uns!
Die Arbeit des feindlichen ©picnegedienst-ss wird in der „Nvrdd. Alltz. Zdg." beleuchtet. ES heißt da u. a.: Anfangs April sind Kvei desertiert« Matrosen, Jakob u>nd Knüfken. in Deutschland verhaftot trevden, die von Kopenhagen aus für den feindlichen Nachrichtendienst tätig gewesen sind. Sie haben umfassende Geständnisse abgelegt, aus denen sich ergibt, datz sie n.it englischen Organen des Nachrichitendienstes wie auch mit dem französischen Marineattache Leprevast in nahen Beziehungen gestanden haben. Jakob hat bei seiner Vernehmung folgendes ansgesagt: Es -werden von den Engländern folgende Prämien gezahlt: für ein Attentat anfden deutschen Kaiser 1 Million Mark, für Versenkung eines U-B o o t s. gleichviel auf welche Weise. 500 000 M., für Sprengung von Werftanlagen oder Brücken 300 000 M.. für Anstiftung zur Meuterei oder Streiks 50 000 M., für allgemeine Nachrichten je nach Wert 5- bis 20 000 M. Die von den Engländern ausgefetztem Prämien hat der englische Oberst in dom englischen Generalkonsulat von einem Zettel vorgelesen. Knüfken wird dies bestätigen. Knüfken 'hat folgendes ausgosagt: Prämien für böstimmte Handlungen sind mir meiner Erinnerung nach nur von Loprerast versprochen worden. Es handelte sich dabei um Aufstandserregung auf einem Kriegsschiff und Besitznahme eines U-Woots. Dafür waren Prämien bis zu mehreren hunderttausend Mark ausgefetzt.
Bedrohliche Lage der Tschecho-Slowaken.
Hervorragende Beteiligung österreichischer Kriegsgefangener.
W. T.-B. Wien, 6. Juli. (Drahtbericht.) Das „Neue Wiener Tagblatt" meldet. Nach hier angelangten Nachrichten trird die Lage der in Sibirien operierenden Tschecho- Slrwaken immer bedrohlicher. Die Tschecho-Slowaken erlitten bereits mehrere sehr schwere Niederlagen. An den Kämpfen gegen die Tschecho-Slowaken sind m hervorragendem Matze die in Sibirien weilenden österreichisch- ungarischen Kriegsgefangenen beteiligt, die sich zur Bekämpfung der Tschecho-Slo.nr.ken als Truppe organisierten.
Eine entgegengesetzt lautende englische Meldung.
W. T.-B. London, 6. Juli. (Dcahtbericht. Reuter.) Telegramme aus englischer Quelle, die heute in Irkutsk emgegangen sind, melden, datz die Tschecho-Slowaken die bolschewistischen 3t"eit!rifie westlich Irkutsk vollständig geschlagen und aus Nisbni-Udinök und Tulum, östlich des Daikalsses. vertrieben haben. Die Bolschewiki verlassen Irkutsk.
Auslieferung der Tschecho-Slowaken an Deutschland.
Br. Genf, 6. Juli. lEig. Drahtbericht. zb.) Die deutsche Negierung hat nicht nur die Entwaffnung, sondern auch die Auslieferung der tjchecho-slowa- fischen Truppen verlangt. Die bolschewistische Regierung hat diese Forderung angenommen.
klein Eingreifen Amerikas in Rußland.
Br. Genf, 6. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Pariser „Herald" meldet ans New Aork: Lansing hat im Senat die Versicherung abgegeben, daß sich Amerika nicht an einer kinegerischen Handlung auf russischem Boden bereitfinden lassen würde, auch die Frage einer russischen Monarchie sei für Amerika un- diskutabel.
Oer deutsche Kbendbevicht.
W. T.-B. Berlin. 6. Juli, abends. (Amtlich. Drahtbericht.) Örtliche Kümpfe westlich von C h a t e a u - T h i e r r y.
Der oberste Uriegsrat kn Paris.
W. T.-B. Paris, 6. Juli. (Havas-Meldung.) Der oberste Kricpsrat hielt h'er seine 7. Tagung ab. Er sprach dec italienischen Armee und dem italienischen Volke ferne aufrichtigen Glückwünsche zu dem denkwürdigerr Siege über die österreichisch-ungarische Armee aus und ist der Überzeugung. datz dieser an der entscheidenden Wendung des Krieges davongetragene Sieg einen wertvollen Beitrag zu den Anstrengungen dec Alliierten darstellt, welche auf den glücklichen Enderfolg ihrer Sache abzielen. Einen besonderen Charakter erhielt die Tagung diesmal durch die Gegenwart folgender Persönlichkeiten in der 3. Sitzung: Sir Robert
Borden, der Premierminister Kanadas, Hughes, australischer Premierminister, Misseh, Premierminister von Neuseeland, Llovd, Premierminister Neufundlands sowie mehrere andere Minister der Dominions des britischen Reiches, die dem Rat durch Lloyd Georges vorgestellt wurden. Namens des obersten Kriegsrats sprachen Elemenceau und Orlando den Vertretern der Dominions den Dank der alliierten Nationen für die glänzenden Leistungen der Truppen der grohen englischen Kolcnien auf dem Schlachtfelde aus. Der oberste Kriegsrat prüfte die gegenwärtige Lage mit Unterstützung des Generals Foch und anderer militärischer Sachverständigen von allen Gesichtspunkten aus und traf wichtige Entscheidungen. Zu den anwesenden Persönlichkeiten gehörten Elemenceau Lloyd George, Orlando, Picken, Dalfour, Lord Milner, Sonnino, General Fach, Sir Henry Wilson, Marlchall Haig, General Pershing, der belgische Generalmajar Guillain und die ständigen Militärischen Vertreter der Alliierten in Versailles.
wieviel Amerikaner sind eigentlich an der Westfront?
W. T.-B. Berlin, 6. Juli. (Drahtbericht.) . Tis amerikanische Propaganda der Entente, die m gleicher Weise als Schieckmittel für die Mittelmächte wie als letztes Trostmittel für das verblutende Frankreich gedacht ist, schlägt sich durch die Maßlosigkeit selbst. Bei aller Würdigung der amerikanischen Großzügigkeit, bei der es auf einige Hunderttausend oder Millionen mehr oder weniger nicht an- kommt, wäre es doch zweckmäßig, wenn sich die Leiter das Propagandadienstes in den verschiedenen Ententestaaten darüber ciniaten. wieviel Amerikaner denn nun eigentlich aus französtichem Boden bereits stehen sollten. Unter den heutigen Verhältnissen kommt es vor, daß sich F u n k s p r ü ch e von verschiedenen Stationen sogar an e i n und demselben Ta g einander widersprechen. Während der Funksvruch L v o n vom 4. Juli boij 1 115 000Amerikanern meldet, spricht Ll o y d George am gleichen Taae nur von 900 000 Mann und in einem anderen Fnnksprnch vom 4. Juli wird die große Begeisterung bervorgehoben, welche die amtliche Ankündiguna bervoraerufen habe, daß bis znm 1. September 1 Million in Frankreich angekornmen sein würden. Noch weniger ist die Ententeprovaganda sich über die Größe im klaren, welche das amerikanische Heer setzt oder in Zukunft haben soll, denn in dem für die Wahrheitsliebe und Genauigkeit des Entente- Funkendienstes io bemerkenswerten Fnnksprnch vom 4. Juli beißt es einmal, der G-neralquarticrmeister plane nach einer Mitteilung an den Kongreß die Ein- kleidung von 4 Millionen Soldaten bis 1. Januar. Dann wird aber amtlich gefunkt, daß bis 1. Januar vier Millionen Amerikaner in Frankreich anaekommen sein würden. Die E'.klärnna dafür lieat vielleicht darin, daß beidemal bei der Datumsangabe vorsichtshalber die Jahreszahlen weggelassen sind.
Anhaltende Kampfe an der prave- münduny.
W. T.-B. Wien, 6. Juist (Drahiiberickst.) Amtlich verlautet vom 6. Juli, mittags: An der Pinvemündnng stielten die Kämpfe auch gestern am. Am Südflügel der dortigen Stellung vermochte uns der Feind gegen den Hauptarm zurückzudrücken. An der venetianischen Gebirgsfront beschränkte sich gestern die Tätigkeit beiderseits auf Grschützfencr. Heute früh unternahm der Italiener im Solarolo-Gebiet und bei Asiago erneut heftige Vorstöße, die überall abgeschlagen ivurden.
Der Chef des Geueralstabs.
Dar mitteleuropäische Bündnis.
Mit wem sollen und wollen wir das neue Bündnis schließen? Selbstverständlich mit den Staatslenkern in Österreich und Ungarn aber das ist ja nur eine formale Begriffsbestimmung und hinter dieser Selbstverständlichkeit steht erst die entscheidende Frage, wer im Nach- barreiche Träger des erweiterten und vertieften Bündnisses sein soll. Auch darauf klingt die Antwort zunächst nicht schwer. Es ist das Natürliche, daß wir uns als die Stützen des neuen Bündnisses die Deutschen in Österreich und die Magyaren in der anderen Neichs- hälfte denken. Auch-kann man allenfalls zugeben, daß eine ans diese beiden Völker sich gründende Politik des Donaureichs die Möglichkeit und die Fähigkeir zur Selbstbehauptung besäßen. Man kann es zugeben. wenn zuvor gewisse Bedingungen erfüllt werden, von denen wir freilich nicht ganz so sicher sind, daß sie auch wirklich ihre Erfüllung finden werden. Zu ihnen gehört, um die ungarische Seite der Sache vorwegzunehmen, der unerschütterliche Wille aller magyarischen Parteien und Richtungen, durchaus „Schulter an Schulter", wie man in Österreich-Ungarn so schön sagte, mit uns Deutschen zu gehen und zu stehen. Denn nur wenn die Mogyaren über diese Grundfrage einig sind, können sie. die in Transleithanien ja nicht einmal die Mehrheit der Bevölkerung darstellen, einen festen Kurs der auswärtigen Politik verbürgen. Wie aber lieht es inÖsterreich aus? Hier sind ja dieDeutschen eineMinder- beit: Tschechen, Polen und Südslawen zeigen immer stärker, daß sie die Richtung der auswärtigen Orientierung des Reichs zu bestimmen entschlossen sind, und wenn es zur austro-polnischen Lösung kommen sollte, so wäre das Verhältnis noch ungünstiger, obwohl es zunächst (durch das Ausscheiden der galizischen Polen aus dem Reichsrat) für die Deutschen gebessert erschiene. Die meckxrnische ziffernmäßige Mehrheit die die Deut- scheu alsdann im Reichsrat vielleicht "nhwswn (sicher ist es auch noch nicht). müßte überreichlich dadurch wettgemacht werden, daß nunmebr der dritte ebenbürtige Faktor im Geiamtqesüae des Reichs. Polen, die auswärtige Politik mitbestimmen würde. "Und doß das wohl nicht in unserem Sinne und zu unseren Gunsten geschehen würde, darüber besteht Gewißheit.
Also noch einmal: mit wem sollen wir das erweiterte Bündnis abschließen? Der gute Wille der Regierungen hüben und drüben bedeutet noch nicht Entscheidendes, und je enger vielleicht die Beziehungen jetzt in den kommenden Verhandlungen zu Wien und Salzburg werden geknüpft werden, desto größer wag hinterher die Gefahr eines Rückschlags werden. Es ist ja gar keine Frage, daß wir zu den kaum noch zu zählenden Feinden, mit denen wir uns herumschlagen müssen, anch die Tschechen zu rechnen haben,. und zwar als einen ganz ernst zu nehmenden militärischen Faktor. Die Tschechen selber sprechen es ganz ollen aus, daß sie sich als ein Volk von „Hochverrätern" betrachten: sie sind in hellem Ansruhr, und es gehört die ganze Sonderbarkeit der österreichischen Zustände dazu, um diesen Tatbestand zu verschleiern, der, wenn man es im Nachbarreiche mit normalen Verhältnissen zu tun hätte, entweder unmöglich wäre, oder falls er doch anSge- brochen wäre, schnell mit ein paar kräftigen Schlägen würde zertrümmert worden sein. Mit den Südslawen steht es vielleicht etwas lwster, und eS ist svaar möglich, daß mit ihnen vom deutschen Standpunkte aus eher als mit den Tschechen znm Frieden zu kommen wäre. Denn schließlich liegen die Wünsche und Forderungen diewr Völkergrnpve keineswegs so abseits der Interessen. die sowohl wir im Deutschen Reich in bezua ans die tragen der Adria und des Balkans wie anch Österreich-Ungarn selbst in Gemeinschaft mit uns geltend zu machen haben. Die südslawischen Anliegen sind, ge- nauer betrachtet, antiitalienische Anlieaen: die Brücke zur Entente also wird von dorther nicht so leicht zu tchlaaen sein, es sti denn, daß in Berlin und in Men arobe Fehler gemacht werden. Die Hgnptschwieriakeit jedenfalls steckt im polnischen Problem, in der Ant- Wort auf die Fraae, ob die austro-polnische Lösung zuge- standen werden soll.
Sie kann es nicht, sie darf es nicht, sie wird cs hoffentlich mich nicht. Was aber dann, wenn die Polen eine herbe Enttäuschung erleben und nun erst recht in die antideutsche Richtung absckiwenken? Zwar noch weiter nach dießr Richtung hin abschwenken, als sie es schon getan haben können sie eigentlich nicht, und insofern können wir es darauf ankommen lassen. Aber in Wien und auch in Budapest scheint man sich auf Gedeih und Verderb schon ? n weit» mit den Polen eingelassen zu haben, daß es schwer zu sagen ist. wie von diesem Standpunkt wieder abzukommen wäre, wenn wir unsererseits darauf beharren, daß er aufgegeben werden muß. Wir warten immer noch auf die erlösende Formel, mit der unsere Reichsleitung über das Dilemma
