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Verlag Langgasse 21

„Tagblotlhaus".

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagdlatts: Berlin

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„Tagblanhaus" Nr. 6650-S3.

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§ainstag» 6. Juli 1918.

Kbend-Kurgabe. nr - 31 °* - 66 * Jahrgang.

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Die Entente und Rußland.

J. 8. Berlin, 5. Juli.

Der Konflikt zwischen der Sowie treqierung und den Alliierten hat sich bekanntlich derart zu gespitzt, daß mit der Eröffnung von Feindseligkeiten zu rechnen ist. wenn England nicht noch in letzter Stunde von feinem Plane abläßt, weitere Truppen an der nordrussischen Küste zu landen. In Arck^mgel sind, wie gemeldet, 15 englische Kriegsschiffe erschienen, und von Moskau aus wurden die Regierungsnertreter cm der Mnrmanküste znm bewaffneten Widerstand gegen einen englischen Vormarsch aufgefordert. Moskau hat die Anweisung gegeben, nötigenfalls sämtliche Eisen­bahnlinien und Brücken vor dem heranrückenden Feinde zu zerstören. Ob und wie diese Befehle aber ausgeführt werden, steht dahin. Nachrichten aus Helsingfors und Stockholm bezeichnen die Stimmung im Bezirksaus­schuß von Murmcm als im höchsten Grade widersvruchs- voll. Es scheint (was nach der unten wiedergegebenen Depesche sich bestätigt'», als ob die Führer im Bezirks­ausschuß die Engländer als „Befreier" betrachten und ihnen demgemäß alle möglichen Förderungen im Unternehmen aegen die Sowjets zuteil werden lassen möchten. Geaen den Bezirksausschuß haben üch aber eine ganze Reihe von örtlichen Verwaltungen mit Kund­gebungen gewendet, deren Trackweite im Augenblick noch nicht ermessen werden kann. Die neuesten Meldun­gen, die in dieser wichtigen Angelegenheit eingelauten sind, lassen noch nicht klar erkennen, ob die Freunde oder Feinde der Engländer das materielle und moralische Übergewicht in den strittigen Gebieten haben. Glaub­haft aber wäre, was über Stockholm berichtet wird, daß nämlich die ruffffchen Sozialrevolutionäre' mit Englischen Mitteln eine außerordentliche, lebhafte Tätigkeit gegen die Sowjets im Norden und vor allem auch in V e t e r s b i: r q entfaltet haben, wo sogar ein tsckrecho-flownkisches Hauptquartier einge­richtet worden sein soll. Das würde den Beginn des neuen Bürgerkrieges unter englischer An­stiftung bedeuten. Die konsularischen Vertreter der Entenrcstaaten haben stck in die inneren Stresüäkeiten mit bekanntem Geschick einarnrischt, so daß, wie eine Drahtnachricht aus Stockholm besagt, in einzelnen Orten der Engländer bereits als Herr und Gebieter uns- tritt.

Soweit sich in Berlin ein überblick über die Lage gewinnen läßt, ist sie augenblicklich so, daß die Russen der Sowjets nach der militärischen Richtrmz . in ziemliche Bedrängnis kommen können, wenn ihnen nicht von außerhalb Unterstützung zuteil würde. Damit ist durchaus nicht gesagt, daß Deutschland aut die Gelegen­heit brennt, sich zum Schutze der bolschewistischen Inter- essen militärisch einzusetzen. Wir haben anderswo Auf­gaben in Hülle und Fülle zu lösen und würden es freu­dig begrüßen, wenn die Moskauer Regierung allein mit/ den Engländern hoch' oben im Norden fertig werden würde. Sollte das eben nicht der Fall sein und sollte, wie es den Anschein hat. Moskau sich nach Berlin um Hilfe wenden, um seine Neutralität auirechtzuerhalten, dann werden wir nicht säumech Duck) dort das von eng­lischer Herrschschaft bedrohte @5®!$ zu reinige n. In keinem Falle würde Deutschland es dulden, daß sich Eng­land an diesem wichtigen Punkt festsetzt, der für das heutige und das kommende Rußland zu einer Lebens­frage werden muß. Wir können schon deshalb nickst mit verschränkten Annen znsehen, wie sich dort die Ver­hältnisse entwickele, weil auch die Unabhängigkeit Finnlands bedroht sein würde, das eben erst niit deutscher Waffenbilfe seine staatliche Unabhängigkeit und bürgerliche Einigkeit erlangen konnte.

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Trotzkys Auftreten gegen die Engländer kn Murmon.

W. T.-B. Moskau, 3. Juli. Die Presse veröffentlicht folgenden Befehl Trotzkys' In Murmcm ist fremdes Militär gelandet, trotz des ausdrücklichen Protestes des Kommissars für die auswärtigen Angelegenheiten. Der Scnjot der Volkskommissare schreibt mir vor, dorthin die nötigen Streitkräfte zu entsenden, um die Küste des Weißen Meeres vor der Besitzergreifung durch die aus- ländischen Imperialisten zu schützen. Daher befehle ich frlgir.des: 1. Wer dem auswärtigen Militär Hilfe leistet, ob direkt oder indirekt, wird als Landesverräter be­trachtet und nach dem Kriegsgesetz hingerichtet. 2. Der Trans­port von Kriegsgetang-nen nach Archangel, ob in bewaffneten oder unbewaffneten Abteilungen oder in einzelnen Leuten, ist unbedingt verboten. Jeder, der hiergegen verstößt, wird nach deul Kriegsgesetz h i n g e r i ch t e t. 3. Zu einer Fahrt an die Küste des Weißen Meeres benötigen russische wie aus­ländische Bürger unbedingt der Erlaubnis des nächsten Kreis­kriegskommissars. Passagiere, welche ohne eine derartige .Erlaubnis an die genannte Küsre reisen, sind zu verhaften.

Ächtung deS Sowjetvorsitzendcn von Murman.

W. T.-B. Moskau, 3. Juli. Der Rat der Volkskommissare hat folgende Bekanntmachung erlassen- Der Vorsitzende des Murmanschen Sowjets, I u r g e w, welcher zu den englisch- französischen Imperialisten übergegungen ist und cm den feindlichen Handlungen gegen die Sowjetrepublik teil- gcnommen hat, wird als Feind derselben erklärt und als außerhalb des Gesetzes stehend betrachtet. — Wie die Presse niest et, wurde über Archangel der Kriegszustand verhängt.

Oie Intervenlionsabsichten der Entente in Rußland.

Br. Petersburg, 6. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach der Rückkehr des französischen Botschafters N o u l e n § aus Moskau wurde in Wologda eine längere Konferenz der Ententebotschafter abgehalten. Wologda ist zum Sitz einer neuen provisorischen Regierung auserseheu worden, die sich mit einem Aufruf an das ganze russische Volk wenden will. Nach einer weiteren Meldung sind Gutzkow und Rodszianko in Wologdr eingetcoffen, um an den Arbeiten zur Errichtung dieser provisorischen Regierung teilznnehmen.

Der Rampf gegen die Ekchecho-Slowaben.

IV. T.-B. Moskau, 2. Juli. Die hiesige Presse meldet: Das Militärkommissarrat hat die sofortige Formierung von Batterien znm Kampf gegen die Tschecho-Slowaken verfügt. Die Wesi-Ural-Bahn ist von den Gegenrevolntio- r.ären gesäubert. Ans dem Abschnitt Slatoust haben sich die Gkgenrcvolutionäre nach Ustikinsk zurückgezogen. Die Naphtha-Unternehmen in Jaroslaw, Rybinsk, Kinschuna und Wclrgda befinden sich im A n s st a n d. -Die Naphthaver- scrgung der Nordbohn und der Schiffahrt auf der oberen Wolga ist fast eingestellt.

Oer Tagesbericht vom 6. Iuli.

'.V. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprrchi.

Mehrfache Angriffsversuche des Feindes westlich voy Langemark scheiterten. In dem Kampfabschnitt südlich der Somme blieb die Artillerietätigkejt tagsüber gesteigert. Am Abend lebte sie auch an der übrigen Heeres­front auf.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen A i s n e und Marne und südwestlich von Reims zeitweilig erhöhte Grfechtstätigkcit. Stärkere Vor­stöße deS Feindes gegen den Cligon-Abschnitt wurden abge­wiesen. Erkundnngsgrfechte in der Champagne.

Leutnant Bolle errang seinen 20. Luftsieg.

. Der Erste Grneralanartiermeister: Ludendorsf.

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vie Gpfer der veschietzung von Parks.

Br. Bafel, 6. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie der ..Progrös de Lyon" meldet, beträgt die Gesamtzahl der Opfer der Beschießung von Paris durch Flieger und Fern­geschütze seit dem 1. Januar v. I. 141 Tote und 432 Ver­wundete.

Große Leistung eines U-vootes.

W. T.-B. Berlin, 6. Juli, kAmtlich) Eines unserer im M i t t e l m e e r operierenden Unterseeboote unter Führung des Lberlentnants z. S- Ehrensberger versenkte aus stark gesicherten Geleitzügen vier wertvolle Dampfer von rund 15 6 0 0 Bruttoregistectonnen. Ein fünfter Dampfer von 5000 Torinen wurde durch Torpedoschuß schwer beschä­digt, rervPxbte aber wahrscheinlich den nahen Hafen zu er­reichen. Der Th es des Admiralstabes der Marine.

Wilsons neue Phrasen.

W. T.-B. New Dort, 4. Juli. In seiner Rede am

Grabe Washingtons sagte Wilson noch: Große Ziele

kann man nicht erreichen, indem man die Wünsche der Staatsmänner nnd ihre Pläne für das Gleichgewicht der Macht und für die Ehancen der Nationen erörtert und sie zu versöhnen und anzupassen sucht. Sie können nnr verwirklicht werden durch die Bestimmung der Wünsche der denkenden Völker der Welt mit ihrer Sehnsucht und Hoffnung auf Gerechtigkeit, soziale Frei­heit und gute Aussichten. Ich kann mir vorstellen, daß die Äußerung solcher Grundsätze besonders gut an die­sen Platz paßt. Hier begannen die Kräfte, die die große Nation, gegen die sie anfänglich gerickstet waren, zu­nächst als eine Revolte gegen ihre cechtsmäßige Herrschaft betrachtete, aber seitdem erblickte sie, darin längst einen Schritt zur Befteiung ebenso ihres eigenen wie des amerikanischen Volkes nnd ich stehe jetzt hier, um voller Stolz imd»mit zuversichtlicher Hoffnung von der Ausdehnung dieser Revolte, dieser Befreiung aus der großen Weltbühne zu sprechen. Die ver­blendeten Machthaber Preußens riefen Kräfte ins Leben, die sie wenig kannten, Kräfte, die, wenn sie einmal erweckt sind, niemals wieder zu Boden

geschlagen werden können, denn sie besitzen innere Kraft und Endzweck, die unsterblich sind und den Triumph verbürgen.

ThurchMs neue Rede.

IV. T.-B. London, 4. Juli. (Reuter-Meldung.) Ameri­kanischer Unabhängigkeitstag. (Fortsetzung.) Churchill fahr fort: Aber dos deutsche Volk mutz wisien, daß wir für uns selbst keine grundlegenden natürlichen R echte beanspruchen, die wir nicht bereit sind, ihm z u z u - sichern Alle in der Unabhängigkeitserklärung enthaltenen Reckte werden die seingn sein. Wir wollen heute Amerika unsere treue Kameradschaft aussprechen. Kern Kom­promiß in unseren Hauptzielen: kein Friede c h n e Sieg: keine Vereinbarungen, wenn das Unrecht mcht bereut wird. Das iü die Erklärung vom 4. Juli 1918, und nicht nur eine UnabhängigkeitZerklärung, sondern auch eine Erklärung der Zusammengehörigkeit. Admiral Sims sprach über die Unterstützung, die die Vereinigten Staaten zur See gegeben hätten und noch geben würden. Der Krieg werde so lange dauern, bis Deutschland völlig ge­schlagen sei. Zuletzt sprach der frühere englische Bot­schafter in Amerika Lord B r h c e.

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Die irische Homerulefrb qe.

W. T.-B. Bern, 6. Juli. (Drahtbericht.) Bei der Arbeiterkcnferenz in London am 28. Juni sästug der Parlamentarier James O g r a d y eine Resolution vor, welche die sofortige Homerule für Irland verlangt. Ogrady sagte: Laßt um Gottes Willen nicht die Schande über England kommen, daß es, wenn es zur.Frie­denskonferenz geht von den Feinden ge­zwungen wird Irland diesen Grundsatz der Gerech- tigkeit zuzubilligen. Als Barnes im Parlament für Einführung der irischen Wehrpflicht die Gewährung von Homerule zusaate, betonte er, daß die Regierung bannt stehen und fallen werbe. Ich fragte den Premier­minister, ob er damit stehen und fallen werde, er be­jahte dies. Trotzdem ist er noch im Amte. Ich fordere jetzt die an der Reichskonferenz teilnehmenden Staats­männer der großen überseeischen Dominions auf, dar­auf zu bestehen, daß die Relchsreaierung nunmehr ihnen diese Frage zur Regelung überläßt.

Revolutionäre veweguny in SKdafrfka.

Br. Rotterdam, 6. Juli. (Eig. Deahtbericht. zb.) Ein Telegramm der englischen Blätter aus Pretoria vom 8. Juli besagt: General Botha hat einen Aufruf cm die Bevölkerung von Südafrika erlaffen, worin er sagt, daß eine revclutionäve Bewegung gegen die Staatsgewalt im Gange sei. In den letzten Tugen seien starke militärische uni ■ poli­tische Maßnahmen notwendig geworden, um ernsten Ereig­nissen vorzubeugen und schwere Verluste an Menschenleben zu verhüten.

Staatssekretär v. Capelle über den ll-Bootstrieo.

Deutscher Reichstag.

In der weiteren Debatte über das Gesetz der Heran­ziehung von H « e r e s u -n f ä h i g e n zum militärischen Avbeitsdiemist und das Gesetz zur Milderung des Strafgesetzes (vergl. Bericht in unserer heutigen Morgenausgcbe) erÄärte u. a. Abg. David (Eoz.), daß di« sozicldcmokratifche Fraktion dieses Gesetz oblehme. man solle den mit Zuchthaus Donbc sttastem Gelegenheit geben, sichbewohnen. Auf eine Be­schwerde des Llbg. Haas (fortffchr. BaWSp.), daß in England die deutschen Kriegsgefangenen abscheulich be­handelt werden, erwidert Oberstleutnant v. Fransecky: Auf

England wird der nötige Druck ansgeübt. Genügt unser Protest gegen die Behandluny der Kriegsgefangenen nicht, sc wird mit aller Sttenge vorgegangen werden. Mich weiteren Bemerkungen wird der Heeresetat be­willigt. Die beiden Gesetzentwürfe werden in zweiter un- sofortiger dritter Lesung angenommen.

Bei der folgendem Beratung de? Marineetats macht Abg. Pfleger (Zentr.) auf die Äußerung des französi­schen Marine-Unter st aatssekretärs aufmerk­sam, wonach Zweidrittel unserer U-Boote ver­senkt seien.

Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Eapelle

Der Abg. Dr. Pfleger hat ein« Äußerung des franzö- fischen Marius-UnterstaatSseckretärS mitgeteiltz nach welcher zwei Drittel aller unserer U-Boote versenkt

seien und doppelt so viel U-Boote versenkt würden, als wir bauen können. Vorstehende Angaben sind falsch. Ebenso unrichtig ist eine vor kurzem erfolgt« ErNärung des >englischen Marineministers, daß seit Januar d. I. mehr U-Bovte ver­senkt seien, als gebaut wavden sind. Das Gegenteil ist de: Fall. (Hört, >hört.) Me Nachrichten über U-BootSveiluste, die von nuferen Fetaiden in di« Welt gesetzt werden, sind über­trieben. Unsere U-Bootwaffe ist, sowohl was die Zahl wie die Qualität der Boote lbetrifft, im Steigen begriffen. Eine große Anzahl der Herren hat vor kurzem dem Bortrag eines, getane

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