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Verlag Langgasse 21

„Tazbiillyaus".

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Samstag, 6. Juli 1918.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlia Al. 57, Au der Apoftrlkirche 7» 1. Fernsprecher: Am t Lützow 6202 uud 6203. __

Nr. 309. ♦ 66. Jahrgang.

Morgen-klusgabe.

Wilsons neue Uriegsziele.

Line Rede des Präsidenten am amerikaitt scheu UttadtjängigKeitslac'.

W. T.-B. New Jork, 5. Juli. (Trahthericht. Reuter) Wilson sagte im eimer Rede <wn Grabe Washingtons m SJicuitf Vernrm am DonmE-rSk-agn-achmittag: Das Grab

Washiragtvids ist kein« Stätte des Todes, sondern eine Stätte der Tat. Es ist konnzeichnemd für Washington und sein« Helfer, daß sie nicht für eine Klasse sprachen, sondern für das Volk. Ihr bewußtes Ziel war, die Menschen aller Massen zu befreien und Amerika zum Zufluchtsort für -die Menschen aller Länder zu wachem, wekcke dem Wunsch haben, die Rechte und Privilegien freier Mämmer M teilen. Wir haben die- fÄben Zielte wie sie. Wir in Amerika glauben, daß unsere Teilnahme am Krieg nur die Frucht ist von dem, was sie gesät. Unsere Amffassung von dem großen Streit, im bei» wir verwickelt sind, ist folgembe: Aus der einem Seite stehen die Völker der Weit, nickt nur die, die am Kampf teilnehmen, sondern auch viele andere, die unter 'der Oberherrschaft leiden, Völker vieler Nassem und oller Teile der Welt, auch Rußland. Ihnen gegenüber steht ein« i'sctlierte Gruppe freundloser Re- gierwngcn, die keine gemeinschaftlichen Ziele vor Augen haben, soitdern mir ihren eigenem sekbsüchtioen Ehrgeiz zu befriedigen suchen, währemv ihre VAker nur Brandstesfe in ihren Hän­den sind, Regierungen, die mit einer primitiven Macht be­neidet sind, die aus einer Zeit stammt, die uns vollkommen tvenmt und feindlich ist. Ver-ganyenlheit und Gegenwart sind in einem Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Das Ergebnis muß endgültig sein. Wir würden keinen Vergleich, keine halbe Entscheidung 'dulden lärmen, es würde auch keine halbe Entscheidung möglich sein. Die verbündeten VAker kämpfen für folgende Ziele, die verwirklicht fein müffen, ehe Fr'cde werden kann.

1. Vernichtung jeder Willkür und Macht, die für sich allein uind heimlich den Frieden der Well stören kann, und wenn ihre Vernichtung jetzt nickst möglich ist, mindestens ihre Herabdrückung zu tatsächlicher Machtlosigkeit.

2. RcgAung aller Fragen, sowohl der territorialem wie der Scuberänitätsfragen und der politischen wie wirtschaft­lichen Fragen auf der Grundlage der freien Annahme dieser Regelung durch das Vclk, das unmittelar dabei betrof­fen ist und nicht auf der Grundlage dos niaieriellen Interesses oder des Vorteils irgend eines anderen Volkes, das eine an­der« Regelung zur Ausbieitung seines Einfluffes oder seiner Herrschaft wünscht.

3. Einwilligung aller Völker, in ihren DevhAtniffcn zueinander sich von denselben Grundsätzen der Ehre und Achtung von dem Gewohnheitsrecht der zivilisierten Gesell­schaft leiten zu Gassen, wie sie für den einzelnen Bürge: moderner Staaten gälten, dergestalt daß alle Versprechungen und Verträge -gewissenhaft beobachtet, daß keine Anschläge und Verschwörungen ang «zettelt werden und daß «in wech- selseitiges Vertrauen geschaffen wird auf -der Basis ivechseiseitiger Achtung vor dem Recht.

4. Schaffung einer Friedensorganifation, die verbürgt, daß die gesamte Macht der freiem Nationen jode Rechtsverletzung verhüten wird und die ein Schied», gcrickt einrichtet, dem alle nationalem Gegensätze unter­breitet werden sollen. Diese großen Ziele können wir in -dem eirien Gedanken zusammenfassem: Wir stvciben nach der Herr­schaft des Rechts, gegründet auf der Zustimmung der Regie­rungen und gestützt durch die organisierte Meinung der Menschheit.

5»uch neue Großsprechereien Thurchills.

W. T.-B. London, 5. Juli. (Trahtiberickst. Reuter.) A-us der zur Feier deS amerikanischen UnabhängigkeitStageS abge- haltenmn Versammlung der Anglo-Eaxon-Fellowship in Westminster hielt der' englische M-unitionS- Minister Churchill eine Rede, in der er sagte, die amerika­nische UnabhämgigkeitSerklärung vom 4Luli 1776 sei nicht nur ein amerikanischer Tckuwent, sondern sie sei ein großer RschdSti-tel, in dem die Freiheiten der englischen Völker bc- grü-ndet seien. Nachdem. C'hurchill den gegenwärtigen Krieg als einen Kamps Mischen Zivilisation und wissenschaftlicher Barbarei und Mischen Staaten, wo die Völker Regierungen besitzen und Staaten, wo die Regierungen Völker besitzen, be­zeichnet batte, fuhr er fort: Eines der beiden System« muffe «nvscheideitd siegen Deutschland müsse geschlagen werden und wissen, daß es geschlagen sei.

Der Amerika-Rummel in Frankreich.

W. T.-B. Genf, 4. Juli. (Drahtbericht.) Der amerika- mftfje Unobhängigk«iMag wurde nach einer Havas-Mäldung in ganz Frankreich festlich begangen. Eine Pariser Straße bekam aus diesem Anlaß den Namen Avenue Wilson. Pichon und D « s ch a n e l hielten bei der lEimweihungSfeier die üblichen Phrase sür Phrase sattsam bekannten Reden.

«

Amerikanischer Schiffsraub.

Br. Berlin, 5. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der „Boff. Ztg." wird aus C h ri sti a n i a mitgeteilt, daß der not. wegiscke Dampfer ..Stavanger Fjord" von Amerika weg­genommen und in den Truppentransporiverkehr eingestellt jBfitbai ttz, Um ihn vor der Beschlagnahme zu b ew ahr ^

I hatte seinerzeit Norwegen eine entsprechende Menge Schiffs- raum zu seiner Ablösung bereitgestellt. Die Amerikaner haben diesen angenommen, trotzdem jedoch jetzt den Dampfer beschlagnahmt.

Der deutsche Kbendbericht.

W. T.-B. Berlin, 5. Juli, abends. (Amtlich. Draht- bericht.) Bon der Kampffront nichts Neues.

*

Oke neuen Zttegeranyriffe auf Parks.

Berlin, ö. Juli. Zu der Wirkung des jüngsten Flieger­angriffs auf Paris heißt es im „B. T.": Verschiedene Pariser Blätter berichten, daß die meisten auf offener Straße ver­letzten Personen nicht von den deutschen Bomben, sondern von den zurückfallenden Geschaffen des Pariser Sperrfeuers getroffen worden sind. I

Der Kricgsrat in Versailles

W. T.-B- Bern, 5 Juli Mailänder Blätter melden aus Rom: Ministirprästtcnt Lrlandc und Minister des Innern S o n n i n o smd zur Teilnahme an dem interalliierten Kriegsrat nach Versailles abgercijt.

Englisches Ultimatum an die Sowjstregieruna.

Br. Berlin, 5. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie der „Voff. Zrg." aus Stockholm gemeldet wird, läuft das Ge­rücht um, daß der britische Vertreter für Nordrußland von London aus die Anweisung erhalten habe, der Mcskauer Regierung ein kurz befristetes Ultimatum zu überreichen, um die Stellung Rußlands zur Entente aufzu­klären. Im Anschluß bieran bemerkt „Dagens Nybeter", daß vielleicht schon in den nächsten Tagen bemerkenswerte Ereig­nisse eintreten dürften, die von großem Einfluß auf die internationalen Verhärmtste seien.

Lenin über die genenrevolntionären Gefahren.

W. T.-B Stockholm, 5. Juli. „Politiken" veröffentlicht eine Unterredung mit Lenin, die ein Vertreter des Blattes in Petersburg hatte. Danach gab Lenin zu, daß di? Lage schwer sei und daß besonders die nächsten Wochen bis zur Ernte Gefahren mit sich brächten; dach sei die gegenrevo- lutionäre Liga der reichen Bauern und Offiziere obne fremde Unterstützung machtlos. Die Opposition innerhalb der Bolsche- wikipartei gegen den Breiter Frieden habe sich gelegt, da man begriffen habe, daß derselbe notwendig sei, um die Erstickung der Revolution durch Deutschland zu verhindern. In der Ukraine sei der Bolschewismus durch die deutsche Okkupation eine Art Nationalbewegung geworden. Zum Schluß sprach Lenin die Hoffnung auf eine allgemeine Revolution in Europa ans.

Fortdauer der italienischen Offensive.

Erfolgreiche GegenstStzo.

W. T.-B. Wien, 6. Juli. (Drah«bericht.) Amtlich ver. lautet vom 5. Juli, mittags: Die Kämpfe auf der Piave- mündungSinsel haben auch gestern keine Unter­brechung erfahren. Die beiderseits angesetzten Kräfte halten einander die Wage. Starke italienische Angriffe gegen unserem Südflügel wurden durch Gegenstoß wrttgemacht. Bei Chiesa Nowa warf das altbewährte schlesische Infanterie- Regiment 1 durch rasches Zugrekfen den in unsere Stellungen eingedrungenen Italiener wieder heraus. Zwischen der Piave und der B r e n t a setzte der Feind seine Versuche, die von uns am 15. Juni gewonnenen Stellungen zurückzn- rrobern, mit Zähigkeit fort. Sein Hauptziel richtete sich gestern gegen den Raum des Monte Solarolo. Der bis an unsere Gräben vorgctragene Angriff führte zu erbrt- terten Nahkämpfen, in denen ein Großteil des Fein­des niedergemacht, der Rest vertrieben wurde. Bon Batterien der Gvwzer l. und Krakauer 55. FeldarMcriebrigade vor­trefflich unterstützt, haben sich, seit drei Wochen fast ununter­brochen im Kampf stehend, wieder die Schlesier des Bataillons 2. 12V und BoSniaken des 4. Regiments besonders ausgezeich­net. Die Verluste des Gegners sind außerordentlich schwer. Auf der Hochfläche der Siebengemeinden ulud an der Tiroler Front lebhafte Artillerietätigkeit.

Der Chef des Genevalstabs.

Die Proklamation des neuen Sultans.

Bklsrtznnl, der Leiche Mehmeds V.

W- T.-B. SimiiantinelJCl, 5. Suli. (Drahtbericht. Bon unserem Sonderberichrcrstattcr. Mi' großer Feierlichkeit fand am 4. Juli, vormittags, die ,Biat", genannt dre Proklamierung des Sultans Mehmed VI. im Palast Top Kopu statt. Um 10.50 Uhr trat der Sultan in den Thrcnsaal ein, worin her Thronfolger Abdul Melschid Essend,, die kaiserlichen Prinzen, der Großwestr, die Minister, das Pariamen, und der Khedive versamnielt waren. Nachdem der Sultan einen Augenblick auf dem S-ffel neben dem Thron Platz genonimen hatte, begann die Zeremonie. Hierauf nahm der Sultan auf dem Thron Platz. Abgeordnere aus dem Nord- kankasus und Ascrbeidschan wohnten der Feier bei. Aus das Biat folgte die Beisetzung der Leiche Mehmeds V. Der Sultan folgte dem mit reichen bunten Decken behängten Sarg bis an das Tor des Palastes Tann begab er sich aus seiner Jacht nach Z j u b , wohin die Le,che auf einen: Motorboot geschasst wurde. Dort fand die Beijotzuug in dem vcu Mchmed V. erriWeten Grabmal statt.

Deutscher Reichstag.

# Berlin, 6. Juli.

«ffm BundeSratStisch: b. WriSderg, v. Payer, v. Stein, o. Capelle, Dr. Sols, Graf Reedern, Rüdilin. Präsident Fechren-bcch eröffnet die Sitzung aun 2 Uhr 80 Min. Auf der Tage-sordrmng stehen cm erster Stelle

ttnfragen.

Wg. Schwabach (mat.-llib.) svrtzert Beseitigung de§ Paßzwanges iw ^Verkehr tn,i Ostpreußen und den früheren ruffiscken Erenzgcvieten, worauf General von Wrisbcrg -erwidert, -daß dies a-us militärischen Gründen noch nicht n-öglich sei.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Volksp.) fragt an, oib der Reick^kanzller dafür Sorg« tragen wolle, daß durch Ent­lassung aller gam.isrms- und arlbeitsverwendungsfähigen Lehre, sowie der alten Jahrgänge der kriegsverweuduligs- sähigen Lehrer den Gefahren der Verwilderung der Jugend entgegcngetreten werde; woraus LLerst v. Braun erklärt, daß eine restlose Freigabe der Lehrer vom Heeres­dienst dem Grundsatz der allgemetroest Wehrpflicht wider­spreche. Des Kriegsministeri-um habe aber den De dürft, issen der Cchulpflog« wiMich Rechnung getragen. Bm, eineM Austausch der gv.» und kV.-Lehrer (wie der Vorredner ergän­zend awfragte) werde Abstand genommen.

Weiter fragte Abg. Dr. Müller-Meiningen (DoMp.) an, was der ReichMrwziler zu tun gedenke, um die deutschen Ingenieure, Chemiker und Techniker rm Heers in einer ihrer Bildung entsprechenden Stellung zu verwende,,; hierauf erwidert General v. Wrisbcrg, daß für die Besetzung der Krieg-ssormationen mit Personal in erster Stelle das mili­tärische Bedürfnis maßgebe-nd fei und daß, soweit die Bodürr- niff« des Heeres es erfordern, die .Ingenieure ufw. mit Hoch- schulhiDung entspreche,^» verwendet N-erden.

Auf «'ne diesbezügick« Anfrage des Abg. Trimborn (Zentr.) erflärt General v. Wrisbcrg, daß P a r i s aus Befehl der Ol-srstcm Heeresleitung am Tage -der Fronkeichnams- f e i e r nicht beschaffen wurde, denn die Franzosen feierte., diesen Tag nicht an dem eigen kl ichen Festtag, sondern an dorn daravffrllgen-den Sonntag. Auf diesen Tag hat der Kardi­nal v. Harttnann die Lberste Heeresleitung rechtzeitig auf­merksam gemache.

-Es folgt der mündliche Bericht der GeschäftSord-nungS- kvmmiffion, die beaeütragte Strafverfolgung des Abg. v. Bon in (kons.) wegen Steuerhinterziehung zu ver­weigern.

Abg. v. Bonin (kons.) bittet, die Genehmigung zu seiner Strafverfolgung zu erteilen, damit er seine Unschuld beweisen kömi«; er möchte sonst sein Mandat niederlegen, um die Sache zur Erledigung bringen zu können.

Nach längerer Debatte ft>lg>t die Abstimmung. Präsident Fehrcnbach stellt fest, daß die Genehmigung zur Strafver- svlgung versagt worden sei. (Lebhafte Rufe: Gegenprobe!) Nach weiter-em Rufen wird die Gegen-pr0be voryenommen. Diese ergibt, daß das Abstimmung^resultat zweifelhaft bleibt. Der Hammebsprung wird vollzogen.

Darauf Fortsetzung der

dritten Lesung der Etats.

Zuerst wird über den Antrag deS Abg. Arendt zum ReichS- w,rtschaftsamt, betr. Beschlagnahm« der Tür- linken (diese zunächst an den öffentlichem Gebäuden vorzu- uehmen und die Entschädigung so zu gestalten, daß später kosten'fteie Wiederherstellung des jetzigen Zustandes ermög­licht wird) abgeftintmt.

Die Abstimmung bleibt MeifMaft. Auch hier findet Hammelsprung statt. Es stimmen 181 für dem Arttvag, 85 dagegen. Der Antrag ist somit angenommen.

Sodann wird der Etat des ReichsbeereS beraten in Verbindung mit der zweiten Lesung des Gesetzes der Her- onziehung von Heeresunfähigen zum militärischen Arkettsdienst und des Gesetzes Krr Milderung deS Straf- gkfetzes.

Präsident Fehrenbach ermahnt die Redner, sich der Kürz« zu befleißigen, weil der Etat heute zu Ende geführt werden müsse.

Der Krbektspsnn des vekchslaqs.

BA Berlin, 5. Jul! lEig. Drahtbericht. zb.) Ter Ältesten­rat des Reichstags hielt heute rar der Vollsitzung eine Zusammen- kunst ab, um sich übe, den Arbeitsplan der letzten Tage vor der großen Sommerpause scblnssig zu werden. Man kam dahin überein, aus die Tagesordnung der »m 1 Ubr beginnenden Samstags,tzung die beide:, neu cingegangcuei' Dorlageu über den Absatz von Kali- salzen und gegen Uusruchtbarmachung und Schwangerschaftsunter­brechung zu setzen' Beide Dcrlagcn sollen ohne Aussprache an die zuständigen Ausschüße geben Im üdtigen sollen am Samstag Tr. nährungSsragcu uud in Verbindung damit der Bericht der Aus- schusie? sür Handel und Gewerbe über Koblenversorgung besprochen werden. Am Mcntag soll die Sitzung gleichfalls um l Uhr beginne« und die Vorlage aus Bcrlängcrung der Legislaturperiode des Reichs- tags sowie die kleine Iccichstagswahlresorm verabschiedet werden. An den anderen Tagen soll d:c Vollsitzung bereits um 10 Uhr vor­mittags beginnen. Dienstag soll die neue Kreditvorlage erledigt werden. Dann sclxen die Steuervorlagen, von denen man hofft, daß sie bis spätestens Freitag verabschiedet werde» könne«, au welchem Tage hie Pause bis jnm Herbst beginn« fall.