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Srcttog, S. Juli 1918.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 308. . 66. Jahrgang.
Die gespannte Lage im Westen.
Sfuf der Westfront unternehmen die Engländer und Franzosen fortgesetzt starke Angriffe gegen die deutschen Stellungen, die nicht nur der Verbesserung der eigenen Linien und der Gewinnung größerer Armfreiheit dienen, sondern auch aus der a I l g e in e i n e n Unsicherheit ihrer Lage hervorgehen, um dadurch Klarheit über die Maßnahmen der deutschen Führung zu gewinnen. Das eben ist der große Nachteil der st r a t e g i s ch e n Defensive zu der sich der Ententegeneralissimus, General Fach, entschlossen hat, daß er vollkommen von den deutschen Maßnahmen abhängig ist und nicht weiß, wann und wo der nächste deutsche Schlag erfolgen wird. Er ist dadurch in der zweckmäßigen Verwendung seiner zurückgehaltenen Reserven behindert, die nach Angabe neutraler Blätter jetzt nur noch ein Viertel der ursprünglichen Stärke betragen und auf etwa 12 bis 15 Divisionen mit rund 200 000 Mann geschäht werden. Der übrige Teil ist in den vorausgcgangenen Kämpfen b e r e i r s eingesetzt und verbraucht worden. Dies stellt einen der Nichtigsten und bedeutendsten Erfolge der verschiedenen deutschen Vorstöße dar. Die Nervosität der Entente ist, wie dies auch aus allen ihrer: Presseäußerungen hervorgebt in der letzten Zeit beträchtlich gestiegen und sucht sich in einer gesteigerten örtlichen Eesechtstätiakeit Lust zu machen. Durch die Vorstöße in di? deutschen Linien sollen etwaige neue deutsche Anoristsvorbereitungen erkannt und festgestellt werden. Telnstlben Zwecks dienen auch di? zahlreichen Luftkämpfe, die auf der ganzen Front stattgefunden haben, ohne aber dem Gegner di? erwünschte Klarheit gebracht zu haben, da er fortdauernd schwere Verluste erlitten bat. Zum erstenmal ist bei den Luft- kä'mpfen das geschlossene Auftreten eines amerikanischen Geschwaders von neun Einheiten festgestellt worden, während sich die amerikanischen Flieger bisher immer nur einzeln an den Luftkämpfen beteiligt batten. Aber auch dieser gesteigerte Einsatz hat den Amerikanern wenig Eriolg gebracht, da von ihrem Ge- .schwader sofort vier Flugzeuge abge'chossen wurden Auch die Fernbeschießung durch weittragende schwere Geschütze, die sich hauptsächlich gegen die Verbindungslinien und Verkehrsknotenpunkte hinter der Front richtet, ha.' wiedcium erheblich zugenammen. Neutrale Bläste-' wollen gerade darin den b a l d ig e n Beginn einer neuen deutschen Offensive erblicken und stellen schon jetzt wieder eingehende Befrachtungen über die Abschnitte an, ans denen sie voraussichtlich mnsetzen wird. Auch die Enkenteblätter erörtern diese Fragen und nehmen dabei an, daß sich der neue Angriff nur gegen die Kana! Häfen oder gegen Paris richten könne. Außerdem käme höchstens noch die Gegend von A r r a S in Betracht, jedenfalls läßt sich sagen, daß die Gewmllage au' bei Weslstont außerordentlich gespannt ist und daß sich die latent? Spannung jeder- zeit entladen kann. Die rege örtliche Tätigkeit des Feindes hat ihm bisher aber keine Erfolg? eingebracht, denn seine Voi'töße wurden überall abgenüesen und haben nur zu ein- r Ver-mehrung seiner Verluste und damit zu einer Verminderung seiner Widerstandskratr bei- getragen. _
Der Taaesberlcht vom 5. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 5. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
* Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.
östlicli von S) p e r n würben stärkere Borstöße des Feindes abgewiesen. Beiderseits der Somme sind gestern früh dem starken englischen Feuer Jnfanterieangriffe des Feindes gefolgt. Auf dem Nordufer des Flnffes brachen sie vor unseren Linien blutig zusammen. Südlich der Somme drang der Feind in Dorf und Wald H a m e l eia. Auf der Höhe östlich von Hamel wurde der Angriff durch unseren Gegenstoß zum Scheitern gebracht, östlich von Villers-Bret onneux warfen wir den Feind in seine Ausgangs st ellungen znrück.
Am Abend lebte die GefechtZtätigkeit fast an der ganzen HeereSgruppe-Front auf und blieb auch während der Nacht, ' namentlich im gestrigen Kampfabschnitt, gesteigert.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Erhöhte Gefechtstätigkeit ans dem Westufer der A v r e und beiderseits der Aisnc.
Leutnant Menkhoff errang seinen 35., Leutnant Thuy seinen 24. Luftsieg.
Der Erste Generalquartiermeister: Lndlndorff.
„ * 4 Ute verlustreichen französischen Teilangriffe.
W. T.-B. Berlin, 4. Juli. Die Bedrohung von Paris infolge der letzten deutschen Offensive zwingt die Franzosen zu fortgesetzten Angriffen zwischen Oise und Marne, um durch Teilattionen ihre Stüllunaen LU
verbessern. Diese örtlichen Kampfhandlungen, die erfahrungsgemäß dem Gegner außerordentliche Verluste bei geringen Erfolgen kosten, sind der beste Beweis für die außerordentliche Wirkung der deutschen Offensive. llnter diesen Umständen berührt es eigenartig, wenn der Eifseltnrnr am 3. Juli, 11 Ahr nachmittags, von der letzten deutschen Offensive als einem unfruchtbaren Sieg des Kronprinzen spricht. Immerbin ist es benierkenswert, daß der. französische Funkspruch weniastens die Tatsache des Sieges zu- g i b t. Im übrigen verlief der 3. Juli unter hefügen Patrouillenkämpfen nordwestlich dos Houthoulster Waldes, bei Merris, südlich Lens, bei Merry sowie auf dem Ostufer der Maas.
vor der Entente-Intervention in Rutzland.
W. T.-B. Stockholm, 4. Juli. Nach dem Helsmgforser „Hufvudstadsbladet" haben die russischen Sozialrevolutionäre in England 265 Millionen Rubel angewiesen erhalten. von denen bereits 40 Millionen eintraten. Durch Vermittlung der Sozialrevolutionäre haben die Engländer von Archangel aus das Hauptquartier der tschechoslowakischen Bewegung in Petersburg errichten können. — „Stockholms Dagblad", das die Zustände Rußlands im Zusammenhang bespricht, ist der Ansicht, man habe in nächster Zeit eine bewaffnete Intervention der Entente in Rußland zu erwarten.
Eine Kundgebung des Sowjet-Amtsblattes.
Ti'. T.-B. Stockholm, 4. Juli. (Petersburger Tele- arapben-Agentur.) Das Amtsblatt der russischen Sowjet-Regierung „Jswostija" schreibt u. a. noch über die Absichten der Alliierten Rußland gegenüber: Alles, was die Alliierten untern-chmen, verfolgt nur den einen Zweck Rußland in einen n e u? n Kr i? g zu stürzen, ohne dabei im geringsten die 'Vorbereitungen zu einem solchen und noch weniger den Willen des russischen Volkes und der revolutionären Negierung zu berücksichtigen. Die Urheber dieses Abenteuers mögen bedenken, doß sie bei der Verwirklichung ihrer Pläne sich an dem verzweifelten Widerstand des revolntion är en Rußlands stoßen wer den. Es ist vergebens, sich mit den Phantasien sozialistischer Verräter zu trösten, di; vorgeben, daß die Macht der Sowjets in der Lust schwebe, und es in allen Gassen, ausschreien, bafc die Masten über die Regierrinq der Sowjets enttäuscht seien. Die Regierung läßt sich nicht in ihrem Vertrauen erschüttern, daß nicht nur Millionen Soldaten und Bauern inr Augenblick der höchsten Gefahr in die revolutionären Legionen eintreten sondern auch die Masse der bisweilenWiderstrebenden. die nicht erlauben werden, doßRußland in einen neuen Krieg mit Deutschland getrieben wird. Die Alliierten wissen sehr wohl, daß sie selbst in dem Falle, in dem es ihnen gelinaen sollte, sich die Beihilfe gewisser treuloser Elemente bei ihrem Abenteuer gegen die Sowjets zu verschaffen, sie nichts weiter als einen Orkan des Bürgerkrieges Hervorrufen würden, der über ganz Rußland hinwegtoben würde. Vielleicht ist cs zu spät, um ihnen die Gefahren des eingeschlagencn Weges zu zeigen. Nichtsdestoweniger wiederholen wir am Vorabend endgültiger Entschei-- dnngen, die der Weltgeschichte ein? neue Richtung geben sollen, unseren alten Rat:, Die einzige, für beide Teile nützliche Politik ist diejenige, die zu einer Anerkennung der Macht der Sowjets und znr wirtschaftlichen Unterstützung des revolutionären Rußlands führt, um es beim Wiederaufbau des Wirt'chaftslebens zu unterstützen. Dies bedeutet letzthin eine Hilfe zur Wiederherstellung seiner militärischen Bedeutung. Jede andere Politik würde nicht nur verbrecherisch, sondern auch unrichtig sein. Die unglücklichen Völker zahlen einen zu teuren Preis für die Fehler ihrer Regierungen.
Ein russischer Protest.
W. T.-B. Moskau, 3. Juli. Am 30. Mai richtete nach einer Meldung der Moskauer Zeitung ..Swoboda Rossij" der Volkskommissar sür die auswärtigen Angelegenheiten Tschi- tschcrin folgende Note an den englischen Vertreter: „Nach dem Willen des arbeitenden Volkes, das sich der Jntereffen- ernyeit und Solidarität mit den Arbeitermassen der ganzen Welt bewußt ist, hat die russische föderative Radarepublik die Reiben der kämpfenden Mächte verlassen und hat den Kriegszustand aufgegeben, dessen fernere Andaner die innere Lage Rußlands unmöglich machte. Das arbeitende Volk Rußlands und die seinen Willen ausfühcende Regierung der Arbeiter und Bauern trachtet nur danach, in Frieden und Freundschaft mit allen übrigen Völkern zu leben. Keinem einzigen Volke droht das Arbeitsvolk Rußlands mit Krieg, und keinerlei Gefahr kann von seiner Seite Großbritannien drehen. Mit um so größerer Entschiedenheit mutz die Arbeiter- und Bcmeruregiervng Rußlands gegen den durch keinerlei aggreffive Handlung russischerseits hervorgernfenen Einbruch bewaffneter englischer Truppen protestier««, di« soeben erst an der Murmanküjte lan
deten. Den Streitkräften der russischen Republik ist der Schutz des Murman-Gebietes gegen jeden fremdländischen Einbruch auferlegt, und diese ihre Pflicht werden die Ratstruppen unweigerlich erfüllen und bis zuletzt ihren Revo- lutionspslichten zum Schutze des Ratsrußland Nachkommen. Das Volkskommissariat des Äußern besteht in allerentschie- denster Weise darauf, daß in Marmansk, einer Stadt des neutralen Rußlands, sich keine bewaffneten Streitkräste Großbritanniens oder irgend einer anderen fremdländischen Macht aufhalten und, indem es noch einmal seinen schon mehrfach voraebrachten Protest gegen die Anwesenheit englischer Kriegsschiffe in dem Mnrmaner Hafen wiederholt, spricht es gleichzeitig die bestimmte Erwartung aus, daß die grotzbritannische Regierung ihre der internationalen Lage Rußlands widersprechenden Maßnahmen zarücknimmt, und daß das arbeitende Volk Rußlands, das den heißen Wunsch hegt, in ungestörten freundschaftlichen Beziehungen mit Großbritannien zu verbleiben, nicht gegen seinen Willen in die Lage gedrängt wird, die seinem alleraufrichtigsten Bestreben nicht entspricht.
verrat der russischen Behörden in Murman.
W. T.-B. Stockholm, 4. Juli. Nach einer Nachricht aus Helsiugfors ist der Moskauer Regierung gemeldet worden, daß in Ar ch an ael ein en gl is ch e s Ge» s ch w a d er vyn 13 Kri-gsschiffen eingetroffen ist. Aus Petersburg wird berichtet: Eine Versammlung von
Vertretern der Derwaltungsräte von 37 Gemeinden Noidrußlands erließ einen Aufruf an alle, in dem der Distrikts-Ausschuß von M n r m a n des- Doppelspiels beschuldigt wird. In dem Aufruf heißt es, daß sich der Vorsitzende dieses Ausschusses den E n g l ä n- dern verkauft habe und dunkle Beziehungen zu den englischen Regieruugsvertretern pflege. Sein und seine: Gesinnungsgenossen Ziel sei. die Verbindung zwischen England und den Tschecho-Slowaken herzustellen, um die Revolution in Rußland zu ersticken. Alle nördlichen Distriktsräte werden zum stärksten Widerstand gegen den Vormarsch der englischen Truppen aufgefordcrt und sollen zu diesem Zwecke die Brücken sprengen und die Eisenbahnlinien zerstören.
Der rirssisch-ukrainiick»e Frieden vor dem klbschlutz.
W. T.-B. Moskau, 4. Juli. (Meldirng der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Der Vorsitzende der russisch-ukrainischen Friedensdelegation RakowSki ist hier eingetrossen. Er wird sich zwei Tage hier auchal- ten. Nack' der Ansicht des Abgeordneten wird de" Friede mit der Ukraine innerhalb zweier Wochen unterzeichnet werden.
Chinesische Truppen- und Munitionstransporte nach Wladiwostok unterwegs.
Br. Stockholm, 5. Jnli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einem Petersburger Telearamm herrscht seit einer Woche ein verdreifachter Verkehr auf der Bahnlinie Wladiwostok-Peking. Aus Ebina sind nach Wladiwostok Truppentransporte sowier Proviant und Kriegsmaterial für das Expeditionskorps der Entente unterwegs. Die Bahnhöfe der Strecke sind von chinesischen Truppen besetzt. Ferner wird aus Moskau gemeldet: 20 chinesische Kriegsschiffe und Hilfsfahrzeuge sind nach Wladiwostok in See gegangen, um den Nachschub der alliierten Truppen ans dem Seewege zu oer- sehen. Ein Teil der Besahungsmannschaften dieser Schiffe soll zur Verstärkung der Expedition an Land gesetzt werden. _
D!e a5mtralftafeswe!fcmtg.
W. T.-B. Berlin, 4. Juli. (Amtlich.) Unsere U-Boote haben auf dem nördlichen Krkeasw ' : platz neuerdings
15 500 Briittorrgistertonuen feindlichen Handelsschisfsraumes vernichtet.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Neutrale Zeugnisse für den MtzÄrauch enalircher ^ospitalsck iffe.
IV. T.-B. Köln, 3. Juli. Die „Kölnische Zeitung" b-ingt eine Nachricht ihres Madrider Mitarbeiters, wonach das Blatt „Eorrespondencio Militär" auch gegenüber den Erklärungen des Ministers des Äußern, daß ein Mißbrauch von Hospitalschiffen ausgeschlossen sei. solange spanische Offiziere an Bord weilten, ihre frühere Behauptung von dem Mißbrauch der Hospitalschiffs durch die Engländer vollinhaltlich aufrechterhält. Allerdings lagen die beweisbaren Fälle, deren Wahrheit sich unumstößlich ergeben habe, schon eine Zeit zurück aber auch neuerdings wurden außerhalb des Mittel- meers Hospitalschiffe schlank mißbraucht. .In Durban seien z. B. englische Truppen auf Hosvitalschifsen ein- geschifft und Mitte März in einem Kanalhawn gelandet worden. Später seien weitere südatrikanische Rekruten auf Hosvitalschifsen eiugeschifft worden, und zwar lauter gesunde Leute. Die Engländer nannten ibr Verjähre» ‘ """
