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Donnerstag, 4. Juli 1918.
kkbend-klusgabe. Nr. ros. . SS. Jahrgang.
Groß-Sultan Mehmed V. t
W.T.-B. Wien, 4. Juli. (Drahtbericht.) Nach einer hier aus Kvnstantinopel angelangten Meldung ist Seine Majestät der Sultan gestern 7 Uhr verschieden.
Ein herzlicher Nachruf des Präsidenten Graf v. Schwerin-Löwitz.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
B. A. Berlin, 4. Juli. (Erg. Drahtbericht. zb.) Der Präsident Graf Schwerin-Löwitz leitete die heutige Verhandlung im Abgeordnetenhaus mit folgender Ansprache ein: Meine Herren! Ich habe Ihnen eine Trauerbotschaft zu verkünden: Gestern abend ist
Seine Majestät der Groß-Sultan Mehmed V., Kaiser der Osmanen, Königlich preußischer Feldmacschall, im 74. Jahre seines Lebens und dem zehnten Jahre seiner Regierung nach längerem Leiden heimgegangen. Mit dem türkischen Volke trauert das preußische und deutsche Volk an der Bahre des edlen Herrschers, der in diesem schweren Völkerringen in waffenbrüde.rlicher Treue zu unserem Kaiser und König gestanden und zahlreiche Siege über unsere gemeinsamen Feinde errungen hat. Sein Andenken wird uns iwni^rdar teuer sein. Den hohen Nachfolger des Entschlafenen, Seine Majestät Wahid eddin,. der nun- mebrige Padischah des osmanischen Reiches, der im 58. Lebensjahre den Tbron seines Vaters bestiegen hat, grüßen wir ehrftkrchtsvell. Der hohe Herr hat in diesem Winter in Berlin und dem Großen Hauptquartier geweilt, und wir dürfen zu ihm und seiner Bündnisfreundschaft dasfiÜH-Pertrauen wie zu seinem Vorgänger haben. Möge ihm eine bÄudige glückliche Beeridigu-ng des großen Krieges an der Seite seiner holten Verbündeten und eine lange ruhmreiche Regierung an der Spitze seines aulfftrebentden opferwilligen BölkoS bsschieden sein. Ich «bitte die Ermächtigung, -der hiesigen türkischen Botschaft und -dem Herrn Präsidenten der Abgeordnetenkammer in Konstanti- nopel die Anteilnahme des Hauses ausyudrückcn. Ich sehe, daß Sie sich zu Ehren des -Eniisckilasenen und zum Einverständnis mit meinen Ausführungen von Ihren Sitzen erhoben halben. Ich stelle dies fest und danke Ihnen dafür.
Der Tagesbericht vom 4. Iuli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Die Gefechtstätigkeit lebte am Abend in einzelnen Abschnitten ans.
Seit friihem Morgen starkes Feuer deS Feindes beideiseitS der Somme. Hier haben sich Jnfanteriekampfe entwickelt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Heftige Teilangriffe der Franzosen nördlich der A i S n e. Östlich von Moulin-sous-Touvent wurde der Feind im G e g e n st o ß in nuferen vorderen Kampflinien a b g e - wiesen. Im übrigen brachen seine Angriffe vor unseren Hindernissen zusammen. Erneute Borstöße des Gegners westlich von Ehateau-Thierry scheiterten.
Heeresgruppen Gallwitz und Herzog Albrecht.
Ein starker B o r st o ß des FeindeS auf dem östlichen Maasufcr wurde abgewiesen. Im S und g au machten wir bei erfolgreichen Unternehmungen Gefangene.
Leutnant Udet errang seinen 40., Leutnant Runy seinen 24. und 30. Luftsieg.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff.
*
Ein Besuch des Röniqs Klfons in Paris.
In. Berlin, 4. Juli. Wie aus Genf berichtet wird, bat, Pariser Blättern zufolge, König Alfons von Spanien in Paris geweilt, nach einer Angabe wegen einer ärztlichen Beratung, nach einer anderen wegen einer politischen Besprechung. »
14300 Tonnen im Sperrgebiet um England.
W. T.-B. Berlin, 4. Juli. (Amtlich.) Im Sperrgebiet um England wurden durch unsere U-Boote 14 500 Bruttoregistertonnen versenkt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
*
Oos angebliche Hospitalschist.
W.T.-B. London, 2. Juli. (Meldung des Reuter- schen Bureaus?' Die Admiralität „ gibt bekrnnt: Die Gegend zwischen der Stelle, wo das Huspfialschiff „Llandovery Castle" durch ein deutsches U-Boot versenkt wurde, und dem Südwestteil der iriichm Küste wurde- jetzt außer von dem Torpedoboots Zerstörer „Lysander" von zwei Gruppen von Kriegsschiffen gründlich abgesucht. Es wurden aber nur kleine Schiffstrümmer und ein leeres Boot gefunden. Es wird daher angenommen, daß von dem Hospitalschiff Überleb ende.nicht vor- banden sind.
Exvlof.on einer englischen Munitionsfabrik.
W. T.-B. London, 2. 3ult. (Amtlich.) Eine ernste Explosion ereiznete sich in der Nacht zum 1. Juli in der Granateufüllsabrck in den Midlcinds. .zwischen 60 und 71) Personen wurden getötet. Die Arbeit wird in einigen Tagen wieder ausgenommen werden.
Rus Rußland.
W.T.-B. Moskau, 28. Juni. Press'berichten zu- folge wird die Naphtha-Not bedrohlich. In den Wolga- Häfen liegen statt 105 Millionen Pud Naphtha wie im Jahre 1917 jetzt nur 12 Millionen. Man befürchtet auch ein balliges, gänzliches Stocken der Wolgaschiffehrt wegen des Mangels an Naphtha. — „Prawda" teilt mit. daß die Reise nach der Murman- küste wegen der Nahrungs- und der Wohnungsnot verboten worden ist. — ,,Shisu" meldet, daß außer Vertretern Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika sich zurzeit in Wologda auch eine englische Militärmission befindet. - Aus dem Gouvernement Olonetz sind dem Rate der Volkskommissionöre dringende Telegramme über eine Hungersnot zugegangen, ebenso von den Kulebaka- und den Jnsersfi-Werken. Die sibirische Regierung hat ein Ausfuhrverbot für Getreide und Vieh erlassen. — Das bisherige Wahlergebnis in Petersburg rst das folgende: 406 Bolschewiki, 30 Bolschewiki-Anhänger, 51 linke Sozialrevolnfionäre, 19 rechte Sozialrevolutionäre und 29 Menschewiki.
Trotzkn droht den ehemaligen Verbündeten-
Berlin, 28. Inn:. Tretzky soll geäußert b<MN, daß der Rat der Volkskommissionäre eine Einmischung der ehemaligen Verbündeten in die inneren russischen Angelegenheit als einen feindlichen Akt gegen die Selbständigkeit der Sowjetrepublik ansieht.
Der Beleidigungr-prozetz rtiihlmami.
B'. A. Berlin» 4. JE. (Eig. Drwhtk«lickst, zb.) Bor der 7. Strafkammer begann heute früh die Beleidigungsklage, die -die Staatsa-nmaltschast aus Antrag des Reichskanzlers gegen dem Redakteurder „Demischen Zeitung", Dr. Max Lo ba -n, -und den Redakteur der „Alldemtschen Blätter", Dr. Julius D u m k e, angestrengt hat. Die A-nge- klagton werden mach dem ErössnmngAbeschkuß der AmM-age beschuldigt, in ArtikÄin vom 23. und 27. April 1018 in Beziehung ans den Staatssekretär v. Kühlmann zu dessen beruflicher Tätigkeit Tatsachen behauptet zu haben, die geeignet sind, ihn verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung heralbzusetzeu. Vom Answartigem Amt sind erschienen: Geheimer Legationsrat Hetkbronn. Die Anklage vertreten: Staatscmwaltscha-stsvat Rode nnd Staatsanwalt Gutjahr. Außerdem wohnt der Berhanidlmng Gen-eralstaats- anwalt Dr. Plaichke bei. Unter den Zeugen befinden sich Vizekanzler v. Paper, Staatssekretär v. Kühlmann, Gesandter v. Rosenbevg, der Direktor -der Deutschen Bank v. Stauß, Kommerzienrat Dr. Fr jeder ich-Potsdam, Legationsrat Dr. von Hösch, Wirk!. Geheimer Rat Exzellenz Kriege, Lsgations- sekvetär Freiherr v. Gebsattel, Leutnant Anselm, Rittmeister Horstmann, Major <b. Keßler, Reichstagsobgeordneter Major Gras Praschma, -die Chanff-emre Knoll und Radsmacher und schließlich noch der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes Jmstizrat Claas aus Mainz. Ms Ve rtetd ige r der Angeklagten sind erschienen die Rechtsanwälte Dr. Cchllvindt-Berlin und Jacobsen-Hamb-rrrg.
Bor Eintritt in die Berhandlbungen srug der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Westermawn, die Angeklagten, ob die Möglichkeit 'bestehe, diese Sache vorher durch eine Erklärung aus der Welt zu schassen. Sie worden sich auö -den Akten überzeugt haben, ob die Sache erweislich wahr ist die sie behaupten und ob sie sich nicht durch eine loyale ErNärnng erledigen ließ.
Angeklagter Dr. L o h a n: Uns liegt nichts daran, vor dem feindlichen AwAand schmimtzige Wäsche gm waschen. Es liegt mms fein, wie die Herrn KühLnarm ergebene Presse behauptet, Bettlaken-Geheimnisse aufzmdecken. Es liegt nicht nur im Interesse des Auswärtigen Amts und der deutschen Diplomatie, daß die Berhandlung nicht zu Ende -geführt wird. Aber der politisch« Effekt der Aktion geht dahin, Herrn von Kühlmaun als einen politischen Schädling zu beseitigen. Wenn ich die Gewißheit hätte, daß Herr von Kühlmann heute oder morgen oder in absehbarer Zeit zurück- treten wurde, -wäre ich bereit, j ede Erklärung abzugeben, denn ich habe mich -nur mit der politischem Tätigkeit des Herrn von Kühlmonn zu beschäftigen und bin gern bereit, den Privat«' mann v. Kühlm-ann in Ruhe zu lassen. f
Angeklagter Dr. Julius D u-mke: Ich schließe mich
dem an.
Vorsitzender Lcm-dgerichtsdirektor Dr. Westermann: Dann sind die Bergleichsv erh'andlungen wohl gescheitert. .Ich glam-be es nicht nötig zu haben, Herrn von Kühlmann noch zu fragen. (Allgem-cine Heiterkeit.)
AnyeLagter Dr. Loha n: Ich bedauere es im vaterländischem Interesse, aber die ganze Aktion wäre zwecklos, wenn wir den Privatmann von -dem Diplomaten KühLuann trennten, was nicht möglich ist.
Staatsanwaltschastsrat Rode beantragt, die ÖsfenÄich- keit für die ganze Dauer der Verhandlung auszuschließen. Den Antrag werde er in nichtöffentlicher Sitzung begründen.
Verteidiger Rechtsanwalt Dr, Schwindt: Die Verteidigung hat die Auffassung, daß die Sache vor voller Öffentlichkeit verhandelt werden kann und mutz, und zwar im beiierseitigen Interesse. Die Beleidigung ist in der Presse erfolgt. (Hier wird der Derteidiger mit der Bemerkung urrterbrichen, daß diese weiteren Ausführungen in nichtöffentlicher Sitzung ovsclgen müßten.)
Nach ziemlich langer Beratung verkündet der Vorsitzende -als Gerichtsbeschluß, daß während der ganzen Dauer der Verhandlungen aus Gründen der Gefährdung der Staatssicherheit -di« Öffentlichkeit auszuschließen sei. Zugelassen wird lediglich der direkte Beauftragte des Reichskanzlers Geheimer R-egierungsrat v. Cchlieben, während die Vertreter des Auswärtigen Amts sowie die Stc-nographen der Vertvidi- gung in den Ausschluß einbezogen sind. Es begann dann di« Vern-ehmmmg der Angeklagten.
Deutscher Reichstag.
(Schluß des Drahtberichts in der heutigen Morgenausgabe^
# Berlin, 3. Juli.
Vizekanzler v. paqer
fährt in seiner Antwort auf Schetdemanns Rede fort: Es zeigt auch ein geringes Maß von Dankbarkeit für unser« Oberste Heeresleitung, wenn man in dieser Weise über ihr Wesen und ihre Leistungen spricht. Alle Mernungsverschieden- "Witen in Ehren, und auch die Oberste Heeresleitung ist nicht über Kritik erhaben, aber wenn man sie kritisieren will, dann darf man auch nicht vergessen, was sie und das Heer für Deutschland geleistet haben (Lebhafter Beifall rechts.), so daß wir heute überhaupt in der Lage sind, uns über dies« Frage hier so sicher zu unterhalten, wie wir es tun. Wenn man das nicht tut, so verletzt man mit- solcher Kritik groß« Teile des deutschen Volkes.
Wir halten es nicht für angebracht, das; der Abgeordnete Scheidemann uns den freundschaftlichen Rat gibt, daß wir uns möglichst bald zurückziehen sollen, wenn es uns nicht gelingt, ein Verhältnis zwischen der Obersten Heeresleitung zu schaffen, wie es ihm vorschwebt.
Ten Rat können Sie uns leicht erteilen. Meinen Sie, einer von uns sitze zum Vergnügen hier auf diesen Stühlen? Sind Sie sich nicht auch darüber klar, daß die Schwierigkeiten, die wir gegenüber unseren Feinden nnd nach allen Richtungen durchzukämpfen haben, so schwer sind, daß wir oft all unseren Mut zusammenfassen müssen, um all dies zum guten Ende zu führen? Ein persönliches Opfer wäre es für k e i ne n von uns. seinem Rat zu folgen. Handelt es sich denn um unsere Person? Wir sind doch hier dazu da, dem Vaterland zu dienen in der schwersten Zeit, die es je durchlebt hat.
Wir halten es für unsere Pflicht, auSzuharren, und nicht auf jeden beliebigen Rat von irgendeiner Seite hin die Flinte ins Korn zu werfen.
Was würde dabei herauskommen, wenn wir dem Rat deS Herrn Scheidemann folgen würden? Dann sähen wir andere kommen, die entweder dieselbe Politik betreiben, wie wir ve- irieben haben — was soll der Wechsel dann nützen? —, oder sie würden vielleicht den Versuch machen, ohne Fühlungnahme mit der Obersten Heeresleitung die äußere und inner« Politik zu betreiben. Eine solche Politik müßte im ersten Augenblick scheitern. Oder aber — und das ist die Auffassung, wenn ich recht verstanden habe, von der die Herren ausgehen — es wird der Zustand eintreten, den sie für den zweckmäßigsten halten würden, daß die Oberste Heeresleitung sozusagen im Nebenamt auch noch die zivile Politik des Reiches- leiten würde. Dann, so sagen die Herren, wird sich im Augenblick Herausstellen, daß die Oberste Heeresleitung des politischen Verständnisses entbehrt. Dann wird sofort ihre Politik Bankerott machen, und dann ist die Oberst« Heeresleitung nicht mehr, was sie vorher gewesen ist. Aber was, meine Herren, könnte zum Nachteil des Vaterlandes passieren, bis diese Probe ganz ducchgem-acht wäre, und was wäre schließlich durch eine solche Politik für den Frieden gewonnen, den Sie wünschen? Was die Politik des Innern an- belcmgt, so hat Herr Schcidemann behauptet, wir hätten kern rechtes Herz für die Not der breiten Massen. Da tut er uns Unrecht. Wir haben in der Tat ein Herz für die Not der breiten Massen, nicht nur für ihre leibliche, sondern auch für ihre geistige.
Wir wissen, daß die Unzufriedenheit und Mißstimmung im Volke nicht allein von der Ernäbrungsfrage herrührt, sondern auch von der inneren Politik, von der Beschränkung der Bewegungsfreiheft.
In anderen Ländern ist es ebenso. Wir müssen aber fingen, ob man all das so bebandeln kann, wie es die Herren wünschen, ohne Schaden für das Vaterland und für die Siche. Ich meine, in Übereinstimmung mit Vorgängen in anderen Ländern, daß man das nicht kann. Gewisse Einschränkungen der persönlichen Freiheit muß nun einmal in jedem Krieg sich jeder gefallen lassen. Der Mann draußen an der Front weiß nicht mehr, was persönliche Bewegungsfreiheit ist. Wir hinter der Front müssen uns im Interesse des Ganzen gewisse Be- schränkungen ai firleMp, denn wrx haben doch vor allem
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