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Mittwoch, 3. Iuli 1918.
Kbend-klusgabe.
Nr. 304. ♦ 66. Jahrgang.
Der Tagesbericht vom 3. Juli.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.
Erfolgreiche Erkuadungsgefechte. Stärkere Vorstöße der Engländer bei MerriS irad Moyenneville (südlich Arras) scheiterten. In örtliche., Kämpfen nordwestlich von Albert machten wir Gefangene.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Nördlich der Ä i s n e haben sich heut: früh örtliche Kämpfe entwickelt. Zwischen Aisne und Marne hält rege Tätigkeit des Feindes an. Teilangriffe bei St. Pierre-Aigle und westlich von Chatrau-Thierry wurden abgewicsen.
Aus einem amerikanischen Geschwader von neun Einheiten wnrden 4 Flugzeuge abgeschosfen. Leutnant Ndet errang seinen 39., Leutnant Löwenhardt seine»» 33. und :*4. Luft sieg, Leutnant Friedrich und Bizefcldwebel T h o m schoflen ihren 20. Gegner ab.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludkndorfs.
„Die größere Gefahr".
Wie schon berichtet worden, hat Herr Trotzky dieser Tage auf einer Versammlung betont, daß Japan nicht die kleinere, sondern die größere Gefahr für das russische Volk wäre, das unvergleichlich weniger Grund habe, tiefergreifende innere Veränderungen in Japan als in Deutschland zu erwarten. Es gab eine Zeit, wo Trotzky den Krieg gegen Deutschland predigte und zu dieiem Kriege auch rüstete. Wenn er sich inzwischen klargeworden ist, daß nicht Deutschland, sondern Japan der wahre Feind des russischen Volkes ist, so darf dieser S t iM m u n g s n m s ch la g nicht gering angeschlagen werden Er ist nach der Auffassung Berliner Kreise, wie uns von dort geschrieben wird, als wichtiges Symptom in der Haltung der Moskauer Regierung zu betrachten, die heute durch den Mund Trotzkys erklären läßt, daß die Sowjetregierung im Fall eines Landungsversucsts mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln kämpfen würde. Die Worte sind auch gegen die Westmächte gerichtet, denen Trotzky das Ende der russischen Freundschaft anzeigt für den Fall, daß es sie gelüsten sollte, Japan in den Steigbügel zu verhelfen. Es liegen außer dieser Erklärung noch eine Reihe anderer Kundgebungen der Moskauer Regierung gegenüber den Absichten der Entente, Rußland zu „befreien", vor. die nicht weniger bedeutungsvoll sind, weil sie in dem Augenblick erfolgt sind, wo K e r e n s k i im Westen und die L i l j u k o w, Roü- z i a n k o und G u t s ch k o w im fernen Osten das Kriegsbeil auszugraben suchen. Kerenski hat in London eine sehr kühle Aufnahme gefunden, die mit den Bestrebungen der Kadetten und Oktobristen, von denen es heißt, sie möchten einen neuen Zaren von Englands Gnaden haben, noch nicht genügend erklärt werden kann. In Paris soll Kerenski etwas mehr Wärme gefunden haben und im beißen Rom. wo er ebenfalls erwartet wird, dürfte er in der Stunde des neuesten italienischen' Siegesrausches eines begeisterten Willkommens sicher sein. Im nüchternen England bewabrt man sich eben einen klaren Kopf, der die Entwicklungsmöglichkeiten im Osten nicht aus den Augen zu verlieren pflegt. Tie englische Regierung begünstigt augenblicklich offen di? Pläne Miljukcws, in der Annahme, daß es diesem gelingen könnte, auf die japanischen Absichten Einfluß zu gewinnen. In London aber ist man klug genug, zwei Eisen im Feuer zu halten. Im zweifellosen Gegensatz zu Paris, wo man von der Bolschewiki- Regierung nichts mehr wissen will, sucht London die Fäden mit Moskau nicht zu zerreißen, um, wenn weder Miljukow noch Kerenski zu ihrem Ziel gelangen, zur Abwechslung wieder einmal es mit Herrn Trotzky zu versuchen. Es ist ausgefallen, daß in den jüngsten Tagen die englische Presse ihre bisherigen groben Ausfälle gegen die Sowjetgewalten eingestellt und sich lediglich auf krosse Schilderungen des russischen Volkselends beschränkt hat. In Moskau scheint man das englische Spiel durchschaut zu haben. Reuen Annäherungsversuchen von dieser Seite zeigt man sich, wie die obige Erklärung Trotzkys beweist, ablehnend Die Regierungen der Mittelmächte schenken naturgemäß diesen Wandlungen erhöhte Aufmerksamkeit. Die Gefahr eines japani- schen Dorbruchs ist zwar noch nicht beschworen, aber sic kann nicht mehr als unmittelbare Bedrohung angesehen werden. Für die Moskauer Regierung bilden lediglich die Brotschwierigkeiten eine ernstliche Gefahr für ihren Bestand Sind diese aber beseitigt und das kann nur noch eine Frage von einigen Tagen sein, dann dürfte sich anck Lenin am Ruder erhalten, und die Entente und mit ihr die Kerenski. Miljukow, Rodzianko und Gulschkow dürsten das Nachsehen haben. Denn so weit Nachrichten aus Japan vorliegen, ist man
dort der Schwierigkeiten eines Winterfeldzuges gegen die Mittelmächte sich bewußt und will sich stirs erste mit der Festsetzung in Sibirien begnügen, wo die Tjchecho- Slowaken mit den Entente-Mitteln die besten Wegbereiter für das größere Japan gewesen sind. ° Wie über neutrale Länder gemeldet wird, steht in London die politische Welt unter dem Eindruck dieser Erkenntnis, während es in Paris schwer wird, dem Volk die neue Enttäuschung beizubringen.
Englands nördliche Einfallspforte in Rußland.
Berlin, 3. Juli. Die Anfrage des Abgeordneten King im Unterhaus berührte eine der schwebenden Fragen des englischen Verhältnisses zu Nordrußland und Finnland. Wie die „Norddeutsche Mgemeine Zeitung" schreibt, ist an ihr auch das deutsche Interesse stark beteiligt. Die Antwort Lord Robert Cecils, sagt die „Norddeutsche", ist n i ch t geeignet. Klar- heil in die Angelegenheit zu bringen. Man erkennt aus ihr höchstens,-daß die Frage einer großen Aktion Englands vom nördlichen Eismeer aus nach nicht entschieden ist. In dem Tatbestand, den Cecil als im wesentlichen richtig bezeichnete. ist .vergessen" worden zu erwähnen, daß die russische Sowjetregierung formell P r o t e st eingelegt hat gegen die Landung und Anwesenheit englischer Truppen an der Murman- küste. England hat sich jedoch um das Prinzip der Un- verst'hrtheit russischen Gebiets nicht b e k ü m m e r t und würde sich auch bei weitergehenden Entschlüssen nicht darum kümmern, wenn diese Vorteile versprechen. Es ist also Wohl kaum richtig, daß England nur auf das Signal aus Moskau wartete, um gegen Finnland zu marschieren. Daß ein solches von der heutigen Re- gierung in Nordrußland nicht att erwarten ist, weiß man Wohl in London. Aber die Dinge dort können sich wenden und für diesen Fall hat sich England die nördliche Einfallspforte offen gehalten. Aber in Finnland kennt man die Gefahr und wird ihr auch mit deutscher Hilfe zu begegnen wissen.
Die Rriegsvorbereitungen der Entente an der Murmanküste.
W. T.-B. Stockholm, 3. Juli. (Drahtbericht.) Wie .Svenska Dagbladed" aus Helsi.ngfors erfährt, erzählt ein Petersburger Gelehrter, der von einer wirtschaftlichen Expe- ditiin aus Nordrußland zurückkehrte, von Kriegsvorbereitungen der Entente an der Murm-anküste. Danach liegen in den Murmanhäfen zwei englische und zwei französische Kriegsschiffe und in der Pentschengabucht ein französisches Kriegsschiff. In K.indSlaks (?) kam ein Panzerzug mit Engländern, Franzosen. Serben und Russen an. Kem wurde trich eine Garnison von Engländern in eine starke Festung verwandelt. Infolge regelmäßiger Zufuhr aus England sind die Vorräte an Lebensmitteln reichlich.
Ausweisung aller Engländer aus Finnland?
Berlin, 3. Juli. Dem „Berl. Lok.-Anz." wird mitgeteilt, eine hochstehende finnische Seite habe mitgeteilt, daß in Finnland der Beschluß gefaßt werden soll, alle Engländer aus dem Lande a u s z u w e i s e n.
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vie Flucht der russischen Grohfürsten Michael Rlexandroroitsctz.
Sr. Wien, 3. Jnli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Über die Flucht des Großfürsten Michael Alerandrowitsch melden die Moskauer Blätter- In der Nacht znm 15. Juni erschien vor dem Gonvernementspalast, in dem der Großfürst wohnte, eine Abteilung der Roten Garde, bestehend aus Infanterie und Kavallerie, und zeigte dem Wachtkommandanten einen schriftlichen Befehl der Sowjetregierung vor, mit welchem die sofortige Überführung des Gefangenen nach Perm wegen Attentats- aeiahr angeordnet wurde. Da das Dokument keinerlei Verdacht erregte, wurde der Großfürst der Abteilung der Roten Garde ausgeliefert. Er fuhr in einem Auto- mobil fort und ist seither jede Spur von ihm verloren. Als man sich tags darauf von der Fälschung des Dokuments überzeugt hatte, stellt? man Nachforschungen an, die jedoch ergebnislos verliefen.
Die Hdmiralttabsmelduna.
W. T.-B. Berlin, 2. «Juli. (Amtlich.) Im Mittel- merr versenkten unsere U-Boote vier Dampfer von rund 15 000 Bruttoreqistertonnen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
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Die Versenkung eines englischen Hospilalschiffes.
London, 3. Juli. Der Sekretär der Admiralität gibt folgendes bekannt: Am 2b. Juni, 9,30 Uhr abends Schisfs- zeit, d. h. ungefähr 10,30 Uhr englischer Sommerzeit, wurde 116 Meilen südwestlich Fastnet das englische Hospitalschiff
..Llandeverh Castle", Kapitän E. A. Sylvester, von einem feindlichen Unterseeboot torpediert und sank nach etwa 10 Minuten. Das Schiff war auf dem Wege von Kanada nach Hause und hatte infolgedessen keine Kranken und Verwundeten an Bord. Seine Besatzung bestand aus 164 Offizieren und Mannschaften- außerdem waren 80 kanadische Sanitätssoldaten und 14 Pflegerinnen an Bord. Von diesen 258 Personen erreichten bisher nur 24 Überlebende in einem Boote len Hafen. Nachforschungen sind im Gange. Es ist möglich, daß -die anderen noch gesunden werden. Bemerkenswert ist, daß in diesem wie tatsächlich in allen anderen Fällen das deuische Unterseeboot gemäß der Haager Konvention voll berechtigt war, das Hospitalschiff a n z u h a l t e n und zu durchsuchen. Trotzdem zog es das Unterseeboot vcr, die ,Llandevery Castle" zu torpedieren. Eine ergänzende Meldung der Admiralität besigt, daß die „Llandevery Castle" alle für ein Hospitalsch'ff vncgeschriebenen Lichter fithrte.
W. T.-B. Amsterdam, 2 . Juli. Reuter bringt einen amtlichen Bericht des Kapitäns über Einzelheiten bei der Versenkung des Hospitalschistes „Llandevery Castle", dessen Angaben natürlich noch der Nachprüfung bedürfen: Das Schiff ist um 10 Uhr 30 Min. abends in der Nacht vom 27 . Juni 117 Meilen von der Küste versenkt worden. Die „Llandovcrh Castle" fuhr mit 14 Seemeilen Geschwindigkeit. Der Himmel war bedeckt, trotzdem soll sie gut zu sehen und in ihrem Charakter als Hospitalschiff unverkennbar gewesen sein. Tic Explosion des Torpedos war das erste Zeichen der Anwesenheit eines U-Bootes. Die Lichter gingen aus und alle weiteren Vorgänge spielten sich beinahe ganz im Dunklen ab. Nachdem sesigestclll werden war, daß das Schiss manövrierunfähig gcwcrden war, wurde der Befehl gegeben, das Schiff zu verlassen. Das Achterschiff sank zuerst. Ter Bug ragte ans dem Wasser. Der Dampfleflel schien gesprungen zu sein, als Wasser Andrang, dann vcffchwand das Schiss innerhalb 10 Minuten. Das Boo' des Kapitän? fischte 1t überlebende auf. Als es noch zu einem anderen, der um Hilfe rief, bcranfuhr, wurde von dem austauchen- den U-Boot wiedcrbolt der Befehl gegeben, daß das Boot längsseits des U -Bccts kommen solle. Der Kapitän wurde in den K o m - m a n d o t u r m de? N-Boctes gebracht und von dem U-BootL- kommanbanten nach den, Namen des Schiffes gefragt. Der Kommandant sagte, daß die „Llandoverh Castle" acht kanadische Flicgeroffiziere an Bord gehabt hätte. Der Kapitän leugnete eS und erklärte, es seien sieben kanadische Saniiäisunicr- offiziere an Bord gewesen. Das Schiff sei von der kanadischen Regierung gechartert worden für deir Transport von Verwundeten und Gefangenen Auf die erneute Feststellung des Kom- Mandanten, daß dir „Llandoverh Castle" amerikanische Offiziere für die Front beförderte, gab der Kapitän sein Ehrenwort, daß er in den sechs Monaten, die er mit dem Schiff ge- fahren sei, nur Kranke und Verwundete befördert habe. Dann wurde ein kanadischer Sanitäisuntcroffizrer an Bord gebracht. Beide wnrden wieder freigelasscn Später wurde auch der zweite Offizier an Bord des U-Booies gebracht. Diesem erklärte der Kommandant, daß nach der Stärke der Explosion Munition an Bord gewesen sein müsse. Der zweite Offizier erwiderte, daß der Kessel gesprungen und der Schornstein niedergestürzt sei. Auch diesem Offizier wurde erlaubt, in sein Boot zurückzukrhren. Später begann das U-Boot auf ein nicht erkennbares Ziel zn schießen.
Ohne daß bisher der Schatten eines Beweises vorliegt, wird — es bleibt unklar, ob von den, Kapitän, dessen Bericht die erwähnten Einzelheiten entnommen sind oder von Reuter — beh ruptet, daß diese Schüsse den anderen Booten gegolten hätten. Nach 70 Meilen Fahrt wurde das Boot des Kapitäns auf dem Weg zur irischen Küste von dem Torpedobootszerstörer „Lhsander" gerettet.
Anmerkung von W. T.-B: 1. Das Schiff soll als Hospitalschiff deutlich erkennbar gewesen sein, doch fehlt jeder Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung. 2 . Woher soll der Kommandant de? U-Bootes gewußt haben, daß kanadische Flieger an Bord waren? 3 Die kanadische Regierung hat angeblrch da? Schiff auch für Gefangene gechartert, will aber gleichwohl inneihalb von 0 Monaten kerne darauf befördert haben, 4. Die Behauptung, das deutsche U-Boot habe auf die Rettung? boote gefeuert, ist ohne Zweifel eine bewußte offene Unwahrheit 5. Ter Bericht de? U-BootkomMandanten bei der Versenkung muß abgewartet werden.
Der Zriedensvertrag »nit Rumänien.
Sr. Bukarest, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach der Genehmigung des Friedensvertrags durch den Senat, die morgen erwartet wird, wird sich der Ministerpräsident Marghiloman mit dem Minister des Äußern A r i o n nach Wien begeben zum Austausch der ratifizierten Urkunden.
Die Abreise Take Ionescus.
Sr. Bukarest, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Mit dem Sonderzug. der Take Jonescu nach der Schweiz führte, reisten im ganzen 190 Personen, darunter der serbische Gesandte, der italienische Gesandte, der französische Gesandtschnstssekretäx, der russische Marine- attachsi und der spanische Militärattache, zumeist mit Familien. Außerdem war eine große Zahl rumänischer Studenten im Zuge, die teils in Frankreich, teils in der Schweiz ihre Studien forffetzen wollen.
. Rücktritt des holländischen Ministeriums.
Sr. Rotterdam, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie verlautet, wird das holländisch? Kabinett in seiner Gesamtheit um seine Entlassung bitten.
