Verlag Langgaste 21
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Dienstag» 2. Juli 1918.
Morgsn-klusgabe.
Nr. 301. - 66 . Jahrgang.
Der Kernpunkt.
Wir haben durch die ReickistagSrede des Abgeordneten Noske erfahren, daß die Oberste .Heeresleitung mit Unwillen die Artikelüberschrift im „Vorwärts : „Kein Kriegsende durch militärische Ent'cherdungen gelesen hat, daß keine Auslegung der Kühlmann-Rede zulässig ist, die die berechtigt zuversichtliche Kampfentschlossenheit in der Heimat und deni Heere erschüttern könnte. Über die Frage der Zulässigkeit wollen wir uns hier nicht äußern, dagegen sei es Wagt, daß wir es vollständig begreifen, wenn die nnlrtarsichen Stellen so. wre geschehen, sprechen. Nicht bloß begreifen tun wir das, 'andern wir möchten nicht verhehlen, daß auch uns die zngespitzte Formel nicht bchagt, msi der von vornherein erklärt wird, der Krieg könne durch militärische Entscheidungen überhaupt nicht zu Ende geführt werden. Da gefällt uns Herr Scherdemann doch besser als der „Vorwärts", wenn er es für eine Selbstverständlichkeit erklärt, daß wir, wie mir zürn Kampfe gezwungen seien, auch siegen wollen und wollen müssen. Nattirlich wollen wir das 'alle, und es ist schon ganz richlig, daß, wer daneben mit düsterer Tansäcbung gesteht, die Waffen allein könnten es doch niemals silfasfen, auf die Stimmung nicht gerade sehr belebend emwrrkt. Also sei es, um das zu wiederholen, den militärsichen Stellen ruhig zrrqestanden, daß sie im Rahmen ihrer psvchologisch dock bessimmten Berussbetätigring handeln »nenn sie sich gegen kleinmütige Anwandlungen möglichst zu wahren versuchen.
Aber ist denn mit der zugespitzten Formulierung von Siegfrieden und Verständignnpsfrieden, von Machtsrieden und entgegenkommender Fühlungnahme das letzte und entscheidende Wort überhaupt gesagt? Hat es einen Zweck, sich allzrsiebr an solche Begriffe zu klammern, statt sich der Wirklichkeit der Ereignisse anzu- Pasten, aus ihnen zu lernen aus ihnen die Antriebe zu erfolgversprechenden Aktionen zu entnehmen? Es rst ja schließlich sä, und das bat auch Graf Westarp zuge- geben, daß. nachdem die Waffen das Ihrige getan haben werden, eben verhandelt w-erden muß, daß also dre Waffen allein den Frieden allerdings nicht bringen können, sondern daß die Staatskunst der Unterhändler das Jbpige dazu beitraaen muß, um die Früchte der Siege für uns zu sichern. Das bleibt bestehen, so berechtigt anderer seits die Empfindung sein mag, die sich gegen eine allzu eindeutige Auslegung der Kühlmann- Rede gekehrt hat, Andererseits kann, es für keinen nn- befangl'nrn Beurteiler zwoifelbaft sein, daß Herr von Kühlmann selbst weit davon entfernt aewesen rst. An- sichten zu äußern die solche eindeutige Kommentierung, wie die im „Vorwärts", rechtfertigen. Zuerst muß gesiegt werden, das ist ausgesprochenermaßen auch dre Überzeugung des Staatssekretärs. , Auch wenn er das gar nicht hinzugefügt hätte, müßte sede anständige Auslegung ihm ohne werteres zugestehen. daß er es nur so und nicht anders gemeint haben kann.
Auf das Letzte hin angesehen, ist die Lage Hoch die, daß wir zum Frieden, wie wir ihn brauchen, um so eher kommen werden, je wifchtrgcr unsere Schläge ans die Feinde niederprasieln. Man sollte meinen, daß sich auf diese Formelille noch so schroff einander aegenükn rstehenden Gegensätze bei uns einigen könnten. Wer will denn anderes, wer kann anderes wollen, als daß wir in der A u s n u tz u n g unserer militärischen Überlegenheit so weit tme nur denkbar gehen, um so die Bedingungen zu verbessern, unter denen wir später die Verhandlungen führen werden, die, wie ja auch die Oberste Heeresleitung selbstverständlich anerkmen wird, erforderlich sind, um unseren Sieg anszunutzen. Denn ohne Verhandeln geht es einmal nicht und verhandeln heißt, soviel, als sich zu verständigen. Zunächst aber o l e i b * uns bei der Weigerung der Feinde zum Verbau dein überhaupt keine Wahl wir müsten weiterkämpfen, und man sollte wirklich meinen, daß wir unsere Kräfte auch im Innern besser verwenden könnten, als daß wir sie im unfruchtbaren Streit über diese oder jene Forme! für Kriegführung und Friedensführnng zermürben. Gerade weil ursier Hauptfernh, von Ver Handlungen nichts wissen will, sind wir uner bsitlich gezwungen, mit äußerster Kraft an. 'vannung zu kämpfen damit er morgen das it. was er heute noch verweigert. Vielleicht sogar ist k 1 auch vom Standpunk: unserer Lebensinteressen aus ' bedauernswert nicht, daß in Enaland die Stimme „ ec Vernunft noch immer nicht Gehör finden will: wel- - leicht wiederholt sich hier wieder einmal die Geschichte von den sybilli,fischen Büchern, und die Engländer könnten. wenn sie nicht in ihrer starrsinni zen Verblendung beharrtcn. d:n Frieden billiger bekommen, als er ihnen geraten wird. Uns zun: mindesten bleibt nun ein- mal k e i n e W a h l. Es ist ani Ende nichts damit gesagt, wenn hier oao eine« Mnchttrred«. tzsrt von
einem VerständigungSsrieden gesprochen wird^ es kommt ja nicht'am das an, was man toill oder verschmäht. ;on- dern die Weltgeschichte geht ihren eigenen Gang: sie fragt nichts nach umeren Vorlieben und un- ctrn Abneigungen, und so müssen wir es denn gelten lasten, wre es ist. In dem Wort, in dem Entschluß „wir wo llen siegen" könnten wir uns aber jeden- alls und jederzeit alle zusammenfinden, wo wir sonst auch mit eigensinnigen Begriffsbestimmungen stehen mögen.
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HranzSsstche Stimmen zu Rühlmanns Rede.
W.T.-B. Bern, 30. Juni. Die ersten Kommentare der gan.zöfsichen Presse zur Kühlmannrsde sind im allgemeinen recht zurückhaltend. „Humanste" veröffentlicht die Rede odn» Kommentar. „Populaire" bedruert, daß die Kriegsziele wieder nicht bekanntgegeben worden seien. K^ine der beiden Parteien wolle die Initiative ergreifen. Dies dürfe nicht ewig so bleiben. „Journal du Peuple" meint, Küblmann habe eine Anstrengung gemacht, zur Präzisierung der KriegSzielfrage zu gelangen. Sembat bespricht in der „Lanterne" die Rede am günstigsten und sagt, sie sei zwar kein Friedensangebot, aber eine richtige Bemühung, die Frre- densstratze von Hindernissen zu säubern.
Eigenartige Friedensbemühungen österreichischer Politiker.
Br. Wien. I Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.1 Eine Reihe oster- reichisch.r Pclitiker, derrmte, der bekannte Profesior Jammarsch, haben an den Generalsekretär der Union Jnterparlamentaire in ghristiania ein ö.sentliches Schreiben gerichtet, in dem sie bitte«, bei den Parlamenten der kriegführenden Großmächte cmzuregkn, daß die Abgeordnetenhäuser dieser Staaten in gebcimer Abstimmung je 3 Mitglieder wählen möchten, i.m diese zn. einer auf neutralem Boden stattstndenden int er- parlamentarilchen Konferenz zu entsenden. Diese Konferenz wäre berufen, ohne Resolutionen zu formulieren und ohne Beschlüsse zu fassen, die grundlegender: Prinzipien eines al l - gemeinen Friedens zu diskutieren, um dadurch zu ermöglichen, daß unter dem Eindruck der gegenseitigen Aussprache jede der Delegationen ibrcn Parlcmnnten die de'.p Ziele «atsprechenden Vorschläge unterbreiten Vielleicht wurde so eine Verständigung er- reicht, wen» auch Vertreter der suhlenden neutralen Staaten an jeder Besprechung teiluehmen.
Neue heftige RLmpfe bei Asiago.
W.T.-B. Wien, 1. Juli. sDcahtbericht.) Amtlich verlautet vom 1. Juli, mittags: Von der Piavefrvnt keine beisonderen Ereignisse. Südöstlich »»« Asiago kam eS erneut zu heftigen Kämpfen. Da der Col del Ross» und der Monte di fal Bella sich nur unter großen Opfern hätten behaupten lasse», wurden die Besitzungen dieser Punkte in die früheren Haupt st rllungen am Wald von Stenfie zurückgenommen.
Südlich von C a n o » a bei Asiago wiese« wir feindliche Erkundungen ab.
Unsere Land- und Seeflieger unternahmen im Mündungsgebiet der Piave erfolgreiche Flüge gegen militärische Anlagen des Feindes und kehrten vollzählig zurück.
Der Chef des Geueralstabes.
Sielbewutzte deutle klnsiedelungspolitkk in Kurland.
w. T.-B. Kvwno, 1. Juli. (DerhtbrrieP.) Generalfeld' marschall v Hrndenburg hat als Chef des Generalstabes dcs FeltheereS, wie d:e „Baltischen-Litauischen Mitteilungen" erfahren, unter dem 17. Juni eine Verfügung über die Bodentrage in ten Gebieten der östlichen Militärverwaltung erlassen, die in großzügiger Weise die Besiedelung Kurlands anbahnt. Sie hebt hervor, daß, wenn die von Rußland jahrhundertelang vernachlässigten Randstaaten in den schützenden Kreis des deutschen,Wictschaftslebens treten, das ganze Volk und die All-gemeinhert den Nutzen haben sollen. „Volkswohlstand besteht nicht in einer kleinen Zahl von Großknvitalisten, sondern in einer mög- lichst großen Zahl leistungsfähiger, selbständiger, heimfrster und heimfroher Startsburgvr, die dem Staate das liefern, was ec er in alle-erster Linie braucht: Menschen, gesund an Leil und Seele. Ein solches Geschlecht von Siedlern läßt sich r:ur begründen, wenn die Spekulation ferngehalten wird." Durch zielbewnßte Handhabung der vom Generalquartiermeister vom Oberbefehlshaber Ost erlassenen Verordnungen sind die gemeinschädlichrn Gefahren der Boden- Preissteigerung zu bannen und einer gesunden Besiedelung des Landes die Wege frei zu halten. Die vom gleichen Tage dotierte Verordnung des Geneealquartiermeisters Hahndorff über diese Landabqabe und Siedclnng in Kurland verpflichtet jeden kurländischen Rittergutsbesitzer, dessen Grundbesitz die Größe von 300 Hektar erreicht, der L a n d - gesellscha't Kurland als Trägerin des Ansiedelungs- Unternehmen? ein Drittel seines gesamten Areals für Zwecke der Besiedelung rm Weg« des Kaufvertrags zum Friedenspreis des Jahres 1011 zu überlassen. Die Verpflichtung ist zunächst in dem Umfrng zu erfüllen, daß jede? beteiligte Gut 25 Prozent seiner Flächen cm die Land- gesellschaflKurland verkauft. Die restlichen 8s/> Proz. sollen nach Möglichkeit freihändig zum Friedenspreise des Jahres 1914 durch die Landgesellschaft Kurland erworben werden. Die -Verordnung gilt auch für die im Herzogtum Kurland gelegenen Fideikommisse.
ver Befehlshaber der lvstsseflotts hingerichlet.
Stockholm, 30 Juni. Am 21. Juni hat das Rcvo- lutionsgericht in Petersburg den früheren Befehlshaber der £ stseeflotte zum Tode verurteilt. Die Ankütge behauptete. Schtscbastni habe in der Flotte den Boden sür die Gegenrevolution geebnet und zu diesem Zweck das Gerücht verbreiten lassen, die Ratsregternng beabsichtige, die Frotte Deutschland zu überlassen; er habe ferner heimliche Be- feble sür W Spreng.ung der Krönstädter Festungswerke veröffentlicht und eine Minendivision in Petersburg für gegenikevolurionäre Zwecke zurückbebalten. Das Uttel wurde am 2L. Juni tu Peters bu rg Bag gm tt,
Oer ktbendbericht vom 1. Juli.
W. T.-B. Berlin, 1. Juli, abends. (Amtlich. Draht- lericht.) Örtliche Leilkämpfe südlich des O u r c q.
3u den <^fangenen? und Beutezahleu • im westen.
W.T.-B. Berlin, 1. Juli. (Drahtbericht.) Der dcutsche Heeresbericht vom 1> Juli veröffentlicht die Gefangenen- und Beutezahlen aus den Kämpfen im Westen seit dem 21. März 1918. In der gewaltigen Zahl von 191 454 Gefangenen sind, wie der Heeresbericht herbvrhebt. insbesondere die unverwundeten Gefangenen einbegriffen. Zählt man die verwundeten Gefangenen hinzu, so steigt die Gefangenenzahl um Tausende über das zweite Hunderttausend, denn bei der Zähigkeit und Erbitterung, mit der sich der Verteidiger vor allem bei Beginn derßdeusichen Offensive wkhite, waren die blutigen Verluste der Engländer und Franzosen gewaltig. Bei der ver- bliiffenden Schnelliqkeit, mit der die deutschen Sturm- truppen überall vordrangen, fiel ein großer Teil der verwundeten Gefangenen in deuffche Hand. Die gemeldete Beute ston-2478Geschützen und 15 (^Maschinengewehren umfaßt gleichfalls nicht die englisch-französischen Gesamtverlusie. Geschütze und Maschinengewehre fielen an zahlreichen Stellen dem deuffchenEroberer nicht nur völlig unversehrt in die Hände, sondern auch mit allem Zubehör. Richtmitteln und Protzen, Bespannung und vor allem mit überreicher Munitions- aiErstattung. Hunderte von Geschützen unÜ Tausende von Maschinengewehren wurderz so von der kämpfenden Truppe unmittelbar in Gebrauch genommen. In diesen Zahlen offenbart sich die ganze Größe des bisher erstrittenen Kampfzieles, das ja nicht der Erreichung einer geographischen Linie, sondern der Vernichtung der lebenden und toten Kriegsmittel der Entente gilt. Was an englisch'm.nnd ftanzösischen Kerntruppen in den bis- herben Angriffsschlachten außer Gefecht geletzt worden ist, läßt sich durch noch w große amerikanische Massen niemals ersetzen.
Zum Untergang der „Koningin Regentes^.
W. T. B. Amsterdam, 1. Juli. (Drabtbericht.) Die Niederländische Telearaphen-Agemur meldet aus dem Haag, daß der Schleppdampfer „Zeeland" am Samstagmittag zur Untersuchung de? Wracks des Dampfers „Koningin Reaentes" ausaefahren war. Er ist alsbald wieder nach den neuen Dip zurückgekehrt, da er von dem Wrack keine Spur mehr entdecken konnte.
Dis Knk'a"s gegen Vratianu.
Br Bukarest, 1. Juli. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das „Neue Bester Journal" veröffentlicht eine Unterredung mit einem rumänischen Politiker, der über die Anklage gegen Bretianu mitteilte, daß alle Parteien u. a. folaende Anklagepnnkte fordern: 1. Bratianu hat ohne Befragen der Volksvertretung, eigenmächtig den früheren Miierten Österreich-Ungarn und Deuffchland den K r i e g erklärt. 2. Er hat entgegen den verfassungsmäßigen Bestimmungen bewaffneten Truppen einer fremden Macht den Eintritt auf rumänischen Boden gestattet. 3. Er informierte den König falsch über die militärische Lage, insbesondere verschwieg er sorgsam, die Berichte des Berliner rumänischen Gesandten Beldiman. 4. Bra- tionn übertrug einem Günstling, den, General Iliescu, die Führung der KrieaSgeschäste, der es vermied, mit fähigen Militärs zusammenzuarbeiten. 5. Bratianu hat mit der Entente den Bündnisvertrag eigenmächtig abgeichlossen und eine ungenügende militärische Hilfe von nur 50 000 Mann von Rußland gefordert. In einer Reihe weiterer Punkte wird Bratianu der B e- stechung von Abgeordneten anaeklagt. denen er für die ganze Kriegsdau.er täglich 125 Franken in Gold gezählt habe, ferner wird er beschuldigt, durch, die Dernicht'.rng der Petrolcnmgnellen das rumänische ssiationalvermögen aufs tchwerste geschädiat und unerhörte Unterfölcife von StaatLüelderL « - dul det LU havM
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