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12 Ausgaben.

Berliner Abteilung des Wiesbadener T-gblatts: Berlin S. 57, An der Apostelki rche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow K20Ü and 6803.

rantag, I. Juli 1918. klbend-klusgabe. Nr. 300.

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66. Jahrgang.

Oer Tagesbericht vom 1. Juli.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht.

Die Gefechtstntigkcit lebt: am Abend an vielen Stellen er Front auf. Lebhafte Erkundungstätigkeit hielt an. Gütz- sche Teilangriffe nördlich von Albert wurden abgewirsen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen Aisnc uud Marne rege Tätigkeit des Feindes, llebrsach stieß Infanterie zu starken Erkundungen vor. Bei ibd südlich von St. Pierre-Aiglc griff der Franzose gegvn Mitternacht nach heftiger Feuervorbereitnng an. Gr wurde obgewiesen. Gbenso scheiterten hier nächtliche Vorstöße des lcindes.

Leutnant Löwen Hardt errang seinen 32. Luftsieg.

Nach Abschluß der Prüfungen beträgt die Zahl der seit unsere» Angriffsschlachten 21. März 1918 -isher über unsere Sammelstellen abgcführten Gefangenen (ausschließlich der dunst die Krankenanstalten zurürkgcführten Verwundete») 191154. Davon'chaben die Gngländer 94 939 Gefangene, dar­unter 4 Generale und etwa 3100 Offiziere, die Franzosen 89 099 Gefangene, darunter 2 Generale und etwa 3100 Offi­ziere, «erloreli. Der Rest verteilt sich auf Portugiesen, Belgier und Amerikaner.

Von den Schlachtfeldern wurden bisher 2476 Geschütze und. 15 024 Maschinengewehre in Beutesammelstelle- zurück- (Jt; ährt. ,

Der Erste Generalanartiermeister: Ludrndorff.

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Ein feindlicher Fliegerangriff auf Mannheim.

Karlr uhe, 2P Juni. (Frkf. Zig.) H.'ut? vormittag jfe* i. - lffi'ie St dt Mannheim von feindlichen Bj |#' artfic- t'^feTi. Leider sind auch fünf Personen |Pll i f.: \z i r )v K u tmd zehn leicht verletzt worden.

... rn Mchr Antwort an Herrn v. Aühlmann.

6. An-st-rdam, 29. Juni. Wle ein hiesiges ftiat: c London vom 28. Jum erfährt, erklärte Lord »ko ecil in einem Gesvräch mit amerikanisck)en Journc ften hente abend, daß seiner Ansicht noch die Rede ".chlmanns grösstenteils an das Ausland und mi die kriegs müden Elemente im eigenen Lande Mir in den anderen Ländern, besonders aber an Englard gerichtet sei. Kühlmann habe den Kleinmüti­gen den Glauben belbrmgen wollen, daß sie erstens von ihm arnehmbare Friedensbrdinaungen erhalten können, Weitere), daß andernfalls der Krieg bei den großen Hilssmifteln, die Deutschland zur Verfügung ständen, noch u u b e st i ni m t e Zeit fortgesetzt werden #ifl|! 5-llihlmann habe nicht mit einer Niederlage des p drohen wollen sondern nur damit, daß, wenn in Vergleich zustandeläme, der Krieg noch auf unbe­stimmte Zeit fo'tgesüh t werden könnte. Es verdiene krachti-lnH, daß Kühlmann Kurland und Litauen richt langer vom Standpunkt der äußeren Politik be­trackste. S«ne Hauptforderungen seien erstens: eine histori'che Grenze, zweitens: koloniale Besitzungen,

dritten Freiboir der Meere. Nichts in der Kühl- niannsH,en Rede richte (ich gegen die Alldeutschen, während in bezug auf Belgien die Hoffnung belassen worden sei, daß man es behalten werde, wenn man köß-ne. Wenn an den Gerüchten von einem Gegensatz zwschen .Hertling rmd Kühlmann etwas Wahres sei, ch>m könne es sich nur um parlamentarische Meinungs­verschiedenheiten handeln. Er glaube aber nicht, daß etwas Wahres daran sei.

ei-. Berlin, 1. Juli.

Das Reuter-Bureau verbreitet die Auffassung Lon­donermaßgebender Stellen" über die Rede des Herrn v. Kühlmann. Es ist selbstverständlich, daß diese maß- gebende Stelle einzig mb allem die englische Re­st e ring sein kann. In dieser Erwiderung ist es 'w allem lehrreich, daß die Erklärungen des deutschen Staatssekretärs als ein Friedensangebot auf- Maßt werden, und zwar als ein Angebot, das aus- lchließstch an die Adresse Englonds geruhtet tvordea sei. Aus diesen Darlegungen geht also hervor, daß drc Entente sich ans die seinen Unterscheidungen, dre die Staatsmänner der Mittelmächte gelten lassen wollen gar nicht weiter ,-inläßt, sondern die Dinge so nimmt, wie sie eben aussehen, wobei man ihr schließlich nicht unrecht geben karrn. Auch Herr v. Kühlmann wird setzt zur Erkenntnis kommen, daß er mehr Schaden als Nutzen armerichtet hat und dies um so da noch der englischen Auslegung dm Kühlmann- lcko Erklärung in London crl? ein Beweis der Der-

e t b e 11 in Der-ffchkand betrachtet wird. Wir lrnssen paß diese Annahme keinerlei Berechtigung hat. «g? nutzt m»j» Stifte*. 8*3» v-e- LMeocke <m

derartigen Reden billiges Kapital zu schlagen ver­steht. Tic englische Regierungsanffasiung beschäftigt sich mit der Kühlmann-Rcde man muß dies offen zugeben in ruhiger und sachlicher Weise und vermeidet es, in den üblichen Ton der Beschimpfungen und Verdächtigungen zu verfallen. Besonders ein­gehend wird die angMiche deutsche Bedingung nach freier Hand im O st e n behandelt, Ivobei die Londoner Regierung diesen Anspruch rückhaltlos ablehnt und er­klärt, daß rin derartiger Ffteden mil Deutschland nicht geschlossen werden könnte. Die übrigen Punkte des Kühlmannschen Programms werden zwar ausnahms­los erwähnt, ohne daß jedoch des Näheren auf sie ein­gegangen würde.

DieFreiheit der Meere" faßt man in England als den deutsäjen Anspruch ans das Recht freier R o h st o f f- zusuhr arrf. Diese Betrachtnnasw>eise erschöpft ledoch die Frage natürlich nur teilweise. Reuter läßt die An­gelegenheit offen, was begreiflich erscheint, da es sich hier um ein Problem handelt, das England ganz be­sonders am Herzen liegt und denen Löiung der eng­lischen Negierung begreiflicherweise überaus heikel er­scheint. Man wird die Frage aufwerfen müssen, warum die Londoner Regierung diese Gelegenheit nicht benutzt habe, um Farbe zu bekennen, was sie ja zweifellos tun konnte, wenn sie ein gutes Gewissen besessen hätte. Offenbar ist dies aber nicht der Fall! Im weiteren werdeir Herrn v. Kühlmann Unklarheiten zum Vorwurf gemacht.Was find die historischen Grenzen des Deutschen Reichs?" erkundigt sich Reuter mit aut. ge- fpiclter Naivität, obgleich es doch aus der Hand liegt, daß diese Angabe etwas ganz fest llmrissenes darstellt, woran nicht zu drehen und zu deuteln ist. ferner wird bei Herrn Kühlmann die* notwendige Bestimmtheit be­züglich der Kolonien vermißt. Auch hier gefällt sich die englische Regierung in der Pose der Einfalt und hsisi Hgsisillgiageit, otffckon es natürlich keiner besonderen Gabe des Erraten« bedarf, um zu verstehen, was der deutsche Staatssekretär aemeint hat.

Man hat im allaemeinen den Eindruck, daß die Lon­doner Antwort darauf hinzielt, eine Diskussion hervorzurufen und das zu erzeugen, was man dann hinterher triumphierend alsdeutsche Friedensoffensive" abtun kann. Es gilt also davor auf der Hut zu sein, denn keine Erörterung mit England führt zu einem greifbaren Ergebnis, son­dern dient ausschließlich dazu, den Staatsmännern der Entente Material für ibre Werbet'itigkeit zu liefern, ihren Völkern den Rücken zu stärken, den sin­kenden Mut zu beben und Sftmmnng im Verbände zu machen. Zu oft war man in Deutschland aufrichftg genug, um auf solche Angelhaken anzubeißen und den Herren in London und Paris zu wohlfeilen Erfolgen zu verhelfen. Schließlich scheint auch die Rede Herrn von Kühlmanns keine andere Wirkung gehabt zu haben. Wenn daher im deutschen Reichstag nach dieser Rede Unruhe und Mißbilligung sich bemerkbar machten, so zeigt es sich jetzt, daß diese Anftasiung »ine gerecht­fertigte Kritik der Erklärung .Kühlmanns darstellte. Leider haben diese Kritik und auch die Erklärungen des Grafen Hertling nicht zir verhindern vermocht, daß die Rede Herrn v. Kühlmanns senen Eindruck hcr» vorrief. den sie in London ganz offensichtlich ausgeübt hat. Das einmal entflohene Wort kann nie mehr sin- geholt werden! Herr v. Kühlmann wird sich jetzt selbst saaen, daß er schwere Fehler begangen hat. aber auch diese Selbstvorwürfe können an dem Geschehenen be­dauerlicherweise nichts mehr ändern und den Schaden hat eben das deutsche Volk zu tragen.« Die billigste Genugtuung dafür ist zweifellos, daß ein Diplomat, der io wenig Umsicht an den Tag gelegt hat, sein Amt möglichst schleunig einem geerqasteren Nach­folger räumt.

ver augenblicklich« Stand der RAhsmanu-Rrlse.

Sr. Drrff«, 1 . Juli. lEig. Drnhkbericht. zb.) I« derBoss. Ztg." schreibt Georg Bernhard zur.Krise: Es

ist richtig, daß heute bereits die .Kühlmannkrise eine H e r t l i n g k r i s e ist. Wenn der Reichskanzler Herrn v. Kühlnmnn halten wollte, nachdem der Staats­sekretär selbst die Ergebnislosigkeit seiner Politik eingestanden hat, r c wäre das gleichbedeutend damit, daß der Reichskanzler eine auswärtige Politik­deckt, die zu gar keinem anderen Ergebnis führen kann, als die Zuversicht im eigenen Volke h e r a k> z u m i l d e r n und die schließlich? Zuversicht beim Feinde zu erhöben. Daß Graf Hertling diese Politik nicht decken will, hat er durch leine Rede im ReickMtag deutlich bewiesen. Für alle Hellhörigen konnte aber Herr d. Kühlmann von jenem Tag ab nur notft als Verweser des Staatssek'etariats im Auswärtigen Amt gelten Die Knhlmsnnkrffe wird dann erst beendet fein, loenn dis Person des Nachfolgers düs Staats- ' stckvetärS amtlich &efaaartifflflr&en tetafc.

Oie Reife -es Ranzlers ins Hauptquartier.

Berlin, 1. Jnli. Reichskanzler Gcar v. Hertling ist gestern abend 8s4, Uhr vom Potsdamer Bahnhof ins Große Hauptquartier abgereist. In seiner Begleitung befanden sich der Unterstaatssekretär in der Reichs­kanzlei v. R a d o w i tz, der Vertreter der Obersten Heeresleitung beim Reichskanzler Oberst v. Winter» f e l d und der Sohn des Kanzlers Rittmeister Graf Hertling. Der Aufenthalt des Kanzlers im Haupt- quarfter dürste etwa eine Woche dauern. Als Zweck des Besuches werden allgemein politische Be­sprechungen, insbesondere die kommenden Bündnis- Verhandlungen mit Wien angegeben.

Oie Lage im russischen Osten.

Br. Siedfiolm, 1. Juli <Eig. Drahtboricht. zb.) Bon der finnischen Grenze qing dem Berichterstatter derBosi. Ztg." fol­gender Bericht zu^ Mein Gewährsmann, der soeben aus Petersburg gekomn'in ist, schildert die Bcrhältnisie folgendermatz«,: Das

gesamte asiatische Rußland hat sich definitiv von der Moskauer Negierung losgesagt. In West.' sibirien geht die Bewegung unter ausgesprochen moittt- chiftischem Zeichen und ier Bruder des Zaren, Großfürst Michael, der sich gegenwärtig in Perm befindet, hat für seine eigene Person auf die Krone verzichtet, agitiert aber für die Be- rufuna des ftnberen jungen Thronfolgers, wobei er selbst die Regentschaft übernebmen will Diese Bewegung ist keineswegs ententefreundlick, waS schon daraus erhellt, daß die briti­schen Konsuln in Krasnojarsk und Omsk mit knapper Not der Ber- haftimg entgingen, daß ihnen der drahtliche Berkehr überhaupt ver- koten ist und ibre Krrrespondenz streng überwacht wird. In Ost- s i b i r i e n rmd der Mandschurei dagegen sind die Bolschewik: gemeinsam von den Tschecho-Slr. Waken und den Sozial- revolutionären gestürzt worden, die zweifellos im D i e n st t der Entente bandelten. Gegenwärtig bangen Kadetten and Oktobrislen acwisiermaßen in der Lust, denn die ententefeindliche Strömung in Wcsisitirien verhindert ihren Anschluß an diese. Der Austuf zwischen Ural und Wolga stcht ebrnsnlls unter den, Elnstuh der Entente und bat antimonarchische Tendenz. Während in O st s i b i r i e n an ein kriegerisches Borgeben gegen die Mittel- «ächte nichr gedacht wird, wird überall zwischen Ural und Wolga von einer Wiederaufnahme des Krieges gegen Deutschland gepredigt. Die dortigen Kriegshetzer waren e? auch, die K e r e n S 1 1 nach London entsandten. Die Aufstellung der neuen Roten Armee geht wegen des Mangels an Offizieren, namentlich in Petersburg und anderen Städten, nur wesentlich vorwärts, während in Moskau selbst sowie in vielen andere« Be- zirken klägliche Resultate erzielt worden sind.

Lin Erfolg der deutsch-Ssterreitchifcheu Rrieasaefanyenen aeaen dieLicktecho-SIowaken

W. T.-B. London, 30. Juni. Reuter meldet aus Charbin: Die österreichisch--mischen Krimsgesanqe- nen besetzten Irkutsk. Die Tschecho-Solwakeu zoL-en sich in der Richtung ans Krasnojarsk zurück.

Ern Elnareifen der Entente ln Rustland?

W. T.-B. Wie». 1. Juli. (Drahtbericht.) Die Moskauer Nascha Slowo" schreibt: Die Entente hat sich entschlosien, in Ruß­land einzugrcisen. weil dieses die deutsch« Fordermrg auf Ausliefe- runz der Schwarzen-Mcer-Flott« angenommen hat. Ein Aus. trete,, der Entente in Sibirien au der Murmanküste und bei Archangelsk sei zu aew'ärtigen. Die Sowjetregierung wird in diese« Falle Deutschland um Hilfe dttlen.

Eln neuer Sowjetelnfpruch bel England.

W. T.-B. Stockholm, 30. Juni Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur erhob das russi­sche Kommissariat der auswärtigen Angelegenheiten durch eine Note bei der enalischen Rccrierung gegen die Anwesenheit englischer Truppen im M » r m a n - gebiet Einspruch. In der Note wird betont, daß das arbeitende russische Volk keine andere Sorge habe, als in Frieden und Freundschaft mit allen anderen Völkeni zu leben. Es bedrobc niemand mit Krieg, keine Gefahr könne Enaland von seiner Seite drohen. Der Einfall der bewaffneten englischen Abteilung sei durch keiner­lei aggressive Nnternehmung russischerfeits veranlaßt. Die Note drückt die sichere Erwartung aus, daß die eng­lische Regierung die der internationalen Lage wider- svrechende Maßregel rückgängig machen werde und daß das rusiische arbeitend? Volk, das innigst wünsche, in ungestörten freundschaftlichen Beziehungen zu Eng­land zu bleiben, nickt gegen seinen Willen nt eine Loge versetzt werde, die seinen aufrichffgen Bestrebungen nicht entspreche.

Uebsrfall lm rnsflschen Rckterbnnmlnlfferrnn,.

Z. SloSholm. 1 Juli. (Ei?. Trahtberickst. zb.) In Moskau drcms eine bewaffnete Bande in das Bolkskoiumiffacrat für Acker­bau ein rmd entsernte die Regicrrngsbehörden, wobei 2 Millionen

Rrrbel entwende! wurden.

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Kereuski in Paris!

zv. T.-B. Paris, 80. Juni KerrnM ist, begleitet von sei««« Sekretär und Freund Fabrikant, hier eingetroffen. Fabrikant er­klärte kaut HavaS, daß Kcrenskr seit dem Noveurber-Staatsstreich in

M«s k cru und Petersburg fccsl btt CsPST&tn&e« eimgtt SBcoafee in Lächerbev «riebt b-üe.