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Verlag Langgaffe 581

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Sonntag, 20. Juni 1918. WSVgEN-KUZgtlbL. Nr. 299. . 66. Jahrgang.

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Die Boljchewili gegen die Entente.

Schneller als erwartet treiben die Dinar in Ruß­land einer endgültigen Klärung zu. Die Verfechter der Freiheit der Nationen",> Ententemächte haben für die russische Freiheit nichts übrig als H o h n, denn diese will sich für die Freiheit Englands nicht von neuem verbluten, nachdem das Reich io schwere Opfer gezahlt hat. Nur Ho hg haben die Bolfcheiviki auf ihren Protest gegen die Besetzung der M u r m a n k ü st e durch England als Antwort erhalten. Nur Hohn ist der Vormarsch der t s ch ech o - s l o w a k i > ch e u Hochver­räter durch Sibirien ins europäische Rußland, denn ihr Ziel ist die Vernichtung dieser jungen russischen Frei- beit. Hinter ihnen sollen nach Englands Wunsch die japanischen Heere das endlose Land überfluten, um auf den letzten Trümmern russischen Lebens eine neue Front gegen die Mittelmächte aufzurichten. Freilich sind) wie die Dinge bellte liegen, diese japani­schen Truppen noch weit. Präsident Wilson ist sin zu kluger Rechner,-ffrls daß er nicht von vornherein sich der Gefahr sür die amerikanische Politik und Wirtschaft Bewußt wäre, die ein japanischer Einmarsch und damit die lopanische Festsetzung im asiatischen Rußland mit sich bringen müssen. So reife.i^insolge des ameri­kanischen Widerstandes hier die Dinge lange nicht so schnell, wie England es wünscht. Inzwischen ge­winnen die Bollchewiki Zeit, die entlassenen Soldaten­jahrgänge wieder zu den Waffen zu rufen und gegen die verhältnismäßig geringen tschecho-llowakiichen Scharen zu marschieren. Dielen werden auch die En­tenteossiziere die russischen Kadettensnhrer und monarchistischen Generale kaum viel zu helfen vermögen. Was sie an Erfolgen bisher erzielt Aachen, war nur niög- lich, weil gegen sie so gut wie keinerlei Widerstand an Ort und Stelle vorhanden war.

Indessen beginnt in das Chaos der russischen staatlichen Neubildungen langsam Klarheit zu kommen. Im Kaukasus haben sich aus dem Rahmen der zer- sallencn Transkaukasischen Republik drei neu? natio­nale Kleinstaaten gebildet, der tatarische um Baku, der georgische itm Tiflis und der armenische im Süden Transkaukasiens. Nach der Besetzung der von der Bolschewikiregierung im Brest-Litowsker Friedensvertraa freigeaeh'men kaukasischen Kreise Kars, Ardahan und Bntum haben türkische Streitkräfte diese Landstriche besetzt und sind zurzeit zur Sicherung der Bahnlinie Kars-Täbris sowie zur Sicherung ihrer mesopotamischen Ostflanke im Vormarsch durch Nordpersien begrsssen. Vertreter der drei Klein­staaten haben sich nach Kons^nttnopel b°geben, um dort mit den türkischen Staatsmännern und den Diplomaten der übrigen Vierbi-ndtzmächte über die staatliche Zu­kunft ihrer Republiken und deren Verhältnis zu den Mittelmächten zu konferieren. Auch zwischen der neu- gebildeten Regierung der Don komkenrepublik im Norden de? Kaukasus und der Ukraine werden Der- Handlungen gepflogen, um das staatliche Gefüge gegen- über den Nachbarn sicherzustellen. Die Ukraine selbst steht bekanntlich seit einiger Zeit in Verhandlungen mit der großrussischen Regierung, deren wesentlichster Punkt die Festlegung der staatlichen Zugehörigkeit der beiderseitigen Grenzgebiete betrifft. Diese Verhand­lungen haben in ihren wichtiasten Punkten bereits zu einer Einigung geführt rmd. lasten eine baldige end- gültiae Übereinkunft erwarten. Wäbrend so im Süden des Reiches die außenpolitischen Schwieriakeiten für die Bolschewiki im Schwinden bearifsen sind, steht für ste, wie schon erwähnt, im Norden, entlang der Mukmanbahn und in Ostkarelien. die Gefahr wachsender Ententetreibercien vor der Tür. Diese Ge­fahr aber siebt im engen Zusammenhang mit der für die russische Frcibeitsregieri,ng aus dem Osten über den Ural kommenden Sie wird mit di-ser zugleich erledigt werden müssen. Und. wie es scheint, mit Ge- Walt. _

Der Kbendberkcht vom 29. Juni.

W. T.-B. Berlin, 20. Juni, abends. (AnElch. Draht» beriM.s Bon den Kampffronten nichts Neues.

Stärkster Ausbau der Sperrstellungen von Amiens und Hazcbrouck.

Br. Zürich, 29. Juni. (Ei}. Drahtbericht. zb.) Aus Pari? erfährtCorners della Sera", die Sperrstellungen bei Amiens und Kazebrouck seien durch die verbündeten Truppen noch allen Regeln der modernen Befesti­gung S k» n ft aufs stärkste ausgebnut worden. Die Eng­länder batten, unterstützt von Amerikanern, Belgiern und Portugiesen. Tag und Nacht gearbeitet. Man habe die Zahl der Gräben verdreifacht und überall zementierte Zitadellen urit einem Netz von Stacheldcaht angelegt. Auch die Zahl der Geschütze wurde gewaltig erhöht und durch die fortgesetzt «intrefsevden amerikanische« Truppe« die Kahl der verfüg. bmttn

Französische Flieger über schweizerischem Gebiet.

Br. Basel, 29. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Heute vormittag gegen 11 Uhr wurden zwei fremde Flieger gesichtet, die nördlichen Kurs in der Richtung guf die deutschen Linien nahmen. Das allgemein einsetzende Abwehrfeuer läßt ver­muten, daß es sich um französische Flieger handelt. Im ganzen sind aas schweizerischem Boden sechs Ge­schosse niedergegangen. Aller Wahrscheinlichkeit nach fiiib cs Bra idb-omben neuer Konstruktion. Die «uh- tärische Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.

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Ein amerikanisches Nrklamereqiment an der italienischen Front.

W. T.-B. Washington, 29. Juni. (Drahtbericht.) Das Reutersche Bureau meldet- General Pershing sen­det sofort ein Regiment amerikanischer Infanterie ab, welches sich mit dcn italienischen, enalischen und franzö­sischen Streitkrästen an der italienischen Front vereini­gen soll. Der Z >v e ck,f>er Absenduug der Truppen ist die moralische Wirkung, die, wie man hofft, auf die Österreicher ausgeübt werden wird.

Baker, der amerikanische Krieassekretär, er­klärte, daß eines der setzt in Frankreich stehenden Regi­menter für diesen Zweck ausgesucht werde, bemerkt je­doch die? dürfe keineswegs als das Maß der amerika­nischen Anteilnahme an der italienischen Front und ihre Größe gedeutet werden die später ausgeführt werden würbe.

ftev Londoner Krbs*terlionorest.

Br. Rotterdam, 29. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) DerNieuv>e Rottcrd. Courant" nreldet ans London: Der Arbeiterkongreß nahm einstimmig einen An- - trag, an, der die Abschaffung des Oberhauses fordert. Das Nnterbausmitali-'d O'Gradv brachte einen Antrag ein, der die nnnerziigliche Durchführung der H o m e r u l e für Irland fordert. Er fordert die Staatsbürger der sihers^effch-n Dominions aus, daraus zu bestehen, daß die Reichsregierung die Rege­lung dieser Frage ihnen übertrage.

Ein scharfer schwedischer Angriff aus Branting.

W. T. B. Stockholm, 29 Juni. (Drahtbericht.) Zu ' Brantings Austritt aus der Tonung der englischen Ar­beiterpartei schreibt ..Ntza Daalibt Allihanda": Bcantinr hat sich ans diese Weise deutlich gegen einen Verständi- gungsfriedtm ausgesprochen. Es würde wenig bedeu­ten, wenn er nickst als leitende Persönlichkeit der schwe­dischen Regierungspartei in w unglücklich hohem Grade das jetzige offizielle Schweden repräsentieren würde. Die Blamage ist rim so bedauerlicher und kennzeich­nender, als sich Branftng offenbar im Widerspruch mit der Mehrheit der englischen Arbeiterpartei befindet. Durch scinc wegwerfende Äußerung, daß Troelstras Verhandlungen mit Scheidemann vorsichtig waren, ist seine Stellung vor der -europäischen Arbeiterwelt end- gültig klar.

Eine irische revolutionäre Bewegung in Australien.

Br. Genu 29, Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der stell­vertretende Premierminister von Australien, Watt, kündigt an, daß eine Anzahl von. Führern der irisch - republi­kanischen Brüderschaft verhaftet wunde, die eine großzügige Organisation zur Errichtung einer unab­hängigen irischen Republik in Australien aufge­baut hätten. Es werde ein besonderes Gerichr eingesetzt, um eine öffentliche Untersuchung der bisherigen Tätigkeit dieser australisch-irischen Körperschaft durchzuführen.

Lin neutrales Urteil über Australiens Ansprüche auf unsere Kolonien.

W. T.-B. Ehristiania, 29. Juni. In einemAustralische Monroedoktcin" übecschriebenen Arstkel schreibtDogblodet". auch Australien habe jetzt eine Formel über seine Politik ge­funden, welche der Monreoboktrin entspreche. Seir^e Staats­männer erklärten, sie könnten keinesfalls zugeben, daß Deutschland seine pazifischen Kolonien zurückerhalt«. Da- Blatt sagt, die neue Monroedoktrin sei einseitig, wende sich nur gegen eine Macht, sei aggressiv und beschränke sich nicht darauf, gegen Neuerwerbungen zu protestieren, sondern ziele auch auf ältere Besitzungen. Die Behauptung, die deutschen Kolonien hätten nur militärischen Zweck, sei insofern stich­haltig als ein gleiches von den Kolonien der anderen Mächte gesagt werden könne. Auch England und Frankreich ziehen keinen ökonomischen Nutzen aus ihren pazifischen Kolonien. Man müsse sich deshalb unwillkürlich fragen, mit welchem Recht Deutschland aus dem Fahrwasser vertrieben werden solle. Nur eine Antwort sei möglich, näinlich mit dem Recht des Stärkeren. Da Deutschlands Feinde nie das Argument vem Recht des Stärkeren Deutschland gegenüber anerkannten, so verlieren sie jede Begründung für ihre Kriegsziele. Es sei bekannt, daß Deutschland großen Wert auf die Wieder- erlangung seiner Kolonien lege. Die australische Monroe- doktrin sei also außerordentlich ze.'ährlich für die Wiederher- . JMUma de» fcoebca* {mmc für, titwi kmtrjujkn 3cm**«,

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 29. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich ver- lautet vom 29. Juni, mittags: Bei Eenson und No-

venda di Piave versuchten feindliche Erkundungsab­teilongen, den Fluß zu übersetzen. Sonst überall Artillerie- käu-.vfe wechselnder Starke.

Der Chef des GemeralstcckS.

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(Eine (Erklärung des ungarischen Minister­präsidenten über den Rückzuc'.

\V. T.-B. Budapest, 29. Juni. (Drahtbericht.) Im Ab­geordnetenhaus hat gestern zu Beginn der Sitzung Minister- präsident Dr. W e k e r l e eine Erklärung abgegeben, in der er u a. avsführte: In Verbindung mit der letzten

Offensive, insbesondere mit unserem im Gebiete der Piove und Brenta erfolgten 'lior rüden und unserem Rückzug sind so weitgehende unglaubliche Ausstreu­ungen im Umlauf, daß ich mich zur Feststellung des Tat­bestandes und um die übertrisbene.r Nachrichten auf^ ihnen wahren Wert zurückzufiihren, zur Beruhigung der öffent­lichen Meinung mit voller Aufrichtigkei: vor der Öffentlichkeit zu äußern wünsche. (Hört! Hört!) Ich hielt es sür meine Pflicht, diesbezüglich von der Heeresleitung unmittelbar In- kcrmationen einzuholen, die ich dem Hause mitzuteilen wünsche. Zunächst stelle ich fest, daß wir mit voller Aufrichtig­keit olle Kriegsnachrichten veröffentlichen. Das HauS weiß, daß wir an der Piave und an der Brenta vorgedr>rngen sind und um Menschenleben zu schonen, Sa die Festhaltung unserer Position mit riesigen Verlusten verbunden gewesen wäre, unS an der Piave zurückgezogen haben, und nur an der Brenta manche okkupierten Gebiete gebalten haben. Bei diesem Rückzug sind insgesamt 12 000 Gefangene in die Hand des Feindes gelangt. Gegenüber der Riesenziffer, welche diesbezüglich kolportiert wurde, will ich aus den Berichten des Generals Diaz, also ans den italienischen Berichten fest- stellen, daß zusammen bloß 12 0 90 Gefangene beim Vordringen und beim Rückzug in die Hand des Feindes gefallen sind. Im.übrigen wurde der Rückzug sehr planmäßig vollzogen. Die Italiener ... (Lärm links; Rufe: Wieso? Hat man vielleicht neue Brücken gebaut?) Jawohl, auch beim Rückzug wurden Brücken gebaut und die Heeresleitung hebt besonders hervor, daß unsere Sappeure wirklich bravouröse Leistungen vollbrachten, so daß der Rück­zug gelingen konnte und nur die zur Deckung des Rückzugs nötige» Truppen jenseits der Piave belassen wurden, welche dann natürlich in Gefangenschaft gerieten. Ich will daher feststcven. daß der ganze Rückzug, wie dies auch der Honved- miniüet frftgestcllt hat, so planmäßig und ohne Aufsehen ge­schah. daß die Italiener selbst nach dem Rückzug diesen nicht bemerkten, sondern noch Angriffe g:gen unsere Schützen- graben und überhaupt gegen unsere frühere Position und gegen frühere Stellungen unserer Truppen fortsetzten. Honvedminister Szurmay: Der Angriff wurde auch zu- rückgeschlagen durch unsere Artillecie. Ministerpräsident Wek« rle- Wenn ich trotz dieser traurigen Ergebnisse von dem Ganzen Folgerungen ableite, steht ohne Zweifel fest, daß wir den Italienern bedeutende Verluste vernrsacksten und sie binderten, einen erhebliche« Teil ihrer Truppen an die Westfront zu senden, was im Interesse der ge- meinscbaftlichen Kriegführung ohne Zweifel ein Ziel ist, de» zu erreichen ebenfalls unsere Pflicht« war. Diesen Zweck haken wir a u ch e r r e i ch t. So traurig auch die Ergebnisse sind, glaube ich, wenn wir die Geschehnisse in ihrer Gesamt­heit in Betracht ziehen, können dieselben vom Gesichtspunkt der Kriegftihrung aus nicht als eine Niederlage be- zeWnet werden. Alle diese Operationen haben dem Feind« größeren Schaden verursacht als uns; wenn wir aber den Zweck nicht erreicht haben, daß wir große Fortschritte hätten machen können, so haben wir doch keinerlei Ursache, unser Vertrauen zu verlieren. Sowohl die Armee wie das Land können beruhigt sein, daß uns hier größere Verluste nicht treffen werden, daß unsere Stellungen gesichert sind unb d<-ß, wenn wir auch keinen vollständigen Erfolg hatten, wir der Tätigkeit unserer Armee in Zukunft und dem Aus­gang des Krieges mit Vertrauen entgegensehen können. Der Ministerpräsident sicht dann Vergleiche zwischen den Verluste n dieser Offensive mit der 10. und 11. Jsonz». Offensiv« der Italiener, und stellte fest, daß dos VerhältniA umgekehrt ist. daß nur »2 000 österreichisch-ungarische Truvpen in Gefangenschaft gerieten, während diese selbst 50 000 Gefangene gemacht haben. Se kann ich. fährt er fort, dieses Ergebnis vom strategischen Gesichtspunkt an? als be­ruhigend bezeichnen. Viel trauriger ist der V e r l u st. den wir an Toten, Verwundeten und Kranken er- litten. Ein großer Teil fällt auf die Kranken. (Abg. FenyeS: Und der Hungerr) Der Ministerpräsident gibt noch die Ge- samtzakl der Verluste auf 100 000 an. (Bewegung.)

W T.-B Wien, 29. Juni. < Drahtbericht.1 Zu der von dein ngarischcil Ministerpräsidenten abgegebenen Erklärung über di: Verlustzifsnn anläßlich der jüngsten Ossensive gegen Italien wird dem K. und K. Ärirespendeiisiaireau von maßgebender Seite ein Kommentar gegeben, woiiach die Zahl von 100000 al? aus einci irrrüniliä, en Aufiassung beruhend de- zeichnet wird. Tie in dem Vergleich mit der 10. mid 11. Json«o- schlacht angedclUcteu Vcrlvstziisern beziehen sich nicht aus die Piave- stonl, noch weniger aus die rom Ministerpräsidenten angeführte» 70 Jnsantericregimenier allein, sondern ans dt« ganz« Fr»»t toMi AoH tu t iMt lim fjpteumm km