Verlag Langgaffe 21
Kch»lter-Halle g-Sffvrt von S Uhr morgens W* 7 Uhr oben»«.
wöchentlich
lly-ld
m°r-rs»g 19. fÄle ifiSSKTrae'SSS TCTKkr i”brt* "[ffl ££ Land orten und im Rheingou die betreffenden Tagblon^ Träger.
»ierteliShrlich dnr» den «erlag deulllden Poftantzalren. ouSIWIietzlich tn Wiesbaden die Zweigstelle BiS- -iadt; in Biebrich: die dortigen AnS-
12 Ausgaben.
Fernrufr
„Tagdlatth-iis" Nr. S65l)-Sz.
Bon 8 Uhr morgens bi» 7 Uhr abend», außer Sonntaz».
.ne-Prei« skr die Zeile: V> Sfj. ,«r Sriliche Anzeigen: SS Psg. für auswärtige Anzeigen; l. für oriltche Reklamen^ 2.50 Ml für auswärtige Reklamen. — Bei wiederholter Aufnahme unver-
Berliner Abteilung des WieSbLdeaer Tagblatts: Berlin W. 57, An der Ap-st-lkirche 7,1. Fernsprech«: Amt Lützow 6202 und 6203.
Samstag. 29. Iurri 1918. •
Morgen-Kusgabe.
Nr. 297. ♦ 66. Jahrgang.
Die «rise.
O Berlin, 27. Juni.
Mit großer Beflissenheit hat Graf Westarp, indem er seine Befriedigung über die Kanzlerrede vom Dienstag aussprach, einen Trennungsstrich zwischen dem Grasen Hertling und Herrn v. Kühlmann gezogen. Graf Hertling soll nur ja und möglichst schnell erfahren, daß die Konservativen und die sonst zu ihnen haltenden Gegner des Herrn v. Kühlmann nicht darauf aus sind, auch den Kanzler zu stürzen. Offenbar ist aber auch Graf Hertling selber der Meinung, daß kein Grund und Anlaß vorliege, seine Stellung auf ihre Tragfähigkeit hrn jetzt besonders prüfen zu müssen. Man kann nichr wissen, welche Unterhaltung am Montagabend oder am Dienstagvormittag zwischen Hertling und Kühlmann stattgefunden hat, man möchte aber glaubeii, daß bst Reichskanzler seinem Staatssekretär keineswegs dankbar die Hand gedrückt, sondern ihn mit aller Offenheit davon unterrichtet hat, wie störend ihm dessen Mon- togsrede in den Weg geraten sei. Auffallend ist es immerhin, mit welcher Entschiedenheit die „Germania" plötzlich von Herrn v. Kühlmann abrückt. Dies Blatt, das schon infolge der früheren Fcaktionszugehörigkeit des Reichskanzlers manche wichtige Beziehungen hat, erklärt mit dürren Worten, solche Dinge wie die vom Montag und Dienstag dürften nicht vorkonimen, wer! sie das Ansehen des Deutschen Reichs schädigen. „Wenn Kühlinann gesprochen hat, ohne wenigstens die wichtigsten Sätze seiner Rede mit dem Reichskanzler vereinbart, ohne sich mit ihin darüber verständigt zu haben, so wäre das nicht in Ordnung, und noch weniger wäre es in Ordnung wenn er eine so wichtige Rede improvisiert hätte. Der Reichskanzler, der politisch allein Der- antwortlrche, hat dann das Nachsehen und mag sich den Kopf zerbrechen, wie die.Ausführungen des Staatssekretärs wieder einzurenken find. Und dann bleibt vielfach der üble Beigeschmack. als ob die Regierung keine Konsequenz hatte. Don Inkonsequenz kann aber dann keine Rede sein, wenn der Reichskanzler vorher die Gedankengänge Kühlmanns nicht gekannt hat." Das sagt ja nur die „Germ." und nicht Graf Hertling, aber das Zentrumsblatt wird schon wissen, warum es sich in dieser ungeschminkten Weise äußern darf. Nun entsteht freilich die Frage, ob mit der Isolierung der Krise auf die Person des Herrn v. Kühlmann das Schlüsselwort der gespannten Lage gefunden sein könnte. Wir sind der Meinung, daß diejenigen, die nur von einer Kühl- mann-Krise sprechen, die Sach" leichter nehmen, als sie es verdient und fordert. Warum eigentlich soll Herr v. Kühlmann gehen? Doch nur, weil er einen Standpunkt vertreten hat, der höchst einflußreichen" Personen außerhalb der Volksvertretung und auch außerhalb der bürgerlich-politischen Welt beträchtlich mißfällt, während die Mehrheit des Reichstags durch nichts zu verstehen gegeben hat, daß sie dies Mißfallen teilt. Wir lassen uns hier nicht auf eine kritisck>e Würdigung der Rede des Herrn v. Kühlmann ein, wir wollen nur einen Tatbestand feststellen. Und der ist und bleibt doch der. daß der Staatssekretär, wenn er demnächst zurücktreten sollte, dies nicht infolge eines ausgesprochenen Mißtrauens der Mehrheit tun würde, sondern wegen eines unüberbrückbaren Gegensatzes zu einer Minderheit und deren mächtigen Freunden außerhalb des Reichstags. Don dieser Betrachtung aus wollen wir es gebührend ernst nehmen, wenn jetzt die Sozialdemokratie ganz deutlich erklärt, der Fall Kühlmann ist ein Fall Hertling. Hinter dem Artikel des „Vorwärts", der die Kühlmann-Krise als Kanzlerkrise behandelt, steht ganz sicher mehr als bloß die Autorität des Verfassers. Es ist naiv zu glauben, so heißt es da, der Reichskanzler könnte den Staatssekretär des Auswärtigen aut Höheren Befehl einfach davonjagen und dann ruhig in seinem Amte bleiben. Würde Herr v. Kühlinann wegen seiner Rede vom Montag entlasse n, so wäre damit eine vollkommen neue politische Lage geschaffen, die Boraussjungen, auf denen sich der Bestand der gegenwärtigen Regierung aufbaut würden damit hinfällig. In der Entlassung KuhlmannS wsirde man einen Beweis dafür erblicken, daß fick, in Deutschland kein Minister in seinem Amte halten kann, der die Möglichkeit eines durch Verständigung herbeigeführten Friedens auch nur von ferne an- zudeuten wagt. Der „Vorwärts" fährt fort: „Soll der feindlichen und der neutralen Welt nicht dieses Schauspiel geboten werden, das die Ausfassung, Deutschland sei von Militaristen und Eroberungskanatzikern beherrscht, vollkommen rechtfertrgt, daun mutz Kühlmann jetzt bleiben, wenn Hertling bleiben soll So möglich oder unmöglich die jn vielen Farben schillernde Gestalt dos Staatssekretärs auch kern möchte, am unmöglichsten wäre die Erscheinung eine? Reichskanzlers, der ihn wegen seiner Rede vom Montag opferte um selber bleiben zu könrsen. Ist Kühlmann unmöglich, jo ist es
Hertling auch: Kühlmannkrise ist Kanzlerkrise." So der „Vorwärts". Noch einmal: das will nach seinem Gewicht gewürdigt sein, nämlich in der Richtung, daß, wenn die Sozialdemokratie tatsächlich auf diesen! Boden steht, die Folgen für den Zusammenhalt der gegenwärtigen Mehrheit verhängnisvoll werden könnten, wofern Graf Hertling eben nicht der Meinung ist. daß die Krise auch seine »Stellung berühre. Jn keinem Falle ist die Sachlage so einfach, daß es in das Belieben der jetzt so erfolgreich arbeitenden Minderheitsgruppen gestellt bleiben könnte, selbstherrlich darüber zn bestimmen, an welchem Punkte die Krise Halt zu machen hat.
Ser Rbendbericht vom 28. Sun?.
W T.-ß. Berlin, 28. Juni, abends. (AmÄich. Drahtbericht. 1 Nördlich der Lys und südlich der A i s n e kämvf- ten wir in der Abwehr heftiger Teilangriffe t>eS| Feindes.
■> Exzar Nikolaus.
* Br - Berlin, 28. Juni. <Eig. Dcahrbericht. zb.) Die russische Botschaft in Berlin hat aus Moskau die Mitteilung-erhalten, daß von dem Arbeiter- und Soldarenrat in Jekaterinvnburg ein Bericht eingegangen ist. wonach dac Gerüchte übe: die Ermordung des Zaren unoe gründet sind.
W. T.-B. Kiew, Juni. „Washa Rodima" erfährt von einem Mitglieds der Sowjet-Regierung, daß das Gerücht über die Ermordung des früheren Zaren falsch sei. Der Zar und seine Familie seien gesund und außer Gefahr. Unwahr sei auch das Gerücht, daß der Zar vor das Revolutionstribunal gestellt werde.
Die Organisation Ser sozialistischen Krmee.
W. T.-B. Moskau, Juni. Die hiesige Presse meldet: Ina Gouvernement Wologda geht die Formierung der Militärkommissariate sehr langsam vor sich. Es herrscht großer Mangel an militärischen Spezialisten. Nach einem Befehl des Militärkommiffariats des Moskauer Eifenbahnbezirkö erstreckt sich die Einberufung auch auf die Eifenbahnbeamten.
Die Petersburger Tslegraphen-Agsntur meldet, daß die Organisation der sozialistischen Armee in Kern gute Fortschritte macht.
Die Zeitungen in Wologda bringen Äußerungen der Ententevertreter in Wologda, daß die Sowjet- Regierung fester stehe, als sie anfangs angenommen hätten.
Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentaar aus Taschkent ist in Ä u ch a r a eine revolutionäre Bewegung im Gange.
Rückkehr eines Teils ver Schwarzmeerflotte nach Sewastopol.
W. T.-B. Berlin, Juni. Ein Teil der Schwarzmeerflotte mit dem Linienschiff „Wolja" kehrte aus Noworoffrjsk nach Sewastopol zurück. Ihr Kommandant, Admiral Seablin, Hot sich nach Moskau begeben. Der in Kiew weilende Bolsche- Wiki-Delegierte Beglow erfuhr vom Autzenkommissar Tschit- scherin, daß die Matrosen der Schwarzmeerslotte nach Eintreffen des Moskauer Funkspeuchbefehls, die Flotte nach Sewastopol zu schaffen, zur Feststellung der Richtigkeit dieses Befehls eine Delegation nach Moskau sandten. Die mit der Bestätigung des Befehls nach Nowocossijsk entsandten Sowjet- Delegierten seien von Kosakck abgefangen worden. Tschit- scherin dementiert das Gerücht über die Verpachtung von zwei Liuienschiffen der Noworo.lijsker Flotte an Deutschland.
*
Ein großes Eisenbahnprojekt in Finnland.
Br. Moskau, 28. Juni. lEig. Drahtbericht, zbsi Das Hauptdirektnrium der Eisenbahnen hat im finnländischeu sevat Vorschläge gemacht, das Projekt einer Eisenbahn durch ganz Finnland von Süden nach Norden zu bestätigen. Der Bau dieser Eisenbahn steht in direktem Zusammenhang mit der Murmanbahn.
vie Londoner Rrbekterkonferenz.
London, 28. Juni. Der Povlamemtsberickterstatter der „Times schreibt, daß die acht Mitglieder der Arbeiterpartei, die der Regierung angeboren, heute über ihre Lage beraten. Auf Grund guter Informationen kann mitgeteilt werden, daß die Mitglieder der Arbeiterpartei den Beschluß der Konferenz <tls sehr ernst betrachten. Er kämst in ihren Angen auf eine KrteyserMäamng gegen die Rsgievunig hinaus. Man befürchtet, daß er zu einer definitiven Spaltung in den Reihen der Arbeiterpartei führen wrpd.
W. T.-B. London, _ 27. Juni. (Reuter.) Angesichts Henderson»- ibch'timlmter Erklärung, daß die Anbei terparte: nicht wünsche, daß die Arbeiterminister aus der Regierung cmsfcheiden, verlautet, baß die Arbeiterminister be- schlossen haben, nicht zurüchzutreten, wenigstens nicht im gegenwärtigen Augenblick.
Das Ende des Burgfriedens in England?
W. T.-B. Rotterdam, ?'. Juni. Der „Nieuwe Rotterd. Tovrant" meldet noch folgendes über die gestrige Sitzung der Londoner Arbeiter?nuf:ren.;- Nach der Rede des Präsidenten des Bergarbeiterverbandes Smillie, der die Hoffnung aussprach, daß das Ende des Burgfriedens für die Ergänzuugs. nmhLn auch das Ende der Beziehungen der
Arbeiterpartei zur Regierung bedeuten würde, waren fair alle Reden gegen die Regierung gecrchtet. Tie Redner setzten sich für den Rücktritt der Minister der Arbeiterpartei ein. Min-.ster Barnes sagte u. a., der Beschluß, den Burgfrieden aufzuheben, würde die Minister aus der Arbeiterpartei in eins wenig beneidenswert: Lage versetze». Er gehe von Personen aus, die in den letzten J-rhren alles verbucht hätten, aus der Kriegsmüdigkeit Münze zu schlagen. Diese Menschen hätten von Anfang an i-rder Regierung Steine in den Weg geworfen. Sic hätten Gerüchte über Fingnzleutc im Ausland verbreitet und alles getan, um daS Volk von denjenigen, die ven Krieg führen, zu trennen. — <Slt,ne3 sagte am Schlüsse seiner Rede: Die Frage, um die es sich bandle, sei folgende: Ist die Arbeiterpartei jetzt, wo sie ihre Friedensbedingungen aufgestellt hat, bereit, für diese Bedingungen zu kämpfen?
Lin revolutionärer Eisenbaynerftreik in Portugal.
Br. Berlin, 38. Juni. (Erg. Drahtibe-richt. zb.) Die „R»rdd. Allig. Zckg." meldet: In Portugal ist ein Eisenbahnevstreik 'wuSgebrechen, der rcvcklutionäoen UrsprurrgS ist und ollS Transportmittel des ganzen Landeis zum Stillstand gebracht h-tt. Nach zuverlässigen Nachrichten, di« durch die Zensur durchgekommen find, handelt es sich um ein groß angelegtes Komplott, dos die Unterbrechung- des Eisenbahnverkehrs ^benutzen wollte, um die Hauptstadt des Landes mit be- waffneter Hand anzugreifen. Eine große Zahl der Führer der Bewegung ist v e r ha f t e t wovdsn, jedoch läßt die Zensur ihre Namen nicht inS Ausland .bringen. Die Prli-ei hat in verschiedenen Teilen Lissabons B o m b e n-entdeckt. Die portugiesischen Postbehörden schicken di« Brres- sendunoem durch Schiffe nach Qportv, von wo sie auf Rollwagen weiterbefördert werden. Unterdessen sind die Eisenbahnen und die Station von der republikanischem Garde besetzt worden, wobei es zu zahlreichen blutigen Zusammenstößen Mischen den Truppen und dem Bahna-ngesteU- tem gekommen ist.
Grubcnarbeitrrstrrik rn Spanien.
W. T.-B. Madrid, 26. Juni. (Havas.) Nachrichten au? Cordova zufolge wird angesichts der Ablehnung der Forderungen der streikenden Grubenarbeiter von Pencreya die Lage für ernst gehalten. Der Gouverneur griff energisch «in, um den Streik zu schlichten.
Verkürzung der Arbeitszeit in Norwegen.
W. 1 .-B. Ehristiania, 2'. Juni. Im gestrigen CtaatSvat wurde die Einbringung eines Gesetzentwurfes beschlossen, der die Regierung ermächtigt, die Arbeitszeit in den industriellen Betrieben, so weit di: Verhältniff? es möglich mechen,
48 Stunden wöchentlich herabzusehen.
Ein Gasarbeiterstreik in Ehristiania.
W. T.-B. Ehristiania, 28. Juni. 460 Gasarbeiter haben die Arbeit in der städtrschen Gasanstalt niedergelegt und ver- longen einen seck>8ständigen Arbeitstag. Infolge dieses Streiks ist jeder Gasverbrauch sowohl für die Beleuch- p i.g wie für das Kochen eingestellt. Über 20 000 Familien sind ohne KochgaS.
Der amtliche türkische Bericht.
W. T.-B. Konl.'antinvpel, 28. Juni. Ärmlicher Tagesbericht vom 26. Juni: Palästinafront: Auflebende
Artillerie- und ErkundunqStätigkeit auf de: ganzen Front. Ein A,-griff starker Erkundungstruppen des Gegners im Küstengebiet und vorfühlende feindlich« Patrouillen wurden abgewiefen. Stoßtrupps und Patrouillen von unr führten erfolgreiche Erkundungen durch. Auf dem O st j » r d a n - Ufer drangen wir mit einer Abteilung dis zur Jordarr- müudung vor. Begleitende Batterien überraschten mit ihrem Fever feindliche Kavallerie im Lager. AufklärungstruppS «exten über den Fluß. Entgegengeworfene feindlich; Kavallerie wurde durch unsere Artillerie zerstreut. Nach der Zerstörung feindlicher Blockhäuser zog 'ich Ke Abteilung '. nge- stört vom Gegner auf ihre Ausgangsstellung zurück. Der überrasckäe Gegner fand zu wirksamen Gegenmaßnahmmr keine Eielegenheit. Von der übrrgen Front nichts Neues.
»
Rus Persien.
W. T.-B. Konftantinopel, 27. Juni. (Meldung des Wiener Korvesp.-BureauS.) Die Agentur Milli erhält aus Persien die Nachricht, daß zur Vergeltung der durch die Engländer erfolgten Verhaftung Suleiman Mirzas und serner Expedition in Bagdad der Befehlshaber der Armee der ist-a- mitischen Vereinigung in Reicht. Mirza Äuetschuk Khan, den englischen Konsul, den Direktor der Englischen Bank und einen englischen Offizier, der mit d:r Organisation der armeuisiben Banden betraut war, die sich in der genannten Stadt leiinden, in Gefangenschaft setzte. Daraufhin brachte die englische Regierung bei der persischen einen scharfen Protest ein, der mit der Besetzung persischen Gebiets und mit der Absendung vou Streitkräften gegen Rescht drohte, sisllS die oben genannten Personen nicht fceigelaffen würden. Die periische Regierung antwortete, indem si: gegen di? englischen Ilnitrtekc ' in Persien Verwahrung einlegtc. Mirzas Autorität erstreckt sich über die ganze Provinz Galan, und über einen großen Teil der Provinz KsSchin.
