Sette 2. Freitag, &8. Aum 1S18.
Wirsüavr«rr TagdLaLr»
Aüend-Ansqaste. Erstes Matt. Nr. LNK.
versenkten Truppensckiff uwtergegangen waren. Über die Verluste des in der Nacht vom 10. zum 11. Mai torpedierten französischen Truppeutcansportdampfers „Santa Anna" teilt jetzt HavaS unterm 21. Juni mit, daß von 2150 an Bord befindlichen Soldaten und eingeborenen Arbeitern nur 1513 gerettet wurden, der Verlust also 637 Mann beträgt.
W.T.-B. Stockholm, 27. Juni. Laut „Stockholms Tld- niingen" wurde der schwedische Dampfer „Avance" (2000 Lrt.) auf der Reise zwischen Göteborg und Hüll versenkt.
Lord Lurzon über den Völkerbund.
W.T.-B. London, 27. Juni. (Reuter.) Lord Curzon sprach im Oberhaus über die Frage und den Grundsatz eines Völkerbundes sowie die Bildung eines Tribunals, dessen Anerkennung durch eine entsprechende Sanktion erzwungen werden könnte. Ich kann keinen Grund sehen, warum wir nicht sogar noch während des Krieges einen Vorschlag erörtern sollten, der sofort nach dem Kriege zu verwirklichen wäre. Ein Bund des britischen Reiches und ein Bund von 20 bis 25 verbündeten Nationen, um de» deutschen Militarismus zu brechen, existiert bereits und umfaßt gegen zwei Fünftel der Menschheit. Alle Pläne, die ich geprüft habe, kamen darin überein, daß ein oberster Gerichtshof da sein müsse, dem alle Parteien ihre Streitigkeiten vorlegen müssen, bevor sie einen Krieg beginnen, ferner die Auferlegung eines Moratoriums oder eines AuffchubS, währenddessen Feindseligkeiten nicht erwartet werden dürften, so lange die Entscheidung noch schwebt, und daß jede Partei, die die Feindseligkeiten aufnimmt, als Angreifer betrachtet wird; drittens, daß eine Sanktion zur gewaltsamen Durchführung der Entscheidungen des obersten Gerichtshofes notwendig ist. Diese Grundsätze sind nicht leicht anzuwenden. Wenn wir einen Weltgerichtshof haben, so ist theoretisch selbstverständlich, daß der Bund alle Staaten ein schließen muß; aber der Gedanke, daß Deutschland in einen solchen Bund ausgenommen wird, ist schwer zu denken. Ich wünsche, daß das Haus zunächst dem Grundsatz zustimmt, daß etwa? geschehen muß, um Kriege zu verhindern, oder, wenn das utopisch ist. die Zahl der Kriege einzuschränken und ihre Schrecken zn vermindern. Zu diesem Zweck ist allgemeine Übereinstimmung erforderlich. Wenn sie zu etwas führen soll, so müssen schließlich alle wichtigeren Staaten der Welt an ibr teilnehmen. Es wird gut sein, wenn wir uns nicht übereilen. Wir wollen versuchen, zu irgend einem Bündnis cder einer Konferenz zu kommen, zu denen diese Staaten gehören könnten. Keiner von diesen Staaten dürfte das Recht buben, einen Krieg zu beginnen, ohne die Vorlage e^nes Streitfalles und einen Schiedsspruch. Wenn ein Staat diese Vereinbarung bricht, so würde er ipso facto sich im Kriege mir den anderen Staaten befinden. Diese würden einander belftn, obne daß irgend eine internationale Polizei zur Dcstrafung des Vertragsbrüchigen notwendig wäre. Die kleineren Staaten könnten die? durch wirtschaftlichen Druck, größere Staaten durch militärische und maritime Mittel tun. Wir sollten eine Gelegenheit zur Diskussion vorsehen, bevor ein Staat zu den Waffen greift. Jeder Staat, der es avlebnt, Streitfragen vor eine Konferenz zu bringen, wurde als moralisch vogelfrei anzusehen sein. Wen-- einmal dieser Gedgnke aufgenömmen ist, ist schon viel erreicht. Das sind zurzeit die wünschenswerten Suuptlinien, auf denen die englische Regierung vorzugehen vorschlägt
Kerestsfti auf btt Londoner Krbeilerkonferenz.
W. T.-B. London, 26. Juni. (Reuter.) Kevenski erschien gestern nachmittag auf der Arbciterkonforonz, wurde von Hendersom der Versammlung vovgöstellt und mit leibhaftem Beifall empfangen. Er sagte: „Ich betrachte dm Empfang, der mir zuteil geworden ist, nicht als eine Sympathiekundgebung für mich sondern für die russische Demokratie, die fii das von uns allm so teure Ideal kämpft. Ich. komme direkt von Moskau und halte es für meine Pflicht, als Staatsmann und Sozialist dem mglifchen Vo-A und den Völkern der gan- zm Welt mitzuteilen, daß das ru-sstsche VM und die vusstsche Demokratie gegen die Tyrannei kämpfen. Das russische Volk kann nicht gebrochm und kann nicht unterdrückt werden. Ich glaube, ja ich bin dessm jicher, daß das russisch« Volk sich Ihnen bald für die große Sache der Freiheit anschließen wird." Ws KmenSki seine Rede bemdet hatte, fragte ein DcLegierter, als wessen Delegierter Kerenski spreche, und stützte hinzu: „Wenn
Kermski hat kommen können, weshalb du-rfte Troelstra nicht kcmmon?" Ter Vorsitzende erklärte, daß eine solche Frage gegenüber einem Manne wie Kermski nicht nur eine Beleidigung, sondern sogar eine große Beleidigung sei. Es entstand ein großer Tumult. En-Mch wurde fast einstimmig beschlossen, daß der Delegierte, der di« Siöru-ny verursacht hatte, Weggehen müsse.
W. T.-B. Amsterdam, 27. Juni. Das „Mgemeen Handelkblad" n «ldet aus London, -das plötzlich« und unerwartete Erscheinen Kerenskis auf der Apbeiterkcmferenz habe großes Aufsehen gemocht. KerenSki schritt, ohne an gemeldet zu sein, ruhig durch dm mitÄerm Gang der großen Halle im Westminjster auf dar Podium zu. Als er das Podium betrat, wurde er vcn H « n d « r s o n -begrüßt und dem Vorsitzen- dm - -vorgestellt.^ Einige Telegimte hielten ihn für T r o e l ft r a. Sie glandtm, daß cs Troelstra auf irgend «ine Weis« gelungen sei, die Paßschwierigkeitm zu überwinden, und Matschten Beifall. Ms Henderfon den Namen Kerens-ki -auSrief, wurde der Beifall noch stärker. Kerenski sprach Russisch. Ein Dollmeischer mußte seine Rede übersehen, vermochte aber nur in allgemeinen Zügm wiederzugeben, was KevmSki zu der Versammlung sagte.
D^is Ende des englischen Burgfriedens.
W. T.-B. London» 28. Juni. (Drahidericht. Reuter.) An» Gesichts Henderfons Anschauung, daß die Arbeiterpartei nicht wünsche, daß die ArbeitervertretM aus -der Regierung auSscheiden, verlautet, die Avbeiterminister hätten beschlossen, nicht zurüc^utretm, wenigstem«?. nicht im gegenwärtigen Augenblick. .
Ein Mißtrauensvotum der itnlienischen Flüchtlinge für Lnzzatti.
W. T.-B. Bern, 28. Juni. (Drcchtbericht.) Wie «Hopolo d'Jtalic," berichtet, haben die in Florenz tagenden Flüchtlinge ans den besetzten Provinzen dem ehemaligen Minister Lnzzatti, der als Regierungs- kommissar für die Flüchtlings zu sorgen hat, sin Miß- trauensvotum erteilt. Das Blatt kilmibt. daß Luzzatti Ihm leisem A uf t r ag zurücltreten wird.
vie österrelchirche rtoblnetlskrlse.,
W. T.-B. Wien, 27. Juni. Nach -dem Blättern hat der Ackerbaumimster Grast Silva-Tarouca -heute m-it de»' Vertretern der Tschechen, Südslawen, Sozialdemokraten und II k r a i n $ r gesprochen, und wird nun dom Kaiser Bericht erstatten. Die Parlamentarier, welche gestern Gelegenheit hatten, -die Anschauung der maßgebenden Faktoren kennen zu lern-vn, geben der Meinung Ausdruck, daß im Vordergrund das Bestreben stehe, den Reichsrat zu emer kurzm Sommertagurig eftizuberustem.
Parlamentarische Lösung der Krise.
Br. Wien, 28. Juni. (Eig. Drahtberichi. zb.) Wie die Tälegrapheri-kompagnie erfährt, hat Kaiser Karl nach Rücksprache mit Parlamentariern aller Pa r t e i r i chtu ngen sich -dafür mtschlossm, -die Lösung der irmcrpoliftscheu Kris« auf parlamentarischem Weg d-urch- zuführm. Das Parlament wiüd Anfang Juli z u - sa mm-entre ten, um selbst «die Entscheidung über feiti Schicksal zu treffen. Sollte das Parlament die Staatsnot- wemldigckeitcm bewilligen, so habe es den Beweis für seine Daseinsberechtigung erbracht. Im entgegem-gestetzten Fall erscheint es aber selbsioerständlich, daß -das Parlament aufgelöst -werde.
Ein Mlnisterrat unter Seidler.
W. T.-B. Wie», 28. Juni. (DrachGericht.) Kaiser Karl vmp-fing in bös-anderer Audienz die R-eichSratsabgeord» neteu Steinw-erider, Pcmh, Pacher und den Ackev-bauminister Graf Silva-Tarouca. Gestern nachmittag fand unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten v. Seidler ein Ministerrat statt.
Kaiserin Zita leicht erkrankt.
W. T.-B. Men, 28. Juni. 'Drahtbericht. Korrespondenz Bureau.) Die Kaiserin Zita ist an einer leichten Influenza erkrankt. Da die Erkrankung einen vollkommen normalen Verlauf nimmt, wird von der regelmäßigen Ausgabe von Krankheitsberichten abgesehen.
Zur Entlassung des Jahrgangs 1869.
Br. Berlin, 28. Juni. (Cig. Drahtberichi. zb.) Durch Ver'üguig vom 18. Juni hat das Kcieysministeruun dem Abgeordneten Waldstein mitgeteilt, daß der im April und Mai d I. ergangene Erlaß wegen Entlassung der Landsturm- pflichtigen des Jahrganges 1860 auch auf solche dein Jahrgang angebörigcn Landsturmpflichtiqen Anwendung findet, die sich vorher zum Verbleiben im Dienste nach der Demobilmachung ve. pflichtet haben.
Wiesbadener Nachrichten.
— Eisenbahnkonferrnz. An der am 28. Juni im „Nassauer Hof" stottfindenden Ministerkonfevenz über Eisenhahnfragen nehmen u. a. folgende Herren teil: Seine Exzelleng Dr. Paul v. Breitenbach, Minister der öffentlichen Arbeiten, aus Berlin; Ministerialdirektor Gustav Franke (Berlin); Freiherr v. Weizsäcker, Exzellenz, Staatsminister, aus Stuttgart; Staatsrat v Stiel er (Stuttgart); Finanz- minister Dr. Joseph Rheinboldt, Exzellcnz (Karlsruhe): Staatsrat Julius Schulz (Karlsruhe); Staatsrat von Weigert (München); Geheimrat v. Voelcker (München); Dtaatsministcr Freiherr b. Me« rh ei mb, Exzellenz (Schwerin); Genera tdi reckt or Dass« (Schwerin); Staatsminister p. Sehdewitz, Exzellenz (Dresden); Finanzminister Graepel, Exzellenz (Oldenburg); Göheimrat Ockto (Dresden); Ministerialdirektor Hoff (Berlin); Ministerialdirektor Dorn er (Berlin) und Regieoungsrat Dr. HauSmann lBsrlin).
— Militärische Nachschau. Zurzeit findet in verschied^ nvn Kreisen bi« militärische Nachschau von Futter- und Brotget-reibe. Kar-tostfeiln und dergleichen statt, die zur Auftech-terhaltuny der Ernährung van Heer und Heimat -erforderlich ist. Vielfach ist nun bei -der ländlichen BevAke- rrng der Mau-be verbreitet, die militärischen RevisiorMom- mondos hätten den Befehl, Kleider, Weihzer-g, Wäsche und dergleichen g-u bsschla-gnobmen und wegzvnehmen. Diese Annahme entbehrt jedoch j-eder -tatsächlichen Grundlage, und die hierdurch geschaffene Beunruhigung ist völlig gegenstandslos. Vielmehr 'haben die Kowmandos ebenso wie in -dem Vorjahren lediglich di« Aufgabe, idiejenigsn Nahrungsmittel zu -erfassen, deren Bereitstellung uns das Du rchh a lten bis zur neuen Ernte sichern soll und wird. Diese Getreide- und Kar- toffelrevisiomem sind im vaterländischem Interesse notwendig und werden mit größtmöglicher Schonung durchgeführt.
— Verbot des Handels von Gemüse mit Kraut. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst, Vevwaltungsabteilung, hat verfügt, daß künftighin Rh-abarber nur noch mit einem Blattansatz bis zu 3 Zentimeter, Mairühen, Möhren und Karotten ü b e r h a -u p t n i ch t mehr mit Kraut gehandelt werden dür- fon. Für die letzter««! drei Gemüsesorten gilt eine Ausnahme nur insofern, als hier der Mse-tz mit Kraut noch für den Fall zugellassen ist, daß die Ware vom Erzeuger mit Fuhrwerck uno dergleichen auf kurze Entfernungen — chne Benutzung der Dahn — an die Absatzstelle, besonder» auf öffentliche Märkte, gebracht wird. Im Vorfahr hat hi« Verladung dieser Gemüse mit Kraut vielfach zu. Unzuträglichkeiten geführt und schl-ech- teS Eintreffen der Ware am Bestimmungsort verschuldet. Die Reichsstelle bat sich daher nach Anhörung der Landes-, Provinzial- und DezirkSstellen und mit deren fast allseitiger Zustimmung zum -Erlaß eines Verbots im -erwähnten Sinne vnt- schl offen.
— Unfall. Der Sckchler Willi Scho-r r, der in der Aar- stratze oberhalb des „Watdecks" unter ein Fuhrwerk geraten war. erlitt so erhebliche Kopfverletzungen, daß er durch die Sanität-wache in das stäldtffche Krankenhaus gebracht werden mußte.
— Winterfahrplan. Die Eise-nlbcchnverwaltun-gen sind mit der Ausarbeitung des Entwurfs für de» Winterfahrplau beschäftigt. Mit eim-er Vermehrung der Pers-omenzüge ist wohl nicht zu rechnen, wohl aber wird es in manchen Fällen möglich sein, die Fahrpläne -bestehend x-r Züge so zu ändern daß sie -eine für -die Bevölkerung günstigere Lage e-rha-lten. Etwaige dahingehende Anträge werden dsc Eisenbahndirektion zweckmäßig jetzt mitgetciN. Wenn wichtigere Interessen -der Industrie und des Handels in Frage kommen, empfiehlt -es sich, die DermitSirng der Hondslsha-m- mern in Anspruch zu nehmein.
— Straßenl,ahnverkehr Dotzheim-Bierstwbt. Von Sonn- tag, den 80 . Juni ab, wird, wie di« Betriebsverwaltung be-
könnt gibt, -das Umsteigen an dm Willhclmstraße wieder aut. gehoben. Die Wagen fahren von Dotzheim wieder durch vis Bierst-rdt und umgekehrt- Abfahrt ab Bierftadt: Werktag? 5.38 und 6.26 Uhr; täglich 6.66, 7.26, 7.56 usw. alle 30 Minuten -bis abends 9.26, S.56, 10D1 Uhr. M« anderen Abfahrt, zetten bleiben wie seither.
— Personal-Nachrichten Dem Intendanten Kammerherrn Dr. v M u tz e n b e <t> e r und oem Hvstheater-Rendantrn H i n tz wurde das Vndicnstkreuz für Kriegshilfe verliehen.
- Kleine Notizen. Die Mitglrederversammlung des ,^katho. fischen Frauenbundes" wurde nicht, wie irrtümlich mtt- gcteilt, an! Dcuncretag abxehclten, sondern sie findet erst am Dienstag, den 2. Jul,, nachinütags *5 Uhr, in der Dienstboten, schule. Dc-tzheimer Straße 8. statt.
Vorberichte über Ktmfi, Vortrag« und verwandtes.
* Rcsidenz-Tlicater. Heute abend 7 Uhr (nicht 7%) findet di« 13. Wiederholung der Operette „Die tolle Komteß" statt- Aus vielseitigen Wunsch wiederholt Baron von der Mopp die Kinder- und Schulervorsiellungen „Struwwelpeter" am Sonntag, vormittags 1t Uhr, und Montag, uachpnttags um 3ft. Uhr.
Aus dem Landkreis Wiesbaden.
BO Schierste,». L7. Sunt. Seine diesjährige Generalversammlung hielt der bicstge Lokalgewerbeverein dahier ab. Der Verein zählt 70 Mitglieder.- Zum Wiederausbau des Schiersteiner Handwerks nach dem Kriege sind bis jetzt 2547 M. eingegangen. Im verflossene» Jahre wurde die gewerbliche Fortbildungsschule von 105 Schülern besucht.
= Naurod, 20. Juni. Maurer Wilhelm Schleuner hi« ist als' Schöfs« ge wo hl- und vereidigt worde».
Kus Provinz und Nachbarschaft.
AuscnthaltsbeschrSnkung i» Hesse».
— Mainz. 27. Juni. Auch das hessische Ministerium des Inner« hat für sämtliche llantgemernLen den Kur- und Erholungsautenthalt Fremder aus vier Wochen beschränkt und dl« Fortsetzung der Landaus«,thaltes an anderen hessischen Orten untersagt. Es find nur wenige Ausnahmen zugelassen. - ,
Den eigenen Sohn erschlage«.
kt. Nackenheim a. Rh., 27. Juni. Aus Ärger über eine« kteiileu Lbsidttk-stakl hat d,e hier wohnende Ehefrau Zimmermann ihren tl jährigen Sohn mit einem Beil erschlagen. Die Frau stürzte sich dann mit ihrem kleinen Kinde in den Rhein. Während die Mutter noch lebend den Wellen entrissen werden konnte, ertrank das Kind. Die Frau, deren Mann im Felde steht, wurde dem Mainzer Krankenhaus zugeführt.
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ö. Moinz-Kastel. 28. Juni. Vorgestern abend wnrde am hiesigen Lchnhof ein Mann angehalten, der mit einem schweren Kaffer noch Frankfurt faincn wellte. Es wurden in dem Koffer Hmnsterwaren de, mutet. Nachdem er geöffnet, faitden sich Seidenstoffe, andere Stoffe und Futterstoffe darin vor. Der Mann kani mit seinen! Koffer auf die Polizei und stellte es sich heraus, daß ein Test der Stoffc. l-csciit-crs die Seide, aus emem Einbruch in ein Eeschäst in Mainz-Kvsiheim herrührte. Der Frankfurter hatte dir 2Lare zu 280« M von einem Mainzer Trödler gekauft, -dieser erhielt die Sachen für J20C M. von tim Sohne eines anderen Trödlers. Der letztere hatte ü: für einige hundert Mark von einem Untickomitcn gekauft. Der Unbekannte wollte sich am Abend einstnden, um das Geld bei dem Sohne des Trödlers zu holen. Cr kam auch und !i-iirte von der Polizei in Empfang genommen. Der Franksürter Käufer, der Trödler und der Sohn des « deren Ttödlcrs kamen tn Untersuchungshaft und leisten dort dem mutmaßlichen Eindrecher Eeiellstliatt.
FC Lorch. 27. Juni. Der im Felde stehende Kanonier Jakob Ramberger ivurde von seiner Frau Anna, geh. Schneider, mit drei Söhne,, beschenkt. Mutter und Kinder befinden sich Wohl. Der Kaiser wurde um die Übernahme der Patenstelle gebeten.
FC Rlederlahnstein, 27. Juni. Ein seit längerer Zeit fahnenflüchtiger Artillerist wurde in Zivil hier festgenommen. Der Inhaftierte, von Beruf Schlosser, sägte die Eisenstäbe seiner Zelle durch und entkam wieder.
GerlchlssaaV.
Der Raubmord im Höchster Brauhaus. . wc Wiesbaden, 27. Juni, über den Ausgang der Verhandlung gegen den Taglobner Renne aus Münster i. T. haben wir bereits berichtet doch sei über die letzten Vorgänge noch folgendes mitgeteilt: Tie den Geschworenen zur Beantwortung vorgelegten Fragen betrasen vorsätzlichen Mord, nicht nnt Überlegung «rsge- führten Totschlag, schweren I!anb sowie die Tateinheit deS Raubes niit einer der beiden Gewalttaten. Der Vertreter der Anklage- bchörde Staatoanwaltschastsrat Dr. Beckers begründete die Anklage in etwa ein- und cinhalbstündiger Rede und beantragte grundsätzlich die Bejahung der Fragen 1, 2 und 4. Der Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Justizrat Seligsohn verwandte sich für die Vernlinuiig sämtlicher Schuldsragen, gegebenenfalls mit Ausnahme depiciiigen nach Totschlag. Er sprach etwa dreiviertel Stunden. Ans die »e>n seiten des Gerichtsvorsitzenden geschästS- ordnungsgowäß an den Angeklagten zu richtende Frage, ob er noch eiwas zu bemerken Hobe, antwortete Rcnno zunächst überhaupt nicht. Erft auf wieder Haltes Befragen versicherte er nochmals, bei dem Nanl-mrrd absolut unbeteiligt zu sein, ohne dem irgend etwas hinzuznkügen. Es folgte die Rechtsbclehrung der Ge. schworene» Gegen 4%i Uhr zogen diese sich zur Beratung zurück, um gegen 5ft Uhr wieder im S'tzuügssoalc zu erscheinen und durch ihren Obmann Gastbofk-esttzer Zorn-WieSbaden ihren Spruch dahin verkünden zu lasset,, daß die ihnen borgelegten Frage-, im Sinne der Antrages der Ctaatkmtwalts beantwortet und demgemäß der Angeklagte schuldig fei des Raubes und Mordes als Tatrinheck. Renno, welcher im letzten Teil der Verhandlung doch etwas ernster geworden war, hatte wiederum gegen den Gefchworenenfpruch nichts cinzuwenden Der Staatsanwalt beantragte sodann, über ihn die Todesstrake als die einzige Strafe, welche das Strafgesetzbuch für den Mord r-orliebt, zu verhängen und ihn zugleich dauernd der bürgerlichen Eluenrechtc für verlustig zu erklären, während der Verteidiger sich der Stellung eine? Antrages enthielt. Das Urteil wurde nach einet etwa halbstündigen Beratung des Gerichtshofs verkündet. Dasselbe lautete im Sinne des StaatsanwaltschastsantrageS. Renno riahm das Urteil obne Zeichen einer besonderen Erregung entgegen. D,e hundert Mark, die er dem Anscheine noch erbeutet 'hat, werden ibm nun höchstwahrscheinlich den Kopf kosten.
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wc. Der Handel mit militärische« Sieid!i«gsstScke», Schuhe«, Unterzeug ufw nimmt nachgerade überhand trotz Hehlereistrafen, welche gerichtlich über drc Käufer verhängt werden. Auch der bis- lang noch unbescholtene Bahnwärter v. in Mebrich hat angeblich ton einem Soldaten mit dem Stempel des Militärs versehene Gegenstände käuflich erworben, welche, obwohl sie bereits getragen waren, immerhin einen Wert von über 800 M. hatten. Das Schöffengericht verurteilte ihn wegen Hehlerei zu 8 Tage» »» s->« o >- i^
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