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Zrettag, 28. Iuni 1918.

Lerliuer Abteilung des Wiesbadeaer Tagblatts: Berlia V. 57, Au der Apostelkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 and 6803:

Nr. 296. . 66. Jahrgang.

klbend-klusaabe.

Oer Tagesbericht vom 28. Iuni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. Inen. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Rege Tätigkeit deck Engländer und Franzosen beiderseits der Somme. Auch in anderen Abschnitten zw!-, schen Dser und Marne nahm das Artilleriefeurr am Abend zu.

Herrte früh steigerte sich das Feuer des Feindes beider­seits der Lys zwischen Baillenl und Bethunr und südlich der A i s n e zu größerer Stärke. Unsere Artillerie nahm den Kampf kräftig ans. In einzelnen Abschnitten haben sich Jn- fanteriegefechte entwickelt.

Starker Fliegereinsatz führte zu heftigen Luft- kämpfen. Unsere Flieger schoflen gestern 25 f olnd li ch e F l u g z e u g e und 1 Fesselballon, unsere Flugabwehrgeschutze 5 feindliche Flugzeuge ab. Hanptmamn B e rt h o ld errang seinen37., Leutnant Löwenhardt seinen29., Leut­nant R n m y seinen 26. und 27. Lnstsieg.

Der Erste vieneralquartiermeister: Ludendorsf.

«

Paris unv das Seinedepartement in vier

llriegszone einbegriffen.

Basel, 28. Juni. Wie italienische Matter aus Paris m-ölden unter zeichnete der Präsödeint Iber Republik ein Dekret, welches die Departements vcm Paris und der Sein« wl-, Kriegszon« crNärt. Das Dekret habe nur militärische Bedeutung.

In Erwartung ernstester Ereigniffe in Zlandern.

Br. Zürich, 28. Juni. (Eig. Drahtbericbt. zb.) Die „Zürcher Morgenztg " meldet: Einer Kavasnote zufolge sind die militärischen Sachverständigen der Pariser Blat­ter der Ansicht, daß die gesteigerte Feuertatlgkeit an per englischen Front diesmal die ernstesten Ereigniße im flandrischen Abschnitt erwarten lasse.

Kmeriüanikche Mutmatzungen und Einbildungen.

Sr. Rotterdam, 27. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb., ..Daily News" meldet aus New York vom Dienstag: In Washington herrscht die Überzeugung, daß infolge der ost e rr e rch rschen Niederlage der Krieg an der westlichen Front bald beendet lein werde- Wilson sei fest entschlossen.-zur Durch­setzung seiner Idee eines Bölkerbnndes mit Deutschland als Mitolied Man erwarte in Washington deutsche Frie- densvii schlage, die sich auf Belgien. Elsaß-Lothringen, Trient und den Balkan beziehen dürften. Einige Mitglieder der Regierung sind sogar der Meinung, daß den Deutschen eine geeignete Grenze im Osten zugestanden werden mutze, so dab Deutschland sicher auf die Deckung seines Rohstoff­bedarfs rechnen könne. Voraussetzung für dieses Ent­gegenkommen an Deutschland ist nach der „Daily News . daß die deutsche Militärautokratie aufhöre.

Aus der französischen Kummer.

w T -B Paris, 28. Juni- (Drabtbericht.) Die Kammer bat mit 485 gegen 5 Stimmen den gesamten Staatshaus­haltsplan und das Finanzgesetz angenommen.

Oer Zall Uühlmann.

Die nachtrSolichen Erklärungen.

28 Juni Die Blatter 'besprechen einen Artikel der Germania" intter der Überlchrist» Kühlmann -leibt. Alle Gründ­er die Nützlichkeit seines Bleibens werden auch angesuhrt. «o L die „Krcuzzeitung", daß er die Mehrheit des Reichstages hinter sich bat- Die sür Herrn v. Kühlmmn, m Szene ge etzre Rettungsckticn- lafle nicht -'kennen, daß die durch d.e patriotischen Kreise aegangcne Erregung in erster Lrme aus Kuhlmanns Herabsetzung des Wertes der militärischen Krieg-

führuu g znrückznsühren sei- ......

In der . Nordd. Allgem- Ztg." heißt es: Dl- Überentstunnmng. die in der Aufsaflung vom Kriegsende nicht nur zwischen dem Staatssekriiär und dem konservativen Redner, sondern zwischen ihm und jedem anderen vernünftigen guten Deutschen besteht, konnte erst dadurch einen Riß bekomnien, daß man den Satz des Herrn v Kühlmann interpretierte, und zwar interpretlerte man thn dahrn, daß man aus ihm hcrauslas. nach dem heutigen Stande der D,ug- würden uns n u r Perdandlrmyen, nicht militärische Lntscherdungen allein zum Sieg- führen. Aus dem Satz des Staatssekretärs, der vielleicht eine politisch-militärische Binsenwahrheit enthielt, wac damit eine Ungeheuerlichkeit geworden, nämlich daß der Sieg unserer Wasieil nicht mehr die Grundlage der Verhandlungen sein könne, die einmal kommen nmßtcn. Nachdem -ine Jnterpre- tatton den Sinn des Satzes und damit der Rede derart verfälscht hatte, blieb auch dem Staatssekretär nichts anderes übrig, als den kritischen Satz zu interpretieren. und zwar authentisch dahin, daß der Sieg auf unserer Seite ist und wir auch sür die Zukunft aus Sieg hassen solange, bis die Gegner eben zu den auch vom Staatssekretär verlangten Eröffnungen bereit sind, welche der Lage entsprechen und den deutschen Leben-Notwendigkeiten Genüge tun. Selbstverständliche Voraussetzung des mkrimimerten Satzes würde sein der militärische Erfolg, der die Bor aussetzung und die Grundlage aller drplomatischen Ber- Handlungen ist. Nachdem so der Versuch vereitelt worden war, sagt die „Nordd- Allgeni- Ztg.", dem angegriffenen Satz durch eine Interpretation den Sinn zu geben, als ob der Diplomat den Sch-l achtenlenk er yattc beiseite schieben wollen, dürste

man gleul-m, daß damit auch für die ganze Rede mehr Verständ­nis erwirkt- worden wäre. Es scheint aber, daß man den Angriff jetzt auf eine andere Stelle der Rede richten mochte. Wie im ersten Fall« wird auch hier interpretiert; in der Kühlmannrede steht nichts von einer Bereitwilligkeit zu einer Verständigung, wie gesagt wird, um zu der Folgerung zu kommen, daß darin das Bekenntnis zum Gegenteil des Sicgeswillms liege.

Wegwerfende Bemerkungen Ehamberlains.

W. T.-B. London, 27. Juni. (Reuter.) In einer An­sprache auf einer Versammlung von Fürsorgevereinen sür Urlauber machte Chamberlain, Mitglied des Kriegskabinetts, eine kurze Bemerkung über die Rede des Staatssekretärs v. Kühlmann. Er erklärte, wenn irgend etwas nötig sei, daS englische Volk entschlossener zu machen, so würde dies in der Rede des deutschen Staatssekretärs zu finden sein. Die deutsche Friedensentschließung >lnd ein deutscher Friede seien zwei verschiedene Dinge. Die Macht schaffe das Recht, und wo keine Macht sei, gebe es kein Recht. Gegen diese Lehre habe das englische Volk die Waffen ergriffen und werde so lange unter den Waffen bleiben, bis es jenen Grundsatz zu Boden geschlagen habe.

Das englische Gerede über Belgien.

W. T.-B. London, 27. Juni. (Reuter.) „Daily Chronicle" schreibt: Ein Vunkt, der in der Kühlmannschen R-eichstags- rede rocht übersehen werden sollte, ist das Beharren auf dem Standpunkt eines F a u st p f a n d e s für Denffchland, um dam't zu feilschen. Es will es nur aufgeben im AuS - t a u s ck mit etwas anderem. Diese Haltung ist vom Stand­punkt des Völkerrechts aus ganz unhaltbar. Der Angnff was Belgien, der Überfall auf einen ftiedlichen und harm­losen Nachbar war ein Verbrechen, das auf die Völkergemein­schaft zerstörend wirkt. Es muß bedingungslos ungeschehen gemacht und gebüßt werden. Wir können über alles andere verbandeln. aber darüber zu verhandeln heißt einfach einem Verbrechen die Weihe zu geben. So lange Denffchland dies nicht einsieht, hat es keinen Zweck, sich auf irgend eine Erörterung mit ihm einzulassen.

Die ablehnende Stellungnahme Frankreichs.

Sr. Bern, 28. Juni. (Eig. Drahthericht. zb.) Über die Stellung Frankreichs zur Rede Kühlmanns will der Korre­spondent der „Tägl. Rundschau" von maßgebenden französi­schen Personen erfahren haben- Die beiden Hauptpunkte unserer Kriegs- und Friedenspolitik sind von Anfang an ge­wesen: der preußische Militarismus und das österreichische Problem. Beide Dinge müssen aus der Welt geschafft werden. Ersterer muß ersetzt werden durch die allgemeine Ab­rüst u n a, dos zweite muß gelöst weroen durch den Wilson- schen Völkerbund. Das ist der Inhalt unserer Krtegs- devise: Ablösung der Gewalt durch das Recht. CiemenceanS bisberige Politik konnte nach der Lage, welche er beim Antritt vorfand, keine andere sein. Man war in Frankreich über­zeugt, daß ein gerechter und ehrenvoller Friede durch die voc- bergegangenen Friedensversuche nicht erreicht werden kanr- sondern nur durch eine konseguente Durchhaltepolttik. D'.c Oppojiticn, die der Ministecvräsident heute hat, ist rein per­sönlich, und jeder Nachfolger, Barthou wie Briand. wiüßten notgedrungen in die gleichen Fußtapfen treten. Von einem deutschen Wechsel eine Änderung der französffchen Politik zu erwarten, ist eine Verkennung der ganzen Sach­lage bei uns.

Verschiedene Beurteilung in Italien.

W. T.-B. Bern, 28. Juni. (Drahtbericht.) Während die italienische Jnterventionspresse, wie „Corriere della Sera", „Secolo", „Perseverenza" und „Giornale d'Jtalia", in der Rede des Staatssekretärs v. Kühlmann zwar eine gewisse Ernüchterung des deutschen Weltmachttvaums erkennen- wollen, die Erklärung aber stls ein ziemlich ernst- l-attes Anzeichen verdächtigen und vor einer neuen Friedens­offensive warnen, ist die katholisch-italienische Presse in der Beurteilung maßvoller. So erklärt die Mailänder „Jtalia", daß die Bedeutung der Rede derart ist. daß eine große Zurückhaltung in den Erörterungen de: Presie angebracht sei. Alles führe zu. dem Glauben, daß der Krieg nunmehr in eine volitisch-militäri'che Phase von der größten Bedeutung eintrete. Ter „Osservatore Romano" begrüßt die Worte Kühlmanns und sogt' Angesichts dessen, was wir wiederholt zur Friedens- srage geschrieben baben, dürfen wir es nicht unterlassen, den Ausfiihrungen des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes unsere Zustimmung zu geben, namentlich auch in Bezug auf das, was er über die Beargwöhnung der bereits erfolgten deutschen Friedensecklärungen seitens der Alliierten vor­brachte. _

Der Exzar doch noch am Leben?

W. T.-B. Darittstadt, 27. Juni. Wie von zustänldiger Stelle miiigeteitt wird, scheint sich ldas Gerücht von der Er- MMidung dos früheren Zaren wach hier -oiugellaufonen Nach­richten nicht zu Ibestätigen.

weiteres Anwachsen der Bewegung gegen die Sowjetregierung.

Miljukoff und Gutschkofs in Eharbin! ^

Zürich, 27. Juni. Die „Züricher Morgenzeitung" erfährt, daß die gegenrevolutionäre Bew-sgung in Rußland sich täg­lich verschärfe und idatz man mit dom Sturz der

,o l s ch e w i k i vechnen müffe. — Dor Kabettenführer Mi:- ju kofs und der OEtbbristenfvhrer Gutschkofs trafen nach Kiewer Blättern in Charbin «in und stellten sich an die Spitze der gegenreboliutiomären Bewegung.

ttein Einschreiten Englands in Rutzland.

W. T.-B. Rotteedam, 28. J lni. (Drabtbericht.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: In Beant­wortung einer Anfrage des Abgeordneten King sagte Lord Robert Cectl int UnterhaiS, daß weder zwischen England und Wilson, noch mit irgend einer anderen alliierten Macht Verhandlungen über ein Einschreiten der Alliierten in Ruß­land zur Vereitelung des Eindringens der Oberherrschaft des Feindes gefiihrt worden seien.

Die Nahrungsmittelschwierigkeiten in Petersburg.

Rotterdam, 28- Juni, (zb.) Die „Times" meldet aus Petersburg daß bekanntgegeben wurde, daß in den nächsten drei Tagen Brot oder Kartoffeln nicht verabreicht werden. Die Bevölkerung mutz von Dörrgemüserleben. Männer und Frauen sinken vielfach erschöpft auf der Straße nieder.

— Genf, 28. Juni, (zb.) Ans Moskau meldet Havas: Der erste Versuch nach dem Plan Lenins, bewaffnete Arbeiter zu verwenden, um Nahrungsmittel aus den Dörfern aufzutreiben, ist jämmerlich gescheitert. Die Bauern weigerten sich, Nahrungsmittel herzugeben, tüteten 27 Arbeiter, verwundeten 8 und nahmen die übrigen gefangen.

Bolschrwisrischc Einberufungen in Moskau Br. Züricki, 28. Fun:. (Eig. Drabtbericht. zb.) Die Petersburger Telcgraphen-Ageatur berichtet' Gemäß eines am Samstag ergangenen Erlasses weiden in Moskau sämt­liche Arbeiter der ?l l t e rs k la ss e n 19 86/97 zum Waffendienst auf sechs Monate einberrffen. Während dieser Zeit werden sie vom Staat unterhalten und bekommen denselben Sold wie die Soldaten der Roten Arnree. — „Corriere della Sera" meldet' Die nach Moskau gereisten antibolschcwisti'chen V°rtretcr der Petersburger Arbeiter wurden alle verhaftet Die Arbeiter der Mos­kauer Werkstätten fordern ihre iofortige Entlassung.

Einführung einer neuen russischen Währung.

8. Stockholm, 26. Juni. (Eig. Drahtbericht, zjb.) Die dt« Zeitung „Nmscha Rodina" mitteilt, evwägt das BolkkÄkom- missoriat die EimfLIHvuny einer neuen' Währung. Man will -den Rubel -durch den Franken «wsehon und täglich 599 Millionen von diesent neuen Geld in Umlauf bringen. Man hofft dadurch, baldigst die ' wertlosen Rubel- zettel zu verdrängen.

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Japans Ablehnung einer Intervention \ in Sibirien.

Br. Rotterdam, 28. Juni. (Eia. Trnhtbrricht. zb.) Reuter nieldete aus Washington, dort verlaute inesffzieL, die Regierung in Tokio habe beschlossen, den Wunsch der Entente, in Sibirien zu intervenieren abzulehnen. Tröstend fügt Reuter hinzu, die in Washington an­wesenden Gesandten der Vcrbandsmächte sehen in dieser Ablehnung noch nicht die Aufgabe des Planes. Rußland gegen Deutschland zu helfen (?!). Eine hochgestellte Per- sdnlichkeit habe gesagt, daß, kalls Japan die Idee einer militäri'chen Erpedition verweigere, Rußlands Freunde um io starker an ihrem Entschluß, ihm beizr'.springen. festhalten.

Sibirisch-japanische ttonferenzen in Gmsk.

W. T.-B. Stockholm, 28. Juni. (Drahtbericht.) Laut, cinent Telegramm an „Svenska Dagbladed" aus Helsing- frrs finden in Omsk gegenwärtig bedeutsame Kon­ferenzen zwischen Japan und der sibirischen Regierung über gemeinsam« Operationen gegen die bolsche­wistischen Truppen stttt. Auch China ist bei den Verhandlungen vertreten. Japan sei bereit, Sibirien gegen gen-ifie wirtschaftliche Zugeständnisse, wie das Recht zum Gold waschen, zu helfen.

Oie Kdmiralstabsmeldung.

W. T.-B. Berlin, 27. Juni. (Amtlich.) Das unter de« Kommando deS Kapitänleutttants Jeß stehende Unterseeboot hat in der Irischen See und deren Zufahrtsstraßen drei be­sonders werwolle Dampfer von je 5990 bis 6099 Brt. Größe versenkt. Zwei dieser Dampfer wurden.aus starken, nmh England einlaufendcn Geleitzügen herausgeschosien. Im ganzen nach hier eingegangenen Meldungen unserer U-Boote:

29 999 Bruttoregistertonuen.

Der Chef des AdmiralstabS der Marine.

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W. T.-B. Berlin, 27. Juni. Wie ein Unterseeboot jetzt nur in seltenen Fällen Name und Ladung des versenkten Schiffes ftststellen kann, so ist es ihm infolge der zuneh­menden feindlichen Gegenwirkung auch fast nicht möglich, eine annähernde Schätzung der bei Vernichtung von feindlichen Töuppentransportern eingetvetenen Men­sch ende rlustc vorzunebmen. Kürzlich aber trieben in einer Nacht an der Küste van Tripolis die Leichen von 113 italienischen Soldaten an, die zweffellos mit eurem